Sozial Agenda

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DE SAG 16.qxp 3/6/08 4:19 PM Page 2Editorialie Globalisierung ist nach wie und des Rates im Gefüge des EGFDvor ein zentrales Thema auf der und sprachen mit Reimer Bögepolitischen Agenda der EU. Auf dem MdEP, Vorsitzender des Haushalts-EU-Gipfel in Hampton Court im ausschusses des Europäischen Par-Jahr 2005 unterbreitete Kommission- laments, in dem die EGF-Anträgespräsident Barroso einen neuen geprüft werden. Ferner untersuchtenVorschlag, wie die EU den wir, wie der EGF Arbeitnehmern inAuswirkungen der Globalisierung der Realität dabei hilft, nach einernoch besser begegnen könnte. Dieser Entlassung eine neue Arbeit zuVorschlag zielte darauf ab, „die mit finden: Lesen Sie auf Seite 20 dasThema spezialder Globalisierung einhergehenden Interview mit Ralph Reschke, derErschütterungen abzufedern“ und seinen Arbeitsplatz verlor, als die EGF – ein Jahr nach der denjenigen zu helfen, die ihren Handyproduktion des deutschen GründungArbeitsplatz infolge der Globali- Werkes, in dem er arbeitete, von Der Europäische Fonds für diesierung verlieren. Ein „Fonds für die praktisch einem Tag auf den anderen Anpassung an die Globalisierung:Anpassung an die Globalisierung“ nach Taiwan verlagert wurde. Ein Wir erklären, wie er funktioniert,sollte geschaffen werden als Zeichen weiterer Artikel beschäftigt sich mit und berichten von Menschen, denender Solidarität mit denjenigen, die die der deutschen Transfergesellschaft er bereits geholfen hat. S.
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E d i t o r i a l
Dd uns defeG  egüetaRmi sielo Gilabreis gnu tsi wienachein vor areleztnme a shTrdef auegöGEuFed srpcadns mit hen er BReim politischen Agenda der EU. Auf dem MdEP, Vorsitzender des Haushalts-EU-Gipfel in Hampton Court im ausschusses des Europäischen Par-Jahr 2005 unterbreitete Kommission- laments, in dem die EGF-Anträge spräsident Barroso einen neuen geprüft werden. Ferner untersuchten Vorschlag, wie die EU den wir, wie der EGF Arbeitnehmern in Auswirkungen der Globalisierung der Realität dabei hilft, nach einer noch besser begegnen könnte. Dieser Entlassung eine neue Arbeit zu Vorschlag zielte darauf ab, „die mit finden: Lesen Sie auf Seite 20 das der Globalisierung einhergehenden Interview mit Ralph Reschke, der Erschütterungen abzufedern“ und seinen Arbeitsplatz verlor, als die denjenigen zu helfen, die ihren Handyproduktion des deutschen Arbeitsplatz infolge der Globali- Werkes, in dem er arbeitete, von sierung verlieren. Ein „Fonds für die praktisch einem Tag auf den anderen Anpassung an die Globalisierung“ nach Taiwan verlagert wurde. Ein sollte geschaffen werden als Zeichen weiterer Artikel beschäftigt sich mit der Solidarität mit denjenigen, die die der deutschen Transfergesellschaft negativen Folgen der Globalisierung PEAG, die durch den EGF mitfinan-tragen müssen. Durch diesen Fonds ziert wurde und entlassene Arbeit-sollten Projekte der Mitgliedstaaten nehmer bei Umschulung und Rück-mitfinanziert und damit in den Berei- kehr zum Arbeitsmarkt unterstützt. chen Ausbildung,„Die Globalisierung ist nach wie vor Umzug vonein zentrales Thema f der politischenDer EGF ist A r b e i t n e h m e r naunicht das Ende und Outplacementlidar Sot miritä neZ tie nedciehnejned t ,negi U r dendFoiss negAd adE reder globalisie-für Unterstützunge die ne tivenr ungsbedingten gesorgt werden, GerbalolgFo denrt gnegaisilnure" müsseng.aidiwkcEtnneulgn damit diese Men- und auch nicht schen eine neue Stelle finden. die einzige Antwort der EU auf die Auswirkungen der Globalisierung Bis Dezember 2006 wurde die hinsichtlich Veränderungen bei den Verordnung zur Einrichtung des Beschäftigungs-, Familien- und Europäischen Fonds für die Anpas Handelsstrukturen sowie herge--sung an die Globalisierung (EGF) brachten Sicherungssystemen. angenommen und ein maximales Möglicherweise müssen wir diese Jahresbudget von 500 Mio. Euro Maßnahmen künftig anpassen und festgelegt. An diesem ursprüngli- verstärken und eine neue soziale chen Plan hat sich wenig geändert. Agenda in Angriff nehmen; mögli-Unter der Rubrik „Thema Spezial“ cherweise müssen Änderungen am auf Seite 15 dieser Ausgabe wirft Fonds selbst vorgenommen werden, Sozial Agenda einen näheren Blick um besser auf das Ziel einer moder-auf den Fonds – ein Jahr nach dessen nen und wettbewerbsfähigen euro-Gründung: die bisherigen 10 päischen Wirtschaft einwirken zu Anträge, die Hintergründe und der können. Angesichts des Jahresbe-Aufbau eines typischen Antrags und richts 2008 wird die Kommission die innovativen Maßnahmen, mit prüfen, ob Änderungen zur Verord-denen die Mitgliedstaaten versu- nung vorgeschlagen werden sollten. chen, denjenigen zu helfen, die Wir bewegen etwas in einem ihren Arbeitsplatz infolge der Aus- Bereich, in dem wir uns keine wirkungen des zunehmenden welt- Selbstzufriedenheit leisten können. weiten Handels verloren haben. Wir befassten uns darüber hinaus mit der Rolle des Europäischen Parlaments
Nikolaus G. van der Pas
Sozial Agenda2Februar 2008
Thema spezial EGF – ein Jahr nach der Gründung Der Europäische Fonds für die Anpassung an die Globalisierung: Wir erklären, wie er funktioniert, und berichten von Menschen, denen er bereits geholfen hat.S. 15
Geschlechtergleichstellung Die meisten Universitätsabgänger sind mittlerweile Frauen, doch nur sehr wenige schaffen es in die obersten Ebenen europäischer Unternehmen. Welche Faktoren hindern sie daran?S. 7
Beschäftigung EU verstärkt Kampf gegen SchwarzarbeitS. 14
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Inhalt
GESCHLECHTERGLEICHSTELLUNG Was hält Frauen von Führungspositionen fern?. . . . . . . .7 Geschlechtsspezifische Klischees und eine ungleiche Verteilung der Hausarbeit sind zwei Gründe, warum das Top-Management in der EU weiterhin vor allem aus Männern besteht
CHANCENGLEICHHEIT Rückblick auf das Europäische Jahr der Chancengleich-heit. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11 ÖHunderte Veranstaltungelns cinh adftelirc hgae nVzieelnf aEltU z tur iungfeonr mdiaezrue nb eui,nddie ffentlichkeit über gesel ihren Nutzen herauszustellen
BESCHÄFTIGUNG Schattenwirtschaft in Europa. . . . . . . . .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14 EU verstärkt Kampf gegen Schwarzarbeit
THEMA SPEZIAL EGF – ein Jahr nach der Gründung. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .15 Europäischer Fonds hilft bei Arbeitsplatzverlust infolge der Globali-sierung
Hintergründe und Aufbau eines Antrags. . . . . . . . . . . . . . . .16 Wie der EGF in der Praxis funktioniert
SOZIALSCHUTZ Neues Engagement für soziale Gerechtigkeit. . . . . . . . .24 Kommission schlägt im Kampf gegen Armut und soziale Ausgren-zung einen stärker strategischen Lösungsansatz vor
STIMMEN DER ANDEREN Gemeinsam für mehr und bessere Arbeitsplätze. . . .26 Von der Regional, European and International Division des Stadt-rats von Birmingham erfahren wir, warum eine Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten zu besseren Ergebnissen führt
Der Weg zurück in die Arbeitswelt. . . . . . .. . . . . . . . . . . . . . . . 20 Interview mit einem Arbeitnehmer, der infolge der GlobalisierungR BRIKEN seinen Arbeitsplatz verloren hatKurUznachrichten. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .4 . . . . . . . . . Interview mit Reimer Böge, Vorsitzender des Haus-MOBILITÄT haltsausschusses des Europäischen Parlaments. . . . . . .27 Aktionsplan für berufliche Mobilität. . . . . .. . . . . . . . . . . . . . . . 21 Neuerscheinungen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .28 Kommission unterstreicht den potenziellen Nutzen einer größeren Mobilität der EU-Arbeitskräfte für Wirtschaft und BürgerNützliche Websites. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .28
Sozial Agenda, ein Magazin mit Informationen über die europäische Beschäftigungs- und Sozialpolitik, wird in Englisch, Französisch und Deutsch von der Generaldirektion für Beschäftigung, Soziale Ange-legenheiten und Chancengleichheit der Europäischen Kommission herausgegeben. • Chefredakteur: Nikolaus G. van der Pas, Generaldirektor, GD Beschäftigung, Soziale Angelegenheiten und Chancen-gleichheit. Europäische Kommission, B-1049 Brüssel Auflage dieser Ausgabe: 80.000. Abonnement kostenlos auf Anforderung – Kontaktadresse: Europäische Kommission, GD Beschäftigung, Soziale Angelegenheiten und Chancengleichheit – Dokumentati-onszentrum, B-1049 Brüssel, Fax: (32-2) 296 23 93; E-Mail: empl-info@ec.europa.eu Hinweis: Weder die Europäische Kommission noch Personen, die im Namen der Kommission handeln, sind für die Verwendung der in dieser Publikation enthaltenen Informationen oder für irgendwelche Fehler, die trotz sorgfältiger Vorbereitung und Prüfung auftreten können, verantwortlich. • © Europäische Gemeinschaften, 2008 Nachdruck zu nicht-kommerziellen Zwecken mit Quellenangabe gestattet. Sozial Agenda3Februar 2008
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BESCHÄFTIGUNG UND DER EUROPÄISCHE SOZIALFONDS
5. September:
Die Kommission legte eine Mitteilung vor, in der auf die Notwendigkeit hingewiesen wird, sowohl auf EU-Ebene als auch in den Mitglied-staaten stärker und früher in die Bildung und Gesundheit von jungen Menschen zu investie-ren und ihnen den Übergang von der Schule in den Beruf zu erleichtern. Die Bevölkerung Europas altert immer schneller, das Reservoir junger Arbeitskräfte nimmt ab, und die EU ist zunehmend auf das Engagement der jüngeren Generation angewiesen. Dem Bericht zufolge sind junge Menschen jedoch häufig nicht gut genug auf die Übernahme dieser Verantwor-tung vorbereitet. Immer noch verlässt einer von sechs jungen Europäern die Schule vorzeitig, und immer noch sind 4,6 Millionen der 15- bis 24-Jährigen arbeitslos. In dem Dokument wird auch betont, wie wichtig es ist, junge Menschen stärker in das staatsbürgerliche Leben und in die Gesellschaft als Ganzes einzubeziehen.
13. September:
K u r z n a c h r i c h t e n
Europaweite Stellenbörsen fördern die Mobilität
Bei den EU Job Days 2007, die vom 24. bis 29. September in 230 Städten in ganz Europa stattfanden, hatten Arbeitsuchende und Arbeitgeber bei ver-schiedenen Veranstaltungen wie Stellenbörsen, Seminaren und Workshops Gelegenheit zum direkten Kontakt. Gemeinsames Ziel der Veranstaltungen war es, die Arbeitnehmermobilität in Europa zu fördern. Viele verschiedene Organisationen wie lokale Unternehmen, öffentliche und private Arbeitsver-mittlungsstellen, Gewerkschaften, Universitäten, Bildungs- und Schulungs-zentren sowie Handelskammern waren vertreten. Die Job Days, die im Rahmen des 50-jährigen Jubiläums der EU und des Euro-päischen Jahrs der Chancengleichheit für alle stattfanden, lockten mehr als 200.000 Besucher an. Die Veranstaltung führte Arbeitnehmern die Chancen – und Vorteile – höherer Mobilität vor Augen. Sie war außerdem eine hervor-ragende Gelegenheit für Arbeitgeber, offene Stellen zu besetzen, und für Arbeitsuchende, eine Stelle zu finden. Die Job Days wurden in Zusammenar-beit mit EURES, der Institution für europaweite Stellenangebote und Arbeits-gesuche, und ihrem Netz von über 750 dedizierten Beratern zur Arbeitsplatz-mobilität veranstaltet.
Die europäischen Minister diskutierten auf einer großen Veranstaltung in Lissabon erstma-lig über die Vorschläge der Europäischen Kom-mission, sich auf einen gemeinsamen Flexicu-rity-Ansatz und damit auf Strategien zu einigen, die darauf abzielen, Flexibilität und Beschäftigungssicherheit für Arbeitnehmer und Arbeitgeber gleichermaßen miteinander vereinbar zu machen. Auf der Konferenz, die unter der Schirmherrschaft der portugiesischen EU-Ratspräsidentschaft stattfand, kamenDie Tennis-Weltranglistenerste, Justine Henin aus Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertreter,embimeeb0r2u Er g n.e9r2t tpseaSDearb  dm y iaeüasoBprJlo,ns er,- war Eh07B eilmg iBeen Nichtregierungsorganisationen und Expertenn d.anetstaft-teGäbdulaymon  zusammen. Die Vorschläge der Kommission für so genannte gemeinsame Flexicurity-Grundsätze sollen den nationalen Regierungen8. Oktober:gesamten Europäischen Union gewährleistet, als Richtschnur für eigene Strategien dienen, hat dazu beigetragen, dass die Beschäftigungs-um Flexibilität und Sicherheit miteinander in Anlässlich des 10. Jahrestags des wichtigsten quote in der EU seit 1997 von 60,7 % auf Einklang zu bringen. Sie sehen vor, ein ausge- politischen Instruments der EU zur Schaffung 64,3 % angestiegen ist und die Langzeitarbeits-wogenes Gleichgewicht zwischen Rechten und von besseren Arbeitsplätzen für alle organisier- losigkeit von 5 % auf 3,6 % zurückging. Verantwortung zu schaffen, den Flexicurity- te die Europäische Kommission zusammen mit Ansatz an die verschiedenen nationalen Gege- der portugiesischen Ratspräsidentschaft eine24. Oktober: benheiten anzupassen, die Arbeitnehmer beim wichtige Konferenz in Brüssel. Die Europäi-beruflichen Aufstieg und der Arbeitssuche zu sche Beschäftigungsstrategie (EBS), die Gemäß einem Bericht der Kommission stellt unterstützen und eine faire Verteilung der gemeinsame Ziele und Prioritäten auf EU- nicht angemeldete Erwerbstätigkeit in Europa Kosten und Vorteile der Flexicurity-Politik zu Ebene festlegt und die Koordinierung der immer noch ein Problem dar und hindert die gewährleisten. beschäftigungspolitischen Maßnahmen in der EU daran, ihre Ziele von mehr und besseren Sozial Agenda4Februar 2008
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K u r z n a c h r i c h t e n
Arbeitsplätzen sowie eines stärkeren Wachs- kräftemobilität durch Verbesserung des tums zu erreichen. In dem Bericht werden die Erwerbs und der Wahrung von Zusatzren-Hauptfaktoren aufgeführt, die die Schatten- tenansprüchen zu erhöhen. Zentrale Punkte wirtschaft stimulieren, Wege für einen erfolg- des Vorschlags sind die Festlegung von Min-reichen Abbau der Schwarzarbeit aufgezeigt destanforderungen für einen leichteren und eine Reihe konkreter Folgemaßnahmen Erwerb von Rentenansprüchen, eine Klärung auf europäischer und nationaler Ebene vorge- der Rechte auf Wahrung von Rentenansprü-schlagen (vgl. Artikel Seite 14). chen, um mobilen Arbeitnehmern eine angemessene Anerkennung ihrer Rentenan-26. November:sprüche zu garantieren, sowie ein verbesser-ter und rechtzeitiger Zugang zu sachdienli-Die Kommission veröffentlichte den Bericht chen Informationen. So soll gewährleistet „Beschäftigung in Europa 2007“, demzufolge werden, dass Arbeitskräfte nicht wegen ihrer die kräftige Erholung der EU-Arbeitsmärkte Mobilität benachteiligt werden. im Jahr 2006 eine Zunahme der Beschäftigung um mehr als 4 Millionen mit sich brachte.18. Oktober : Dabei handelte es sich um das bisher beste Ergebnis seit 2000. Das verbesserte Wirt- Die politischen Führungskräfte der EU und schaftsklima sollte als einmaliger Ansporn die Europäischen Sozialpartner diskutierten dazu genommen werden, stärker auf die Reali- über die Reform der EU-Verträge und die sierung dringend notwendiger strukturellerDie Kommission ruft zu erneutem Engagement beiZukunft der EU-Strategie für Wachstum und Reformen zu drängen.der Bekämpfung der Armut auf.Beschäftigung. Die hochrangigen Arbeitge-ber- und Arbeitnehmervertreter nutzten die 10. Dezember:gewisse „Reformmüdigkeit“ bemerkbar durch den Tripartiten Sozialgipfel – der gemacht hat. neben dem informellen Treffen der Staats-Die Europäische Kommission präsentierte und Regierungschefs in Lissabon stattfand – einen neuen Aktionsplan zur Förderung der gebotene Gelegenheit, um ihre gemeinsame beruflichen Mobilität in Europa. Er sieht vor,ARBEITSORGANISATION,Analyse der wichtigsten Herausforderun-die noch bestehenden Hindernisse zu beseiti- gen, mit denen Europas Arbeitsmärkte kon-gen, mit denen sich Menschen konfrontiertARBEITSBEDINGUNGENfrontiert sind, und insbesondere des weite-sehen, die in einem anderen EU-Land arbeiten ren Vorgehens auf dem Weg zur Flexicurity möchten. In dem Plan werden ein neuer inte-UND SOZIALER DIALOGvorzustellen. grierter Ansatz und 15 konkrete Aktionen für den Zeitraum von 2007–2010 vorgeschlagen,8. Oktober: :24. Oktober an denen nationale, regionale und kommunale – sowie auch europäische – staatliche Stellen Die Kommission veröffentlichte eine Halb- Die Europäische Kommission stellte die beteiligt sind (vgl. Artikel Seite 21). zeitbewertung ihrer Politik für kleine und mitt- Ergebnisse ihrer öffentlichen Anhörung lere Unternehmen (KMU). Daraus ergab sich, zur Anpassung des Arbeitsrechts an die 11. Dezember: Arbeitswelt der Gegenwart vor. Anläss-dass die Durchschnittskosten für die Grün-dung eines Unternehmens in den 15 „alten“ lich der Anhörung waren über 450 Beiträ-Drei Jahre nach ihrer Neuausrichtung im Mitgliedstaaten der EU von 813 EUR im Jahr ge der verschiedensten Interessenträger Jahr 2005 zeigt die Lissabon-Strategie für 2002 auf 554 EUR im Jahr 2007 zurückgegan- aus den EU-27- und Nicht-EU-Ländern Wachstum und Beschäftigung Wirkung, so gen waren und sich der Zeitaufwand für die eingegangen. Obgleich die geäußerten das Fazit eines wichtigen Berichts der Kom- Verwaltungsverfahren zur Eintragung eines Meinungen auseinandergingen, zeigen mission. Dem Strategiebericht zur Wirt- Unternehmens von 24 Tagen im Jahr 2002 auf die Ergebnisse, dass das Arbeitsrecht von schaftsreform in Europa zufolge trägt die etwa 12 Tage zum gegenwärtigen Zeitpunkt entscheidender Bedeutung für den Lissabon-Strategie zu der in letzter Zeit reduziert hat. Da die KMU die meisten neuen Umgang mit den Arbeitnehmern in der stark verbesserten Wirtschaftsleistung der Arbeitsplätze in der EU stellen, spielen sie bei EU ist und ihnen ein Gefühl der Sicher-EU bei. Auch das Wachstumspotenzial der politischen Entscheidungsfindung auf heit vermittelt. Viele Teilnehmer betonten nimmt im Zuge der Strukturreformen all- Ebene der Europäischen Union inzwischen insbesondere die Notwendigkeit, das gel-mählich zu, so dass sich die Wohlstands- eine zentrale Rolle. tende Arbeitsrecht in allen Mitgliedstaa-chancen langfristig verbessern. Der Bericht ten in vollem Umfang anzuwenden und zeigte jedoch auch, dass einige Mitglied- :9. Oktobereine Einigung über noch offene Fragen – staaten ihre Reformen mit größerem Nach- etwa die Vorschläge zur Leiharbeit und druck vorangetrieben haben als andere und Die Kommission nahm einen geänderten zur Überarbeitung der Arbeitszeitrichtli-dass sich in den letzten zwölf Monaten eine Vorschlag an, der zum Ziel hat, die Arbeits- nie – zu erzielen. Sozial Agenda5Februar 2008
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26. Oktober:
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rung sensibilisiert, ein neuer Dialog über die Förderung der Gleichstellung zwischen ver-
Die Kommission schlug vor, die Frist für die schiedenen Akteuren in die Wege geleitet und Einführung von Rechtsvorschriften über die die Vorteile der Vielfalt für die Gesellschaft Exposition von Arbeitnehmern gegenüber als Ganzes verdeutlicht (vgl. Artikel Seite 11). elektromagnetischen Feldern um vier Jahre – d. h. bis 30. April 2012 – zu verlängern; diese3. Dezember: Vorschriften hätten sich auf den Einsatz von Technologien wie etwa der Magnetresonanzto- Die unabhängige Hochrangige Experten-mographie (MRT) auswirken können. Damit gruppe für die Integration ethnischer Min-bleibt genug Zeit für eine inhaltliche Änderung derheiten legte der Kommission acht Strate-der Richtlinie, um den jüngsten Forschungser- gieempfehlungen vor. Die Kommission gebnissen zu den möglichen Auswirkungen hatte die Gruppe unter dem Vorsitz der frü-der Expositionsgrenzwerte auf die MRT Rech- heren Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth nung zu tragen. im Januar 2006 eingesetzt. Die Aufgabe bestand darin, Barrieren aufzuzeigen, die 5. November:Angehörige ethnischer Minderheiten an einer vollen Teilhabe am Arbeitsmarkt und Die Kommission kündigte gemeinsam mit an der Gesellschaft im Allgemeinen den maßgebenden Wirtschaftsverbänden undDie Gleichstellung der Geschlechter hat für die EUhindern, und bewährte Verfahren aus Politik Arbeitnehmerorganisationen der Automobilin-oberste Priorität.und Wirtschaft herauszustellen. dustrie offiziell eine neue Partnerschaft an, die dazu beitragen soll, durch proaktives Handeln nommen. Er enthält eine Analyse der Maß-12. Dezember : den Wandel in der Automobilindustrie der EU nahmen der EU und der Mitgliedstaaten zur besser zu bewältigen. An der Initiative wirken Aufnahme und Integration von Drittstaatsan Die Kommission erklärte das Jahr 2010 zum -neben der Kommission der Dachverband der gehörigen, bietet einen Überblick über politi- Europäischen Jahr zur Bekämpfung von europäischen Automobilhersteller (ACEA), der sche Entwicklungen und trägt zur Bewertung Armut und sozialer Ausgrenzung. Die Kam-Dachverband der europäischen Automobilzu- und Stärkung von Integrationsmaßnahmen pagne, für die 17 Millionen EUR bereitge-lieferer (CLEPA) und der Europäische Metall- bei. Der erste Jahresbericht wurde im Juli stellt werden, soll die von der EU eingegan-gewerkschaftsbund (EMB) mit. Ziel der Initia- 2004, der zweite im Juni 2006 veröffentlicht. gene Verpflichtung bekräftigen, die Beseiti-tive ist die laufende Beobachtung der Entwick- gung der Armut bis 2010 entscheidend vor-lungen in der Automobilindustrie sowie der17. Oktober:anzubringen (vgl. Artikel Seite 25). Erfahrungsaustausch der Beteiligten zur Frage, wie Umstrukturierungen auf sozial verantwort- Mit ihrem Vorschlag für einen neuen, ganz-liche Weise durchgeführt werden können.uhneidt licvheresnt äArkntseant z zEuirn bBeezkieähmupnfgu ndg edr era rAbreimtsu-tGESCHLECHTERGLEICH-26. November:marktfernsten Menschen rief die KommissionSTELLUNG zu einem erneuten Engagement für soziale Die Kommission eröffnete die neue Sitzung Gerechtigkeit auf. Die neue Strategie der4. Oktober : des Forums für Umstrukturierungen, in dem es „aktiven Einbeziehung“, die derzeit im um die Anpassung der KMU an den Wandel Rahmen einer breit angelegten öffentlichen Am Rande der Präsidentschaftskonferenz geht. In dem Forum wird auf die spezifischen Anhörung erarbeitet wird, ist ein Schlüsselele- zum Thema „Beschäftigungsfähigkeit und Herausforderungen eingegangen, die sich ment der Europäischen Sozialagenda (vgl. UnternehmerInnentum – geschlechtsspezi-KMU im Zuge von Umstrukturierungen Artikel Seite 24). fische Stereotypen“ kamen die Gleichstel-stellen können. Ziel des Forums ist die Bildung lungsministerInnen zu einem informellen einer Plattform für den Austausch und die19. November:Treffen in Lissabon zusammen. Das Treffen Erörterung von bewährten Verfahren für eine setzte die Bemühungen des Europäischen optimale Anpassung an den Wandel. Das Europäische Jahr der Chancengleichheit Pakts für die Gleichstellung der Geschlech-FÖRDERUNG EINER INTE-nu d60 )aeFrr hdeide ss deplanropär Eu20 (ertshetllnugcs-i nehmmoKissi fon dür Gieicleüfla r 2le7 00nggiit mreg e ni nbAoreßuss-schlnstaverani gnutlobassiL nd Ezun  duf ae, GRATIVEN GESELLSCHAFT von Frauen und Männern (2006–2010) fortbislang erzielten Erfolge gewürdigt wurden und der Blick auf die bevorstehenden Heraus- und diente der Diskussion bewährter Ver-12 September: sowie dem Erfahrungsaustausch fahrenforderungen gerichtet wurde. Mit über 1 000 verschiedenen Aktionen in 30 Ländern darüber, wie die Gleichstellung von Frauen Die Kommission hat ihren „Dritten Jahresbe- wurden die Menschen durch die Kampagne und Männern stärker in die Politik einbezo-richt über Migration und Integration“ ange- für ihr Recht auf ein Leben ohne Diskriminie- gen werden kann. Sozial Agenda6Februar 2008
D d n
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Die „Gläserne Decke“ sorgt immer noch dafür, dass nur wenige Frauen in Entscheidungspositio-nen aufsteigen.
fern?
Geschlechterg
leichstellung
rauen von Führungspositionen
Geschlechtsspezifische Klischees und eine ungleiche Verteilung der Hausarbeit sind zwei Gründe, warum das Top-Management in der EU weiterhin vor allem aus Männern besteht Isant detuzz Herhsocleunhtcsage-mrier Karnespresse erscheingieWn er edd onvht äfnsaä hMWcnasntrreeuarF tlz osla wnike?d tDlubroü csenienrseansasM  hd ohno lnoihmciotreeezrrWeePn  regelmäßig Artikel über einflussreiche Frauen in Europa, deren Positionen ihnen machen. absolventen weiblich ist, ist ein Beleg Macht und Autorität verleihen. Beispiele dafür, dass der notwendige Ehrgeiz, Kar-dafür sind Ana Patricia Botín, Vor- Wirklich bemerkenswert an diesen riere zu machen, offensichtlich vorhan-standsvorsitzende der Banco Español de Frauen ist aber, dass sie äußerst selten den ist. Warum übernehmen dann nur so Crédito SA, die britische Fondsman- sind. In den größten Unternehmen, die wenige Frauen wichtige Führungspositio-agerin Nicola Horlick und Marjorie an den Börsen der EU-Mitgliedstaaten nen in der Arbeitswelt? Scardino, Chefin der Medienfirma notiert sind, sind nur 3 % der Pearson PLC. Diese Frauen haben alle Vorstandsvorsitzenden und 10 % derEinstellungen und Stereotypen eine wichtige Gemeinsamkeit: Sie haben Vorstandsmitglieder Frauen. Andererseits es geschafft, die so genannte „gläserne machen Frauen 59 % aller Hochschulab- Viele Menschen werden sagen, dass die Decke“ zu durchbrechen und in der über- solventen aus. Geschlechtergleichstellung mittlerweile
Sozial Agenda7Februar 2008
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Geschlechtergleichstellung
Realität geworden ist und es bis auf die uns einen Kaffee „positive“ Diskriminierung keine Diskri- bringen?“. minierung mehr gibt. In der Tat steht der Arbeitsmarkt Frauen nun so offen wie Außerdem sind niemals zuvor: Von den 12 Millionen Frauen bisweilen einer Arbeitsplätzen, die seit dem Jahr 2000 umfassenden Diskri-in der EU geschaffen wurden, wurden minierung am Arbeits-7,5 Millionen mit Frauen besetzt. Das platz ausgesetzt, ändert jedoch nichts daran, dass immer obwohl auf EU-Ebene noch 97 % der Unternehmenschefs eine Fülle von Vor-Männer sind. Offenbar ist die „gläserne schriften besteht, die Decke“ trotz mancher Fortschritte immer dies verhindern sollen. noch vorhanden. Vor kurzem gewann eine leitende Vertriebs-Unter den zahlreichen Faktoren, die hier mitarbeiterin einen im Spiel sind, gibt es einige grundlegende Rechtsstreit mit ihrem Ursachen, die dafür sorgen, dass nur Vorgesetzten, der, wenige Frauen bis in die Machtzentralen nachdem er von ihrer vorstoßen. Das vielleicht größte Karriere- S c h w a n g e r s c h a f t hindernis für Frauen ist die Tatsache, dass erfuhr, ihr gegenüber in vielen europäischen Gesellschaften das sagte, sie sei „zu nichts Denken über die Geschlechterrollen wei- zu gebrauchen“, und terhin von althergebrachten Überzeugun- sie anschließend gen und Haltungen sowie tief verankerten zurückstufte, während Klischees bestimmt wird. Viele Menschen sie im Mutterschafts-sind bewusst oder unbewusst immer urlaub war. noch der Meinung, dass Geschäfte Män-nersache sind und Frauen dazu eigentlich Darüber hinaus ungeeignet sind. werden Frauen insge-samt nicht die gleichen Geschlechtsspezifische Klischees setzen finanziellen Anreize jedoch weit vor dem ersten Einstellungsge- geboten, um lange undDie Elternschaft hat ganz unterschiedliche Auswirkungen auf die Laufbah-spräch ein. Obwohl der Bildungsstand von hart für einen berufli-nen von Frauen und Männern: Die Beschäftigungsquoten von Frauen mit Frauen so hoch wie nie zuvor ist, zeigen chen Aufstieg zu arbei-Kindern sind niedriger, bei Männern sind sie hingegen höher. Untersuchungen, dass Mädchen sich insge- ten, denn zum einen samt weiterhin eher für Studien entschei- verdienen sie im Durchschnitt deutlich reich unter einen Hut zu bringen. In den den, die als „typische Frauenfächer“ gelten. weniger als Männer – das Lohngefälle liegt letzten Jahren hat sich zwar viel geändert, Diese Bereiche (die manchmal unter dem in der Europäischen Union konstant bei doch Frauen leisten immer noch den Haupt-Begriff „Soft Skills“ zusammengefasst 15 % – und zum anderen ist die Wahrschein- teil der Hausarbeit wie Putzen und Kinder-werden – der Name sagt schon alles) lichkeit, dass sie in die höchste Einkom- erziehung und das Familienleben wird größ-umfassen Pädagogik, Sozialwissenschaf- mensgruppe aufsteigen, weit geringer. Laut tenteils weiterhin als „Frauensache“ ten, Kunst und Medizin. Dagegen werden einer jüngst vorgelegten Studie der Univer- betrachtet. lukrativere Bereiche wie Finanzen, Technik sität Cambridge, die im Rahmen der laufen-und Naturwissenschaften stark von den Europäischen Umfrage über die „In Europa scheint die individuelle Männern dominiert. Arbeitsbedingungen durchgeführt wurde, Arbeitssituation immer noch zumeist vom verdienen 44 % der vollzeitbeschäftigten Geschlecht abzuhängen“, erläuterte Dr. Der Platz der Frau Burchell bei der Vorstellung derMänner ein „hohes“ Gehalt, während dies Brendan nur bei 20 % der Frauen der gleichen Kate- Studie der Universität Cambridge im Auch wenn sie Führungspositionen gorie der Fall ist. Dezember in Brüssel. „Da Frauen selten die erreicht haben, sind Frauen am Arbeits- Top-Verdiener im Haushalt sind, scheint der platz nicht vor Klischees und SexismusKinder und HausaltGrund, warum ihnen die Hausarbeit übertra-sicher; so werden sie häufig für die Sekre- gen wird, wirtschaftlicher Natur zu sein.“ tärin gehalten. Eine Managerin aus Ein weiterer Hauptgrund, warum Frauen Fazit: Obwohl Männer im Allgemeinen Deutschland berichtet beispielsweise von nicht in Spitzenpositionen gelangen, ist das mehr Zeit auf der Arbeit verbringen, ist die einem Kollegen, der sie bat: „Würden Sie Problem, Arbeit und Familienleben erfolg- tatsächliche (berufliche und häusliche) Sozial Agenda8Februar 2008
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Geschlechtergleichstellung
Arbeitszeit bei Frauen viel länger. Die betrug 91,4 %, bei kinderlosen Männern Studie aus Cambridge veranschlagt die aber nur 80,8 %. Arbeitszeit von Männern in der EU in Voll-zeitbeschäftigungsverhältnissen auf rund Dr. Katherine Rake, die Direktorin der 55 Stunden pro Woche und die durchschnitt- Fawcett Society, einer britischen Organisati-liche Arbeitswoche einer Frau auf rund on, die sich für die Gleichberechtigung von 68 Stunden. Frauen und Männern einsetzt, verweist darauf, dass Arbeitgeber einen Beitrag Um dieses Muster aufzubrechen, wäre es leisten können, indem sie, auch wenn gemäß Dr. Burchell am besten, „die Gleich- Kinder hinzukommen, gerechtere Aus-stellung der Geschlechter sowohl im Beruf gangsbedingungen bieten. Um eine Gesell-als auch im Haushalt zu verbessern, indem schaft zu verwirklichen, „in der Frauen und z. B. Männer ermuntert werden, den ihnen Männer diese Aufgaben gleichmäßiger ver-zustehenden Elternurlaub zu nehmen“. Aus teilen, statt durch inflexible Arbeitsplätze in EU-Studien ergibt sich, dass 84 % aller eine Aufgabe gedrängt zu werden, … Männer den ihnen zustehenden Elternurlaub müssen flexiblere Arbeitsbedingungen nicht in Anspruch nehmen, obwohl sie geschaffen und dem Mythos, dass die wissen, dass sie Anrecht darauf haben. Beschäftigung mit Kindern und dem Haus-halt eher Aufgabe der Frau ist, ein Ende Diese ungleiche Verteilung der Hausar- gesetzt werden“. beit bedeutet, dass zwar immer mehr Frauen zwischen 20 und 30 inzwischen fast so vielGuter Geschäftssinn wie Männer verdienen, aber eine Verände-rung eintritt, sobald sie Kinder haben. Die Verringerung des Gefälles zwischen Nachdem sie Mutter geworden sind, ent- Männern und Frauen in Führungspositio-scheiden sich viele Frauen für eine Teilzeit- nen ist nicht nur eine Frage der Chancen-beschäftigung – oder hängen den Job ganz gleichheit, sondern auch eine lohnende an den Nagel. Laut den Zahlen aus dem Jahr Geschäftsidee. Eine vor kurzem vorgeleg-2006 lag die Beschäftigungsquote von te Studie der deutschen Beratungsgesell-Frauen zwischen 20 und 49 mit einem Kind schaft McKinsey & Company ergab, dass unter 12 Jahren bei 61,4 %, gegenüber 76 % die europäischen Unternehmen mit dem bei Frauen ohne Kinder. Während die höchsten Frauenanteil unter den Füh-Beschäftigungsquoten von Frauen mit rungskräften auch eine überdurchschnittli-Kindern niedriger sind, gilt bei Männern das che finanzielle Entwicklung erzielen. Als Gegenteil: Die Beschäftigungsquote von positives Beispiel nannte der Bericht Vätern mit einem Kind unter 12 Jahren Skandinavien. Aus dieser Region, in der die Gleichstellung von Männern und Frauen besonders weit fort-geschritten ist, stammen mehrere Marktführer aus dem Hightech-Sektor, z. B. Ericsson und Nokia, und weitere führende Unterneh-men aus anderen Branchen. Die Gleichstellung von Männern und Frauen wird in Europa seit Gründung der Euro-päischen Wirtschaftsgemein-schaft im Jahr 1957 angestrebt, und dieses Engagement wurde in den letzten 30 Jahren durch gemeinschaftliche Rechtsvor-schriften noch verstärkt. Im März 2006 legte die Europäische Kom-mission einen „Gleichstellungs-
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fahrplan“ vor und die Staatschefs der EU verabschiedeten den „Pakt für die Gleichstellung der Geschlechter“; die Kommission verfolgt die Fortschritte regelmäßig in ihrem „Bericht zur Gleich-stellung von Frauen und Männern“. Im Januar dieses Jahres veröffentlichte sie ihren Bericht „Frauen und Männer in Entscheidungsprozessen 2007 – Analyse der Lage und Entwicklungen“ (s. den Link unten).
Die Gleichstellung von Männern und Frauen ist also schon seit langem eines der vorrangigen Ziele der EU. Was aber kann zukünftig darüber hinaus getan werden? Laut Claudia Funke, Direktorin von McKinsey in München und Mitarbeiterin der vor kurzem vorgelegten Studie, sollte sich die EU auf die Festlegung von Zielni-veaus, die Schaffung von Transparenz und die Bekanntmachung vorbildlicher Verfah-ren konzentrieren. „Eine Gesellschaft, die den Frauenanteil in Führungspositionen erhöhen will, muss entsprechende Anreize schaffen“, meint sie. „Dies wären z. B. bezahlter Elternurlaub, Kampagnen zur Förderung der Beteiligung der Väter am Familienleben und Betreuungsangebote für Kleinkinder.“ Frauen, die Führungspositionen errei-chen wollen, kann sie folgenden Rat geben: „Entscheiden Sie sich für einen Arbeitgeber mit transparenten und objekti-ven Bewertungs- und Beförderungskrite-rien sowie einer meritokratischen Unter-nehmenskultur, und verschaffen Sie sich ein Bild über die Politik zur Geschlechter-gleichstellung Ihres Arbeitgebers “ . Für weitere Informationen: Bericht: http://ec.europa.eu/employm _ /ge ent social nder_equality/gender_mainstreaming/bal ancedparticipation/balanced_participa-tion de.html _ Datenbank: http://ec.europa.eu/employment_social/w _ _ omen men stats/ _ index de.htm
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Geschlechtergleichstellung
DIE FÜHRUNG ÜBERNEHMEN
Obwohl es in Sachen Gleichstellung in den letzten 50 Gewerkschaft HK aufmerksam. „Ich hatte mir über-Jahren beträchtliche Fortschritte gegeben hat, sind legt, einen Masters-Abschluss zu machen, doch dann Frauen im Top-Management nach wie vor stark unter- las ich vom Projekt ‚Management mit persönlichem repräsentiert. In der Europäischen Union stellen Stil‘, bei dem speziell auf weibliche potenzielle Frauen gerade einmal 32 % der Führungskräfte und Manager abgestimmtes Training und Coaching ange-nur 3 % der CEOs von Großunternehmen. boten wurde, und entschied mich dafür.“ Mit 39, gerade als sich bei Pia Oesterfelt, Managerin Das Ziel dieser dänischen Initiative, die von der EU im Bereich Werbung und Marketing in Kopenhagen, über den Europäischen Sozialfonds mitfinanziert eine gewisse Frustration mit ihrer Arbeit und der wurde, waren unmittelbare Lösungsansätze für die Wunsch nach einer Aufgabe mit mehr Verantwortung Unterrepräsentation von Frauen im Management einstellte, wurde sie auf ein Kursangebot ihrer unter Berücksichtigung von Problemen mit besonde-rer Bedeutung für Frauen. Durch eine Kombination aus individuellem Coaching, gemeinsamen Kursen und der Gründung von Netzen sollte der Kurs Frauen das notwendige Vertrauen geben, um ihre Karrieren selbstständig voranzutreiben statt sich den Erwar-tungen anderer zu fügen.
„Im Kurs habe ich gelernt, eine Füh-rungspersönlichkeit zu sein. Ich erhielt dabei viele neue Hilfsmittel, um meine Arbeit besser zu strukturieren und Stra-
tegien in die Realität umzusetzen“, sagt Pia, die inzwischen zur Leiterin der Werbeabteilung ihrer alten Firma auf-gestiegen ist und für ihre Abteilung verantwortlich ist.
Diese Erfahrung wirkte sich sowohl auf ihr berufliches als auch auf ihr Privatle-
ben aus. „Ich bin inzwischen selbstsi-cherer und entspannter. Das Wichtig-ste, was ich gelernt habe, war aber wohl, dass der Schlüssel, um eine gute Führungskraft zu werden, in der eigenen Persönlichkeit liegt und man nicht versuchen sollte, diese zu ändern. Stattdessen sollte man den Mut haben, mehr zu sich zu stehen, und seine eigenen Stärken einsetzen, indem man sich einen persönlichen Führungsstil erarbeitet.
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C h a n c e n g l e i c h h e i t
Rückblick auf das Europäische Jahr der Chancengleichheit Hunderte Veranstaltungen in der ganzen EU trugen dazu bei, die Öffentlichkeit über gesellschaftliche Vielfalt zu informieren und ihren Nutzen herauszustellen
i viel Ww ,tssuw ßorg eiekSps daumtr edns  eiseigeich chbentliföefdn ehc etnilsst-Bewu behseineS .nebearrov ni Zesigngrwal ie 5v no1 ,8ganaltes  snaemteiiEe snledznuc adeh EUls ai  nöHeh niMttleestelltebereit-g der EU-Vorschriften zur Bekämpfung von es, die Bürger über das geltende Diskri- Mio. EUR guten Einsatz fanden. Unter Diskriminierung ist, das uns schützt? minierungsverbot und ihr Recht auf anderem wurden nationale Sensibilisie-Offenbar nicht genug, denn laut einer Gleichbehandlung zu informieren, die rungskampagnen (z. B. in Belgien und Eurobarometer-Umfrage aus dem vergan- Chancengleichheit für alle zu fördern und Österreich) durchgeführt und Auszeich-genen Jahr glaubt lediglich ein Drittel der die Vorteile der Vielfalt hervorzuheben. nungen an private und öffentliche Unter-EU-Bürger (32 %) zu wissen, welche nehmen, die sich besonders um Vielfalt, Rechte ihnen zustehen, falls sie diskrimi- Die Begeisterung für das Europäische Gleichbehandlung am Arbeitsplatz und niert oder belästigt werden sollten. Jahr der Chancengleichheit übertraf alle wirksame Bekämpfung von Diskriminie-Erwartungen. Auf lokaler, regionaler und rungen bemühen, vergeben (z. B. in Das Europäische Jahr der Chancen- nationaler Ebene fanden 400 Veranstal- Deutschland und Luxemburg). In Zypern gleichheit (EYEO) für alle 2007 wollte tungen statt, bei denen die sowohl von der und Frankreich zeigte sich die Kampagne
Sozial Agenda11
Februar 2008
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