Front am Polarkreis

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FRONT AM POLARKREIS II DIE GROSSE WALDSCHLACHT BEGINNT KNÜPPELDÄMME DURCH SUMPF UND MOOR Und dann beginnt die grosse Waldschlacht in Nordkarelien. Sie ist auch ein zweifacher, harter Kampf, wie ihn im hohen Norden jedes Lebewesen, jeder Baum, jeder Strauch, die ganze Pflanzenwelt schlechthin zu bestehen hat. Alles Wachstum muss hart mit den rauhen Lebensbedingungen der Arktis und dem steinigen Felsgrund ringen und wird zum wilden, verwachsenen, verkrüppelten Urwald. Wir müssen nun diese Wildnis überwinden und gegen die hinterhältigen Bolschewisten kämpfen. Das Ringen mit der Natur, mit dem Urwald, mit den Sümpfen, mit den Felsen, mit den Mücken, mit der Hitze und schliesslich mit der eisigen Kälte und dem hohen Schnee ist wohl immer das qualvollere und zermürbendere gewesen, weil es immer da war, zu jeder Stunde, zu jeder Jahreszeit in ungezählten Variationen. Der Krieg in der Urwaldwildnis ist zu einem grossen Teil ein Problem des Wege- und Strassenbaues. Das wird sofort verständlich, wenn man bedenkt, dass viele tausende deutsche und finnische Soldaten im Grenzgebiet der Odmark aufmarschiert sind. Auf der anderen Seite jedoch liegt ein hartnackiger Gegner zum Sprung bereit. UnsereManner aber stehen mitten in der Wildnis einer Wegelosigkeit gegenüber, von der man sich in der Heimat keinen Begriff machen kann. Selbst das ärmste Eifeldorf hat zu seinen abgelegenen Ackern und Wiesen einen Feldweg, einen Weg, der uns hier im karelischen ...
Publié le : vendredi 3 juin 2011
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FRONT AM POLARKREIS   II  DIE GROSSE WALDSCHLACHT BEGINNT   KNÜPPELDÄMME DURCH SUMPF UND MOOR  Und dann beginnt die grosse Waldschlacht in Nordkarelien. Sie ist auch ein zweifacher, harter Kampf, wie ihn im hohen Norden jedes Lebewesen, jeder Baum, jeder Strauch, die ganze Pflanzenwelt schlechthin zu bestehen hat. Alles Wachstum muss hart mit den rauhen Lebensbedingungen der Arktis und dem steinigen Felsgrund ringen und wird zum wilden, verwachsenen, verkrüppelten Urwald. Wir müssen nun diese Wildnis überwinden und gegen die hinterhältigen Bolschewisten kämpfen. Das Ringen mit der Natur, mit dem Urwald, mit den Sümpfen, mit den Felsen, mit den Mücken, mit der Hitze und schliesslich mit der eisigen Kälte und dem hohen Schnee ist wohl immer das qualvollere und zermürbendere gewesen, weil es immer da war, zu jeder Stunde, zu jeder Jahreszeit in ungezählten Variationen.  Der Krieg in der Urwaldwildnis ist zu einem grossen Teil ein Problem des Wege- und Strassenbaues. Das wird sofort verständlich, wenn man bedenkt, dass viele tausende deutsche und finnische Soldaten im Grenzgebiet der Odmark aufmarschiert sind. Auf der anderen Seite jedoch liegt ein hartnackiger Gegner zum Sprung bereit. UnsereManner aber stehen mitten in der Wildnis einer Wegelosigkeit gegenüber, von der man sich in der Heimat keinen Begriff machen kann. Selbst das ärmste Eifeldorf hat zu seinen abgelegenen Ackern und Wiesen einen Feldweg, einen Weg, der uns hier im karelischen Urwald wie eine Fata Morgana dünken würde. Der deutsche Feldweg ist uns früher die selbstverstandlichste Sache der Welt gewesen - heute haben wir ihn zum Gradmesser für die Errungenschaften jeglicher Zivilisation erhoben.  Im Anfang war also nichts. In den vor uns liegenden Sumpfgebieten gibt es keinen Pfad, keinen Steg, keinen Weg und keine Strasse. Man hielt aus diesem Grunde ein Kriegführen in solchem Gelände bisher für unmöglich. Unsere finnischen Waffenbrüder sind von den Bolschewisten in diesen Sumpfgebieten nur im Winter, wenn eine starke Frostschicht die Moore und Sümpfe zudeckte, angegriffen worden. Auch die Sowjets sahen in dem verwachsenen Waldmeer, in den Mooren und Sümpfen, in dem unförmigen Gneis und Granit ein unüberwindliches natürliches Hindernis. Sie glaubten, wir würden in ein nicht zu meisterndes Abhöngigkeitsverhöltnis zur Natur geraten und verfielen so dem gleichen Irrtum, wie später auch die Englönder, die in den riesigen Urwäldern Malayas die sicherste Verteidigungsanlage erblickten und sehr überrascht waren, als die Japaner diese Dschungelwildnis so schnell bezwangen.  Ja, die Sowjets haben sich auch in uns getäuscht, sie unterschätzten unsere wackeren Pioniere, die Männer der Sumpf- und Bau-Bataillone und unsere tapferen Infanteristen.
Ein Glück, dass sie nicht sehen können, mit weicher Gründlichkeit und Zähigkeit unsere Wegebauer ans Werk gehen: mit Spaten, mit Picke und Axt, mit Motorsäge und Rammpflock. In unerhörtem Tempo entstehen Wege; kilometerlange Sümpfe, tiefe Schluchten, reissende Bäche werden mit Knüppeldümmen überbrückt.  Späher fühlen weit ins Feindesland vor und zeichnen die Markierungen für die Verlängerung der Wege. Die Infanteristen folgen beim Vorgehen meist diesen Zeichen. Aus den Trampelspuren wird langsam ein Pfad, ein schmaler Gehsteig im einsamen nordkarelischen Urwald. Hunderte, tausende Fäuste packen dann zu, und aus dem Pfad wird in schwerer Arbeit ein Karrenweg, die einzig mögliche Nachschubader beim Vorstoss in die Wildnis. Mühsam muss er dem steinigen Boden, dem verfilzten Wald, den steilen Hängen und den versumpften Schluchten abgerungen werden. Dieser Wegebau hat uns immer wieder das wahre Gesicht dieser Landschaft gezeigt-. ein Meer von Felsbrocken, unförmiger, unfruchtbarer Gneis- und Granitgrund.  Die kantigen Felsenbrocken machen jeden Schritt für Mensch und Tier zur Qual. Es ruckt, reisst und zerrt an den Kummts und Brustblüttern der Pferde, dieser treuen und edlen Helfer der Soldaten. Mit Aufbietung der letzten Kräfte ziehen die vierbeinigen Kameraden ihre schwerbeladenen Karren über diese Bergund Talbahn. Nur sind die Furchen dieser Bahn alles andere als "schienenglatt". Je weiter der Vormarsch rollt, umso stärker wächst auch der Verkehr. Das Gesicht des Karrenweges aber wird immer zerwühlter und zerfahrener. Jedes Fahrzeug schlägt tiefere Wunden . sein schmutzig-graues, unansehnliches Antlitz. Behutsam führen die Lenker ihre Gefährte über den holperigen Weg, über die Knüppelmatten, über die unförmigen Feisquadern, Tag für Tag, hin und her. Man muss diese Plagerei mitgemacht haben, man muss mit den Karrenfahrern gestolpert sein, um dieses zermürbende Hinüber und Herüber, dieses Vor und Zurück so recht zu verstehen. Doch die Männer der Nachschubdienste sind froh, wenn die Räder ihrer Karren überhaupt noch rollen. Oft zwingt sie das Gesetz der Wildnis, den Karren abzuladen und ihre Lasten Tragtieren aufzubürden, die dann schwerbepackt weiterstolpern.  Wegebau in der Urwaldwildnis, Knüppeldamme über Sumpf und Moor, das ist das gute Sprungbrett, die erste Phase für die erfolgreiche Waldschlacht.   AUF SPÄHTRUPP IN DER WILDNIS  Vor jedem Kampf steht die sorgfältige Feindaufklarung. Der karelische Urwald, die Sümpfe und Moore, die bewaldeten Geröllhalden und die tiefen Felsenschluchten drohen täglich mit der Ungewissheit. "Wo sind die Sowjets in dieser unergründlichen Wildnis, in welchen Schlupfwinkeln haben sie sich festgesetzt wo haben sie ihre Kräfte massiert?". Die Schwierigkeiten des Geländes zwingen zu besonders intensiver Feinderkundung. Die Kameraden der Luft können uns hier nur bedingt helfen. Der gewandte, zahe und ausdauernde Spöher, der Soldat der sich durch die verrnorschten Wälder, durch Sümpfe, über Felsgeröll und reissende Bache an den Feind herantastet, ist der wichtige, ja entscheidende Mann für die Aufklärung geworden. Von der gewissenhaften Tätigkeit
dieser "Argusaugen" hängt alles ab. Täglich durchstreifen daher Spahtrupps dies undurchsichtige Niemandsland, deutsche und finnische Soldaten sind gemeinsam oft 6, 8 Tage unterwegs, um zu sehen, zu hören, nach Feindspuren zu forschen.  Wir betrachten unsere finnischen Kameraden: in leichter graumelierter Windiacke, grauen Tuchhosen und gelben Schnabeistiefeln mit leisen Gummisohlen, die Jägermütze auf dem Kopf, den Finnendolch und das Fläschchen mit Mückenöl am Koppel, das Gewehr noch Jögerart geschultert, so stehen sie unter uns, die wir mit unseren Gasmasken und Seitengewehren einen weit kriegsmössigeren Eindruck machen. Wir haben unsere Waffenbrüder in der ersten Zeit etwas skeptisch gemustert, uns schien ihre Ausrüstung zu dürftig. - Doch bald spüren wir am eigenen Leibe, dass der Krieg im Urwald seine eigene Note hat und nach anderen Grundsätzen geführt wird, als wir es gewohnt sind. Wir erkannten, dass es zweckmassig ist, in diesem unwegsamen Gelände nicht zu viel "Anhängsel" mitzuschleppen. Unsere finnischen Kameraden wurden uns hier zum Vorbild, sie waren die Erfahrenen. Ihre Kenntnis des Geländes, ihr Wissen um die Schwierigkeiten des Kampfes im Urwald Kareliens, haben uns seit Beginn des entscheidenden Ringens im hohen Norden viel genützt und die alte Waffenbrüderschaft aufs neue erhörtet. Die finnischen Soldaten, die nun Schulter an Schulter mit uns gegen den Bolschewisten kämpfen, sind meist Naturmenschen, bei denen das Leben in der Odemark alten Traditionen entspricht. Der Finne, auch wenn er in der Stadt wohnt, hat zum Wald eine sehr enge Bindung, er sieht im Walde den Beschützer, der ihm vieles Gute bietet. Er fürchtet auch den Wald im Kriege nicht, denn im Walde leben seine natürlichen Instinkte auf, hier entwickeln sich die Eigenschaften, die ihn jeden Feind überlisten und bezwingen lassen.  So hat die Waldwildnis von selbst seinen Ortssinn geweckt, und bei den meisten bewährt sich dieser Sinn auch in einem fremden, vielgestaltigen Gelände ausgezeichnet. Besonders die Soldaten aus dem nördlichen Finnland, die Waldläufer, Renntierzüchter und Forstarbeiter, Menschen, deren Sinne durch keine lärmende Grossstadt abgestumpft sind, lesitzen diese instinktiven Fähigkeiten in hohem Masse. Jeden fremden Laut, jedes fremde Geräusch, jede unnatürliche, noch so unscheinbare Veränderung im Wald, Sumpf und Moor nehmen sie mit sicherem Instinkt wahr. Dem feinhörigen Ohr der finnischen Jäger entgeht nichts. Es ist immer wieder verblüffend, mit weicher Sicherheit sie die Sowjets aufspüren.  Wir schleichen gerne mit finnischen Kameraden durch den Urwald. Sie sind eben die idealen Spaher, die die Natur zu wahren Meistern ausbildete. Karl May hat sie uns in den Indianern seiner Reise-Romane vor Augen gezaubert. Mit jugendlicher Begeisterung lasen wir damals von einem Winnetou, einem Old Shurehand oder Old Shatterhand, von jenen Gestalten, die flink und geräuschlos wie Wiesel sind, die nur flüstern und zischeln und sich durch Zeichen verständigen und lange Zeit die härtesten Strapazen ertragen. Heute erleben wir nun selbst in den finnischen Holzfällern, Fischern oder Mgern solche Männer des Waldes und der Wildnis.   
Seit Stunden sind wir unterwegs im Niemandsland. Wie eine Schlange windet sich unsere Spähtruppkette durch den urwüchsigen, verwilderten Wald. Voran schleicht ein älterer finnischer Waldlüufer und Renntierzüchter, ein "Winnetou des karelischen Urwalds". Sein Gesicht ist zerfurcht vom eiskalten Polarwind und ausgedörrt von der heissen Sonne des kurzen Sommers. Nahe der ehemaligen finnisch-sowjetischen Grenze hat er früher seine Renntierherden betreut. Mit zwei Wolfshunden streifte er sommers in glühender Hitze durch die Wälder und sass winters bei 40 Grad Frost am offenen Holzfeuer. Es ist seine Heimat um die er heute kämpft. Hier ist er einer der besten Kenner unseres Kampfabschnittes. Leicht gebückt tastet er sich durch den lichter werdenden Wald. Oberall hat er seine Augen und Ohren. Auf einer kleinen Anhöhe gibt er uns ein Zeichen. Wir kommen vorsichtig näher und schauen gespannt nach vorn. 200 m vor uns wechselt ein Renntier unseren Weg. Seine scharfen Ohren haben das Tier bereits auf diese weite Entfernung ausgemacht.  Wir teilen uns nun und fühlen nach zwei Richtungen weiter vor. Durch, sumpfige Wälder, steinige Schluchten, über kleine reissende Flüsse, über Meere von Felsbrocken pirschen wir stundenlang sichernd vor. Unsere Lungen keuchen vor Anstrengung, wenn wir die steinigen Berghänge erklimmen und die genagelten Stiefel oft keinen Halt finden. Den Finnen sieht man die Beschwernisse dieses Spahtrupps kaum an. Während wir etwas unsicher, schwerfüllig und schwitzend die Schwierigkeiten der Wildnis meistern, springen sie sicher und behende von Steinbrocken zu Steinbrocken und im Sumpf von Graspolster zu Graspolster. Lange schon hat die Sonne ihren höchsten Stand erreicht, als wir erschöpft einen Rastplatz erreichen.  Ermattet sinken wir zu Boden, unsere Kehlen sind ausgedörrt. Da kommt plötzlich Bewegung in die ruhenden Männer. Ein finnischer Soldat, der etwa 40 m vor uns als Sicherer liegt, gibt uns ein kurzes Zeichen. Ehe wir die Bedeutung dieses Winkes richtig erfassen, haben seine Kameraden bereits zu den Waffen gegriffen und schleichen weit ausholend nach vorn. Wir bleiben zurück, um den Funktrupp zu schützen.  Vor uns fallen jetzt Schüsse. - Das Geheimnis beginnt sich zu lüften: ein sowjetischer Spöhtrupp ist dicht an unserem Rastplatz vorbeigelaufen. Die Bolschewisten machen sich aber schnell aus dem Staube, als sie merken, dass sie umgangen werden sollen. Vorsichtig stossen wir nach, doch ausser Trampelspuren ist nichts mehr zu entdecken.   DER WALD BRENNT...  Ein neuer Gegner wurde mit Beginn der Schlacht um die Grenzfestung Salla geboren, ein Schreckensgespenst, das uns dann die ganze Zeit des Vormarsches bis in den regennassen Herbst verfolgte: der Waldbrand!  Die Bolschewisten schrecken in ihrer Skrupellosigkeit nicht davor zurück, den Waldbrand als Waffe einzusetzen. Durch hinterhöltige Brandstiftungen versuchen sie immer wieder, unser Vordringen in den Waldern aufzuhalten.  
Brennender Urwald: Im südlichen Dschungel, in der dichten saftigen Pflanzenwelt ist er seltener, im hohen Norden, im Wildniswald, dessen Boden trockenes Knüppelholz und ausgedörrte, vom Sturm gefüllte Baumriesen bedecken, findet das einmal entfachte Feuer reiche Nahrung. Der Wind ist Gast in dem lichten Baumbestand und aus den kleinen züngelnden Flämmchen werden schnell riesige Flammenmeere, die hellauflodernd im dürren Geäst der trockenen Fichten über den Wipfeln zusammenschlagen. Ins Riesenhafte wachst die Gefahr bisweilen. Es knistert, knackt rauscht und poltert drohend im brennenden Gehölz. Beizender, schwarzgrauer Rauch quillt zum Himmel und legt sich in dicken Schwaden zwischen Erde und Sonne. Es wird unerträglich heiss. Jeder hat wohl einen Waldbrand in der Heimat erlebt und weiss, mit welch rasender Geschwindigkeit das Feuer um sich greift und wieviele tausend Hände mit Spaten und Hacke zugreifen müssen, um der Macht der Flammen Herr zu werden. In den heissen Julitagen des Sommers 1941 sind die Polarwälder oft wochenlang von geföhrlichen Waldbränden heimgesucht worden.  Deutsche Soldaten haben sich nun durch kilometerlange brennende Waldstreifen durchgek6mpft. Sie sind den haushohen Flammen ausgewichen und bahnten sich mühsam durch Qualmwolken einen Weg, ehe sie auf die versteckten Bunker und Feldstellungen der Sowjets trafen. Munitionslager gingen hier und da, in die Luft und liessen sie glauben, eine grosse Schlacht sei im Rücken im Gange, die Nachrichtenkabel verbrannten und zerschmolzen, Verständigung war stellenweise nur noch durch Funk möglich, der Nachschub musste über grosse Umwege geleitet werden.  Oft wurden diese frivolen Brandstiftungen der Bolschewisten ihnen selbst zum Verhängnis. Der launische Wind hat ihnen so manches Mal das Feuer in die eigenen Stellungen getrieben. Oft haben die Sowjets vor ihrem eigenen Vernichtungswerk fliehen müssen, das in den zurückgelassenen Minen und "Molotow-Cocktails" immer neue Nahrung fand und sie dann mit elementarer Wucht und noch grösserer Schrecknis verfolgte.  Tagelang verhüllt sich dann die Mitternachtssonne mit grauen Rauchwolken. Der Brandgeruch weicht nicht mehr aus den Wäldern. Unseren Uniformen, unserer Verpflegung, allem haftet dieser scharfe durchdringende Geruch an, alles zeigt Spuren dieser Feuerbrünste. Russgeschwärzt sind die stoppligen Gesichter der Soldaten. Den Urwald aber kennen wir nach diesen Kampftagen nicht wieder. Liessen uns vorher die Unberührtheit und Romantik der Wildnis - trotz aller Plagerei gelegentlich doch interressiert aufblicken, nahmen uns klare Waldbäche, blinkende Seen oder wilde Sümpfe bisweilen noch gefangen: jetzt, nach den riesigen Branden, ist alles schrecklich, unerträglich geworden.  Entsetzlich der Anblick dieser verkohlten Wildnis, der schwelenden Baumstümpfe. Der Waldboden ist schwarz von Russ, jeder Schritt, jeder Hauch wirbelt tausende von Ascheteilchen auf. Wie starre Zeigefinger ragen angebrannte Stamme in die Luft, struppig, ohne Nadeln, ohne Blätter. Wir wenden uns voll Grauen von solcher Trostlosigkeit, wir lernen sie hassen, aus tiefster Seele hassen, diesen Brandgeruch und diese Waldwüste.
 Und doch haben wir das alles überwunden. Nichts konnte unser siegreiches Vorstürmen aufhalten. Jeder musste im Kampf mit den brennenden Wäldern sein Letztes hergeben an Willenskraft und physischer Leistung bis sich das ununterbrochene tagelange Ringen in den brennenden Wäldern zur grossen Durchbruchsschlacht bei Salla entwickelte.   GRENZFESTUNG SALLA - DER GROSSE DURCHBRUCH  Salla: Vor 1939 ein grosses, finnisches Kirchdorf am Fusse des Sallatunturi und Rohmoiva (636 Meter). Es gab viele Skisportler, die dort ihren Winterurlaub verbrachten. Man nannte es das Sialomparadies über dem Polarkreis. Die rotbraunen Blockhäuser mit den weissen Fensterrahmen trugen die Namen der Familien, die seit Generationen darin wohnten. Der Wald, der Fluss, die Seen, der urbar gemachte Boden ringsum und die Renntierherden ernährten das Dorf.  So war es bis zum Ausbruch des finnisch-russischen Winterkrieges. Am 17. Dezember 1939 stiess eine sowjetische Division mit Panzern und Artillerie über 100 Kilometer tief in den ungeschützten Norden vor. Sallas Bevölkerung flüchtete. Ihre Wohnstatten und ihre Kirche frass das Feuer.  Das Friedensdiktat vom 13. März 1940 zwang Finnland, auf das Grenzgebiet bis Salla zu verzichten. Sträflinge der Bolschewisten führten noch im selben Jahre eine Bahn und eine Strasse bis zur neuen Grenze heran. Den Finnen aber wurde der Bahnbau von Kemiiarvi bis Salla aufgezwungen.  Auf den Trümmern Sallas errichteten die Sowjets Blockhüuser primitivster Art. Diese vor Schmutz und Ungeziefer starrenden Hütten belegten sie mit Soldaten. Im weiten Umkreis, auf den kahlgeschlagenen Hüngen entstand zahlreiche Felsenbunker. Der Sumpfwald wurde mit Kampfständen aus Erde, Steinen und Holz durchsetzt. Die Moore und Flüsse, der Kuolajoki und der Sallajoki und der Sallajärvi waren natürliche Barrieren, die von den Bolschewisten unter Feuer genommen werden konnten.  Und dennoch gelang es deutschen und finnischen Truppen, diese Grenzfestung in sieben Tagen und Nächten zu überrennen.  Erster Kampftag. Weit im Süden beginnen die Finnen von Hautajärvi aus ihren Vormarsch, Sie stossen in gerader Richtung auf den Tuutjärvi und Vuorijärvi zu. Die russischen Feldwachen weichen zurück. Die Artillerie bekämpft sowjetische Batterien bei Salla. Feindbeschuss verursacht in den Stellungen der eigenen Artillerie Waldbründe. Kurz nach Angriffsbeginn werden Stukas auf erkannte feindliche Ziele angesetzt. Waldbrande behindern die Sicht. - Auf der Strasse von Kelloselkö greift die Waffen-SS an. Vor den Bunkern und Drahthindernissen längs der Strasse bleibt ihr Angriff im wütenden Abwehrfeuer zunächst liegen. Der trockene Wald fängt an zu brennen. - Von Nordwesten über Saija stösst eine Kampfgruppe gegen Salla vor und wird an der sogenannten kussenturmhöhe in heftige Kämpfe verwickelt. Die feindliche Luftwaffe und
Sperrfeuer aller Waffen setzen dieser Kampfgruppe stark zu. Auch hier brennt der Wald. - Im Norden marschiert eine weitere Kampfgruppe auf kilometerlangen Knüppeldammen über die Grenze. Ein stark befestigter Stützpunkt wird überrannt und die Strasse Salla-Korja erreicht. Waldbründe behindern den Nachschub. - Auf dem nördlichen Flügel dringen Jagdbataillone mit leichten Waffen beiderseits des Tenniöjoki nach Osten und nehmen stark befestigte Bunkerstellungen in die Zange.  Zweiter Kampftag. Von allen Kampfgruppen, die Salla unmittelbar bedrohen, werden starke feindliche Gegenangriffe gemeldet. Die Sowjets setzen Panzer ein; deutsche Kampfwagen rollen ihnen entgegen. Die Angriffe der Bolschewisten werden überall abgeschlagen. Die B-Stellen auf den feindbesetzten Höhen leiten das starke feindliche Artilleriefeuer. Im Süden und Norden kommen die Kampfgruppen im unwegsamen Waldgelünde gut vorran, da die schwachen Flankensicherungen des Feindes ihnen keinen ernsthaften Widerstand bieten. Die Sowjets zünden jedoch, bevor sie flüchten, wiederum den Wald an.  Dritter Kampftag. Bis zu sieben Mal - so melden die einzelnen Kampfgruppen - versucht der Feind Gegenstösse. Der Schwerpunkt des Angriffs liegt auf der Kampfgruppe nördlich Salla. Sie schwenkt nach Süden ein und arbeitet sich bis zum Fluss Kuola heran.  Die nach Norden anschliessende Kampfgruppe schlägt sich mit Teilen in Richtung -Korja-Salla nach Süden durch. - Die Kampfgruppe beiderseits der Strasse Savukoski-Salla hat in zöhem Ansturm die Russenturmhöhe erreicht und erhalt heftiges feindliches Artilleriefeuer. Die Sowjets sitzen noch auf der Ostseite der Höhe. Von der Waffen-SS werden starke feindliche Gegenangriffe zurückgeschlagen. - Eine grosse Entlastung für alle Kampfgruppen brachte der Einsatz unserer Sturzkampfflieger. Die Finnen erreichen den Jahrhämäjärvi. - Vierter Kampftag. Die Finnen kömpfen sich im Süden ohne grösseren Widerstand nach Vuorijärvi vor. Das Gefecht vor der Russenturmhöhe heilt an. Die feindlichen Stellungen müssen einzeln genommen werden. - Durch den Kuolajoki kommen sowjetische Panzer gerollt. Ein Oberleutnant schiesst mit der Panzerbüchse allein drei Kampfwagen ab. Der Angriff bricht zusammen. Starke Befestigungen am Ostufer verhindern noch den Flussübergang. Die beiden nördlichen Kampfgruppen haben am Keinuvaara Verbindung aufgenommen und den Berg voller Bunkerstellungen besetzt.  Fünfter Kampftag. Die Truppen des Korps werden zum neuen konzentrierten Angriff auf Salla gegliedert. Stukaangriffe und Artillerie halten den erschöpften Feind, der kaum noch Gegenangriffe wagt, in Schach. - Die Waffen-SS erhalt schweres feindliches Artilleriefeuer. -   Sechster Kampftag. Der letzte Sturm auf Salla beginnt in den ersten Morgenstunden mit einem Stukabombardement auf die feindlichen Befestigungen südlich des Kuolajoki. Die Artillerie ist weit vorgezogen und unterstützt den Angriff der Infanterie. In heldenhaftem Einsatz wird der Flussübergang von einem Pionierstosstrupp erzwungen. Von der nördlich Solla eingesetzten, verstärkten Kampfgruppe wird das Strassenkreuz Salla-Kairala erreicht. Von Westen wird nun der Angriff auf die Grenzfestung Salla
vorgetragen. Wieder schicken die Sowjets den anstürmenden deutschen Truppen Panzer entgegen. Alle feindlichen Kampfwagen bleiben zerfetzt und ausgebrannt am Strassenrand liegen. Von der Artillerie werden ebenfalls Panzer bekämpft, die, von Osten kommend, in das entscheidungsvolle Ringen eingreifen wollen. Auf den Wiesen rings -um Salla flackert der bolschewistische Widerstand nochmals heftig auf. - Die nördlichste Kampfgruppe überquert an der gleichen Stelle den Kuolajoki und schirmt gegen feindliche Einbruchsversuche nach Osten ab. In den Abendstunden gelingt es dieser Gruppe, ein sowjetisches Kasernement ostwärts Salla zu besetzen. Stukas hatten es vorher bombardiert. Die nördliche Kampfgruppe dringt weiter gegen Salla vor, erreicht -mittags mit vordersten Teilen den Sallajoki und später das Strassenkreuz an der Ortsgrenze von Salla. - 50 feindliche Panzer wurden bisher vernichtet. - Im Süden stehen die finnischen Truppen tief in der Flanke des Feindes, südostwärts vom Aapajärvi. - Die Waffen-SS bekämpft schwierige Bunkerstellungen. - Reste des Feindes verteidigen sich immer noch hartnäckig auf der Russenturmhöhe.  Siebenter Kampftag. Die Kraft des feindlichen Widerstandes lasst nach. Tagsüber lebt zwar noch Artillerie- und Granatwerferfeuer auf. Infanterie, unterstützt von Panzern, drangt den Feind weiter nach Osten zurück. Zum letzten Male werfen Stukas ihre Bomben auf Salla ab. - Die nördliche Kampfgruppe setzt zum entscheidenden Sturm an. Es gelingt den Sowjets nicht mehr, die massive Brücke über den Sallajoki zu sprengen. -Zwei bis drei Feindbatterien werden in der Nahe des Strassenkreuzes in Salla durch Pak vernichtet. - In den Abendstunden wird Salla von deutschen Truppen besetzt.  Achter Kampftag. Die Südgruppe der Finnen trifft südostwarts Mikkola auf feindliche Auffangstellungen. - Heftige Gegenangriffe der Sowjets, erschwerter Nachschub, da keine Wege vorhanden. - Vor der mittleren Kampfgruppe und der Waffen-SS weichen die Sowjets endgültig. Die sowjetische Luftwaffe versucht, den Rückzug zu decken. In schnellem Nachstoss erreichen diese Kampfgruppen Salla. - Die nördliche Kampfgruppe dringt gegen die Bahn vor und beschiesst rückwärtige Bewegungen des Feindes, Vorausabteilung mit Panzern und Radfahrern stösst in Richtung Kairala vor.  Die grosse Durchbruchsschlacht ist siegreich beendet. Der Wehrmachtsbericht meldet darüber: "An der finnischen Front wurde am 8. Juli 1941, durch Umfassungsbewegungen finnischer Kräfte unterstützt, das sehr befestigte Salla nach mehrtägigem Kampf durch deutsche Verbände genommen. Die dort kämpfende  FRONT AM POLARKREIS   III  IN WEGELOSER WILDNIS   MILLIONEN STECHENDER MUCKEN 
 
Mit dem grünen Schleier wurde schon auf dem Dampfer die Welle der Vermutungen und Kombinationen über das Ziel unserer Reise in lebhafte Schwingungen versetzt. Ich entsinne mich noch genau an das grosse Rätselraten, das anhub, als man uns die engmaschigen Mückennetze aushändigte. Obgleich wir nach Norden steuerten, behaupteten die kühnsten und phantasievollsten Zukunftsdeuter: das wäre das sicherste Zeichen, dass es auf irgendwelchen geheimnisvollen Umwegen nun doch in die Tropen ginge. Sie konnten sich einfach nicht vorstellen, im hohen Norden so viele Mücken anzutreffen, dass man sich ihrer nur mit dem Moskitonetz zu erwehren vermag.  Wochen später erst, als wir durch die Urwälder, die Sümpfe und Moore Lapplands zogen und uns ein Millionenheer von Mücken sirrend um die Häupter tanzte, begannen wir die vorausschauende Verteilung der grünen Schleier zu verstehen und zu schätzen.  Ja, diese winzigen, stechenden Insekten wurden uns in der Mittsommernachtszeit zur lästigen Qual - weil es ihrer so viele waren. Sehr unterschiedlich jedoch ist diese Mückenplage. Es gibt im ganzen gesehen in Finnland und Lappland nicht mehr Mücken als auch bei uns in Deutschland. Und ebenso wie in unserer Heimat in wasserreichen und wildromantischen Gegenden diese Quälgeister oft in rauhen Mengen anzu,reffen sind, genauso quellen sie zu Millionen aus den drutstätten der Sumpf- und Moorgebiete des nordkarelischen Urwalds hervor, wenn die warmen Strahlen der ewigen Sonne sie zum Leben erwecken. Und da nun unser Vormarsch durch die versumpfte Wüstenei führt, bricht für das aufgescheuchte blutgierige Millionenheer eine herrliche Zeit an. Nie wohl fanden diese nordkarelischen Mückenweibchen die "Männchen" sind, wie so oft, -harmlos - so viele Opfer, um ihren Blutdurst zu löschen. Im schwirrenden, sirrenden Gleitflug umgaukeln sie uns auf Schritt und Tritt, ununterbrochen Tag und Nacht, wie die ewige Heiligkeit des Mittsommers.  Nicht immer können wir den schützenden Mückenschleier tragen. Wenn wir als Späher schwitzend und keuchend durch die grüne Wildnis pirschen, so behindert das engmaschige Gitter des Schleiers die Sicht. Mit Nackentüchern, Wedeln aus Birkenreisern, Salben oder Mückenöl suchen wir uns die Plagegeister vom Leibe zu halten; Hände und Gesicht reiben wir uns mit dem stinkenden Mückenöl, einer braunen Sauce aus Holzteer, ein. Doch je mehr Kameraden dieses Abwehrmittel gebrauchen, umso schneller gewöhnen sich die Mücken an diesen Geruch und peinigen uns mit unverminderter Hartnäckigkeit weiter.  Nachts, wenn wir uns in eine Zeltbahn einwickeln, begleitet uns das an- und abschwellende Sirenenkonzert dieser kleinen Bestien bis in den Schlaf. Sehr oft lüsst uns diese nimmermüde Meute keine erholsame Ruhe, finden, sie quälen uns mit ihren Stichen unaufhörlich. Man wacht wütend auf, schlägt wild um sich, erwischt hier und da eine von tausenden, giesst sich verzweifelt Mückenöl über die angeschwollenen Körperteile und versucht - vergeblich meist - wieder einzuschlafen.  Bei den Mahlzeiten nehmen viele Zuflucht zu rauchenden Feuern. Sie sitzen im beissenden Qualm und essen mit tränenden Augen ihr Abendbrot. Doch die listigen
Bestien verfolgen ihre Opfer hartnäckig und lassen sie ihren sicheren Instinkt spüren; sie wissen wohl um die Flatterhaftigkeit der Rauchfahne und erreichen ihr Ziel dennoch.  Nach vielen, aufreibenden, zermürbenden Tagen haben wir uns endlich zu dem bewährten Allheilmittel durchgerungen: stille Ergebenheit in das Unabänderliche, so lange sich stechen lassen, bis man immun wird, bis man nichts mehr spürt. Und wenn eines Tages in punkto Mücken auch der letzte Landser von jenem Gleichmut befallen ist, wie ihn unsere finnischen Kameraden diesen Viechern gegenüber zeigen, dann ist die Zeit des grünen Schleiers auch schon wieder vorbei. Denn: der heisse Sommer ist kurz in Lappland, und die Mücken sind ja Kinder der Sonne.   SANITÄTSSOLDATEN HELFEN DEM URWALDKÄMPFER  Haben wir in der Heimat im sicheren Schutz der Kasernenmauern nicht oft geringschätzig oder gar ablehnend von den Sanitütssoldaten gesprochen? Hand aufs Herz- für uns waren die Betreuer der Krankenreviere keine richtigen Soldaten, denen man besondere Leistungen zutraute. Sie galten in unseren Rekrutenaugen als Sonderlinge, die sich nicht für das Schlachtfeld eignen - so dachte mancher von uns damals in der Kaserne.  Wieviele solcher vorwitziger Sprecher sind nun durch die rauhe Wirklichkeit eines Besseren belehrt worden, wieviele von uns verdanken ihr Leben, die rasche Heilung ihrer Wunden der ersten Hilfe dieser selbstlosen Kameraden, wieviele reden heute mit der allergrössten Achtung und Anerkennung von den tapferen Sanitätsdienstgraden!  Gerade die Soldaten der Lappland-Divisionen, die sich in so harten und blutigen Gefechten durch die Urwälder und Sümpfe Nordkareliens schlagen mussten, wissen heute ein Heldenlied zu singen, von den Männern, die im stärksten feindlichen Feuer die verwundeten Kameraden aus den weit auseinandergezogenen Kampflinien zum Verbandsplatz schafften, die unter Einsatz ihres Lebens im Hagel der Geschosse und der Granaten den Schwerverletzten immer wieder Hilfe brachten und die als Einzelgänger immer wieder das Ziel der hinterhältigen Baumschützen waren.  Sanitätssoldaten im Urwald - fast unüberwindliche Schwierigkeiten bereitete ihnen die Odmark. Kilometerweit mussten die Verwundeten durch dies ungewisse, drohende Einödland getragen werden. Kein fahrbarer Weg, nur schmale, steinige Pfade führten aus der vordersten Linie nach rückwärts. Allein unsere Pferde konnten hier noch helfen. Zwischen je zwei der Yierbeinigen Helfer wurde ein Tragegestell befestigt. Langsam und behutsam sind so die Schwerverletzten zum Verbandsplatz getragen wofden. Bisweilen liess es die Wildnis zu, dass die Verwundeten auf Purillas, auf selbstgezimmerten Schleifschlitten mit freischwingenden dünnen BaumstZimmchen, die wie Stabfedern wirkten, transportiert werden konnten. Wenn das nicht mehr ging, dann schaffte es manchmal noch der luftbereifte, einrEidrige, gut gefederte Krankenkarren. Im Winter aber waren Renntiere mit Sanitatspulks, bootsühnlichen Schlitten mit einer Kufe, ständige Begleiter grösserer Kampfunternehmen. Diese Haustiere des hohen Nordens
hatten auch'unsere Sanitätssoldaten in ihren Dienst gestellt. Und wenn im meterhohen Schnee auch das Renntier versagte, dann zogen 4, 6 oder 8 Skiläufer den verwundeten Kameraden auf dem flachen Pulk durch den winterlichen Urwald. Ein Arzt war bei solchen tief ins Feindesland führenden Vorstössen immer dabei, so dass jeder Verwundete die denkbar beste, erste Hilfe erhielt.  Wenn sie in langer Reihe durch den Urwald zogen, wie oft wurden sie dann plötzlich von bolschewistischen Jagdkommandos überfallen1 Schützend stellten sich die Sanitatssoldaten vor ihre Verwundeten, tapfer schlugen sie sich mit den hinterlistigen Sowjets, oft mit,dem letzten Mut der Verzweiflung. Nie haben sie versagt, nie auch nur eine Sekunde gezögert, für die verletzl.en, ihrer Obhut anvertrauten Kameraden das Leben einzusetzen. Wie selbstlos und tapfer die Sanitatssoldaten ihre schwierige Aufgabe in diesem unwegsamen Lappland jederzeit erfüllen, zeigt uns das Schicksal eines Sanitätsgefreiten:  In einer halben Stunde soll der Angriff beginnen. Wir ruhen noch etwas auf dem harten, felsigen Boden des karelischen Urwalds. Trostlos ist diese Steinwüste. Polternd ziehen die kleinen Pferde mit letzter Aufbietung ihrer Kräfte die beladenen Karren Ober den mühsam angelegten Weg, der wie eine Schlange kreuz und quer durch das Felsgewirr läuft. Da saust es urplötzlich fauchend heran: 50 Meter von uns krepiert eine Granate. Im Nu ist unser Rastplatz leergefegt. Alles ist in Deckung gegangen. Wir sind zusammen in ein Loch geraten, der Sanitatsgefreite H. und ich. Eingepfercht dicht aneinandergepresst liegen wir in dem Deckungsloch, die Köpfe fest an den kalten Steinboden gedrückt. Bange Sekunden des WcHlens vergehen. Wild klopfen unsere Herzen. Wo wird der nächste Schuss sitzen? Da wummert es schon wieder heran. 30 Meter hinter uns hat es diesmal hingehauen. Steinbrocken, Granatsplitter und Holzfetzen schwirren singend über uns hinweg. Und dann erschallt der Ruf "Sanitäter!"... pflanzt sich fort ... plötzlich ganz nahe vor uns: "Sanitäter!"" - Der Sanitätsgefreite H. zuckt zusammen, ich spüre es, so dicht presst uns das Loch aneinander. Ich sehe, wie sich sein Gesicht spannt, noch ehe ich etwas zu ihm sagen kann, ist er aus der Deckung gesprungen. Gewandt und schnell strebt er der Stelle zu, wo der Ruf herkam. Jeder Gedanke an die eigene Sicherheit, an das eigene Leben ist in diesem Augenblick bei dem Gefreiten ausgeschaltet. Allein der Wille: dort wird meine Hilfe gebraucht, dort muss ich hin, ganz gleich, was um mich geschieht, beseelt meinen Kameraden. Ich will ihm nachrufen, einige Augenblicke zu warten, denn die nächste Granate ist schon zu hören - doch er ist schon zu weit entfernt. Ganz nahe kracht es wieder, unheimlich nahe. Der Einschlag liegt in der Richtung des Hilferufes ... Quälende Ungewissheit foltert mich: es wird ihn doch nicht erwischt haben? Nichts ist zu hören, kein Schrei, kein Ruf, kein Stöhnen, nur das Bersten und Krachen der Granaten, lang hingezogen in vielfachem Echo von den Felswänden zurückgeworfen, unterbricht in kurzen Abständen die Stille.  Ich weiss nicht, wie lange ich bewegungslos in der Deckung ausgeharrt habe. Meine Glieder schmerzen, das harte Gestein liessen sie steif, gefühllos werden. Die Einschläge liegen jetzt weiter hinten. Ich bin aus meinem Loch herausgeklettert und halte Umschau nach meinem Kameraden ...  
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