Anthonis van Dyck
58 pages
German, Middle High (ca.1050-1500)

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Anthonis van Dyck , livre ebook

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Description

Van Dyck war Schüler und Mitarbeiter von Rubens. Als er Italien bereiste, lebte er in den Palästen seiner Gönner und trat selbst so vornehm und elegant auf, dass man ihn den “Malerkavalier” nannte. Er wurde 1632 zum Hofmaler des englischen Königs Karl II. (1630 bis 1685) ernannt. Seine beiden letzten Lebensjahre verbrachte er mit seiner jungen Frau auf einer Reise durch Europa. Doch seine Gesundheit war von der vielen Arbeit geschädigt, und er kehrte nach London zurück, um dort zu sterben. Seine letzte Ruhestätte fand er in der St. Paul’s Cathedral.
Sein eigentlicher Ruhm gründet in seinen Portraits. Bei diesem Genre fand er zu einem überaus eleganten und raffinierten Stil, der das luxuriöse höfische Leben haargenau erfasste und zu einem Vorbild für die Künstler des 17. und 18. Jahrhunderts wurde. Van Dyck war bestrebt, die italienischen Einflüsse (Tizian, Veronese, Bellini) mit der flämischen Tradition zu verschmelzen. Dort, wo ihm das gelang, haben seine Gemälde eine wunderbare Anmut, vor allem seine Madonnen und Hl. Familien, seine Kreuzigungen und Kreuzesabnahmen und auch manche seiner mythologischen Darstellungen. Doch was die Portraitkunst anbelangt, konnte ihm niemand das Wasser reichen, außer vielleicht die großen englischen Portraitmaler des 18. Jahrhunderts, die ihn sich zum Vorbild nahmen.

Sujets

Informations

Publié par
Date de parution 09 décembre 2019
Nombre de lectures 0
EAN13 9781644618561
Langue German, Middle High (ca.1050-1500)
Poids de l'ouvrage 12 Mo

Informations légales : prix de location à la page 0,035€. Cette information est donnée uniquement à titre indicatif conformément à la législation en vigueur.

Exrait

NATALIA GRITSAI





Van Dyck
1599–1641
Text: Natalia Gritsai
Einband: Stéphanie Angoh
Layout: Griet De Vis
© Confidential Concepts, Worldwide, USA
© Parkstone Press USA, New York
© Image Bar www.ima g e-bar.com
ISBN: 978-1-64461-856-1
Weltweit alle Rechte vorbehalten.
Soweit nicht anders vermerkt, gehört das Copyright der Arbeiten den jeweiligen Fotografen. Trotz intensiver Nachforschungen war es aber nicht in jedem Fall möglich, die Eigentumsrechte festzustellen. Gegebenenfalls bitten wir um Benachrichtigung.
Inhalt
VAN DYCKS BILDER IN DER ERMITAGE DIE GESCHICHTE DER SAMMLUNG
DIE ERSTE ANTWERPENER PERIODE UM 1616-1621
DIE ITALIENISCHE PERIODE 1621-1627
DIE ZWEITE ANTWERPENER PERIODE 1628-1632
DIE ENGLISCHE PERIODE 1632-1641
LEBENSLAUF
LITERATURVERZEICHNIS
INDEX DER WERKE
ANMERKUNGEN
VAN DYCKS BILDER IN DER ERMITAGE DIE GESCHICHTE DER SAMMLUNG
Der Name des flämischen Malers aus dem 17. Jahrhundert, Anthonis van Dyck (1599–1641), ist zum Symbol für Eleganz und auserlesenen Geschmack geworden. Van Dyck hat die Kunst um ein wesentliches Moment bereichert — um die bis dahin ungewohnte Art, sich dem Modell zu nähern. Er nimmt die menschliche Gestalt als lebendiges und unnachahmliches Individuum wahr, das sich erst in seiner Beziehung zum unmittelbaren Kontext offenbart. Als Porträtmaler genoss van Dyck bereits zu Lebzeiten größte Anerkennung. Diese betraf sein gesamtes Œuvre — die Werke aus der Jugendzeit, die Gemälde der späteren Schaffensperioden und ebenso seine Graphik. Wachsende internationale Anerkennung wurde insbesondere jedoch dem Porträtisten van Dyck zuteil. Als solcher erhielt er dann auch seinen Platz in der Geschichte der europäischen Kunst des 17. Jahrhunderts. Anthonis van Dyck besaß einen immensen Arbeitseifer, er war ein “Arbeiter der Palette” und schuf bereits in seinen Jünglingstagen mehr Bilder als andere Maler in ihrem ganzen Leben.
Er beherrschte nicht nur die Porträtkunst in meisterhafter Weise, sondern ebenso andere Gattungen der Malerei: Historienbilder, allegorische Darstellungen, Landschaftsmalerei, und er war in der Lage, jede beliebige Aufgabe seines Faches zu lösen. Vielfach verknüpften sich dabei die Genres: In seinen Sujets ist oft der Blick des Porträtmalers zu fühlen und seine Bildnisse enthalten immer auch ein wenig Historisches. Die von van Dyck geschaffenen Porträts wiederum sind selbst äußerst vielfältig. Die Palette seiner Möglichkeiten erscheint nahezu unendlich und reicht von flüchtigen, unterwegs oder aus dem Gedächtnis gezeichneten Skizzen bis zu sorgfältigsten Naturstudien, von Kabinettbildern bis zu monumentalen Bildnissen. Dann und wann schuf er auch ein „Portrait histoire“, eine nicht des Humors entbehrendende Darstellungsform, in welcher die porträtierte Person mal in der Gestalt einer Figur aus der antiken Mythologie, mal im Gewand eines Helden aus einem zeitgenössischen Theaterstück posiert.
Das Gesamtwerk seiner Porträtmalerei ist ein getreues Abbild seiner Zeit und lässt die Zeitgenossen dieses Malers lebendig werden. Zugleich spiegelt sich in diesen Bildnissen seine Idealvorstellung vom Menschen wider. Als van Dyck lebte, stand der kleine Staat der südlichen Niederlande, den man nach seinem bedeutendsten Landstrich „Flandern“ nannte, am Beginn einer neuen kunstgeschichtlichen Epoche. Es war die Zeit des Aufschwungs und der dann folgenden prachtvollen Entfaltung einer eigenen nationalen Schule der Malerei.
Nach der niederländischen Revolution hatten sich gegen Ende des 16. Jahrhunderts die sieben nördlichen Provinzen zu einer Union („Holland“) vereinigt und vom Süden des Landes getrennt. Diese Unions-Provinzen gründeten die „Republik der Vereinigten Niederlande“. Der südliche Landesteil verblieb unter spanischer (katholischer) Herrschaft und enstprechendem Einfluss. Selbstverständlich blieb auch die niederländische Kunst von diesen politischen Ereignissen nicht unbeeinflusst, es entstanden zwei selbständige nationale Schulen — die holländische und die flämische.
In der flämischen Kunst des 17. Jahrhunderts dominierte eine alles überragende Künstlerpersönlichkeit —- Peter Paul Rubens (1577–1640). Er hatte die erste reguläre Schule für Malerei begründet. Mit seinem Œuvre beschritt er völlig neue, für die flämische Kultur bis dahin unbekannte Wege, indem er Gegenwärtiges mit einer Kunst verband, die von hohem humanistischem Pathos durchdrungen war, erfüllt von einer auffallend emotionalen, dynamischen, leidenschaftlich-kraftvollen Lebensbejahung. Van Dyck setzte Rubens’ künstlerische Offenbarungen auf seine eigene Weise um und hat im Genre der Bildnismalerei eine unübertroffene Größe erreicht.
Dieser Publikation liegt die umfangreiche Sammlung von Bildnissen van Dycks zugrunde, die sich in der Staatlichen Ermitage in St. Petersburg befindet. Wir können hier fast alle Exponate zu van Dyck zeigen, die unser Museum beherbergt. Einige Gemälde des Meisters aus anderen Museen runden diese Darstellung ab. Die Gemäldegalerie der Ermitage umfasst Arbeiten van Dycks aus allen Perioden seines künstlerischen Schaffens — der ersten und zweiten Antwerpener, der italienischen und der englischen Zeit und ist zugleich Hauptbestandteil der Abteilung „Flämische Meister“. Hier findet man außerdem eine beträchtliche Anzahl weiterer bedeutender Gemälde von Meistern dieser Epoche: Rubens, van Dyck, Jordaens, Snyders. Alle diese Gemälde stammen aus früheren Sammlungen und führen uns damit bis in das 18. Jahrhundert zurück. Der größte Teil unserer Gemäldesammlung besteht aus den Werken, die die jeweiligen Künstler außerhalb ihrer flämischen Heimat in verschiedenen Ländern Westeuropas geschaffen haben. In Paris, dem Zentrum des europäischen Kunsthandels, waren diese Bilder besonders begehrt.
Paris war seit den 60er Jahren des 18. Jahrhunderts auch zur besonderen Quelle für die Erweiterung der rasch anwachsenden Gemäldegalerie der St. Petersburger Ermitage geworden. Die Gründung dieses „Lieblingskindes der Aufklärungszeit“ geht auf Katharina II. (1762–1796) zurück. 1764 übernahm sie die Gemäldesammlung des Berliner Kaufmanns Joh. Ernst Gotzkowsky, der dem russischen Gesandten in Berlin, V. S. Dolgorukow alle von ihm gesammelten Werke angeboten hatte, um dem russischen Fiskus gegenüber seine Steuerschulden begleichen zu können. Somit gilt das Jahr 1764 als Gründungsjahr der Ermitage. Katharina II. vermochte es, herausragende Kunstsachverständige als Mittelsmänner und Experten hinzuzuziehen. Zu ihnen gehörten u.a. der berühmte französische Philosoph und Kunstkritiker Denis Diderot, der Bildhauer Etienne Maurice Falconet, der Enzyklopädist Melchior Grimm und Fürst Dimitri Alexejewitsch Golizyn, der den hochrangigen Posten des russischen Gesandten in Paris und später in Den Haag bekleidete.


1. Bildnis Philadelphia und Elisabeth Wharton , 1640, Ermitage, St. Petersburg.


2. Charles I. und Henriette-Marie mit ihren ältesten Kindern, 1632. Sammlung Ihrer Majestät Königin Elizabeth II .


3. Selbstbildnis , 1630er Jahre, Galleria degli Uffizi, Florenz.


4. Alexej Antropow, Bildnis Katharina II., 1762, Museum für Geschichte und Kunst, Zagorsk.
Golizyn war eine der gebildetsten Persönlichkeiten seiner Zeit, befreundet mit Diderot und Falconet und zudem Ehrenmitglied der Petersburger Akademie der Künste. Im Auftrag der Zarin widmete er sich nun vorrangig dem Ankauf von Gemälden für die Ermitage. Er unterhielt enge Beziehungen zu Diderot, Grimm und sogar zu dem Genfer Kunstsammler François Tronchin, der wiederum über Verbindungen zu Pariser Kunstkreisen verfügte. Golizyn ließ keine Möglichkeit ungenutzt, Interessantes zu erwerben. Deshalb besuchte er ständig die Auktionen in Paris, Den Haag und Amsterdam und verhandelte zuweilen auch direkt mit den Besitzern der Gemälde.
Vermutlich war dies auch (vor 1774) beim Ankauf des Gemäldes Familienbildnis der Fall, das eines der schönsten Bilder van Dycks ist, das die Ermitage besitzt. Übereinstimmenden Auskünften zufolge [1] erhielt die Zarin dieses Meisterwerk von einer gewissen Frau Groenbloedt aus Brüssel. Diese wiederum hatte es im Zuge der Auflösung der Gemäldesammlung Lalive de Jully in Paris erworben.
Der Großteil der Gemälde van Dycks, die sich heute in der Ermitage befinden, stammt aus zwei berühmten Sammlungen aus der Regierungszeit Katharinas II.: 1772 erwarb sie in Frankreich die Kollektion Crozat [2] und 1779 in England die Gemäldegalerie des Lords Walpole. [3] Erstere bereicherte die Ermitage um elf Werke van Dycks, die zweite um 14 Bilder. 1783 wurde in Frankreich die berühmte Pariser Sammlung des Grafen Baudouin gekauft, wodurch weitere fünf Porträts van Dycks [4] in die Ermitage gelangten.
Aus weniger bekannten französischen Gemäldesammlungen des 18. Jahrhunderts kamen später noch weitere zwei Werke hinzu, deren genaue Herkunft nicht feststeht, [5] außerdem zwei Porträts, die erst in unserem Jahrhundert (1932) in das Museum kamen. Sie waren irgendwann einmal in die Sammlung des Grafen A. S. Stroganow gelangt, der sie während seiner Aufenthalte in Paris (1769 und 1779) gekauft hatte. [6]
Somit verdankt die Ermitage den französischen Sammlungen überwiegend van Dycks Bilder aus den beiden Antwerpener Perioden und aus der italienischen Schaffensphase. Aus der Galerie Walpole stammen nahezu alle Meisterwerke aus der Zeit seiner Aufenthalte in England. Dazu gehören insbesondere die Porträts der Familie Wharton, die Robert Walpole etwa 1725 in Winchendon aus dem Besitz des letzten Vertreters der Familie erwarb.
Die solchermaßen zusammengestellte Gemäldesammlung spiegelt selbstverständlich den Geschmack der Sammler des 18. Jahrhunderts wider. Die Kunstsammler aus dem Europa jener Zeit schätzten van Dyck vor allem wegen seiner meisterhaften Bildnismalerei und sammelten deshalb naturgemäß vorwiegend seine Porträts.
Das Niveau der Sammlungen, aus denen wiederum die Ermitage ihre Werke van Dycks bezogen hatte, vor allem das der Sammlung Crozat, war ungewöhnlich hoch. Es mag der Hinweis genügen, dass es in der Mitte des 18. Jahrhunderts in Paris keine weitere Gemäldesammlung gab, die mit dieser auch nur annähernd zu vergleichen war. Es war daher nicht zufällig, dass der französische Kunstsammler, Graveur und Verleger Pierre-Jean Mariette sich in seiner Abhandlung über van Dyck hauptsächlich auf Beispiele aus dieser Sammlung bezog. Dazu gehören z.B. solch berühmte Meisterwerke wie das Selbstbildnis , Bildnis Eberhard Jabach , Marc-Antoine Lumagne und das Bildnis eines Mannes, das lange als Darstellung des Antwerpener Arztes Lazarus Maharkyzus galt.
Auch im England des 18. Jahrhunderts sahen die Maler und Liebhaber der Malerei in van Dyck in erster Linie den großartigen Porträtisten. „Van Dyck ist der bedeutendste Porträtmaler, den es jemals gegeben hat“, äußerte sich, absolut begeistert, der bekannte englische Maler und erste Präsident der Königlichen Kunstakademie London, Joshua Reynolds. In ganz ähnlicher Weise bezeichnete der Maler und Graveur William Hogarth in seiner Abhandlung Analyse der Schönheit (1733) den flämischen Meister als den „in vielerlei Hinsicht besten Porträtmaler, den wir überhaupt kennen“. [7] Es verwundert also kaum, dass auch in den englischen Sammlungen die Porträts van Dycks dominieren. Die Sammlung Walpole bildet hier keine Ausnahme. Sie enthält eine einzige Sujetkomposition van Dycks: Die Ruhe auf der Flucht nach Ägypten (auch: Madonna mit den Rebhühnern ), ein Meisterwerk seiner zweiten Antwerpener Periode.
Zuweilen verließen, aus unterschiedlichen Gründen, einige Arbeiten van Dycks die Ermitage wieder. So wurde in den 1930er Jahren das aus der Sammlung Walpole stammende Porträt Lord Philipp Wharton weggegeben, das man damals Rubens zuschrieb. Tatsächlich aber ist es eines der Frühwerke van Dycks und vor seiner Abreise nach Italien entstanden. Es befindet sich heute mit drei weiteren Werken in der Nationalgalerie in Washington: Isabella Brant und Suzanna Fourment mit Tochter sowie das Bildnis einer jungen Dame (in Ergänzung zu dem Bildnis eines jungen Mannes ), das der ersten Antwerpener Schaffensperiode zuzurechnen ist. Nach Moskau wurden 1924 und 1930 drei Gemälde gegeben, die sich jetzt im dortigen Puschkin-Museum befinden: Jan van de Wouwer , Adriaen Stevens und Bildnis der Gattin des Adriaen Stevens . Diese Kunstwerke kamen 1783 aus der Pariser Sammlung des Grafen Baudouin in die Ermitage und gehören der zweiten Antwerpener Schaffensperiode an.
Die Porträts van Dycks, die die Ermitage heute besitzt, geben nahezu sämtliche Genres wieder und verdeutlichen so zugleich die Entwicklung seines Schaffens. Neben offiziellen Auftragsarbeiten finden sich solche, die der Meister für sich selbst oder für ihm nahestehende Personen geschaffen hat, wobei er wohl vor allem der Stimme seines Herzens folgte. In der Ermitage fehlen nur jene großen Porträts, die der Künstler während seines Italienaufenthalts schuf. Der Reichtum und die Vielfalt der Sammlung unseres Museums erlaubt nicht nur, den künstlerischen Werdegang van Dycks zu verfolgen, sondern auch, sich von der Virtuosität zu überzeugen, mit der er das Handwerk eines Porträtisten meisterte. Die großartige Vielseitigkeit, mit der er — je nach der vor ihm stehenden Aufgabe — die Mittel, die technische Verfahrensweise und die kompositorische Lösung wählte wird deutlich.


5. Bildnis Isabella Brant , um 1621, National Gallery of Art, Washington.


6. Familienbildnis , 1621, Ermitage, St. Petersburg.


7. Hofdamen, die Gräfin Morton und Anne Wirke , Ende 1630er Jahre, Ermitage, St.Petersburg.
DIE ERSTE ANTWERPENER PERIODE UM 1616-1621
Van Dycks Leben war kurz, und als ob er sein frühes Ende geahnt hätte, arbeitete er ständig an seiner Vervollkommnung. Van Dyck stammte aus einer wohlhabenden bürgerlichen Familie. Sein Vater, Frans van Dyck, war ein bedeutender Tuchhändler. Anthonis van Dyck wurde am 22. März 1599 in Antwerpen als siebtes Kind der Familie geboren und hatte noch zehn Geschwister. Die Mutter, Maria Cuypers, starb nach der Geburt des zwölften Kindes, als Anthonis gerade 8 Jahre alt war. Biographen vermerken, dass sie eine meisterhafte Stickerin war und einige historische Szenen mit „derart bewundernswerter Geschicklichkeit“ angefertigt hatte, dass Meister dieses Faches sie zu den ganz Großen zählten. [8] Es ist also durchaus denkbar, dass sie ihren Sohn den ersten Umgang mit Pinsel und Farben lehrte.
Im Elternhaus erfuhr Anthonis eine äußerst gediegene Erziehung und erhielt auch Musikunterricht. Er fiel schon frühzeitig durch seine außergewöhnlichen Begabungen auf und wurde als Wunderkind betrachtet. Frans van Dyck war ein Verfechter der alten Traditionen des flämischen Bürgertums und strebte für den Sohn einen sicheren Beruf, also ein Handwerk, an. Die Malkunst galt in Antwerpen von jeher als angesehenes Gewerbe. Da bei Anthonis dieses Talent besonders deutlich ausgeprägt war, übernahm Hendrik van Balen, einer der führenden Maler Antwerpens, den Unterricht des Zehnjährigen.
Van Balen führte eine der größten Werkstätten der Stadt und hatte durch seine Arbeiten mit historischen, allegorischen und mythologischen Sujets in „Kabinettmanier“ [9] Berühmtheit erlangt. Die kleinen Figuren in seinen Bildern wirken puppenhaft-gläsern und kühl und strahlen dennoch eine gewisse Eleganz aus. Nichtsdestoweniger malte van Balen — vor allem für Kirchen — auch Monumentalgemälde mit großen Figuren, z.B. die Verkündigung (St. Pauls-Kirche, Antwerpen). Sie sind jedoch wegen ihrer statuenhaften, idealisierten Personen nur ein matter Abglanz der Meister der römischen Hochrenaissance, zu deren uneingeschränkten Bewunderern van Balen gehörte. Er begeisterte sich ebenso für die Werke der venezianischen Meister, besonders für Veronese. Möglicherweise entstand das Interesse van Dycks an der venezianischen Kunst bereits in diesen frühen Lehrjahren bei van Balen, denn dessen Haus in der Langen Nieuwestraat war über und über mit Kunstwerken, Stichen, Medaillen und Büchern gefüllt. Obwohl van Balens Kunst auf das Schaffen van Dycks keinen besonderen Einfluss ausübte, war der junge Künstler dem ihm so wesensfremden Lehrer doch gerade wegen der ausgezeichneten Unterweisung im rein technischen Können verbunden.
In jener Zeit, zu Beginn des 17. Jahrhunderts, unterschied sich der Unterricht kaum von der eigentlichen Arbeit in der Werkstatt. Es herrschten die Gegebenheiten der mittelalterlichen Handwerkszünfte, zu denen auch die künstlerischen Berufe zählten: Der zumeist recht junge Schüler (die Jungen kamen im Alter zwischen 10 bis 14 Jahren in eine Werkstatt) bekam die Möglichkeit, alle Stadien der künstlerischen Arbeit zu verfolgen. Sein Handwerk lernte er durch die Praxis, indem er direkt an allen für ein Bild notwendigen Arbeitsschritten teilnahm. Dies begann mit dem Reinigen der Palette und dem Anrühren der Farben und endete mit der unmittelbaren Ausführung der Aufgabe, die der Meister ihm übertragen hatte.
Trotz aller Einschränkungen ist dieses Unterrichtssystem in Flandern während des 17. Jahrhunderts weitgehend beibehalten worden. Es basierte vor allem auf der unumgänglichen ersten Stufe der künstlerischen Erziehung des künftigen Malers, in der er an die Fertigkeiten und Traditionen der berühmten niederländischen Werkstatt-Malerei herangeführt wurde. Es ist anzunehmen, dass alle weiteren Erfolge der flämischen Schule des 17. Jahrhunderts dieser meisterhaften Beherrschung des Handwerklichen zu verdanken sind.
Die Ausbildung konnte, je nach den Fähigkeiten des Schülers, sechs bis dreizehn Jahre dauern und endete mit einer Prüfung vor der Gilde, bei der jeder Schüler ein eigenes Werk vorlegte. In Antwerpen war dies die „Gilde des Heiligen Lukas“, in der die Künstler, vor allem aber die Maler, vertreten waren. Fand die Arbeit Anerkennung, erhielt der Schüler den Titel eines Meisters der Gilde. Damit war das Recht auf Gründung einer eigenen Werkstatt verbunden. Die Ausbildung des Künstlers war aber auch dann noch nicht beendet, sondern trat in ihre zweite Phase ein: Seit dem Ende des 16. Jahrhunderts war ein Aufenthalt in Italien fast obligatorisch bzw. wurde zur Tradition.


8. Bildnis Cornelis van der Geest , um 1620, National Gallery, London.


9. Moses und die eherne Schlange, Museo del Prado, Madrid.


10. Peter Paul Rubens, Gastmahl bei Simon dem Pharisäer , zwischen 1618 und 1620, Ermitage, St. Petersburg.


11. Wilhelm van Haecht, Gemäldegalerie des Cornelis van der Geest , 1628, Rubenshuis, Antwerpen.


12. Die Ausgie ß ung des hl. Geistes auf die Apostel , 1618–1620, Ermitage, St. Petersburg.


13. Hendrik van Balen, Verkündigung , zwischen 1615 und 1620, Paulskirche, Antwerpen.


14. Peter Paul Rubens, Jan Brueghel d. Ä. und seine Familie , Courtault Institute Galleries, London.


15. Bildnis einer jungen Frau (vermutlich Balthasarina van Linnik mit ihrem Sohn), um 1618, Ermitage, St. Petersburg.
All diese Etappen durchlief auch van Dyck. Das Lernen fiel ihm leicht. Bereits 1615 übernahm er eine eigene Werkstatt, obwohl er noch kein gleichberechtigtes Mitglied der Lukas-Gilde war — ein beispielloser Fall in der Geschichte der flämischen Malerei. Zum Zeitpunkt seiner Ernennung zum Meister, im Februar 1618, war van Dyck bereits ein vollkommen eigenständiger Künstler mit einer stark ausgeprägten schöpferischen Individualität.
Seit dieser Zeit, oder schon etwas früher, begann die direkte Zusammenarbeit mit Rubens.

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