Beschäftigung in Europa 1991

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Kommission der Generaldirektion für Beschäftigung, Europäischen Gemeinschaften Arbeitsbeziehungen und soziale Angelegenheiten KOM(91)248endg. Kommission der Europäischen Gemeinschaften Beschäftigung in EUROPA 1991 Generaldirektion Beschäftigung, Arbeitsbeziehungen und soziale Angelegenheiten Diese Veröffentlichung erscheint ebenfalls in folgenden Sprachen: ES ISBN 92-826-2912-0 DAN 92-826-2913-9 GR ISBN 92-826-2915-5 ENN 92-826-2916-3 FR ISBN 92-826-2917-1 ITN 92-826-2918-X NL ISBN 92-826-2919-8 PTN 92-826-2920-1 Bibliographische Daten befinden sich am Ende der Veröffentlichung Luxemburg: Amt für amtliche Veröffentlichungen der Europäischen Gemeinschaften, 1991 ISBN 92-826-2914-7 Katalognummer: CE-70-91-718-DE-C Nachdruck - ausgenommen zu kommerziellen Zwecken - mit Quellenangabe gestattet. Printed in Belgium -2 Vorwort Vorwort len Veränderungen in der Gemein­Nach fünf Jahren anhaltenden ren, sondern auch die Palette der Beschäftigungsmöglichkeiten erwei­ schaftbewältigen, mit den Folgen des Beschäftigungswachstums und eines tern können, die ihnen in einem sich Wandels in benachbarten Ländern, nicht unwesentlichen Rückgangs der insbesondere in Mittel- und Osteuro­laufend verändernden wirtschaftli­Arbeitslosenzahlen begann die Ar­chen Umfeld zugänglich sind. Und pa, fertig werden und den Prozeß der beitslosigkeit inzwischen wieder zu Annäherung innerhalb der Gemein­wir müssen wirkungsvollere Metho­steigen.

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Kommission der Generaldirektion für Beschäftigung,
Europäischen Gemeinschaften Arbeitsbeziehungen und soziale Angelegenheiten KOM(91)248endg.
Kommission der Europäischen Gemeinschaften
Beschäftigung in
EUROPA
1991
Generaldirektion
Beschäftigung, Arbeitsbeziehungen und soziale Angelegenheiten Diese Veröffentlichung erscheint ebenfalls in folgenden Sprachen:
ES ISBN 92-826-2912-0
DAN 92-826-2913-9
GR ISBN 92-826-2915-5
ENN 92-826-2916-3
FR ISBN 92-826-2917-1
ITN 92-826-2918-X
NL ISBN 92-826-2919-8
PTN 92-826-2920-1
Bibliographische Daten befinden sich am Ende der Veröffentlichung
Luxemburg: Amt für amtliche Veröffentlichungen der Europäischen Gemeinschaften, 1991
ISBN 92-826-2914-7
Katalognummer: CE-70-91-718-DE-C
Nachdruck - ausgenommen zu kommerziellen Zwecken - mit Quellenangabe gestattet.
Printed in Belgium
-2 Vorwort
Vorwort
len Veränderungen in der Gemein­Nach fünf Jahren anhaltenden ren, sondern auch die Palette der
Beschäftigungsmöglichkeiten erwei­ schaftbewältigen, mit den Folgen des Beschäftigungswachstums und eines
tern können, die ihnen in einem sich Wandels in benachbarten Ländern, nicht unwesentlichen Rückgangs der
insbesondere in Mittel- und Osteuro­laufend verändernden wirtschaftli­Arbeitslosenzahlen begann die Ar­
chen Umfeld zugänglich sind. Und pa, fertig werden und den Prozeß der beitslosigkeit inzwischen wieder zu
Annäherung innerhalb der Gemein­wir müssen wirkungsvollere Metho­steigen.
den zur Beseitigung der Hindernisse schaft fortführen. Wir müssen auch
für eine höhere, stabilere gesamtwirt­entwickeln, die sich dem Beschäfti­Arbeitslosigkeit scheint in unserem
gungswachstum und Unternehmens­ schaftliche Wachstumsrate sorgen — System geradezu endemisch zu sein
dies setzt mehr Zusammenarbeit gründungen entgegenstellen, ohne — wir haben es selbst auf dem Höhe­
deshalb aber richtige, nützliche nicht nur innerhalb der Gemein­punkt konjunktureller Entwicklung
Normen über Bord zu werfen. schaft, sondern auch zwischen der noch mit über 12 Millionen arbeitslo­
Gemeinschaft und dem Rest der Welt sen Menschen zu tun. Einen Grund
voraus. In dieser Hinsicht bietet sich dafür kennen wir : Viele der neuge­ Der gegenwärtige Rückschlag in der
uns im Rahmen der Verwirklichung schaffenen Arbeitsplätze wurden von Wirtschafts- und Beschäftigungsent­
der Wirtschafts- und Währungsunion Arbeitsmarkteinsteigern besetzt, wicklung ist auch als Mahnung zu
die Chance, ein sehr viel höheres Ma nicht von Arbeitslosen und Langzeit­ sehen, unsere Erfolge auf dem Weg zu
an wirtschaftspolitischer Zusammen­arbeitslosen. einem tatsächlichen Abbau des Wohl­
arbeit in unser System einzubauen,
standsgefälles zwischen den entwik-
wenn auch die Notwendigkeit hierfür kelteren und den weniger ent­Natürlich sind aber die Ursachen der
noch nicht allseits anerkannt wird. wickelten Regionen der Arbeitslosigkeit sehr viel komplexer
Gemeinschaft kritisch zu betrachten. und tiefer verwurzelt. Um einen neu­
Die Periode wirtschaftlichen Wachs­erlichen Rückgang der Arbeitslosen­ Der vorliegende Bericht ist wie seine
tums von 1985 bis 1990 führte zwar zahlen zu bewirken, wird es nicht Vorgänger voller Fakten. Fakten
zu einer gewissen Annäherung der ausreichen, einfach wieder für können nicht nur aufschlureich,
Pro-Kopf-Realeinkommen in den rei­Wachstum zu sorgen; erforderlich sondern auch unbequem sein. Wir
cheren und ärmeren Teilen der Ge­sein werden auch spezielle Manah- müssen positive Verhaltensweisen
meinschaft. Die Beschäftigung wuchs men für Jugendliche unter 25 (ihre entwickeln — nämlich Fakten als ein
aber insgesamt in den weniger ent­Arbeitslosenquote ist doppelt so hoch Mittel zu sehen, Probleme zu analy­
wickelten Regionen keineswegs wie die der Erwachsenen), für Frauen sieren und mögliche Lösungen aus­
schneller als in den wohlhabenderen, (ihre Arbeitslosenquote ist doppelt so findig zu machen, und nicht als unan­
was zur Folge hatte, da in den hoch wie die der Männer) und für genehme Daten, die bestritten
ärmeren Regionen wegen des rasche­Langzeitarbeitslose. werden müssen, wenn sie nicht mit
ren Wachstums der Bevölkerung im unserer vorgefaten Meinung überein­
erwerbsfähigen Alter die Arbeitslo­ stimmen. Natürlich können Statisti­
Unumgänglich sind aber auch lang­
sigkeit in diesem Zeitraum entgegen ken nie die Realität, die sie beschrei­fristiger angelegte, umfassendere
dem Gemeinschaftstrend sogar ben sollen, vollkommen darstellen, Manahmen. Zu verändern ist die Art
zunahm. Die Tatsache, da für die und natürlich gibt es keine Vorhersa­
und Weise, wie unser Arbeitsmarkt
nächste Zukunft mit langsamerem gen, die frei wären von jeglicher Feh­funktioniert, zu verändern sind
Wirtschaftswachstum und geringe­ lermarge. Doch sind die Daten, die
unsere Methoden der Arbeitsvermitt­
rem Arbeitsplatzzuwachs zu rechnen wir über den europäischen Arbeits­lung und sonstigen Betreuung der Ar­
ist, lät befürchten, da sich die Ent­ markt und die europäische Wirt­
beitsuchenden. Wir müssen sicher­
wicklung der rückständigeren Regio­ schaft erarbeitet haben, von hoher stellen, da sich das Wirtschafts­
nen verzögern oder deutlich verlang­ Qualität und haben den großen potential noch stärker als in der jüng­
samen könnte. Vorzug der Konsistenz zwischen den sten Vergangenheit in Beschäf­
Mitgliedstaaten. In dieser Form tigungsmöglichkeiten umsetzt. Wir
tragen sie erheblich zu unserem
müssen den Menschen die Bildungs­ Für die neunziger Jahre sind zu den
wachsenden Verständnis der Be­und Ausbildungschancen eröffnen, bereits bekannten neue Herausforde­
schäftigungsprobleme in der Gemein­
durch die sie sich nicht nur für die rungen hinzugekommen. Wir müssen
schaft bei. angebotenen Arbeitsplätze qualifizie­ nicht nur die zahlreichen strukturel­
-3 Vorwort
Statistiken dieser Art enthüllen eine wählen, sondern vielmehr darin, sich men mu. Wir sind nicht die einzigen,
der viel schwierigeren Aufgabe zu die mit derartigen Schwierigkeiten zu Reihe von Tatsachen, mit denen man
sich auseinanderzusetzen hat. stellen, eine Wirtschaft zu schaffen, kämpfen haben — auch die Vereinig­
Erstens gibt es zweifellos gewisse Ab­ die sich durch hohe Löhne, hohe Pro­ ten Staaten stehen vor ähnlichen Pro­
wärtstrends in etlichen Beschäfti­ duktivität und soziale Gerechtigkeit blemen und haben Maßnahmen er­
gungsbereichen. Sicherlich wird die auszeichnet. Dies setzt voraus, daß griffen, um Diskriminierung und
Beschäftigung in der Landwirtschaft die Unternehmen in der Gemein­ Mangel an Chancengleichheit zu re­
weiter zurückgehen, wie sie es schon schaft bereit sind, auf dem neuesten duzieren. Allerdings haben wir uns
Stand der sich ständig verändernden bisher mit ihrer Lösung zuviel Zeit in der Vergangenheit getan hat. An­
dererseits dürfte sich der Arbeits­ Technologie zu bleiben, daß die Ange­ gelassen und oft auch die Gemein­
stellten bereit sind, neues hinzuzuler­ schaftsdimension dieser Problematik platzschwund in der Industrie — zwi­
schen 1980 und 1987 betrug er rund nen und ihr Verhalten zu ändern, verkannt. Gelingt es uns nicht, das
16,5 % — voraussichtlich nicht in wenn es sich als notwendig erweist; Bildungs- und Ausbildungsgefälle
dem Mae fortsetzen. Allerdings steht und daß Regierungen die Verantwor­ zwischen den Mitgliedstaaten, beson­
fest, da es in bestimmten Industrie­ tung für eine solche Bildung und Aus­ ders zwischen dem Norden und dem
zweigen, wie etwa dem Rüstungssek­ bildung akzeptieren, wie sie notwen­ Süden der Gemeinschaft zu verrin­
tor, als Folge der besseren Aussichten dig ist, um Menschen für die Arbeit in gern, dann wird sich dies nicht nur
einem technisch-herausfordernden hemmend auf die Entwicklung der auf einen dauerhaften Frieden, zu
tiefgreifenden Veränderungen Umfeld vorzubereiten, das Anpas­ Gemeinschaft als Ganzer auswirken,
sungsfähigkeit und Lernfähigkeit sondern auch die Möglichkeiten der­kommen wird; da bestimmte Sekto­
ren, wie die Textilindustrie, weiterhin verlangt. jenigen Menschen schmälern, die
durch den Wettbewerb von auen heute noch am wenigsten begünstigt
bedroht sein werden, da ganz allge­ sind.
Unter diesem Aspekt sind einige in
mein in der Gemeinschaft ein zu ge­
diesem Bericht enthaltene Daten be­
ringer Anteil der industriellen Ar­ unruhigend. In vielen Teilen der Ge­
beitsplätze in den dynamischen
meinschaft gibt es Anzeichen, daß
High-tech-Industrien zu finden ist, Unternehmen vor wachsenden
wo es am wahrscheinlichsten zu Be­
Schwierigkeiten stehen, Leute mit
schäftigungswachstum kommen
den für sie erforderlichen Qualifika­
wird.
tionen zu finden, und daß dies die
wirtschaftliche Entwicklung und die
Schaffung von Arbeitsplätzen verhin­Zweitens gibt die Wettbewerbsfähig­
dert hat. keit der Gemeinschaft Anla zur
Sorge. Zweifellos macht die Gemein­
schaft im Rahmen der Entwicklung Unzureichende Schul- und Hoch­
hin zum Binnenmarkt und zur Wirt­ schulbildung ist aber mit Blick auf die
schafts- und Währungsunion Fort­ Zukunft ein noch viel beunruhigende­
schritte, was ihr ökonomisches Poten­ rer Faktor. Zugang zur bestmöglichen
tial insgesamt angeht. Sie mu aber im allgemeinen und höheren Bildung mu
Wettbewerb mit dem Rest der Welt gleichzeitig als Grundrecht und als
bestehen, wo man seine Leistungsfä­ wirtschaftliche Notwendigkeit ange­
higkeit ebenfalls steigert. sehen werden, soll das Potential der
Arbeitskräfte in der Gemeinschaft
maximiert werden — die Bildung­Wir müssen positiv auf diesen wach­
schancen dürfen niemals so einge­senden Wettbewerb reagieren. Wir
schränkt werden, da der Zugang zu müssen vermeiden, auf solche He­
den besseren Arbeitsplätzen be­rausforderungen mit niedrigeren
stimmten gesellschaftlichen Gruppen Reallöhnen oder schlechteren Ar­
vorbehalten bleibt oder eine Unter­beitsbedingungen zu reagieren. Eine
schicht aufrechterhalten wird, die an solche Antwort würde nicht nur mit
den Vorteilen einer modernen Wirt­hohen sozialen Kosten verbunden
schaft nicht uneingeschränkt teilha­sein und das soziale Gefälle verstär­
ben oder nicht voll zu ihnen beitragen ken, sondern auch das Problem nicht
kann. langfristig lösen, das es eigentlich
angehen soll.
Sowohl in der allgemeinen als auch in
Der Weg, den die Gemeinschaft gehen der beruflichen Bildung gibt es in vie­
len Teilen der Gemeinschaft nach wie Vasso Papandreou muß, besteht nicht darin, eine solche
negative und kurzsichtige Option zu vor Probleme, deren man sich anneh­Inhaltsverzeichnis
Zusammenfassung und Schlußfolgerungen
Teil I Beschäftigungsperspektiven
Kapitel 1 Beschäftigung in der Gemeinschaft
Kapitel 2 Kurzfristiger Ausblick
Kapitel 3 Das komplexe Problem der anhaltenden Arbeitslosigkeit
Teil II Beschäftigungsfragen
Kapitel 4 Die Europäische Integration: ihre Auswirkungen auf die
regionalen Arbeitsmärkte
Kapitel 5 Beschäftigung in der Landwirtschaft: Rückgang und
Diversifizierung
Kapitel 6g in der Industrie: ein Jahrzehnt des Wandels
Teil III Beschäftigungspolitische Maßnahmen
Kapitel 7 Mangel an qualifizierten Arbeitskräften: ein immer
größeres Problem in der Gemeinschaft ?
Maßnahmen zur Förderung der Beschäftigung von Frauen
Schaubilder Dieser Bericht wurde erstellt in Zusammenarbeit mit:
Generaldirektion II: Wirtschaft und Finanzen
Generaldirektion III: Binnenmarkt und gewerbliche Wirtschaft
Generaldirektion VI: Landwirtschaft
Generaldirektion XVI: Regionalpolitik
Eurostat: Statistisches Amt der Europäischen Gemeinschaften
Task Force „Humanressourcen, allgemeine und berufliche Bildung, Jugend" Zusammenfassung und Schlußfolgerungen
Zusammenfassung und Schlußfolgerungen
insbesondere, wenn davon die Nach­ hinaus, außerhalb ihrer Grenzen Einleitung
barregionen betroffen sind. rechnen muß, weist einige Risikoele­
mente auf. Im Süden und Osten, d. h.
im einzelnen im Nahen, in In den späteren achtziger Jahren war Seit Anfang 1990 hat sich das Wirt­
die Stimmung in Europa weitgehend schaftswachstum in vielen Mitglied­ Afrika und in Mittel- und Osteuropa,
grenzen an die EG.Länder an, die sich von Optimismus geprägt. Nach meh­ staaten der Gemeinschaft spürbar
zwar als natürliche Handelspartner reren Jahren langsamen Wachstums, verlangsamt. Ab dem dritten Quartal
anbieten, aber enorme wirtschaft­unzureichender Arbeitsplatzschaf­ nahm, als leicht verzögerte Reaktion
liche und soziale Probleme zu bewäl­fung und hoher Arbeitslosigkeit darauf, auch die anhaltende Periode
tigen haben. schien die wirtschaftliche Erholung in intensiver Arbeitsplatzschaffung ein
der Gemeinschaft nun fest etabliert zu Ende. Für die meisten Mitgliedstaa­
sein, nahm die Beschäftigung in noch ten lauten die Prognosen auf eine ge­ Der Nahe Osten, der einerseits als
nie dagewesener Weise zu, ging die ringfügige Erholung ab der zweiten Lieferant von Primärenergie für die
Arbeitslosigkeit zurück. Das Pro­ Hälfte des Jahres 1991, auf wenige Mitgliedstaaten eine Schlüsselrolle
gramm zur Vollendung des Binnen­ oder gar keine neuen Arbeitsplätze spielt, andererseits für die europä­
marktes mit der Beseitigung der und aufsteigende Arbeitslosigkeit. ischen Erzeuger einen wichtigen
letzten internen Handelsschranken Markt darstellt, wird von politischen
und der Ausweitung des Wettbewerbs und wirtschaftlichen Problemen be­Trotz des derzeitigen weltweiten
zwischen den europäischen Erzeu­ drängt, die ein geringes, schwanken­Konjunkturabschwungs ist damit zu
gern war auf allgemeine Begeisterung des Wirtschaftswachstum und unsi­rechnen, daß sich die im wesentlichen
gestoßen, was den Trend hin zur eu­ chere, instabile Ölpreise zur Folge doch gesunden zugrundeliegenden
ropaweiten Organisation von Produk­ haben dürften. Wachstumsbedingungen in der Ge­
tion und Vertrieb beschleunigte. Au­ meinschaft mittelfristig behaupten
ßerhalb der Gemeinschaft eröffneten werden. Allerdings ist ein gewisses Die mittel- und osteuropäischen
die politischen Reformen in den Risiko nicht von der Hand zu weisen, Länder stoßen beim Übergang von
mittel- und osteuropäischen Ländern daß est bei einer in ihrer Dauer der Plan- zur Marktwirtschaft auf
Aussichten auf ein beträchtliches absehbaren Unterbrechung einer an schwerwiegende Probleme. Während
Anwachsen des Handels und engere sich akzeptablen Entwicklung des sich ein effektiver Marktmechanis­
kommerzielle Zusammenarbeit. Wirtschaftswachstums — verursacht mus erst noch herausbilden muß, hat
durch den Golfkrieg, den wirtschaft­ sich nach Auflösung des Apparats des
lichen Abschwung in den USA und Staatshandels zwischen diesen Die ersten anderthalb Jahre des
gewisse fiskal- und geldpolitische Ländern gezeigt, daß sie nur wenige neuen Jahrzehnts haben nun diesen
Maßnahmen in einigen Mitgliedstaa­ auf dem Weltmarkt absetzbare Güter Optimismus wohl nicht ganz zunichte
ten — bleibt, sondern daß der jetzige produzieren, zum Teil wegen ihrer gemacht, aber sie haben doch gezeigt,
Rückgang den Beginn einer neuerli­ früheren Isolierung, die den An­daß die Gemeinschaft noch schwer­
chen längeren Periode langsamen schluß an den technischen Fortschritt wiegende Probleme zu bewältigen
Wirtschaftswachstums und stagnie­ des Westens und die entsprechende hat, wenn sie das Wirtschaftswachs­
render Beschäftigungsentwicklung Weiterentwicklung der Produkte und tum zu einem beständigen Faktor
bildet. Produktionsverfahren verhindert machen und ausreichend Beschäfti­
hat. gungsmöglichkeiten schaffen will.
Deutlich wurde auch, daß die Ge­
Externe Probleme
meinschaft gerade wegen ihrer Offen­ Zur Zeit schrecken die Unternehmen
heit und ihrer wichtigen Rolle im aus Westeuropa und der übrigen Welt
weltweiten Handels- und Finanzsy­ Die wirtschaftliche Umgebung, mit wegen der wirtschaftlichen Situation
stem nach wie vor sensibel auf Ereig­ der die Gemeinschaft in den aller­ und der Unsicherheit der künftigen
nisse in der übrigen Welt reagiert, nächsten Jahren, aber auch darüber politischen und sonstigen Entwick-
7-Zusammenfassung und Schlußfolgerungen
lung noch vor massiven Investitionen vor Jahresfrist angenommen hat, zehnt — einer Zeit geringen Wirt­
in Mittel- und Osteuropa zurück. Re­ überall in der Gemeinschaft ein schaftswachstums — ausgleichen
formen sind im Gange, wenn auch höheres Beschäftigungswachstum zu konnte. Sollte es jetzt und in den kom­
noch Unsicherheiten hinsichtlich der erreichen. menden Jahren zu einer vergleichba­
Aussichten auf ein stabiles Wachs­ ren Periode geringen Wirtschafts­
tum und die Aufrechterhaltung der wachstums kommen, dann ist die Um so wichtiger ist es, in den Bemü­
jüngsten Zunahmen im Handel mit hungen um die Realisierung der Wirt­ Befürchtung nicht von der Hand zu
der Gemeinschaft bestehen. weisen, daß sich dies wiederum schafts- und Währungsunion nicht
negativ gerade auf die schwächeren nachzulassen, da sie die besten
Regionen auswirken könnte. Chancen für eine Stärkung der euro­Diese Schwierigkeiten wirken sich auf
die Gemeinschaft in unterschiedlicher päischen Wirtschaft und eine Verrin­
gerung ihrer Verwundbarkeit durch Weise aus. Zum einen bilden die Aus­ Zweifellos sind bestimmte Bevölke­
äußere Einflüsse bietet. Sie wird der sichten auf eine Expansion von rungsschichten in der Gemeinschaft
Gemeinschaft auch die Möglichkeit Handel und Investitionen eine wichti­ während des vergangenen Jahrzehnts
geben, in besser koordinierter und ko­ge potentielle Quelle für Produktion vergleichsweise schlecht weggekom­
und Beschäftigung in den EG-Mit­ härenter Form in Zusammenarbeit men. Am eindeutigsten erfaßbar sind
mit den USA und Japan die Entwick­gliedstaaten. Zum anderen könnte die hier diejenigen Menschen, die über
Gemeinschaft aber auch unter ver­ lung der Wirtschaft und Finanzen auf längere Zeit arbeitslos waren und
Weltebene zu steuern. stärkten Einwanderungsdruck denen es auch während der Zeit
geraten, wenn immer mehr Menschen raschen Beschäftigungswachstums
aus dem Osten im reichen Westen zwischen 1985 und 1990 nicht gelun­Die Herausforderung für die Gemein­
Arbeit suchen. Ein Einwanderungs­ gen ist, einen Arbeitsplatz zu finden. schaft besteht nicht nur darin, ein
druck dieses Ausmaßes wäre schwer Trotz der in diesem Zeitraum expan­langfristiges Wirtschaftswachstum zu
zu bewältigen und würde bei gleich­ dierenden Beschäftigung wurden erreichen. Sie muß auch sicherstellen,
zeitig geringem Wirtschafts- und Be­ 1989 rund 4 ck der Arbeitskräfte der daß die daraus erwachsenden Vorteile
schäftigungswachstum unweigerlich Gemeinschaft — nahezu 6 Millionen auf alle Regionen der Gemeinschaft
zu sozialen Problemen in den Gebie­ Menschen — als Langzeitarbeitslose verteilt werden und daß alle sozialen
ten führen, wo die Einwanderer Woh­ eingestuft, d. h. als Personen, die seit Schichten von den Beschäftigungs­
nungen und Arbeitsplätze suchen. einem Jahr oder länger ohne Arbeit und Einkommensmöglichkeiten profi­
sind. tieren können, die das Wachstum mit
sich bringt. Geschieht dies nicht, dann Außerhalb Europas und der angren­
ist der soziale Zusammenhalt bedroht zenden Gebiete haben die Ereignisse Wie in Beschäftigung in Europa 1989
und der Fortschritt auf dem Weg zur der ersten 18 Monate des neuen Jahr­ ausgeführt, gibt es auch Anhaltspunk­
Wirtschafts- und Währungsunion in zehnts ebenfalls gezeigt, wie sensibel te, die darauf schließen lassen, daß
Frage gestellt. die Weltwirtschaft auf ein Abflauen sich in mehreren Mitgliedstaaten die
der Konjunktur in den USA reagiert wirtschaftliche Lage vieler Menschen
und wie sehr größere Ungleichgewich­ der unteren Einkommensklassen in In den späten achtziger Jahren
te in Handel und Finanzen und eine den achtziger Jahren relativ ver­wiesen die strukturschwächeren,
global geringe Spartätigkeit die dau­ schlechtert hat. Ganz allgemein wird weniger entwickelten Mitgliedstaa­
erhafte Erholung von Wirtschaftslei­ ten im allgemeinen höhere Wachs­ immer deutlicher, daß viele Men­
stung und Handel weltweit, wobei ja schen, insbesondere Frauen, die offi­tumsraten bei Sozialprodukt und Pro-
die Gemeinschaft eine wichtige Rolle ziell nicht als arbeitslos gemeldet sind, Kopf-Einkommen auf als die übrige
spielt, behindern. Ein positiver nur deshalb nicht berufstätig oder Gemeinschaft. Allerdings verteilten
Ausgang der GATT-Verhandlungen aktiv auf Arbeitsuche sind, weil es in sich die Vorteile dieses Wachstums
würde sich auf die gesamte Welt­ der Gegend, in der sie leben, keine nicht immer gleichmäßig auf die ver­
wirtschaft vorteilhaft auswirken. geeigneten Arbeitsplätze gibt oder schiedenen Regionen. Wie Kapitel 3
weil es an Möglichkeiten der Kinder­über die Arbeitslosigkeit und
betreuung oder anderen Einrichtun­Kapitel 4 über die Integration des ge­
Interne
gen fehlt. meinschaftlichen Arbeitsmarktes
zeigen, profitierten nicht alle Gebiete Herausforderungen
davon und setzte sich das Wirt­ Diese Gruppe von Menschen wird von
schaftswachstum nicht immer in ver­Die ungünstigen Bedingungen außer­ den Beschäftigungsstatistiken nicht
stärkte Arbeitsplatzschaffung um. halb der EG bedeuten allerdings erfaßt, aber einen Hinweis auf das
nicht, daß sich die Gemeinschaft für Ausmaß des Problems gibt die Tatsa­
che, daß die Beschäftigungsquote — die neunziger Jahre unvermeidlich Noch beunruhigender ist aber die
auf eine längere Periode langsamen also der Anteil der Personen im Er­Tatsache, daß die Verbesserung
werbsalter, die einen Arbeitsplatz Wachstums einzustellen hat. Sehr dieser Jahre nur gerade eben die ge­
wohl aber ist davon auszugehen, daß haben — in der Gemeinschaft viel ringere Leistung der schwächeren
es schwieriger sein wird, als man noch Regionen im vorangegangenen Jahr­ niedriger liegt als in vergleichbaren