Leonardo da Vinci
255 pages
German, Middle High (ca.1050-1500)

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Description

“War Leonardos deutliche Berufung zur wissenschaftlichen Forschung eine Hilfe oder ein Hindernis für seine Arbeit als Künstler? Er wird gewöhnlich als ein Beispiel für die Möglichkeit eines Bündnisses von Kunst und Wissenschaft angeführt. In ihm, so heißt es zumeist, erhielt das schöpferische Genie durch die analytische Fähigkeit zusätzlichen Antrieb; der Verstand verstärkte die Vorstellungskraft und die Gefühle. […]
Leonardo war ein tiefgründiger Gelehrter und unvergleichlicher Schöpfer und ist der einzige Mensch in unserer Geschichte, der in die geheimnisvollsten Verstecke der Wahrheit eingedrungen ist und gleichzeitig Visionen der strahlendsten Schönheit heraufbeschworen hat, der die Wissenschaft des Aristoteles mit der Kunst des Phidias verbunden hat."
“Dadurch, dass er die Natur und alle für ihre vollkommene Wiedergabe wichtigen Wissenschaften – Anatomie, Perspektive, Physiognomie – leidenschaftlich studierte und klassische Modelle konsultierte, sich gleichzeitig allerdings die für ihn typische Unabhängigkeit bewahrte, konnte er bei der Kombination von Präzision mit Freiheit und von Wahrheit mit Schönheit nicht fehl gehen. Die raison d’être und der Ruhm des Meisters beruhen auf dieser endgültigen Emanzipation, dieser perfekten Meisterschaft der Modellierung, der Lichtgebung und des Ausdrucks, dieser Weite und Freiheit. Auch andere mögen neue Wege gebahnt haben, aber niemand reiste weiter oder stieg höher als er."

Sujets

Informations

Publié par
Date de parution 07 janvier 2014
Nombre de lectures 0
EAN13 9781781608999
Langue German, Middle High (ca.1050-1500)
Poids de l'ouvrage 2 Mo

Informations légales : prix de location à la page 0,025€. Cette information est donnée uniquement à titre indicatif conformément à la législation en vigueur.

Exrait

Autor: Gabriel Séailles
Übersetzung: Martin Goch

Layout:
Baseline Co. Ltd
61A-63A Vo Van Tan Street
4. Etage
Distrikt 3, Ho Chi Minh City
Vietnam

© Parkstone Press International, New York, USA
© Confidential Concepts, worldwide, USA

Weltweit alle Rechte vorbehalten.

Soweit nicht anders vermerkt, gehört das Copyright der Arbeiten den jeweiligen Photographen. Trotz intensiver Nachforschungen war es aber nicht in jedem Fall möglich, die Eigentumsrechte festzustellen. Gegebenenfalls bitten wir um Benachrichtigung.

ISBN : 978-1-78160-899-9
“ Die Malerei ist stumme Poesie, die Poesie blinde Malerei. ”

— Leonardo da Vinci
Zusammenfassung


Biogr a ph i e
Einl e itung
Leonardo da Vinci und Andrea del Verrocchio, Taufe Christi
Madonna mit Kind (Vierge à l’œillet)
Studie für den Arm eines Engels für Mariae Verkündigung
Studie für die Lilie für Mariae Verkündigung
Sein L e ben
In d ex
Anmerkungen
Studie für den Kopf der Madonna , 1508-1512
Weiche Kreide, 20,3 x 15,6 cm
The Metropolitan Museum of Art, New York
Biographie



1452 : Leonardo wird am 15. April in der toskanischen Stadt Vinci in der Nähe von Florenz geboren. Er ist der uneheliche Sohn des reichen Notars Ser Piero und eines Bauernmädchens, Catarina. Sein Vater nimmt ihn nach seiner Geburt zu sich, während Catarina ihn verlässt, um einen anderen Mann zu heiraten. Seine beiden mit anderen Partnern verheirateten Elternteile sollten ihm insgesamt 17 Geschwister bescheren.
1457 : Leonardo wird von seinem Vater, der Alberia Amadori heiratet, aufgezogen.
1460 : Der junge Mann folgt seinem Vater nach Florenz.
1469 : Leonardo wird im Alter von 17 Jahren ein Lehrling im berühmten Atelier von Andrea del Verrocchio in Florenz. Er malt dort einen Teil der Altarbilder und große bemalte Holztafeln und erschafft auch Bronze- und Marmorstatuen. Er malt in einem von Verrocchios Gemälden einen Engel, der seinen Meister so sehr beeindruckt, dass dieser gelobt, nie wieder zu malen. Leonardo bleibt bis 1477 in dem Atelier.
1472 : Eintritt in die Malergilde.
1473 : Leonardo malt das erste seiner berühmten Werke: Arno-Tal.
1478 : Leonardo erhält den Auftrag für eine Altartafel im Palazzo Vecchio, ein allerdings niemals vollendetes Projekt.
1492 : Leonardo verlässt Florenz und geht nach Mailand. Es gelingt ihm, in den Dienst von Ludovico Sforza einzutreten, nachdem er in einem Brief an ihn mit seinem Talent für den Bau von Brücken, Kanonen und Schiffen sowie die Erfindung von Katapulten und anderen Kriegsmaschinen geprahlt hat. Tatsächlich erhält er den begehrten Posten vor allem, weil er vorgibt, ein unvergleichlicher Musiker zu sein.
Er bleibt 18 Jahre lang als Hofkünstler am Mailänder Hof, wo er unzählige Porträts malt und die Dekorationen für Feste im Palast fertigt. Sein Interesse an komplexen Mechanismen wird noch größer und er befasst sich intensiv mit der Physik, der Biologie und der Mathematik, um seine technischen Projekte zu verwirklichen. Leonardo vollendet jedoch nur sehr wenige Vorhaben.
1483 : Madonna in der Felsengrotte. Leonardo entwirft ausgefallene Waffen, darunter einen Panzer und Kriegsfahrzeuge, U-Boote sowie weitere Kriegsmaschinen.
1492 : Leonardo entwirft eine Flugmaschine.
1495 : Leonardo nimmt die Arbeit am Abendmahl im Refektorium der Kirche Santa Maria delle Grazie auf. Er vollendet dieses Wandgemälde 1498.
1496 : Leonardo lernt den Mathematiker Luca Pacioli kennen, mit dem er die Schriften Euklids studiert.
1499 : Die Einnahme Mailands durch die Franzosen bewegt Leonardo, die Stadt zu verlassen. Er geht auf der Suche nach Arbeit nach Mantua, anschließend nach Venedig und schließlich nach Friaul.
1502 : Leonardo nimmt seine Arbeit als Militäringenieur für Cesare Borgia, Herzog von Romagna, Sohn des Papstes Alexander VI. und Befehlshaber seiner Truppen, auf. Leonardo beaufsichtigt die Arbeiten an den im päpstlichen Territorium in Mittelitalien errichteten Festungen.
1503 : Leonardo wird in das Komitee berufen, das einen würdigen Standort für Michelangelos Statue David auswählen soll. Sein Talent als Ingenieur ist während des Krieges gegen Pisa sehr gefragt. Leonardo zeichnet Skizzen für Die Schlacht von Anghiari.
1504 : Leonardos Vater stirbt am 9. Juli. Seine skrupellosen Geschwister pressen ihm seinen Anteil an dem Erbe ab. Der Tod seines Onkels erweckt diese Erbstreitigkeiten wenig später wieder zum Leben. Nun wendet sich jedoch Leonardos Glück und er erhält das Vermögen und den Grundbesitz seines Onkels. In dieser Periode malt er die Mona Lisa.

1506 : Leonardo kehrt auf Wunsch des französischen Gouverneurs Charles d ’ Amboise nach Mailand zurück. Er studiert dort intensiv die Elemente Wasser, Erde und Feuer.
1507 : Leonardo wird von Ludwig XII. zum Maler des französischen Hofs ernannt.
1514 : Leonardo kehrt nach Rom zurück, wo er von Papst Leo X. protegiert wird. Er interessiert sich leidenschaftlich für wissenschaftliche Entdeckungen. Der Papst setzt seiner Faszination von anatomischen und physiologischen Studien jedoch ein Ende, da er Leonardos Vorgehensweise, Leichen zu sezieren, um sein Wissen zu vergrößern, nicht toleriert.
1516 : Leonardos Mäzen Giuliano de Medici stirbt am 4. März. Leonardo wird daraufhin vom französischen König Franz I. eingeladen, als Erster Maler, Ingenieur und Architekt in den Dienst des Königs einzutreten. Leonardo baut anlässlich der Krönungsfeierlichkeiten für den König einen mechanischen Löwen. Sein neuer Gönner ist außerordentlich großzügig und Leonardo verbringt seine letzten Lebensjahre in einem nicht weit vom königlichen Schloss in Amboise entfernten Herrenhaus.
1518 : Leonardo zeichnet Pläne für einen Palast in Romorantin
1519 : Leonardo da Vinci stirbt am 2. Mai in Cloux und wird in der Kirche St. Florentin in Amboise beigesetzt. Er vermacht all seine Manuskripte, Zeichnungen und Gerätschaften seinem Lieblingsschüler Francesco Melzi. Alle noch in seinem Atelier befindlichen Gemälde gehen an Salai, einen anderen Schüler. Es heißt, dass König Franz I. eine lange Zeit mit seinem Kopf in den Händen neben den sterblichen Überresten Leonardos stand.
Einleitung
Leonardo da Vinci wurde im Jahr 1452 in der am rechten Ufer des Arno zwischen Florenz und Pisa liegenden Stadt Vinci geboren. Sein Vater, Ser Piero, war zu dieser Zeit 22 oder 23 Jahre alt und Leonardos Mutter ein junges Bauernmädchen namens Catarina. Die uneheliche Geburt Leonardos bereitete der Romanze ein harsches und prosaisches Ende. Man kann sich die Einzelheiten des damaligen kleinen Familiendramas gut vorstellen. Ser Pieros Vater setzte seinen Sohn sicherlich unter erheblichen Druck, mit Caterina zu brechen, und so nahm der seinen Sohn Leonardo und heiratete noch im selben Jahr Albiera di Giovanni Amadori.
Leonardo da Vinci und Andrea del Verrochio, Madonna mit Kind und Engeln
um 1470
Tempera auf Holz, 96,5 x 70,5 cm
National Gallery, London

Caterina ihrerseits ehelichte geräuschlos einen gewissen Accatabriga di Piero del Vacca, einen Bauern, der ihre Vergangenheit nicht weiter untersuchte. Als illegitimer und von seinem Vater aufgezogener Sohn musste Leonardo ohne jenen mütterlichen Einfluss auskommen, den jeder große Mann mit Selbstachtung erfahren sollte. Leonardo da Vinci wuchs im Haus seines Vaters auf. Es ist gut möglich, dass er wegen seiner unehelichen Herkunft nicht leiden musste, denn er hatte das Glück, dass während seiner Kindheit kein legitimes Geschwister geboren wurde, das seine Stiefmutter gegen ihn hätte einnehmen können.
Leonardo da Vinci und Andrea del Verrocchio, Taufe Christi
1470-1476
Öl und Tempera auf Holz,
177 x 151 cm . Uffizien, Florenz

Über seine frühen Studien ist nur wenig bekannt. Er ging etwa 1469, spätestens aber 1470 von Vinci weg in das Atelier Andrea del Verrocchios (um1435/36 bis 1488) in Florenz, aber sein Name erscheint schon ab 1472 in der Liste der Kunstmalergilde als der eines eigenständigen Mitglieds. Pietro Perugino (um 1448 bis 1523) und Lorenzo di Credi (um 1459 bis 1537) zählten in Verocchios Atelier zu seinen Mitschülern. Dies war die Zeit, als sich die Welt für ihn öffnete.
Madonna mit Kind (Vierge à l ’ œillet)
um 1470
Öl auf Holz, 62 x 47,5 cm
Alte Pinakothek, München

Schon mit seinen ersten Arbeiten als Künstler zog er alle Augen auf sich, erweckte die Aufmerksamkeit seiner Rivalen und, wenn wir der Legende glauben dürfen, entmutigte seinen Meister. Verrocchio hatte von den Mönchen von Vallombrosa den Auftrag für eine Taufe Christi erhalten, und Leonardo trug einen knienden Engel zu dem Gemälde bei. Diese Figur hätte in dem Gesamtensemble eigentlich unauffällig sein sollen, sie ragte jedoch so sehr heraus, dass alles andere nicht mehr registriert wurde.
Studie für den Arm eines Engels für Mariae Verkündigung
um 1472
Feder und Tinte, 7,8 x 9,2 cm
Christ Church, Oxford

Vasari erzählt, wie “ …Verrocchio dadurch, dass ein Kind besser malte als er, so verstört wurde, dass er sich entschloss, von jenem Tag an niemals wieder einen Pinsel in die Hand zu nehmen ” . Leonardo muss während dieses ersten Aufenthaltes in Florenz ein großartiges, ja teilweise ein etwas zügelloses Leben geführt haben – und auch seinem Sinn für Humor ließ er mehrmals auf Kosten der gesetzten Bürger von Florenz freien Lauf. Von den frühen Werke Leonardos sind kaum welche erhalten, und man weiß nur durch Vasaris Beschreibungen etwas über sie, die jedoch ausreichen, um uns zu zeigen, dass Leonardo von Beginn an seine eigene künstlerische Identität gefunden hatte.
Studie für die Lilie für Mariae Verkündigung
um 1472
Royal Library, Windsor Castle

Von Anfang an kam in dem Künstler auch der Gelehrte zum Ausdruck, der die Gesetze der Natur studierte, um sie im menschlichen Bereich anzuwenden, so, als handele es sich bei der Natur um eine Maschine zur Befriedigung der Bedürfnisse oder, anders gesagt, um ein Kunstwerk, das die Seele mit den von ihr hervorgerufenen Gefühlen befruchtet. Leonardo verfügte bereits über jene kompositorische Fähigkeit und jenes Talent für das Chiaroscuro, über jene fröhliche Einstellung und Ausdruckskraft,
Mariae Verkündigung
1472
Öl auf Holz, 98 x 217 cm .
Uffizien, Florenz.

die all seine Zeitgenossen, von Perugino ( Madonna , Museum von Nancy, Felsenmadonna) bis hin zu Lorenzo di Credi, Raffael (1483 bis 1520) und Michelangelo (1475 bis 1564) mehr oder weniger zu Imitatoren Leonardos werden ließen. Man kann den lebendigen Geist da Vincis in seinen Werken erkennen, man sieht, wie er von der Seele zum Körper wandert, von innen nach außen, sich zuerst Gefühle und anschließend deren Artikulation in Gestik und Physiognomie vorstellt. Durch seine Konzentration auf die Emotionen definiert Leonardo sie und variiert ihre Nuancen.
Das Arnotal
1473.
Feder und Tinte, 19 x 28,5 cm
Uffizien, Florenz

Er trennt diesen Prozess als Maler jedoch nicht von den sich aus ihm ergebenden Bewegungen. Er sieht die Emotionen in den von ihnen belebten Körpern repräsentiert und folgt mit seiner sicheren Hand den von jenem unaussprechlichen Beben des inneren Lebens bewegten Linien. Wenn der Gelehrte in da Vinci den Künstler in da Vinci nicht tötete, so lag dies daran, dass er die Erfindung über alles liebte. Von der Wissenschaft wollte er nie mehr als die von ihr verliehene Kraft der Handlung und der Kreation.
Porträt einer jungen Frau, Ginevra Benci
1474-1476
Öl auf Leinwand, 38,1 x 37 cm
The National Gallery of Art, Washington, D.C.

Schon zu diesem frühen Zeitpunkt in seinem Leben war Leonardo nicht nur Maler, Bildhauer, Architekt und Ingenieur, sondern auch Gelehrter – in einem Wort: ein Mann, der ein echter Mann ist und dessen Handlungen sich in alle Richtungen wenden.

Sein Leben
Bereits als 30-Jähriger hatte Leonardo da Vinci alle seine Fähigkeiten voll entwickelt und war nun nicht mehr das begabte Kind der Taufe Christi , sondern wusste genau, was er wollte und was er konnte. Er verfügte über Genie und eine Methode, und seine frühen Erfolge weckten in ihm den größten Ehrgeiz. Was ihm noch fehlte?
Madonna Benois
1475-1478
Öl auf Holz, auf Leinwand übertragen,
49,5 x 33 cm . Ermitage, Sankt Petersburg

Geld, materielle Macht, ein freies Betätigungsfeld für alles das, was seinen Träumen zur Verwirklichung verhelfen konnte. Man hat ihm vorgeworfen, Florenz in Richtung Mailand verlassen und einen Lorenzo da Medici (der Prächtige; 1449 bis 1492) für einen Ludovico Sforza (il Moro; 1452 bis 1508) eingetauscht zu haben. Er ging jedoch nach Mailand, weil er das suchte, was er sein gesamtes Leben lang suchen musste: einen Fürsten, der seinem Genie vertraute und ihn mit den Mitteln für die Realisierung seiner genialen Pläne ausstattete.
Studie für Madonna mit Katze
1478-1481
Feder und Tinte, 13,2 x 9,6 cm
The British Museum, London

Leonardo hätte niemand Besseren als diesen Fürsten finden können, der sich nach Ruhm sehnte, sich für alle Wissenschaften interessierte und danach strebte, seine Machtübernahme dadurch zu legitimieren, dass er Mailand zur wichtig-sten Stadt Italiens und zum Rivalen von Florenz machte. Leonardo war der Mann, den er dafür brauchte, denn schließlich organisierte Leonardo die Unterhaltungs-darbietungen für den Herzog und andere Aristokraten: modische Spektakel, Prozes-sionen, Triumphszenen und mythologische Pantomimen (Perseus und Andromeda, der die wilden Tiere betörende Orpheus etc.), geschickt inszenierte Allegorien, bei denen die symbolisch zu verstehenden Figuren in der Luft zu schweben schienen.
Studie für Madonna mit Katze
1478-1481
Feder und Tinte, 13,2 x 9,6 cm
The British Museum, London

All diese Aufführungen verschmolzen die Kunst dadurch mit dem Leben, dass schöne Formen und Farben sowie harmonisch miteinander verbundene edle Gefühle zum Einsatz kamen. Leonardo entwarf die Kostüme, dirigierte die Darsteller und erfand ausgefallene Kunstgriffe, um die Spektakel noch interessanter zu machen. All dies waren jedoch für sein Genie lediglich oberflächliche Spielereien.
Studie für die Klauen des Hundes oder Wolfes
um 1480
Metallstift auf Papier, 13,5 x 10,5 cm
The National Gallery of Scotland, Edinburgh

Zur gleichen Zeit, da er sich mit der Erfindung vergänglicher Spektakel gemäß den rasch wechselnden Vorlieben der Damen Mailands amüsierte, arbeitete er an den die Zeit überdauernden Kunstwerken, die im Geist der Menschheit endlos wiedergeboren und als jung empfunden werden. Leonardos großes, in Mailand entstandenes Gemälde war Das Abendmahl , das er im Refektorium der Kirche Santa Maria delle Gracie malte und an dem er mehrere, vielleicht sogar zehn, Jahre arbeitete. Leonardo ließ sich in seinen Gemälden nicht zum Einsatz der trompe-l ’ oeil-Technik [1] herab.
Profilansicht eines Kriegers als Turnieranführer
um 1480
Metallstift auf elfenbeinfarbener Grundierung,
28,5 x 21 cm . British Museum, London

Er wollte, dass seine Bilder die Natur, so wie sie vom menschlichen Auge wahr-genommen wird, perfekt widerspiegeln. Man scheint geradezu in sein Gemälde einzutreten und den Tisch am Ende der Halle mit den hinter ihm sitzenden Männern tatsächlich zu sehen. Leonardo konnte diesen Effekt nur auf Grund seiner fundierten Kenntnis der Perspektive erzielen. Das Spektrum von Leonardos Aktivitäten in Mailand ist damit aber immer noch nicht vollständig beschrieben.

Studie für die Krautgewächse
um 1481-1483
Metallstift, Feder und Tinte, 18,3 x 21 cm
Galleria dell ’ Accademia, Venedig

Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass ihm tatsächlich nichts Menschliches fremd oder unvertraut war.
Er agierte dort nicht nur als Organisator der höfischen Festivitäten und als Mailands größter Maler und Bildhauer, sondern in offiziellen Dokumenten ist auch zu lesen, dass er gemeinsam mit dem Maler und Baumeister Bramante (1444 bis 1514) den Titel ingeniarius ducalis trug, wobei das Wort ingeniarius sowohl Ingenieur als auch Architekt bedeutet.
Studie zur Perspektive für die Anbetung der Heiligen Drei Könige
1481-1482
Feder, Tinte und Tusche, Skizze mit Metallstift,
Uffizien, Florenz

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