Natura 2000

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OLOURS#-9+CNummer 24 – Juli 20082000N E W S L E T T E R „ N A T U R “ D E R E U R O P Ä I S C H E N K O M M I S S I O N G D U M W E L TWIRTSCHAFT & BIOLOGISCHE VIELFALTChancen für Natura 2000 IM BRENNPUNKTWarum ist der Schutz der Biodiversität für Europas Wirtschaft von Bedeutung?LIFE IN AKTION Partnerschaften mit KMU AKTIONEN BIS 2010Invasive gebietsfremde Arten im BlickpunktISSN 1026-6178Nummer 24 - Juli 2008 Thema dieser Ausgabe: WIRTSCHAFT & I N H A L TBIOLOGISCHE VIELFALTSeite 3 > 5VorwortIm BrennpunktWarum ist der Schutz der Biodiversität Anerkennung der starken für Europas Wirtschaft von wirtschaftlichen Argumente für Bedeutung? 3den Schutz der biologischen VielfaltSeite 6 > 7er Schutz der biologischen Vielfalt gehört zu den Prioritäten der europäischen Umweltpolitik. DNeben der Ausweitung des Natura 2000 Netzes auf alle 27 Mitgliedstaaten bis 2010 müssen wir uns, wie auch in unserem Aktionsplan zur Erhaltung der biologischen Vielfalt aus dem Jahr 2006 aner-kannt, verstärkt darum bemühen, die Aspekte der biologischen Vielfalt in andere wichtige politische Wirtschaft & Natura 2000Bereiche zu integrieren und insbesondere Partnerschaften mit Unternehmen aufzubauen.

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Nummer 24 – Juli 2008
2000
N E W S L E T T E R „ N A T U R “ D E R E U R O P Ä I S C H E N K O M M I S S I O N G D U M W E L T
WIRTSCHAFT & BIOLOGISCHE VIELFALT
Chancen für Natura 2000
IM BRENNPUNKT
Warum ist der Schutz der Biodiversität
für Europas Wirtschaft von Bedeutung?
LIFE IN AKTION
Partnerschaften mit KMU
AKTIONEN BIS 2010
Invasive gebietsfremde Arten im Blickpunkt
OLOURS#-9+C
ISSN 1026-6178Nummer 24 - Juli 2008 Thema dieser Ausgabe:
WIRTSCHAFT & I N H A L T
BIOLOGISCHE VIELFALTSeite 3 > 5
Vorwort
Im Brennpunkt
Warum ist der Schutz der Biodiversität Anerkennung der starken
für Europas Wirtschaft von wirtschaftlichen Argumente für Bedeutung? 3
den Schutz der biologischen VielfaltSeite 6 > 7
er Schutz der biologischen Vielfalt gehört zu den Prioritäten der europäischen Umweltpolitik. DNeben der Ausweitung des Natura 2000 Netzes auf alle 27 Mitgliedstaaten bis 2010 müssen wir
uns, wie auch in unserem Aktionsplan zur Erhaltung der biologischen Vielfalt aus dem Jahr 2006 aner-
kannt, verstärkt darum bemühen, die Aspekte der biologischen Vielfalt in andere wichtige politische
Wirtschaft & Natura 2000
Bereiche zu integrieren und insbesondere Partnerschaften mit Unternehmen aufzubauen.
Geschäftsmöglichkeiten und Natura
2000 6 Heute steht der Schutz der Arten und der Lebensräume im Bereich der biologischen Vielfalt zwar nach
wie vor ganz oben auf der Tagesordnung, aber das Hauptziel besteht darin, Struktur und Funktion
Seite 8 > 9 unserer natürlichen Ökosysteme zu schützen. Ohne stabile, gesunde und funktionierende Ökosysteme
können wir uns nicht auf beständige Warenströme (Nahrungsmittel, Rohstoffe, Arzneimittel, saubere Natura 2000 Barometer
Luft, Wasser usw.) und Dienstleistungen (Überschwemmungsschutz, Küstenschutz, Nährstoffrecyc-
Seite 10 ling, Kohlenstoffdioxidspeicherung) verlassen, von denen die Menschheit so abhängig ist. Wenn die
Ökosysteme durch die Zerstörung der Lebensräume, übermäßige Wasserentnahme und Überlastung
durch Schadstoffe geschädigt werden, werden sie dem zusätzlichen Stress, der durch den Klimawan-
del entsteht, nicht standhalten können.
Der Schutz der biologischen Vielfalt ist nicht nur auf gesamtwirtschaftlicher Ebene angebracht, sondern Wirtschaft & Natura 2000
auch für einzelne Unternehmen sinnvoll. Viele führende Vertreter der Wirtschaft haben die starken wirt-Fortsetzung
schaftlichen Argumente für den Schutz der Biodiversität anerkannt und den Mut und die Voraussicht Rolle von Kleinunternehmen bei der
Verwaltung des Natura 2000 Netzes 10 besessen, in ihren Unternehmen, Branchen sowie weltweit die Führung zu übernehmen. Die IUCN
– die Internationale Union für Naturschutz – war über viele Jahre hinweg eine Quelle der Inspiration und
Seite 11 > 12 bahnbrechender Initiativen für die enge Zusammenarbeit mit Unternehmen zur weiteren Stärkung der
wirtschaftlichen Argumente für den Schutz der biologischen Vielfalt. Auch verschiedene Mitgliedstaa-
ten wie zum Beispiel Deutschland, Frankreich, die Niederlande, Portugal und das Vereinigte Königreich
haben nationale Programme zur Förderung der Verbindungen zwischen Wirtschaft und Schutz der
biologischen Vielfalt entwickelt. LIFE in Aktion
Die Europäische Kommission ist ebenfalls der Überzeugung, dass die Wirtschaft sowohl innerhalb Zusammenarbeit mit KMU zum
Aufbau von Partnerschaften für der EU als auch darüber hinaus einen erheblichen Beitrag zum Schutz der Biodiversität leisten kann.
nachhaltige Entwicklung 11
Wir benötigen ihre Unterstützung und ihr Engagement, wenn wir den Verlust der biologischen Vielfalt
erfolgreich stoppen wollen. Die Kommission will deshalb auf der sehr starken Grundlage aufbauen,
Seite 13
die wir unseren portugiesischen Kollegen zu verdanken haben. Im Jahr 2007 definierten sie die Verbin-
dung zwischen Wirtschaft und biologischer Vielfalt als Priorität ihres Ratsvorsitzes. Außerdem beab-
sichtigt die Kommission den Ausbau der EU-Initiative „Wirtschaft und Biodiversität“. Diese Initiative
wird laufende Aktionen auf internationaler und nationaler Ebene ergänzen. Zu diesem Zweck wird die
Kommission eine technische Unterstützungseinheit für die Zusammenarbeit mit Wirtschaftssektoren, Partnerschaften für Biodiversität
Nichtregierungsorganisationen (NRO) und nationalen Organisationen einrichten, um ein starkes Netz Vernetzung eines breiten Spektrums
von Akteuren 13 für die Umsetzung der Initiative aufzubauen.
Erst wenn die Wirtschaft vom Nutzen dieser Initiative überzeugt ist, werden Fortschritte beim 2010-
Seite 14 > 16
Ziel möglich sein. Die Partnerschaften sind zwar freiwillig, aber die beteiligten Branchen werden sich
dazu verpflichten müssen, innerhalb des Rechtsrahmens für den Schutz der biologischen Vielfalt zu Natura News
arbeiten und diesen zu fördern. Ich bin davon überzeugt, dass die Energie, Kompetenzen und Mittel
Der Natura 2000 Newsletter wird von den Abteilungen LIFE und
der Wirtschaft unter dem Strich einen positiven Beitrag zum Schutz der Biodiversität leisten und einen Natur & biologische Vielfalt der Generaldirektion für Umwelt (GD
Umwelt) der Europäischen Kommission herausgegeben. Das bedeutenden Faktor darstellen werden, um ihrem Verlust Einhalt zu gebieten.
Infoblatt erscheint zweimal jährlich und ist in Englisch, Französisch,
Deutsch, Spanisch und Italienisch erhältlich. Patrick Murphy
Titelbild: Amanda Rohde Referatsleiter „Natur und biologische Vielfalt“, GD Umwelt.
Design: Daniel Renders
2000Im Brennpunkt
Warum ist der Schutz der Biodiversität
für Europas Wirtschaft von Bedeutung?
Verschiedene internationale Verträge und zahlreiche Naturschutzinitiativen sollten den Verlust der biologischen
Vielfalt aufhalten, allerdings bislang mit begrenztem Erfolg. In Europa ist das Kernstück der EU-Politik im Bereich
der Biodiversität der Rechtsrahmen, genauer gesagt die Habitat- und Vogelschutzrichtlinien. Sie bilden die
rechtliche Grundlage für das Natura 2000 Netz. Aber Natura 2000 alleine reicht nicht aus: Auch die Wirtschaft
sowie Regierungen und NRO müssen im Bereich des Schutzes der biologischen Vielfalt aktiv werden.
ie Welt, in der wir leben, braucht bio-Dlogische Vielfalt. Dennoch geht sie
infolge menschlichen Handelns schneller als
je zuvor verloren und nimmt Schaden. Laut
einer Studie der Vereinten Nationen über die
1globalen Ökosysteme sind praktisch alle
Ökosysteme der Erde durch menschliches
Handeln dramatisch verändert worden. Und
es sind äußerst beunruhigende Anzeichen
erkennbar, dass wir möglicherweise mit
einem immer schneller werdenden Verlust
konfrontiert sind, der bereits ein hohes Maß
an Zerstörung erreicht hat. Ein Beispiel hier-
für ist der Zusammenbruch oder Beinahe-
Zusammenbruch zahlreicher Fischbestände
in den Weltmeeren.
Eröffnungssitzung der Konferenz „Wirtschaft & biologische Vielfalt“ in Lissabon – Schlüssel-
veranstaltung der portugiesischen RatspräsidentschaftFür die Wirtschaft ist die biologische Vielfalt
ebenfalls von strategischer Bedeutung. Sie
liefert vielen Unternehmen Rohstoffe und Forstwirtschaft, Fischerei, Pharmazie, Nah- toren, Beschäftigte, Gemeinden und andere
Naturvermögen. Am deutlichsten wird dies rungsmittelherstellung usw. zusammen- Akteure einzubeziehen.
in den Fällen, in denen der Profit direkt von hängt.
gesunden Ökosystemen abhängt, zum Bei- Als Wirtschaftsunternehmen begannen,
spiel im Fall des Öko-Tourismus. Inzwischen Neben den direkten wirtschaftlichen Vortei- Umweltfragen zu berücksichtigen, erfolgte
wird jedoch anerkannt, dass eine größere len der biologischen Vielfalt für Unternehmen dies in der Regel in Bezug auf Risiken, Kosten
Variabilität der Gene, Arten und Ökosysteme gibt es auch indirekte Vorteile von ökolo- oder auf ihre Zulassung. Die Frage des öffent-
mit höherer Belastbarkeit und biologischer gischem, ästhetischem und ethischem Wert. lichen Ansehens ist für Unternehmen eben-
Produktivität in den Bereichen Land- und Gemeinsame Maßnahmen im Bereich der falls entscheidend, wenn sie im Wettbewerb
biologischen Vielfalt können Unternehmen um Kunden erfolgreich sein wollen. Heute
dabei helfen, sich von ihren Konkurrenten wissen viele Unternehmen, wie wichtig es 1 The Millenium Ecosystem Assessment
abzuheben und dabei Einzelhändler, Inves- ist, soziale Verantwortung bei der Umsetzung – MEA 2005
2000
Photo: Europäische Kommission
Photo: LIFE00 ENV/S/000868/ Agesta KikareIm Brennpunkt
3den Schutz der biologischen Vielfalt kommer- den können . Die hochrangige Konferenz
ziell lohnender zu machen, höhere Strafen über Wirtschaft und Biodiversität (12.-13.
für ihren Verlust einzuführen und die Infor- November 2007) wurde von der portugie-
mation über die Leistungen der Unterneh- sischen Ratspräsidentschaft, der Europä-
men in diesem Bereich zu verbessern. Eine ischen Kommission und mit Unterstützung
zentrale Herausforderung für alle betroffenen der Countdown 2010 Initiative organisiert.
Unternehmen ist der Mangel an anerkannten Die Konferenz verdeutlichte einen Gesin-
Indikatoren zur Messung positiver und nega- nungswandel in Bezug auf die Rolle der
tiver Beiträge zum Schutz der biologischen Wirtschaft beim Schutz der biologischen
Vielfalt. Da sich die Welt des zunehmenden Vielfalt. Die öffentlichen und privaten
Biodiversitätsverlusts immer bewusster wird, Sektoren einigten sich auf die entschei-
sehen die Unternehmen den Schutz der bio- dende Bedeutung der Biodiversität und
logischen Vielfalt zunehmend als potenzielles auf notwendige Maßnahmen, um eine sich
Profitcenter, so der Bericht. zunehmend verschlechternde globale Krise
aufzuhalten.
Der Öko-Tourismus zeigt beispielhaft, dass
Waldarbeiter auf dem Feldberg. In dieser
sich die Sorge um Arten und ihre Lebensräume „Aktuelle Entwicklungsmuster sind nicht Natura 2000 Fläche im Schwarzwald trägt
bezahlt machen kann. Der umweltfreundliche nachhaltig, und der Verlust der biolo-die „Zonierung“ der Forstarbeit zur Er-
haltung der Auerhuhn-Bestände bei. Tourismus wächst jährlich um 20-30%, im gischen Vielfalt schreitet mit einer bisher
Vergleich zu 9% für die gesamte Touris- nie da gewesenen Geschwindigkeit voran.
nachhaltiger Verfahren und der Begrenzung musbranche. Viele andere Unternehmen, Der Wirtschaft kommt beim Schutz der bio-
negativer Folgen für die Umwelt zu überneh- geschichtlich für den Verlust der biologischen logischen Vielfalt eine entscheidende Rolle
men. Die Branchen, deren Auswirkungen auf Vielfalt verantwortlich, übernehmen zuneh- zu, und bei der Umsetzung dieser Einsicht
die Umwelt am offensichtlichsten sind (z. B. mend eine Führungsrolle bei ihrem Schutz. an der Basis kann Europa weltweit Vorrei-
die rohstoffgewinnenden Industriezweige), Die Märkte für biologische Landwirtschaft tersein“, so Francisco Nunes Correia, der
haben hier eine Führungsrolle übernommen. und Holz aus nachhaltig gefällten Baumbe- portugiesische Minister für Umwelt, Raum-
Allerdings hängt ein wirklicher Erfolg davon ständen haben zweistellige Wachstumsraten ordnung und regionale Entwicklung.
ab, dass alle Unternehmen dieses Bewusst- zu verzeichnen. Ein weiterer wichtiger Wachs-
sein in ihr Kerngeschäft einfließen lassen. tumsbereich ist die Nachfrage nach Dienst- „Die Europäische Kommission ist über-
leistungen zur Begrenzung des Klimawandels, zeugt, dass die Wirtschaftsgemeinschaft
Unternehmen werden sich ebenfalls zuneh- darunter der Schutz von Wäldern und Feucht- einen wichtigen Beitrag zum Schutz der
mend bewusst, dass Maßnahmen zur Förde- gebieten als Kohlenstoffsenken. Biodiversität sowohl innerhalb als auch
rung der biologischen Vielfalt auch finanzielle außerhalb der EU leisten kann und sollte“,
Vorteile bringen können. Die wirtschaftlichen Botschaft aus Lissabon sagte Mogens Peter Carl, Generaldirektor
Argumente für den Naturschutz sind stark und der GD Umwelt. Er erkannte an, dass viele
werden immer stärker. Dies geht aus dem vor Über 400 Teilnehmer, davon über die Hälfte führende Vertreter der Wirtschaft sich die-
kurzem veröffentlichten Bericht „Building Bio- Aufsichtsratsvorsitzende oder führende ser Tatsache bereits bewusst sind und Maß-
2diversity Business ”. hervor. In dem Bericht Wirtschaftsvertreter aus 150 Unterneh- nahmen ergriffen haben, um den Schutz der
werden politische Reformen gefordert, um men sowie Vertreter der EU, Regierungen biologischen Vielfalt voranzubringen. Er
und Nichtregierungsorganisationen (NRO), lobte ebenfalls die langjährige Arbeit von
kamen vor kurzem in Lissabon zusammen, Organisationen wie IUCN und WWF, denen
2 Bishop, J., Kapila, S. Hicks, F. Mitchell, um darüber zu diskutieren, wie europä- „Inspiration und bahnbrechende Initiativen“
P. und Vorhies, F. (2008): Building Bio-
ische Unternehmen stärker in den Schutz diversity Business. Shell Int. Ltd. und
IUCN. - http://www.iucn.org/dbtw-wpd/ der biologischen Vielfalt einbezogen wer- www.countdown2010.net/business
edocs/2008-002.pdf
EU-POLITIK IM BEREICH DER BIOLOGISCHEN VIELFALT
Die EU hat seit der Regierungskonferenz in Göteborg im Jahr 2001 das erklärte Ziel, den „Rückgang der biologischen Vielfalt bis 2010 zum Stillstand zu
bringen“. Auf globaler Ebene einigte sich die EU im Jahr 2002 zusammen mit 130 führenden Ländern darauf, den „Verlust an biologischer Vielfalt bis 2010
deutlich zu senken“. Um diese ehrgeizigen Ziele zu erreichen, hat die Europäische Kommission im Jahr 2006 eine Mitteilung über die „Eindämmung des
1 2Verlusts der biologischen Vielfalt bis zum Jahr 2010 – und darüber hinaus“ , sowie einen detaillierten Aktionsplan zur Erhaltung der biologischen Vielfalt ,
veröffentlicht, aus denen die notwendigen Aktionen und unterstützenden Maßnahmen hervorgehen, die von der EU und ihren Mitgliedstaaten zu ergreifen
sind. Diese EU-Biodiversitätsagenda bestätigt zwar die zentrale Bedeutung der vorhandenen Gesetze und insbesondere des Natura 2000 Netzes, aber sie
vermittelt zugleich eine umfassendere und integrative Sichtweise des Schutzes der Biodiversität, die auch unterstützende Maßnahmen umfasst. Dazu
gehört u. a. der Aufbau effektiver Partnerschaften, darunter auch mit der Wirtschaft, sowohl auf Ebene der
EU als auch der Mitgliedstaaten. Diese Denkweise steht im Einklang mit den globalen Verpflichtungen, die im
Rahmen der Konvention über die biologische Vielfalt eingegangen worden sind.
Die Gomera-
Rieseneidechse
1 COM(2006)216: http://ec.europa.eu/environment/nature/biodiversity/
comm2006/index_en.htm
2 Technische Anhänge zu KOM(2006)216
2000
Photo: Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA)
Photo: LIFE02 NAT/E/0008614Im Brennpunkt
bei der engen Zusammenarbeit mit der Über EU-Grenzen hinausblicken
Wirtschaft und bei der Stärkung der wirt-
schaftlichen Argumente für den Erhalt der Die Initiative „Business and Biodiversity“ ist Teil der Antwort der Europäischen Union auf die
biologischen Vielfalt zu verdanken seien. globalen Verpflichtungen im Rahmen der KBV. In diesem Zusammenhang wurde auf der Neunten
„Viele dieser Unternehmensinitiativen sind Vertragsstaatenkonferenz der KBV (Bonn, Deutschland, vom 19.-30. Mai) eine neue Entscheidung
heute die Messlatte für kommende Initia-
zur weiteren Förderung und Vereinfachung des aktiven Beitrags der Unternehmen zum Schutz der
tiven“, stellte er fest. „Aber wir benötigen
1biologischen Vielfalt verhandelt . Während der Konferenz fand ein dreitägiges Forum für Wirtschaft und
eine europäische Dimension“, fügte er
Biodiversität statt und die deutschen Gastgeber sorgten durch die Präsentation ihrer eigenen Initiative hinzu und forderte eine „stärkere Partner-
für ausreichend Publizität.schaft mit der Wirtschaft“.
Aufsichtsratsvorsitzende und Direktoren 1 http://www.cbd.int/cop9/
großer europäischer Unternehmen aus
zahlreichen Branchen waren sich ebenfalls
über die wirtschaftlichen Argumente einer pflichtete sich, im Laufe des Jahres eine Insbesondere in Bezug auf die Initia-
im Mittelpunkt ihrer Unternehmen stehen- technische Unterstützungseinheit einzu- tive „Business and Biodiversity“ verfügt
den biologischen Vielfalt einig. „Kein Sek- richten, die mit den Akteuren an diesem die EU über eine eindeutig festgelegte
tor findet selbst alle Antworten. Die für die Vorhaben arbeiten soll. Agenda und eignet sich hervorragend als
Verhinderung eines Kollaps der biologischen Forum für Zusammenarbeit und gemein-
Vielfalt notwendige Bandbreite großer und Der Mehrwert von same Maßnahmen. Die Initiative hat sich
kleiner Lösungen wird nur dann erfolgreich Maßnahmen auf EU-Ebene ein ehrgeiziges Ziel gesetzt und wird eine
sein, wenn Unternehmen, Regierungen und führende Rolle bei der Einhaltung der
NRO enger zusammenarbeiten“, kommen- Die Einbeziehung des Erhalts der Biodi- globalen Verpflichtungen im Rahmen der
tierte die Generaldirektorin der IUCN, Julia versität in wichtige EU-Politikfelder, wie z. Biodiversitätskonvention (KBV) spielen.
Marton-Lefèvre. B. Landwirtschaft, regionale Entwicklung, Außerdem besteht eine sehr wichtige, ein-
Fischerei, Energie, Verkehr, Handel, Ent- deutige Verbindung zu Natura 2000, dem
Die Botschaft aus Lissabon fordert Wirt- wicklungshilfe und Forschung, zeigt einen ökologischen Netz und Kernstück des
schaft, Regierungen, EU und NRO auf: eindeutigen Mehrwert von EU-Maßnahmen EU-Naturschutzes, das inzwischen auch
l weiterhin für den großen Wettbewerbsvor- in den Bereichen Wirtschaft und biolo- die Bewirtschaftung und Finanzierung der
teil zu sensibilisieren, den Unternehmen gische Vielfalt. Die EU-Vorreiterschaft hat Flächen umfasst. Dies bietet ein hervor-
durch den Schutz der biologischen Vielfalt sich ebenfalls als wertvoller Katalysator ragendes Potenzial für Unternehmen, ins-
erzielen können; für nationale Maßnahmen, den Austausch besondere für kleine und mittlere Unter-
l d ie Nutzung von Marktinstrumenten, Instru- von Erfahrungen und bewährten Praktiken nehmen (KMU) auf lokaler Ebene, sowie
menten im Bereich der Verantwortung der sowie für die Bekanntmachung und Ver- für flächenspezifische Maßnahmen unter
Unternehmen sowie regulatorischen Instru- breitung von Ergebnissen erwiesen. Einbeziehung aller Interessengruppen.
menten zu fördern:
l d er Wirtschaft die notwendigen Mittel für Dort, wo es zu Konflikten zwischen Natura-Flächen und Wirtschaftsbranchen mit speziellen
Schwierigkeiten kommt, z. B. in Häfen, arbeitet die EU eng mit Unternehmen zur Lösungs- den Schutz der biologischen Vielfalt und die
findung zusammen.sinnvolle Messung ihrer Leistungen an die
Hand zu geben, insbesondere in Bezug auf
kleine und mittlere Unternehmen,
l s owie neue Anreize zu fördern, mit deren
Hilfe die Partnerschaften zwischen Unter-
nehmen, Regierungen auf allen Ebenen,
NRO und Wissenschaft ausgebaut und
gestärkt werden können.
Europäische Initiative
„Business and Biodiversity“
Zu den wichtigsten Ergebnissen gehörte
die Forderung einer neuen Europäischen
Initiative „Business and Biodiversity“,
deren Ziel es sein soll, den Schutz der Bio-
diversität künftig im Rahmen freiwilliger
Maßnahmen in die Geschäftspolitik der
Unternehmen zu verankern. Auf diesem
Weg soll dem Verlust der biologischen
Vielfalt bis 2010 Einhalt geboten werden.
Die Kommission forderte Unternehmen,
die an einer gemeinsamen Entwicklung
von europäischen Partnerschaften für den
Schutz der biologischen Vielfalt interes-
siert sind, auf, sich zu melden, und ver-
2000
Photo: LIFE00 ENV/F/000630Wirtschaft & Natura 2000
Ein estnischer Landwirt saniert das an der Küste gelegene Weideland im Matsalu-Nationalpark, eine Natura 2000 Fläche (links). Schweine sollen
den Boden für den Anbau aufbrechen und lockern, wie hier im schwedischen Söderåsen-Nationalpark (rechts).
Geschäftsmöglichkeiten
und Natura 2000
Die wichtige Verbindung zwischen Unternehmen und der durch das Natura 2000 Netz geschützten biolo-
gischen Vielfalt wird zunehmend anerkannt. Es gibt heute rund 25.000 ausgewiesene Natura-Flächen, die
beinahe 20% der Mitgliedstaaten der EU27 abdecken. Da über 99,8% aller Unternehmen der Mitgliedstaaten
Kleinstunternehmen sowie kleine und mittlere Unternehmen (KMU)* sind, ist es unvermeidbar, dass unterneh-
merische Tätigkeiten innerhalb oder in der Nähe von Natura 2000 Flächen stattfinden. Das Netz birgt ein sehr
gutes Geschäftspotenzial, insbesondere für KMU auf lokaler Ebene, und eignet sich zudem für flächenbezo-
gene Maßnahmen im Rahmen von Partnerschaften zwischen Unternehmen und NRO.
s ist festzuhalten, dass die strengen Vor- Wirtschaftstätigkeiten eingestellt werden hen, um einige der Hindernisse für eine Eschriften und Anforderungen im Bereich müssen. „Das Natura-Netz besteht aus Zusammenarbeit mit dem privaten Sektor
des Schutzes und der Erhaltung der Natura lebendigen Landschaften, in denen Landwirt- abzubauen, darunter die Größe und Kom-
2000 Flächen deren Nutzung für Wirtschaft- schaft, Fischerei, Forstwirtschaft und Jagd plexität des Netzes und die falsche Vorstel-
stätigkeiten nicht ausschließen. „Die meis- weiter betrieben werden können“, sagte er, lung, dass es erhebliche Zwänge auferlegt
ten Mitgliedstaaten haben die Erfahrung und fügte hinzu, dass „sogar umfassende und die Entwicklung behindert. Durch das
gemacht, dass die in den Naturschutzricht- Entwicklungsprojekte durchgeführt werden Aufzeigen von Wegen zu einer angemes-
linien gewährte Flexibilität problemlos intel- können, wenn bestimmte Schutzmaßnah- senen, rentablen Geschäftstätigkeit, die
ligent genutzt werden kann und dass ein men ergriffen worden sind.“ auch der Bewirtschaftung von Natura-
gutes Gleichgewicht zwischen dem Schutz Flächen zugute kommt, könnten Bewirt-
der biologischen Vielfalt und wirtschaftlichen Während die meisten Unternehmen von schaftungskosten ausgeglichen werden.
Bedürfnissen gefunden werden kann“, so der finanzieller Unterstützung durch Banken oder Der Schwerpunkt des Pilotprojekts liegt
für Umwelt zuständige Kommissar Stavros Investoren abhängen, um die Anlaufkosten auf Bulgarien, Ungarn und Polen - neuen
Dimas jüngst in einer Rede zur europäischen zu decken, könnte bei „Biodiversitätsunter- Mitgliedstaaten, deren Wirtschaftsstruktu-
1Naturschutzpolitik . In seiner Rede am 14. nehmen“ Bedarf nach finanziellen Mitteln ren überwiegend durch KMU charakterisiert
Februar in Brüssel betonte er die Notwen- oder Beihilfen bestehen, um über die Pilot- sind, mit einer großen ländlichen Bevölke-
digkeit, einen der üblichen „Mythen“ über und Lernphase hinaus kommen und die rung, die häufig wirtschaftlich benachteiligt
Natura 2000 zu korrigieren, nämlich das Nachfrage nach kommerziellen Naturschutz- ist, sowie mit neuen, umfassenden Natura-
mit der Ausweisung einer Fläche sämtliche dienstleistungen anzukurbeln. Im Folgenden Netzen, die zu bewirtschaften sind. Die
werden einige Beispiele für Kofinanzierungs- BTAU schaffen und setzen einen öffent-
möglichkeiten von KMU genannt, die ihre lich-privaten Partnerschaftsansatz um. Für 1 “EU Naturpolitik – Herausforderun-
gen in einer sich wandelnden Welt” Geschäftsmöglichkeiten auf oder in der Nähe weitere Informationen siehe S. 10.
[SPEECH/08/82]
von Natura-Flächen ausbauen möchten.
Lokale Markenprodukte
* Die Europäische Kommission definiert BTAU: Zusammenarbeit mit Kleinstunternehmen als Unternehmen mit
KMU Drei Gebiete, die innerhalb von Natura 2000 weniger als 10 Beschäftigten und einem
Jahresumsatz von weniger als 2 Mio. Flächen in der Tschechischen Republik liegen,
Euro, kleine Unternehmen als Unterneh-
Das von der GD Umwelt finanzierte Projekt haben Markenzeichen für lokale Produkte men mit weniger als 50 Beschäftigten
und einem Jahresumsatz von weniger als „Biodiversity Technical Assistance Unit - wie Lebensmittel und landwirtschaftliche
10 Mio. Euro und mittlere Unternehmen BTAU“ (Technische Unterstützungseinheit Produkte, lokales Handwerk, Mineralwas-
als Unternehmen mit weniger als 250
für biologische Vielfalt) untersucht gemein- ser und Waldfrüchte im Rahmen eines vom Beschäftigten und einem Jahresumsatz
von höchstens 50 Mio. Euro. sam mit KMU, welche Möglichkeiten beste- tschechischen Regionalen Umweltzent-
.
2000
Photo: LIFE00 NAT/EE/007083
Photo: LIFE02 NAT/S/008483Wirtschaft & Natura 2000
„Pro-Biodiversitäts-
Unternehmen“
Das vor kurzem abgeschlossene Projekt „Pro-
bioprise“ zielte darauf ab, unser Verständnis
für die vielen so genannten „Pro-Biodiversi-
täts-KMU“ (pro-biodiversity SMEs – PBEs) in
Europa zu verbessern. Es handelt sich hierbei
um Unternehmen, von denen viele innerhalb
und in der Nähe von Natura-Flächen tätig sind
und deren Kerngeschäft von der biologischen
Vielfalt sowohl abhängt, als auch zu ihrem
Schutz beiträgt (siehe Kasten unten).
Besucher im Oh! Légumes Oubliés-Küchengarten, Gironde, Frankreich. Das Unternehmen
baut Bio-Obst und -Gemüse an und verkauft es. LIFE unterstützt Unternehmen
2rum koordinierten Projekts eingeführt. Seit ren Verständnisses einer repräsentativen Seit 1992 hat LIFE , das EU-Finanzie-
Beginn des Projekts im Oktober 2005 kön- Auswahl von Anbietern im Bereich des rungsinstrument für die Umwelt, zahlreiche
nen die Produkte der Gebiete Krkonoše, ländlichen Tourismus in drei verschiedenen Schutzmaßnahmen unterstützt, die indirekt
Šumava und Beskydy ein Markenzeichen Ländern und Regionen der EU (Lettland, Geschäftsmöglichkeiten im Bereich der Bio-
(Zertifizierung) beantragen, das die Herkunft Andalusien und Finnland) für Natura 2000 diversität gefördert haben. Dies geschah
aus dem jeweiligen speziellen Gebiet garan- und dessen Auswirkungen auf / Möglich- weitgehend, jedoch nicht ausschließlich, im
tiert. Jedes Gebiet besitzt ein eigenes Logo, keiten für Unternehmen der ländlichen Tou- Rahmen des LIFE-Natur Programmstrangs
das von einer Zertifizierungskommission ver- rismusbranche, und b) im Test innovativer (siehe hierzu die Fallstudien der LIFE-Projekte
geben wird, die lokale Erzeuger und andere und für Touristen bestimmter Produkte, die auf den Seiten 11-12). Mit dem Start von
Akteure wie lokale und regionale Behörden, auf den Werten des Natura 2000 Netzes in LIFE+, dem neuen Umweltfinanzierungsins-
Naturschutzbehörden und Handelskammern den drei Regionen beruhen. trument, das über einen Gesamthaushalt von
vertritt. Die Produktzertifizierung bietet loka- 2 Mrd. Euro verfügt, sollen auch weiterhin neue
len Erzeugern effiziente Vermarktungsmög- Projektanträge zum Ausbau von Geschäfts-Die Projekterfahrungen werden
lichkeiten. Gleichzeitig trägt die Initiative zur möglichkeiten in Europa im Zusammenhang im weiteren Verlauf dieses Jahres
Förderung bestimmter Natura-Flächen bei. mit der biologischen Vielfalt im Rahmen des umfassend veröffentlicht. Weitere
Themenbereichs „LIFE+ biologische Vielfalt“ Informationen stehen auf der
Ländlicher Tourismus und Projekt-Website zur Verfügung: dauerhaft unterstützt werden.
http://www.natura2000tourism.eu Natura 2000
2 LIFE I, II und III (1992-2006)
Die Kommission kofinanziert ein Projekt
„Raising awareness for Natura 2000:
Projekt „Probioprise“: „Pro-Biodiversitäts-KMU“ verstehenworking together with Europe’s rural tou-
rism sector“ (Sensibilisierung für Natura
Viele kleine und mittlere Unternehmen legen den Schwerpunkt ihrer Geschäftstätigkeit in Europa auf die biolo-2000: Zusammenarbeit mit dem länd-
gische Vielfalt und ihren Schutz. Einige von ihnen sind innerhalb und in der Nähe von Natura 2000 Flächen tätig. lichen Tourismussektor in Europa). Das
Unter der Leitung von Barney Dickson, Projektkoordinator und Leiter des Bereichs Internationale Politik der Fauna Projekt ist eine innovative Partnerschaft
von Verbänden des ländlichen Tourismus & Flora International, sollte das von der GD Forschung finanzierte Projekt „Probioprise“ unser Verständnis für diese
und Naturschutzunternehmen aus fünf Unternehmen sowie für ihren Beitrag zum Schutz der Biodiversität verbessern. Auf dieser Grundlage wurde dann
verschiedenen Ländern. Seine Hauptziele ein Forschungsprogramm erstellt, um herauszufinden, wie die Rolle der KMU bei der Erreichung des angestrebten
bestehen a) in der Förderung des besse- Schutzes der Biodiversität gefördert werden kann.
Das Projekt wurde in Partnerschaft mit der Europäischen Stiftung für Management-Entwicklung und dem European
Aberntung einer Korkeiche (Quercus Bureau for Conservation and Development von Oktober 2005 bis August 2007 durchgeführt. Schwerpunkt war die
suber) in der Algarve, Portugal – eine
direkte Nutzung der Erfahrungen von KMU, die im Bereich der biologischen Vielfalt tätig sind. Tätigkeit, die von der Erhaltung lebendiger,
gesunder Korkwälder abhängt. Die Untersuchung erfolgte hauptsächlich mittels Workshops und Fallstudien. Es fanden vier Workshops statt, zu
jeweils einem der folgenden Ökosystem-Themen: Forstwirtschaft, Feuchtgebiete, Weiden, Meeresumwelt und
Küstengebiete. Etwas mehr als 50 KMU nahmen an diesen Workshops teil. Es wurden außerdem 15 Fallstudien
durchgeführt. Dreizehn bezogen sich auf einzelne Unternehmen, eine verglich zwei Unternehmen miteinander und
eine weitere betrachtete eine Nationalparkbehörde, die mit mehreren KMU zusammenarbeitet.
Unter den PBEs herrscht große Vielfalt: Sie sind im primären, sekundären und tertiären Sektor zu finden, und
verschiedene PBEs tragen zum Schutz unterschiedlicher Arten und Komponenten der biologischen Vielfalt bei. Auf
Grund dieser Vielfalt empfahl das Projekt die Annahme sektorspezifischer und flächenspezifischer Ansätze zur
Förderung der „Pro-Biodiversitäts-Unternehmen“.
Die Hauptergebnisse sind folgendem Bericht zu entnehmen: „The Working Partnership: SMEs and
Biodiversity”. Außerdem enthält der Bericht die erwähnten 15 Fallstudien.
Siehe die Projekt-Website: www.efmd.org/probioprise.
Für weitere Informationen kontaktieren Sie Barney Dickson: barney.dickson@fauna-flora.org
2000
Photo: Rui Simões
Photo: Bernard LafonNota Bene:
• D as Natura Barometer untersteht dem
European Topic Centre for Biodiversity
und beruht auf den Daten, die offiziell
ungenügend
von den Mitgliedstaaten übermittelt
wurden. unvollständig
• Z ahlreiche Gebiete sind, entweder voll-
weitestgehend vollständigständig oder nur teilweise, im Rahmen
beider Naturschutzrichtlinien gemeldet
deutlicher Fortschritt zu
worden. Daher ist es nicht möglich, die VOGELSCHUTZGEBIETE (SPA) GEBIETE VON GEMEINSCHAFTLICHER BEDEUTUNG (GGB)
verzeichnen Vogelschutz-Richtlinie HabitatrichtlinieZahlen der im Rahmen beider Richtli-
Anzahl aus- Terrest- Anzahl der Marine Anzahl aus- Terrest- Anzahl der Marine Gesamtfläche Gesamtfläche nien umgesetzten Gebiete zu addieren
2 2gewiesener rische marinen Fläche Fortschritt gewiesener rische marinen Fläche Fortschritt (km ) (km ) MITGLIEDSTAATENund eine Gesamtzahl für Natura 2000 2 2Gebiete Fläche (%)* Gebiete (km ) Gebiete Fläche (%)* Gebiete (km )
anzugeben.
234 9,7 4 315 280 10,0 2 198BELGIË/BELGIQUE 3.282 3.239
• Die Prozentangabe für die Gesamtflä-
che beschreibt nur die gemeldete ter- BULGARIA 88 12.551 11,3 3 9 207 29.548 26,5 8 124
restrische Fläche, d.h. die Summe der
CESKÁ REPUBLIKA 38 6.936 8,8 - - 858 7.251 9,2 - -SPA (Vogelschutz-Richtlinie), vorgese-
hener GGB-Gebiete, GGB- oder FFH- DANMARK 113 14.709 5,9 59 12.173 254 11.136 7,4 118 7.959
Gebiete (Habitatrichtlinie) abzüglich der
568 8,9 14 16.216 4.617 9,9 48 18.086marinen Gebiete. Einige Mitgliedstaa- DEUTSCHLAND 48.102 53.294
ten haben einen erheblichen Anteil ihrer
EESTI 67 12.592 13,1 26 6.654 497 11.328 16,5 36 3.854
Küstengewässer gemeldet. Diese sind
zwar bei Berechnung der vorgeschla- ÉIRE/IRELAND 131 2.815 2,9 66 810 413 10.561 10,2 92 3.386Peatlands and wetlands can work as
natural CO sinks – Müritz National Park, genen Flächen und Gebiete berück-2
Germany ELLÁDA 151 13.703 10,0 16 567 239 27.641 16,4 102 5.998sichtigt worden, aber nicht bei der pro-
ELLÁDA?
zentualen Gesamtfläche oder bei den 563 19,1 23 634 1.434 23,4 94 5.548ESPAÑA 97.123 123.716
Hinweisen zum Fortschritt. Die Zuläng-
lichkeit der nationalen Vorschläge für FRANCE 371 46.194 7,8 62 3.260 1.334 52.174 8,5 94 5.688
verschiedene marine Lebensräume
ITALIA 589 43.798 13,6 41 2.718 2.283 45.073 14,2 160 2.243
und Arten kann nicht festgestellt wer-
den, weil die erfolgreiche Umsetzung 7 13,4 1 21 36 11,5 5 50 KÝPROS** 788 711
von Natura 2000 im Rahmen beider
LATVIJA 98 6.766 9,7 4 520 331 7.663 11,0 6 562 Richtlinien, insbesondere im Bereich
der küstennahen Meeresumwelt, noch
LIETUVA 77 5.435 8,1 1 171 267 6.664 9,9 2 171
nicht vollendet ist.
• M ehrere Mitgliedstaaten haben große LUXEMBOURG 12 139 5,4 - - 48 399 15,4 - -
Gebiete mit „Pufferzonen“, andere nur
55 14,5 - - 467 15,0 - -MAGYARORSZÁG 13.519 13.929Kerngebiete vorgeschlagen. In beiden
Fällen findet Artikel 6 der Habitatrichtli- MALTA 12 14 4,5 0 0 27 48 12,6 1 8
nie auch auf neue Maßnahmen Anwen-
NEDERLAND 77 10.125 12,6 6 4.895 142 7.552 8,4 10 4.067dung, die außerhalb einer Natura 2000
Fläche durchgeführt werden sollen,
ÖSTERREICH 98 9.744 11,6 - - 168 8.889 10,6 - -
diese aber wahrscheinlich betreffen.
• D ie 12 neuen Mitgliedstaaten, die der 124 16,1 0 0 362 9,1 0 0.0POLSKA*** 50.407 28.490
EU am 1. Mai 2004 und 1. Januar 2007
PORTUGAL 50 9.956 10,1 10 622 94 16.503 17,4 23 490 beigetreten sind, hatten sich verpflich-
tet, bis zum Tag ihres Beitritts SPA zu ROMÂNIA 0 0 0 0 0 273 32.833 13,2 6 1.353
klassifizieren und GGB vorzuschlagen.
27 23,0 1 3 259 31,4 3 0.2SLOVENIJA 4.656 6.360Alle Länder haben ihre Listen übermit-
telt, die derzeit geprüft werden.
SLOVENSKO 38 12.236 25,1 - - 382 5.739 11,8 - -
• Die Gesamtbewertung nationaler
Listen kann infolge einer umfas- SUOMI 467 30.836 7,5 66 5.567 1.715 48.552 12,7 98 5.460
senderen wissenschaftlichen Analyse
SVERIGE 530 28.872 6,2 107 3.033 3.971 62.782 13,7 325 5.849 nach oben oder nach unten revidiert
werden. Dies geschieht im Rahmen 265 6,2 4 901 616 6,8 44 9.724 UNITED KINGDOM 15.988 26.365
der Treffen der jeweiligen biogeogra-
EU 4.850 501.286 10,3 514 59.090 21.574 648.441 13,2 1.277 80.818 phischen Regionen.
2000
Natura 2000 BAROMETER - Dezember 2007

Photo: Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt
Baden-Württemberg (FVA)
➜ ➜ ➜Das Natura 2000 Barometer:
ungenügend Erläuterungen der Fortschritte
• Das aktuelle Barometer enthält Daten
unvollständig
über die Fortschritte bei der Umset-
zung der Habitat- und Vogelschutz-weitestgehend vollständig
richtlinien in allen 27 Ländern bis
deutlicher Fortschritt zu Dezember 2007.
verzeichnen
• Polen hat zusätzliche umfassende
GGB vorgeschlagen und SPA aus-in Überprüfung im RahmenBE
der biogeographischen gewiesen, um seine Lücken zu füllen, GEBIETE VON GEMEINSCHAFTLICHER BEDEUTUNG (GGB)
Seminare Habitatrichtlinie aber es sind weitere Ausweisungen
Anzahl aus- Terrest- Anzahl der Marine Gesamtfläche erforderlich. Bulgarien hat seinen
2gewiesener rische marinen Fläche Fortschritt (km ) MITGLIEDSTAATEN GGB-Vorschlag erheblich ausge-2Gebiete Fläche (%)* Gebiete (km )
dehnt. Dieser Vorschlag wird derzeit
280 10,0 2 1983.239 BELGIUM zusammen mit dem von Rumänien
bewertet, um festzustellen, ob sie die 207 29.548 26,5 8 124 BE BULGARIA
betreffenden Lebensräume und Arten
858 7.251 9,2 - - CZECH REPUBLIC ausreichend abdecken (Biogeogra-
phisches Seminar vom 9. bis 12. Juni
254 11.136 7,4 118 7.959 DENMARK
2008 für Bulgarien und Rumänien).
4.617 9,9 48 18.086 • A uch in Italien ist es zu einer signifi-53.294 GERMANY
kanten Anhebung der SPA gekommen,
497 11.328 16,5 36 3.854 ESTONIA insbesondere in Meeresgebieten.
Das Vereinigte Königreich hat eben-413 10.561 10,2 92 3.386 ÉIRE/IRELAND
falls wichtige, neue SPA hinzugefügt
239 27.641 16,4 102 5.998 GREECE und GGB vorgeschlagen. Außerdem
haben Frankreich, Spanien, die Nie-
1.434 23,4 94 5.548123.716 SPAIN
derlande und Österreich neue Natura
2000 Flächen ausgewiesen oder vor-1.334 52.174 8,5 94 5.688 FRANCE
geschlagen.
2.283 45.073 14,2 160 2.243 ITALY • I n den anderen Mitgliedstaaten sind
keine neuen Gebiete hinzugekommen. 36 11,5 5 50 711 CYPRUS**
Es liegen stattdessen zusätzliche
331 7.663 11,0 6 562 LATVIA Informationen über die vorhande-
nen Gebiete sowie Aktualisierungen
267 6.664 9,9 2 171 LITHUANIA
der vorhandenen Lebensräume und
Arten vor.48 399 15,4 - - LUXEMBOURG
• F ür die Beurteilung der Vollständig-
467 15,0 - -13.929 HUNGARY keit der nationalen SPA-Netze gibt
es kein biogeographisches Prüfungs-27 48 12,6 1 8 MALTA
verfahren. Die Kommission beruft
142 7.552 8,4 10 4.067 THE NETHERLANDS sich jedoch auf verschiedene wissen-
schaftliche Belege, darunter, wenn
168 8.889 10,6 - - AUSTRIA
vorhanden, nationale Bestandslisten,
sowie die von Birdlife International 362 9,1 0 0.028.490 POLAND***
veröffentlichten Important Bird Areas
94 16.503 17,4 23 490 PORTUGAL (IBA).
273 32.833 13,2 6 1.353 BE ROMANIA
259 31,4 3 0.26.360 SLOVENIA
382 5.739 11,8 - - SLOVAKIA * % der GGB- oder SPA-Landflächen im Vergleich
zur Landfläche des Mitgliedstaates
1.715 48.552 12,7 98 5.460 FINLAND
** Die Fläche des Mitgliedstaates und die Prozent-
angabe entsprechen dem Gebiet von Zypern, in
3.971 62.782 13,7 325 5.849 SWEDEN dem der gemeinschaftliche Besitzstand gemäß
Protokoll 10 des Beitrittsvertrages mit Zypern der-
zeit angewandt wird. 616 6,8 44 9.724 26.365 UNITED KINGDOM
*** Verschiedene Meeresgebiete, es liegen jedoch
21.574 648.441 13,2 1.277 80.818 EU keine Daten zu Meeresgebieten in der Datenbank
vor.
2000
➜ ➜
Photo: LIFE03 NAT/GR/000092
➜Wirtschaft & Natura 2000 Fortsetzung
Rolle von kleinen Unternehmen
bei der Bewirtschaftung
des Natura 2000 Netzes
Natura 2000 Flächen befinden sich überwiegend im ländlichen Raum, und häufig leben und arbeiten Menschen
in diesen Gebieten oder in deren näheren Umgebung. Flächenbewirtschaftungspläne, die zur Wahrung des
Schutzwertes der Flächen konzipiert und umgesetzt werden, haben sich als äußerst sinnvoll erwiesen. Im
Jahr 2004 schätzte die Kommission in einer Mitteilung, dass die jährlichen Kosten für die Bewirtschaftung
des Netzes bei zirka 6,1 Mrd Euro liegen. Deshalb ist es für die Zukunft der Flächen entscheidend, dass Wege
gefunden werden, um eine Anhebung der Mittel aus bestehenden oder neuen Quellen zu sichern oder die
Kosten für die Flächenbewirtschaftung zu senken.
m Rahmen der neuen Finanzierungspro- wirtschaftlich benachteiligten Bevölkerung, Igramme der Kommission für 2007-2013 sowie mit neuen, umfassenden Natura 2000
werden Natura 2000 weitere Finanzmittel Netzen, die es zu bewirtschaften gilt.
zugewiesen. Die potenzielle Rolle des priva-
ten Sektors ist allerdings nur teilweise unter- Dieser Ansatz sieht sowohl für die EU als
sucht worden. Zudem lag der Schwerpunkt auch für die Regierungen der Mitglied-
vorwiegend auf dem Sponsoring von großen staaten, denen die Kostendeckung für die
Unternehmen, obgleich 99,8% der EU-Unter- obligatorische Bewirtschaftung der Natura
nehmen Kleinstunternehmen oder kleine 2000 Flächen zu schaffen macht, „Flächen- Auf den Natura 2000 Flächen bieten sich
viele Möglichkeiten für Geschäftstätig-und mittlere Unternehmen (KMU) sind. Die bewirtschaftungspläne“ vor. Diese können in
keiten in geringerem Ausmaß, die mit der potenzielle negative oder positive Rolle die- „Unternehmensentwicklungspläne“ ausge-
Wahrung des Wertes der Fläche für die
ser 23 Millionen Kleinunternehmen in Bezug baut werden, so dass KMU Geschäftmög- biologische Vielfalt vereinbar sind.
auf Natura 2000 ist bislang weitgehend ver- lichkeiten bestimmen können, durch die
nachlässigt worden. Die Haupthindernisse sie ihren Wert für die Biodiversität wahren derzeit für die Begrenzung des Klimawandels
für eine Einbeziehung des privaten Sektors können. Erste Untersuchungen haben erge- angewandt. Daher werden die Erfahrungen
scheinen dessen Größe und Komplexität zu ben, dass viele KMU innerhalb von Natura mit diesen marktwirtschaftlichen Instrumen-
sein sowie die weit verbreitete Vorstellung, 2000 Flächen in allen entscheidenden ten auch auf dieses innovative Pilotprojekt
dass Natura 2000 die Entwicklung erheblich Ökosystemen der EU tätig sind. Die für die übertragen.
einschränkt und behindert sowie „schlecht biologische Vielfalt wichtigen Ressourcen
für’s Geschäft“ ist. spielen eine entscheidende Rolle für ihre Dieser Ansatz soll sich auf alle zentralen
Tätigkeiten, insbesondere in den Bereichen Akteure positiv auswirken. Das BTAU-Pro-
Das von der GD Umwelt finanzierte Projekt Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, Touris- jekt bietet internationalen und nationalen
„Biodiversity Technical Assistance Union mus und Umweltdienstleistungen. Die Pro- Finanzeinrichtungen neue nationale (oder
- BTAU“ untersucht gemeinsam mit KMU jektteams weiten ihre Untersuchungen nun EU-weite) Finanzprojekte, um geplante
Möglichkeiten zur Beseitigung beider Hinder- auf entscheidende Branchen und spezielle Marktinvestitionen von KMU im ländlichen
nisse. Indem Wege zu einer angemessenen, Lebensräume aus, um die Arten und den Raum umzusetzen. Gleichermaßen sollen
rentablen Geschäftstätigkeit gefunden Anteil der Bewirtschaftungstätigkeiten zu die neuen Kredite „Pro-Biodiversitäts-KMU“
werden, die auch der Bewirtschaftung von bestimmen, die von KMU bereitgestellt oder (PBEs) die Verwirklichung ihres Potenzials
Natura 2000 Flächen zugute kommt, könnten ausgeglichen werden können. ermöglichen. Große Unternehmen werden
Bewirtschaftungskosten ausgeglichen wer- ebenfalls in diese Entwicklungen einbezogen,
den. Der Schwerpunkt dieses Pilotprojekts Es ist bereits offensichtlich, dass die Sensibi- weil sie in die Lage versetzt werden, PBEs
liegt auf Bulgarien, Ungarn und Polen – und lisierung der Wirtschaft für Natura 2000 auch zu erkennen und in diese zu investieren, um
damit auf neuen Mitgliedstaaten, mit einer eine Erfolgsvoraussetzung ist. Um spürbare die ökologische Nachhaltigkeit ihrer Zuliefe-
überwiegend durch KMU charakterisierten Veränderungen zu erreichen, wird im Rahmen rerkette zu verbessern. Größter Nutznießer
Wirtschaft, einer großen ländlichen, häufig des BTAU-Projekts mit Partnerbanken über wird das Natura 2000 Netz sein, das infolge
die Möglichkeit diskutiert, Entwicklungskre- der Zunahme der PBEs zum Ausgleich der
dite für Unternehmen zu Vorzugszinssätzen Bewirtschaftungskosten besser bewirtschaf-
Die Zwergtrappe
einzurichten. Mit diesen Krediten sollen KMU tet werden wird. (Tetrax tetrax) fühlt sich auf
gefördert werden, die auf Natura 2000 Flächen landwirtschaftlichen Nutz-
Von Mark Day & Zbigniew Karpowicz, RSPB (VK) mit
flächen wohl arbeiten. Die Kreditbedingungen hängen von Beiträgen der nationalen BTAU-Koordinatoren: Mira
Dikova (Bulgarien); Nagy Dénes (Ungarn) und Zenon den Flächenbewirtschaftungsplänen ab. Eine
Tederko (Polen).Reihe geeigneter KMU, die von den Projekt-
teams und Banken bestimmt werden, können
Weitere Informationen, auch über dann die Kredite nutzen. Anreizbasierte Markt-
die im Rahmen des Projekts ent-mechanismen haben hinsichtlich des Abbaus
wickelten Instrumente, sind der der Umweltverschmutzung und der Ener-
BTAU Website zu entnehmen: gieeffizienz bereits wirksam zur Veränderung
www.smeforbiodiversity.eu.
von Geschäftspraktiken geführt und werden
10 2000
Photo: Juan Martín Simón
Photo: Barbara Vándor