Byzantinische Kunst
202 pages
German, Middle High (ca.1050-1500)

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Description

Über ein Jahrtausend lang, von seiner Gründung im Jahre 330 n. Chr. bis zu seinem Untergang im Jahre 1453, war das Byzantinische Reich eine Wiege von künstlerischem Überfluss, die erst jetzt wiederentdeckt wird.
Ausgestattet mit dem reichen Erbe der römischen, östlichen und christlichen Kulturen, entwickelten die byzantinischen Künstler eine architektonische und malerische, vom Symbolismus geprägte Tradition, die auch über die Grenzen des Reiches hinaus einen großen Einfluss ausübte. Italien, Nordafrika und der Nahe Osten schützen und erhalten heutzutage die antiken Überreste dieser anspruchsvollen künstlerischen Tradition mit all ihrer geheimnisvollen und verzaubernden Schönheit.
Die Pracht der Paläste, Kirchen, Malereien, Töpferwaren, Keramiken und Mosaiken dieser Kultur ist ein Garant für den großen Einfluss und die Zeitlosigkeit der byzantinischen Kunst.

Sujets

Informations

Publié par
Date de parution 10 mai 2014
Nombre de lectures 0
EAN13 9781783103461
Langue German, Middle High (ca.1050-1500)
Poids de l'ouvrage 1 Mo

Informations légales : prix de location à la page 0,0448€. Cette information est donnée uniquement à titre indicatif conformément à la législation en vigueur.

Exrait

Text: Charles Bayet
Übersetzung: Georg Robens
Redaktion der deutschen Ausgabe: Klaus H. Carl

Layout:
Baseline Co. Ltd
61A-63A Vo Van Tan Street
4. Etage
Distrikt 3, Ho Chi Minh City
Vietnam

© Parkstone Press International, New York, USA
© Confidential Concepts, Worldwide, USA

Alle Rechte vorbehalten. Das vorliegende Werk darf nicht, auch nicht in Auszügen, ohne die Genehmigung des Inhabers der weltweiten Rechte reproduziert werden. Soweit nicht anders vermerkt, gehört das Copyright der Arbeiten den jeweiligen Fotografen. Trotz intensiver Nachforschungen war es aber nicht in jedem Fall möglich, die Eigentumsrechte festzustellen. Gegebenenfalls bitten wir um Benachrichtigung.

ISBN : 978-1-78310-346-1
Charles Bayet





Die byzantinische
Kunst

Inhalt


Einführung
I - Die frühe byzantinische Kunst (306 bis 843)
A - Die Entstehung eines neuen Stils (306 bis 527)
B - Die Kunst unter Justinian und seinen Nachfolgern (527 bis 726)
1. Architektur
2. Die Malerei, die Mosaiken, die Handschriftenmalereien
3. Die Skulptur und die Goldschmiedekunst
C - Die Kunst zur Zeit des Ikonoklasmus (726 bis 843)
II - Die Renaissance der byzantinischen Kunst (843 bis 1204)
A - Die Kunst der makedonischen und der komnenischen Dynastie
1. Die Architektur
2. Die Malerei, die Mosaiken und die Handschriften
3. Die Skulptur und die Goldschmiedekunst
B - Der b y zantinische Einfluss im Westen
III - Die späte byzantinische Kunst (1204 bis 1453)
A - Die Kunst zur Zeit des lateinischen Reiches (1204 bis 1261)
B - Die Kunst zur Zeit der Dynastie der Palaiologen (1261 bis 1453)
Schlussbetrachtung
Zeittafel
Byzantinisches Reich
Glossar
Bibliographie
Liste der Abbildungen
Konstantinsbogen , 312-315.
Marmor, 21 x 25,7 x 7,4 m.
Rom.
Einführung



Die byzantinische Kunst war immer wieder heftiger Kritik ausgesetzt und wurde dann doch wieder hoch gelobt. Lange Zeit hat man sich kaum mit ihr beschäftigt, ohne sie mit bissigen Attributen zu belegen; allein das Wort byzantinisch, ob es sich nun um Malerei oder Politik handelte, weckte sogleich wenig erfreuliche Assoziationen. Man war sich gemeinhin einig, dass damit eine Kunst bezeichnet wurde, die unschöne und anmutlose Gestalten geschaffen hatte und die, weil schon von Anfang an in Starre verfangen, weder Fortschritte machen noch sich verändern konnte.

Später haben ihr diejenigen, die der so Missachteten beistehen wollten, durch ihren Übereifer oft geschadet. Bevor noch klar festgelegt wurde, was unter byzantinischer Kunst überhaupt zu verstehen sei, glaubten diese allzu beflissenen Lobredner, den Einfluss dieser Kunst in beinahe allen Ländern und in allen Kunstwerken des Westens zu erkennen. Als der Begriff byzantinisch nicht mehr abwertend benutzt wurde, verlor er an Kontur und wurde mithin sehr dehnbar; ein jeder glaubte, ihn nach eigenem Belieben anwenden zu dürfen. So sah man nahezu die Hälfte aller Werke aus dem Mittelalter als byzantinisch an, und bei den übrigen versuchte man, wenigstens den Einfluss der griechischen Meister auszumachen. Auf diese Weise vereinnahmte man gleichsam alle Werke und ordnete sie Byzanz unter.

Eine solche Haltung musste Widerstand hervorrufen. In Frankreich, Deutschland und Italien bestanden die Kunsthistoriker darauf, dass der Westen, und zwar schon vor dem 12. und 13. Jahrhundert, eigene Schulen hatte, deren Einfluss man keinesfalls verkennen sollte. Diese neue Reaktion war etwas vehement und manchmal übertrieben. Manch italienischer Gelehrter wollte überhaupt keinen byzantinischen Einfluss mehr sehen. Einige von ihnen, die mit der Geschichte und mit der Kunst des Orients wenig vertraut waren, behaupteten sogar, dass die Voraussetzungen für die Entstehung der byzantinischen Kunst im 4. Jahrhundert aus Italien kamen.

Ein Aspekt muss hervorgehoben werden: Kritiker wie Verteidiger gehen oft gleichermaßen vor. Viele äußern sich über das Verhältnis zwischen der byzantinischen Kunst und den anderen Künsten, ohne sich vorher die Mühe zu machen, die einschlägigen Werke vor Ort zu studieren. Vielleicht sollte man das Wort byzantinisch, das unpräzise ist und so oft falsch benutzt wird, nicht verwenden und besser von der neu-hellenischen Kunst oder von der griechischen Kunst des Mittelalters sprechen. Es ist jedoch wenig sinnvoll, hier vom Usus abzuweichen, denn schließlich wird die Bedeutung eines Wortes durch seinen Gebrauch geprägt.
Haupt des Arkadius mit dem kaiserlichen Diadem , Anfang des 5. Jh. Marmor,
Archäologisches Museum, Istanbul.
I - Die frühe byzantinische Kunst (306 bis 843)



A - Die Entstehung eines neuen Stils (306 bis 527)

Am Anfang des 4. Jahrhunderts vollzog sich in der Geschichte des Christentums eine revolutionäre Veränderung: Die unlängst noch Verfolgten hatten urplötzlich die Gunst des Kaisers. Dieses Ereignis sollte einen tief greifenden Einfluss auf die Entwicklung der christlichen Kunst ausüben. Weithin sichtbar erblühten neue und reichere Formen der Kunst. Überall wurden Kirchen errichtet. In den Städten werden „… Erneuerungsfeste und die Weihe der neu errichteten Bethäuser gefeiert. Bischöfe kommen zusammen, aus fernen und fremden Ländern sammeln sich die Menschen, Volk grüßt in Freundschaft Volk“, schreibt der zeitgenössische Kirchenhistoriker Eusebius (347 bis 419). Kaiser Konstantin (272 bis 337) selbst steht an der Spitze dieser Bewegung und stellt den Christen die Reichtümer des Staates zur Verfügung, damit immer mehr geweihte Häuser gebaut werden können.

Die Wandlung des antiken Byzanz in das neue Konstantinopel ist eines der bedeutendsten geschichtlichen Ereignisse. Sie hatte die Zweiteilung des alten Römischen Reiches zur Folge, die dann ganz unterschiedlichen Bestimmungen entgegen gingen. Konstantinopel wurde die Heimstatt einer glänzenden Zivilisation, in der sich die orientalischen Einflüsse mit dem Hellenismus vermengten. In dieser Hinsicht ist die geografische Lage äußerst günstig: Konstantinopel befindet sich gleichzeitig in Asien und in Europa, und in seinem groß angelegten und sicheren Hafen legen alle Schiffe an, durch die es in ständiger Verbindung sowohl mit den Regionen um das Schwarze Meer als auch mit allen Mittelmeeranrainern steht. Daher rührten sein Glanz, seine Reichtümer und der immense Einfluss, den die Stadt im Mittelalter ausübte.

Konstantins Entscheidung für Byzanz fiel im Jahre 324. In der Antike wurden bei Stadtgründungen bestimmte religiöse Riten befolgt. Die Geschichte von Romulus, der mit einer Pflugschar die ursprüngliche Umfassung Roms gezogen hat, ist bekannt. Ein Historiker des 4. Jahrhunderts berichtet, dass auch Konstantin, allerdings mit der Lanzenspitze, die Umwallung seiner neuen Hauptstadt zog; es hieß, er sei den Anweisungen eines ihm vorausgehenden Engels gefolgt. Die Arbeiten wurden so rasch vorangetrieben, dass nach dem Zeugnis eines Chronisten die Einweihung der Stadt bereits neun Monate später stattfand - aber natürlich kann eine Stadt ebenso wie eine Kirche noch vor ihrer Fertigstellung geweiht werden. Das Datum dieser Zeremonie ist überliefert: es war der 11. Mai 330. Die Umstände ihrer Erwähnung weisen auf die Rolle hin, die der Kaiser Konstantinopel zudachte: Es sollte eine christliche Hauptstadt sein, weshalb er den Bischöfen die Aufgabe übertrug, sie zu weihen. Darüber hinaus „… ließ er per Gesetz anordnen“, so der Historiker Sokrates, „… dass es das zweite Rom genannt wurde. Dieses Gesetz wurde in eine Marmortafel gemeißelt, die neben der Reiterstatue des Kaisers auf dem Strategion aufgestellt wurde.“

Bei der Anlage der neuen Hauptstadt bemühte sich Konstantin, Rom nachzueifern. Wie Rom hatte auch Konstantinopel sieben Hügel und war in vierzehn Regionen unterteilt, auch ein Kapitol gab es. Das als Augusteon bekannte große Forum war das ganze Mittelalter hindurch berühmt und existierte möglicherweise schon vor Konstantin, der sich damit zufrieden gab, es zu verschönern. Es war auf vier Seiten von einer Säulenhalle umgeben, in der Statuen untergebracht waren. Darunter befand sich eine Gruppe, die Konstantin und seine Mutter Helena zu beiden Seiten eines Kreuzes stehend darstellt. Dieser Typus ging in die Tradition des Orients ein und man findet ihn noch heute in Fresken und Stichen dargestellt. In der Zeitspanne zwischen den Kaisern Konstantin und Justinian (482 bis 565) nimmt die byzantinische Kunst Gestalt an.
Christus als segnender Herrscher , 4. Jh.
Opus sectile,
Museum in Ostia, Ostia.


Die christliche Architektur hat ihren Ursprung in der griechisch-römischen Architektur, in bestimmten Gebieten des Orients jedoch, vor allem in Syrien, hatte sie sich stark verändert: Durch die Aufnahme neuer Elemente war sie vielfältiger geworden. In den Ruinen von Baalbek (Libanon) und Palmyra (Syrien) ist dies gut zu erkennen: In ihrer Anlage, in der Ausrichtung der Hauptachsen und in ihrer Ausschmückung haben diese Gebäude ein ganz eigenes Aussehen. Als Erstes fällt auf, dass Bögen hier generell die geraden Linien und Arkaden die waagerechten Architrave verdrängen. Der neue Stil verbreitete sich rasch. Schon am Anfang des 4. Jahrhunderts befand sich in Dalmatien ein Palast, der sich an diese asiatische Architektur anlehnte, nämlich der Palast des Diokletian (um 245 bis 313), der während seiner gesamten Herrschaft dort residierte und sich erst nach seiner Abdankung nach Salone zurückzog.

Im byzantinischen Reich, so wie es sich nach dem Tod des Kaisers Theodosius (401 bis 450) präsentierte, sollte dieser neue Einfluss eine umso größere Wirkung haben, als die asiatischen Provinzen damals den Provinzen Europas durch ihren Reichtum und den Glanz ihrer Zivilisation weit voraus waren: Besonders in diesem Bereich zeigte sich der hellenische Geist noch lebendig und schöpferisch. Schon zu Konstantins Epoche waren die christlichen Architekten Asiens gegenüber Neuartigem sehr aufgeschlossen. Es finden sich zwar auch im Okzident Rundkirchen, im Orient jedoch scheint ihr Entwurf kühner zu sein; vor allem jene im antiken Antiocheia setzten die damaligen Zeitgenossen in Erstaunen.
Baptisterium , 458.
Marmor, Ravenna.
Der Gute Hirte unter dem Sternenhimmel , 5. Jh.
Mosaik, Mausoleum der Galla Placidia,
Ravenna.
Der Gute Hirte (Detail), 5. Jh.
Mosaik, Mausoleum der
Galla Placidia, Ravenna.
Die Tetrarchen: Diokletian, Maximian, Constantinus Chlorus und Galerius , 4. Jh.
Porphyr, Südseite von San Marco in Venedig.
Von diesem Gebäudetyp sieht man heute auf dem Gebiet des ehemaligen byzantinischen Reiches nur noch ein gut erhaltenes Monument, allerdings befindet es sich nicht in Asien, sondern in Thessaloniki: Es handelt sich um eine Rotunde mit einem Durchmesser von 24m. In die dicke Mauer sind sieben gewölbte Kapellen eingelassen; eine achte ist breiter, liegt dem Haupteingang gegenüber und bildet eine 19,37 m lange, der Umfassungsmauer außen vorgelagerte Apsis. Ursprünglich war diese Kirche vermutlich das Mausoleum des Kaisers Galerius (um 250 bis 311).

Man stößt schon sehr früh auf die Versuche, die zum System der Kuppel auf Pendentifen führen. In der Doppelstadt Ktesiphon und in Seleukeia (Irak) erkennt man den Aufbau der Kuppel auf einer quadratischen Grundfläche. Spuren dieses Geistes der Erneuerung finden sich in Monumenten, die man heute noch sehen kann, wie etwa die seit 1988 zum Weltkulturerbe der Unesco gehörende Kirche Sankt Demetrios (Agios Demetrios) in Thessaloniki mit ihrer fünfschiffigen Basilika.

Im Allgemeinen entspricht der Grundriss dem einer Basilika mit Atrium und Narthex, im Inneren befinden sich jedoch zwei übereinander liegende Emporen, von denen die höhere um die ganze Kirche herumgeführt wird, selbst über dem Narthex. Hier wird nicht der Architrav eingesetzt, sondern der Bogen und die Kapitelle nehmen bereits ganz eigenwillige Formen an. Sie entsprechen zwar immer noch dem antiken Muster, sie verändern es jedoch: Man nimmt eine Art Teilung wahr; die Bogenanfänge ruhen nicht mehr auf dem Hauptteil, sondern auf den Pilastern, die eine Art oberes Kapitell bilden. So kommt es bald zum Übereinanderliegen zweier richtiggehender Kapitelle. Zudem entdeckt man an zwei Stellen noch eigentümlichere Formen: Die klassischen Muster werden zugunsten von korbartigen, in Ajourtechnik behauenen Kapitellen vernachlässigt, die wie eine würfelförmige Masse aussehen, auf der schlangenlinienförmige Verzierungen eine Applizierung vortäuschen.

In Konstantinopel selbst wurden nach den Berichten eines byzantinischen Chronisten von Konstantins Herrschaft an bis zu der von Justinian achtunddreißig neue Kirchen und Klöster gebaut. Es gibt fast keine Einzelheiten hinsichtlich ihres architektonischen Charakters; es scheint jedoch, dass die Hagia Sophia nach einem Brand „… mit zylindrischen Gewölben“ wieder aufgebaut wurde. Vermutlich lagen auch dort, wie in Asien, die Architekten, die unaufhörlich gefordert waren, immer wieder Neues zu schaffen, miteinander im Wettstreit; es ging darum, geniale und schöpferische Kombinationen zu finden. Während im Westen die trostlose Lage des Reiches die Köpfe nicht mit künstlerischen Problemstellungen belastete, begünstigte die allgemein bessere Lage im Orient deren Fortschritte. Statt immer wieder die gleichen Typen mit immer weniger Sorgfalt und Verständnis zu wiederholen, hörten die griechischen Architekten nicht auf, sie zu verändern und zu perfektionieren.

Schon in dieser Epoche wird das Mosaik immer mehr zur bevorzugten Art der Verzierung. In der Kirche des Heiligen Georg in Thessaloniki war die abschließende Kuppel ganz mit Mosaiken verziert, von denen aber heute nur noch Teile erhalten sind: große Flächen mit stehenden Heiligen in der Haltung von Betenden in einer reichen architektonischen Umgebung. Die Ausführung dieser Mosaiken ist sehr schön, und trotz der erlittenen Zerstörungen und trotz der verblichenen Farbtöne ist ihre Wirkung nach wie vor beeindruckend. Bis in die kleinsten Einzelheiten zeugt die Ornamentik von einem feinen und zarten Geschmack: die Arabesken und die Palmblattstreifen sind mit großer Eleganz gezeichnet.

Auch die die Kirchen von Ravenna ausschmückenden Mosaiken aus dem 5. Jahrhundert sind der byzantinischen Kunst zuzurechnen. Schon bevor die Stadt unter Kaiser Justinian zur Residenz des byzantinischen Gouverneurs von Italien wurde, gehörte sie in künstlerischer Hinsicht zum Orient. Die Mosaiken im Baptisterium der Orthodoxen und im Mausoleum der Galla Placidia (um 390 bis 450), einer Tochter des Kaisers Theodosius (347 bis 395), zeichnen sich durch die prachtvolle Arbeit und durch die gelungene Harmonie des dekorativen Ensembles aus.
Mosaik im Kaiserpalast , Anfang 5.,
Ende 6. Jh. Mosaik,
Mosaikenmuseum, Istanbul.
Im Baptisterium ist auf einem Medaillon in der Mitte der Kuppel die Taufe Christi dargestellt. Es ist ein eigenartiger Kontrast, dass der Jordan an dieser Szene in Gestalt eines Flussgottes teilnimmt, ein frappierendes Zeugnis vom fortwährenden Einfluss der antiken Kunst. In der hohen, kreisförmigen Zone um das Medaillon herum sind die zwölf Apostel stehend abgebildet. Sie haben zwar im Großen und Ganzen alle das gleiche Aussehen, der Künstler hat jedoch, um eine zu große Monotonie zu vermeiden, die jeweilige Haltung leicht verändert und den Gesichtern individuelle Charakterzüge verliehen. Die zweite Zone weiter unten ist mit architektonischen Motiven verziert. Ganz in Bodennähe schließlich heben sich acht Heiligenfiguren von dem mit Arabesken verzierten Hintergrund ab.

Im Mausoleum der Galla Placidia ist die gesamte Ausstattung erhalten. Schon am Eingang über der Tür erinnert das den Guten Hirten darstellende Mosaik in der Freiheit des Stils an die klassischen Werke. Der Hirte sitzt inmitten seiner Herde, mit der Rechten streichelt er ein Schaf, in der Linken hält er einen Kreuzstab; das von blondem Haar umschlossene Gesicht strahlt eine ruhige und regelmäßige Schönheit aus. In der Kapelle befinden sich auch noch weitere Figuren mit antikem Faltenwurf. Die Verzierungen sind elegant gezeichnet und reich an Farben; von Arabesken umgeben, in denen sich Grün und Gold mischen, trinken zwei Hirsche aus einer Quelle. Das ist eines der Motive, die bis in die letzten Tage der byzantinischen Kunst in den Miniaturen der Manuskripte erscheinen.

Damals schon war die Vorliebe für Goldschmiedearbeiten weit verbreitet, sie nahm im weiteren Verlauf immer mehr zu. Sie entsprach einem Hang zum Prunk und zum Luxus, einem der Charakterzüge der konstantinischen Kunst. Konstantin trug ein Diadem, seine Gewänder waren mit Perlen und Edelsteinen besetzt, die pompöse Zurschaustellung des Reichtums war für ihn eines der äußeren Zeichen der Macht. Somit trug er dazu bei, dass solche Vorstellungen auch in den Bereich der Kunst eindrangen. Man war davon überzeugt, dass es mehr zur Ehre der Religion und zur Schönheit der christlichen Monumente beitrug, wenn man zu ihrer Ausschmückung die seltensten Materialien einsetzte.

Den Kirchen in Rom schenkte Konstantin fünf Fuß hohe Figuren aus Gold und Silber, Darstellungen von Engeln, des Heilands und der Apostel. Im Orient war er nicht weniger freigiebig. Nach seiner Beschreibung der Kirche des Heiligen Grabes fügte Eusebius noch hinzu: „Niemand kann sagen, mit wie viel Schmuck und Gaben von Gold, Silber und Edelsteinen Konstantin es reicher machte. Diese Werke waren kunstvoll ausgeführt.“ Er erwähnt auch goldene Halbreliefs in Konstantinopel. Im Palast und auf mehreren Plätzen in der Stadt standen goldene, mit Edelsteinen verzierte Kreuze.

Von diesen Werken aus wertvollem Material ist nichts erhalten geblieben. Vielleicht kann man sich eine Vorstellung von den Figuren und der Verzierungen darauf machen, wenn man einen Weihwasserbehälter aus Blei betrachtet, dessen Herkunft durch eine griechische Inschrift bekannt ist. Darauf finden sich verschiedene Figuren: Neben dem Guten Hirten ist ein Gladiator abgebildet, wie er gerade den auf einem Gedenkstein liegenden Ehrenkranz ergreift. Neben diesen Abbildungen sieht man Bänder mit Reben, Palmen und aus einer Schale trinkende Pfauen; die vier Flüsse des irdischen Paradieses, aus denen Hirsche trinken, entspringen einem Hügel, auf dem ein Kreuz steht und in einem Winkel reitet eine Seenymphe auf einem Seepferd. Diese eigentümliche Mischung aus Christen- und Heidentum war im 4. Jahrhundert üblich.
Mauer Theodosios ’ II., 412-413.
Istanbul.
Hagia Sophia, Längsschnitt, 537.
Hagia Sophia, Istanbul.
Hagia Sophia, Blick nach Süden , 537.
Hagia Sophia, Istanbul.
B - Die Kunst unter Justinian und seinen Nachfolgern (527 bis 726)

1. Architektur

Kaiser Justinian führte zu Beginn des 6. Jahrhunderts teilweise schon unter der Herrschaft seines Onkels Justin I. (450 bis 527) die Geschäfte, bevor er selbst ab 527 vierzig Jahre lang als Kaiser regierte. Justinian begünstigte die Entfaltung der Künste in seinem Reich und war so bauwütig, dass sein Geschichtsschreiber Prokopius den im Auftrag des Kaisers errichteten Gebäuden ein besonderes Buch gewidmet hat.

Die Hagia Sophia und ihre Nachfolger

Das bekannteste dieser Gebäude ist die Hagia Sophia in Konstantinopel, von der man sagen kann, dass sie sowohl durch ihre Ausstattung als auch durch ihre Architektur die typische Vertreterin der Byzantinischen Kunst schlechthin ist. Es gibt in der Geschichte der christlichen Kunst keine bedeutendere Kirche: Notre-Dame in Paris hatte schon in den benachbarten Provinzen ihresgleichen, und dem allenfalls seiner Bestimmung nach christlichen Petersdom in Rom mangelt es an Originalität. Die Hagia Sophia dagegen hat zwei Vorzüge: Sie kündigte das Aufkommen eines neuen Stils an und erreichte dabei gleichzeitig eine im Orient nie übertroffene Größe.

Es gab auf dem großen Forum bereits eine Kirche der Göttlichen Weisheit . Sie war unter Konstantin erbaut, aber 404, während der Unruhen, mit denen das Volk gegen die Vertreibung des Erzbischofs Johannes Chrysostomos (344/349 bis 407) protestierte, teilweise durch Feuer zerstört worden. Kaiser Theodosius I. (401 bis 450) ließ sie zwar wieder in Stand setzen, aber während des gefährlichen Nika-Aufstands des Jahres 532, durch den Justinian beinahe entmachtet worden wäre, fiel die Kirche der Göttlichen Weisheit erneut den Flammen zum Opfer. Der Kaiser besiegte die Aufständischen, unternahm den Wiederaufbau und wollte, dass die neue Kirche an Glanz alles übertraf, was man von den berühmtesten antiken Gebäuden erzählte, besonders hinsichtlich des Tempel Salomons.

Selten wurde verschwenderischer Wahn so weit getrieben. In einer unglaublichen Überfülle wurden nur die teuersten Materialien, Gold, Silber, Edelsteine und Elfenbein, verwendet. Dabei wurde der Eindruck erweckt, als ob es Justinian mehr um hohe Kosten - die Arbeiten an der Hagia Sophia haben ungeheure Summen verschlungen - als um die Schönheit ging und als ob er mit dem märchenhaften Luxus jeden Betrachter blenden wollte. Justinian wollte überall Gold und Silber. Um dem zu genügen, mussten neue Steuern erhoben und auf willkürliche Maßnahmen zurückgegriffen werden. Allein der Ambo mit der Solea verschlang die Einkünfte eines Jahres aus Ägypten. Darüber hinaus wies Justinian die Beamten und Gouverneure schriftlich an, ihm bereits bearbeitete Materialien zu schicken, und diese machten sich mit Eifer daran, die antiken Denkmäler zu plündern. Der Praetor Konstantins hatte aus Ephesus acht antike grüne Säulen geschickt. So manches kam aus Kyzikos, aus Troas, von den Kykladen, aus Athen. Eine römische Witwe namens Marcia hatte acht einem Sonnentempel entnommene Porphyrsäulen geschickt. Daher rührt die enorme Mannigfaltigkeit des Marmors und der Steine in allen Farben, aber die so erhaltene Vielfarbigkeit hat nichts Ungefälliges, wenn man die Farbtöne mit Geschmack zu kombinieren versteht. Selbst der Baugrund kostete viel Geld. Justinian gab sich nicht mit dem Standort der ehemaligen konstantinischen Kirche zufrieden, er musste daher im reichsten Viertel der Stadt die umliegenden Häuser kaufen.

Die Namen der beiden die Arbeiten leitenden Architekten sind bekannt: der Mathematiker Anthemios von Tralles (6. Jahrhundert) und der Architekt Isidoros von Milet. Die Zeitgenossen loben ihre Kunstfertigkeit, sprechen aber einhellig in erster Linie von Anthemios. Die beiden Baukünstler stammen aus den Provinzen in Asien, in denen sich im 4. und im 5. Jahrhundert die originellste Architektur entfaltet hatte. Ihnen unterstanden hundert Meister und Vorarbeiter, von denen wiederum jeder hundert Arbeiter befehligte.

Als der Baugrund vorbereitet und die Fundamente gelegt worden waren, sprach der Patriarch Eutychius (um 512 bis 582) die Gebete zum Gelingen des Unternehmens und der Kaiser selbst legte den ersten Stein. Er ließ sogleich ein Oratorium errichten und einige Räume, von denen aus er die Arbeiten überwachen konnte. Später erzählte man von zahllosen Wundern, die während der Bautätigkeiten geschehen sein sollen: Ein Engel habe dem Kaiser den Grundriss eingegeben, den es anzuwenden galt; ein anderer habe ihm, just im Moment, als das Geld fehlte, verborgene Schätze enthüllt; wieder ein anderer habe ihm angegeben, dass es drei Apsiden bräuchte. All diese Legenden legen dar, wie sehr das gigantische Unternehmen die Fantasie des Volkes angeregt hatte.

Die Arbeiten waren kurz nach der Brandkatastrophe begonnen worden; die Einweihung fand am 27. Dezember 537 statt. Der Kaiser begab sich von seinem Palast am Tor des Augusteon aus auf einem von vier Pferden gezogenen Wagen dorthin; an der Kirche angekommen, stieg er ab, eilte von der großen Eingangstür bis zum Ambo und rief mit ausgestreckten Armen: „Gott sei geehrt, der mich für würdig befand, ein solches Werk zu vollenden! Salomon, ich habe dich besiegt.“ Dieser ehrgeizige Ausruf belegt sehr gut, dass diese Kirche in seinen Augen seine neue Gesetzesordnung symbolisierte. Der Kaiser sorgte verschwenderisch für den Betrieb und den Unterhalt des Gotteshauses: dreihundertfünfundsechzig Besitztümer in der Umgebung von Konstantinopel wurden ihm zugewiesen, und tausend Kleriker wurden zu seinem Dienst abgestellt.

Von außen gesehen macht die Hagia Sophia nur einen mittelmäßigen Eindruck und selbst die Kuppel, so kühn die Konstruktion auch sein mag, sieht niedrig aus. Man muss jedoch den Innenraum betreten, um ihre Ursprünglichkeit und ihren Glanz wirklich zu verstehen. Im vorderen Teil des Gebäudes liegt das Atrium. Zum Kirchenraum hin befindet sich ein durch neun Portale mit ihm verbundener zweiteiliger Narthex.

„Von der östlichen Apsis abgesehen, liegt die Kirche in einem Rechteck von 77 m Länge und 76,70 m Breite, die Mauern eingeschlossen. Der Innenraum besteht aus einem mittleren Teil, dem Schiff, und zwei seitlichen Teilen. In der Mitte des Gebäudes erhebt sich eine Kuppel mit einem Durchmesser von 31 m über einer quadratischen Grundfläche. Sie liegt auf vier großen Bögen auf, deren gemeinsame Bogenöffnung ihrem Durchmesser entspricht und die auf vier großen Säulen ruhen.

Vier riesige sphärische Pendentife streben in die endlose Höhe, füllen den Raum zwischen den großen Bögen und schließen mit der Kuppel ab. Auf den beiden quer zum Schiff liegenden Bögen, dem östlichen und dem westlichen Bogen, ruhen zwei Halbkuppeln; die großen Bögen im Norden und im Süden der großen Kuppel dagegen sind durch von Säulenreihen gestützte Mauern ausgefüllt. Um den Halbkreis herum, über dem sich die östliche Halbkuppel wölbt, öffnen sich drei Apsiden: in der Mitte die nach Osten gerichtete Hauptapsis, die in einem halbkugelförmigen Gewölbe endet, und die beiden Seitenapsiden rechts und links von der Hauptapside. Der Hintergrund der beiden Seitenapsiden ist zur Abseite geöffnet, wobei das Gewölbe an dieser Stelle durch zwei Säulen getragen wird.
Hagia Sophia, Innenansicht nach Westen, 537.
Hagia Sophia, Istanbul.
Hagia Sophia , Innenansicht, 537.
Hagia Sophia, Istanbul.
San Vitale , 527-548.
Ravenna.
Der Umgang des westlichen Halbkreises ist auf die gleiche Weise durchbrochen, der mittlere Bogen schließt jedoch nicht in einer Halbkugel ab; das Gewölbe ist bis zu der gegenüberliegenden Mauer weitergeführt, in der drei Portale eingelassen sind, die zum Narthex führen.“

Die Abseiten sind vom Boden bis zum Ansatz der Bögen in zwei Emporen unterteilt; die obere Empore trug den Namen Gynäzeum . Das Licht gelangt durch zahlreiche Öffnungen in das Gebäude: An der Basis der Kuppel sind vierzig Fenster eingelassen, andere befinden sich in den großen nördlichen und südlichen Arkadenwänden, in den Halbkuppeln und in den Apsiden.

Die Konstruktion der zentralen Kuppel stellte aufgrund der riesigen Proportionen, die man ihr geben wollte, ein schwierig zu lösendes Problem dar. Als Auflagepunkte dienten massive Pfeiler, die mit großer Sorgfalt ausgearbeitet waren, um zu vermeiden, dass sie unter dem Druck, den sie aushalten mussten, nachgeben. Sehr frühzeitig war man jedoch um die Kuppel selbst besorgt: Die Architekten, die mutig genug waren, sie zu konstruieren, misstrauten ihrem eigenen Werk. Sie setzten daher besondere Materialien ein, insbesondere in Rhodos hergestellte weiße und schwammartige Ziegel, die so leicht waren, dass fünf davon so viel wie ein normaler Ziegel wogen. Trotz dieser Vorsichtsmaßnahmen wurde bald ersichtlich, dass die Ängste begründet waren.

In den folgenden Jahren wurden zum Teil sehr schwere Erdbeben verzeichnet: Eines davon hielt im Jahre 553 vierzig Tage an, ein anderes brachte 557 einen Teil der Stadt zum Einsturz. Die Kuppel der Hagia Sophia bekam diese wiederholten Stöße zu spüren. Es entstanden Risse, und am 5. Mai 558 stürzte sie ein. Einigen Autoren nach haben die Architekten, die damit beauftragt wurden, die Ursachen des Unfalls zu untersuchen, behauptet, dass es falsch gewesen sei, die bei der Konstruktion errichteten Holzgerüste für die Arbeit an den Mosaiken zu schnell abzubauen. Justinian ließ die Kuppel wieder errichten. Isidor und Anthemios waren in der Zwischenzeit verstorben, aber Isidor hatte einen Neffen hinterlassen, der mit der Arbeit beauftragt wurde. Er erhöhte die Kuppel noch, gab aber gleichzeitig den Bögen größere Festigkeit. Dieses Mal ließ man die Schlitten und die Gerüste länger stehen, dann überflutete man den unteren Teil der Kirche, damit die hölzernen Elemente durch ihren Fall nicht die neuen Bauten erschütterten.

Im Mobiliar und in der Ausstattung der Kirche entsprach alles jenen Vorstellungen von Pracht, die Justinians Geist gleichsam berauschten. Der Ambo in der Mitte des Gebäudes war eine große Tribüne mit einer Kuppel und einem Kreuz darüber: Der Glanz des Goldes und der Edelsteine vermengte sich mit dem des schönsten Marmors. Das Sanktuarium war vom Rest der Kirche durch eine silberne Wand getrennt. Die Säulen darin schmückten Medaillons mit den Bildern Christi, der Engel, der Jungfrau, der Apostel und der Propheten. Der goldene Altar gab den Hintergrund für die funkelnden Edelsteine und Emailarbeiten. Darüber erhob sich in Gestalt eines Altarbaldachins eine Kuppel mit einem großen goldenen Kreuz darauf; sie wurde von vier Säulen aus vergoldetem Silber getragen. „Wer hätte beim Anblick der Pracht der heiligen Tafel nicht gestaunt?“ so ein damaliger Dichter. „Wer könnte deren Ausführung verstehen, wenn sie in den verschiedensten Farben glitzert, und wenn man sie mal im Glanz von Gold und Silber sieht, mal im Schein eines Saphirs, mit einem Wort, wenn von ihr so viele Strahlen ausgehen, die der Farbgebung der Edelsteine, der Perlen und der Metalle aller Art folgen, aus denen sie besteht?“ An den wichtigen Feiertagen strahlte die Kirche nachts in einer riesigen Festbeleuchtung, denn, so berichten die byzantinischen Autoren, sie zählte nicht weniger als 6000 vergoldete Kandelaber.
San Vitale , Innenansicht, 527-548.
Ravenna.
An mancher Stelle sind unter den Arkaden noch Heilige und Propheten zu sehen. Es sind zwar nur spärliche Reste, aber durch sie kann man sich eine Vorstellung davon machen, was die Hagia Sophia war, als sie in dieser reichen Verkleidung mit Mosaiken noch in vollem Glanz erstrahlte. Man begegnet in der Geschichte der Kunst nicht oft einem so eindrucksvollen Ensemble, einem so perfekten Zusammenspiel zwischen Architektur und Ausschmückung.

Die Hagia Sophia ist das typische Beispiel für die byzantinische Kunst schlechthin, wie sie unter Justinian und seinen Nachfolgern entstand: Die Zeitgenossen haben sie bewundert und die Künstler haben sich von ihr inspirieren lassen. Man darf jedoch nicht glauben, dass sie sich als ein Modell durchgesetzt hat, von dem sie nicht abzuweichen wagten. Kuppelbauten wurden in der Architektur immer häufiger. In technischer Hinsicht hatte der Bau der Hagia Sophia die Architekten dazu gebracht, diese Form ihrer Kunst mit größerer Sorgfalt zu studieren, sich der Wirkung, die sie hervorbrachte, des Gebrauchs, den man davon machen konnte, und der Regeln, die dabei anzuwenden waren, besser bewusst zu werden.

Von da an wurden Basiliken des lateinischen Typs im Orient zur Ausnahme, aber man begnügte sich nicht damit, den Grundriss der Hagia Sophia zu imitieren. Die Kuppel glich einem Thema, um das herum man zahlreiche Variationen schuf. In Konstantinopel selbst, sogar in der Nähe der Hagia Sophia , entstanden unter Justinian weitere Kirchen im gleichen Stil, jedoch mit einem sehr unterschiedlichen Grundriss. Mehr als eine wurde übrigens bereits vor der Hagia Sophia begonnen und sogar beendet.

Die Kirche Hagia Sophia in Thessaloniki gehört vermutlich ebenfalls in die Zeit der Herrschaft des Justinian, auch wenn Prokopius sie nicht erwähnt. Einige damalige Reisende haben darauf aufmerksam gemacht, dass der Architekt die Hagia Sophia von Konstantinopel nachgeahmt haben könnte. Tatsächlich findet man auch hier wieder eine große, auf vier Pfeilern ruhende Zentralkuppel, sie ist jedoch nicht mehr von zwei großen Halbkuppeln umgeben wie in Konstantinopel. Neben den bemerkenswerten Ähnlichkeiten sollte daher auch auf die wesentlichen Unterschiede hingewiesen werden.

In Asien, in der Gegend von Antiocheia, weist die Kirche von Dana keine Kuppel auf und ist eher dem Modell der Basilika zuzuordnen. Dennoch fällt dort ein merkwürdiges Beispiel für den hufeisenförmigen Bogen ins Auge, der von der arabischen Architektur aus der byzantinischen Architektur übernommen werden sollte. Die Byzantiner selbst hatten diese Form von den Architekten aus Zentralasien entliehen.
St. Katherinenkloster , 527-565.
Sinai, Ägypten.
Prozession der Märtyrer , 493-526.
Mosaik, San Apollinare Nuovo, Ravenna.
Mausoleum der Galla Placidia , 5. Jh.
Ravenna.
Ravenna

Begeben wir uns nun nach Italien, das die Armeen Justinians gerade teilweise erobert haben. Ravenna, die Residenzstadt der Exarchen, entspricht einem verkleinerten Bild von Konstantinopel. In dieser jahrhundertelang berühmten Stadt stehen noch viele gut erhaltene Monumente aus jener Zeit auf engstem Raum zusammen.

Unter den Kirchen von Ravenna ist die wichtigste und berühmteste die Kirche San Vitale . Der Bau wurde zwar schon vor der byzantinischen Eroberung im Jahre 526 begonnen, jedoch erst 546 vollendet. Die Ausschmückung des Gebäudes belegt, dass Justinian und seine Gattin Theodora (500 bis 548) es durch Spenden bereicherten. Aus mehreren Inschriften geht hervor, dass die Arbeiten an San Vitale , ebenso wie die an mehreren anderen Kirchen in Ravenna, von einem Mann namens Julian geleitet wurden, der das Amt des Schatzmeisters (Argentarius) innehatte.

San Vitale hat die Form eines Achtecks; im Inneren sind acht große Pfeiler durch Bögen miteinander verbunden, über die sich eine hohe Kuppel erhebt. Die kreisförmige Basis der Kuppel stützt sich über acht kleine Pendentife auf den achteckigen Grundriss. Um das Gewicht der Kuppel zu verringern und um ihre Festigkeit zu erhöhen, haben die Architekten sie mit ineinander gesteckten Tonvasen gewölbt. Wie bei den orientalischen Kirchen ist die Kuppel selbst von außen nicht zu sehen; sie liegt unter einer pyramidenförmigen Abdeckung.

San Vitale wurde bereits vor der

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