Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften Verhandlungen des Europäischen Parlaments Sitzungsperiode 1983-1984. Ausführliche Sitzungsberichte vom 8. bis 11. März 1983

De
Publié par

ISSN 0378-5009 Amtsblatt Anhang der Europäischen Gemeinschaften Nr. 1-296 Verhandlungen des Europäischen Parlaments Ausgabe in deutscher Sprache Sitzungsperiode 1983-1984 Ausführliche Sitzungsberichte vom 8. bis 11. März 1983 Europagebäude Straßburg Inhalt Sitzung am Dienstag, 8. März 1983 1 Eröffnung der jährlichen Sitzungsperiode, S. 2 — Landwirtschaftspreise (Fortset­zung), S. 2 — Türkei, S. 40 — Einheitliches Wahlverfahren, S. 51 — Jugoslawien, S. 62 — Debatte über aktuelle und dringliche Fragen (Mitteilung), S. 69 — Frage­stunde, S. 69. Sitzung am Mittwoch, 9. März 1983 82 Anwendung von Artikel der Geschäftsordnung, S. 84 — Haushaltspolitik für 1984, S. 87 — Tagesordnung, S. 99 — Haushaltspolitik für 1984 (Fortsetzung), S. 99 — Äthylalkohol, S. 101 — Landwirtschaft im Schottischen Hochland und auf den schottischen Inseln, S. 114 — Erklärung der Präsidentschaft zur Auslegung von Artikel 85 der Geschäftsordnung, S. 114 — Debatte über aktuelle und dringliche Fragen (Einsprüche), S. 116 — Fragestunde (Fortsetzung), S. 116 — Landwirtschaft im Schottischen Hochland und auf den schottischen Inseln (Fortsetzung), S. 130 — Kennzeichen für Milch, S. 138 —Abstimmungen, S 140 — Anlagen, S. 142. Sitzung am Donnerstag, 10. März 1983 184 Entschließungsantrag (Artikel 49 der Geschäftsordnung), S. 185 — Äthylalkohol (Fortsetzung), S. 186 — Abstimmungen, S.7 — Debatte über aktuelle und dring­liche Fragen, S. 191 —Verpackungen für flüssige Lebensmittel, S.
Publié le : vendredi 9 mars 2012
Lecture(s) : 12
Source : EU Bookshop, http://bookshop.europa.eu/
Nombre de pages : 292
Voir plus Voir moins

ISSN 0378-5009
Amtsblatt
Anhang
der
Europäischen Gemeinschaften
Nr. 1-296
Verhandlungen des Europäischen Parlaments Ausgabe in deutscher Sprache
Sitzungsperiode 1983-1984
Ausführliche Sitzungsberichte
vom 8. bis 11. März 1983
Europagebäude Straßburg
Inhalt Sitzung am Dienstag, 8. März 1983 1
Eröffnung der jährlichen Sitzungsperiode, S. 2 — Landwirtschaftspreise (Fortset­
zung), S. 2 — Türkei, S. 40 — Einheitliches Wahlverfahren, S. 51 — Jugoslawien,
S. 62 — Debatte über aktuelle und dringliche Fragen (Mitteilung), S. 69 — Frage­
stunde, S. 69.
Sitzung am Mittwoch, 9. März 1983 82
Anwendung von Artikel der Geschäftsordnung, S. 84 — Haushaltspolitik für
1984, S. 87 — Tagesordnung, S. 99 — Haushaltspolitik für 1984 (Fortsetzung),
S. 99 — Äthylalkohol, S. 101 — Landwirtschaft im Schottischen Hochland und auf
den schottischen Inseln, S. 114 — Erklärung der Präsidentschaft zur Auslegung von
Artikel 85 der Geschäftsordnung, S. 114 — Debatte über aktuelle und dringliche
Fragen (Einsprüche), S. 116 — Fragestunde (Fortsetzung), S. 116 — Landwirtschaft
im Schottischen Hochland und auf den schottischen Inseln (Fortsetzung), S. 130 —
Kennzeichen für Milch, S. 138 —Abstimmungen, S 140 — Anlagen, S. 142.
Sitzung am Donnerstag, 10. März 1983 184
Entschließungsantrag (Artikel 49 der Geschäftsordnung), S. 185 — Äthylalkohol
(Fortsetzung), S. 186 — Abstimmungen, S.7 — Debatte über aktuelle und dring­
liche Fragen, S. 191 —Verpackungen für flüssige Lebensmittel, S. 211 — Etikettie­
rung und Aufmachung von Lebensmitteln, S. 219 — Irische Moorlandschaften,
S. 223 — Kennzeichnung für Milch (Fortsetzung), S. 228 — Ölmilliarden, S. 229
— Energiepolitik, S. 229 — Technologietransfer, S. 237 — Erdgas, S. 241 — Rum,
S. 244 — Verkehr in Grenzregionen, S. 248 — Häfen, S. 251 — Anlage, S. 256.
Sitzung am Freitag, 11. März 1983 264
Protokoll, S.4 — Abstimmungen, S. 266 — Fischerei, S. 269 — Häfen (Fortset­
zung), S. 272 — Verkehrsgestaltung, S. 276 — Vietnam, S. 280 — Unterbrechung,
S. 281—Anlage, S. 282. HINWEIS FUR DEN LESER
Die „Ausführlichen Sitzungsberichte" erscheinen gleichzeitig in den sieben Amtsspra­
chen der Gemeinschaft: Dänisch, Deutsch, Englisch, Französisch, Griechisch, Italienisch
und Niederländisch. Die vorliegende Ausgabe enthält neben den Originalreden in deut­
scher Sprache die Übersetzung der in anderen Sprachen gehaltenen Beiträge; hinter dem
Namen des Redners wird die von ihm benutzte Sprache angegeben: (DA) für Dänisch,
(EN) für Englisch, (FR) für Französisch, (GR) für Griechisch, (IT) für Italienisch und
(NL) für Niederländisch.
Die Originaltexte sind in der Ausgabe zu finden, die in der Sprache des jeweiligen
Redners veröffentlicht wird.
Die auf der Tagung vom 8. bis 11. März 1983 angenommenen Entschließungen wurden im
Amtsblatt C 96 vom 11. April 1983 veröffentlicht. Verhandlungen des Europäischen Parlaments Nr. 1-296/1 8.3.83
SITZUNG AM DIENSTAG, 8. MÄRZ 1983
Inhalt
1. Eröffnung der jährlichen Sitzungsperiode 2 6. Debatte über aktuelle und dringliche Fragen
(Mitteilung):
2. Landwirtschafispreise (Dok. 1-1325/82) (Fort­
von der Vring, Alavanos, Enright 69
setzung):
7. Fragestunde (Dok. 1-1346/82):
Collins, G. Fuchs, Erti (Rat), Tugendhat
(Kommission), Wettig, Clinton, Hord, Vitale, Sherlock 69
B. Nielsen, Lalor, BUney, Castle, Bocklet,
Anfragen an den Rat:
Purvis, Møller, Adamou, Mäher, Flanagan,
Thareau, Sir Fred Warner, Maffre-Baugé, S. Anfrage Nr. 1 von Herrn Deniau: Beziehun­
Martin, Ansquer, Vgenopoulos, Diana, Bat- gen zwischen der EWG und Vietnam:
tersby, Goerens, Vemimmen, Konrad Schön,
Genscher (Rat), Deniau, Genscher, Lomas,
Damseaux, Kaloyannis, Gredal, Barbagli,
Genscher, Habsburg, C. Jackson,
Gautier, Papaefs tratiou, McCartin, Eyraud, Wurtz, Genscher 70
Erti, Dahager (Kommission), Mouchel 2
Anfrage Nr. 2 von Frau Boot: Abgabenfreiheit
für Treibstoffe, die in normalen Tanks enthal­3. Türkei. — Mündliche Anfragen mit Aus­
ten sind, für alle in den EG Ländern zugeUs-sprache (Dok. 1-1274/82) von Herrn Israel
senen Nutzfahrzeuge (einschließlich Omni­und anderen an die Außenminister, (Dok.
bussen): 1-1275/82) von Frau De March und anderen
an die Kommission und (Dok. 1-1280/82) von Buchan, Genscher, Boot, Genscher, von der
Herrn Glinne und anderen an die Außenmini­ Vring, Sherlock, Maij-
ster: Weggen, Seeler, Elaine
Kellett-Bowman, Rogalla, Genscher,
Israël, Frischmann, Glinne, Genscher (Außen­
Kellett-Bowman 72
minister), Haferkamp (Kommission), Hänsch,
von Hassel, Genscher, Spicer, Kostantinos Ni- Anfrage Nr. 3 von Herrn Lomas: Komplott
koUou, Ephremidis, Beyer de Ryke, zwischen der Konservativen Partei und der
Vandemeulebroucke, Romualdi, PUskovitis, Kommission der EG:
Bournias, Pannella, Pannella, Pes-
Genscher, Lomas, Genscher, Welsh, Genscher,
mazoglou, Kyrkos, Ewing, Fich, van Minnen,
Israël, Genscher, Enright, Genscher, Hutton,
Genscher, Haferkamp 41
Genscher, Prag, Megahy, Alavanos,
Lord Härmar-Nicholls, Genscher 74
4. Einheitliches Wahlverfahren. — Mündliche
Anfrage Nr. 5 von Herrn Israël: Beitritt Groß­Anfrage (Dok. 1-1137/82) von Herrn Seitlin-
britanniens zum Europäischen Währungssy­ger und anderen an den Rat:
stem:
Seitlinger, Genscher (Rat), Schieler, Rumor,
Galland, Genscher, Israël, Genscher, Welsh,
Lord Douro, D'Angelosante, Haagerup,
Genscher, von der Vring, Sir Bran­
Ewing, Vandemeulebroucke, Romualdi, Bock­
don Rhys Williams, Genscher, Herman, Gen­
let, Galland, Ryan, Harris, Damseaux, Gen­
scher, Patterson, Sieglerschmidt,
scher, Seitlinger, Rumor, Genscher, Lord Har-
Genscher 77
mar-Nicholls, Genscher 51
Anfragen an die Außenminister:
5. Jugoslawien. — Bericht (Dok. 1-1193/82) von Anfrage Nr. 27 von Herrn Flanagan: Die
Herrn Be t tiza:
Europäische Gemeinschaft und die Auflösung
von „Solidarität":
Bettiza, Seefeld, Gaietti De Biase, Israël, Pan­
nella, Almirante, Pesmazoglou, Eisma, Gen­ Enright, Genscher (Außenminister), FUnagan,
scher (Rat), Haferkamp (Kommission) 62 Genscher, Fich, Genscher. 78 Nr. 1-296/2 Verhandlungen des Europäischen Parlaments 8.3.83
Anfrage Nr. 28 von Herrn Moreland: Gre­ Anfrage Nr. 29 von Herrn Balfe: Plastik­
nada: geschosse:
Genscher, Moreland, Genscher, Fich, Genscher, Genscher, Balfe, Genscher, Blumenfeld, Gal­
land, Moreland, Enright, Genscher, Seligman, Genscher, Alavanos,
Ewing, van Minnen Brok, van Minnen, Genscher 79 80
VORSITZ: MARCEL A. VANDEWIELE Vertrags ausdrücklich heißt, eines der Hauptziele der
gemeinsamen Agrarpolitik sei es, für die Belieferung
Vizepräsident
der Verbraucher zu angemessenen Preisen Sorge zu
tragen. Wir glauben nicht, daß das derzeit geschieht,
und wir glauben auch nicht, daß eine durchschnitt­(Die Sitzung wird um 9.00 Uhr eröffnet)
liche Anhebung der Preise unter den gegenwärtigen
Umständen die Voraussetzung dafür schaffen würde,
1. Eröffnung der jährlichen Sitzungsperiode daß es in Zukunft dazu kommt.
Schauen Sie sich den Sachverhalt an. Die Gemein­Der Präsident. — Gemäß Artikel 9 Absatz 2 der Ge­
schaft erzeugt ganz beträchtliche Überschüsse, z. B.
schäftsordnung erkläre ich die Sitzungsperiode 1983/
an Milcherzeugnissen, Zucker, Weizen, Wein und
1984 des Europäischen Parlaments für eröffnet (').
Rindfleisch. Die Weltmarktpreise liegen erheblich un­
ter den Preisen der EWG. Bei Zucker beträgt der
2. Landwirtschaftspreise (Fortsetzung) Weltmarktpreis, wie ich höre, nur etwa 30 % des
diesjährigen europäischen Preises. Gleichzeitig wird
uns berichtet, die landwirtschaftlichen Einkommen Der Präsident. — Nach der Tagesordnung folgt die
seien im letzten Jahr gestiegen. Es herrscht zwar eine Fortsetzung der Aussprache über den Bericht von
gewisse Uneinigkeit darüber, wie sehr sie gestiegen Herrn Mouchel zur Festsetzung der Preise für ver­
sind, aber einige sagen, die Steigerung liege bei 10 %. schiedene landwirtschaftliche Erzeugnisse (2).
Zudem befindet sich Europa in einer Rezession, und
Collins (S), mitberatender Berichterstatter des Ausschus­ es gibt Millionen arbeitsloser Arbeiter, die mit mage­
ses für Umweltfragen, Volksgesundheit und Ver­ ren staatlichen Unterstützungen auskommen müssen.
braucherschutz. — (EN) Herr Präsident, jetzt ist eine Wir erzeugen also mit hohem Kostenaufwand Über­
der Zeiten im Jahr, vielleicht auch die einzige Zeit im schüsse, während andererseits der Verbrauch sta­
Jahr, in der sämtliche wirtschaftlichen Argumente, die gniert oder zurückgeht, weil die arbeitslosen Arbeiter
in diesem Haus normalerweise vorgebracht werden, sich die Nahrungsmittel nicht leisten können, die
um die Vorzüge des Freihandels und des fairen Wett­ dann subventioniert werden müssen, damit man sie
bewerbs in Europa sowie zwischen Europa und der auf dem Weltmarkt los wird.
übrigen Welt zu preisen, auf den Kopf gestellt wer­
Herr Präsident, selbst wenn Lewis Carroll und den. Die Kommission und andere erklären uns oft,
George Orwell sich zusammengetan hätten, um ge­
daß Wettbewerb und Freihandel dem Verbraucher
meinsam einen Roman zu schreiben, hätte die Hand­
zugute kommen, weil die Preise dadurch niedrig ge­
lung nicht bizarrer ausfallen können als das, was ge­
halten werden und wirtschaftliche Freiheit zu hoher
genwärtig in diesem Parlament vor sich geht. Aus die­
Produktivität führt. Sobald es aber um die Landwirt­
sem Grund hat der Ausschuß für Umweltfragen,
schaft geht, wird keines dieser Argumente gebraucht.
Volksgesundheit und Verbraucherschutz mehrere
Dann haben wir es mit Protektionismus statt Freihan­
Änderungsanträge eingereicht.
del, Garantien statt Wettbewerb und unsinnig hohen
statt niedrigen Nahrungsmittelpreisen zu tun. Erstens finden wir, daß die Daten, auf die sich so­
wohl die Vorschläge der Kommission als auch die des
Der Ausschuß für Umweltfragen, Volksgesundheit
Landwirtschaftsausschusses gründen, unzureichend
und Verbraucherschutz kann diesen verrückten Sach­
und völlig überholt sind. So befürworten wir zwar
verhalt nicht unterstützen und möchte das Parlament
z. B. die Versuche der Kommission, bessere Informa­
doch daran erinnern, daß es in Artikel 39 des EWG-
tionen über die Auswirkungen der Agrarpreise auf die
Nahrungsmittelpreise in den einzelnen Ländern zu
gewinnen, jedoch muß diese Untersuchung unseres (') Genehmigung des Protokolls — Debatte über aktuelle
Erachtens dahin gehend erweitert werden, daß man und dringliche Fragen (Ankündigung): vgl. Protokoll.
die Auswirkungen für jedes einzelne Erzeugnis fest-(J) Siehe Sitzungsberichte vom Vortag. 8.3.83 Verhandlungen des Europäischen Parlaments Nr. 1-296/3
Collins
stellen kann. Information ist Macht, und wir wollen, G. Fuchs (S), mitberatender Berichterstatter des Aus­
daß diese Macht auch weiterhin beim normalen Bür­ schusses für Entwicklung und Zusammenarbeit. — (FR)
Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen, ich ger liegt und nicht bei den Erzeugern, seien es die
melde mich im Namen des Ausschusses für Entwick­Landwirte oder die Nahrungsmittelindustrie, mit ih­
lung und Zusammenarbeit zu Wort, um eine Reihe ren eigennützigen Interessen.
von unseres Erachtens wichtigen Anmerkungen zu
Zweitens gehen die Angaben über den Anstieg der den Auswirkungen der gemeinsamen Agrarpolitik auf
landwirtschaftlichen Einkommen im letzten Jahr recht die Entwicklungsländer im allgemeinen und die mit
bunt durcheinander. Manche sagen, es seien 4 oder uns assoziierten Länder im besonderen zu machen.
5 % gewesen, manche gehen bis zu 10 %, und in
Seit der Aussprache, die wir letztes Jahr um die einem Land der Gemeinschaft wird die Erhöhung gar
gleiche Zeit über die Festsetzung der Agrarpreise auf 45 % geschätzt. Wir meinen daher, daß das Ver­
führten, sind eine Reihe neuer Elemente hinzugekom­fahren zur Ermittlung der Einkommen überprüft wer­
men. Das Wichtigste ist die auf unser Ersuchen hin den muß, damit wir es künftig mit erheblich größe­
erfolgte Veröffentlichung einer Studie der Kommis­rem Vertrauen anwenden können, als dies gegenwär­
sion der Europäischen Gemeinschaften über die Aus­tig der Fall ist.
wirkungen der gemeinsamen Agrarpolitik auf die
Nach Auffassung des Ausschusses für Umweltfragen, Entwicklungsländer bzw. hätte es sein sollen. Gemäß
Volksgesundheit und Verbraucherschutz ist es grund­ den Schlußfolgerungen dieser Studie sollen diese Aus­
sätzlich wichtig, in ländlichen Gebieten mit Landwirt­ wirkungen relativ begrenzt gewesen sein. Die Argu­
schaft weiterhin für einen angemessenen Lebensstan­ mentation stützt sich insbesondere auf zwei Tatsa­
dard Sorge zu tragen. Wir wollen keine Arbeitslosig­ chen: das hohe Agrarhandelsbilanzdefizit der Euro­
keit auf dem Lande erzeugen, wir wollen die länd­ päischen Gemeinschaft gegenüber den Entwicklungs­
liche Wirtschaft nicht ruinieren, und wir wollen das ländern, das im Jahr 1979 ungefähr 17 Mrd Dollar
ländliche Landschaftsbild nicht zerstören. Gleichzeitig betrug, und die Tatsache, daß lediglich 7 % unserer
möchten wir jedoch auch sicherstellen, daß die Nah­ Agrareinfuhren aus den Entwicklungsländern Ab­
rungsmittelpreise für die Verbraucher niedrig genug schöpfungen unterliegen.
gehalten werden, damit sich die Menschen angemes­
Diese Zahlen sind zwar unbestreitbar richtig, jedoch sen und gesund ernähren können.
möchte ich versuchen, Ihnen anhand einiger Beispiele
zu zeigen, daß die Schlußfolgerungen der Studie uns Dabei lehnen wir die Vorstellung, daß sich diese bei­
dennoch unzutreffend erscheinen. Als erstes Beispiel den Ziele mit dem gegenwärtigen System von Preis­
möchte ich das Getreide nennen. Es besteht doch garantien für die Bauern erreichen lassen, ganz ent­
ganz offensichtlich ein Widerspruch zwischen der schieden ab. In der Praxis führt es zu Überproduk­
Tatsache, daß die Gemeinschaft in diesem Bereich tion, einem zu geringen Verbrauch, einer Verschlech­
eine intensive Exportpolitik betreibt, und der gleich­terung der Umweltqualität, Nachteilen für die Ver­
zeitigen Versicherung, daß wir Ernährungsstrategien braucher und einem unzureichenden Lebensstandard
mit dem Ziel der örtlichen oder regionalen Selbstver­der Kleinbauern, insbesondere in benachteiligten
sorgung der Entwicklungsländer unterstützen. Ich Gebieten. Mit anderen Worten, das gegenwärtige
glaube, heute wird nahezu einhellig anerkannt, daß System führt dazu, daß ein Teil der Armen andere
die Erhöhung der Getreideimporte in den meisten Arme durch Subventionen unterstützt.
Entwicklungsländern zu einer Verminderung der An­
Wir möchten daher, daß die Kommission einmal die reize für die heimische Nahrungsmittelproduktion
Untersuchungen einer Reihe von Universitäten in der und zu ihrer Desorganisation führt. Das einzige Ge­
Gemeinschaft über direkte Einkommensbeihilfen genargument unseres Ausschusses ist, daß es unseres
gründlich prüft, durch die sich die Einkommen der Erachtens aus naheliegenden politischen Gründen
Kleinbauern auf einem angemessenen Niveau halten nicht wünschenswert ist, daß die Gemeinschaft völlig
lassen. Wir können selbstverständlich keinen Grund auf Ausfuhren in diesem Bereich verzichtet und da­
für eine durchschnittliche Anhebung der Agrarpreise durch den Vereinigten Staaten praktisch das Mono­
pol auf den Getreidemärkten überläßt. Wir wissen ja, in diesem Jahr sehen. Und wenn wir uns noch so sehr
daß die Nahrungsmittelwaffe, obwohl allgemein ver­bemühen, wir können nicht finden, daß irgend etwas
urteilt, sehr wohl eingesetzt werden kann. Der Aus­dafür spricht.
schuß für Entwicklung vertritt daher die Auffassung,
Die Europäische Gemeinschaft muß energisch auf daß die Gemeinschaft ihren derzeitigen Anteil am Ge­
dem Weg zu einer radikalen Änderung ihrer Agrarpo­ treidemarkt von etwa 10 % aufrechterhalten und da­
litik vorangetrieben werden. Wir sind der Auffassung, bei gemeinsam mit den Empfängerländern dafür
daß eine unverzügliche feste Vereinbarung über das Sorge tragen sollte, daß die negativen Auswirkungen
Einfrieren der Preise für die Erzeugnisse, bei denen einiger unserer Ausfuhrpolitiken begrenzt werden.
es strukturelle Überschüsse gibt, den nötigen Impuls
dazu geben könnte. Etwas anderes oder weniger Das zweite noch erheblich bedeutsamere Beispiel ist
würde lediglich bedeuten, daß der Tag, an dem aus der Zucker. Ich zögere nicht hier zu sagen, daß die
dem Europa der mächtigen Interessengruppen das diesbezügliche Politik der Gemeinschaft ans Absurde
Europa der Menschen dort wird, bedauerlicherweise grenzt. Einerseits garantieren wir den AKP-Ländern
ein weiteres Mal hinausgeschoben würde. ja die Abnahme der stattlichen Äquivalenzmenge von Nr. 1­296/4 Verhandlungen des Europäischen Parlaments 8.3.83
Fuchs
1,3 Mio t Weißzucker zu Gemeinschaftspreisen, was, von überzeugt haben, daß wir heute nicht mehr über
unsere innergemeinschaftlichen Agrarpreise sprechen ausgehend von den derzeitigen Weltmarktpreisen,
können, ohne ihre Auswirkungen auf die Dritte Welt einen jährlichen Mitteltransfer von über 400 Mio
zu berücksichtigen. Da wir dieser schon nicht die ECU zu ihren Gunsten bedeutet. Andererseits werfen
Hilfe, die sie braucht, bzw. die Gerechtigkeit, die sie wir aber 5 Mio t unserer Zuckerüberschüsse auf den
für sich fordert, zuteil werden lassen, lassen Sie uns Weltmarkt, was 20 % desselben entspricht, und ver­
wenigstens aufpassen, daß wir sie nicht unter der Last ursachen dadurch ein beträchtliches Absinken der
unkontrollierter Überschüsse erdrücken. Marktpreise, die in den letzten Jahren von 43 auf
5,5 Cent pro Pfund gefallen sind. Das bringt unseren
Partnern letztlich noch größere Einkommensein­ Der Präsident. — Liebe Kolleginnen und Kollegen!
bußen. Diese Situation ist so wenig zu rechtfertigen, Ganz herzlich möchte ich jetzt Ratspräsident Erti be­
daß die Kommission in diesem Jahr selbst vorschlägt grüßen. Zuerst wird jetzt der Rat sprechen und dann
die Kommission. — auch dies ein besonderes Ereignis —, den Garan­
tiepreis für Zucker um 1,5 % weniger als die übrigen
Gemeinschaftspreise zu erhöhen, um die Produktion, Erti, amtierender Ratspräsident. — Herr Präsident,
meine sehr verehrten Damen und Herren! Ich freue die unseren Bedarf heute bereits zu ungefähr 150 %
mich, daß ich erneut Gelegenheit habe, mit Ihnen vor deckt, zu drosseln. Ich weise jedoch im Namen des
den wichtigen Beratungen über die Agrarpreise und Ausschusses für Entwicklung darauf hin, daß auch
flankierenden Maßnahmen für das Jahr 1983/84 zu­dieser neue Vorschlag noch ungenügend ist und eine
sammenzutreffen, über die das Europäische Parla­zusätzliche Maßnahme hinsichtlich der A­ und
ment seine Beschlüsse zu fassen hat. Hierbei geht es B­Quoten nunmehr unumgänglich ist. Die derzeitige
ja eigentlich um die Fortsetzung des Gedankenaus­Höhe dieser Quoten ist auch unter ganz egoistischen
tausche, den ich mit Ihrem Landwirtschaftsausschuß Gesichtspunkten der Gemeinschaft völlig unsinnig.
in Brüssel am 18. Januar in einer freundlichen und be­Wie konnte man es dahin kommen lassen, daß allein
lebenden Atmosphäre führen konnte. Ich habe die Be­schon die Α­Quote unserem innergemeinschaftlichen
richte des Landwirtschaftsausschusses und des Haus­Verbrauch entspricht, und was, das frage ich die
haltsausschusses mit großer Aufmerksamkeit gelesen Kommission, wird im nächsten Jahr die Abnahmega­
und möchte die Berichterstatter, Herrn Mouchel und rantie für die B­Quote kosten, die inzwischen eine
Herrn Gouthier, auch Herrn Fuchs, zu ihrer guten reine Überschußproduktion darstellt, und das zu
Arbeit beglückwünschen. Die Berichte sind nicht nur
einem Preis, der nahezu das Doppelte des Weltmarkt­
interessant zu hören, sondern auch zu lesen.
preises beträgt?
Lassen Sie mich zu dem Bericht von Herrn Fuchs Schließlich noch ein letztes Beispiel — ich könnte
eine kurze Bemerkung machen: Es geht um das mich kürzer fassen, aber hier handelt es sich um den
Thema der Entwicklung der Weltagrarwirtschaft im am wenigsten akzeptablen Fall —, das Beispiel der
Zusammenhang mit der Entwicklungshilfe und dem Milcherzeugnisse. Hier ist unsere Exportposition so,
Hunger in der Welt. Die Agrarwirtschaft wird immer daß wir bei vielen dieser Erzeugnisse mit 50 oder
primär von dem Schlüsselfaktor Mensch, aber auch 75 % Marktanteil nahezu eine Monopolstellung ha­
von Boden und Klima abhängig sein. Wer glaubt, im ben. Über die bereits im Zusammenhang mit dem Ge­
subtropischen Zentralafrika oder im subtropischen treide erwähnten negativen Auswirkungen hinaus ha­
Ostasien mit dem gemäßigten Klima vergleichbare ben diese Ausfuhren auch noch den Nachteil, daß sie
Produktionsverhältnisse für Getreide vorzufinden, zur Ernährung von Säuglingen unter wirtschaftlichen
den bitte ich, das vor Ort zu studieren. Wir müssen bzw. hygienischen Bedingungen verwendet werden,
differenzierter denken und handeln, und daraus wird unter denen sie, wie man inzwischen mit Sicherheit
sich aus meiner Sicht zwangsläufig eine wünschens­weiß, eine erheblich höhere Kindersterblichkeit be­
werte arbeitsteilige Welt ergeben, in der sowohl der wirken, als dies beim Stillen der Fall wäre. Wie
Agrarhandel wie auch der Austausch von Gütern konnte es zu diesem Skandal kommen? Weil unsere
Platz hat. Die Forderung, die Agrarproduktion im Produktion infolge der zunehmenden Verwendung
einzelnen Land zu erhöhen, ist mir, ehrlich gesagt, von Viehfutter aus billigen importierten Substituten
allmählich zu einfach. Das mag im Prinzip richtig immer weiter steigt und weil wir zwar den „Mut"
sein. Aber wo es Boden, Klima und Mensch nicht zu­hatten, unsere diesbezüglichen Einfuhren aus den
lassen, werden Sie sich andere Konzepte zurechtlegen Entwicklungsländern zu beschränken, jedoch hin­
müssen, es sei denn, Sie wollten die Armut auf Dauer sichtlich der Einfuhren aus den Vereinigten Staaten
festhalten ! — um es ganz milde auszudrücken — nicht die
gleiche Entschlossenheit an den Tag gelegt haben. (Beifall)
Muß man dieses ganze Verhalten denn nicht verdam­
Dies ist hier allerdings nur am Rand relevant; ich men?
nehme an, dem Hohen Haus sind die Bilanzen be­
Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen, we­ kannt. Wenn vergleichbare Gemeinschaften — hier
gen der Kürze der Zeit werde ich in meinen Ausfüh­ nehme ich keine Gemeinschaft aus, sondern nenne
Ost und West, Nord und Süd, damit es keine ideolo­rungen nicht weiter gehen. Ich wünsche mir, daß Sie
gischen Konflikte gibt — in ähnlicher Weise den am Donnerstag bei der Abstimmung über die von mir
Agrarimporten ihre Tore öffnen, sind die Entwick­eingereichten Änderungsanträge zu erkennen geben,
lungsländer alle ausverkauft. daß meine soeben vorgebrachten Argumente Sie da­Nr. 1-296/5 8.3.83 Verhandlungen des Europäischen Parlaments
Erti
Zum Thema der Agrarpreisrunde gibt es, wenn ich Das müssen Sie politisch verkaufen, meine Freunde!
Der Herr Kommissar schaut sehr wild, aber das ist die Berichte richtig gelesen habe, unterschiedliche Po­
so, da kann ich Ihnen nicht helfen. sitionen, nämlich im Landwirtschaftsausschuß und im
Haushaltsausschuß, und das wird wohl auch immer
(Heiterkeit)
so bleiben, es gehört zu den normalen politischen Ge­
gebenheiten. Ich stimme Ihnen voll zu: Die Berichte dieses Hohen
Hauses spiegeln die Meinung des Rates wider, und es
In einem Punkt sind alle Ausschüsse, soweit ich das
kann ja auch gar nicht anders sein. Solange die wäh­
bisher verfolgen konnte, einer Meinung: Wir müssen
rungspolitischen Fakten und dazu die nationalen
bis zum 1. April fertig werden. Kommissar Dalsager
Grundpositionen so unterschiedlich sind, gibt es
und meine Kollegen im Agrarrat werden hierzu unser
zwangsläufig unterschiedliche Interessen, und am
Bestes tun. Ich appelliere an das Hohe Haus, uns nun
Ende geht es darum, daß jeder in dem Kompromiß
seine Beschlüsse vorzulegen und werde ebenso leiden­
sein Gesicht wahren kann. Nur so lange wird es diese
schaftlich an meine Kollegen appellieren, entspre­
Kompromisse geben. Das gilt für alle Bereiche, ge­
chend unserem Vorhaben Ende März zweimal inner­
rade auch für den Währungsbereich, offensichtlich
halb einer Woche, d. h. getrennt jeweils drei Tage,
ein Lieblingsthema in Europa. Ich kann nur sagen, ich
den Versuch zu unternehmen, zum Abschlußpaket zu
wünsche allen positive Währungsausgleiche. Wenn
kommen. Ich halte es für dringend notwendig, in
ganz Europa eine Wirtschaftspolitik macht, die nur
Ruhe vorzugehen.
zu positivem Währungsausgleich führt, gibt es näm­
lich keinen mehr. Einen weiteren Punkt Ihres Berichtes kann ich voll
unterstreichen, muß aber auch feststellen, daß dies in
Ich will mich auch noch mit der Studie des Haus­
das Kapitel „Große unerfüllte Wünsche Europas" ge­
haltsausschusses befassen, möchte aber noch einige
hört. Ich meine eine vollständige Wirtschafts- und
Bemerkungen zu der Stellungnahme des Ausschusses
Währungsunion.
für Umweltfragen, Volksgesundheit und Ver­
Jeder hier in diesem Raum, auch wenn er es mit braucherschutz machen.
Europa ernst meint, würde sich betrügen, wenn er
Ich glaube, daß ich für mich beanspruchen kann, die
dies als in absehbarer Zeit erreichbar hinstellte. Es ist
Weltagrarpolitik zu kennen. Zumindest kenne ich un­
eigentlich kein Thema des Agrarrats, obwohl der
gefähr ihre Grundprinzipien. Es gibt kein Land der
Rahmen der Wirtschafts- und Währungsunion für die
Welt — auch nicht Neuseeland, obwohl es doch ein
Agrarpolitik unverzichtbar ist. Ich kann gar nicht oft
Land ist, wo Milch und Honig fließen —, das nicht
genug betonen: Eine funktionierende Agrarpolitik in
sein eigenes Stützungssystem hat. Das wird es auch
dem gewünschten System ist nur mit festen Wechsel­
aus vielerlei Gründen nicht geben. Die Zeit ist jetzt
kursen möglich. Die sind aber nicht zu schaffen,
aber zu kurz, um das weiter zu vertiefen.
wenn man nicht die Inflation noch wirksamer be­
kämpft. Bei zweistelligen Inflationsraten gibt es keine Hier geht es, meine ich, um drei Dinge. Sie stehen im
Wirtschafts- und Währungsunion, sondern es bleibt Zusammenhang mit dem, was der Haushaltsausschuß
bei den Divergenzen. Ich möchte gerade hier in sagt. Insgesamt muß ein solches System finanzierbar
Straßburg nicht den Teufel an die Wand malen, aber sein. Es darf den Steuerzahler nicht mehr belasten, als
er geht in Europa um, und die Schwanzquasten des man insgesamt aus einer solidarischen Grundeinstel­
Teufels sind schon zu spüren. Warten wir die näch­ lung verantworten kann — und diese solidarische
sten Wahlen ab! Aber ... ich habe nichts gesagt. Las­ Grundeinstellung brauchen wir im Rahmen der euro­
sen Sie mich wiederholen: Herunter mit den Infla­ päischen Interessenlagen. Ich bekenne mich dazu.
tionsraten, weg von den zweistelligen Inflationsraten
Zweitens muß dafür Sorge getragen werden, daß die — dann können Sie darangehen, stabilere Wechsel­
Landwirtschaft wirtschaftlich nicht schlechter gestellt kurse aufzubauen. Die werden auch dringend not­
wird als andere vergleichbare Gruppen in unserer Ge­wendig.
sellschaft. Die Landwirtschaft hat ein Recht auf
Ich sage das jetzt nicht als Ratspräsident, sondern als Gleichbehandlung. Wenn dabei zwischen kleinen,
Landwirtschaftsminister eines Landes, das bisher im­ großeh und mittleren Betrieben differenziert wird, ist
mer Aufwertungen hatte und das ja so beneidet wird. das mehr eine ökonomische und nicht so sehr eine
Wir haben den Mitgliedern des Ausschusses inzwi­ politische Prinzipienfrage.
schen eine Statistik zugeschickt. Ich will mich aber
Drittens, der Verbraucher muß ausreichend mit guter gar nicht auf die Statistik berufen, denn wir wollen ja
Qualität und zu erträglichen Preisen versorgt werden.
politisch miteinander reden; dazu kommen wir zu
Wenn alle Länder in der Welt wie die Europäische
Ihnen.
Gemeinschaft die Möglichkeit hätten, sich preiswert
Sie können unmöglich politisch vertreten, daß es da mit Nahrungsmitteln zu versorgen, würden wir we­
zweistellige Preiserhöhungen gibt und dort fast Null. sentlich geringere Sorgen haben und müßte Herr Tu­
Das ist der wunde Punkt des jetzigen Kommissions­ gendhat viel weniger Geld ausgeben.
vorschlags. Oder glauben Sie, daß ein Minister in sein
Leider gibt es noch viele Staaten, die nicht zuletzt
Land gehen und sagen kann: „Alle kriegen mehr und
auch durch ihre enormen protektionistischen Maß­
wir weniger; das ¡st Europa!"?
nahmen dafür Sorge tragen, daß viele Nahrungsmittel
(Beifall) erst gar nicht auf den Tisch der Verbraucher kom-Nr. 1-296/6 Verhandlungen des Europäischen Parlaments 8.3.83
Erti
men. Ich bin sehr stolz, in einer Gemeinschaft zu le­ tungskredite gesprochen wird. Dann müssen alle Zah­
ben und die Verantwortung in einem Land zu tragen, len auf den Tisch, alle Stützungselemente, und dann
in dem jeder sich das kaufen kann, was es an Nah­ kann man Zug um Zug abbauen — wie beim Schach­
rungsmitteln in der Welt gibt. Es gibt kein Nahrungs­ spiel.
mittel in der Welt, das Sie in Deutschland nicht kau­
Wir werden heute nachmittag und morgen über die
fen können. Wenn wir das Ziel einer weltweiten
Frage des Beitritts zu verhandeln haben. Wir haben
agrarwirtschaftlichen Zusammenarbeit erreichen, wer­
ein politisches Mandat. Ich möchte noch einmal
den wir geringere Sorgen haben. Aber hier bedarf es
wiederholen, was ich schon im Landwirtschaftsaus­
noch sehr viel Kooperation und Überzeugungsarbeit.
schuß gesagt habe. Die finanziellen Folgen des Bei­
tritts dürfen nicht zu Lasten der Agrarpolitik gehen. Nun zu der mehr prinzipiellen Frage: 5,5 % oder
7 %? Ich sage Ihnen dazu meine Meinung. Die bei­ Das müssen wir in aller Klarheit von vornherein sa­
den Kommissare werden mir zustimmen — und wenn gen. Man kann nicht einfach alle unliebsamen Dinge
nicht äußerlich, so doch innerlich. Es hat noch nie in den Agrarministerrat abschieben !
einen Kommissionsvorschlag gegeben, der so ange­
(Beifall)
nommen wurde, wie ihn die Kommission vorgelegt
hat. Das wäre auch ganz unnatürlich. Dann wären Wer den Beitritt Spaniens und Portugals will — und
das Parlament und der Rat nicht notwendig. Dann ich gehöre dazu — muß wissen, daß er enorm viel
brauchten wir nur die Befehlszentrale der Kommis­ Geld kosten wird. Ich kann nicht einfach Umvertei­
sion, und ich möchte es nicht nur der Kommission lung in die mediterranen Gebiete fordern — und wo
überlassen zu bestimmen, wie in Europa Politik ge­ dann das Geld dafür herkommen soll, müssen wieder
macht wird. die Agrarminister beschließen. Wir haben uns schon
einmal mit dem Beitritt dreier Mitgliedstaaten zur
(Beifall)
Sechsergemeinschaft übernommen. So sehr ich aus
politischen Gründen für den Beitritt bin, so kann ich Hier müssen wir darauf achten, daß es zu einem er­
es nicht zulassen, daß man einfach sagt, die Agrarpo­träglichen Verhältnis kommt, das, wie gesagt, finan­
litik ist der Schlüssel, den geben wir den Agrarmini­zierbar ist. Ich weiß, es hat eine große Diskussion
stern in die Hand, und sie müssen dann alle Probleme über die Mitverantwortung gegeben. Ich bekenne
lösen. Zaubermeister sind auch Agrarminister nicht, mich zu den Mitverantwortungsmaßnahmen. Ich
weder in Europa noch sonstwo! Wir haben es schon glaube, sie sind besser als Kontingentierungen und
schwer genug, mit dem Agrarmarkt fertig zu werden. ähnliches. Ich will das jetzt nicht in aller Breite aus­
führen, sondern nur betonen, daß dies eine Möglich­
Wie ich schon sagte, wird es ganz schwierig sein,
keit ist, ein bißchen zu differenzieren. Ich würde —
heute schon das zu finden, was so das Mittelmeerpa­
und das wissen meine Kollegen im Rat — einer diffe­
ket genannt wird. Ich bin sogar fast sicher, daß wir
renzierten Abgabe je nach Leistung zustimmen, aber
heute nur Alternativen aufstellen können und dann
wir sind bisher eine Minderheit geblieben, und diese
abwarten müssen, was die Regierungschefs zu ent­
Frage wird sich wohl wegen der unterschiedlichen In­
scheiden wagen. Ich hoffe, sie werden eine sehr mu­
teressenlage nie ganz lösen lassen. Gleiches ließe sich
tige Entscheidung treffen. Das wird auch dringend
für die Substitute oder auch für das wichtige Thema
notwendig. Mit großem Interesse verfolge ich Ihre
der Getreidepreise für Drittländer sagen.
Beratungen und wünsche, daß Sie gute Beschlüsse
vorlegen, damit ich meine Kollegen im Rat überzeu­Zu meiner großen Überraschung habe ich feststellen
gen kann. Bis Ende April muß das Werk vollendet müssen, daß, wenn ich alle Stützungsmaßnahmen der
sein. Vereinigten Staaten und die Getreidepreise der ande­
ren Länder betrachte, die Differenz nicht zu groß ¡st.
(Beifall)
Ich habe jetzt die Zahlen leider nicht im Kopf, ich
hatte das Material zur letzten OECD-Tagung mitge­
Tugendhat, Vizepräsident der Kommission. — (EN)
bracht, habe es dort aber nicht vorgebracht, weil die
Herr Präsident, es ist mir eine Ehre, nach Herrn Erti
Frage von den Amerikanern nicht mehr gestellt
zu sprechen. Ich denke, das ganze Haus wird mir zu­
wurde. Wenn Sie wollen, werde ich Ihnen diese Zah­
stimmen, daß die Minister im Rat von mannigfaltiger
len zuschicken. Meine Mitarbeiter haben da eine gute
Größe und Statur sind.
Rechnung aufgestellt.
(Heiterkeit)
Ich bin für eine offene kooperative Weltpolitik vor al­
lem unter freiheitlich-demokratischen Staaten, aber Manche sind hervorragend, manche sind weniger her­
das muß für alle Produkte gelten! Ich kann nicht vorragend; manche sind schon lange im Amt, manche
erst kürzere Zeit. Im Bereich der Landwirtschaft gibt Freiheit für Rohstoffe verlangen und Protektionismus
es jedoch keinen dienstälteren und keinen hervorra­für die Produkte. Das geht nicht! Ich meine damit:
genderen Minister als Herrn Erti. Fleischprodukte und Käse lassen sich auch aus Substi­
tuten herstellen. Ich habe den Amerikanern gesagt,
(Beifall)
daß ich bereit bin, über Stützungssysteme, Erstattun­
gen und anderes mehr zu reden, aber nur auf der Ba­ Wie die Reaktion auf meine Worte zeigt, Herr Präsi­
sis der Gegenleistung, daß dann auch über Exporter­ dent, spreche ich hier für das ganze Haus, wenn ich
stattungen, Exportkredite und über die Lagerhal­ ihn zu unserer Aussprache begrüße. Verhandlungen des Europäischen Parlaments Nr. 1-296/7 8.3.83
Tugendhat
Der Kommissar für Landwirtschaft, mein Kollege Herr Präsident, ich muß darauf hinweisen, daß diese
Dalsager, hat gestern die Haltung der Kommission in Empfehlung in scharfem Gegensatz zu der im vergan­
Agrarfragen dargelegt. Ich möchte mich heute vormit­ genen Dezember vom Parlament vertretenen Auffas­
tag in kürzerer Form unter haushaltspolitischen Ge­ sung steht. Meines Erachtens ist es unmöglich, für
sichtspunkten dazu äußern. Das Parlament hat stets den Vorschlag des Landwirtschaftsausschusses zu
die Verbindung zwischen Haushalt und Landwirt­ stimmen und dabei mit der vor drei Monaten vom
Parlament vertretenen Auffassung in Einklang zu schaft gesehen, das weiß ich, und das Parlament als
bleiben. Ganzes war sich stets im klaren darüber, daß die bei­
den Bereiche miteinander in Einklang gebracht wer­
(Beifall)
den müssen. Man braucht ja nur an die erste bedeu­
tende Maßnahme dieses direkt gewählten Parlaments Darin fühlte ich mich gestern abend bestärkt, als
im Jahr 1980 zu denken, als es den Haushaltsentwurf Herr Notenboom in seiner hervorragenden Rede, die
des Rates mit der Begründung ablehnte, der Rat ak­ leider kurz vor Ende der Sitzung erfolgte, selbst auf
zeptiere keine Vorkehrungen zur Eindämmung der diesen Punkt aufmerksam machte.
Agrarausgaben. Ferner wies das Parlament darauf
Ich nehme an, Herr Mouchel hatte keine rechte Lust hin, daß immer neue Steigerungen der Agrarausgaben
sich zu überlegen, welchen Kostenaufwand seine auf die Dauer die Grundlagen der Gemeinschaftspoli­
Vorschläge erfordern. In einigen Bereichen ¡st das zu­tik gefährden würden. Das Parlament beschloß da­
gegebenermaßen auch schwierig, aber das Haus muß
mals, den Haushaltsplan in seiner Gesamtheit abzu­
wissen, um welche Größenordnungen es dabei geht.
lehnen.
Die Durchführung der Vorschläge des Landwirt­
schaftsausschusses zu solch wichtigen Punkten wie
Am 9. April 1981 bekräftigte dieses Haus in der Ent­
Preiserhöhungen, Änderungen der WAB und Produk­
schließung zu den Eigenmitteln der Gemeinschaft
tionsschwellen würde zusätzliche Kosten mit sich seine Überzeugung, daß die Agrarausgaben dringend
bringen, die ungefähr das Dreifache der von der unter Kontrolle gebracht werden müßten, da dies
Kommission veranschlagten Beträge ausmachen wür­eine Voraussetzung für die Änderung der bestehen­
den, d. h. 900 statt 360 Mio ECU im Jahr 1983 und den Höchstgrenze der Eigenmittel sei. Im vergange­
2 200 statt 760 Mio ECU im Jahr 1984. Bei den ande­nen Jahr verlangte das Parlament im Zusammenhang
ren Vorschlägen des Ausschusses ist ein genauer Vor­
mit seinen Leitlinien für den Haushalt für 1983 erneut
anschlag der Kosten weniger leicht, da sie nicht ein­
die Eindämmung der Agrarausgaben. Und noch im
deutig genug festgelegt sind. Jedenfalls läßt sich mit
vergangenen Dezember hat das Parlament bei der
Fug und Recht sagen, daß einige Vorschläge zwar die
Feststellung des Haushalts für 1983 mit besonderem
Kosten verringern könnten, viele sie jedoch noch
Nachdruck auf die Notwendigkeit hingewiesen, zur
erhöhen würden. Mit gleichem Recht läßt sich hinzu­
Begrenzung der zu erwartenden Erhöhung der Aus­
fügen, daß der Rat, wenn diese Vorschläge durch­
gaben des EAGFL, Abteilung Garantie, eine Ände­
kämen, wahrscheinlich eher die kostenträchtigen als rung der einschlägigen Rechtsvorschriften vorzuneh­
die kostensparenden annehmen würde. men. Ferner warf das Parlament dem Rat vor, er be­
komme die Sache nicht in den Griff, und vertrat er­
Hinsichtlich des Betrags von 2 200 Mio ECU sollte
neut die Auffassung, eine dauerhafte Eindämmung
sich das Parlament bewußt sein, daß diese Steigerung
der Ausgaben im Bereich Garantie sei hauptsächlich
größer als die gesamte Unterstützung der Gemein­
auf dem Weg über eine Aufhebung der unbegrenzten schaft für die Sozial- oder Regionalpolitik ist bzw.
Preisgarantien zu erreichen. die vom Parlament beschlossene Erhöhung der Mittel
für die aus seiner Sicht vorrangigen Bereiche — Be­
Wie mein Kollege Dalsager gestern bereits darlegte, schäftigung und Entwicklung — sogar ungefähr um
Herr Präsident, hat die Kommission die Ausführun­ das Dreifache übersteigt. Und dabei wurde in einigen
gen im Parlament aufmerksam verfolgt und Vor­ bemerkenswerten Reden darauf hingewiesen, daß im
schläge unterbreitet, die unseres Erachtens vielen der Haushaltsplan für 1983 mehr Mittel für Entwicklung
dringenden Empfehlungen, die das Parlament in den veranschlagt werden müßten. Die Kommission ist da­
verschiedenen von mir gerade erwähnten Anträgen her der Auffassung, daß die Vorschläge des Land­
ausgesprochen hat, Rechnung tragen. Vor diesem wirtschaftsausschusses nicht als ausgewogen betrach­
Hintergrund muß man meiner Meinung nach den tet werden können. Die agrar- und haushaltspoli­
Bericht des Landwirtschaftsausschusses sehen. Wenn tischen Überlegungen müssen jedoch gegeneinander
man nur bis zum Abschnitt II des Entschließungsan­ abgewogen werden. Diejenigen, die behaupten, die
trags liest, wo der Ausschuß fordert, daß die Ausga­ Kommission ordne alle haushaltspolitischen Erwägun­
ben der Abteilung Garantie weniger schnell ansteigen gen unter, möchte ich darauf hinweisen, daß gemäß
unseren Vorschlägen selbst in solch großen Produk­sollen als die Gemeinschaftsmittel, scheint der Bericht
tionsbereichen wie bei den Milcherzeugnissen noch der von mir gerade dargelegten Auffassung des Parla­
mindestens die Hälfte der Kosten für den Absatz der ments zu entsprechen. Die danach folgenden Vor­
über die vorgesehene Produktionsschwelle hinaus er­schläge des Ausschusses laufen jedoch bedauerlicher­
zeugten Überschüsse zu Lasten des Haushalts geht. weise auf eine Ablehnung jeglicher kostendämmenden
Die Landwirte, Herr Präsident, müssen sich darüber Maßnahmen und eine Befürwortung weiterer Preiser­
im klaren sein, daß sie, wenn die Produktion schnel­höhungen mit der Begründung, die Vorschläge der
ler wächst als der Verbrauch und somit Ausfuhren er-Kommission seien unzureichend, hinaus. Nr. 1-296/8 Verhandlungen des Europäischen Parlaments 8.3.83
Tugendhat
Herr Präsident, man braucht wohl niemanden in die­forderlich sind, nicht mit einer unbegrenzten Unter­
sem Haus daran zu erinnern, daß die Eigenmittel der stützung aus dem Haushalt rechnen können.
Gemeinschaft ohnehin schon begrenzt sind. In diesem
Im Bericht des Landwirtschaftsausschusses wird
Jahr stehen 2 900 Mio ECU zur Verfügung, ein­
darauf verwiesen, daß die Mittel des EAGFL in den
schließlich der 1 300 Mio ECU, die aufgrund gewis­
letzten zwei Jahren nicht voll ausgeschöpft worden
ser konjunktureller Gegebenheiten, die sich höchst­
seien. Das ist aber leider bereits Geschichte. Man
wahrscheinlich nicht wiederholen werden, von frühe­
sollte sich statt dessen ansehen, was in diesem Jahr
ren Jahren her zufällig noch übriggeblieben sind. Wir,
geschieht und in Zukunft wahrscheinlich geschehen
die Gemeinschaft, verwenden somit gegenwärtig be­
wird. Die Agrarausgaben im Jahr 1983 liegen ganz
reits nahezu 95 % der insgesamt potentiell zur Verfü­
erheblich über denen der letzten Jahre. In den ersten
gung stehenden Mittel. Und der Landwirtschaftsaus­
drei Monaten dieses Jahres beliefen sich allein die
schuß des Parlaments fordert uns auf, mit voller Kraft
Vorschußzahlungen an die Mitgliedstaaten auf insge­
auf die Obergrenze zuzusteuern.
samt 4 053 Mio ECU, was einer Steigerung von 27 %
Denjenigen, die den Anstieg der Agrarausgaben im Vergleich zu den ersten drei Monaten des Jahres
bremsen und daher den Willen der Gemeinschaft de­1982 entspricht. Die laufenden Ausgaben liegen unge­
monstrieren wollen, die Kosten der gemeinsamen fähr um 12 % über den entsprechenden diesjährigen
Agrarpolitik einzudämmen, ersuche ich dringend, die Haushaltsansätzen. Wenn sich dieser Trend fortsetzt,
Empfehlung dieses Ausschusses nicht zu befolgen. müssen die Mittel des EAGFL, Abteilung Garantie,
wie der Landwirtschaftsausschuß betont, in jedem Denjenigen, dié zu einer gesunden Entwicklung der
Fall über einen Nachtragshaushalt aufgestockt wer­ Landwirtschaft beitragen wollen, und denjenigen, die
den. in der Landwirtschaft beschäftigt sind, möchte ich
den gleichen Rat geben. Man kann der Agrarindustrie
Im Gegensatz zu dem, was der dem Haus jetzt vor­ einfach nicht helfen, wenn man dabei die Haushalts­
liegende Bericht stillschweigend voraussetzt, könnte belastung sowie alle anderen in Betracht zu ziehenden
eine solche Aufstockung jedoch keineswegs eine wei­ Sektoren und wirtschaftlichen Interessen nicht gebüh­
tere bedeutende Erhöhung der Ausgaben rechtferti­ rend berücksichtigt. Das Parlament und die Kommis­
gen. Ganz im Gegenteil. Im übrigen ist bei dieser sion möchten, daß die Gemeinschaft mit zusätzlichen
Ausgabensteigerung noch nicht die Erhöhung der Ko­ Eigenmitteln ausgestattet wird. Das Parlament und
sten berücksichtigt, die sich aus einer Verschlechte­ die Kommission sind sich darüber einig, daß solche
rung der Handelsbeziehungen zu den Vereinigten Mittel erforderlich sind, wenn die Gemeinschafts­
Staaten ergeben würde. Die Kommission wird alles in interessen gewahrt werden sollen.
ihren Kräften Stehende tun, um eine Verschlechte­
Aber auch, wenn man den besten Willen hat, wird die rung dieser Beziehungen zu verhüten, aber unsere
Aufgabe, solche zusätzlichen Mittel zur Verfügung Möglichkeiten sind natürlich begrenzt. Wie Herr Erti
zu stellen, schwierig sein. Das Parlament hat seiner­in seiner Rede unterstrich, gehören zu einer Einigung
seits schon gefordert, daß gleichzeitig mit der Ände­immer zwei. So würden, wenn z. B. die Weltmarkt­
rung der Höchstgrenze für die Eigenmittel eine ratio­preise für Getreide und Milcherzeugnisse, um nur
nellere und wirtschaftlichere Gestaltung des Gemein­zwei Arten von Erzeugnissen zu nennen, auch nur
schaftshaushalts erfolgen sollte. Das Parlament hat um 10 % sänken, die zu Lasten des Haushalts gehen­
auch die Notwendigkeit hervorgehoben, die Agrar­den Kosten für die Ausfuhrerstattungen ungefähr um
ausgaben unter Kontrolle zu bringen. Andernfalls 650 Mio ECU pro Jahr steigen.
könnte die schwierige Aufgabe, die Eigenmittel der
Herr Präsident, um in der Gemeinschaft eine gesunde Gemeinschaft aufzustocken, praktisch unlösbar wer­
Agrarindustrie aufrechtzuerhalten, was ja die Kom­ den. In den Vorschlägen der Kommission für die
mission wie auch das Parlament und der Rat wollen, Agrarpreise und flankierende Maßnahmen zeigt sich
müssen ausreichende Finanzmittel zur Verfügung ge­ das, was wir als das richtige Gleichgewicht von Ver­
stellt werden. Jedoch erfordert auch die gesunde Ent­ nunft und Verantwortungsbewußtsein ansehen. Mit
wicklung der übrigen Tätigkeitsbereiche der Gemein­ der Befürwortung von extrem kostenaufwendigen Än­
schaft eine angemessene Finanzierung. Wieviel zu­ derungen unserer Vorschläge würde das Parlament
sätzliche Mittel für die Landwirtschaft benötigt wer­ dieses Gleichgewicht zerstören und sich in Wider­
den, hängt weitgehend von den Beschlüssen ab, die spruch zu den von ihm selbst wiederholt erklärten
die Agrarminister demnächst zu fassen haben. Bei die­ Zielen stellen.
ser Gelegenheit wird ein großer Teil der im Haus­
Herr Präsident, die Kommission hat versucht, den haltsplan für 1984 vorzusehenden Mittelansätze fest­
Forderungen und Mahnungen, die das Parlament in gelegt werden. Wenn das Parlament über den Ent­
früheren Aussprachen vorgebracht hat, Rechnung zu schließungsantrag abstimmt, der jetzt gerade erörtert
tragen. Wie mein Kollege Dalsager in seiner gestrigen wird, wird es also hoffentlich berücksichtigen, daß die
Rede ausführte, sind die in unseren Vorschlägen ent­Ausgaben für den EAGFL, Abteilung Garantie, 1984
haltenen Vorstellungen, wenn die Worte und Namen gegenüber dem Haushalt für 1983 nach den vorlie­
auch von uns stammen, Ihren Vorstellungen in vieler
genden Schätzungen bereits dann, wenn der Rat nur
Hinsicht gleich.
die Vorschläge der Kommission übernimmt, wahr­
scheinlich doppelt so stark ansteigen werden wie die Ich ersuche das Parlament daher, die Vorschläge der
verfügbaren Eigenmittel. Kommission zu unterstützen, die unseres Erachtens

Soyez le premier à déposer un commentaire !

17/1000 caractères maximum.