Die verlorene Kompanie

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HEINRICH EISEN DIE VERLORENE KOMPANIE ROMAN ________________________________________________________ Zentralverlag der NSDAP. Franz Eher Nachf. München Einbandentwurf von Friedrich Kremer, München 2. Auflage. 51.-109. Tausend. 1943 Alle Rechte vorbehalten. Copr. 1943 by Verlag Franz Eher Nachf., GmbH., München Druck A. Laumann, Dülmen Hauptmann Rott betritt den Bataillonsgefechtsstand. Die Absätze klappen. Der helle Ton der Sporen klingt nach. Ruhig, knapp die Meldung. Eine Sekunde lang sehen sich die beiden Offiziere in die Augen, dann ist die gegenseitige Prüfung beendet. Der junge Kommandeur, das Ritterkreuz am Halse, streckt seinem neuen Kompanieführer die Hand entgegen. „Heiße Sie beim Bataillon willkommen, Herr Hauptmann. Sie übernehmen die Siebte.“ „Zu Befehl, Herr Major!“ „Zunächst die Lage.“ Sie beugen sich über die Karte. „In den Kämpfen der letzten Tage wurde der bisherige Gegner vollkommen aufgerieben. Unser Regiment steht auf der Linie dieser Ortschaften.“ Der Rotstift des Kommandeurs malt kleine Kreise auf die Karte. „Es ist gesichert durch Feldwachen und Spähtrupps.“ Der Rotstift streicht zwei Zentimeter auf der Karte ostwärts. „Dort steht der Gegner von morgen. Reichlich zwanzig, vielleicht dreißig Kilometer entfernt. Eine ganz neue Armee. In der Hauptsache sibirische Truppen. Wo die Kerle nur immer ...
Publié le : mercredi 20 juillet 2011
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HEINRICH EISEN DIE VERLORENE KOMPANIE ROMAN ________________________________________________________ Zentralverlag der NSDAP. Franz Eher Nachf. München Einbandentwurf von Friedrich Kremer, München 2. Auflage. 51.-109. Tausend. 1943 Alle Rechte vorbehalten. Copr. 1943 by Verlag Franz Eher Nachf., GmbH., München Druck A. Laumann, Dülmen Hauptmann Rott betritt den Bataillonsgefechtsstand. Die Absätze klappen. Der helle Ton der Sporen klingt nach. Ruhig, knapp die Meldung. Eine Sekunde lang sehen sich die beiden Offiziere in die Augen, dann ist die gegenseitige Prüfung beendet. Der junge Kommandeur, das Ritterkreuz am Halse, streckt seinem neuen Kompanieführer die Hand entgegen. „Heiße Sie beim Bataillon willkommen, Herr Hauptmann. Sie übernehmen die Siebte.“ „Zu Befehl, Herr Major!“ „Zunächst die Lage.“ Sie beugen sich über die Karte. „In den Kämpfen der letzten Tage wurde der bisherige Gegner vollkommen aufgerieben. Unser Regiment steht auf der Linie dieser Ortschaften.“ Der Rotstift des Kommandeurs malt kleine Kreise auf die Karte. „Es ist gesichert durch Feldwachen und Spähtrupps.“ Der Rotstift streicht zwei Zentimeter auf der Karte ostwärts. „Dort steht der Gegner von morgen. Reichlich zwanzig, vielleicht dreißig Kilometer entfernt. Eine ganz neue Armee. In der Hauptsache sibirische Truppen. Wo die Kerle nur immer wieder herkommen? Wie eine Hydra ist das! Man kann ihr noch so viele Köpfe abschlagen, sie wachsen immer wieder nach.“ Das klare scharfe Gesicht wird undurchdringlich hart. „Unser Regiment greift an. In der Frühe des morgigen Tages. Der Feind ist zu werfen, der Durchbruch zu erzwingen. Hier zwischen den Waldaibergen im Norden und dem riesigen Wald- und Sumpfgebiet im Süden. Bei dem schweren Durchkommen im Schnee eine harte Nuß. Den verfrühten Winter soll der Teufel holen!“ Er winkt Rott ans Scherenfernrohr. „Sehen Sie sich mal die Gegend genau an. Das Waldgebiet rechts wird beim Angriff ausgespart. Am Rande ist es frei vom Feind, aber was darin steckt, weiß man nicht. Die 1600 Quadratkilometer durchzukämmen, würde zu lange aufhalten, auch liegt darin eingeschlossen ein gewaltiges unpassierbares Sumpfgebiet mit Moorseen und einem Labyrinth von kleinen Wasserläufen, die aus dem Überschwemmungsgebiet des Flusses herrühren. Wir müssen gegen Überraschungen aus dem Walde die rechte Flanke des Regimentes schützen. Diesen Auftrag hat unser Bataillon, das zugleich Regimentsreserve ist, und ich habe die siebte Kompanie schon in das Dorf vorgeschoben... halb rechts zehn Kilometer... fünf Strich links der vorspringenden Waldzunge... auf der Anhöhe... sehen Sie es?“ „Jawohl, Herr Major.“ „Man beherrscht von dort aus kilometerweit den Waldrand. Ich habe der Kompanie einen SMG-Zug unterstellt und einen Funktrupp mitgegeben. Einen Halbzug Pak und zwei schwere Granatwerfer erhalten Sie noch morgen früh. Die leichten Granatwerfer der Kompanie sind zur Zeit zum Richten in der Waffenmeisterei.“ Rotts Auge hängt im Scherenfernrohr an den paar zerlöcherten Giebelwänden und dunklen Schutthaufen, die von dem einstigen Dorf übrig geblieben waren. Von der Kompanie ist nichts zu entdecken. Auch sonst ist das Gelände, leuchtend weiß unter dem blauen Himmel, wie ausgestorben; es ist allerdings auch sehr unübersichtlich. Bodenwellen, Mulden, vielverzweigte Knicke, Buschwerk und Hecken, kleine Waldstücke und verstreute Baumgruppen ziehen sich, soweit das Auge reicht. Rott wendet sich seinem Kommandeur zu. „Im Bilde, Herr Major. Kann ich dann zu meiner Kompanie aufbrechen?“ „So eilig ist das nicht, Herr Hauptmann. Sie sind erst mein Gast zu Mittag. Es fährt später ein LKW mit restlicher Verpflegung und Munition für die Kompanie vor. Der kann Sie mitnehmen mitsamt Ihrem Gepäck.“ Er winkt ihm zu, sich zu setzen. „Vielleicht erzählen Sie mir etwas über Ihre bisherige Verwendung. Ihre Auszeichnungen stammen aus dem Weltkrieg. Ich hätte Sie für jünger gehalten. Wo haben Sie sich das Verdienstkreuz und die Spange zum EK geholt?“ „Beides nach dem Feldzug in Griechenland!“ Eine große Kiste ist der Tisch, zwei kleine sind die Stühle. Der Kommandeur greift irgendwo herum, holt eine Flasche und zwei Gläser hervor. „Noch ein Rest aus dem Westen. Dreißig Jahre alter Bordeaux, fast so alt wie ich selbst“, schmunzelt er und schenkt ein. „Bitte, behalten Sie Platz“ — und sie stoßen an. „Auf Ihr Glück und Ihre Kompanie.“ „Auf das Glück des Bataillons und seines Kommandeurs“, erwidert Rott. Sie nehmen kleine Schlucke, zerdrücken den Wein mit der Zunge hinter den Zähnen, lassen ihn langsam, gewissermaßen über jeden Geschmacksnerv einzeln in die Kehle rinnen. Ihre Augen lachen einander an. Sie fühlen sich eins in dem selbstverständlichen Bewußtsein, Schicksalsgefährten zu sein und sich aufeinander verlassen zu können. Man steht gemeinsam auf dem Felde, auf dem es nur einen Willen gibt, den Sieg. Auf dem Tod und Kameradschaft Geschwister sind. Rott nimmt das Glas von den Lippen, nimmt es vor die Brust, neigt sich leicht gegen den Kommandeur. Ein wenig klingen die Sporen. „Wunderbar“, sagt er leise, fast andächtig. „Freue mich, daß ich einem Kenner den Genuß bereiten kann“, erwidert der Major verbindlich. „Wirklich genießen, mit aller Inbrunst, kann man nur, glaube ich, was man sich lange ersehnt hat oder — was zur Neige geht.“ „Von Beruf Philosoph oder nur zur Belebung und Verschönerung des nüchternen Alltags?“ „Keines von beiden, Herr Major. Der Krieg ist eben der große Lehrmeister auch des Genusses.“ „Das haben Sie gut gesagt.“ Der Major streckt die Beine aus gegen den kleinen eisernen Ofen. Auf eine Handbewegung folgt Rott seinem Beispiel. Es ist von unten her kalt, von oben her warm in der kleinen, ganzgebliebenen Kammer des zerschossenen Hauses am Rande des Städtchens. „Rauchen Sie?“ Er reicht Rott das goldene Etui zu. Der nimmt dankend und gibt dem Vorgesetzten Feuer. Wie zuvor den Wein, so ziehen sie nun den Rauch durch die Kehle, lassen ihn langsam und hauchdünn durch die Nase entweichen. Sehen sinnend in das durchsichtig blaue Gewoge. Kurz berichtet Rott von seinem bisherigen Einsatz und lacht zum Schluß: „War eigentlich bisher im großen Ganzen ein recht beschauliches Dasein.“ „Das wird sich jetzt von Grund auf ändern, lieber Rott. Hier ist der Soldat das reinste perpetuum mobile — Marsch, Gefecht, Gefecht, Marsch. Daß wir seit gestern am gleichen Ort liegen — Klein-Moskau haben wir dieses Stadtüberbleibsel getauft — ist das reine Wunder. Die Kerle konnten es gar nicht glauben, daß sie sich einmal vierundzwanzig Stunden lang oder noch länger sollten hinhauen können.“ „Ein Glück, sonst hätte ich meinem neuen Truppenteil wohl bis ans Ende der Welt nachlaufen müssen.“ Der Adjutant tritt ein. Rott kennt ihn schon von der Ankunft. „Rosen, lassen Sie doch der Siebten funken, daß ihr neuer Kompanieführer gegen Abend auf der Höhe Windig eintreffen wird.“ Zu Rott gewandt fährt er fort: „Zur Zeit führt der Hauptfeldwebel die Kompanie. Den letzten Offizier hat sie vor drei Tagen durch schwere Verwundung verloren. Mit Mannschaftsersatz wurde sie, wie das ganze Regiment, vor kurzem ziemlich aufgefüllt.“ Eine Ordonnanz bringt das Essen. Der Adjutant holt sich eine dritte kleine Kiste und setzt sich mit an den Tisch. Es gibt Linsensuppe mit Würsten. Sie brocken noch Brot dazu. Es schmeckt ausgezeichnet. Sie kauen mit Bedacht, spülen sich zwischendurch den Mund mit kleinen Schlucken vom restlichen Wein. Die Unterhaltung ist spärlich geworden. Essen ist eine zu wichtige Sache. Man weiß nie, wann man wieder dazu kommt. Mit dem Nachschub klappt das nicht immer so und auch sonst kann ja jede Mahlzeit die letzte sein. All das liegt in den Blicken, wenn man sich zwischendurch über den Löffel oder den Rand des Glases hinweg ansieht. Das und noch manches andere. Aber man spricht es nicht aus. Daß man jede Stunde sein Leben verlieren kann, ist eine Selbstverständlichkeit. Wäre lächerlich, davon zu reden. In der Sicherheit des Biertisches daheim vielleicht ein behaglich gruseliges Thema, etwas für Kaffeeklatsch-Jeremiaden, vielleicht eine heroische Angelegenheit für Literaten, aber nichts für Soldaten. Aus dem Kofferradio klingen Tanzrhythmen, klingt eine weiche Männerstimme: Rosmarie, vergiß mich nie... ich komme wieder... Man läßt die weiche Stimmung über das Herz streicheln, ohne es ihr zu öffnen. Der Soldat braucht seine Härte. „Schmeckt's Ihnen, Hauptmann Rott?“ fragt der Major lächelnd. „Danke gehorsamst, Herr Major, ausgezeichnet.“ Der Adjutant lächelt vor sich hin, sagt dann mit einem leisen Bedauern in der Stimme: „Erinnern sich Herr Major noch der wundervollen Speisefolgen der französischen Diners?“ „Sie sind gehässig, Rosen!“ „Verzeihung, Herr Major —“ „Wenn das Essen dann aber mit dem Mokka beendet war, hätte man beim Hummer wieder von vorn anfangen können — wenn wir hier aufhören, sind wir satt“, verscheucht Rott die Fata morgana des gedeckten Hoteltisches französischer Städte. Er hat noch Zigarren, Holländer aus Sumatra. Aus einem bei Saloniki zurückgebliebenen englischen Proviantdepot. Kann dem Kommandeur und seinem Adjutanten eine besondere Freude machen. Zigarren sind Kostbarkeiten. Es gibt noch eine Tasse Kaffee, zwar nur Feldküchenausgabe, aber mit reichlich Bohnen. Durch das aus Bruchstücken mosaikartig zusammengesetzte Fenster fällt schräg herein ein Streifen Sonne. Sinnend sehen sie in diesen Sonnenstreifen. Der Kommandeur tritt ans Fenster. Auch Rott steht auf und blickt hinaus. „Sie haben zur Ankunft einen außerordentlich günstigen Tag erwischt.“ Die winterliche Landschaft fließt über von Glanz. Rott drängt es plötzlich aufzubrechen und er bittet den Kommandeur um Erlaubnis. „Ich möchte gerne zu Fuß gehen.“ „Selbstverständlich, Herr Hauptmann. Der Wagen kann ja nachkommen. Leutnant Rosen wird Sie auf die richtige Fährte setzen, da können Sie nicht fehlgehen. Bei der Kompanie haben Sie dann eine Karte von der Gegend.“ Rott verbeugt sich, bedankt sich für die Gastfreundschaft. „Da gibt es nichts zu danken. — Machen Sie's gut, Hauptmann Rott.“ Ihre Hände liegen sekundenlang ineinander. „Zu Befehl, Herr Major!“ Noch ein straffer Gruß. Rott verläßt mit dem Adjutanten den Raum. Er schlüpft in den Mantel, schnallt um und nimmt den Rucksack auf. „Das Unentbehrlichste trage ich immer selbst bei mir“, erklärt er. Durch den Schutt ist ein Weg gebahnt. Hinter ihnen nähert sich Motorengeräusch. „Was rückt denn da an?“ fragt Rott. „Wahrscheinlich der Zahlmeister mit der hoffentlich frisch aufgefüllten Marketenderei. „Donnerwetter — da könnte man sich sicher noch eindecken für die nächsten Tage?“ „Glaube schon, Herr Hauptmann. Kommen Sie mal mit!“ Vor einem halb ausgebrannten großen Gebäude halten zwei LKW. Ein halbes Dutzend Soldaten mit umgehängtem Gewehr und einem leichten Maschinengewehr springt ab und eben klettert der kleine rundliche, pelzvermummte
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