Die Kunst der Champa
281 pages
German, Middle High (ca.1050-1500)

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Description

Das Königreich von Champa deckte um 500 n. Chr. einen weiten Teil des heutigen Vietnam ab. In der Umgebung von Nha Trang findet man heute noch einige wundersame Spuren davon. Die Champa-Bildhauerei verwendet verschiedene Materialien, vor allem Sandstein, aber auch Gold, Silber und Bronze; diese Werke von unvergleichlicher Originalität veranschaulichen die indische Mythologie. Dieses mächtige Königreich wurde um 1500 nach und nach durch die unaufhaltsame Wanderung der Vietnamesen Richtung Süden ("Nam Ti n") zerstört, die ursprünglich in der Region des Roten Flusses angesiedelt waren. Der Autor untersucht, beschreibt und kommentiert die verschiedenen Stile der Champa-Skulpturen und bezieht sich dabei auf eine umfassende und bisher unveröffentlichte Ikonografie.

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Informations

Publié par
Date de parution 15 septembre 2015
Nombre de lectures 0
EAN13 9781783106356
Langue German, Middle High (ca.1050-1500)
Poids de l'ouvrage 2 Mo

Informations légales : prix de location à la page 0,0025€. Cette information est donnée uniquement à titre indicatif conformément à la législation en vigueur.

Exrait

Autor: Jean-François Hubert
Übersetzung: Georg Robens

Layout:
Baseline Co. Ltd
61A-63A Vo Van Tan Street
4. Etage
Distrikt 3, Ho Chi Minh City
Vietnam

© Confidential Concepts, worldwide, USA
© Parkstone Press International, New York, USA
Image-Bar www.image-bar.com
© Thérèse Le Prat photograph
© Extract from catalogue « La Fleur du pêcher et l’oiseau d’azur » published by La Renaissance du livre.

François Devos für alle Fotografien.
Weltweit alle Rechte vorbehalten
Soweit nicht anders vermerkt, gehört das Copyright der Arbeiten den jeweiligen Fotografen. Trotz intensiver Nachforschungen war es aber nicht in jedem Fall möglich, die Eigentumsrechte festzustellen. Gegebenenfalls bitten wir um Benachrichtigung.

ISBN: 978-1-78310-635-6


Danksagung

Mein Dank gilt vor allem meinem Verleger Jean-Paul Manzo, der mein Vorhaben begrüßt hat und der für die Ausführung zuständigen Eliane de Sérésin.
Ich möchte ihnen hier meine Erkenntlichkeit zeigen.
Eine besondere Erwähnung verdient der Fotograf François Devos, der mich freiwillig an manch bilderreichen Ort begleitete und dort großartige Fotos machte.

Außerdem Dank allen, ohne deren Mithilfe dieses Werk nicht entstanden wäre:

Sophie Allard-Latour
Philippe Damas
Dominique Darbois
Jean-Luc Enguehard
Michel Inguimberty
Jean-Paul Morin
Cang Nguyen
Eric Pouillot
Richard Prévost
Nicholas Scheeres
Lan Tran
Marc Vartabedian
Jean Volang
Anna Zweede

Zuletzt möchte ich ganz besonders Joëlle Loiret danken, deren Professionalität und Gefühl für Form und Inhalt nur von ihrer Geduld und Ausdauer übertroffen werden.
Jean-François Hubert



Die Kunst der Champa
Inhaltsverzeichnis


Einführung
Champa aus historischer Sicht
Die Architektur der Cham
Die Götter und ihre Darstellung
Stile und Datierung der Skulpturen
Zyklotronanalyse der Metalle und Geschmeide von Champa
Conclusion
Glossar
Zusammenfassende Chronologie von Champa
Chronology of the reigns of Cham sovereigns, the construction of temples and their schools of sculpture
Bibliographie
Index der Abbildungen
1. Garuda aus Sandstein im Thâp-Mam-Stil (12. Jh.). Er steht vor dem Museum für Nationalgeschichte von Vietnam (Hanoi) (Detail).
Einführung


2. Garuda aus Sandstein im Thâp-Mam-Stil (12. Jh.). Er steht vor dem Museum für Nationalgeschichte von Vietnam (Hanoi).


Will man sich heute an die Reiche der Champa erinnern, so bedeutet dies zunächst, Geschichte zu rekonstruieren, die verbliebenen Spuren zu schützen, die geringsten Hinweise zu beachten, aber auch den Tod zu würdigen und die Trauer mit zeremoniellem Ernst zu begehen. Es sind die Reiche, die in der Erinnerung ihrer Nachkommen nur noch als undeutliche und von den rastlosen Seelen der von den Lebenden zu fürchtenden Verstorbenen gesummte, zwangsläufig exotische Melodien existieren.
Und doch, ihre Statuen fordern unsere Zeit heraus, verlangen ihr Mitgefühl und rächen sich für die unerbittliche Ungerechtigkeit: zeugen die vom Zerstörungswerk der Geschichte verschont gebliebenen doch von einer in deren Mäandern verloren gegangenen bedeutenden Zivilisation.
Alle Zivilisationen sterben, sie alle tragen jedoch auch Früchte. Sie hinterlassen in der Erinnerung der Menschheit die grundlegende, mit Worten nicht beschreibbare Ahnung von der unbegreifbaren Unendlichkeit und vom unerreichbaren Absoluten. Dennoch ist der Untergang der Chamzivilisation vielleicht radikaler als der anderer Zivilisationen: Wenn man diesen Untergang nicht als Zustand begreift, sondern mit einem Vortrag vergleicht, dann fehlen den Cham schon seit langem Redner und Zuhörer. Und doch, welch eine Geste! Ein geheimnisvolles Entstehen, ein Ideal der Staatenlosigkeit, ein glorreiches Untergehen, ein angekündigter Tod im Namen der Unmöglichkeit, anders sein zu können. Champa, das sind fünfhundert Jahre Geheimnis, tausend Jahre der Zerstörung und dreihundert Jahre des Vergessens.
Das Sinnvollste war, die Überreste zu erfassen, die verlorenen Türme, die vergessenen Skulpturen, die ehrwürdigen Stätten, in denen das Göttliche wandelte. Eine angenehme Arbeit für den mit dem Wissensschatz seiner berühmten Vorgänger vertrauten Forschungsreisenden, der offen ist für die Freude am vorurteilsfreien Entdecken. Eine Statue zu untersuchen und zu begutachten bedeutet, steingewordene Geschichte befragen. Wir haben alle in diesem Buch dargestellten Werke genau untersucht, gemessen, abgeklopft und beglaubigt. Sie kommen ausnahmslos aus meist unveröffentlichten Privatsammlungen und geben so der Betrachtung neue Nahrung. In der Kunst ist nichts gefährlicher als die zu große Ähnlichkeit der Vorlagen und die Begrenzung des Blickfelds. Am Anfang des 21. Jahrhunderts zeigt sich die Chamkunst im Allgemeinen und die Chamskulptur im Besonderen als eine zutiefst ursprüngliche, von den Franzosen wiederentdeckte und heute von den Vietnamesen für sich in Anspruch genommene Kunst.
Zutiefst ursprünglich, denn selbst wenn man Stilvergleiche durchführen, die Herkunft erwähnen und Einflüsse feststellen kann, so unterscheidet sich die Chamskulptur doch von allen vorangegangenen zeitgenössischen und späteren Strömungen der Bildhauerei.
3. Insc hrift von Vo-Canh. Sie befindet sich vor de m Museum für Nationalgeschichte von Vietnam (Hanoi). Sie datiert aus dem 3. Jh.- 4. Jh und ist nach wie vor der Angelpunkt zahlreicher Forschungen, auch wenn die Cham-Herkunft nicht sicher ist.


Wiederentdeckt von den Franzosen: denn während der ganzen Dauer der französischen Präsenz in Vietnam – und dies schon ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts – haben nicht nur die den Entdeckern nachfolgenden Architekten, sondern auch die Inschriftenkenner und die Archäologen nicht nur einmalige, die Dokumente und Kommentare vereinende Grundlagen erstellt, sondern auch Großes für die Erhaltung der Chamstätten geleistet. Da die Anwendung der französischen Sprache weltweit zurückgeht, ist es nicht nebensächlich, festzustellen, dass sie nach wie vor unumgänglich ist für diejenigen, die sich mit der Kunst der Cham beschäftigen wollen: Keine präzise Bezugnahme und keine ernsthafte Untersuchung könnte heute auskommen ohne die akribische Auswertung und ohne die aufmerksame Lektüre der seit beinahe 150 Jahren in Französisch gehaltenen und auf verlässlichlichen Quellen beruhenden Dokumente.
Von den Vietnamesen heute für sich in Anspruch genommen: Erst als die Zwänge vieler Kriegsjahre überwunden waren, konnten sich die Vietnamesen für eine Kunst interessieren, die den meisten unter ihnen fremd geblieben war. Schließlich waren die Cham in dem die Nationen zusammenhaltenden Kollektivbewusstsein ganz klar der im Norden einfallende Feind, der dann, nach der bis ins zehnte Jahrhundert dauernden chinesischen Besetzung, ein Hindernis war für den durch die Bevölkerungszunahme im Norden unvermeidlichen “Gang nach Süden” (“Nam Tiên”). Die Cham weckten auch ein Schuldgefühl im vietnamesischen Unterbewusstsein. Schließlich hatte man eine tausendjährige autochthone Kultur unwiederbringlich zerstört und ein ganzes Volk – als eine der vierundfünfzig im Lande gezählten Minderheiten – auf etwa 100 000 noch in Vietnam lebende Cham reduziert. Sie leben heute hauptsächlich in der Nähe von Phan Rang, Phan Ri und Chau Doc, alles Orte im Süden des heutigen Vietnam.
Diese Inanspruchnahme trägt heute Früchte: Die Sorgfalt bei neuen Veröffentlichungen, die Aufwertung und die Wiederherstellung der Fundstätten, die effizienten archäologischen Arbeiten zeugen sowohl von einem landesweiten Bewusstwerden als auch von dem festen Willen, das heute zweifelsfrei vietnamesische Erbe der Cham wieder zu gewinnen.
Es ist jedoch nicht richtig, die Kunst der Cham im Allgemeinen und die Skulpturen der Cham im Besonderen in einer ausschließlich historischen französisch-vietnamesischen oder in einer isolierten landespolitischen Beziehung zu sehen. Die Chamskulpturen haben schon vor langer Zeit ein internationales Publikum gewonnen. Zwar wurden die ersten Museen, in denen sie ausgestellt wurden, unter französischem Einfluss in Vietnam gegründet und sind der französischen archäologischen Kommission für Indochina Ecole française de l’Extrême-Orient (EFEO) – der auch die Erhaltung der historischen Monumente in Indochina anvertraut worden war – zu verdanken: Die Hallen der Kommission beherbergten bereits 1899 einige der in den Ruinen von Mi Son gefundenen Steine. Zwischen 1900 und 1905 kamen dann einige Skulpturen nach Hanoi und schrittweise entstanden aus den Funden bei offiziellen Grabungen oder zufällig gefundenen Stücken richtige Museen. Die ursprünglichen Gründungsdaten dieser ersten Museen liegen zwar weiter zurück, aber wir geben hier die Daten an, zu denen sie tatsächlich und vollständig eingerichtet waren: Das Museum Louis Finot in Hanoi (1933 eingeweiht), das Museum Henri Parmentier (1936) in Touran-Danang, das Museum Khai Dhin in Hué (1923) und das Museum Blanchard de la Brosse in Saigon (1929). Mit der Zeit wussten auch ausländische Museen hochwertige Sammlungen zusammenzustellen ( Museum Cleveland , das Metropolitan Museum in New York und Brooklyn in den USA; Museum Rietberg in der Schweiz; Musée Guimet in Paris, Museum Labit in Toulouse).
4. Inschrift von Vo-Canh . Sie befindet sich vor dem Museum für Nationalgeschichte von Vietnam (Hanoi) (Detail).
5 . Archäologische Cham Ausgrabungen der Thâp-Mam Epoche.
6. Portrait von Philipe Stern, 1953.


Architekten, Archäologen, Übersetzer und Epigraphiker, aber auch Amateure haben es ermöglicht, die Zivilisation der Cham, ihre Tempel und besonders ihre Skulpturen besser kennen zu lernen. Wir wollen diese berühmten Neuerer für jede Kategorie aufführen und kurz an ihre Beiträge erinnern.
Zuerst seien die Epigraphiker erwähnt, deren Wissenschaft das Erforschen und die Kenntnis der Inschriften zum Ziel hat. Wir nennen diese Gelehrten und zeigen dann die Grenzen ihrer Wissenschaft auf, wenn es um die Erkennung und um die Datierung der Kunst der Cham geht:
August Barth (1834-1916), Indologe, verfasste 1901 die Gründungsurkunde der EFEO; Georges Maspero (1872-1942), Verwaltungsbeamter in Indochina, oft verwechselt mit seinem Bruder, dem herausragenden Sprachforscher Henri Maspero (1883-1945); Louis Finot (1864-1935), Archivar und Paläograph, Sanskritkenner, Leiter der EFEO, Paul Pelliot (1878-1945), Henri Parmentier (1871-1949), Georges Coedes (1886-1969) schrieb 1904 als achtzehnjähriger in der Zeitschrift der EFEO seinen ersten Artikel über Inschriftenkunde und hatte perfekte Kenntnisse in Cham, Sanskrit und Khmer und anderen Sprachen; Paul Mus (1909-1960), Indologe, Spezialist für die Ausbreitung des Hinduismus in Indien und Südostasien, er interessierte sich vor allem für die natürliche und fruchtbare Begegnung zwischen hinduistischen und lokalen Elementen bei der Entstehung der religiösen Kultur der Cham.
Leider sind die Arbeiten der Sammler und Inschriftenübersetzer wenig hilfreich bei der Datierung und Erforschung der Cham-Skulpturen. Wenn auch heute etwa zweihundertdreißig vom 4. bis zum 15. Jahrhundert datierte, in Sanskrit, in altem Cham oder in beiden Sprachen gehaltene Inschriften erfasst sind, so wurden nur etwa hundert davon wirklich untersucht. Sie stammen hauptsächlich von Stelen und beziehen sich auf Probleme der Grenzziehung oder auf religiöse Ereignisse, tragen jedoch wenig zur Datierung der Tempelanlagen bei. Einerseits ist es durchaus möglich, dass eine Stele von einem Tempel zu einem anderen gebracht worden ist, andererseits ist es nicht immer leicht, festzustellen, ob die Daten auf der Stele sich auf die Einweihung eines Tempels beziehen oder auf den Baubeginn, wodurch natürlich die präzise Datierung erschwert wird.
7 . Fries mit Affen , Flachrelief, Sandstein, Länge 64 cm, Stil von Thâp-Mam, 11. Jh.-12. Jh. (Detail).


Zu den Architekten gehört vor allem wieder Henri Parmentier, der sein Diplom an der Kunstakademie in Paris erworben hatte und der EFEO bereits bei ihrer Gründung beitrat. Zwischen 1902 und 1908 legt er die wichtigsten (jedoch nicht alle, wie zu oft angenommen wird) Cham-Stätten frei und veröffentlicht seine Grabungsberichte in seiner 1909 und 1918 in zwei Bänden erschienenen meisterhaften Bestandsaufnahme Inventaire descriptif des monuments cham de l’Annam . In den Jahren 1902 und 1903 legt er die Monumente von Mi Son und Dong Duong frei, im Jahr 1908 die von Po Klaung Garai und von 1906 bis 1909 den Po Nagar von Nha Trang. Parmentier ist die Gründung des Cham-Museums von Tourane (Da Nang) im Jahr 1918 zu verdanken, das 1936 erweitert wurde und seitdem seinen Namen trägt.
Auch Jean-Yves Claeys (1896-1979) hatte als Architekt sein Studium an der Pariser Kunstakademie sowie an der Kunstgewerbeschule in Nizza abgeschlossen. Als Angestellter des staatlichen Bauamtes Travaux Publics de l’Indochine trat er 1927 der EFEO bei und wurde Konservator der Monumente von Annam. Er widmete sich nicht nur der Cham-Architektur, sondern auch der Archäologie, insbesondere der Freilegung der Stätten von Tra Kieu im Jahr 1920 und der von Thap Mam in den Jahren 1934 bis 1935.
Parmentier und Claeys haben die von der Vegetation überwucherten Monumente nicht nur freigelegt, sondern auch präzise Listen aufgestellt und – um sie zu erhalten – Statuen und Inschriften in den Museen der EFEO zusammengebracht sowie in der unmittelbaren Nähe der wichtigsten Monumente einige Ausgrabungen durchgeführt.
Bei den Archäologen und Museumsleitern, die beiden Berufe waren in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts oft eins, ist natürlich Philippe Stern (1875-1996) zu nennen, Leiter des Musée Guimet in Paris und Mitglied der EFEO seit 1930. Er erklärt die Beobachtung zur Grundlage für die Aufstellung von Theorien und erarbeitet eine Furore machende Datierungsmethode: Er “...stützt sich [...] in seinen Analysen auf eine gewissenhafte vergleichende Untersuchung der Entwicklung der Dekorationsmotive, insbesondere der Friese, Arkaden, Pilaster, kleinen Säulen, Mauerwerksornamente und anderen verzierenden Elemente der Architektur”. Im Jahr 1936 fährt er auf seiner einzigen Reise in Südostasien mit seiner Schülerin Gilberte de Coral-Rémusat natürlich nach Kambodscha, aber auch zu den wichtigsten Monumenten von Champa.
Nach der geglückten Neudatierung des Bayon in Angkor – er siedelt ihn statt im 11. im 12. Jahrhundert an und “verjüngt” ihn so, ganz gegen die anerkannte und autoritäre Meinung des Trios Finot, Goloubew und Parmentier – und erstellt eine wichtige, Maßstäbe setzende Datierungsmethode für die Architektur der Cham und damit auch für deren Skulpturen, auch wenn sie später ergänzt und überarbeitet wurde.
Jean Boisselier (1912-1996) greift die Arbeit später wieder auf. Nach dem Studium an der Kunstakademie und an der Ecole du Louvre in Paris tritt er 1949 der EFEO bei. Ab 1953 leitet er die wissenschaftlichen Arbeiten für die Erhaltung von Angkor. Der hervorragende analytische Gelehrte hat Jahrzehnte lang die Forschung in der Kunst sowohl der Khmer als auch in der Kunst der Thai und der Cham angeregt. Seine Arbeiten zur Analyse, Datierung und Identifizierung der Cham-Skulpturen sind absolut grundlegend. Dennoch sträubte sich der Hausherr in der Rue de la République in Charenton am Ende seines Lebens, manche Entdeckungen und Neuentdeckungen zu akzeptieren. So weigerte er sich zum Beispiel, trotz ihrer Bedeutung die Entdeckungen von An-My von 1982 anzuerkennen, konnte doch durch sie die Existenz eines ersten Skulpturstils bestätigt werden.
Die zeitgenössische vietnamesische Schule hat in den letzten Jahren viel zum Wissen über die Kunst von Champa beigetragen. Auch Ngo Van Doanh und Tran Ky Phuong haben durch ihre Ortskenntnis, ihren direkten und wiederholten Zugang zu den neuen archäologischen Entdeckungen und ihre Kenntnis der vietnamesischen Soziologie einen Beitrag geleistet zur Erneuerung des Kenntnisstands in der Kunst der Cham. In Frankreich folgen ihnen auch Po Dharma und Pierre-Bernard Lafont .
8. Fries mit Affen , Flachrelief, Sandstein, Länge 64 cm, Stil von Thâp-Mam, 11. Jh.-12. Jh.


Zum Schluss dürfen die reinen Amateure nicht vergessen werden, jene, die mehr sammeln als erforschen, die jedoch oft etwas in Bewegung setzen, was dann zu einem sehr hohen Wissensstand führt. Unter ihnen seien genannt: Charles Lemire (1839-1912), der französische Statthalter in Quang Nam, der von 1886 bis 1892 eine Sammlung erstellte, die er zwischen 1891 und 1892 im Garten der Cham in Tourane (Na Dang) zusammenführte. Camille Paris , zuerst Postbeamter, dann Siedler; die Patres Cadière und Durand sowie Prosper d’Odend’hal und der Arzt Dr. Albert Sallet, die erheblich zur Entstehung der Sammlung des Cham-Museums in Tourane beigetragen haben, und, nicht zu vergessen Dr. Morice , über den wir später ausführlicher berichten. Der vietnamesische Sammler Vu Kim Loc aus Ho Chi Minh-Stadt folgt heute dieser Tradition. Seine sorgfältig zusammengestellte Sammlung umfasst hauptsächlich Metalle der Cham und im Wesentlichen Schmuck und Kultgegenstände, die in einem sehr interessanten, gemeinsam mit dem herausragenden vietnamesischen Archäologen Le Xuan Diem verfassten Buch (siehe hierzu die Bibliografie) beschrieben wurden. Die Erforschung der Kunst der Cham im Allgemeinen und der Skulptur der Cham im Besonderen ist, um weiterzukommen, auf solche immer wieder neuen Initiativen angewiesen.
Das oben gezeigte Stück stammt aus der Sammlung des Arztes Claude-Albert Morice (1845-1877), der nach seinem Abschluss an der Militärmedizinschule in Lyon als Arzt zur französischen Marine ging und sich bei seinem ersten Aufenthalt in Vietnam von 1872 bis 1874 vor allem seiner Leidenschaft, der Naturkunde, widmete.
Er sammelte zahlreiche Proben und Muster der Tier- und Pflanzenwelt des Landes und schickte sie an das Naturkundemuseum in Lyon; er begeisterte sich auch für die Geschichte und die Sprachen Vietnams.
Während eines zweiten, mit seinem Tod endenden Aufenthalts war er als Arzt dem Konsulat von Thi Nay nahe der Stadt Qui Nhon zugeteilt, in einem ehemaligen Cham-Gebiet, in dem es zahlreiche architektonische Spuren des alten Champa gab. Morice interessierte sich insbesondere für die Statuen im Zentrum des ehemaligen Königreichs von Vijaya, das 1471 unter der Herrschaft von Le Than Tong von den Viet im Verlauf des Nam Tien endgültig erobert wurde.
Dem Geist der Zeit entsprechend, in der man eher dokumentierende Elemente suchte als eine tatsächliche Kunstsammlung zusammen zu stellen, brachte er ein von den Verzierungen der Cham-Tempel stammendes Ensemble von kompletten oder bruchstückhaften Statuen zusammen, die sich vom Mauerwerk der Tempel gelöst hatten, als diese im Lauf der Zeit verfielen. Die Steine waren in der Regel von den Viet in ihrem Zustand belassen worden, fürchteten sie doch die rachsüchtigen Geister der Cham-Götter.
Niemand wusste, was aus der Sammlung des Doktor Morice geworden war, bis Robert Stenuit – Gründer und seit 1970 Direktor von GRASP ( Groupe de recherche archéologique sous-marine post-médiévale ; deutsch etwa: Forschungsgruppe für nachmittelalterliche Unterwasserarchäologie) und 1976 Entdecker der Witte Leeuw – durch Quellenstudien herausfand, dass ein französisches Schiff der Messageries Maritimes , die Mekong , am 17. Juni 1877 nicht weit entfernt von der somalischen Küste untergegangen war. Das Schiff hatte Saigon mit Kurs auf Marseille verlassen und transportierte offensichtlich die Cham-Sammlung des Doktor Morice.
Die Zeitschrift L’Illustration hatte in ihrer Nummer vom 21. Juli 1877 von der tragischen Begebenheit mit einer Abbildung des sinkenden Dampfers, dessen 66 Passagiere und 180 Offiziere und Matrosen in Schaluppen mehr schlecht als recht die zum Glück nahe liegende Küste erreichten, berichtet.
Um die genaue Lage des gesunkenen Schiffes festzustellen, zog Stenuit drei Jahre lang zahlreiche Archive zu Rate, insbesondere die der Messageries Maritimes und die des ehemaligen Protektorats von Aden; er studierte Karten und Manuskripte und entschloss sich zu einer von Vater und Sohn Edwards, zwei Amerikanern aus Pennsylvanien, finanzierten Expedition zur Bergung der Statuen.
Am 9. Oktober 1995 erreicht ein von Djibuti kommendes Schiff den Ort nördlich von Somalia. Die Mannschaft weiß, dass die Ladung beim Schiffbruch von den Somaliern geplündert worden war, die den Überlebenden dafür das Leben ließ und ihnen Kamele gab, damit sie zur Nordküste gelangen konnten; aber Stenuit ist fast sicher, dass die Cham-Steine wegen ihres Gewichts und weil sie für die Eingeborenen von geringem unmittelbarem Nutzen waren, im Wrack verblieben sind. Für die Unterwasserarchäologen scheint die Rechnung aufzugehen: sie sollen ein Wrack identifizieren, das dem Aufbau der Mekong und ihrer Ausrichtung am Meeresgrund so entspricht, wie es in der Zeitschrift L’Illustration beschrieben wird (Heck nach Süden, Bug nach Norden). Die Suche hat Erfolg: Mit Hilfe eines auf einer zu Ehren des französischen Arztes Docteur Morice getauften Schaluppe montierten Magnetometers gelingt die Identifizierung eines von acht – an diesem Ort war dies nicht der einzige Schiffbruch – in Frage kommenden Wracks. Die Aufschrift Messageries Impériales (“Kaiserliche Fuhrunternehmen”) auf dem geborgenen Geschirr bestätigt den Erfolg. Eine nach der anderen werden achtzehn Statuen gehoben. Robert Stenuit jedoch ist nicht zufrieden, denn die Zahl stimmt nicht: In seiner anfänglichen Schätzung, die auf seiner Kenntnis der Liste der verschickten Stücke beruht, waren etwa zehn weitere Exemplare vorgesehen. Tatsächlich findet er nach seiner Rückkehr nach Frankreich bei einer genaueren Durchsicht der Archive heraus, dass ein erster Posten bereits vorher verschickt worden und zunächst in Marseille und schließlich in Lyon angekommen war. Nach einigem Hin und Her und dank seiner verblüffenden Intuition findet Stenuit die zehn fehlenden Statuen im Naturkundemuseum von Lyon. Dort waren sie zusammen mit den zoologischen und botanischen Proben angekommen, die der Lyoner Arzt in den dem Schiffbruch vorausgehenden Jahren verschickt hatte.
Um es mit Stenuits Worten auszudrücken, waren die Werke, die er in einem Dienstkorridor des Museums abgestellt fand, “...eher begraben als versunken.” Auf einem einfachen Schildchen an einem der Werke stand: “Kopf von einem Ungeheuer. Sandstein. Herkunft unbekannt. Cham-Kunst, 13. bis 14. Jahrhundert, Aufgenommen 1933. MGL 2415.”
Die bei Robert Stenuits Expedition gesammelten Stücke – dieses hier gehört dazu – wurden bei einer Versteigerung von Christie’s in Amsterdam verkauft. Der Katalog enthält vierzehn Nummern für dreizehn komplette Werke und sieben Fragmente. Die von Stenuit durchgeführten Untersuchungen haben für uns ein zweifaches Interesse. Zum Einen können wir bestimmte Cham-Werke besser datieren, zum Anderen müssen wir bestimmten angenommenen Einordnungen misstrauen, denn die “Expedition” von Stenuit lehrt uns noch etwas: Die Suche nach der Herkunft der Werke ist immer schwierig, besonders in der Cham-Kunst. Dies wird durch das Schildchen des Lyoner Naturkundemuseums belegt: Die auf 1933 datierte Ankunft des Werkes war, wie wir gesehen haben, wesentlich früher (1877). Glücklicherweise konnte durch öffentliche Schriften der wahre Sachverhalt festgestellt werden. Was wäre, wenn es nach der Erinnerung Einzelner ginge, die oft im Lauf der Generationen die Kunst der Khmer, der Cham, der Inder vermischen unter dem missbräuchlichen Oberbegriff des Fernen Ostens?
Das vorliegende Buch will in zweifacher Hinsicht auf besondere Weise vorgehen: Sich ausschließlich mit der Skulptur als unabhängigem Element befassen und sie nur mit Stücken aus europäischen Privatsammlungen darstellen. Solch ein Vorgehen mag gewagt oder gar frevelhaft erscheinen: Die öffentlichen Museen und die Geschichtsschreibung haben eine Legitimität erworben, die beinahe etwas von einem Dogma hat. Besonders in Frankreich bedeuten diese beiden alles. Die Kunst zu erforschen bedeutet jedoch, sie aus dem Bereich des Heiligen herauszunehmen und sie für alle nicht nur sichtbar, sondern auch fassbar zu machen.
9. André Maire (1898-1984) : « Der Buddha von Tra-Kieu » Kohle und Kreide auf Papier, 65 x 50 cm, Signiert und datiert 1956, unten links.

Zwei Jahre vor seiner endgültigen Rückkehr nach Frankreich setzte der französische Künstler, damals Professor an der Hochschule für Architektur in Dalat, sein Werk fort, das auf einer fantasiehaften und poetischen Neuauslegung der Realität beruht. Hier ist es ein Cham-Elefant des 10. Jh., wahrscheinlich im Museum von Tourane gezeichnet, der in einem Tempel Gestalt annimmt, in dem sich ein großer Buddha befindet (von hinten gesehen), vielleicht ein ferner Anklang an Dong Duong...
10. Der Cham Tempel von Po Klaung Garai , ca. 1920
Champa aus historischer Sicht


11. Sammlung im Hauptsaal des Cham-Museum in Tourane , 1922.


Wenn der Reisende heute in Vietnam nach Phan Thiet, Phan Ri und Phan Rang oder gar in die Nähe von Chau Doc kommt und dort gelegentlich seltsam gekleideten Leuten begegnet, würde er wohl kaum glauben, dass diese Leute, die Cham, einst beinahe zwei Drittel des heutigen Vietnam bewohnten. Im 10. Jahrhundert bildeten das Reich der Khmer und das Reich Champa die beiden wichtigsten Mächte des südostasiatischen Kontinents, der Dai Viet im Norden war nach einem tausendjährigen Dasein als dem chinesischen Reich angegliederte Provinz erst seit kurzem ein Königreich.
Unser Wissen um die Geschichte der Champa beruht auf Texten und auf archäologischen Quellen. Einerseits verfügen wir über chinesische und vietnamesische Texte (Annalen), Reiseberichte (von Arabern und Chinesen über Marco Polo bis hin zu westlichen Missionaren), Manuskripte der Cham (vor allem die von der Pariser Asiengesellschaft – Inventaire des Archives du fonds de la Société Asiatique de Paris – aufbewahrten Stücke) und Inschriften – etwa 210 zwischen dem 4. und dem 15. Jahrhundert entstandene Steininschriften sind erfasst, sie sind zum Teil in Sanskrit, zum Teil in altem Cham, manchmal auch in beiden Sprachen gehalten. Tatsächlich muss ein großer Teil davon noch übersetzt werden, eine schwierige Aufgabe, da sie eine gründliche Kenntnis der Geschichte des Landes voraussetzen, die reine Sprachforscher nicht immer besitzen.
Andererseits verfügen wir der Zeit zum Trotz über archäologische Überreste, nämlich die ursprünglichen Cham-Türme von Hoà Lai bis Chiên Dan, von Mi Son bis Po Klaung Garai und viele andere, obwohl sie hauptsächlich im zweiten Vietnamkrieg fürchterliche Zerstörungen erlitten.
Den Quellen hinzufügen könnte man sowohl die Erinnerungen jener Cham in Vietnam, von denen heute etwa 80.000 in den beiden Provinzen Binh Thuân und Ninh Thuân in Zentralvietnam leben sowie 15.000 in Ho Chi Minh-Stadt (Saigon) und in Châu Dôc (in der Provinz An Giang) nahe der kambodschanischen Grenze, als auch die Erinnerungen ihrer 150.000 « Mitbürger » in Kambodscha, die die Barbarei der Roten Khmer überlebt haben. Die Cham in Zentralvietnam (Cham Ahirs, Cham Kaphia und Cham Chuh) haben ein brahmanistisches Erbe, die anderen üben einen eigenständigen islamischen Kult aus (Cham Bani). Beiden müsste man noch die 300.000 Bewohner der Hochplateaus mit australo-asiatischer Sprache hinzuzählen (die Mnong, die Naa und die Stieng) oder diejenigen von austronesischer Sprache (die Jarai, die Rhadé, die Churu, die Ra-glai), die in jeder Beziehung an der Geschichte von Champa beteiligt waren, denn streng genommen waren die Cham genannten Talbewohner nicht die Einzigen in Champa.
Das in den chinesischen Texten des 2. Jahrhunderts erwähnte Champa dehnte sich zwischen dem 8. und dem 10. Jahrhundert in den Gebieten von Norden bis Süden aus: vom Tor von Annam (Hoanh Son) bis praktisch zur Höhe von Ho Chi Minh-Stadt (Baigaur cham). Später ging es bis zum Westen des Mekong, davon zeugen die Khmerstätte Vat Phu in Laos, die Stele von Vat Luang Kau und der Prasat Damrei Krap auf dem Berg Kulen in Kambodscha und sogar die Berichte der von Doudart de Lagrée geleiteten, im Jahr 1883 Bassac durchquerenden Expedition, aus denen hervorgeht, dass die Bevölkerung sich noch an die Cham erinnert.
Wenn es noch weiterer Beweise für eine frühe Präsenz der Cham auf den Hochplateaus bedarf, könnte man sowohl die von 914 datierten Inschriften des im Tal Bla bei Kontum stehenden Tempels von Kon Klor nennen, in denen der Bau eines dem Gott Mahindra-Lokesvara gewidmeten Heiligtums durch den Regionalfürsten Mahindravarman erwähnt wird, als auch die Inschriften im Tempel von Yang Prong (Ende des 13. bis Anfang des 14. Jahrhunderts) oder die Inschriften im Tempel von Yang Mum (Ende des 14. bis Anfang des 15. Jahrhunderts).
Die Geschichte von Champa und seiner wenig bekannten Anfänge enthält gefeierte Siege und Niederlagen, aber auch ein unerbittliches Schicksal, das von einer glanzvollen und hoch entwickelten Zivilisation nur eingestürzte Tempel, sehr ausgeprägte, nicht leicht erfassbare Skulpturen und ein dezimiertes und verstreutes Volk hinterließ. Die chinesischen Annalen berichten, dass 192 n. Chr. die Bevölkerung im Süden des chinesischen Außenpostens bei Renan (vietnamesisch Nhat Nam), dem heutigen Hue, sich gegen die Chinesen erhob, um einen Lin Yi genannten Staat zu gründen, der sich zunächst gen Norden bis zum Tor von Annam vergrößerte und dann im Süden hinduisierte Fürstentümer mit einschloss. Von 192 bis 758 erscheint in den Texten immer der Begriff ‘Lin Yi’; erst ab 758 wird der Begriff ‘Huan Wang’ benutzt. Vom Jahr 875 an wird das Staatswesen mit ‘Chiem Thanh’ bezeichnet, der chinesisch-vietnamesischen Übertragung von ‘Champapura’ – Stadt der Cham. Zwei Inschriften in Sanskrit weisen zum ersten Mal die Bezeichnung ‘Champa’ auf, die eine, datiert auf das Jahr 658, wurde in Quang Nam (C96, eine bei Mi-Son E6 gefundene Stele) in Zentralvietnam entdeckt, die andere, auf 668 datiert, in Kambodscha (Kdei Ang). Was aber das ursprüngliche ‘Lin Yi’ war, welche Sprachen, Bevölkerung, Religion es hatte, all das ist noch zu erforschen.
12. Tänzerin, Hochrelief, Sandstein, Höhe 84 cm, Thâp-Mam Stil, 12. – 13. Jh.


Ein wenig besser bekannt ist uns die Geschichte des Landes vom 8. Jahrhundert bis zum Ende des hinduisierten Champa im Jahr 1471 mit dem Fall von Vijaya einerseits und dem langsamen, manchmal aufgehaltenen Niedergang andererseits, vom Verlust von Kauthara bis hin zum Verschwinden des Panduranga zwischen 1471 und 1832, der schließlich mit der historisch exakten Feststellung endet, dass Champa als Staat nicht mehr existiert. Ab dem Jahr 1832 ist Champa Teil des eroberungslustigen und gut organisierten vietnamesischen Staates, dessen Grenzen sich bis zur Einbeziehung des Mekongdeltas in unseren Tagen praktisch nicht mehr änderten.
Im 8. Jahrhundert erstreckt sich Champa also vom Tor von Annam im Norden bis zum Becken von Donnai im Süden. Möglicherweise als Bundesstaat aufgebaut, war er von Norden bis Süden in Einheiten, dem Anschein nach Fürstentümer, unterteilt, deren Land aus Schwemmebenen bestand und die von ins Meer abfallenden Gebirgsketten – den Indrapura, Amaravati, Vijaya, Kauthara und Panduranga – durchzogen waren.
Die Geschichte von Champa ist nicht nur die des Paares Viet und Cham. Das Land unterhielt Beziehungen zu China, dessen tributpflichtiger Vasall es ist und dem es Gesandtschaften schickte; es hatte Beziehungen zu Kambodscha, die jedoch sehr bald, ab dem 9. Jahrhundert, kriegerische Formen annehmen sollten. Ebenso verhielt es sich mit der malayischen Welt, insbesondere Java, und dem Dai Viet. Die Beziehungen waren zwar vielfältig – es geht um Krieg, um Handel, um Eheschließungen – aber nicht dauerhaft.
Vom 8. bis zum 15. Jahrhundert war die Zivilisation von Champa zwar überwiegend hinduistisch, aber man darf dabei den im Wesentlichen in den Skulpturen sichtbaren Buddhismus vom Ende des 9. bis zum Beginn des 10. Jahrhunderts nicht vergessen. Sie entlieh aus Indien ihre Sprache, ihre Religionen – hier vor allem den Shivaismus – das Sanskrit, aber auch das vierklassige Gesellschaftssystem und die Vorstellung vom Königtum. Eine aristokratische Elite war der Garant für das politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche System. Das Volk bestand überwiegend aus Landwirten – Pionieren der Wasserreiskultur, die in Champa eine Reissorte mit kurzer, hunderttägiger Reifezeit entwickelten, die nach ihrer Einführung in Südchina im 13. Jahrhundert ein bedeutender Faktor für den Fortschritt in der Landwirtschaft wurde – aber auch aus Händlern, Exporteuren von Zimt, Sandelholz, Nashornhörnern und Elefantenstoßzähnen sowie aus Kunsttöpfern, die sich hauptsächlich vom 12. bis zum 15. Jahrhundert auf Glasuren spezialisierten, wovon die Werke von Go Sanh zeugen, einer Fundstätte bei An Nhon. Der Rest waren Seeleute, die von den beiden großen Häfen von Tai Chiem (Gebiet von Hoi An) und Thai Nai (in Binh Dinh) aus Handel oder Piraterie betrieben, je nach Bedarf oder Epoche.
Es liegt auf der Hand, dass dieses soziale Gerüst von der Spitze bis zur Basis kontinuierlich durch die verschiedenen Angriffs- oder Verteidigungskriege geschwächt wurde.Die Cham führten sie zuerst gegen die Chinesen, die mehrmals versuchten, ihr Reich vom eroberten Annam aus in Richtung Süden zu vergrößern (“der befriedete Süden”, wie die überheblichen Chinesen das damalige Vietnam nannten) und dabei oft siegreiche Schlachten schlugen. So ist bekannt, dass etwa im Jahr 446 die Cham-Haupstadt Tra Kieu durch den chinesischen General Tan Hezhi verwüstet wurde, der Goldstatuen in einem Gesamtwert von hunderttausend Taels Feingold, das entspricht 3,6 Tonnen Metall, davonschleppte. Dann entbrannte der Krieg gegen die Javaner, die im Jahr 774 den Tempel von Po Nagar bei Nha Trang und 787 einen anderen Tempel in der Nähe von Vira Pura (der “heldenhaften Stadt”), also wahrscheinlich nicht weit von Phan Rang im Süden, zerstörten. Was bis dahin jedoch nur meist vereinzelte Verwüstungen waren, sollte sich ab dem Ende des 10. Jahrhunderts auf Grund eines unerträglich zunehmendem Bevölkerungsdrucks im Norden in ein langsames, aber ständiges und zerstörerisches Vordringen gen Süden ändern, das schließlich in der Vernichtung des hinduisierten Champa endete, bezeugt durch die Zerstörung von Vijaya durch den Dai Viet im Jahr 1471.
13. Brahmane , Hochrelief, Sandstein, Höhe 72 cm, Stil von Mi Son E1, 7.-8. Jh.

Ein Brahmane gehört zur höchsten der vier Klassen (Sanskrit: “Varna“, “Farbe“) im brahmanischen Indien. Aus ihr wurden die mit den Opfern betrauten Priester ausgewählt. Sie genossen zahlreiche Privilegien und widmeten sich dem Studium der Veda und der heiligen Texte sowie den religiösen Zeremonien. Diese Skulptur ist eines der Elemente eines Sockels, der, aus vergleichbaren Blöcken bestehend, entweder einen monumentalen Linga (wie in der Mitte des Tempels von Mi Son E1) oder eine nicht weniger monumentale Gottheit trug. Die Nische des Brahmanen ist an der Schwelle mit einem Blumengirlandenmuster verziert. Man beachte den breiten Flachbogen mit einem Blumenmuster darüber, der in Zierleisten endet. Der Brahmane ist in Anjali-Haltung und mit einem sehr tief (beinahe bis zu den Knöcheln) hängenden, durch zwei Gürtel gehaltenen Sampot bekleidet. Auf dem Mukuta in Kapuzenform ist ein Diadem mit drei großen Zierblumen. Die Ohren sind lang und mit Schmuck verziert.
14. Karte von Champa mit archäologischen Stätten.
15. Die wichtigsten Cham Stätten (Türme, Ruinen, ...).
16 . Kopf des Vishnu , Sandstein, Höhe 25 cm, Kunst der Khmer, 9. - 10. Jh.


Tatsächlich verließen die Cham, von der Vorherrschaft des von der chinesischen Besetzung befreiten und daher unabhängigen Dai Viet bedroht, Indrapura (es wurde im Jahr 982 zerstört) und verlegten ihre Hauptstadt in das viel tiefer im Süden im Gebiet der heutigen Provinz Binh Dinh gelegene Vijaya. Es folgten nur noch meist mit Niederlagen endende Schlachten. Die Viet nahmen dann im Jahr 1044 Vijaya ein und ermordeten den Monarchen; 1068 nahmen sie den König der Cham Rudravarman III. gefangen, der ein Jahr später seine Freiheit gegen ein Gebiet erkaufte, das dann unter dem Viêtherrscher Ly Thanh Tong zur Provinz (auf Vietnamesisch: Chau) von Dia Ly, Ma Linh und Bo Chinh wurde und damit das Königreich Champa von seinem nördlichsten Teil endgültig abtrennte.
Auch gegen die in den Jahren 1074 und 1080 besiegten Khmer mussten die Cham kämpfen, die jedoch 1145 den Sieg davontrugen und Vijaya eroberten. Die Kämpfe zwischen Khmer und Cham dauerten schließlich noch über hundertfünfzig Jahre (von 1074 bis 1220). Außer den Angriffen der Viet, der Khmer und der Javaner mussten die Cham auch die der Mongolen ertragen. Im Jahr 1283 beschloss der aus dem eroberten China kommende Sagatu (wo die Mongolen die bis zum Auftreten der Ming im Jahr 1368 herrschende Dynastie der Yuan eingesetzt hatten), Champa zu überfallen. Die Cham ließen sich auf keine Konfrontation ein und flohen in die Berge, wo sie die zwei Jahre bis zum Rückzug der Besatzer ausharrten. Zählt man noch die Bruderkriege hinzu, die in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts von den Fürstentümern von Amaravati und Panduranga gegen das Fürstentum von Vijaya geführt wurden, dann erklärt sich die Schwäche Champas am Anfang des 14. Jahrhunderts. Darf aber die Schwäche eines Staates die Launen eines Herrschers rechtfertigen? Darf leidenschaftliche Liebe an Stelle der Politik treten? Im Jahr 1306 bietet der Herrscher Jaya Simhavarman III. dem König des Dai Viet – und dieser akzeptiert – die beiden Provinzen O und Li im Austausch gegen die Hand seiner Tochter, der Prinzessin Huyen Tran, an. Auf diese Weise wird die ganze Region zwischen dem Pass von Lao Bao und dem Wolkenpass, zwischen Hue und Tourane vietnamesisches Gebiet, diesmal auf friedlichem Wege. Es sei noch bemerkt, dass unser Chamherrscher weniger als ein Jahr nach der Ankunft der Prinzessin verstarb und dass das Gebiet trotz einiger Versuche nie wieder zurückerworben wurde. Ganz im Gegenteil: im Jahr 1307 wird der Name des Distrikts geändert; O wird zu Thuan (“Unterwerfung”) und Li wird zu Hoa (“Verwandlung”) – gute Aussichten! Gleichwohl konnte ein anderer Herrscher einen Aufschub von einigen Jahrzehnten herbeiführen. Che Bong Nga, der um 1360 den Thron bestieg, führte eine ganze Reihe siegreicher Feldzüge, im Verlaufe derer er schließlich Thang Long (das heutige Hanoi) eroberte, die Gegenangriffe der Viet zurückschlagen und sogar deren König Tran Due Tong, der unvorsichtig genug war, Vijaya im Jahr 1377 anzugreifen, im gleichen Jahr umbringen konnte, in dem die Cham Thang Long erneut einnahmen. Drei Jahre später werden Nghe An, Dien Chau und Thanh Hoa geplündert und in 1382, 1383 und 1389 reiht Che Bong Nga Siege und Plünderungen aneinander, bis er im Jahr 1390 von den Viet getötet wird. Seinem Nachfolger Jaya Simhavarman Sri Harijatti gelang es nicht, das von ihm zurückeroberte Gebiet nördlich des Wolkenpasses zu behalten. Am Ende seiner Herrschaftszeit im Jahre 1400 ist der Verfall von Champa schon abzusehen. An der Nordgrenze mobilisiert der Dai Viet beträchtliche Truppenkontingente. Im Landesinneren kann sich die Kultur des Sanskrit, unverzichtbare Stütze des Hinduismus sowie des Mahayanismus, nicht erneuern und zerfällt (die letzte Sanskritinschrift des Champa kann auf das Jahr 1252 datiert werden). Die regelmäßigen und direkten Beziehungen, die Champa mit Indien unterhielt, sind durch das moslemische Eindringen nach Indien am Ende des 12. Jahrhunderts unterbrochen worden. Außerdem, was aus historischer Sicht durchaus bekannt ist, flößen die hinduistischen, durch die Götter legitimierten Führungsschichten ihren Untergebenen kein Vertrauen mehr ein, denn in der Tat erscheinen die Khmer, die Chinesen und vor allem die Vietnamesen auf lange Sicht als überlegene Krieger und sind daher in den Augen der Cham (der Regierten und sogar der Regierenden) Vertreter besserer politischer Ordnungen. Schon am Anfang des 15. Jahrhunderts erobern die Viet das Fürstentum Amaravati (heute das Gebiet südlich von Quang Nam und nördlich von Quang Ngai).
17. Mukhalinga , Sandstein, Höhe 48 cm (ohne Zapfen), preangkorianisch, 7. Jh.

Beide Stücke waren mit Meeresablagerungen bedeckt. Der Kopf des Vishnu ist einzigartig in der Kunst der Cham, das ältere Stück zeugt aber von einer ähnlichen Inspiration ( 1 , 2 ).


Die Viet hatten im Jahr 1471 die erneute chinesische Invasion von 1407 mit der darauf folgenden verheerenden Besatzung – die Chinesen zerstörten alles, was nur irgendwie eine “Vietnamheit” darstellte – überwunden und den unterbrochenen Zug nach Süden, den “Nam Tien”, nachdrücklicher und vor allem siegreich wieder aufgenommen, denn in diesem Jahr erobert der König Le Thanh Tong die Hauptstadt der Cham, Vijaya. Er schleift die Stadt, lässt vierzigtausend Menschen enthaupten, deportiert dreißigtausend und fügt den Cham zu, was die Chinesen sechzig Jahre vorher den Viet angetan hatten, indem er systematisch jede Spur von “Chamheit” vernichtete. Die sinisierte Welt überlagert ab 1471 geografisch die seit dem 4. Jahrhundert n. Chr. den Westteil Indochinas beherrschende hinduisierte Welt. In diesem Jahr wird der Grenzstein zwischen der chinesischen und der indischen Welt in “Indo-China”, in Vijaya, aufgestellt.
Vom hinduisierten Champa verschwindet nicht nur der Name. Die Viet bleiben der Anschauung von sich selbst als dem Soldaten-Bauern treu, der den ihm Schutz bietenden Boden bebaut und der den bebauten Boden beschützt. Sie ziehen es vor, die Stabilität eines eroberten Gebietes sicher zu stellen, bevor sie ein neues überfallen; deshalb endet die Besetzung am Pass von Cu Mong, während die siegreichen Truppen weiter südlich bis zum Berg Thac Bi zogen. Bo Tri Tri, ein Heerführer von Vijaya, wird zum Vasallen des Dai Viet und ist rechenschaftspflichtig für Kauthara, Panduranga und die Hochplateaus des ganzen dazugehörigen Westens. Die Grenzen eines neuen Cham-Königreichs werden abgesteckt, dessen Herrscher im Jahr 1478 durch den chinesischen Kaiser sogar die Investitur erhält.
Aber auch, wenn das neue Königreich dem Namen nach Cham ist, im Vergleich zum alten System ist es nicht mehr hinduisiert. Ganz im Gegenteil beruht es in ideologischer Hinsicht auf einem sehr komplexen Hintergrund, der sich zunächst aus animistischen Elementen der fremdstämmigen Bevölkerung im Süden nährt, aus (späten) indischen Zusätzen, aber ab dem 17. Jahrhundert auch aus Elementen des Islam, der Religion des Propheten, die zwar schon seit dem 12. Jahrhundert in der Region präsent ist, dort aber erst von dieser Zeit an wirklich in den Häfen und Städten Fuß fasst.
18 . Kut , Sandstein, Höhe 80 cm, Stil von Yang Mum, etwa 15. Jahrhundert (Detail)
19. Sitzender Löwe , Quasi Plastik, Sandstein, Höhe 30 cm, Stil von Chien Dan, 10. - 11. Jh.


Wie wir sehen werden, ist klar erkennbar, dass die klassischen Cham-Skulpturen nicht mehr vom selben Typus sind und ab dem 16. Jahrhundert sehr viel seltener werden. Den Stil zu ändern bedeutet jedoch nicht, die Existenz aufzugeben: Die Cham sind nicht nur nicht ausgelöscht worden, sondern rebellieren sogar gegen die Nguyen, die Fürsten im Süden, die sich den Trinh, den Fürsten im Norden, entgegenstellen. Alle stehen unter der namentlichen Hoheit der späteren Le. Im Jahr 1594 helfen sie auch dem Sultan von Johore im Kampf gegen die Portugiesen von Malacca. Die Nguyen haben den Ehrgeiz der Cham jedoch rasch zermürbt. Der gesamte Nordteil von Kauthara bis zum Cap Varela ist im Jahr 1611 erobert, in eine Grenzprovinz von Tran Bien umgewandelt und mit dreißigtausend Gefangenen, ehemaligen Anhängern der Trinh, besiedelt worden. Die Nguyen weigern sich dann ab 1626 nicht nur, den Le die Steuern für die von ihnen kontrollierten Gebiete zu zahlen, sondern verweigern auch die Huldigung. Die Unterwerfung der Champa wird für sie nun eine Quelle der Legitimierung: Als Bewahrer eines wirklichen “Himmelsmandats” gewinnen sie neue Gebiete und neue Vasallen. Später, im Jahr 1653, wird nach einem Krieg, in dem der Cham-König Po Nraup sich das Leben nahm, in der Gegend von Cam Rhan die Grenze festgelegt: Nur eine der ursprünglich fünf Provinzen, Panduranga, bleibt zunächst cham, wird aber in der Folge nach und nach zerstückelt. In der Tat beginnen die Nguyen ab der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts einen Teil der Gegend an sich zu reißen, die damals noch das Khmerdelta war: Im Jahr 1658 wird das Gebiet des heutigen Bien Hoa besetzt. Zum ersten Mal kommt die Gefahr der Viet auch aus dem Süden, und jeder Versuch einer Rückeroberung durch die Cham würde sie dem Risiko aussetzen, zermalmt zu werden. Ein Wiedereroberungsversuch des alten Kauthara durch den König Po Saut wird 1692 von den Nguyen erbarmungslos niedergeschlagen: Panduranga wird in eine Vietpräfektur mit dem Namen Binh Thuan umgewandelt, deren Verwaltung intelligenterweise einem Bruder des Besiegten anvertraut wird – jedoch mit dem Titel eines Vietmandarins. Champa als unabhängiges Land gibt es also dem Namen nach nicht mehr. Nach einer Revolte der Cham im folgenden Jahr jedoch setzt der Lehnsherr Nguyen Panduranga wieder in seine Rechte ein. Das Königtum ist wieder hergestellt, und der neue König Po Saktiraydaputih ist den Nguyen jährlich tributpflichtig. Was jedoch Champa, oder was noch davon übrig ist, mit Sicherheit verschwinden lassen wird, ist die rechtliche Ausnahmesituation, die den im Land lebenden Viet zugestanden wird: Sie unterstehen direkt der 1697 innerhalb der Grenzen von Panduranga eingerichteten Präfektur von Binh Thuan. Dieses Privileg in Verwaltung und Rechtsprechung führt dazu, dass innerhalb des Landes der Cham immer größere Zonen entstehen, in denen sie keine Rechte genießen, denn durch die Einwanderung der Viet und ihre Übernahme von brach liegenden, von den Cham verpfändeten und verlorenen oder ganz einfach von den Viet gekauften Gütern kommt es auf Kosten der Cham zu einem schnellen und vermehrten Einfluss der Viet auf Politik, Wirtschaft und Gesellschaft und somit auch auf die Kultur. Po Dharma benutzt sogar den Ausdruck “...ein richtiggehendes Puzzle” in Bezug auf das damalige Panduranga.
Vom Ende des 18. Jahrhunderts bis 1832 beschleunigt sich der Niedergang der Cham. Es beginnt 1771 mit der Revolte der Tay Son gegen die Nguyen, wobei Panduranga-Champa der für die Auseinandersetzungen bevorzugte Ort ist, da er strategisch zwischen den Gegnern liegt. Die Kämpfe toben bis 1801 und bringen ihr Maß an Verwüstung. Danach genießt zumindest Po Sau Nun Can, eine einem Kampfgenossen des Kaisers Gia Long anvertraute kleine autonome Zone zwischen der Bucht von Cam Ranh, dem Gebiet von Ba-Ria und dem hochgelegenen Dong-Nai, eine Ruhepause. Nguyên Anh hatte 1802 die Tay-Son besiegt, mit Hilfe des Sohnes und Nachfolgers von Gia Long, des Kaisers Minh Menh. Da dieser als Gouverneur in diesem Gebiet einen seiner Vertrauten einsetzte, gewann er, ganz gegen den Widerstand von Le van Duyet, einem Getreuen von Gia Long und Vizekönig von Gia Dinh Tanh, dort wieder langsam die Kontrolle. Nach dessen Tod im Jahr 1832 erstickt Minh Menh jegliche Opposition im Keim, nimmt Panduranga wieder unter seine Vorherrschaft und unterstellt es der Verwaltung der beiden Kreise An Phuoc und Hoa Da in der Provinz von Binh Thuan.
Endgültig hatte Champa bereits 1832 aufgehört zu existieren, obwohl es noch einige niedergeschlagene Aufstände wie den vom moslemischen religiösen Würdenträger Le Katip Suma im Verlauf des Heiligen Kriegs (Jihad) geführten von 1833 bis 1834 gab, oder den Kampf um die Unabhängigkeit von Ja Thak Va, der durch Le Katip Sumas Tod im Jahr 1835 ein Ende fand.
Damit beginnt der zweite Niedergang der Cham seit dem Fall von Vijaya. Dieses Mal ist nicht nur die führende Schicht, sondern das gesamte Volk betroffen. Unter der Ägide der Viet ist Alles zum Verschwinden verurteilt, einschließlich der Orte des täglichen Lebens, denn die Cham werden auf in Vietdörfer eingemeindete Weiler verteilt und sind später nur noch als eine der vierundfünfzig Minderheiten im Lande der Viet erkennbar.
20. Der Cham Tempel von Po Klaung Garai , ca. 1920.
Die Architektur der Cham


21. Ein Beispiel für eine mögliche Wiederverwendung des Cham-Steins (Basis des Pfostens eines Wohnhauses…).


Die Beschäftigung mit der Architektur der Cham setzt voraus, dass man sich mit den Ruinen vertraut macht. “Von den Tempelanlagen, die vielfach während ihrer Hochzeiten ausgebeutet und geplündert, dann jahrhundertelang den Unbilden der Witterung und der Zerstörung durch die Menschen ausgesetzt wurden, ist heute nichts mehr übrig.” (Maspero)
Georges Maspero zieht am Anfang des 20. Jahrhunderts eine Bilanz der jahrhundertelangen Verwüstungen, denen die Cham und ihre Monumente, die Attribute ihrer Macht und die Bewahrer ihrer Reichtümer, ausgesetzt waren. Die Daten der verschiedenen Zerstörungen, die von den Auseinandersetzungen mit den unmittelbaren Nachbarn herrühren, sind oben angegeben. Zudem haben zahlreiche und brutale innere Kriege das Gebiet, die Menschen und die Tempel der Cham von innen korrodiert. Von den Kriegszerstörungen abgesehen, muss auch berücksichtigt werden, dass einerseits der Verschleiß – meist auf Grund des beweglichen Untergrunds, auf dem die Kalan standen – zum Verfall der Strukturen beigetragen hat und zum Abfallen von an den Ziegelwänden befestigten Skulpturen führte, und dass andererseits sich später die Bevölkerung der Tempelanlagen als Steinbrüche bediente, in denen sie leichten Zugang zu Material (Ziegel und Steine) im Überfluss hatte, mit denen sie dann neue Gebäude errichten konnte. Nachdem die Viet die Cham im Verlauf ihres “Nam Tien” fast völlig verdrängt hatten, hatten die Tempel ja keinerlei religiöse Bedeutung mehr für sie.
Auch durch den jüngsten Krieg waren die Monumente der Cham auf bestürzende Weise betroffen. Als Parmentier Anfang des 20. Jahrhundert ein Verzeichnis der Fundstätte Mi Son aufstellte, zählte er siebzig Türme und Tempel. Heute sind es nur noch zwanzig. Wenn man daran denkt, dass die EFEO bis 1945 bereits umfangreiche Restaurationsarbeiten durchgeführt hatte, kann man sich von den verheerenden Kriegshandlungen ein Bild machen.
Vielleicht die beklagenswerteste Zerstörung war die amerikanische Bombardierung von 1969, bei der in Mi Son die aus neunzehn Aufbauten bestehenden Gruppen A und A’ zerstört wurden, darunter der herrliche und großartige Turm A1, in dem angeblich ein Sender der Vietcong installiert sein sollte. Der Turm A1 hatte Jean Boisselier dazu gedient, sein progressive Datierung der Stile Khuong My und Tra Kieu im Vergleich mit Mi Son A1 zu verfeinern. Heute ist es daher äußerst schwierig, die Architektur der Cham wahrheitsgetreu zu beschreiben. Wir können nur ein globales Schema darstellen, mit dem eine Art “Idealtyp” beschrieben wird.
In der Architektur der Cham unterscheidet man in den Stätten zwei Aufbauarten:

(1) Entweder ein dreiteiliges architektonisches Ensemble, das aus drei parallelen Türmen besteht, die Brahma, Shiva und Vishnu gewidmet sind, wie zum Beispiel in Chien Dan (nördlich von Tam Ky), Khuong My (südlich von Tam Ky), Duong Long (Tay Son), Hung Thanh (Qui Nhon) und Hoa Lai (Phan Rang)

(2) Oder einen zentralen, Shiva gewidmeten Turm wie zum Beispiel in Dong Duong (Thang Binh), Mi Son A1 (Duy Xuyen) oder bei dem Turm “Ba” (Nha Trang).

Chronologisch die ältesten scheinen die ersten Turmgruppen aus den drei Göttern gewidmeten drei parallelen Türmen zu sein. Im 9. Jahrhundert kommt es dann zu einer Störung des Gleichgewichts und zur Voranstellung Shivas an die erste Stelle, obgleich schon im System der drei Paralleltürme eine Bevorzugung Shivas bemerkbar war, denn der ihm gewidmete Turm war immer der höchste. Trifft diese Beobachtung zu, so kann man festhalten, dass im Laufe der Jahrhunderte zahlreiche Umbauten der Tempelanlagen durchgeführt wurden, wobei aber die Grundstruktur beibehalten wurde.
Ursprünglich war der Cham-Tempel, entsprechend der diesen Tempeln zu Grunde liegenden indischen Bauart, eine verkleinerte Wiedergabe des Berges Meru, oder, genauer gesagt, eines seiner Gipfel, dargestellt durch den Aufbau in Form einer Stufenpyramide, wobei jedes Niveau das vorherige in kleinerer Form wiederholt. Es ist anzunehmen, dass die im Zentrum Vietnams gelegene Bergkette als wesentlicher Bestandteil der die Cham umgebenden Geografie seinen bildnerischen Einfluss auf den Cham-Tempel zurückgewann. Auf diese Weise lassen sich die runden “Linga-Türme” mit ihrer abgerundeten und ausgebauchten (und nicht spitzen und pyramidenförmigen) Kuppe in Form eines Linga wie in Bang An (Quang Nam) erklären.
Theoretischer Grundriss eines Cham-Tempels





Der Haupttempel oder, in der Sprache der Cham, Kalan befindet sich innerhalb einer Umfassungsmauer und ist von Türmen und Nebengebäuden umgeben. Der Eingang geht meistens zur aufgehenden Sonne hin, also nach Osten (außer in My Son, wo bestimmte Kalans nach Westen hin gerichtet sind, während ebenfalls in Mi Son der berühmte Kalan A1 sowohl nach Osten wie auch nach Westen offen ist). In der Architektur der Cham gibt es auch zweitrangige Türme mit gebogenen Dächern in Form von Booten, die typisch sind für die Architektur des (asiatischen) Ostens, wie in Mi Son oder in Po Klong Garai.
Theoretischer Querschnitt durch einen Kalan





Der Kalan besteht, von unten nach oben, aus einem quadratischen Sockel (bhurloka), dem Symbol der materiellen Welt, einem Hauptkorpus, Symbol der Welt der Vorahnung (bhurvaloka) und einem pyramidenförmigen Dach (svarloka), dem Symbol der spirituellen Welt.
Innerer Aufbau (Querschnitt) – Öffnung nach Norden


Kleiner quadratischer Raum mit pyramidenförmigem Dach Im Inneren des Kalan befindet sich die Hauptstatue oder der Linga selbst, sie ruhen auf dem Snanadroni, einem nach Norden weisenden flachen Becken mit Abflussschnabel, dem Somasutra. Bei den Waschungen der Statue oder des Linga werden die verschiedenen Flüssigkeiten im Snanadromi (im Falle eines Linga heißt es einfach Yoni) aufgefangen und fließen über das Somasutra aus dem Kalan hinaus, wo sie von den Gläubigen als heilige Flüssigkeiten entgegengenommen werden.





Der Kalan ist dem Kult der Könige und ihrer heiligen Beschützer gewidmet. Der enge Raum dient den Priestern, nicht den Gläubigen, die außerhalb des Ensembles Gottheit-Snanadroni bleiben. Dies gilt nicht für buddhistische Tempel wie in Dong Duong, da dort der Altar an eine nach Westen gerichtete Mauer angelehnt ist.
Wenn man den eigentlichen Kalan verlässt, kommt man in einen Vorhof, in dem sich links der Stier Nandin befindet, immer liegend und mit dem Kopf zu Gottheit-Snanadroni oder Linga-Yoni ausgerichtet. Lässt man den Vorhof hinter sich, kommt man zu seinem beidseitig oft mit Inschriften verzierten Wandpfeilern flankierten Eingang. Dem Kalan gegenüber befindet sich ein Gopura, ein hohes Tor mit west-östlicher Ausrichtung.
Der Mandapa (Sanskrit für “Pavillon”) ist ein lang gestrecktes Gebäude aus Ziegeln mit mehreren Fenstern und zwei Türen nach Osten und Westen; der Ort dient der Meditation und Gebeten vor der rituellen Zeremonie im Kalan.
Es gibt, entsprechend dem folgenden Schema, drei Arten von Mandapa:
Vor dem Kalan-Turm befindet sich, mit einer Tür nach Norden und Fenstern in west-östlicher Ausrichtung, das Kosa Grha, in dem Kultgegenstände abgelegt werden. Auch dieses Gebäude ist aus Ziegeln und hat ein gebogenes, bootförmiges Dach.
Ebenfalls aus Ziegeln sind das Gopura (Säulentor) und die Umfassungsmauern. Außerhalb der Umfassungsmauer findet man einen Stelenturm, während sich innerhalb kleine Tempel zeigen, die den Schützlingen der Gottheit oder dem Dikpalaka gewidmet sind.
Meistens wurden im Lauf der Zeit weitere, der Andacht bestimmte Türme hinzugefügt. Zur Vergrößerung der Macht des Gottes wurden später um den Originalturm herum höhere Türme errichtet. So wurde für das Gelände von Mi Son bestätigt, dass der für das 10. Jahrhundert datierte Turm A1 höher und weithin sichtbarer war als der für das 7. Jahrhundert datierte Turm E1.
Die vietnamesischen Autoren sind fast ausnahmslos der Meinung, dass die Handwerker der Cham als Mörtel für die quaderförmigen, für den Bau all d

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