Amedeo Modigliani
76 pages
German, Middle High (ca.1050-1500)

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Description

Der Künstler Modigliani (1884-1920) fand wenig Glück in seinem Geburtsland Italien und nur Kummer in seiner Wahlheimat Frankreich. Aus dieser Traurigkeit heraus schuf er ein individuelles und außergewöhnliches Werk, das Einflüsse afrikanischer Kunst, des Kubismus und vieler betrunkener Nächte in Montparnasse in sich trägt.
Mit ihrer tiefen Sinnlichkeit und der fast aggressiven Nacktheit scheinen seine weiblichen Akte und deren geheimnisvollen Gesichter die Gesamtheit Modiglianis Leidens und Nichtanerkennung auszudrücken. Modigliani starb bereits im Alter von 36 Jahren.
Dieses Buch enthält Bilder, die damals große Skandale verursachten, heutzutage aber fast harmlos wirken.

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Informations

Publié par
Date de parution 09 décembre 2019
Nombre de lectures 0
EAN13 9781644618523
Langue German, Middle High (ca.1050-1500)
Poids de l'ouvrage 13 Mo

Informations légales : prix de location à la page 0,0017€. Cette information est donnée uniquement à titre indicatif conformément à la législation en vigueur.

Exrait

FRANCES ALEXANDER
JANE ROGOYSKA







Amedeo Modigliani
Autors: Jane Rogoyska und Frances Alexander
Übersetzung: Martin Goch
© Confidential Concepts, Worldwide, USA
© Parkstone Press USA, New York
© Image Bar www.image-bar.com
ISBN: 978-1-64461-852-3
Soweit nicht anders vermerkt, gehö rt das Copyright der Arbeiten den jeweiligen Fotografen. Trotz intensiver Nachfo rschungen war es aber nicht in jedem Fall mö glich, die Eigentumsrechte festzustellen. Gegebenenfalls bitten wir um Benachrichtigung.
Inhalt
Sein Leben
Von der Tradition zur Moderne. Eine Neuinterpretation der klassischen Werke
Entdeckung neuer Kunstformen
Akt und Moral
Eine unbewusste Befreiung
Die Kunst der Nahaufnahme
Emotionales Engagement. Ein Prozess der Entpersonalisierung
Streben nach Ä sthetik
Sein Werk
Biographie
Index der Arbeien
Sein Leben
Amedeo Modigliani wurde 1884 in Livorno (Italien) geboren und starb im Alter von 35 Jahren in Paris. Der Sohn einer Franzö sin und eines Italieners wurde im jü dischen Glauben erzogen und wuchs so inmitten dreier Kulturen auf. Modigliani war ein leidenschaf tlicher und charmanter Mann, der in seinem Leben zahlreiche Liebesbeziehungen einging. Die einzigartige visionä re Kraft des Kü nstlers speiste sich aus drei Quellen: Neben seiner Aufgeschlossenheit gegenü ber seinem italienischen und klassischen Erbe zeigte er Verstä ndnis fü r franzö sischen Stil und franzö sisches Feingefü hl – besonders fü r die dichte kü nstlerische Atmosphä re im Paris des ausgehenden 19. Jahrhunderts – und ein von der jü dischen Tradition inspiriertes intellektuelles Problembewusstsein. Im Gege n satz zu anderen Avantgardisten malte Modigliani vor allem Porträ ts, die er in seinem ganz eigenen, melancholischen Stil verfremdete und in die Lä nge zog, sowie Akte von erhabener Schö nheit und fremdartiger Erotik.
Im Jahre 1906 zog es Modigliani nach Paris, dem Zentrum der kü nstlerischen Innovation und des internationalen Kunsthandels. Dort war er hä ufig zu Gast in den Café s und Galerien von Montmartre und Montparnasse, wo sich die unterschiedlichsten Kü nstlergrupp e n trafen. Schon bald schloss er Freundschaft mit dem neo-impressionistischen Maler (und Alkoholiker) Maurice Utrillo (1883-1955) und dem deutschen Maler Ludwig Meidner (1844- 1966), der Modigliani als den „ letzten, wahren Bohemien“ beschrieb (Doris Krysto f , Modigliani ). Seine Mutter schickte ihm zwar das Geld, das sie entbehren konnte, doch musste Modigliani hä ufig seine Unterkunft wechseln und bisweilen sogar seine Arbeiten zurü cklassen, wenn er sich Hals ü ber Kopf davonmachte, weil er die Miete nicht beza hlen konnte. Fernande Olivier (1881-1973), die erste Freundin Pablo Picassos in Paris, beschreibt in ihrem Buch Picasso und seine Freunde eines der Quartiere Modiglianis:
„ Ein Podest auf vier Füß en in einer Ecke des R aumes. Ein kleiner und rostiger Ofen, auf dem eine Waschschü ssel aus Terrakot ta stand; d aneben l agen auf einem weiß en Holztisch ein Handtuch und ein Stü ck Seife. In einer anderen Ecke diente eine schwarz angestrichene, schmale und schä bige Kiste als Sofa. Ein Korbstuhl, Staf feleien, Leinw ä nde in allen Größ en, auf dem Boden verstreute Farbtuben, Pinsel, Behä lter fü r Terpentinö l, ein Gefäß mit Salpetersä ure (fü r R adierungen) und keine Vorhä nge.“
Modigliani war eine der prominenten Figuren im Bateau-Lavoir, dem berü hmten Gebä ude, in dem viele Kü nstler, wie beispielsweise Picasso, ihre Ateliers hatten. Seinen Namen verdankt es wohl dem Bohemien und Schriftsteller Max Jacob (1876-1944), einem Freund Modiglianis und Picassos. Es war zu dieser Zeit im Bateau-Lavoir, als Picasso Les Demoiselles d ’ A vignon malte, die radikale und den Beginn des Kubismus markierende Darstellung einer Gruppe von Prostituierten. Auch andere Kü nstler trieben im Bateau- Lavoir die Entwicklung des Kubismus voran, darunter die Maler Georges Braque (1882- 1963), Jean Metzinge r (1883-1956), Marie Laurencin (1885-1956), Louis Marcoussis (1883- 1941) und die Bildhauer Juan Gris (1887-1927), Jacques Lipchitz (1891-1973) und Henri Laurens (1885-1954). Die lebhaften Farben und der freie Stil des Fauvismus erfreuten sich zu jener Ze i t groß er Beliebtheit und Modigliani lernte die Fauvisten des Bateau-Lavoir kennen, darunter André Derain (1880-1954), Maurice de Vlaminck (1876-1958), den expressionistischen Bildhauer Manolo (Manuel Martinez Hugué , 1876-1945) sowie Chaim Soutine (1893-19 4 3), Moï se Kisling (1891-1953) und Marc Chagall (1887-1985).
In seinen Porträ ts hat Modigliani viele jener Kü nstler festgehalten. Neben Max Jacob fü hlten sich auch andere Schriftsteller zu dieser Gemeinschaft hingezogen, darunter der Dichter und Kunstkritik er (und Liebhaber von Marie Laurencin) Guillaume Apollinaire (1880-1918), der Surrealist Alfred Jarry (1873-1907), der Schriftsteller, Philosoph und Fotograf Jean Cocteau (1889-1963) – mit ihm verband Modigliani ein zwiespä ltiges Verhä ltnis – und André Sa l mon (1881-1969), der spä ter einen fü r die Bü hne bearbeiteten Roman ü ber das unkonventionelle Leben Modiglianis schrieb. Auch die amerikanische Schriftstellerin und Kunstsammlerin Gertrude Stein (1874-1946) und ihr Bruder Leo zä hlten zu den regelmäß igen Be s uchern im Bateau-Lavoir.
Von seinen Freunden „ Modi“ genannt, zweifellos ein Wortspiel mit dem Begriff „ peintre maudit“ (verfluchter Maler), war er selbst davon ü berzeugt, dass sich die Bedü rfnisse und Wü nsche des Kü nstlers von denen gewö hnlicher Menschen u nterschieden. Daraus leitete er ab, dass auch sein Leben anders beurteilt werden sollte – eine Theorie, auf die ihn die Lektü re von Autoren wie Friedrich Nietzsche (1844-1900), Charles Baudelaire (1821-67) und Gabriele d´ Annunzio (1863-1938) brachte. Modi g liani hatte zahllose Affä ren, trank reichlich und nahm Drogen. Von Zeit zu Zeit kehrte er jedoch nach Italien zurü ck, um seine Familie zu besuchen und um sich zu erholen. In seiner Kindheit hatte Modigliani unter einer Rippenfellentzü ndung und Typhus geli t ten, Krankheiten, von denen er sich nie wieder vollstä ndig erholte. Verschä rft wurde sein bedenklicher Gesundheitszustand durch den stä ndigen Geldmangel und sein unstetes und zü gelloses Leben. Als er an Tuberkulose starb, war seine junge Verlobte Jeanne H é buterne gerade mit dem zweiten gemeinsamen Kind schwanger. Doch ohne ihn erschien ihr das Leben unerträ glich und sie nahm sich am Morgen nach seinem Tode das Leben.


1. Modigliani bei seiner Ankunft in Paris im Jahre 1906 . Fotografie, Archiv Billy Klü ver.


2. Die Jü din , 1908. Ö l auf Leinwand, 55 x 46 cm . Privatsammlung, Paris.


3. Kopf einer jungen Frau , 1908. Ö l auf Leinwand. Privatsammlung.


4. Studie fü r eine Kar yatide , um 1913. Tinte und Bleistift. Privatsammlung.


5. Studienblatt mit afrikanischer Plastik und Kar yatide , um 1912/13. Blei stift, 26,5 x 20,5 cm. Mr. und Mrs. James W. Alsdorf, Chicago.
Von der Tradition zur Moderne . Eine Neuinterpretation der klassischen Werke
Modiglianis erster Lehrer, Guglielmo Micheli (gest. 1926), war ein Anhä nger der Macchiaioli- Schule der italienischen Impressionisten. Bei ihm lernte der Schü ler die Natur zu beobachten und die Beobachtung als reine Empfindung zu begreifen. Er besuchte Kurse, in denen er Objekte der belebten Umwelt in traditioneller Weise zeichne t e und vertiefte sich in die italienische Kunstgeschichte. Schon frü h interessierte er sich fü r Aktstudien und das klassische Konzept der idealen Schö nheit. In den Jahren 1900 und 1901 besuchte er Neapel, Capri, Amalfi und Rom, kehrte ü ber Florenz und Vene d ig zurü ck und studierte auf dieser Reise viele Meisterwerke der Renaissance im Original. Groß en Eindruck machten auf ihn die Kü nstler des 13. Jahrhunderts (trecento), vor allem Simone Martini (etwa 1284-1344) mit seinen feinen Kompositionen und Farben. Ma r tinis von zarter Traurigkeit durchflutete, lang gestreckte und schlangenfö rmige Figuren waren die Vorlä ufer der gewundenen Formen und der Leuchtkraft, die das Werk Sandro Botticellis (etwa 1445-1510) auszeichnen. Von beiden Kü nstlern ließ sich Modigliani s tark beeinflussen. Er ü bernahm fü r seinen Stehenden Akt (Venus) von 1917 und fü r seine Rothaarige junge Frau im Hemd (1918) die Pose der Venus in Botticellis Die Geburt der Venus (1482) und variierte diese Pose spiegelverkehrt fü r seinen Sitzenden Akt mit Halskette (1917).
Auch die Skulpturen Tino di Camainos (etwa 1285-1337) mit ihrer Mischung aus Schwere und Unkö rperlichkeit, der typisch schrä gen Haltung des Kopfes und den ausdruckslosen Mandelaugen beflü gelten die Vorstellungskraft Modiglianis. Seine ver wundenen Kompositionen und ü berdehnten Figuren wurden mit denen der Manieristen der Renaissance verglichen, besonders mit Parmigianino (1503-1540) und El Greco (1541-1614). Modiglianis nicht-naturalistische Verwendung von Farbe und Raum lä sst deutliche Pa r allelen zum Werk von Jacopo da Pontormo (1494-1557) erkennen. Fü r seine Aktreihen ü bernahm Modigliani den Aufbau vieler berü hmter Akte der Hochrenaissance, darunter solche von Giorgione (etwa 1477- 1510), Tizian (etwa 1488-1576), Jean-Auguste-Dominique In g res (1780-1867) und Velá zquez (1599-1660), vermied aber deren Romantisierung und kunstvoll dekorativen Charakter. Darü ber hinaus war Modigliani auch mit den Arbeiten von Francisco de Goya (1746-1828) und Edouard Manet (1832-1883) vertraut – Kü nstler, die K ontroversen entfacht hatten, weil sie weibliche Akte realistisch malten und damit die kü nstlerische Konvention brachen, nach der Akte in mythologische, allegorische oder historische Szenen einzuordnen seien.


6. Madame Pompadour , 1905. Detail. Ö l auf Leinwand, 61,1 x 50,2 cm. Art Institute of Chicago.


7. Kopf , 1911-1912. Kalkstein, 50 x 19 x 19 cm . Privatsammlung.


8. Kopf , 1911-1 912. Kalkstein, 71,1 x 16,5 x 23,5 cm . Philadelphia Museum of Art, Philadelphia.


9. Kopf , 1912. Musé e National d ’ Art Moderne, Paris.


10. Kopf , circa 1915. Kalkstein, 56,2 x 12,7 x 37,4 cm. Museum of Modern Art, New York.
Entdeckung neuer Kunstformen
Antike Kunstformen, andere Kulturen und der Kubismus beeinflussten Modigliani schließ lich derart, dass sein eigenes Schaffen immer weniger von der Kunst der Vergangenheit geprä gt wurde. Afrikanische Skulpturen und antike griec hische Figuren der Kykladenkultur waren im Paris der Jahrhundertwende ü beraus populä r. Picasso importierte zahlreiche afrikanische Masken und Skulpturen; die Kombination aus ihrer einfachen, abstrakten Gestaltung und dem Einsatz einer Vielzahl von Perspek t iven inspirierte den Kubismus unmittelbar.
Modigliani war tief davon beeindruckt, wie afrikanische Bildhauer aus massiven Materialien abstrakte und gleichzeitig ansprechende Plastiken herstellten, die dekorativ waren und dennoch ohne unwesentliche Details auskamen. Ein Beleg fü r sein Interesse an diesen Arbeiten ist das Studienblatt mit afrikanischer Plastik und Karyatide (um 1912/13). Er schuf eine Reihe von afrikanisch inspirierten Steinhä uptern (etwa 1911-1914), die er „ Sä ulen der Zä rtlichkeit“ nannte u n d die spä ter Bestandteil eines „ Tempels der Schö nheit“ werden sollten.
Durch seinen Freund, den rumä nischen Bildhauer Constantin Brancusi (1876-1957), kam Modigliani erstmals mit antiken Figuren der Kykladenkultur in Berü hrung, die ihn zusammen mit dessen Arbeiten zu seinen Karyatiden inspirierten. Sein Interesse galt nä mlich der Darstellung solider Stabilitä t, und die Karyatiden boten sich als Motiv an, weil sie als Lasten tragende Strukturen mä chtig und graziö s zugleich sein mussten. Gleichwohl enthü llen die Details in seinen Karyatiden sein modernes Bewusstsein fü r Sexualitä t und spiegeln den Wunsch wider, ein Gefü hl fü r die sinnliche Weiblichkeit der Figuren zu vermitteln.
Die Pose der Karyatide (um 1914), mit ihren hinter dem Kopf verschrä nkten Armen wi rd indes hä ufig mit Schlaf assoziiert und nimmt die Pose des Schl afenden Aktes mit geö f f neten Ar men (Akt in Rot) von 1917 vorweg. Die Karyatide ist zwar schlank, doch ihr Bauch und die massiven Schenkel reflektieren die fü lligen, runden Arme und den Ko pf. In ihrer Pose klingt der in der Renaissance hä ufig verwendete Kontrapost an und zeigt auch Modiglianis Gefü hl fü r die Geschmeidigkeit ihres Kö rpers und die Sinnlichkeit ihrer Rundungen. Noch ü ppiger sind die Kurven der Karyatiden in Rosa (1913-14), be i denen der Kü nstler verschwenderisch mit leuchtenden Farben arbeitete. Ihre Darstellung beruht im Wesentlichen auf einer Komposition von Kreisen, die in hohem Maß e geometrisch wirken. Es war diese kubistische Denkart, als Weiterentwicklung der Ideen Cé zan n es, die Modigliani dazu veranlasste, seine Karyatiden zu solchen geometrischen Formen zu stilisieren. Trotz ihrer Sinnlichkeit wirken die ausgewogenen Kreise und Kurven dieser Figuren weniger naturalistisch als vielmehr sorgfä ltig arrangiert.
Ihre Kurven sind erste Anzeichen fü r die schwingenden Linien und den geometrischen Ansatz, die sich in spä teren Akten Modiglianis wie etwa Liegender Akt wiederfinden.
Beim Zeichnen der Karyatiden konnte Modigliani das dekorative Potenzial verschiedener Pos ituren sehr viel besser ausschö pfen, als es ihm mit Plastiken mö glich gewesen wä re. Die erhobenen Arme der Karyatide (1911/12) verleihen ihr die stilisierte Positur einer Balletttä nzerin.
Sie ist schlanker als die meisten Karyatiden Modiglianis und auch ih re Kö rperformen – von ihren vollen, runden Brü sten und den geschwungenen Linien ihrer Hü ften und Schenkel abgesehen – sind fü r Modigliani untypisch eckig. In ä hnlicher Weise hä lt die Karyatide (1910/11) ihren Kopf schrä g und winkelt ein Bein an.
Die Betonu ng des erhobenen Schenkels und der spitzen Brust in Kar yatide (etwa 1912/13) verdeutlicht Modiglianis Absicht, die Figur als sexuelles Wesen darzustellen.
Die Kar yatide (1918) blickt den Betrachter an und ist wohl ein Vorlä ufer der stehenden Akte Modiglianis. Ebenso offensichtlich wie die geometrische Komposition dieser Figur ist die Reduzierung auf einfache Formen. Die Kar yatide von 1913 ist eine sorgfä ltiger ausgearbeitete Version des gleichen Motivs mit zarten Details au f Brustwarzen und Nabel. Die sanfte Rundung des rechten Beins in Hö he des Knies verleiht der Figur Leben und Menschlichkeit. Wie Perlenketten erscheinen die eigenwillig strukturierten Linien ü ber dem Bauch und betonen die konische Form ihres Unterleibes u n d das sexuelle Dreieck zwischen ihren Schenkeln.


11. Bil dnis von Beatrice Hastings , 1915. Ö l auf Karton, 69 x 49 cm . Fondazione Antonio Mazzotta, Mailan d.


12. Antonia , circa 1915. Ö l auf Leinwand, 82 x 46 cm . Musé e de l ’ Orangerie, Paris.


13. Portrait von Max Jacob , circa 1916. Ö l auf Leinwand, 91 x 58 cm . Privatsammlung, Paris.


14. Paul Guillaume, Novo Pilota , c.1916-20. Ö l auf Karton, 105 x 75 cm. Musé e de l ’ Orangerie, Paris.
Der Stehende Akt (1911/12) fungiert nicht lä nger als Lasten tragende Karyatide, so ndern stellt eine wirkliche Aktstudie dar, bei der sich der Kü nstler dem menschlichen Kö rper auf architektonische Weise genä hert hat. Ihre verschrä nkten Arme umrahmen die deutlich konturierten Brü ste, wä hrend ihre Gesichtszü ge abstrakt bleiben und denen e i ner afrikanischen Maske gleichen. Die Skizze Sitzender Akt (etwa 1910/11) ist eine Aktzeichnung im eigentlichen Sinne und dokumentiert den Ü bergang Modiglianis von den Karyatiden zur wirklichen Aktmalerei. Indem er die Kö rperkonturen der Figur schwingen lä sst, nä hert er sich auf ausdrucksvollere Weise ihrer Erotik.
Von den Skulpturen der Karyatiden ist nur eine einzige Karyatide (1914) erhalten. Im Unterschied zu seinen Steinhä uptern ist sie nur grob behauen – entweder verzichtete Modigliani auf ihre Fertig stellung oder er beließ sie mö glicherweise auch in diesem Rohzustand, um ihr ein kraftvolleres Erscheinungsbild zu geben. Obwohl ihre Pose denen der gezeichneten Karyatiden ä hnelt, sind die Formen massiv und sperrig, weniger geometrisch und naturalistisch e r in den Details. Die Darstellung der Brü ste und des Bauches zeigt Modiglianis Verstä ndnis der Kö rpermuskulatur und sein Interesse daran, solide Formen auch an den schwierigen Stellen, wie dem Bereich zwischen Brust, Hals und Armen, aufzulö sen.
Die Einflü s se von Cé zanne und den Expressionisten zeigen sich deutlich in den strengen Zü gen der Nudo Dolente (1908), einem frü hen Akt Modiglianis, dem die ü ppige Sexualitä t seiner spä teren Akte fehlt. Das Bild ist eher verstö rend als attraktiv, obwohl das nach oben gerichtete Gesicht mit dem vollen, leicht geö ffneten Mund und halb geschlossenen Augen auf einen Zustand der Ekstase – vielleicht der Agonie, vielleicht der Lust – schließ en lä sst. Das Gemä lde illustriert Modiglianis Bereitschaft zu stilistischen Experime n ten und verdeutlicht seine kü nstlerische Kraft und Leidenschaft.
Im Jahre 1909 zog Modigliani, wie viele andere Kü nstler zu dieser Zeit, nach Montparnasse, wo sein Freund Brancusi lebte. Das Café du Dome auf der Sü dseite des Boulevard du Montparnasse war besonders bei deutschen Kü nstlern beliebt, wä hrend das Café de La Rotonde im Norden des Boulevards vor allem von dem japanischen Maler Tsuguhara Fujita (1886-1968) und seinen Freunden oft und gern besucht wurde.
Der Einfluss der innovativen Maler des ausgehenden 19. Jahrhunderts wie Paul Gauguin (1848-1903) und „ le douanier“ (frz.: der Zö llner) Henri Rousseau (1844-1910) war noch spü rbar; gleichzeitig entwickelten bereits jü ngere Kü nstler wie André Derain und die Fa u visten, Pablo Picasso, Ossip Zadkine (1890-1967) und die Kubisten ihre ganz eigenen Stile. Der Austausch muss phä nomenal gewesen sein und auch Kunsthä ndler und Sammler wie Paul Guillaume (1891-1934), den Modigliani im Jahre 1914 kennen lernte, und Leopold Zborowski (1889-1932), mit dem er sich um 1916 anfreundete, kamen hä ufig in das Viertel. In diesem Schmelztiegel der Ideen setzte sich Modigliani zunä chst mit einer Vielzahl von Stilen auseinander, bevor er seinen eigenen Weg fand. Die Innovationen folgte n so rasch aufeinander, dass die ursprü nglichen Kubisten bereits neuen Ideen nachgingen, als
Modigliani seinen kubistischen Stil afrikanischer Prä gung entwickelte.
In seiner Studie fü r eine Karyatide lassen sich deutliche Parallelen zu Picassos Les Demoiselles d ’ Avignon erkennen, vor allem hinsichtlich der winkligen Positur, der schweren, erhobenen Arme und der unterschiedlichen perspektivischen Darstellungen.


15. L ’ Enfant gras , 1915. Ö l auf Leinwand, 45,5 x 37,5 cm . Pinacoteca di Brera, Mailand, Vermä chtnis Lamberto Vitalis.


16 . Mä dchen mit Zö pfen (Die rosa Bluse) , 1917. Ö l auf Leinwand, 60 x 44,4 cm . Privatsammlung.


17. René e die Blonde , 1916. Ö l auf Leinwand, 61 x 38 cm . Museo de Arte, Sao Paulo.

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