Chinesische Kunst
285 pages
German, Middle High (ca.1050-1500)

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Description

Das vorliegende Buch stellt eine Enzyklopädie der
klassischen chinesischen Kunst dar und gibt einen
informativen Überblick über all ihre Formen. Auf diese
Weise präsentiert es auch den Schlüssel für das Verständnis
der zeitgenössischen chinesischen Kunst. Anfänger können
sich mit dieser Studie auf interessante Weise mit einem
neuen Thema vertraut machen, während Spezialisten die
globale Perspektive schätzen werden. Der Überblick
umfasst nicht nur die Architektur, die Bildhauerei und die
Malerei, sondern auch Bronzen und Keramik. Auf diese
Weise stellt diese Untersuchung ein vollständiges Panorama
der chinesischen Kunst und Zivilisation dar. Dabei betont
der Autor besonders, wie wichtig es ist, eine Gesellschaft zu
kennen, um ihre Kunst zu verstehen.

Sujets

Informations

Publié par
Date de parution 15 septembre 2015
Nombre de lectures 0
EAN13 9781783106585
Langue German, Middle High (ca.1050-1500)
Poids de l'ouvrage 3 Mo

Informations légales : prix de location à la page 0,0598€. Cette information est donnée uniquement à titre indicatif conformément à la législation en vigueur.

Exrait

Text: Stephen W. Bushell
Adaptiert: Pierre Emmanuel Klingbeil
Übersetzer: Dr. Martin Goch und Isabelle Weiss
Redaktion der deutschen Ausgabe: Klaus H. Carl

Layout:
Baseline Co Ltd,
61A-63A Vo Van Tan Street
4. Etage
Distrikt 3, Ho Chi Minh City
Vietnam

© Parkstone Press International, New York, USA
© Confidential Concepts, Worldwide, USA
Image-Bar www.image-bar.com

Alle Rechte vorbehalten.
Das vorliegende Werk darf nicht, auch nicht in Auszügen, ohne die Genehmigung des Inhabers der weltweiten Rechte reproduziert werden. Soweit nicht anders vermerkt, gehört das Copyright der Arbeiten den jeweiligen Fotografen. Trotz intensiver Nachforschungen war es aber nicht in jedem Fall möglich, die Eigentumsrechte festzustellen. Gegebenenfalls bitten wir um Benachrichtigung.

ISBN: 978-1-78310-658-5
Stephen W. Bushell



Chinese Art
Inhalt


Kurze historische Einführung
1. - Altertum
2. - Die Kaiserzeit
Die Qin-Dynastie
Die Han-Dynastie
Südliche und Nördliche Dynastien
Die Tang-Dynastie
Die Sung-Dynastie (auch: Song-)
Die Yuan-Dynastie
Die Ming-Dynastie
Die Qing-Dynastie
I. Architektur
1. - Das Dach
2. - Militärischer Festungsbau
3. - Zivilbauten
4. - Grabanlagen
5. - Religiöse Bauwerke
II. Schnitz- und Steinschneidekunst (Glyptik)
1. - Schnitzerei
A. - Holz
B. - Bambus
C. - Elfenbein
D. - Bronze
2. - Steinschneidekunst (Glyptik)
A. - Jade
B. - Harte Steine
C. - Schmuck
III. Bearbeitete Materialien
1. - Porzellan
Die Klassifikation chinesischen Porzellans
a) Sung-Dynastie (960 bis1279) und Yuan-Dynastie (1280 bis 1367)
b) Ming-Dynastie (1368 bis 1643)
c) Vom Fall der Ming-Dynastie bis zum Ende der Herrschaft des Kangxi-Kaisers
d) Die Zeit Yongzhengs und Qianlongs (1723 bis 1795)
2. - Emaille
3. - Lackarbeiten
4. - Glas
5. - Schnupftabakflaschen (Schnupfflaschen)
6. - Kleidung
IV. Malerei
1. - Die primitive Periode bis 264 n.Chr.
2. - Die klassische Periode (265 bis 960) und die Dunhang-Höhlen
Die Dunhuang-Höhlen
3. - Von der Sung- bis zur Ming-Dynastie (960 bis 1368)
4. - Die Ming-Dynastie (1368 bis 1643)
5. - Die frühe Qing-Dynastie (1644 bis 1755)
Bibliographie
Index
Verzeichnis der Abbildungen
Anonym , Der Kangxi-Kaiser (1654 - 1722) Ein Tang-zeitliches Gedicht über den blühenden Lotus,
um 1703. Rollbild, Tusche auf Seide,
186,7 x 85,3 cm . Palastmuseum, Peking.


Kurze historische Einführung


Das Studium der Kunst eines Volkes setzt immer auch eine gewisse Kenntnis seiner Geschichte voraus. Ganz besonders trifft dies auf China und die chinesische Kunst zu, da diese Welt für die meisten von uns fremd und geheimnisvoll ist. Die chinesische Kultur reicht fast so weit zurück wie die Zivilisationen Ägyptens, Chaldäas und Susianas. Doch während diese Reiche ihre Blüte in der Frühzeit erlebten und vom Erdboden längst wieder verschwunden sind, hat China – auch das “Reich der Mitte“ genannt – die Zeiten überdauert. Es besitzt bis zum heutigen Tage nicht nur eine völlig eigenständige Kunst und Philosophie, sondern auch eine eigene Schrift. Die Zeichen der alten chinesischen Schrift entstanden wahrscheinlich im Tal des Gelben Flusses, des Huanghe, einem der frühesten Siedlungsgebiete der Menschheit. Bis heute gibt es keinerlei Hinweise auf eine Verbindung zu irgendeinem anderen Schreibsystem.


1. - Altertum

Im Verlauf der letzten Jahrzehnte haben archäologische Funde und Ausgrabungen von Stadt- und Tempelruinen unser Wissen um die alten Reiche in Westasien erheblich erweitert. Doch zweifellos harren noch zahlreiche Schätze aus der Frühzeit Chinas der Entdeckung durch Forscher und Wissenschaftler, vor allem in den Landschaften entlang des Gelben Flusses und seines mächtigsten Nebenflusses, des Wei, der von Westen nach Osten durch die Provinz Shensi (oder Shaanxi) verläuft. Diese Gegend gilt als die „Wiege der chinesischen Nation“. Doch die Schätze liegen tief vergraben unter dicken Schichten von Schwemmsand und dem für diese Region so charakteristischen gelben Löss. Nur ganz selten kommt es vor, dass diese Schichten bis auf den Grund abgetragen werden, etwa nur dann, wenn der Strom beim Bau von Kanälen für die Bewässerung oder bei anderen Bauvorhaben seinen Lauf wechselt. Dies sind dann wertvolle Fundstellen für bronzene Opfergefäße und andere antike Artefakte. Die Chinesen schätzen diese Objekte aus den alten Dynastien über alle Maßen, auch wenn sie Ausgrabungen skeptisch gegenüberstehen, da solche radikalen Eingriffe in die natürliche Umgebung mit ihren geomantischen Prinzipien nicht zu vereinbaren sind.

Die legendäre (im Gegensatz zur rein mythischen) Periode beginnt mit dem Kaiser Fu Xi (auch: Fo-Hi, Mitte 2800 v.Chr.), dem berühmten Begründer des chinesischen Staatswesens und dem ersten der so genannten erhabenen Kaiser des Altertums. Sein Nachfolger, der zweite dieser erhabenen Herrscher, Chu Yung, wird vor allem als der Besieger von Kung Kung gefeiert, dem ersten Rebellen und Anführer eines ungeheuren Aufstands aus der frühesten Zeit, in der er die Erde durch eine Überschwemmung beinahe vernichtet haben soll.

Der dritte der drei Erhabenen ist Shen Nong Shi, der göttliche Landmann und Ackerbauer, der als Erfinder des Holzpflugs gilt und sein Volk in die Kunst der Viehzucht und des Ackerbaus einwies. Er war es auch, der die heilenden Kräfte verschiedener Pflanzen entdeckte und die ersten Märkte zum Austausch von Waren begründete. Mit den Kaisern Yao und Shun befinden wir uns schon auf etwas festerem Boden: Sie stehen bei Konfuzius (um 551 bis 479 v.Chr.) an der Spitze des Shu-Ching (auch: Shu Ging, Buch der Geschichten oder Urkunden). Dies war ein Kompendium von Sprüchen, Erlassen und Vorschriften, die den aufgeklärten und tugendhaften Herrschern der chinesischen Geschichte als Richtlinie dienten.

Yao (in alten Geschichtswerken auch Fangxun oder Tangyao genannt) musste im Alter von 70 Jahren einen Nachfolger bestellen. Er überging seinen eigenen Sohn und überließ seinen Thron auf Rat seiner Minister dem jungen Shun. Auch dieser bestimmte, als die Zeit gekommen war, statt seines eigenen unwürdigen Sohnes einen fähigen Minister, den Großen Yu, zu seinem Erben. Leider brach Yu mit dieser weisen Tradition: Er trat den Thron an seinen leiblichen Sohn ab, womit das chinesische Reich zu einer erblichen Monarchie wurde.

Der Große Yu verdankt seinen Ruhm dem Erfolg seiner riesigen wasserbautechnischen Anlagen und Maßnahmen, deren Bau neun Jahr dauerte. Nachdem er sein Reich damit von der ständigen Überflutungsgefahr befreit hatte, teilte Yu es in neun Provinzen auf. Seine Werke sind im Tribut für Yu , das mit einigen Änderungen im von Konfuzius zusammengestellten Shu-Ching enthalten ist, sowie in den ersten beiden der dynastischen Geschichten beschrieben, den historischen Memoiren des Geschichtsschreibers Ssu-ma Chien (145 bis 85 v.Chr.) und den Annalen der früheren Han-Dynastie, verfasst von Pan Ku (32 bis 92 n.Chr.). Man erzählt, er habe die neun bronzenen Kessel (Ding) aus dem Metall der neun Provinzen in die Hauptstadt in der Nähe von Kaifeng Fu in der Provinz Honan bringen lassen. Danach wurden sie über fast 2000 Jahre lang als Insignien des Reichs aufbewahrt. Der Große Yu ist der Gründer der Xia-Dynastie, zusammen mit Chieh Kuei, einem degenerierten Nachfahren und letztem des Geschlechts, einem grausamen Tyrannen, dessen Ungerechtigkeit zum Himmel schrie, bis er schließlich von Tang, dem „Vollender“ und Begründer der neuen Shang-Dynastie, bezwungen wurde. Die Xia-Dynastie (vermutlich 2200 bis 1800 v.Chr.) wurde von der Shang (um 1600 bis 1100 v.Chr.) und die Shang ihrerseits von der Chou- (auch: Zhu-) Dynastie (um 1122 oder 1045 bis 770 v.Chr.) abgelöst.

Die Chou-Dynastie, die ihren glorreichen Anfang mit dem weisen Staatenlenker König Wen und dem militärischen Talent von König Wu nahm, wurde unter der Herrschaft von König Cheng konsolidiert. Letzterer war bei seiner Thronbesteigung erst dreizehn Jahre alt, so dass die Regentschaft an seinen Onkel Tan, den Fürsten von Chou, fiel, eine der gefeiertsten Persönlichkeiten der chinesischen Geschichte. Er wird in Bezug auf Tugend, Weisheit und Ehrenhaftigkeit unmittelbar nach den großen Herrschern des Altertums, Yao und Shun, eingereiht. Tan legte die Gesetze des Reiches fest, lenkte die Politik und agierte allgemein als Herrscher und Schutzherr des neu gegründeten Königshauses, nicht nur während der ersten Zeit der Regierung seines noch minderjährigen Neffen, Cheng, sondern schon unter der Regentschaft seines Bruders, König Wu, der ihm das Fürstentum Lu übertrug.

Die Aufteilung des Reiches in erbliche Fürstentümer, die an die Sprösslinge des Königshauses und die Vertreter der früheren Dynastien vergeben wurden, führte letztendlich jedoch zu einer Katastrophe. Denn mit der zunehmenden Macht dieser Fürstentümer schrumpfte jene des zentralen Königreichs – bis es schließlich den Angriffen der barbarischen Stämme im Süden und Westen nicht länger standhalten konnte. König Xüan, ein energischer Herrscher, schlug die Eindringlinge mit Erfolg zurück, doch kaum ein Jahrzehnt nach seinem Tod wurde die Hauptstadt von den Barbaren eingenommen, und im Jahr 771 v.Chr. fiel ihnen sein Sohn und Nachfolger, König Yu (oder You), zum Opfer. An die Regierungszeit von König Yu erinnert im kanonischen Buch der Oden die Aufzeichnung der Sonnenfinsternis am 29. August 776 v.Chr., der ersten in einer langen Reihe von Sonnenfinsternissen, die uns gute Anhaltspunkte für die chronologischen Bestimmungen von Ereignissen in der chinesischen Geschichte liefern.

Sein Sohn und Nachfolger regierte in der neuen Hauptstadt, Lo Yang, und die von da an als die Östliche Chou bezeichnete Dynastie blieb dort, obwohl ihre Autorität trotz aller Bemühungen von Seiten des Konfuzius und des Mencius (um 372 bis 289 v.Chr.) allmählich schwand, um ihre rechtmäßigen Ansprüche geltend zu machen. Unterdessen waren die barbarischen Eindringlinge durch eine Kombination der beiden Feudalstaaten der Chin (Tsin) und der Qin vertrieben worden; die alte Hauptstadt wurde den später die Chou ersetzenden Qin überlassen.

Während des 7. Jahrhunderts v.Chr. lag die Macht des Reiches bei verschiedenen verbündeten feudalen Prinzen und Lehnsherren. Die Zeit zwischen 685 bis 591 v.Chr. wird als die Periode der Wu Pa oder der „fünf Anführer“ bezeichnet, die nacheinander als ‘Sohn des Himmels’ die Regierung innehatten.

Dieses System von Fürsten und Königen funktionierte eine Weile lang ganz gut und brachte eine gewisse Ordnung und Befriedung, doch dauerte es nicht lange, bis unter den einzelnen Reichen Streitigkeiten ausbrachen und das Land erneut durch Bürgerkriege erschüttert wurde. Verrat, Überfälle, wechselnde Allianzen und Mordanschläge waren an der Tagesordnung. Dieser Zustand dauerte mehr als 200 Jahre lang, bis König Nan schließlich im Jahr 256 durch die Qin entmachtet wurde. Dies bedeutete das Ende der Chou-Dynastie.
Anonym , Qin Shi Huang, aus einem koreanischen Album des 19. Jahrhunderts, 19. Jhd.
Papier, Folio. British Museum, London.


2. - Die Kaiserzeit

Die Qin-Dynastie

König Cheng (auch: Zheng) bestieg als 13-Jähriger im Jahr 246 v.Chr. den Thron der Qin (auch: Chin). Nach der Eroberung und gewaltsamen Annektierung der zahlreichen, sich gegenseitig bekämpfenden Fürstentümer und Königreiche gründete er 221 v.Chr. aus den Ruinen des alten Feudalsystems ein neues, vereintes Reich. Er erweiterte die Grenzen Chinas nach Süden, drängte die berittenen, nomadisierenden Hiung-nu-Türken zurück und ließ die alten Befestigungsmauern im Norden zum Schutz gegen die unliebsamen rebellierenden Minderheiten zu einer lückenlosen riesigen Linie, der Großen Chinesischen Mauer, verbinden.

Von ihm erging der Befehl zur Verbrennung sämtlicher Geschichtsbücher der anderen Reiche sowie aller klassischen konfuzianischen Werke. Erlaubt waren nur - damit keine unvorteilhaften Vergleiche angestellt werden konnten - Historiografien der Qin-Herrschaft. Er erklärte sich selbst zum Ersten Divus Augustus, also zum Göttlichen Kaiser, und benannte seine Nachfolger als den Zweiten, Dritten usw. Kaiser – bis hinunter zur zehntausendsten Generation. Seine ehrgeizigen Vorhaben waren jedoch zum Scheitern verurteilt, denn sein Sohn, der ihm als Erh Shih Huang Ti, als Kaiser der zweiten Generation, im Jahr 209 v.Chr. nachfolgte, wurde bereits zwei Jahre später durch den Eunuchen Chao Kao ermordet, und im Jahr 206 ergab sich sein Enkel schon als Kind dem Begründer des Hauses der Han, Liu Pang, indem er ihm die Jadesiegel des Reiches überließ. Wenige Jahre später wurde auch er umgebracht.

Die Zivilisation Chinas während der drei alten Dynastien scheint, soviel wir wissen, zum überwiegenden Teil, wenn nicht sogar völlig, auf eigenem Boden gewachsen zu sein. Gegen Ende dieser Periode jedoch, also im 5. und 4. Jahrhundert v.Chr., erweiterte das Qin-Reich (Shensi-Provinz) seine Grenzen nach Süden und Westen. Zweifellos leitet sich von den Qin oder Chin die Bezeichnung „China“ ab, wie das Reich allgemein von den Hindus, den Persern, den Armeniern, den Arabern und den alten Römern genannt wurde.

Etwa um die gleiche Zeit, oder vielleicht schon etwas früher, gibt es im Südwesten Anzeichen von Landverbindungen über Burma und Assam nach Indien. Vermutlich gehen diese auf Händler des Shu-Reiches (Provinz Szechuan) zurück. Jedenfalls fanden auf diesem Weg hinduistisches Gedankengut und Prinzipien wie Asketismus und kontemplative Mystik Eingang in die chinesische Religion. Diese Elemente schlugen sich im frühen Taoistischen Kult nieder, der in diesen Gebieten schnell Wurzeln fasste.
Anonym , Kublai Khans Armeen belagern die chinesische Festung O-Chou, Illustration 14. Jhd.,
Buch um 1590. Papier, Folio. Golestan Palast, Teheran.


Die Han-Dynastie

Die nächste Dynastie, die Han, eröffnete als erste den regelmäßigen Handelsverkehr mit den westlichen Ländern. So wurde Chang Chien (2. Jh. v.Chr.) auf eine Mission zu den Yueh-ti oder Indoskythen entsandt, deren Hauptstadt sich damals am nördlichen Ufer des Flusses Oxus befand. Er machte sich 139 v.Chr. auf den Weg, fiel aber unterwegs in die Hände der Hiung-nu-Türken, den damaligen Herrschern von Ost-Turkestan, die ihn zehn Jahre lang gefangen hielten, ehe er schließlich fliehen und über Ta Yuan (Ferghana) sein Ziel erreichen konnte. Er reiste durch Baktrien, um über Khotan Lobnor in seine Heimat zurückzukehren. Unterwegs wurde er ein zweites Mal von den Hiung-nu gefangen; erst 126 v.Chr. konnte er fliehen und nach 13 Jahren Abwesenheit endlich wieder in seine Heimat zurückkehren.

Zu seinem Erstaunen hatte Chang Chien in Baktrien Stoffe, Bambusstäbe und andere Waren zum Verkauf angeboten gesehen, die er als Erzeugnisse aus Szechuan erkannte. Man erzählte ihm, sie seien aus Shen-tu (Indien) eingeführt worden. Er berichtete dem Kaiser von der Existenz dieser Handelsbeziehungen zwischen China und Indien und erwähnte auch den Namen des Buddha sowie des Buddhismus als einer indischen Religion. Unter den Mitbringseln des kaiserlichen Abgesandten waren die Weinrebe, die Saat-Luzerne ( Medicago sativa ), der Granatapfel aus Parthien sowie eine Reihe anderer Pflanzen, die dann im Shang Lin Park der Hauptstadt des Reiches kultiviert wurden.

In der Folge schickte der Kaiser Wu Ti auf freundschaftlicher Basis Gesandtschaften nach Sogdiana und zu Beginn der Herrschaft von König Mithridates II. im Jahr 123 v.Chr. auch nach Parthien. In den Jahren 102 bis 100 v.Chr. unternahm eine Armee in seinem Auftrag einen Eroberungszug nach Ferghana, von wo sie im Triumph dreißig der „himmlischen“ Nissan-Pferde mit nach Hause führte. Im fernen Süden (Indochina) wurde im Jahr 110 v.Chr. Kattigara annektiert. Man gab ihm den Namen Jih Nan, „Süden der Sonne“. Von diesem Hafen aus stach ein Schiff in See, um aus Kabulistan das am chinesischen Kaiserhof sehr gefragte farbige Glas zu holen.

Der Buddhismus wurde 67 n.Chr. offiziell in China eingeführt. Dem Kaiser Ming Ti erschien im Traum eine von einem Lichtschein umgebene schwebende goldene Gestalt. Seine Berater legten diesen Traum als eine Aufforderung Buddhas aus, er müsse sofort eine Expedition nach Indien entsenden. Aus Indien brachten die Gesandten zwei Mönche mit in die Hauptstadt Lo Yang und außerdem einige in Sanskrit verfasste Bücher, die sogleich übersetzt wurden, sowie buddhistische Bilder und Figuren, die alsbald die Wände der Säle im Palast sowie den neu erbauten Tempel zierten. Dieser trug zu Ehren des Schimmels, der die Relikte durch Asien getragen hatte, den Namen Pai Ma Ssu - Tempel des Weißen Pferdes. Die beiden indischen Mönche lebten in diesem Tempel bis zu ihrem Tod. Der nun einsetzende Einfluss der buddhistischen Ideale auf die chinesische Kunst war übermächtig und ist aus dieser gar nicht wegzudenken. Diesem Thema sind zahlreiche Abhandlungen gewidmet, deshalb gehen wir an dieser Stelle nicht näher darauf ein.

Im Jahre 97 n.Chr. führte der gefeierte chinesische General Ban Chao (32 bis 102) eine Armee bis nach Antiochia Margiana und unternahm den Versuch, eine Gesandtschaft an den Persischen Golf und von dort weiter nach Rom zu schicken. Doch sein Hauptmann Kan Ying drückte sich vor dieser Reise über das Meer und kehrte unverrichteter Dinge zurück.

Umgekehrt gelangten im Jahr 166 n.Chr. römische Händler auf dem Seeweg in die chinesische Hafenstadt Kattigara. In den Annalen sind sie als Gesandte des Kaisers Marcus Aurelius Antonius vermerkt. Später, in den Jahren 226, 284 und danach werden auch aus Kanton römische Händler gemeldet. In der Zwischenzeit wurde außerdem der durch die Parthischen Kriege verschlossene Landweg im Norden wieder eröffnet. So gelangten viele buddhistische Missionare aus Parthien und Samarkand, aber auch aus dem nordindischen Gandhara, nach Lo Yang.

Südliche und Nördliche Dynastien

In der Zeit der Nördlichen und Südlichen Dynastien, als China vom Beginn der fünften bis fast zum Ende der sechsten Dynastie aufgeteilt war, erlebte der Buddhismus eine Blütezeit. Die den Norden beherrschenden Toba-Tataren erklärten den Buddhismus zur Staatsreligion, und ihre Geschichte widmet dem Thema ein eigenes Buch (Wei Shu, Kapitel CXIV), das interessante Aufzeichnungen über die Klöster, Pagoden und die Felsskulpturen aus dieser Zeit enthält. Ein Anhang befasst sich mit dem Taoismus; er trägt den Titel Huang Lao, befasst sich also mit der „Religion des Huang Ti und des Lao-Tzu“.

Der Kaiser Wu Tu der Liang-Dynastie, der von 502 bis 549 in Chien Kang (Nanking) regierte, zog sich oft das Gewand eines Bettelmönchs über und widmete sich in buddhistischen Klöstern der Auslegung der heiligen Gesetzesbücher. Während seiner Regierungszeit, im Jahr 520 n.Chr., kam Bodhidharma, ein Königssohn aus dem südlichen Indien, der 28. indische und zugleich 1. chinesische Patriarch, nach China, wo er sich nach einem kurzen Aufenthalt in Kanton in Lo Yang niederließ. Er wird in der Glyptik (Steinschneidekunst) häufig als Träger des berühmten patra , des „Heiligen Gral“ des buddhistischen Glaubens, oder auch bei seiner Überfahrt über den Jangtse-Strom auf einem am Ufer abgebrochenen Schilfrohr dargestellt.

Die Tang-Dynastie

In der Sui-Dynastie war das Reich wiedervereinigt worden; unter der nachfolgenden großen Tang-Dynastie (618 bis 906) erreichte es seine größte Ausdehnung. Die Tang gelten zusammen mit den Han als eine der großen “Weltmächte“ der chinesischen Geschichte. Viele der zentralasiatischen Länder wandten sich an den Sohn des Himmels als ihren Beschützer gegen die aufstrebende Macht des arabischen Reiches.

Ein chinesischer General mit einer Armee von Söldnern aus Tibet und Nepal stürmte 648 die Hauptstadt Zentralindiens, Magadha, und chinesische Dschunken segelten in den Persischen Golf, während die letzten der persischen Sassaniden nach dem Untergang ihres Reiches als Flüchtlinge in China Schutz suchten. Kurz darauf gelangten die Araber auf dem Seeweg bis nach Kanton und ließen sich in vielen Hafenstädten nieder, aber auch in der Provinz Yunnan, wo sie in die Dienste der kaiserlichen Armeen traten, um die Rebellenaufstände entlang der nordwestlichen Grenze Chinas niederzuwerfen. Auch Nestorianische Missionare, iranische Manichäer und Juden kamen zu dieser Zeit auf dem Landweg in das Reich der Mitte, doch die beherrschende Macht war die des Halbmonds. Tatsächlich konnte sich der Islam bis auf den heutigen Tag behaupten, gibt es doch derzeit über 20 Millionen chinesische Muslime.

Buddhistische Propaganda war vor allem in der Anfangszeit der Tang-Dynastie stark verbreitet, nachdem das Hauptquartier dieser Religion von Indien nach China verlagert worden war. Hinduistische, aus ihrem eigenen Land vertriebene, Mönche brachten ihre heiligen Bilder mit und führten den traditionellen Kunstkanon mit seinen Symmetrien und geometrischen Proportionen in China ein, der sich bis in die heutige Zeit praktisch unverändert erhalten hat. Umgekehrt wanderten nacheinander Gruppen chinesischer Asketen nach Indien, um das heilige Land des Buddha zu besuchen, in den wichtigsten Schreinen Räucherwerk darzubringen, Sanskrit-Schriften zu studieren und Artefakte und Manuskripte zum Zweck der Übersetzung mit nach China zurückzubringen. Ihren Reiseberichten verdanken wir viel von dem Wissen über die Geographie des alten Indien.

Angeregt durch solch mannigfaltige Einflüsse, erblühte die chinesische Kunst sehr schnell. Die Tang-Dynastie gilt allgemein als ihr goldenes Zeitalter, jedenfalls was Dichtkunst, Literatur und Belletristik angeht. Doch auch die Macht der Tang sollte nicht ewigen Bestand haben. Sie verloren eines ihrer Herrschaftsgebiete nach dem anderen, und im Jahr 906 ging ihre Herrschaft jäh zu Ende. Die Kitanen, von deren Name sich sowohl Marco Polos ‘Cathay’ wie auch die russische Bezeichnung für China, Kitai, ableitet, fielen von Norden her ein; im Nordwesten drohte das mächtige Tanguten-Reich, in Yunnan wurde das Königreich der Shan errichtet, und Annam erklärte sich unabhängig. Von den fünf Dynastien, die sich nach dem Zusammenbruch der Tang in kurzer Folge ablösten, waren drei türkischer Abstammung. Vom künstlerischen Gesichtspunkt her waren sie allerdings kaum von Bedeutung.

Die Sung-Dynastie (auch: Song-)

Im Jahr 960 konsolidierte die Sung-Dynastie den größeren Teil des chinesischen Reiches, jedoch ohne die abgefallenen Randgebiete. Die Herrschaft der Sung wird zu Recht als eine ausgedehnte, befriedete Kaiserzeit charakterisiert, die ihr Augenmerk auf wirtschaftliches Wachstum, Handel, Technik und Buchdruck legte und kaum kriegerische Ambitionen verfolgte. Die Philosophie erfreute sich allgemeiner Beliebtheit, die Literatur blühte auf vielen Gebieten (Technik, Medizin, Architektur, aber auch Romane), Enzyklopädien wurden verfasst und die klassischen Werke gedruckt. Diese Periode wird auch als Neokonfuzianismus bezeichnet. Der Kaiser und die hohen Beamten legten Sammlungen von Bildern, Büchern, Abdrucken von Inschriften, Antiquitäten aus Bronze und Jade sowie anderen Kunstgegenständen an und erstellten zum Teil noch heute erhaltene bebilderte Kataloge ihrer Schätze – auch wenn die Sammlungen selbst nicht überlebt haben. Es scheint, als hätten sich zu dieser Zeit der eigentliche chinesische Geist und die Auffassung der Kunst herauskristallisiert. Denn das, was die chinesische Kunst ausmacht, hat sich seit dieser Zeit im Wesentlichen nicht verändert.
Anonym , Hofmaler, Porträt des Kangxi-Kaisers im Hofstaat (1662–1722),
Frühes 18. Jhd. Rollbild, Tusche und Malfarbe
auf Seide, 278 x 143 cm . Palastmuseum, Peking.


Die Yuan-Dynastie

Die Yuan-Dynastie (1280 bis 1367) wurde von Kublai Khan (1215 bis 1294), einem Enkel des legendären mongolischen Herrschers Dschingis Khan (um 1160 bis 1227), proklamiert. Die Mongolen annektierten die halbnomadischen Uiguren und zerstörten das Königreich Tangut, durchquerten Turkestan, Persien und die dahinter liegenden Steppen, verwüsteten Russland und Ungarn und drohten gar, weiter westlich in Europa einzufallen. Auch China wurde von nomadischen Reiterscharen heimgesucht und seine Finanzwirtschaft durch die Einführung von nicht einlösbarem Papiergeld zerstört. Seine Städte wurden fremden Statthaltern übergeben, den so genannten darugas . Ein zeitgenössischer chinesischer Autor beschreibt den Verfall der Porzellanindustrie in Jingdezhen als Folge der überhöhten steuerlichen Belastung, die die Töpfer zwang, aus der alten kaiserlichen Manufaktur wegzuziehen, um ihren Lebensunterhalt in anderen Teilen der Provinz Kiangsi zu finden.

Der venezianische Kaufmann Marco Polo (1254 bis 1324) staunte über die Pracht und den Reichtum des großen Khan, dieses Sagen umwobenen Herrschers, der es verstand, aus seinen chinesischen Eroberungen den größten Nutzen zu ziehen. Doch die Kultur, die der Reisende aus Venedig zu Gesicht bekam, stammte bereits aus der Zeit vor dem Einfall der Mongolen; sie ging auf das kunstgewerbliche Können der chinesischen Bevölkerung zurück. Selbst der von Marco Polo in so begeisterten Worten beschriebene wunderbare Palast war in Wahrheit die ehemalige Sommerresidenz der Sung-Kaiser in Kaifeng Fu in der Provinz Honan, der Stück um Stück abgetragen und in den Park der neuen mongolischen Hauptstadt Ciandu (heute Chang-tu) nördlich der Großen Mauer gebracht und dort wieder aufgebaut worden war.

Die mongolische Ära ist verantwortlich für einige der erstaunlichen Ähnlichkeiten zwischen dem Kunsthandwerk in Ost- und Westasien, die in dieser Epoche zum ersten Mal unter einem Herrscher vereint waren. Man sagt, Hulagu Khan habe etwa um 1256 einhundert Familien chinesischer Ingenieure und Kunsthandwerker nach Persien geholt. Umgekehrt stellen wir fest, dass die floralen Motive des frühesten bemalten Porzellans in China mit arabischen Schriftzeichen verziert sind und damit einen persischen Einfluss vermuten lassen.
Giulio Aleni (1582 - 1649),
Vollständige Karte aller Nationen ,
um 1620. Papier. British Museum, London.


Die Ming-Dynastie

Die fremden mongolischen Herrscher wurden 1386 von chinesischen Aufständischen über die Wüste Gobi hinaus nach Norden vertrieben. Im selben Jahr begründete ein junger Bonze, Zhu Yuanzhang (1328 bis 1398), die Ming-Dynastie (1368 bis 1644). Noch eine ganze Weile lang kam es zu ständigen Grenzüberfällen. Im Jahr 1449 entführten die Mongolen sogar einen chinesischen Kaiser. Acht Jahre später wurde er jedoch befreit und unter dem neuen Titel Tien Shun wieder in sein Amt eingesetzt. Dieser Vorfall ist deshalb bemerkenswert, weil es sich hier, was in früheren Dynastien an der Tagesordnung war, um die einzige Änderung des Namens einer Regentschaft während der letzten beiden Dynastien handelt.

Die frühen Ming-Kaiser unterhielten über den Seeweg Verbindungen mit dem Westen. Vor allem in den Regierungszeiten von Yung Lo (Zhu Di; 1360 bis 1424) und Xüan Te erlebte der Handelsverkehr einen Aufschwung: Der berühmte islamische Groß-Eunuch und Admiral Zheng He (1371 bis etwa 1434) unternahm Fahrten in bewaffneten Dschunken nach Ceylon, Indien, Arabien und entlang der Küste Afrikas bis Magadoxu sowie entlang des Roten Meeres bis Jiddah, dem Hafen von Mekka. Auf der Liste der während der Regierungszeit von Xüan Te (1426 bis 1435) nach Mekka gebrachten Waren steht u.a. auch Seladon-Porzellan ( ching tzu ). Wer weiß, vielleicht war es eine dieser Expeditionen, welche die Seladon-Vasen mit sich führte, die der Sultan von Ägypten im Jahr 1487 Lorenzo de’ Medici zukommen ließ. Im darauf folgenden Jahrhundert tauchten erstmals spanische und portugiesische Schiffe in diesen Meeren auf. Chinesische Dschunken wurden zu diesem Zeitpunkt nicht mehr gesichtet.

Die Qing-Dynastie

Die Qing- oder Mandschu-Dynastie war die letzte herrschende Dynastie Chinas (1644 bis 1912). Die große Qing-Dynastie begann im Jahre 1644, erweiterte sich nach und nach zum eigentlichen chinesischen Reich und endete erst mit der Errichtung der Republik China am 1. Januar 1912. Die Qing-Dynastie verschmolz ganz und gar mit der chinesischen Kultur und wurde zu ihrem Inbegriff.

Ihre militärische Macht schwand jedoch allmählich im Verlauf des 19. Jahrhunderts. Der Druck von Seiten Japans und Europas, massive Aufstände unter den Bauern und Niederlagen in kriegerischen Auseinandersetzungen trugen etwa ab 1850 zum allmählichen Verfall der Qing-Dynastie bei. Ihr Zusammenbruch im Jahr 1912 brachte das über 2000 Jahre alte Kaiserreich zu einem abrupten Ende. Damit begann eine ausgedehnte Zeit der Wirren und der Instabilität, in der sich immer neue Machthaber in kurzer Folge ablösten.



Übersicht über die einzelnen Dynastien

Name der Dynastie

Herrschaftszeit

Xia
2207 - 1765 v.Chr.
Shang
1765 - 1122 v.Chr.
Chou (Zhou)
1122 - 256 v.Chr.
Qin (Chin)
221 - 207 v.Chr.
Han
206 v.Chr. - 220 n.Chr.
Zeit der drei Königreiche
220-265
Jin
265-420
Südliche/Nördliche Dynastien
420-589
Sui
589-618
Tang
618-906
Fünf Dynastien
907-960
Sung (Song)
960-1279
Yuan
1279-1368
Ming
1368-1644
Qing (Mandschu)
1644-1911
Republik China
1912
Volksrepublik China
seit 1949
Karte Chinas.
Wang I - peng (15. Jhd.), Inschrift auf Wu Chens Handbuch , 15. Jhd.
Albumblatt, Tusche auf Papier, 38 x 53,1 cm .
Nationales Palastmuseum, Taipeh.
Juyong Pass , 15. Jhd.
50 km nordwestlich von Peking.
I. Architektur


1. - Das Dach

2. - Militärischer Festungsbau

3. - Zivilbauten

4. - Grabanlagen

5. - Religiöse Bauwerke
Qiniadian (Altar für Ernteopfer),
Drachen - Phönix - Caisson , 1420. Holz. Peking.


I. Architektur


Im Verlauf der langen Geschichte Chinas hat sich der architektonische Stil seiner Bauten, gleich ob profaner oder sakraler, privater oder öffentlicher Natur, erstaunlich wenig verändert. Selbst wenn unter der Einwirkung des Westens oder von Seiten des Buddhismus oder des Islams neue Formen ihren Weg nach China fanden, so wurden sie und ihre Linien durch die chinesischen Baumeister doch sehr bald so weit angepasst und modifiziert, dass sie dem chinesischen Stilempfinden entsprachen. Eine der Hauptregeln der chinesischen Geomantik verlangt die Ausrichtung jedes wichtigen Gebäudes nach Süden. Daraus ergibt sich deren - nach unserem Empfinden aber auch eine gewisse Monotonie erzeugende - einheitliche Orientierung.


1. - Das Dach

Das am weitesten verbreitete architektonische Modell in China ist das t ’ ing , das im Wesentlichen aus einem massiven, überhängenden Dach mit seinen charakteristisch aufwärts geschwungenen Rändern besteht und auf kurzen Pfeilern ruht. Die geschwungene Form der Dachecken wird von manchen für ein Überbleibsel aus einer Zeit gehalten, in der die Chinesen ihre Zelttücher an den Ecken mit Speeren befestigten. Eine solche Vermutung ist sehr weit hergeholt, sind doch die Chinesen, seit wir Kenntnis von ihnen haben, immer schon recht sesshaft gewesen, sie waren ein Bauernvolk und keine Nomaden.

Wie dem auch sei, das charakteristisch geschwungene Dach ist typisch für die chinesische Architektur, ja ihr eigentliches Hauptmerkmal. Je nach Ausführung verleiht es einem Tempel, einem Wohnhaus oder einer Pagode prachtvolle Monumentalität oder aber große Schlichtheit. Immer jedoch wirkt es elegant und dynamisch. Um für eine gewisse Abwechslung zu sorgen, gibt es auch mehrschichtige, also doppelte und dreifache Dächer. Diese starke Betonung eines in der westlichen Architektur eher vernachlässigten Bauelements lässt sich durch die relativ geringe Höhe der Bauten rechtfertigen. Der Architekt widmet seine ganze Aufmerksamkeit der Gestaltung und Ausschmückung des Daches, sei es durch Hinzufügen eines Antefixums (einer ornamentalen Aufbiegung der untersten Deckziegel) oder durch Abdecken mit glasierten Ziegeln in leuchtenden Farben.

Die Drachen und Phönixe auf dem Dachfirst, die grotesken, in der Dachtraufe aufgereihten Tiere und die blauen, gelben und grünen Ziegel sind niemals willkürlich platziert, sondern gehorchen einem strengen Kanon. Die prächtigen Farben und ihre Anordnung zeigen beispielsweise den Rang des Hausbesitzers an oder sind ein Hinweis darauf, dass ein Tempel im Auftrag des Kaisers errichtet wurde.

Das große Gewicht des Daches erfordert den - gelegentlich noch durch stufenweise angebrachte Tragstützen - verstärkten Einsatz von Pfeilern, denen damit eine überaus wichtige Funktion zukommt. Sie sind aus Holz gefertigt, der Schaft hat in der Regel eine zylindrische – gelegentlich auch vielflächige – Form, ist jedoch niemals kanneliert. Das Kapitell ist lediglich eine Art Konsole mit eckigem Abschluss oder mit einem Drachenkopf; der Sockel ist ein Quader aus Stein, der oben zur Aufnahme des Schaftes zu einer Rundbasis gemeißelt ist. Der Sockel darf den Vorschriften gemäß nicht höher als die Breite der Säule sein, und der Schaft nicht mehr als zehn Mal länger als sein Durchmesser.

Große Stämme von Persea nanmu -Bäumen aus der Provinz Szechuan werden den Fluss Jangtse bis nach Peking hinunter geschwemmt, um dort als Pfeiler für die großen Tempel und die Paläste eingesetzt zu werden. Der Nanmu ist der größte Baum Chinas und wegen seines kerzengeraden Wuchses beliebt. Seine Maserung verschönert sich mit zunehmendem Alter: Das Holz nimmt allmählich die braune Färbung eines toten Blattes an, behält aber seine aromatischen Qualitäten bei. Dies erklärt, weshalb von den wunderbaren Säulen des Opfertempels des Kaisers Yung Lo, die aus dem Anfang des 15. Jahrhunderts stammen, noch immer ein schwaches Parfüm ausströmt.
Die Säulen aus Nanmu - Holz in der Lingen-Halle des Changling-Mausoleums,
1450 - 1500. Kaiserliches Mausoleum der Ming,
Changling, nordwestlich von Peking.
Mufu (Residenz der Familie Mu),
13. - 14. Jhd. Lijiang, Altstadt, Lijiang.
Kleine Figuren auf Dächern chinesischer Tempel,
17. Jhd. Kaiserliches Mausoleum der Ming,
Changling, nordwestlich von Peking.


Die Säulen werden mit Gold und Zinnober zum Glänzen gebracht, und dennoch ist es immer das tiefe, überhängende Dach, welches das Auge des Betrachters auf sich zieht, und zwar nicht nur von außen, sondern auch von innen. Hier sind die Balken oft mit herrlichen farbigen Einlegearbeiten verziert. Die Deckenabschnitte sind geometrisch in vertiefte, reliefplastisch bearbeitete Paneele unterteilt, bemalt mit lackierten Drachen und ähnlichen Motiven.

Die Stabilität der Struktur hängt von dem hölzernen Baugerüst ab; die später mit Mauerwerk oder Steinblöcken gefüllten Wände sind nicht als tragende Elemente konzipiert; in der Tat werden sie oft völlig von Türen und Fenstern eingenommen, die häufig aus zierlichem, hauchdünnem Maßwerk bestehen, also keineswegs robust sind.

Die Chinesen scheinen die Schlichtheit ihrer Architektur und die einfachen Linien durch eine Fülle an dekorativen Details wettmachen zu wollen. Die Dachsparren und die Ecken der Dächer sind mit Finialen in Drachenform und langen Serien von Fabeltieren bedeckt, die den Regeln der nur den Eingeweihten bekannten chinesischen Symbolik folgen, die Dachtraufen sind von aufwändigen, glänzend lackierten Holzschnitzereien ausgefüllt, die Wände mit Terrakotta-Reliefs aus Blumen und Figuren ausgekleidet. Und trotzdem lässt sich eine Monotonie des Bauwerks nicht verleugnen.
Die Altstadt von Lijiang , 13. - 14. Jhd.
Lijiang, Altstadt, Lijiang.
Die Große Mauer von China in Berglandschaft,
16. Jhd. nördlich von Peking.


Chinesische Gebäude sind in der Regel einstöckig. Betont wird immer die Horizontale; anders als im Westen erfolgt keinerlei Akzentuierung der Vertikalen. Wenn ein Haus vergrößert wird, dann geschieht auch dies durch Anbauten, niemals durch Aufstocken. Das Prinzip des Grundrisses ist die Symmetrie. Die Hauptgebäude und die Flügel, die Nebengebäude, die Zugangswege, die Innenhöfe, die Pavillons, die Motive der Dekoration und sämtliche Details sind symmetrisch angelegt. Die einzige Ausnahme zu dieser architektonischen Grundregel bilden die Gärten und Sommerresidenzen, bei denen der Architekt in völligem Widerspruch zu dieser Strenge seine kapriziösesten Einfälle verwirklichen kann. Hier wimmelt es dann plötzlich von unvermittelt auftauchenden Kiosken und Pagoden, hier gibt es verträumte Gebäude, verspielte Häuschen in ländlichem Stil, asymmetrische Pavillons, eingebettet in komplizierte, künstliche Landschaften, bestehend aus Bächen, Teichen mit bizarren Brücken, Steingärten und Wasserfällen und Überraschungen an jeder Ecke.

Die gern von Touristen besuchte Stadt Lijiang , deren Altstadt noch gut erhalten ist, war in der Provinz Yunnan eine bedeutende Stadt und schon immer ein wahrer Schmelztiegel der Kulturen: Noch heute gibt es hier 26 offiziell anerkannte Minderheiten, die über die Hälfte der Gesamtbevölkerung der Provinz ausmachen. Vor allem die Naxi waren hier mächtig und hinterließen im Stadtbild zahlreiche Spuren. Als hoch entwickeltes Kulturvolk besaßen die Naxi nicht nur eine eigene Bilderschrift und Mythologie sowie ausgefeilte Anbaumethoden und eine außergewöhnliche Sozialstruktur, sondern auch eine einzigartige Architektur. Hier in Lijiang, wo so viele Völker und Kulturen aufeinander trafen, trägt die lokale Architektur die besten Züge der architektonischen Merkmale der Han, der Bai und der aus dem Grenzgebiet zu Tibet stammenden Naxi. Die Standorte der Tempel wurden strikt nach den Regeln des Feng Shui ausgewählt, dem in allen Bevölkerungsschichten Chinas eine wichtige Rolle spielenden geomantischen System. Das Dach ist auch hier das architektonisch dominante Element. Es ist gewöhnlich mit gelben oder grünen Ziegeln bedeckt und fällt steil ab. Der Firstbalken ist mit Porzellanfiguren von Gottheiten und Glückssymbolen wie Drachen und Karpfen verziert.

Ruinen sind in China äußerst selten. Deshalb muss man sich in alten Büchern umsehen, wenn man eine Vorstellung von der Architektur vergangener Zeiten gewinnen will. Die ersten größeren Gebäude, die in den ältesten kanonischen Werken beschrieben werden, sind die hohen Türme, genannt tai . Sie waren meist quadratisch, aus Stein erbaut und erreichten eine Höhe von bis zu 9 Metern. In den Augen der Chinesen gelten sie als kapriziöse Torheiten der alten Herrscher. Es gab drei Arten von tai ; die eine diente als Lagerhaus für wertvolle Waren, die zweite war ein Aussichtsturm für Zuschauer bei militärischen Übungen und bei Jagdveranstaltungen. Die dritte, die kuan ksiang tai, waren Türme für astronomische Beobachtungen.
Die Große Mauer bei Badaling,
16.Jhd. Nördlich von Peking.
Stadtmauer von Xian, der alten Tang-zeitlichen Kaiserstadt,
1370 - 1378. Qian (Xian), Xian.
Die Panmen-Wassertore-Blick von außerhalb der Stadtmauer, 1333 - 1370.
Suzhou, Suzhou, Provinz Jiangsu.


2. - Militärischer Festungsbau

Die Große oder Chinesische Mauer war nicht von Anfang an als durchgehendes Bollwerk konzipiert, sondern bestand aus einer Vielzahl verschieden langer Mauern aus Stein und Erde. Sie sollten die Grenzen des Reiches gegen die Einfälle der Barbaren aus dem Norden schützen. Angefangen wurde mit dem Bau im 5. Jahrhundert v.Chr., erweitert und instand gehalten wurde sie bis ins 16. Jahrhundert hinein. Der Erbauer der berühmtesten aller Mauern war der erste Kaiser Chinas, Qin Shi Huang (259 bis 210 v.Chr.). Von ihr sind nur noch ganz wenige Reste erhalten geblieben. Sie lag ein ganzes Stück weiter im Norden als die heutige, während der Ming-Dynastie errichtete Mauer.

Die Große Mauer schlängelt sich von Shanhaiguan im Osten über eine Strecke von rund 6700 km bis Lop Nur im Westen. Zu ihrer Glanzzeit hielten auf ihr mehr als eine Million Soldaten Wache. Man schätzt, dass im Lauf des über Jahrhunderte dauernden Mauerbauprojekts zwischen 2 bis 3 Millionen chinesische Arbeiter ihr Leben verloren haben. Die Mauerhöhe beträgt meist zwischen 6 und 9 m; in Abständen von etwa 180 m erheben sich Türme von etwa 12 m Höhe. Am Fuß ist sie 4 bis 7 m breit, oben etwa die Hälfte. Sie verläuft ohne Rücksicht auf das Gelände über Berge und Täler, an manchen Stellen liegt sie mehr als 1200 Meter über dem Meeresspiegel.

Bevor Backsteine als Baumaterial verwendet wurden, bestand die Mauer aus Holz, Erde und Steinen. Doch während der Ming-Dynastie wurden an vielen Stellen Backsteine eingesetzt, daneben auch Ziegel, Kalk- und andere Steine. Die Arbeit mit Backsteinen war einfacher als mit Erde und Natursteinen. Die kleineren und weniger schweren Backsteine waren handlicher und leichter zu tragen, und man kam mit dem Bau schneller voran. In der Folge wurden dann für die Grundfesten, für die Außen- und Innenwände sowie für die Tore rechteckig behauene Steine verwendet.

Die Türme der Großen Mauer gehören zu den späteren Vertretern der tai . Sie waren aus Stein errichtet und hatten bogenförmige Fenster und Türen. Es scheint, dass die Chinesen bei ihren Bauwerken aus Stein stets den Bogen verwendet haben. Man sieht dies bei den Torbauten und den Ecktürmen der Stadtmauern, die oft als Waffenarsenale dienten, sowie auch beim rechteckigen Beobachtungsturm der Pekinger Stadtmauer. Ein Turm, der einen länglichen Querschnitt aufweist, also breiter ist als tief, wird in der Fachsprache als lou bezeichnet.
Die Große Mauer bei Badaling , 16. Jhd.
Badaling, nördlich von Peking.
Der Pfeilturm (Jian Lou), Dongbianmen, Ming - Stadtmauer. Dies war ursprünglich der südöstliche Turm der vier Ecktürme.
1419 - 1435. Peking.


Die Stadtmauer in Xian ist nicht nur die vollständigste noch überlieferte Stadtmauer Chinas, sondern auch eine der größten und umfassendsten antiken Verteidigungsanlagen der Welt. Ihre Errichtung geht auf Zhu Yuanzhang (1328 bis 1398) zurück, den ersten Kaiser der Ming-Dynastie. Sie hat eine Länge von 14 km. Die militärischen Verteidigungseinrichtungen bestanden hier aus der Stadtmauer selbst, einem Wassergraben mit Brüstungen, Zugbrücken, Wacht-, Eck- und Eingangstürmen. In ihrem heutigen Zustand ist die Stadtmauer noch immer 12 m hoch, oben 12 bis 14 m und unten 15 bis 18 m breit. Alle 120 Meter ist ein aus der Mauer hervorspringendes Bollwerk eingelassen. Die Mauer enthält zahlreiche Brüstungen und insgesamt 5984 Schießscharten. Jede der vier Ecken der Stadtmauer ist von einem Wachtturm geschützt, und rund herum verläuft ein 18 m breiter und immerhin 6 m tiefer Wassergraben.

Das Panmen- Stadttor geht auf das Königreich Wu zurück (770 bis 476 v.Chr.). Es ist das einzige heute noch gut erhaltene Wasser-und-Land-Stadttor in der ganzen Welt. Das Tor wurde so, wie wir es heute sehen, 1351 neu erbaut. Es besteht aus einem Wasser- und einem Landtor, dem Stadttorturm und den beidseitigen Stadtmauern. Das Panmen- Tor ist Teil der antiken Stadtmauer, die 514 v.Chr. als Schutzmauer um die Stadt Suzhou herum gebaut wurde.

Die Stadtmauer Pekings war eine in den 1430er Jahren konstruierte Festungsmauer. Der Architekt Kuei Xiang errichtete neun Tore und fünf Festungen, beides keine Zufallszahlen. Vielmehr sollte damit die Göttlichkeit des Kaisers symbolisiert werden: Neun ist das Symbol der Macht und des Glücks, Fünf ist das Symbol der fünf Elemente – Holz, Erde, Feuer, Metall und Wasser. Die als ein umfassendes Befestigungssystem konstruierte und aus der Palast- und der Kaiserstadt sowie der inneren und der äußeren Stadt bestehende Mauer war 23,5 km lang und 15 m hoch, am Fuß war sie 20 m, oben 12 m breit. Dazu gehörten zahlreiche Tore, Schleusen, Eingänge, Portale, Eck-, Wacht-, Eingangs- und Beobachtungstürme sowie selbstverständlich Wassergräben. Peking besaß das größte Verteidigungssystem im ganzen chinesischen Kaiserreich. Die Mauern sind aus übergroßen Backsteinen gebaut, sorgfältig geschichtet und seitlich mit Zinnen und Schießscharten versehen. Die Außenwände der Mauern sind durch eckige, in Abständen von 60 m angebrachte Strebepfeiler verstärkt. An ihrer höchsten Stelle sind die Häuschen für die Wache haltenden Soldaten angebracht.

Der massive, 30 m hohe Dongbianmen -Wachtturm stammt aus dem Jahr 1436. Es handelt sich um den größten und ältesten Eckturm an einer Stadtmauer in ganz China. Mit seinen 144 Pfeillöchern zum Schutz der Stadt überschaute er von seiner Position in der südöstlichen Ecke der äußeren Stadt auch den großen Kanal. Der gegenwärtige Turm wurde in der Regentschaft des vierten Kaisers der Qing-Dynastie, Qianlong (1711 bis 1799) gebaut, dem am längsten regierenden Kaiser in der Geschichte Chinas. Der Turm weist zwei Ebenen von Schießfenstern für Bogenschützen auf, jeweils vier Fenster pro Ebene auf der nördlichen Seite und zwei Fenster pro Ebene auf der Ost- und auf der Westseite.
Karte von Peking,
1917.
Das Tor der Höchsten Harmonie , 15. Jhd.
Verbotene Stadt, Peking.
Xu Yang Die Hauptstadt aus der Vogelschau , 1767.
Rollbild, Malfarbe auf Seide, 255 x 233,8 cm .
Palastmuseum, Peking.
Die Thronhalle , 1420.
Kaiserlicher Palast (Verbotene Stadt), Peking.


3. - Zivilbauten

Die Verbotene Stadt in der Mitte Pekings war zur Zeit der Ming- und der Qing-Dynastien der kaiserliche Palast. Dieser Komplex auf annähernd schachbrettartigem Grundriss, ausgerichtet an der Nord-Süd-Achse, ist die größte Palastanlage der Welt. Sie bedeckt 740 000 m 2 (die bebaute Fläche beträgt 150 000 m 2 ). Sie ist von einem 6 m tiefen, mit Wasser gefüllten Graben und einer 10 m hohen Mauer umgeben und enthält 9 999 ½ Räume (der halbe Raum hat symbolischen Charakter: Der Himmel allein durfte 10 000 Räume enthalten). Noch heute sind davon 8 662 Räume intakt. Der Bau des Palastes wurde 1407 in Angriff genommen und bereits dreizehn Jahre später, also 1420, beendet.

Die Halle der Höchsten Harmonie (Tai He Dian) ist das Herzstück des riesigen Palastkomplexes der Verbotenen Stadt. Sie ist das größte und wichtigste Gebäude der ganzen chinesischen Nation und wird auch als „Thronsaal“ bezeichnet. Ihr Boden bedeckt eine Fläche von 2 377 m 2 und ist damit die größte Holzkonstruktion der ganzen Welt. Während der Ming- und der Qing-Dynastien durfte im ganzen Reich kein Gebäude die Verbotene Stadt in der Höhe überragen, denn sie war das Symbol der Macht des Kaisers von Gottes Gnaden. Die Halle ist 35 m hoch, 64 m breit und 34 m lang. Die in sechs Reihen angeordneten 72 Säulen tragen das Dach. Die Türen und Fenster sind mit getriebenen Drachen und Wolken geschmückt. Benutzt wurde die Halle für die wichtigsten Zeremonien, etwa die Thronbesteigung des Kaisers, seine Hochzeit, Feierlichkeiten zum Geburtstag des Kaisers, zum Neuen Jahr oder zur Ernennung von Generälen vor einem Feldzug.
Die Verbotene Stadt aus der Vogelschau,
15. Jhd. Verbotene Stadt, Peking.
Die imperiale Bibliothek (Wenyuange),
1420. Kaiserlicher Palast (Verbotene Stadt), Peking.


Gelb, die Farbe des chinesischen Kaisers, ist in der Verbotenen Stadt die dominante Farbe. Die Dächer sind mit gelb glasierten Ziegeln gedeckt, die Dekorationen im Palast sind gelb, ja selbst die Backsteine am Boden wurden mithilfe eines speziellen Prozesses gelb gefärbt. Es gibt nur eine einzige Ausnahme: Wenyuange, die königliche Bibliothek, ist von einem schwarzen Dach überwölbt. Der Grund? Schwarz ist die symbolische Farbe für Wasser. Man glaubte, ein schwarzes Dach würde Feuersbrünste verhindern. Die Bibliothek wurde zur Unterbringung der 36 000 Bände gebaut.

Die Halle der Klassiker, genannt Pi Yung Kung, war die Nachbildung eines alten Bauwerks des Kaisers Chien Lung in Peking, das neben der nationalen Universität Kuo Tzu Chien gestanden hatte. Der Kaiser begab sich bei manchen feierlichen Anlässen dorthin, um die klassischen Werke zu lesen und zu deuten. Er saß dann in der Halle auf dem großen, durch einen Wandschirm in Form der fünf heiligen Berge nach hinten abgeschlossenen Thron. Die Halle ist ein quadratisches Gebäude mit einem vierseitigen Dach aus Ziegeln in kaiserlichem Gelb und obendrauf mit einer großen vergoldeten Kugel, umgeben von einer mit Säulen versehenen Veranda mit einem zweiten großen Dach, ebenfalls aus gelben Ziegeln. Die vier Seiten bestehen aus je sieben Paaren von Flügeltüren mit Maßwerk-Paneelen. Umgeben ist dieses Gebäude von einem runden Wassergraben mit marmornen Balustraden, der von vier zu den mittleren Türen führenden Brücken überquert wird.

An den Seitenwänden des Hofes, in dem das Gebäude steht, befinden sich zwei lange, gewölbte Gebäude mit 189 aufrechten Steinstelen, die vorder- und rückseitig mit Inschriften bedeckt sind. Diese Inschriften sind die vollständigen Texte der dreizehn „Klassiker“. Sie wurden im Auftrag des Kaisers Chien Lung eingraviert, in Anlehnung an die Han- und die Tang-Dynastien, die in der damaligen Hauptstadt des chinesischen Reiches, Si An Fu, kanonische Werke in Stein meißeln ließen. Der Text wurde an der Vorderseite des Steins in „Seiten“ handlicher Größe eingeteilt, so dass Abdrücke auf Papier gemacht und diese dann in Buchform gebunden werden konnten. Bereits in der Zeit der Han-Dynastie war es üblich, solche Abdrücke anzufertigen, ein Verfahren, das vermutlich zur Idee des Block- oder Holztafeldrucks führte.

Eine Ansicht des Kun-ming Hu-Sees in der Nähe von Si-an Fu, einst der führenden Metropole der Provinz Shaanxi, auf dem der Kaiser Wu Ti eine Flotte von Kriegsdschunken hielt, um seine Matrosen auf die Einnahme von Indochina vorzubereiten.

Die Marmorbrücke mit den siebzehn Bögen ist ein bemerkenswertes Beispiel der schönen Steinbrücken, für die die Umgebung von Peking bekannt ist, seit Marco Polo die Brücke von Pulisanghin mit ihren vielen Bögen und ihren mit Löwen geschmückten Brüstungen aus Marmor beschrieb. Sie überspannt den Fluss Hunho und ist noch immer von den Hügeln im Hintergrund des Sommerpalastes sichtbar. Unsere Brücke, gebaut im zwanzigsten Jahr ( 1755) von Chien Lungs Regierung, führt von dem zementierten Damm auf eine Insel im See. Dort findet man einen antiken Tempel zu Ehren des Drachengottes. Sein Name wurde von Chien Lung in Kuang Jun Ssu geändert, „Tempel der weiten Fruchtbarkeit“, weil der Kaiser als frommer Buddhist die Vergöttlichung des Naga Raja, des traditionellen Feindes des Glaubens, nicht billigte.

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