Chinesische Kunst
256 pages
German, Middle High (ca.1050-1500)

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Description

Das vorliegende Buch stellt eine Enzyklopädie der
klassischen chinesischen Kunst dar und gibt einen
informativen Überblick über all ihre Formen. Auf diese
Weise präsentiert es auch den Schlüssel für das Verständnis
der zeitgenössischen chinesischen Kunst. Anfänger können
sich mit dieser Studie auf interessante Weise mit einem
neuen Thema vertraut machen, während Spezialisten die
globale Perspektive schätzen werden. Der Überblick
umfasst nicht nur die Architektur, die Bildhauerei und die
Malerei, sondern auch Bronzen und Keramik. Auf diese
Weise stellt diese Untersuchung ein vollständiges Panorama
der chinesischen Kunst und Zivilisation dar. Dabei betont
der Autor besonders, wie wichtig es ist, eine Gesellschaft zu
kennen, um ihre Kunst zu verstehen.

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Informations

Publié par
Date de parution 08 mai 2012
Nombre de lectures 0
EAN13 9781780425122
Langue German, Middle High (ca.1050-1500)
Poids de l'ouvrage 63 Mo

Informations légales : prix de location à la page 0,0598€. Cette information est donnée uniquement à titre indicatif conformément à la législation en vigueur.

Exrait

Chinesische
Kunst
Stephen W. BushellText: Stephen W. Bushell
Adaptiert: Pierre Emmanuel Klingbeil
Übersetzer: Dr. Martin Goch und Isabelle Weiss
Redaktion der deutschen Ausgabe: Klaus H. Carl
Layout:
Baseline Co Ltd,
33 Ter - 33 Bis Mac Dinh Chi St.
Star Building, 6th Floor
District 1, Ho Chi Minh City
Vietnam
© Parkstone Press International, New York, USA
© Confidential Concepts, Worldwide, USA
Alle Rechte vorbehalten.
Das vorliegende Werk darf nicht, auch nicht in Auszügen, ohne die Genehmigung des Inhabers der
weltweiten Rechte reproduziert werden. Soweit nicht anders vermerkt, gehört das Copyright der
Arbeiten den jeweiligen Fotografen. Trotz intensiver Nachforschungen war es aber nicht in jedem
Fall möglich, die Eigentumsrechte festzustellen. Gegebenenfalls bitten wir um Benachrichtigung.
ISBN: 978-1-78042-512-2Chinesische Kunst
Stephen W. BushellInhalt
Kurze historische Einführung 7
I. Architektur 23
II. Schnitz- und Steinschneidekunst (Glyptik) 71
III. Bearbeitete Materialien 127
IV. Malerei 189
Bibliographie 248
Index 249
Verzeichnis der Abbildungen 2526Kurze historische Einführung
as Studium der Kunst eines Volkes setzt immer auch eine gewisse Kenntnis seiner
Geschichte voraus. Ganz besonders trifft dies auf China und die chinesische Kunst zu, daD diese Welt für die meisten von uns fremd und geheimnisvoll ist. Die chinesische Kultur
reicht fast so weit zurück wie die Zivilisationen Ägyptens, Chaldäas und Susianas. Doch während diese
Reiche ihre Blüte in der Frühzeit erlebten und vom Erdboden längst wieder verschwunden sind, hat
China – auch das “Reich der Mitte“ genannt – die Zeiten überdauert. Es besitzt bis zum heutigen Tage
nicht nur eine völlig eigenständige Kunst und Philosophie, sondern auch eine eigene Schrift. Die
Zeichen der alten chinesischen Schrift entstanden wahrscheinlich im Tal des Gelben Flusses, des
Huanghe, einem der frühesten Siedlungsgebiete der Menschheit. Bis heute gibt es keinerlei Hinweise
auf eine Verbindung zu irgendeinem anderen Schreibsystem.
1. - Altertum
Im Verlauf der letzten Jahrzehnte haben archäologische Funde und Ausgrabungen von Stadt- und
Tempelruinen unser Wissen um die alten Reiche in Westasien erheblich erweitert. Doch zweifellos
harren noch zahlreiche Schätze aus der Frühzeit Chinas der Entdeckung durch Forscher und
Wissenschaftler, vor allem in den Landschaften entlang des Gelben Flusses und seines mächtigsten
Nebenflusses, des Wei, der von Westen nach Osten durch die Provinz Shensi (oder Shaanxi) verläuft.
Diese Gegend gilt als die „Wiege der chinesischen Nation“. Doch die Schätze liegen tief vergraben
unter dicken Schichten von Schwemmsand und dem für diese Region so charakteristischen gelben
Löss. Nur ganz selten kommt es vor, dass diese Schichten bis auf den Grund abgetragen werden, etwa
nur dann, wenn der Strom beim Bau von Kanälen für die Bewässerung oder bei anderen Bauvorhaben
seinen Lauf wechselt. Dies sind dann wertvolle Fundstellen für bronzene Opfergefäße und andere
antike Artefakte. Die Chinesen schätzen diese Objekte aus den alten Dynastien über alle Maßen, auch
wenn sie Ausgrabungen skeptisch gegenüberstehen, da solche radikalen Eingriffe in die natürliche
Umgebung mit ihren geomantischen Prinzipien nicht zu vereinbaren sind.
Die legendäre (im Gegensatz zur rein mythischen) Periode beginnt mit dem Kaiser Fu Xi (auch:
FoHi, Mitte 2800 v.Chr.), dem berühmten Begründer des chinesischen Staatswesens und dem ersten der
so genannten erhabenen Kaiser des Altertums. Sein Nachfolger, der zweite dieser erhabenen
Herrscher, Chu Yung, wird vor allem als der Besieger von Kung Kung gefeiert, dem ersten Rebellen
und Anführer eines ungeheuren Aufstands aus der frühesten Zeit, in der er die Erde durch eine
Überschwemmung beinahe vernichtet haben soll.
Der dritte der drei Erhabenen ist Shen Nong Shi, der göttliche Landmann und Ackerbauer, der als Erfinder
des Holzpflugs gilt und sein Volk in die Kunst der Viehzucht und des Ackerbaus einwies. Er war es auch,
der die heilenden Kräfte verschiedener Pflanzen entdeckte und die ersten Märkte zum Austausch von
Waren begründete. Mit den Kaisern Yao und Shun befinden wir uns schon auf etwas festerem Boden: Sie
stehen bei Konfuzius (um 551 bis 479 v.Chr.) an der Spitze des Shu-Ching (auch: Shu Ging, Buch der
Geschichten oder Urkunden). Dies war ein Kompendium von Sprüchen, Erlassen und Vorschriften, die
den aufgeklärten und tugendhaften Herrschern der chinesischen Geschichte als Richtlinie dienten.
Anonym,
Yao (in alten Geschichtswerken auch Fangxun oder Tangyao genannt) musste im Alter von 70 Jahren Der Kangxi-Kaiser (1654 - 1722) Ein
Tangeinen Nachfolger bestellen. Er überging seinen eigenen Sohn und überließ seinen Thron auf Rat seiner zeitliches Gedicht über den blühenden
Minister dem jungen Shun. Auch dieser bestimmte, als die Zeit gekommen war, statt seines eigenen Lotus, um 1703.
unwürdigen Sohnes einen fähigen Minister, den Großen Yu, zu seinem Erben. Leider brach Yu mit dieser Rollbild, Tusche auf Seide,
weisen Tradition: Er trat den Thron an seinen leiblichen Sohn ab, womit das chinesische Reich zu einer 186,7 x 85,3 cm.
erblichen Monarchie wurde. Palastmuseum, Peking.
7Der Große Yu verdankt seinen Ruhm dem Erfolg seiner riesigen wasserbautechnischen Anlagen und
Maßnahmen, deren Bau neun Jahr dauerte. Nachdem er sein Reich damit von der ständigen
Überflutungsgefahr befreit hatte, teilte Yu es in neun Provinzen auf. Seine Werke sind im Tribut für Yu,
das mit einigen Änderungen im von Konfuzius zusammengestellten Shu-Ching enthalten ist, sowie in
den ersten beiden der dynastischen Geschichten beschrieben, den historischen Memoiren des
Geschichtsschreibers Ssu-ma Chien (145 bis 85 v.Chr.) und den Annalen der früheren Han-Dynastie,
verfasst von Pan Ku (32 bis 92 n.Chr.). Man erzählt, er habe die neun bronzenen Kessel (Ding) aus dem
Metall der neun Provinzen in die Hauptstadt in der Nähe von Kaifeng Fu in der Provinz Honan bringen
lassen. Danach wurden sie über fast 2000 Jahre lang als Insignien des Reichs aufbewahrt. Der Große Yu
ist der Gründer der Xia-Dynastie, zusammen mit Chieh Kuei, einem degenerierten Nachfahren und
letztem des Geschlechts, einem grausamen Tyrannen, dessen Ungerechtigkeit zum Himmel schrie, bis er
schließlich von Tang, dem „Vollender“ und Begründer der neuen Shang-Dynastie, bezwungen wurde.
Die Xia-Dynastie (vermutlich 2200 bis 1800 v.Chr.) wurde von der Shang (um 1600 bis 1100 v.Chr.) und
die Shang ihrerseits von der Chou- (auch: Zhu-) Dynastie (um 1122 oder 1045 bis 770 v.Chr.) abgelöst.
Die Chou-Dynastie, die ihren glorreichen Anfang mit dem weisen Staatenlenker König Wen und dem
militärischen Talent von König Wu nahm, wurde unter der Herrschaft von König Cheng konsolidiert.
Letzterer war bei seiner Thronbesteigung erst dreizehn Jahre alt, so dass die Regentschaft an seinen
Onkel Tan, den Fürsten von Chou, fiel, eine der gefeiertsten Persönlichkeiten der chinesischen
Geschichte. Er wird in Bezug auf Tugend, Weisheit und Ehrenhaftigkeit unmittelbar nach den großen
Herrschern des Altertums, Yao und Shun, eingereiht. Tan legte die Gesetze des Reiches fest, lenkte die
Politik und agierte allgemein als Herrscher und Schutzherr des neu gegründeten Königshauses, nicht nur
während der ersten Zeit der Regierung seines noch minderjährigen Neffen, Cheng, sondern schon unter
der Regentschaft seines Bruders, König Wu, der ihm das Fürstentum Lu übertrug.
Die Aufteilung des Reiches in erbliche Fürstentümer, die an die Sprösslinge des Königshauses und
die Vertreter der früheren Dynastien vergeben wurden, führte letztendlich jedoch zu einer
Katastrophe. Denn mit der zunehmenden Macht dieser Fürstentümer schrumpfte jene des zentralen
Königreichs – bis es schließlich den Angriffen der barbarischen Stämme im Süden und Westen nicht
länger standhalten konnte. König Xüan, ein energischer Herrscher, schlug die Eindringlinge mit
Erfolg zurück, doch kaum ein Jahrzehnt nach seinem Tod wurde die Hauptstadt von den Barbaren
eingenommen, und im Jahr 771 v.Chr. fiel ihnen sein Sohn und Nachfolger, König Yu (oder You),
zum Opfer. An die Regierungszeit von König Yu erinnert im kanonischen Buch der Oden die
Aufzeichnung der Sonnenfinsternis am 29. August 776 v.Chr., der ersten in einer langen Reihe von
Sonnenfinsternissen, die uns gute Anhaltspunkte für die chronologischen Bestimmungen von
Ereignissen in der chinesischen Geschichte liefern.
Sein Sohn und Nachfolger regierte in der neuen Hauptstadt, Lo Yang, und die von da an als die Östliche
Chou bezeichnete Dynastie blieb dort, obwohl ihre Autorität trotz aller Bemühungen von Seiten des
Konfuzius und des Mencius (um 372 bis 289 v.Chr.) allmählich schwand, um ihre rechtmäßigen
Ansprüche geltend zu machen. Unterdessen waren die barbarischen Eindringlinge durch eine
Kombination der beiden Feudalstaaten der Chin (Tsin) und der Qin vertrieben worden; die alte
Hauptstadt wurde den später die Chou ersetzenden Qin überlassen.
Während des 7. Jahrhunderts v.Chr. lag die Macht des Reiches bei verschiedenen verbündeten feudalen
Prinzen und Lehnsherren. Die Zeit zwischen 685 bis 591 v.Chr. wird als die Periode der Wu Pa oder der
„fünf Anführer“ bezeichnet, die nacheinander als ‘Sohn des Himmels‘ die Regierung innehatten.
Anonym, Dieses System von Fürsten und Königen funktionierte eine Weile lang ganz gut und brachte eine
Qin Shi Huang, aus einem gewisse Ordnung und Befriedung, doch dauerte es nicht lange, bis unter den einzelnen Reichen
koreanischen Album des 19. Streitigkeiten ausbrachen und das Land erneut durch Bürgerkriege erschüttert wurde. Verrat,
Jahrhunderts, 19. Jhd. Überfälle, wechselnde Allianzen und Mordanschläge waren an der Tagesordnung. Dieser Zustand
Papier, Folio. dauerte mehr als 200 Jahre lang, bis König Nan schließlich im Jahr 256 durch die Qin entmachtet
British Museum, London. wurde. Dies bedeutete das Ende der Chou-Dynastie.
82. - Die Kaiserzeit
Die Qin-Dynastie
König Cheng (auch: Zheng) bestieg als 13-Jähriger im Jahr 246 v.Chr. den Thron der Qin (auch: Chin).
Nach der Eroberung und gewaltsamen Annektierung der zahlreichen, sich gegenseitig bekämpfenden
Fürstentümer und Königreiche gründete er 221 v.Chr. aus den Ruinen des alten Feudalsystems ein
neues, vereintes Reich. Er erweiterte die Grenzen Chinas nach Süden, drängte die berittenen,
nomadisierenden Hiung-nu-Türken zurück und ließ die alten Befestigungsmauern im Norden zum
Schutz gegen die unliebsamen rebellierenden Minderheiten zu einer lückenlosen riesigen Linie, der
Großen Chinesischen Mauer, verbinden.
Von ihm erging der Befehl zur Verbrennung sämtlicher Geschichtsbücher der anderen Reiche sowie aller
klassischen konfuzianischen Werke. Erlaubt waren nur - damit keine unvorteilhaften Vergleiche
angestellt werden konnten - Historiografien der Qin-Herrschaft. Er erklärte sich selbst zum Ersten Divus
Augustus, also zum Göttlichen Kaiser, und benannte seine Nachfolger als den Zweiten, Dritten usw.
Kaiser – bis hinunter zur zehntausendsten Generation. Seine ehrgeizigen Vorhaben waren jedoch zum
Scheitern verurteilt, denn sein Sohn, der ihm als Erh Shih Huang Ti, als Kaiser der zweiten Generation,
im Jahr 209 v.Chr. nachfolgte, wurde bereits zwei Jahre später durch den Eunuchen Chao Kao ermordet,
und im Jahr 206 ergab sich sein Enkel schon als Kind dem Begründer des Hauses der Han, Liu Pang,
indem er ihm die Jadesiegel des Reiches überließ. Wenige Jahre später wurde auch er umgebracht.
9Die Zivilisation Chinas während der drei alten Dynastien scheint, soviel wir wissen, zum überwiegenden Teil,
wenn nicht sogar völlig, auf eigenem Boden gewachsen zu sein. Gegen Ende dieser Periode jedoch, also im
5. und 4. Jahrhundert v.Chr., erweiterte das Qin-Reich (Shensi-Provinz) seine Grenzen nach Süden und
Westen. Zweifellos leitet sich von den Qin oder Chin die Bezeichnung „China“ ab, wie das Reich allgemein
von den Hindus, den Persern, den Armeniern, den Arabern und den alten Römern genannt wurde.
Etwa um die gleiche Zeit, oder vielleicht schon etwas früher, gibt es im Südwesten Anzeichen von
Landverbindungen über Burma und Assam nach Indien. Vermutlich gehen diese auf Händler des
ShuReiches (Provinz Szechuan) zurück. Jedenfalls fanden auf diesem Weg hinduistisches Gedankengut und
Prinzipien wie Asketismus und kontemplative Mystik Eingang in die chinesische Religion. Diese Elemente
schlugen sich im frühen Taoistischen Kult nieder, der in diesen Gebieten schnell Wurzeln fasste.
Die Han-Dynastie
Die nächste Dynastie, die Han, eröffnete als erste den regelmäßigen Handelsverkehr mit den westlichen
Ländern. So wurde Chang Chien (2. Jh. v.Chr.) auf eine Mission zu den Yueh-ti oder Indoskythen
entsandt, deren Hauptstadt sich damals am nördlichen Ufer des Flusses Oxus befand. Er machte sich 139
v.Chr. auf den Weg, fiel aber unterwegs in die Hände der Hiung-nu-Türken, den damaligen Herrschern
von Ost-Turkestan, die ihn zehn Jahre lang gefangen hielten, ehe er schließlich fliehen und über Ta Yuan
(Ferghana) sein Ziel erreichen konnte. Er reiste durch Baktrien, um über Khotan Lobnor in seine Heimat
zurückzukehren. Unterwegs wurde er ein zweites Mal von den Hiung-nu gefangen; erst 126 v.Chr.
konnte er fliehen und nach 13 Jahren Abwesenheit endlich wieder in seine Heimat zurückkehren.
Zu seinem Erstaunen hatte Chang Chien in Baktrien Stoffe, Bambusstäbe und andere Waren zum Verkauf
angeboten gesehen, die er als Erzeugnisse aus Szechuan erkannte. Man erzählte ihm, sie seien aus Shen-tu
10(Indien) eingeführt worden. Er berichtete dem Kaiser von der Existenz dieser Handelsbeziehungen
zwischen China und Indien und erwähnte auch den Namen des Buddha sowie des Buddhismus als einer
indischen Religion. Unter den Mitbringseln des kaiserlichen Abgesandten waren die Weinrebe, die
SaatLuzerne (Medicago sativa), der Granatapfel aus Parthien sowie eine Reihe anderer Pflanzen, die dann im
Shang Lin Park der Hauptstadt des Reiches kultiviert wurden.
In der Folge schickte der Kaiser Wu Ti auf freundschaftlicher Basis Gesandtschaften nach Sogdiana und
zu Beginn der Herrschaft von König Mithridates II. im Jahr 123 v.Chr. auch nach Parthien. In den Jahren
102 bis 100 v.Chr. unternahm eine Armee in seinem Auftrag einen Eroberungszug nach Ferghana, von
wo sie im Triumph dreißig der „himmlischen“ Nissan-Pferde mit nach Hause führte. Im fernen Süden
(Indochina) wurde im Jahr 110 v.Chr. Kattigara annektiert. Man gab ihm den Namen Jih Nan, „Süden
der Sonne“. Von diesem Hafen aus stach ein Schiff in See, um aus Kabulistan das am chinesischen
Kaiserhof sehr gefragte farbige Glas zu holen.
Der Buddhismus wurde 67 n.Chr. offiziell in China eingeführt. Dem Kaiser Ming Ti erschien im Traum
eine von einem Lichtschein umgebene schwebende goldene Gestalt. Seine Berater legten diesen Traum
als eine Aufforderung Buddhas aus, er müsse sofort eine Expedition nach Indien entsenden. Aus Indien
brachten die Gesandten zwei Mönche mit in die Hauptstadt Lo Yang und außerdem einige in Sanskrit
verfasste Bücher, die sogleich übersetzt wurden, sowie buddhistische Bilder und Figuren, die alsbald die
Wände der Säle im Palast sowie den neu erbauten Tempel zierten. Dieser trug zu Ehren des Schimmels,
der die Relikte durch Asien getragen hatte, den Namen Pai Ma Ssu - Tempel des Weißen Pferdes. Die
beiden indischen Mönche lebten in diesem Tempel bis zu ihrem Tod. Der nun einsetzende Einfluss der
buddhistischen Ideale auf die chinesische Kunst war übermächtig und ist aus dieser gar nicht
wegzudenken. Diesem Thema sind zahlreiche Abhandlungen gewidmet, deshalb gehen wir an dieser
Stelle nicht näher darauf ein.
Im Jahre 97 n.Chr. führte der gefeierte chinesische General Ban Chao (32 bis 102) eine Armee bis nach
Antiochia Margiana und unternahm den Versuch, eine Gesandtschaft an den Persischen Golf und von
dort weiter nach Rom zu schicken. Doch sein Hauptmann Kan Ying drückte sich vor dieser Reise über
das Meer und kehrte unverrichteter Dinge zurück.
Umgekehrt gelangten im Jahr 166 n.Chr. römische Händler auf dem Seeweg in die chinesische
Hafenstadt Kattigara. In den Annalen sind sie als Gesandte des Kaisers Marcus Aurelius Antonius
vermerkt. Später, in den Jahren 226, 284 und danach werden auch aus Kanton römische Händler
gemeldet. In der Zwischenzeit wurde außerdem der durch die Parthischen Kriege verschlossene
Landweg im Norden wieder eröffnet. So gelangten viele buddhistische Missionare aus Parthien und
Samarkand, aber auch aus dem nordindischen Gandhara, nach Lo Yang.
Südliche und Nördliche Dynastien
In der Zeit der Nördlichen und Südlichen Dynastien, als China vom Beginn der fünften bis fast zum Ende
der sechsten Dynastie aufgeteilt war, erlebte der Buddhismus eine Blütezeit. Die den Norden
beherrschenden Toba-Tataren erklärten den Buddhismus zur Staatsreligion, und ihre Geschichte widmet
dem Thema ein eigenes Buch (Wei Shu, Kapitel CXIV), das interessante Aufzeichnungen über die Klöster,
Pagoden und die Felsskulpturen aus dieser Zeit enthält. Ein Anhang befasst sich mit dem Taoismus; er
trägt den Titel Huang Lao, befasst sich also mit der „Religion des Huang Ti und des Lao-Tzu“.
Der Kaiser Wu Tu der Liang-Dynastie, der von 502 bis 549 in Chien Kang (Nanking) regierte, zog sich
oft das Gewand eines Bettelmönchs über und widmete sich in buddhistischen Klöstern der Auslegung
der heiligen Gesetzesbücher. Während seiner Regierungszeit, im Jahr 520 n.Chr., kam Bodhidharma, ein Anonym,
Königssohn aus dem südlichen Indien, der 28. indische und zugleich 1. chinesische Patriarch, nach Kublai Khans Armeen belagern
China, wo er sich nach einem kurzen Aufenthalt in Kanton in Lo Yang niederließ. Er wird in der Glyptik die chinesische Festung O-Chou,
(Steinschneidekunst) häufig als Träger des berühmten patra, des „Heiligen Gral“ des buddhistischen Illustration 14. Jhd., Buch um 1590.
Glaubens, oder auch bei seiner Überfahrt über den Jangtse-Strom auf einem am Ufer abgebrochenen Papier, Folio.
Schilfrohr dargestellt. Golestan Palast, Teheran.
11Die Tang-Dynastie
In der Sui-Dynastie war das Reich wiedervereinigt worden; unter der nachfolgenden großen
TangDynastie (618 bis 906) erreichte es seine größte Ausdehnung. Die Tang gelten zusammen mit den Han als
eine der großen “Weltmächte“ der chinesischen Geschichte. Viele der zentralasiatischen Länder wandten
sich an den Sohn des Himmels als ihren Beschützer gegen die aufstrebende Macht des arabischen Reiches.
Ein chinesischer General mit einer Armee von Söldnern aus Tibet und Nepal stürmte 648 die Hauptstadt
Zentralindiens, Magadha, und chinesische Dschunken segelten in den Persischen Golf, während die
letzten der persischen Sassaniden nach dem Untergang ihres Reiches als Flüchtlinge in China Schutz
suchten. Kurz darauf gelangten die Araber auf dem Seeweg bis nach Kanton und ließen sich in vielen
Hafenstädten nieder, aber auch in der Provinz Yunnan, wo sie in die Dienste der kaiserlichen Armeen
traten, um die Rebellenaufstände entlang der nordwestlichen Grenze Chinas niederzuwerfen. Auch
Nestorianische Missionare, iranische Manichäer und Juden kamen zu dieser Zeit auf dem Landweg in das
Reich der Mitte, doch die beherrschende Macht war die des Halbmonds. Tatsächlich konnte sich der
Islam bis auf den heutigen Tag behaupten, gibt es doch derzeit über 20 Millionen chinesische Muslime.
Buddhistische Propaganda war vor allem in der Anfangszeit der Tang-Dynastie stark verbreitet, nachdem
das Hauptquartier dieser Religion von Indien nach China verlagert worden war. Hinduistische, aus ihrem
eigenen Land vertriebene, Mönche brachten ihre heiligen Bilder mit und führten den traditionellen
Kunstkanon mit seinen Symmetrien und geometrischen Proportionen in China ein, der sich bis in die
heutige Zeit praktisch unverändert erhalten hat. Umgekehrt wanderten nacheinander Gruppen
chinesischer Asketen nach Indien, um das heilige Land des Buddha zu besuchen, in den wichtigsten
Schreinen Räucherwerk darzubringen, Sanskrit-Schriften zu studieren und Artefakte und Manuskripte
zum Zweck der Übersetzung mit nach China zurückzubringen. Ihren Reiseberichten verdanken wir viel
von dem Wissen über die Geographie des alten Indien.
Angeregt durch solch mannigfaltige Einflüsse, erblühte die chinesische Kunst sehr schnell. Die
TangDynastie gilt allgemein als ihr goldenes Zeitalter, jedenfalls was Dichtkunst, Literatur und Belletristik
angeht. Doch auch die Macht der Tang sollte nicht ewigen Bestand haben. Sie verloren eines ihrer
Herrschaftsgebiete nach dem anderen, und im Jahr 906 ging ihre Herrschaft jäh zu Ende. Die Kitanen,
von deren Name sich sowohl Marco Polos ‘Cathay’ wie auch die russische Bezeichnung für China, Kitai,
ableitet, fielen von Norden her ein; im Nordwesten drohte das mächtige Tanguten-Reich, in Yunnan
wurde das Königreich der Shan errichtet, und Annam erklärte sich unabhängig. Von den fünf Dynastien,
die sich nach dem Zusammenbruch der Tang in kurzer Folge ablösten, waren drei türkischer
Abstammung. Vom künstlerischen Gesichtspunkt her waren sie allerdings kaum von Bedeutung.
Die Sung-Dynastie (auch: Song-)
Im Jahr 960 konsolidierte die Sung-Dynastie den größeren Teil des chinesischen Reiches, jedoch ohne die
abgefallenen Randgebiete. Die Herrschaft der Sung wird zu Recht als eine ausgedehnte, befriedete Kaiserzeit
charakterisiert, die ihr Augenmerk auf wirtschaftliches Wachstum, Handel, Technik und Buchdruck legte und
kaum kriegerische Ambitionen verfolgte. Die Philosophie erfreute sich allgemeiner Beliebtheit, die Literatur
blühte auf vielen Gebieten (Technik, Medizin, Architektur, aber auch Romane), Enzyklopädien wurden verfasst
und die klassischen Werke gedruckt. Diese Periode wird auch als Neokonfuzianismus bezeichnet. Der Kaiser
und die hohen Beamten legten Sammlungen von Bildern, Büchern, Abdrucken von Inschriften, Antiquitäten
aus Bronze und Jade sowie anderen Kunstgegenständen an und erstellten zum Teil noch heute erhaltene
bebilderte Kataloge ihrer Schätze – auch wenn die Sammlungen selbst nicht überlebt haben. Es scheint, als
hätten sich zu dieser Zeit der eigentliche chinesische Geist und die Auffassung der Kunst herauskristallisiert.
Denn das, was die chinesische Kunst ausmacht, hat sich seit dieser Zeit im Wesentlichen nicht verändert.
Die Yuan-Dynastie
Die Yuan-Dynastie (1280 bis 1367) wurde von Kublai Khan (1215 bis 1294), einem Enkel des legendären
mongolischen Herrschers Dschingis Khan (um 1160 bis 1227), proklamiert. Die Mongolen annektierten die
12halbnomadischen Uiguren und zerstörten das Königreich Tangut, durchquerten Turkestan, Persien und die
dahinter liegenden Steppen, verwüsteten Russland und Ungarn und drohten gar, weiter westlich in Europa
einzufallen. Auch China wurde von nomadischen Reiterscharen heimgesucht und seine Finanzwirtschaft
durch die Einführung von nicht einlösbarem Papiergeld zerstört. Seine Städte wurden fremden Statthaltern
übergeben, den so genannten darugas. Ein zeitgenössischer chinesischer Autor beschreibt den Verfall der
Porzellanindustrie in Jingdezhen als Folge der überhöhten steuerlichen Belastung, die die Töpfer zwang, aus
der alten kaiserlichen Manufaktur wegzuziehen, um ihren Lebensunterhalt in anderen Teilen der Provinz
Kiangsi zu finden.
Der venezianische Kaufmann Marco Polo (1254 bis 1324) staunte über die Pracht und den Reichtum des
großen Khan, dieses Sagen umwobenen Herrschers, der es verstand, aus seinen chinesischen Eroberungen
den größten Nutzen zu ziehen. Doch die Kultur, die der Reisende aus Venedig zu Gesicht bekam, stammte
bereits aus der Zeit vor dem Einfall der Mongolen; sie ging auf das kunstgewerbliche Können der
chinesischen Bevölkerung zurück. Selbst der von Marco Polo in so begeisterten Worten beschriebene
wunderbare Palast war in Wahrheit die ehemalige Sommerresidenz der Sung-Kaiser in Kaifeng Fu in der
Provinz Honan, der Stück um Stück abgetragen und in den Park der neuen mongolischen Hauptstadt
Ciandu (heute Chang-tu) nördlich der Großen Mauer gebracht und dort wieder aufgebaut worden war.
Die mongolische Ära ist verantwortlich für einige der erstaunlichen Ähnlichkeiten zwischen dem Anonym,
Kunsthandwerk in Ost- und Westasien, die in dieser Epoche zum ersten Mal unter einem Herrscher Hofmaler, Porträt des Kangxi-Kaisers
vereint waren. Man sagt, Hulagu Khan habe etwa um 1256 einhundert Familien chinesischer Ingenieure im Hofstaat (1662–1722),
und Kunsthandwerker nach Persien geholt. Umgekehrt stellen wir fest, dass die floralen Motive des Frühes 18. Jhd.
frühesten bemalten Porzellans in China mit arabischen Schriftzeichen verziert sind und damit einen Rollbild, Tusche und Malfarbe auf
persischen Einfluss vermuten lassen. Seide, 278 x 143 cm.
Palastmuseum, Peking.
Die Ming-Dynastie
Giulio Aleni (1582 - 1649),
Die fremden mongolischen Herrscher wurden 1386 von chinesischen Aufständischen über die Wüste Vollständige Karte aller Nationen,
Gobi hinaus nach Norden vertrieben. Im selben Jahr begründete ein junger Bonze, Zhu Yuanzhang um 1620.
(1328 bis 1398), die Ming-Dynastie (1368 bis 1644). Noch eine ganze Weile lang kam es zu ständigen Papier.
Grenzüberfällen. Im Jahr 1449 entführten die Mongolen sogar einen chinesischen Kaiser. Acht Jahre British Museum, London.
131415später wurde er jedoch befreit und unter dem neuen Titel Tien Shun wieder in sein Amt eingesetzt.
Dieser Vorfall ist deshalb bemerkenswert, weil es sich hier, was in früheren Dynastien an der
Tagesordnung war, um die einzige Änderung des Namens einer Regentschaft während der letzten beiden
Dynastien handelt.
Die frühen Ming-Kaiser unterhielten über den Seeweg Verbindungen mit dem Westen. Vor allem in den
Regierungszeiten von Yung Lo (Zhu Di; 1360 bis 1424) und Xüan Te erlebte der Handelsverkehr einen
Aufschwung: Der berühmte islamische Groß-Eunuch und Admiral Zheng He (1371 bis etwa 1434)
unternahm Fahrten in bewaffneten Dschunken nach Ceylon, Indien, Arabien und entlang der Küste
Afrikas bis Magadoxu sowie entlang des Roten Meeres bis Jiddah, dem Hafen von Mekka. Auf der Liste
der während der Regierungszeit von Xüan Te (1426 bis 1435) nach Mekka gebrachten Waren steht u.a.
auch Seladon-Porzellan (ching tzu). Wer weiß, vielleicht war es eine dieser Expeditionen, welche die
Seladon-Vasen mit sich führte, die der Sultan von Ägypten im Jahr 1487 Lorenzo de’ Medici zukommen
ließ. Im darauf folgenden Jahrhundert tauchten erstmals spanische und portugiesische Schiffe in diesen
Meeren auf. Chinesische Dschunken wurden zu diesem Zeitpunkt nicht mehr gesichtet.
Die Qing-Dynastie
Die Qing- oder Mandschu-Dynastie war die letzte herrschende Dynastie Chinas (1644 bis 1912). Die
große Qing-Dynastie begann im Jahre 1644, erweiterte sich nach und nach zum eigentlichen
chinesischen Reich und endete erst mit der Errichtung der Republik China am 1. Januar 1912. Die
QingDynastie verschmolz ganz und gar mit der chinesischen Kultur und wurde zu ihrem Inbegriff.
Ihre militärische Macht schwand jedoch allmählich im Verlauf des 19. Jahrhunderts. Der Druck von
Seiten Japans und Europas, massive Aufstände unter den Bauern und Niederlagen in kriegerischen
Auseinandersetzungen trugen etwa ab 1850 zum allmählichen Verfall der Qing-Dynastie bei. Ihr
Zusammenbruch im Jahr 1912 brachte das über 2000 Jahre alte Kaiserreich zu einem abrupten Ende.
Damit begann eine ausgedehnte Zeit der Wirren und der Instabilität, in der sich immer neue Machthaber
in kurzer Folge ablösten.
Übersicht über die einzelnen Dynastien
NAME DER DYNASTIE HERRSCHAFTSZEIT
Xia 2207 - 1765 v.Chr.
Shang 1765 - 1122 v.Chr.
Chou (Zhou) 1122 - 256 v.Chr.
Qin (Chin) 221 - 207 v.Chr.
Han 206 v.Chr. - 220 n.Chr.
Zeit der drei Königreiche 220 - 265
Jin 265 - 420
Südliche/Nördliche Dynastien 420 - 589
Sui 589 - 618
Tang 618 - 906
Fünf Dynastien 907 - 960
Sung (Song) 960 - 1279
Yuan 1279 - 1368
Ming 1368 - 1644
Qing (Mandschu) 1644 - 1911
Republik China 1912
Karte Chinas. Volksrepublik China seit 1949
1617Wang I - peng (15. Jhd.),
Inschrift auf Wu Chens Handbuch,
15. Jhd.
Albumblatt, Tusche auf Papier,
38 x 53,1 cm.
Nationales Palastmuseum, Taipeh.
181920I. Architektur
1. - Das Dach
2. - Militärischer Festungsbau
3. - Zivilbauten
4. - Grabanlagen
5. - Religiöse Bauwerke
2122I. Architektur
m Verlauf der langen Geschichte Chinas hat sich der architektonische Stil seiner Bauten,
gleich ob profaner oder sakraler, privater oder öffentlicher Natur, erstaunlich wenigI verändert. Selbst wenn unter der Einwirkung des Westens oder von Seiten des Buddhismus
oder des Islams neue Formen ihren Weg nach China fanden, so wurden sie und ihre Linien durch die
chinesischen Baumeister doch sehr bald so weit angepasst und modifiziert, dass sie dem chinesischen
Stilempfinden entsprachen. Eine der Hauptregeln der chinesischen Geomantik verlangt die Ausrichtung
jedes wichtigen Gebäudes nach Süden. Daraus ergibt sich deren - nach unserem Empfinden aber auch
eine gewisse Monotonie erzeugende - einheitliche Orientierung.
1. - Das Dach
Das am weitesten verbreitete architektonische Modell in China ist das t’ing, das im Wesentlichen aus
einem massiven, überhängenden Dach mit seinen charakteristisch aufwärts geschwungenen Rändern
besteht und auf kurzen Pfeilern ruht. Die geschwungene Form der Dachecken wird von manchen für ein
Überbleibsel aus einer Zeit gehalten, in der die Chinesen ihre Zelttücher an den Ecken mit Speeren
befestigten. Eine solche Vermutung ist sehr weit hergeholt, sind doch die Chinesen, seit wir Kenntnis
von ihnen haben, immer schon recht sesshaft gewesen, sie waren ein Bauernvolk und keine Nomaden.
Wie dem auch sei, das charakteristisch geschwungene Dach ist typisch für die chinesische Architektur,
ja ihr eigentliches Hauptmerkmal. Je nach Ausführung verleiht es einem Tempel, einem Wohnhaus oder
einer Pagode prachtvolle Monumentalität oder aber große Schlichtheit. Immer jedoch wirkt es elegant
und dynamisch. Um für eine gewisse Abwechslung zu sorgen, gibt es auch mehrschichtige, also doppelte
und dreifache Dächer. Diese starke Betonung eines in der westlichen Architektur eher vernachlässigten
Bauelements lässt sich durch die relativ geringe Höhe der Bauten rechtfertigen. Der Architekt widmet
seine ganze Aufmerksamkeit der Gestaltung und Ausschmückung des Daches, sei es durch Hinzufügen
eines Antefixums (einer ornamentalen Aufbiegung der untersten Deckziegel) oder durch Abdecken mit
glasierten Ziegeln in leuchtenden Farben.
Die Drachen und Phönixe auf dem Dachfirst, die grotesken, in der Dachtraufe aufgereihten Tiere und die
blauen, gelben und grünen Ziegel sind niemals willkürlich platziert, sondern gehorchen einem strengen
Kanon. Die prächtigen Farben und ihre Anordnung zeigen beispielsweise den Rang des Hausbesitzers an
oder sind ein Hinweis darauf, dass ein Tempel im Auftrag des Kaisers errichtet wurde.
Das große Gewicht des Daches erfordert den - gelegentlich noch durch stufenweise angebrachte Juyong Pass, 15. Jhd.
Tragstützen - verstärkten Einsatz von Pfeilern, denen damit eine überaus wichtige Funktion zukommt. 50 km nordwestlich von Peking.
Sie sind aus Holz gefertigt, der Schaft hat in der Regel eine zylindrische – gelegentlich auch vielflächige
– Form, ist jedoch niemals kanneliert. Das Kapitell ist lediglich eine Art Konsole mit eckigem Abschluss Qiniadian (Altar für Ernteopfer),
oder mit einem Drachenkopf; der Sockel ist ein Quader aus Stein, der oben zur Aufnahme des Schaftes Drachen - Phönix - Caisson, 1420.
zu einer Rundbasis gemeißelt ist. Der Sockel darf den Vorschriften gemäß nicht höher als die Breite der Holz.
Säule sein, und der Schaft nicht mehr als zehn Mal länger als sein Durchmesser. Peking.
Große Stämme von Persea nanmu-Bäumen aus der Provinz Szechuan werden den Fluss Jangtse bis nach Die Säulen aus Nanmu - Holz in der
Peking hinunter geschwemmt, um dort als Pfeiler für die großen Tempel und die Paläste eingesetzt zu Lingen-Halle des Changling-Mausoleums,
werden. (S. 24) Der Nanmu ist der größte Baum Chinas und wegen seines kerzengeraden Wuchses 1450 - 1500.
beliebt. Seine Maserung verschönert sich mit zunehmendem Alter: Das Holz nimmt allmählich die Kaiserliches Mausoleum der Ming,
braune Färbung eines toten Blattes an, behält aber seine aromatischen Qualitäten bei. Dies erklärt, Changling, nordwestlich von Peking.
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