Marc Chagall
82 pages
German, Middle High (ca.1050-1500)

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Description

Chagall wurde in einer strenggläubigen jüdischen Familie geboren, in der das Verbot, den Menschen bildlich darzustellen, zum religiösen Dogma gehörte. Zwar lebte Chagalls Familie in ärmlichen Verhältnissen, litt jedoch keine Not. Nachdem er zunächst bei der Aufnahmeprüfung für die Kunstschule des Barons Stieglitz durchgefallen war, gelang es ihm, in die von Nikolai Roerich geleitete Schule der Kaiserlichen Gesellschaft zur Förderung der Künste aufgenommen zu werden. Chagall wählte später als Wohnsitz Paris. In dem Künstlerviertel La Ruche traf er viele Landsleute – u.a. Lipschitz, Zadkine, Soutine und Archipenko –, die, angezogen vom Ruhm der Weltstadt, ebenfalls nach Paris gekommen waren. Bereits in den ersten Schriften über Chagall, die in den 1920er Jahren erschienen, wurde mit Recht behauptet, dass Paris seiner Malkunst den nötigen Schliff gegeben habe, eine sensible Sprödigkeit und Bestimmtheit der Linien, die nun eine sichere und genaue Stimmigkeit mit dem Farbklang bekamen, so dass die Linie gegenüber der Farbe oft zum beherrschenden Element wurde. Chagall besaß von Natur aus eine “stilistische Immunität”, er ließ sich in seinem Schaffen anregen und bereichern, jedoch ohne seinem eigenen Stil untreu zu werden. Er begeisterte sich für das Werk anderer Künstler, lernte von ihnen und streifte seine jugendliche Unbeholfenheit ab, seinen “Archimedespunkt” aber verlor er nie. Bezeichnend ist, dass Kritiker und Forscher in ihren Abhandlungen über Chagalls Kunst häufig zur musikalischen Terminologie greifen. Chagalls Motive und Gestalten verfügen über eine klangliche Wirkung. So erscheint die Farbe als Rhythmus, die Linie als Melodie. Diese Metaphorik entspricht einer Malkunst, die gleich der Musik auf den Begriff der Zeit bezogen ist.

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Informations

Publié par
Date de parution 22 décembre 2011
Nombre de lectures 0
EAN13 9781781607206
Langue German, Middle High (ca.1050-1500)

Informations légales : prix de location à la page 0,0175€. Cette information est donnée uniquement à titre indicatif conformément à la législation en vigueur.

Exrait

Layout: Julien Depaulis

ISBN: 978-1-78160-720-6

© Parkstone Press International, New York, USA
© Confidential Concepts, Worldwide, USA

Weltweit alle Rechte vorbehalten

Soweit nicht anders vermerkt, gehört das Copyright der Arbeiten den jeweiligen Fotografen. Trotz intensiver Nachforschungen war es aber nicht in jedem Fall möglich, die Eigentumsrechte festzustellen. Gegebenenfalls bitten wir um Benachrichtigung.
Marc
Chagall
INHALT


Leben und Werke Marc Chagalls
BIOGRAPHIE
INDEX DER WERK
ANMERKUNGEN
1. Kirchweih, (1908),
Öl auf Leinwand, 68 x 95 cm,
Sammlung Wright Judington,
Santa Barbara, Kalifornien, USA.
Leben und Werke Marc Chagalls

Chagall wurde in einer strenggläubigen jüdischen Familie geboren, in der das Verbot, den Menschen im Bilde darzustellen, als Dogma galt. Wer die traditionelle Erziehung in der jüdischen Familie nicht kennt, kann sich keine Vorstellung davon machen, welch einen unbändigen Lebenswillen Chagall bewies, welch eine Auflehnung gegen die herrschende Sitte es bedeutete, aus der Zeitschrift Niwa das Bildnis des Komponisten Rubinstein zu k opieren.
Die jüdische Erziehung ist vor allem religiös, sie gründet sich auf das Gesetz der göttlichen Auserwähltheit und beschränkt sich auf die gottesfürchtige Sphäre. Die religiöse Überlieferung wird dem Kind im Schoße der Familie in mündlicher Form beigebracht. Jedes jüdische Heim erhält seine Weihe von der Liturgie des Wortes.
Chagalls Familie gehörte zur chassidischen 1 Tradition. Dieses Bekenntnis gibt dem unmittelbaren Verhältnis zu Gott den Vorzug. Das Zwiegespräch zwischen dem Menschen und Jahwe erfolgt ohne Vermittlung durch den Rabbiner. Es vollzieht sich in der Ausübung der vorgeschriebenen rituellen Handlungen unter den Bedingungen persönlicher Freiheit. Der Chassidismus liegt außerhalb der gelehrten talmudistischen Kultur und ist der Synagoge nicht untergeordnet. Historisch gesehen war diese Bewegung in den Dorfgemeinden auf russischem und polnischem Gebiet verbreitet und stützte sich auf das grundlegende, ursprüngliche Element der jüdis chen Gesellschaft, die Familie.
Chagalls Vater Sachar war Lagerarbeiter bei einem Heringshändler. Gutherzig, verschlossen und schweigsam, schien er in seiner Person das tragische Schicksal des jüdischen Volkes zu verkörpern. „Alles schien mir an dem Vater traurig und rätselhaft zu sein. Eine unbegreifliche Gestalt“, schreibt Chagall in seinem Buch Mein Leben über ihn. Die Mutter Feiga-Ita, in Liosno als älteste Tochter eines Fleischers geboren, war das genaue Gegenteil ihres Mannes. Die psychologische Gegensätzlichkeit der beiden Elternpersönlichkeiten ist schon in den ersten Zeichnungen des Sohnes sichtbar ausgedrückt, man erkennt sie in einer Serie von Radierungen, die Chagall 1923 in Berlin im Auftrag Paul Cassirers als Illustrationen zu seinem Buch Mein Leben anfertigte.
In den Elternbildnissen sind nicht nur die persönliche Erfahrung und die Erinnerungen des Künstlers festgehalten; sie personifizieren die zwei gegensätzlichen Seiten des jüdischen Charakters und der jüdischen Geschichte, denen einerseits eine demütige Resignation und Gottergebenheit und andererseits ein zuversichtlicher, tatkräftiger Wille eigen ist, mit dem sich ein unerschütterlicher Glaube an die göttliche Auserwähltheit verbindet. Marc hatte einen Bruder und sieben Schwestern: David, dem ein früher Tod beschieden war und den er in rührenden Porträts abbildete; Anna, zu Hause Anjuta geheißen, Sina, die Zwillinge Lisa und Manja, Rosa, Marusja und die auch früh verstorbene Rahel. Sie hatten es schwer, aber nicht so sehr, dass sie Not leiden mussten. Die Familie war in dem Milieu des Städtl verwurzelt, einer Erscheinung der jüdischen Kultur, die ihrem Charakter nach dem Ghetto nahe steht. In Witebsk hatte sich das Städtl den ländlichen Verhältnissen des russischen Dorfs angepasst.
Am Ende des 19. Jahrhunderts war Witebsk eine kleine weißrussische Stadt an der Mündung der Witba, eines kleinen Nebenflusses der Dwina, gelegen. Die Stadt machte damals eine stürmische ökonomische Entwicklung durch. Aber obwohl es eine Eisenbahnlinie und einen Bahnhof bekommen hatte, kleine Industriebetriebe und einen Flusshafen besaß, konnte Witebsk nach wie vor seinen ländlichen Charakter nicht verleugnen. Obwohl die vielen Kirchen und die russisch-orthodoxe Kathedrale ihm ein städtisches Aussehen gaben, waren die meisten Häuser Holzbauten, und die im Winter mit Schnee bedeckten und im Frühling vom Tauwasser überschwemmten Straßen waren ungepflastert. Jedes Haus war ein Anwesen mit einem Garten und einem Hühnerhof und wurde nach althergebrachter Weise bewirtschaftet. Diese Witebsker Häuser mit den Lattenzäunen und den buntfarbigen Ornamenten sind auf Chagalls Bildern verewigt. Aus den Kindheitserfahrungen des Künstlers bildete sich später das Vokabul ar seiner Bildersprache heraus.
Das Wohnzimmer, die Uhr, die Lampe, der Samowar, der festlich gedeckte Tisch, die Straße mit den Holzhäusern, das Dach des väterlichen Hauses, das Haus selbst und die Stadt Witebsk mit den Kuppeln der Kathedrale — diese Fragmente des Erinnerungsbildes, die man schon auf seinen ersten Gemälden sehen kann und deren volle Bedeutung dem Künstler erst nach Jahren, aus einer zeitlichen Distanz heraus gesehen, aufgehen sollte, ergaben nun das Gerüst, auf dem sich bei ihm die Bildaussage aufbaut. Erst als Chagall seiner Berufung folgte („Mama, ich möchte Maler werden“ [1] ) und sich aus den Banden der Familie und des sozialen Milieus löste, vermochte er, sich eine eigene Sprache zu schaffen. Es gelingt Chagall, seine Mutter zu überreden, ihn die von Pen geleitete Zeichenschule besuchen zu lassen. Doch bald fühlt er sich von dem Unterrichtssystem, das sich auf ständiges Kopieren gründete, gelangweilt und enttäuscht. Wonach er sehnsüchtig strebt, was ihm selbst als dunkle Ahnung vorschwebt und sich in seinen ersten koloristischen Wagnissen als eine vage Andeutung ankündigt, hat mit den akademischen Regeln, die Pen in seiner Schule predigt, nichts gemein. Chagall, der sich gegen jeglichen Unterricht auflehnt, zeigt bereits 1907 eine kühne Erfindungsgabe - bezeugt das nicht allein sein regelwidrige r Gebrauch der violetten Farbe?
2. Selbstbildnis (1909),
Öl auf Leinwand, 57 x 48 cm,
Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf.
3. Die Schwester des Künstlers (Manja) (1909),
Öl auf Leinwand, 93 x 48 cm,
Wallraf-Richartz-Museum, Köln.
4. Meine Braut mit schwarzen Handschuhen (1909),
Öl auf Leinwand, 88 x 65 cm,
Kunstmuseum, Basel.
5. Sabbat (1910),
Öl auf Leinwand, 90 x 98 cm,
Wallraf-Richartz-Museum, Köln.
6. Die Hochzeit (1910),
Öl auf Leinwand, 98 x 188 cm,
Sammlung der Familie des Künstlers, Frankreich.
7. Meiner Braut gewidmet (1911),
Öl auf Leinwand, 196 x 114,5 cm,
Kunstmuseum, Bern.
In der Tatsache, dass er grundsätzlich auf seinem Autodidaktentum besteht, kann man ein untrügliches Zeichen des Schöpferischen sehen. Das Künstlerschicksal muss bestimmte Zeichen aufweisen, um als solches zu gelten; eines der entscheidenden besteht darin, dass der Künstler die Heimat verlässt und in die Fremde zieht. Und Chagall verlässt die Heimat. Bereits 1907 nimmt er mit Viktor Mekler Abschied von seiner Heimatstadt Witebsk, die später zu den wichtigsten Symbolen seines Schaffens gehören wird, und macht sich auf die Reise nach St. Petersburg. Dass seine Wahl gerade auf diese Stadt fiel, ist bedeutsam, denn unbewusst knüpfte Chagall damit an eine seit der Renaissance bestehende Tradition an, die in der Reise einen notwendigen Bestandteil der handwerklichen Ausbildung sieht. Wenn die Kunst auch ein Handwerk ist — und zu Beginn des 20. Jahrhunderts sieht man im Künstler trotz aller romantischen Revolten geradeso wie im 15. Jahrhundert einen Handwerker —, so muss man, um als solcher anerkannt zu werden, ein akademisches Studium durchmachen. Unter anderem ist Petersburg die intellektuelle und künstlerische Metropole des Russischen Reiches. Die Geschichte Petersburgs zeichnet sich im Unterschied zu derjenigen Moskaus durch eine größere Offenheit gegenüber der westeuropäischen Kultur aus. Sein intellektuelles Leben, die Formen seiner Architektur, seine Kunstschulen, seine Ausstellungen bieten dem jungen Menschen aus der Provinzstadt eine reiche geistige Nahrung. Er ist hierher gekommen, um sich an der Petersbu rger Vollkommenheit zu schulen.
Nachdem er bei der Aufnahmeprüfung für die Kunstschule des Barons Stieglitz durchgefallen war, glückte es ihm, in die von Nikolai Roerich geleitete Schule der Kaiserlichen Gesellschaft zur Förderung der Künste aufgenommen zu werden. Nikolai Roerich (1874-1947) war ein Mitarbeiter der Zeitschrift Welt der Kunst ( Mir iskusstwa ), die 1898 von Alexander Benois gegründet und bis 1904 von Sergej Dhiagilew herausgegeben wurde. Die Zeitschrift und die Künstler, die sich darum gruppierten, spielten eine entscheidende Rolle in dem heißen ästhetischen Streit, der im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts entbrannt war. Das Wahrzeichen der Zeitschrift, der von Leon Bakst gezeichnete Adler des Nordens, versinnbildlichte die Ziele, die sie sich stellte: die Schaffung einer neuen Kunst, die, auf die russische Kulturüberlieferung gestützt, den westlichen Einflüssen gegenüber offen bleibt, was in dem Land, das die Renaissance nicht erlebt hatte, eine Wiedergeburt der Künste fördern sollte. Die

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