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Pissarro

De
80 pages
„Vater Pissaro“, wie seine Freunde ihn gern nannten, war wohl der nüchternste der Impressionisten. Vielleicht lag es an seinem Alter (welches weitaus fortgeschrittener war, als das seiner Kollegen Monet, Sisley, Bazille und Renoir) oder vielmehr an seiner Lebenserfahrung, die seine Werke sowohl in ihren Themen als auch in ihrer Komposition durchaus ruhig und schlicht erscheinen lassen.
Ein Mann mit einfachem Geschmack, der es genoss, die Landbevölkerung in den Straßen zu malen, auch wenn er später mit seinen Stadtansichten Berühmtheit erlangen sollte, die er mit derselben Leidenschaft fertigte, die in ihm aufkam, wenn er wieder einen stürmischen Himmel oder den vom Frost gezeichneten Morgen auf die Leinwand bannte.
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PISSARRO
Layout: Baseline Co Ltd 127-129A Nguyen Hue rd Fiditourist 3 Floor District 1, Ho Chi Minh City Vietnam
© Sirrocco, London UK © Confidential Concepts, worldwide, USA
Weltweit alle Rechte vorbehalten
Soweit nicht anders vermerkt, gehört das Copyright der Arbeiten den jeweiligen Fotografen. Trotz intensiver Nachforschungen war es aber nicht in jedem Fall möglich, die Eigentumsrechte festzustellen. Gegebenenfalls bitten wir um Benachrichtigung.
ISBN:978-1-78042-593-1
Camille Pissarro
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mpression, Sonnenaufgang(Paris, Musée Marmottan): So lautete im Jahr 1874 der Titel eines Gemäldes von Claude Monet, das bei der ersten Ausstellung einer sich als KIünstlergruppe gezeigt wurde. Zuvor hatte Monet in Le Havre, der Stadt, in der er “Société anonyme des artistes peintres, sculpteurs, graveurs etc.” bezeichnenden aufgewachsen war, eine Reihe von Landschaftsbildern und Seestücken gemalt, von denen er die besten für die Ausstellung auswählte. Die Gestaltung des Katalogs übernahm Edmond Renoir, ein Bruder des gleichnamigen Malers. Zu Recht warf er Monet die Eintönigkeit der gewählten Bildtitel vor – Originelleres alsBlick auf Le Havrehatte der Maler sich nicht einfallen lassen. Diesen Titel hatte er für die Darstellung eines Hafens im Morgengrauen vorgesehen: Ein bläulicher Nebeldunst hüllt die Umrisse von Segelschiffen ein, dunkle Bootssilhouetten gleiten gespenstisch dahin, über den Horizont steigt orangefarben die flache Scheibe der Sonne empor und wirft eine erste, rötliche Lichtspur auf die Wasserfläche. Nach den herrschenden ästhetischen Kriterien war das überhaupt kein Gemälde, sondern eher eine Art Skizze in Öl, rasch hingeworfen, um den flüchtigen Augenblick einzufangen, in dem ein neuer Tag anbricht. Offensichtlich war der TitelBlick auf Le Havrefür dieses Bild denkbar ungeeignet, schon weil Le Havre auf ihm gar nicht zu sehen war. “Schreiben Sie doch:Impression, schlug Monet daher Edmond Renoir vor, und so begann die Geschichte des Impressionismus. Am 25. April 1874 veröffentlicht der Kritiker Louis Leroy in der ZeitschriftLe Charivarieine satirische Rezension dieser Ausstellung. ”Ein bekannter Künstler verliert angesichts der ausgestellten Werke zunehmend den Verstand. Er hält das gepflügte Feld auf einem Gemälde von Camille Pissarro für Kratzer einer Palette auf einer schmutzigen Leinwand, er kann Oben und Unten, Rechts und Links nicht mehr auseinander halten. Claude Monets BildBoulevard des Capucinesentsetzt ihn, und Monets Impression, Sonnenaufgangbrachte das Fass zum Überlaufen.“Impression, dachte ich mir”, murmelt der Künstler. “Impression ist da bestimmt drin. Und diese Freiheit, diese Flüchtigkeit in der Ausarbeitung! Eine Tapete im Urzustand ist ausgearbeiteter als dieses Gemälde!” Und er beginnt herumzutanzen und zu rufen: “Hough! Hough! Ich bin auf dem Pfad des Impressionismus, das Messer an der rächenden Palette!” (Le Charivari, 25. April 1874, zit. nach Renoir, S. 149151). Leroy überschreibt seine Satire:Ausstellung der Impressionisten. Dank seiner Begriffsstutzigkeit steht der Bildtitel Monets am Ursprung eines neuen Begriffs, so geistreich und treffend, dass er für immer in den Wortschatz der Kunstgeschichte eingehen wird. Monet selbst hat die Urheberschaft für die Bezeichnung “Impressionismus” beansprucht, als er 1880 gegenüber einem Journalisten erklärte: “Ich habe dieses Wort erfunden, jedenfalls habe ich irgendeinemFigaroJournalisten Gelegenheit gegeben, das Schlagwort in die Welt zu setzen. Mit welchem Erfolg, das wissen Sie ja.” (Venturi Bd. 2, S. 340)
1.Die Straße von Versailles nach Louveciennes,1870. Öl auf Leinwand, 100 x 81 cm. Private Sammlung, Zürich.
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2.Zwei Frauen, plaudernd am Meer,1856. Öl auf Leinwand, 28 x 41 cm. National Gallery of Art, Washington.
3.Das Haus des Père Gallien, Pontoise,1866. Öl auf Leinwand, 40 x 55 cm. Ipswich Borough Council, Museums and Galleries, Suffolk.
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4.Die Dienerin, 1867. Öl auf Leinwand, 93,6 x 73,7 cm. The Chrysler Museum of Art, Norfolk, Virginia.
5.Die Ufer der Marne und Chennevières,1864. Öl auf Leinwand, 91,7 x 145,4 cm. National Gallery of Scotland, Edinburgh.
Die Impressionisten und die Klassische Schule
Die Gruppe junger Künstler, die auf diese Weise zu der Bezeichnung “Impressionisten” gelangte, hatte sich seit Beginn der sechziger Jahre zusammengefunden. Claude Monet, der Sohn eines Kolonialwarenhändlers in Le Havre, Frédéric Bazille, Spross wohlhabender Eltern aus Montpellier, Alfred Sisley, der von einer in Frankreich lebenden englischen Familie abstammte und der Pariser Schneidersohn Auguste Renoir lernten sich im Atelier des Kunstprofessors Charles Gleyre kennen, von dem sie sich in der Malkunst unterweisen ließen. In ihren Augen verkörperte Gleyre die klassische Schule wie kein anderer. Charles Gleyre war damals sechzig Jahre alt. Der aus einem Ort am Genfer See stammende Schweizer hatte seit seiner Kindheit in Frankreich gelebt, nach dem Besuch derEcole des Beaux Artsjedoch sechs Jahre in Italien verbracht. Seine Erfolge bei den schon seit Jahrhunderten alle zwei Jahre in Paris organisierten Ausstellungen für Gegenwartskunst, den so genanntenSalons, hatten ihn bei seinen Zeitgenossen berühmt gemacht. Gleyres Spezialität waren großformatige Gemälde, auf denen er biblische und mythologische Motive in vollendet klassizistischer Klarheit zelebrierte; der Körperbau seiner weiblichen Aktdarstellungen hielt jedem Vergleich mit den Werken des großen JeanAugusteDominique Ingres stand. Seinen Kunstunterricht erteilte Gleyre in einem von Hippolyte Delaroche, einem anderen erfolgreichenSalonMaler, eingerichteten Atelier. Hier erhielten die Studierenden eine traditionelle, klassische Ausbildung, blieben jedoch von den offiziellen Anforderungen derEcole des BeauxArtsverschont und genossen den Vorzug, vom ersten Tag an am lebenden Modell studieren zu können. Niemand hat die Ausbildung, die die künftigen Impressionisten hier genossen, besser geschildert als Auguste Renoir. Seinem Sohn Jean, dem großen Regisseur, erzählte er später, wie “...Gleyre, ein mächtiger, bärtiger und kurzsichtiger Schweizer”, ihn “...in einen großen, kahlen Raum (führte), in dem junge Leute über ihre Staffeleien gebeugt waren. Durch eine Glaswand, vorschriftsmäßig auf der Nordseite, fiel graues Licht auf ein nacktes Modell” (Renoir, S. 92). Die hier versammelten Studierenden waren, wie schon ihr Äußeres zeigte, sehr unterschiedlicher Herkunft: während der Handwerkersohn Renoir im praktischen Anstreicherkittel erschien, kleideten die Sprösslinge begüterter Familien, die hergekommen waren, um “Künstler” zu spielen, sich vorzugsweise in schwarze Samtwämser, zu denen sie ein passendes Barett trugen. Renoir war schlicht “...gekommen, um Zeichnen zu lernen. Er bedeckte sein Papier mit Kohlestrichen, und rasch war er ganz in die Form einer Wade oder die Krümmung einer Hand versunken.” (Ebd., S. 93) Für ihn und seine Freunde war der Unterricht kein Spiel, so sehr auch die Leichtigkeit, mit der er arbeitete, seinen Lehrer aus dem Konzept brachte. Renoir erzählte, “...wie Gleyre einmal verblüfft hinter ihm stand und lange seine Skizze betrachtete. Dann: ‘Junger Mann, Sie sind sehr geschickt, sehr begabt, aber man
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