Rückblicke

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The Project Gutenberg EBook of Rückblicke, by Dr. rer. pol. Walter Grünfeld
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Title: Rückblicke
Author: Dr. rer. pol. Walter Grünfeld
Release Date: December, 2004 [EBook #7049C] [Yes, we are more than one year ahead of schedule] [This file was first
posted on February 28, 2003]
Edition: 10
Language: German
*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK, RUECKBLICKE, BY GRUENFELD ***
Copyright (C) 1998 by Frank Dekker
Rückblicke
Dr. rer. pol. Walter Grünfeld
Inhaltsverzeichnis
Kapitel 1 Frühes Panorama und Vorgeschichte
Kapitel 2 Die Familie und Kattowitz
Kapitel 3 Kindheit und frühe Jugend
Kapitel 4 Kattowitz kommt zu Polen
Kapitel 5 Als ...
Publié le : mercredi 8 décembre 2010
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The Project Gutenberg EBook of Rückblicke, by Dr. rer. pol. Walter Grünfeld ** This is a COPYRIGHTED Project Gutenberg eBook, Details Below ** ** Please follow the copyright guidelines in this file. ** Copyright (C) 1998 by Frank Dekker This header should be the first thing seen when viewing this Project Gutenberg file. Please do not remove it. Do not change or edit the header without written permission. Please read the "legal small print," and other information about the eBook and Project Gutenberg at the bottom of this file. Included is important information about your specific rights and restrictions in how the file may be used. You can also find out about how to make a donation to Project Gutenberg, and how to get involved. **Welcome To The World of Free Plain Vanilla Electronic Texts** **eBooks Readable By Both Humans and By Computers, Since 1971** *****These eBooks Were Prepared By Thousands of Volunteers!***** Title: Rückblicke Author: Dr. rer. pol. Walter Grünfeld Release Date: December, 2004 [EBook #7049C] [Yes, we are more than one year ahead of schedule] [This file was first posted on February 28, 2003] Edition: 10 Language: German *** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK, RUECKBLICKE, BY GRUENFELD *** Copyright (C) 1998 by Frank Dekker Rückblicke Dr. rer. pol. Walter Grünfeld Inhaltsverzeichnis Kapitel 1 Frühes Panorama und Vorgeschichte Kapitel 2 Die Familie und Kattowitz Kapitel 3 Kindheit und frühe Jugend Kapitel 4 Kattowitz kommt zu Polen Kapitel 5 Als Student in der Weimarer Republik A) Berlin a) Leben und Studium b) … und politische Betätigung B) München C) Zwischen Breslau und zu Hause Kapitel 6 Nach dem Ende von Weimar Kapitel 7 Emigration nach Hause, in Polen Kapitel 8 Der 2. Weltkrieg bricht aus Kapitel 9 Kriegsflüchtling Anmerkungen Literatur Kapitel 1 Frühes Panorama und Vorgeschichte Wenn man von einem Nachmittagsausflug nach dem Franziskanerkloster Panewnik durch einen damals reichen, grünen Laubwald zurückwanderte und aus dem Wald trat, da hatte man, von leichter Anhöhe, ein gutes Panorama von Kattowitz vor sich, mit dem benachbarten Zalenze und einigen noch weiter westlich und östlich gelegenen Industriegemeinden, aber man erschrak auch, denn man sah, wie alle diese bewohnten Gegenden in dichte Wolken von Dunst und Rauch getaucht waren. Und dort lebten wir also. Mußte man also jetzt dorthin zurücklaufen? Das war aber nur eines von recht wenigen Malen, daß ich das als Kind gefragt habe. Für mich war diese Silhouette der Kohlengruben, Eisen und Zinkhütten, die sich da wie eine Kette von Ost nach West inmitten der Ortschaften hinzogen, eine Faszination, es war die Heimat, in der und mit der man lebte. Ja, es gab dort oft so einen Geruch und Geschmack nach Rauch, er war würzig, man kannte ihn. Aber die Natur reichte an die Stadt heran; um die Stadt war viel unbebautes Feld, teils angebaut mit Roggen, Hafer, viel Kartoffeln, Kohl und Rüben, teils ganz leer, hart und steinig, holprig, die sogenannten Bruchfelder, die besonders stark von einer Grube unterbaut waren. Dann weiter im Süden begann der Wald, das waren die Ausläufer der großen Wälder des Fürstentums Pleß, die etwa dreißig Kilometer bis Pleß sich ausstreckten. Man konnte zum Nachmittagskaffee durch den Wald nach "Emanuelssegen", Murcki, laufen. Da war nicht nur eine Gartenwirtschaft, sondern auch eine große Kohlengrube, die eigentlich in einer sehr großen Lichtung im Wald lag. Weiter südlich lag dann in den Plesser Wäldern der Paprozaner See. Dort gab es nicht nur das Jagdschlößchen Promnitz. Da war auch einmal ein "Eisenhammer". Man konnte die Überreste noch sehen. Es wurde viel Holz und Holzkohle dafür gebraucht, aber jetzt war die Eisenverhüttung zu den Kohlenflözen gezogen, wo sie zu enormen Unternehmungen wurde, das oberschlesische Industrierevier. Es entstand aus alten Dorfgemeinden die Kette von Industrieortschaften. Vor allem an den Hauptverkehrsadern gingen sie ineinander über. Dazwischen waren größere und alte Städte wie Beuthen und die viel jüngere, erst im 19. Jahrhundert entstandene Stadt Kattowitz. Die Orte hatten eine oder mehrere Kohlengruben als wirtschaftliche Basis und einige hatten Eisenhütten und Stahlwerke oder Zinkerzgruben und hütten. Das war ein früher Eindruck meiner Kindheit. Wir lebten in Kattowitz, ein Teil der Familie in Beuthen, und wir besuchten sie dort oft. Das waren etwa eineinhalbstündige Wagenreisen, später nach 1918 nur noch halbstündige Autofahrten durch diesen Teil des Industriereviers, etwa fünfzehn Kilometer. Ich kannte bald die Namen der Orte, Gruben und Werke, an denen wir vorbeifuhren, alle mit Halden, besonders russig und rauchig. Meine ersten Kindheitserinnerungen an die Menschen in Oberschlesien zeigen kaum Spuren von den großen Konflikten späterer Jahre und wie man von Heute darauf zurückblickt. Ich war 1908 in Kattowitz geboren. Dazwischen liegen zwei Weltkriege, der Zerfall von drei Kaiserreichen, die so tragisch vergeblichen Existenzkämpfe der Weimarer Republik und des unabhängigen Polens und dann die Nazikatastrophe, die Deutschland, Europa und die ganze Welt, und noch so besonders unbeschreiblich uns Juden betroffen hat. Über den oberschlesischen Menschen ist oft geschrieben worden. Die Sprache hatte in breiten Schichten der deutschsprechenden Oberschlesier einen Akzent, der die Nachbarschaft mit den polnisch sprechenden Oberschlesiern durchscheinen ließ, und durchsetzt war mit manchen heimischen polnischen Kraftausdrücken. Es war eine recht hart klingende, aber eine gemütliche Sprache. Bei uns zu Hause, in der Schule und im Bekanntenkreis wurde Hochdeutsch gesprochen, die Kraftausdrücke und der Akzent waren verpönt, aber das oberschlesische Deutsch war doch um einen herum, man lebte damit. Auch das Polnisch hörte man. In der Stadt wurde ganz vorwiegend Deutsch gesprochen, aber polnisch hörte man als Kind zum Beispiel im Kontakt mit Bauern und Bäuerinnen der Umgebung, die man bei den täglichen Spaziergängen traf, oder wenn man auf den Markt mitging. Aber mir fehlte als Kind das Gefühl für eine starke Spannung zwischen deutsch und polnisch sprechenden Menschen in Oberschlesien, und ich glaube, nicht nur wegen meiner Kindheit, sondern auch, daß diese Spannung vor 1918 nicht so entwickelt war. Es ist richtig, Oberschlesien war bereits im Reichstag durch den polnischen Abgeordneten Korfanty vertreten, es gab polnische Vereine und Zeitungen, Wahlkämpfe, aber es gingen alle in den Krieg 1914. Wenn man über die Jahrhunderte zurückblickt, dann war Schlesien, und besonders Oberschlesien so stark und häufig ein Gebiet der Übergänge, mit wechselnden Siedlungseinflüssen und politischen Oberhoheiten. Die Bevölkerung, die die Umwelt meiner Kindheit war, trug noch die Zeichen davon. Es war auch ein Dialekt des Polnischen, bei uns Wasserpolnisch genannt, im heutigen Polen "gwara", der in Oberschlesien gesprochen wurde. Es hatte ja lange getrennt vom polnischen Hauptland und zeitweise unter böhmischen (tschechischen) und deutschen Einflüssen gelebt, die zu dieser Dialektbildung beigetragen hatten. Die Südostecke Oberschlesiens, wo Kattowitz lag, war so ganz besonders ein Grenzland. Wenn man an klaren Tagen nach Süden sah, oder gar südlich auf dem Wege nach Pleß fuhr, dann sah man die Gebirgskette der Beskiden, des nördlichen Teils der Karpaten, das war in Österreich. Es war das östereichische Schlesien, das der preußische König Friedrich der Große am Ende seiner Schlesischen Kriege der Kaiserin Maria Theresia noch belassen mußte. Wenn man auf einem größeren Ausflug nach Bielitz am Rande der Beskiden fuhr, dann ging man ins Kaffee Bauer, und das war, so wurde uns Kindern gesagt, wie ein richtiges Wiener Kaffeehaus, die Leute in der Stadt sprachen deutsch mit einem österreichischen Akzent. Sie waren in österreichische Schulen gegangen, bei uns in Kattowitz waren es preussische.
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