Die Präraffaeliten
255 pages
German, Middle High (ca.1050-1500)

Vous pourrez modifier la taille du texte de cet ouvrage

Die Präraffaeliten , livre ebook

-

Obtenez un accès à la bibliothèque pour le consulter en ligne
En savoir plus
255 pages
German, Middle High (ca.1050-1500)

Vous pourrez modifier la taille du texte de cet ouvrage

Obtenez un accès à la bibliothèque pour le consulter en ligne
En savoir plus

Description

Zur Zeit des viktorianischen Englands, getrieben von der Industriellen Revolution, hatte die Gruppe der Präraffaeliten, darunter Maler wie John Everett Millais, Dante Gabriel Rossetti und Edward Burne-Jones, das Ziel zu traditionellen Werten zurückzukehren. Dabei wollten sie die Ideale der italienischen Renaissance wiederbeleben, wobei sie sich am Realismus und an biblischen Themen orientierten.

Sujets

Informations

Publié par
Date de parution 12 juin 2014
Nombre de lectures 0
EAN13 9781783109098
Langue German, Middle High (ca.1050-1500)
Poids de l'ouvrage 2 Mo

Informations légales : prix de location à la page 0,025€. Cette information est donnée uniquement à titre indicatif conformément à la législation en vigueur.

Exrait

Autor: Robert de la Sizeranne

Layout:
Baseline Co. Ltd
61A-63A Vo Van Tan Street
4. Etage
Distrikt 3, Ho Chi Minh City
Vietnam

© Confidential Concepts, worldwide, USA
© Parkstone Press International, New York, USA
Image-Bar www.image-bar.com

Weltweit alle Rechte vorbehalten.
Soweit nicht anders vermerkt, gehört das Copyright der Arbeiten den jeweiligen Fotografen, den betreffenden Künstlern selbst oder ihren Rechtsnachfolgern. Trotz intensiver Nachforschungen war es aber nicht in jedem Fall möglich, die Eigentumsrechte festzustellen. Gegebenenfalls bitten wir um Benachrichtigung.

ISBN: 978-1-78310-909-8
„Daher muss man zugeben, dass es nicht nur eine an sich richtige Meinung ist, sondern eine praktische Notwendigkeit, dass überall da, wo eine schöne Farbe angebracht werden soll, ein Meister der Malerei beauftragt werden muss, und überall da, wo eine edle Form geschaffen werden soll, ein Meister der Bildhauerei.“

— Ruskin
INHALT


Abbildungsverzeichnis
Biografie
DIE ENGLISCHE KUNST IM JAHRE 1844
DIE LÖSUNG WAR GEFUNDEN
DER KAMPF DER PRÄRAFFAELITEN
DEFINITION UND WIRKUNG DER PRÄRAFFAELITISCHEN KUNST
DIE ZIELE
Abbildungsverzeichnis



A
Ach, die lieben Lämmche n, Ford Madox Brown
Amor dient Psych e, Edward Burne-Jones
Amor findet Psych e, Edward Burne-Jones
Antonius und Kleopatr a, Sir Lawrence Alma-Tadema
Die Auffindung des Heilands im Tempe l, William Holman Hunt

B
Der Barmherzige Ritte r, Edward Burne-Jones
Beata Beatri x, Dante Gabriel Rossetti
Befehl zur Freilassung, John Everett Millais
Eine bekehrte Britenfamilie verbirgt einen christlichen Missionar vor der Verfolgung durch die Druide n, William Holman Hunt
Eine Bildergalerie, Sir Lawrence Alma-Tadema
Das blinde Mädche n, John Everett Millais
Die blutige Verabredun g, Sir Joseph Noel Paton
Die Brautjungfe r, John Everett Millais

C
Chaucer am Hof Edwards III ., Ford Madox Brown
Christus im Hause seiner Elt ern (Zimmermannswerkstatt ), John Everett Millais
Christus wäscht Petrus die Füß e, Ford Madox Brown
Cordelias Anteil, Ford Madox Brown
D
Die Dame von Shalot t, John William Waterhouse
Die Dame von Shalot t, Walter Crane
Die Dame von Shalot t, William Holman Hunt
Dantes Vision von Rachel und Lea, Dante Gabriel Rossetti
Dantis Amor, Dante Gabriel Rossetti

E
Ecce Ancilla Domini! (Die Verkündigung ), Dante Gabriel Rossetti
Elain e, Edward Burn-Jones und Morris Marshall Faulkner & Co
Eliza Wyatt und ihre Tochte r, John Everett Millais
Das erwachende Gewisse n, Dante Gabriel Rossetti

F
Die Fee Morgan e, Frederick Sandys
Ferdinand wird von Ariel angelock t, John Everett Millais
Ein Flageolet spielender Enge l, Edward Burne-Jones

G
Galahad, Bors und Parsifal erhalten den Heiligen Gral; aber Parsifals Schwester starb auf dem We g, Dante Gabriel Rossetti
Der Garten des Pa n, Edward Burne-Jones
Gefunde n, Dante Gabriel Rossetti
Der Geliebte (Die Braut ), Dante Gabriel Rossetti
Das Glücksra d, Edward Burne-Jones
H
Die Hagebutte: Studie für Der Gartenho f, Edward Burne-Jones
Die Heimkeh r, Arthur Hughes
Herausforderung in der Wüst e, Edward Burne-Jones
Herbstblätte r, John Everett Millais
Hesperu s, Sir Joseph Noel Paton
Die Heuwies e, Ford Madox Brown
Die Hochzeit St. Georgs und der Prinzessin Sabr a, Dante Gabriel Rossetti
Die Hochzeit von Sir Degrevaun t, Edward Burne-Jones
Hoffnung im Gefängnis der Verzweiflun g, Evelyn de Morgan
Horatio entdeckt Ophelias Wahnsin n, Dante Gabriel Rossetti
Der Hugenott e, John Everett Millais
Hylas und die Wassernymphe n, John William Waterhouse

I
„Ich bin halb krank von den Schattenbildern“, sagt die Dame von Shalot t, Sidney Harold Meteyerd
Ihre Augen sind bei ihren Gedanken und die sind weit we g, Sir Lawrence Alma-Tadema
Im Gras , Arthur Hughes
Isabella und der Basilikumtop f, John Melluish Strudwick
Isabella und der Basilikumtop f, William Holman Hunt

J
Jerusalem und das Tal von Jehoshapha t, Thomas B. Seddon

K
Klostergedanke n, John William Waterhouse
L
La Belle Dame Sans Merc i, John William Waterhouse
La Belle Dame Sans Merc i, Walter Crane
Lady Clare, Elizabeth Siddal
Das lange Verlöbnis, Arthur Hughes
Laus Veneri s, Edward Burne-Jones
Le Chant d ’ amou r, Edward Burne-Jones
Le Chant d ’ Amou r, Edward Burne-Jones
Letzter Blick auf Englan d, Ford Madox Brown
Die Liebe und das Mädche n, John Roddam Spencer Stanhope
Das Lied der sieben Türm e, Dante Gabriel Rossetti
London Bridge während des Hochzeitsabends des Prinzen und der Prinzessin von Wale s, William Holman Hunt

M
Die Mädchenzeit der Jungfrau Mari a, Dante Gabriel Rossetti
Mariana, Dante Gabriel Rossetti
Mariana, John Everett Millais
Merlin und Nimue, Edward Burne-Jones
Der Mietschäfer, William Holman Hunt
Die Musik einer längst vergangenen Zei t, John Melhuish Strudwick

N
Die Najade, John William Waterhouse
O
Opheli a, Arthur Hughes
Opheli a, Arthur Hughes
Ophel i a, John Everett Millais
Opheli a, John William Waterhouse

P
Paolo und Francesc a, Dante Gabriel Rossetti
Der Perseus-Zyklus: Der Schicksalsfelse n, Edward Burne-Jones
Der Perseuszyklus: Der Tod der Medusa (I ), Edward Burne-Jones
Der Perseuszyklus: Der Tod der Medusa (II ), Edward Burne-Jones
Der Perseus-Zyklus: Perseus und die Meernymphen (Perseus ’ Bewaffnung ), Edward Burne-Jones
Phyllis und Demophoö n, Edward Burne-Jones
Porträt von John Ruski n, John Everett Millais
Pygmalion und das Bild III: Die glühende Gotthei t, Edward Burne-Jones

R
Rienzi schwört, Gerechtigkeit zu erlange n, William Holman Hunt
Der Ritter der Sonn e, Arthur Hughes
Das Rittertu m, Frank Dicksee
Der Ritterschla g, Edmund Blair Leighton
Der Rosenlaui-Gletsche r, John Brett
Die Rückkehr der Taube zur Arch e, John Everett Millais
S
Der Schatten des Tode s, William Holman Hunt
Die schattige Wies e, Dante Gabriel Rossetti
Die schöne Iseul t, William Morris
Das Schreckenshaup t, Edward Burne-Jones
Die Seele Attalos (Serie Pygmalion und das Bild ), Edward Burne-Jones
Sir Galahad in der Kapell e, Dante Gabriel Rossetti
Sommeraben d, Edward Robert Hughes
Der St. Agnesaben d, Arthur Hughes
Der St. Agnesaben d, William Holman Hunt
St. Georg und die Prinzessin Sabr a, Dante Gabriel Rossetti
Der Steinbreche r, John Brett
Eine Studie im Mär z, John William Inchbold
Der Sündenboc k, William Holman Hunt

T
Das Tal von Aosta, John Brett
The Laidley Worm of Spindleston Heug h, William Crane
Der Thronverzicht der Königin Elisabeth von Ungar n, James Collinson
Die Tochter des Holzfäller s, John Everett Millais
Ein Traum aus der Vergangenheit - Sir Isumbras in der Fur t, John Everett Millais
Der Traum Lancelots an der Kapelle des Heiligen Gral s, Edward Burne-Jones
Der Triumph der unschuldigen Kinde r, William Holman Hunt
U
Unsere englische Küste (Verirrte Schafe ), William Holman Hunt

V
Valentin schützt Sylvia vor Proteu s, William Holman Hunt
Venus Verticordi a, Dante Gabriel Rossetti
Die Verkündigung Mari ä, Arthur Hughes
Die Verkündigung Mariä. Die Blume Gottes, Edward Burne-Jones
Der verzauberte Merli n, Edward Burne-Jones
Vittori a, Lord Leighton
Vor der Schlach t, Dante Gabriel Rossetti

W
Walton-on-the-Naze, Ford Madox Brown
Was ihr wollt, II. Akt, 3. Szen e, Walter Howell Daverell
Die weisen Jungfraue n, Eleanor Fortescue-Brickdale

Biografie



1848: Geburtsstunde der präraffaelitischen Bruderschaft in Großbritannien ( The Pre-Raphaelite-Brotherhood ), gegründet von drei Studenten der Royal Academy: William Hunt, John Everett Millais und Dante Gabriele Rossetti. Laut Millais hat der Präraffaelismus nur ein Ziel: „Die Darstellung der Natur auf der Leinwand “ .

1849: Erste Ausstellung an der Royal Academy. Die gezeigten Werke wurden mit dem Monogramm P.R.B. ( Pre-Raphaelite Brotherhood ) signiert, dessen Bedeutung das Publikum noch nicht kennt. Die Ausstellung wird wohlwollend aufgenommen.

4. Mai 1850: Die Bedeutung der drei Buchstaben P.R.B. wird in der Zeitung Illustrated London News enthüllt.

1850: Hunt, Millais, und Rossetti gründen die Zeitschrift The Germ, in der sie die Theorie der präraffaelitischen Bewegung darlegen. Ab der Ersterscheinung ist man mit einer erbitterten Kritik konfrontiert, aber die Bewegung wird von dem Schriftsteller und Kritiker John Ruskin verteidigt. Nur vier Ausgaben der Zeitschrift werden gedruckt. Rossetti verlässt die Gruppe.
William Morris und Edward Burne Jones treffen sich am Exeter College in Oxford, sie bilden die zweite Künstlergeneration des Präraffaelismus.

1850-1860: Eine wichtige Anzahl von Künstlern versammelt sich in der Bruderschaft, darunter Walter Deverell, Arthur Hughes und John Brett.

1851: Im Zuge der Ausstellungvon 1851 stellt Millais Mariana aus, Hunt Valentin schützt Sylvia vor Protheus . Die Präraffaeliten werden immer mehr für ihre Technik kritisiert. Millais vollendet eines seiner berühmtesten Werke: Ophelia .
1852: Letztes Ausstellungsjahr vor der Auflösung der Gruppe. Millais stellt Der Hugenotte un d Ophelia aus, Hunt den Mietschäfer . Ihre Werke werden vom Publikum mit Erfolg aufgenommen. Die zeitgenössischen und literarischen Sujets treten an die Stelle der mittelalterlichen Themen in der präraffaelitischen Malerei.

1853: Millais wird zum Mitglied der Royal Academy ernannt. Die Gruppe teilt sich und Rosetti schreibt an seine Schwester: „Die Tafelrunde ist nun folglich komplett aufgelöst. “ Die zweite Generation der Präraffaeliten bringt sich in Stellung, repräsentiert von den Werken Edward Burne-Jones und William Morris.

1854: William Hunt geht nach Palästina.

1855: Bei der Weltausstellung in Paris sind die Präraffaeliten auf dem Höhepunkt ihres Erfolgs.

1856: Rossetti, der seit 1850 nicht mehr ausgestellt hat, zeigt sich im Zuge einer Präraffaelismus-Ausstellung erneut in der Öffentlichkeit, wo er mit begeistertem Beifall empfangen wird. Er zeigt das Aquare ll Dantes Traum , das eines seiner bedeutendsten Werke wird.

1860: Die Auswirkungen des Präraffaelismus, der sich bis ans Ende des 19. Jahrhunderts erstreckt, sind bis heute in den Werken bestimmter Maler wie William Dyce, Augustus Egg und William Powell Frith zu spüren, aber auch in den Fotografien Julia Margaret Camerons oder Roger Fentons.
Dank Morris findet sich der Präraffaelismus in den dekorativen Künsten wieder.

1882: Tod Rossettis. Sein Werk und das seiner Kameraden waren die repräsentativsten des Präraffaelismus und werden noch für lange Zeit eine Inspirationsquelle für zukünftige Künstler sein, namentlich bis Aubrey Beardsley 1890.

Ende des 19. Jh.: Die präraffaelitische Bewegung erlischt nach und nach. Ihr Einfluss auf den Jugendstil und den Symbolismus ist beträchtlich.

DIE ENGLISCHE KUNST IM JAHRE 1844
Bis 1848 rief die Kunst in England Bewunderung hervor, aber sie provozierte kein Erstaunen. Joshua Reynolds und Thomas Gainsborough waren große Meister, aber sie schufen Malerei des 18. Jahrhunderts und keine typisch englische Malerei des 19. Jahrhunderts. Ihre Modelle waren es, die Ladies und Misses, die ihren Gestalten ein englisches Flair gaben und nicht ihr Pinselstrich. Ihre Ästhetik war die des gesamten Europas zu ihrer Zeit.
Chaucer am Hof Edwards III.
Ford Madox Brown, 1847-1851
Öl auf Leinwand, 372 x 296 cm
Art Gallery of New South Wales, Sydney

Wenn man die Säle der Londoner Museen durchstreifte, sah man zwar andere Bilder, jedoch nicht eine andere Art zu malen, zu zeichnen oder nach einem Motiv zu komponieren oder zu entwerfen. Nur die Landschaftsmaler, mit William Turner und John Constable an der Spitze, brachten von Beginn des Jahrhunderts an eine neue, kräftige Note ein.
Aber Turner blieb der einzige seiner Art, der in seiner Heimat so wenige Nachahmer fand. John Constable wurde so rasch von den Franzosen eingeholt und auch überholt, dass er viel mehr die Ehre hatte, in Europa eine neue Richtung zu begründen, als das Glück, seinem Land eine nationale Kunst zu sichern.
Der St. Agnesabend
William Holman Hunt, 1848
Öl auf Leinwand, 77,4 x 113 cm
Guildhall Art Gallery, Corporation of London, London

Was die anderen Maler anbelangt, so hatten sie mehr oder weniger Geschick darin, so zu malen, wie überall gemalt wurde. Nicht nur für ihre Hunde, auch für ihre Pferde, ihre Szenen der Kirchturmpolitik, für all die kleinen Genreszenen und häuslichen Szenen, die sie jedoch nicht so gut beherrschten wie die niederländischen Maler, interessierte man sich nur kurz.
Eine glatt rasierte, blank gescheuerte, auf Teer aufgebrachte Malerei, die falsch und kraftlos war, süßlich, aber nicht fein, zu schwarz in den Schatten und zu schimmernd in den lichten Stellen.
Eine weiche, zögernde, vage verallgemeinernde Zeichnung. Und als sich das gefürchtete Jahr 1850 näherte, drängten sich Constables Worte des Jahres 1821 auf: „In dreißig Jahren wird die englische Kunst nicht mehr sein.“
Die Mädchenzeit der Jungfrau Maria
Dante Gabriel Rossetti, 1848-1849
Öl auf Leinwand, 83,2 x 65,4 cm
Tate Britain, London

Wenn man jedoch genau hinsieht, waren zwei Merkmale doch unterschwellig vorhanden. Zuerst der intellektuelle Anspruch des Themas. Die Engländer haben sich schon immer darum bemüht, interessante oder sogar etwas komplizierte Szenen zu finden, bei denen der Geist ebenso viel zu fassen hat wie die Augen, bei denen Neugier geweckt wird, bei denen das Gedächtnis gefordert wird, bei denen eine stumme Geschichte ein Lachen oder Weinen hervorruft. Schon setzte sich diese Idee durch, die übrigens bei William Hogarth klar erkennbar ist, dass der Pinsel nicht nur abbilden, sondern auch schreiben, belehren und erzählen kann.
Der Thronverzicht der Königin Elisabeth von Ungarn
James Collinson, um 1848-1850
Öl auf Leinwand, 120 x 182 cm
Johannesburg Art Gallery, Johannesburg

Nur, was er vor 1850 erzählte, waren kleinliche Handlungen; was er ausdrückte, waren kleine Fehler, Peinlichkeiten oder bornierte Gefühle; was er dabei hervorhob, waren die Regeln des guten Benimms. Er spielte die Rolle jener Bilderhefte, die man den Kindern gab, um ihnen zu zeigen, wohin Lüge, Faulheit oder Naschhaftigkeit führen können.
Das andere Merkmal war die Intensität des Ausdrucks. Wer je Hunde von Edwin Henry Landseer oder auch nur solche in englischen Illustrierten gesehen hat, jene Tierstudien, in denen die Körperhaltung aus großer Nähe erfasst wird, in denen der Ausdruck so überlegt, die Kopfhaltung so intelligent und unterschiedlich ist, je nachdem, ob das Tier wartet, fürchtet, etwas wünscht, sein Herrchen fragend ansieht oder etwas überlegt, der wird leicht verstehen, was das heißt: Intensität des Ausdrucks.
Rienzi schwört, Gerechtigkeit zu erlangen
William Holman Hunt, 1849
Privatsammlung

Aber ebenso, wie der intellektuelle Anspruch des Themas vor 1850 nur in Motiven gezeigt wurde, die nicht der Rede wert waren, so wurde auch die Intensität des Ausdrucks nur in den Darstellungen von Tiergestalten ausdauernd studiert und auch erreicht. Die meisten der menschlichen Gestalten hatten eine banale Haltung, ohne expressive Modalität oder spezifische Wahrheit oder malerische Genauigkeit. Sie wurden vor erdachte Hintergründe ins Atelier gestellt, mit dem akademisch verbrämten „Chic“ ausgestattet, nach allgemein anerkannten und im Grunde hervorragenden Prinzipien, die aber nicht richtig verstanden und schlampig angewendet wurden.
Christus im Hause seiner Eltern (Zimmermannswerkstatt)
John Everett Millais, 1849-1850
Öl auf Leinwand, 86,4 x 139,7 cm
Tate Britain, London

So stand es um die Kunst in England, als Ford Madox Brown mit einer ästhetischen Revolution im Gepäck aus Paris und Antwerpen zurückkam. Es soll hier nicht gesagt werden, dass alle Tendenzen, die seit damals vorherrschten, alle individuellen Einstellungen, die sich entwickelten, von diesem Künstler ausgingen, auch nicht, dass in dem Moment, als er das Land betrat, keiner von seinen Landsleuten dasselbe fühlte und dieselben Träume hegte wie er. Man bedenke jedoch, dass 1844, als Wilhelm der Eroberer ausgestellt wurde, noch nichts von diesen neuen Dingen erschienen war. Dante Gabriel Rossetti war gerade mal sechzehn, William Holman Hunt siebzehn, John Everett Millais fünfzehn, George Frederick Watts sechsundzwanzig, Frederick Leighton vierzehn und Edward Burne-Jones elf Jahre alt und keiner dieser späteren Meister hatte damals seine Ausbildung abgeschlossen.
Ferdinand wird von Ariel angelockt
John Everett Millais, 1849-1850
Öl auf Holz, 64,8 x 50,8 cm
The Makins Collection, Washington, D.C.

Man bedenke dann, dass die von Madox Brown eingeführte Art und Weise, zu komponieren, zu malen und zu zeichnen, sich fünfzig Jahre nach seinem ersten Werk in den Bildern von Burne-Jones wiederfindet, nachdem sie in denen von Burne-Jones ’ Meister, Rossetti, erschienen war. Dann wird klar, dass Brown, der schon 1844 ausstellte, der Vorreiter war, die anderen folgten am Anfang der Bewegung oder als sie auf ihrem Höhepunkt war.
Was hatte dieser Vorreiter nun Neues gebracht? In seiner Vorstellung hatte er den sehr präzisen Gedanken, dass die Kunst aufgrund der systematischen Verallgemeinerung der Formen zugrunde ging und dass sie nur durch das Gegenteil gerettet werden könnte, nämlich durch die minutiöse Suche nach dem individuellen Zug.
Ecce Ancilla Domini! (Die Verkündigung)
Dante Gabriel Rossetti, 1849-1850
Öl auf Leinwand, 72,4 x 41,9 cm
Tate Britain, London

In seinem Herzen trug er den konfusen, aber leidenschaftlichen Wunsch, dass die Kunst in England eine große soziale Rolle spielen sollte. Browns Hand hatte ein gewisses elegantes Ungeschick, eine etwas steife Zartheit und eine peinlich genaue Suche, die er zum Teil aus der der Gotik nahe stehenden Schule des Barons Wappers in Antwerpen entliehen hatte und zum Teil der genauen und direkten Betrachtung der primitiven Kunst verdankte.
All das war revolutionär und musste daher der konservativen Einstellung der Engländer missfallen. Es war aber auch antifranzösisch, antikontinental, vollkommen ursprünglich und sozusagen autonom und musste daher ihrem Patriotismus gefallen.
Was ihr wollt, II. Akt, 3. Szene
Walter Howell Deverell, 1850
Öl auf Leinwand, 101,6 x 132,1 cm
Christie ’ s images, The FORBES Magazine Collection,
New York

„In Paris habe ich mich dazu entschlossen, realistische Bilder zu malen, weil kein einziger Franzose es tat“, hat Madox Brown gesagt. Wir wollen nicht auf das Wort „realistisch“ eingehen, das mehrere Bedeutungen haben kann. Wichtig ist hier der Sammelruf gegen die französische Schule und für eine nationale Kunst.
Als Madox Brown in London ankam, beschäftigte der 1843 ausgeschriebene große Ideenwettbewerb für die Ausmalung des neuen Parlamentsgebäudes in Westminster noch die Gemüter – waren doch nicht weniger als 140 Entwürfe von den besten damaligen Künstlern vorgelegt worden. Dieser ästhetische Wettbewerb ist in England ein kunsthistorisches Datum, denn er brachte eine große Anzahl noch unbekannter Meister hervor, auch ein junger Autodidakt, George Frederick Watts, wurde dabei entdeckt.
Eine bekehrte Britenfamilie verbirgt einen christlichen Missionar vor der Verfolgung durch die Druiden
William Holman Hunt, 1850
Öl auf Leinwand, 111 x 141 cm
The Ashmolean Museum of Art and Archaeology,
University of Oxford, Oxford

Madox Brown hatte fünf große Entwürfe beigetragen. Der wichtigste war eine Episode aus der normannischen Eroberung: Die Leiche Harolds wird vor Wilhelm den Eroberer gebracht . Es waren seine ersten Versuche auf einem neuen Weg. Mit ihnen protestierte er gegen die alten Methoden und gegen die offizielle Kunst. So schlimm war die Niederlage, so offensichtlich die Verachtung des Publikums, dass der Meister, als er eines Tages einen mit einem italienischen Namen – Dante Gabriel Rossetti – unterschriebenen Brief bekam, dessen Autor ihn voll des Lobes darum bat, sein Schüler zu werden, keinen Zweifel daran hatte, dass der Unbekannte sich über ihn lustig machte.
Eliza Wyatt und ihre Tochter
John Everett Millais, um 1850
Öl auf Mahagoni, 35,3 x 45,7 cm
Tate Britain, London

Brown begab sich zu Rossettis Domizil. „Man meldete mir“ erzählt der Dichter, „dass ein Herr mich sehen wolle, der aber weder hereinkommen noch seinen Namen nennen und nur im Korridor warten wollte. Ich ging also hinunter, und als ich am Fuß der Treppe war, fand ich Brown vor, der in der einen Hand einen dicken Stock hielt und in der anderen meinen Brief schwenkte. Er schrie mich zur Begrüßung an: „Ist Ihr Name Rossetti und haben Sie das hier geschrieben?“
Klostergedanken
Charles Allston Collins, 1850-1851
Öl auf Leinwand, 84 x 59 cm
The Ashmolean Museum of Art and Archaeology,
University of Oxford, Oxford

  • Accueil Accueil
  • Univers Univers
  • Ebooks Ebooks
  • Livres audio Livres audio
  • Presse Presse
  • BD BD
  • Documents Documents