Pablo Picasso
94 pages
German, Middle High (ca.1050-1500)

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Description

Dieses Buch präsentiert eine große Anzahl von Werken Pablo Picassos, die er zwischen 1881 und 1914 geschaffen hat. Die erste Phase des Künstlers ist gekennzeichnet durch den Einfluss Grecos, Munchs und Toulouse-Lautrecs, deren Bilder er in Barcelona kennen lernt.
Sehr starkt beeinflusst durch den psychologischen Aspekt, drückt er in seiner „blauen Periode“ (1901–1904) das moralische Elend aus: seine Genreszenen, Stillleben und Porträts sind voller Melancholie. Anschließend entdeckt er in seiner „rosa Periode“ (1905 –1907) seine Leidenschaft für die Figuren der Gaukler, Harlekine, Akrobaten und Seiltänzer.
Ab 1904 — in diesem Jahr lässt er sich in Paris nieder — entwickelt sich seine Ästhetik ganz erheblich. Der Einfluss Cézannes und die spanische Bildhauerei führen ihn zum Kubismus, charakterisiert durch die Multiplikation der Gesichtspunkte über den Raum-Plan des Bildes. Neben den ersten Werken Picassos präsentiert dieses Buch eine Vielzahl von Zeichnungen, Skulpturen und Fotografien.

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Informations

Publié par
Date de parution 09 décembre 2019
Nombre de lectures 0
EAN13 9781644618547
Langue German, Middle High (ca.1050-1500)
Poids de l'ouvrage 39 Mo

Informations légales : prix de location à la page €. Cette information est donnée uniquement à titre indicatif conformément à la législation en vigueur.

Exrait

ANATOLI PODOKSIK



Pablo Picasso
1881–1973
So ging Raffael vor…, seine große Überlegenheit ist die Folge eines tiefen inneren Drangs, die Form zerbrechen zu wollen. Die Form in seinen Werken ist, was sie auch bei uns ist, sie dient der Vermittlung von Ideen, Empfindungen: eine weitreichende Poesie.
Balzac. Das unbekannte Meisterwerk.
Text: Anatoli Podoksik
Einband: Stéphanie Angoh, Griet De Vis
© Picasso Estate / Artists Rights Society, New York, USA
© Confidential Concepts, Worldwide, USA
© Parkstone Press USA, New York
© Image Bar www.image-bar.com
ISBN : 978-1-64461-854-7
Weltweit alle Rechte vorbehalten.
Soweit nicht anders vermerkt, gehört das Copyright der Arbeiten den jeweiligen Fotografen. Trotz intensiver Nachforschungen war es aber nicht in jedem Fall möglich, die Eigentumsrechte festzustellen. Gegebenenfalls bitten wir um Benachrichtigung.
Inhalt
Lebenslauf
Leb en und Werk
Literaturverzeichnis
Index der Werke
Anmerkungen
Lebenslauf
1881 :   Am 25. Oktober in Malaga geboren. Als Sohn von José Ruiz Blasco, Maler und Zeichenlehrer an der Kunstgewerbeschule und Kustos des Stadtmuseums, und Maria Picasso Lopez, dessen Kusine.
1888-1889 :   Das erste erhalten gebliebene Bild des kleinen Pablo, Pikador .
1891 :   Umzug der Familie nach La Coruña; Pablo zeichnet und malt unter der Leitung des Vaters.
1894 :   Pablo studiert das dritte Jahr an der Schule der Schönen Künste in Coruña. Nach den Klassen des Ornaments, des Figurenzeichnens und der antiken Abgüsse malt er Ölporträts der Eltern, von Modellen, und zeichnet Skizzen zu geschichtlichen Szenen. Beeindruckt von den Erfolgen des Sohnes übergibt Don José ihm seine Palette mit Pinseln und Farben und beendet seine eigene Karriere zugunsten des Sohnes.
1895 :   Umzug nach Barcelona. Pablo kommt nach Madrid, wo er erstmals die Malerei Velazquez’ und Goyas erblickt. Besucht die Schule der Schönen Künste La Lonja (Barcelona); wird, ohne die Elementar-klassen zu absolvieren, sofort in die oberen zugelassen. Der Vater mietet für ihn ein Atelier.
1895-1896 :   Er malt eine große Leinwand im Geiste der offiziellen akademischen Kunst Primera Comunion . Schafft Anfang des Jahres ein anderes akademisches Gemälde Ciencia y Caridad . Das Gemälde erhält auf der nationalen Kunstausstellung in Madrid eine Anerkennung, danach eine Goldmedaille in Malaga. Zulassung zur Academia de San Fernande in Madrid.
1898 :   Erkrankt nach dem schweren Winter in Madrid und kehrt im Juni nach Barcelona zurück. Fährt mit Manuel Pallares zur Erholung nach Horta de Ebro (ab 1910 — Horta de San Juan), wo er acht Monate verbringt.
1899 :   Schließt sich in Barcelona der avantgardistischen künstlerischen Intelligenz an, die sich um das Künstlercafé „Els Quatre Gats“ gruppiert. Modernistische Tendenzen im Schaffen: Malt Porträts seiner Freunde, der Modernisten, großes Gemälde Derniers moments .
1900 :   Fährt im Oktober erstmals nach Paris, wohnt auf dem Montmartre, Rue Gabrielle 49. Erste Kunsthändler: Pedro Manach und Berthe Weill. Kabarett- und Montmartresujets. Das Gemälde Derniers moments wird auf der Weltausstellung in Paris ausgestellt.
1901 :   Malt im Winter in Madrid Porträts von Weltdamen, gibt gemeinsam mit Francisco de Assis Soler die Zeitschrift Arte Jovén ( Junge Kunst ) heraus, schließt Bekanntschaft mit Pio Baroja und anderen Vertretern der Generation des Jahres 1898. Arbeitet im Frühjahr in Barcelona die Maltechnik von gegenübergesetzten reinen Farbtönen aus. In den Sujets herrscht der spanische Brutalismus vor. Im Mai zweite Reise nach Paris: Entwicklung des Präfauvismusstils; Kabarett-Periode. Vom 05. Juni bis 14. Juli Ausstellung in der Galerie Ambroise Vollard: 65 Arbeiten. Freundschaft mit Max Jacob. Artikel von Félicien Fagus in La Revue blanche . Besuche des Frauengefängnisses Saint-Lazare. Begeisterung für Toulouse-Lautrec und Van Gogh. Zyklus Casagemas’ Tod . Die ersten blauen Bilder. Inhaftierte und Schwangere von Saint-Lazare.
1902 :   Die Entwicklung des blauen Stils in Barcelona. Erste erhalten gebliebene Skulptur Sitzende Frau . Im Oktober eine neue Reise nach Paris. Ausstellungen bei Berthe Weill. Artikel von Charles Morice in Mercure de France . Charles Morice schenkt Picasso ein Exemplar Gauguins Noa Noa . Durchlebt mit Max Jacob einen schweren, entbehrungsvollen Winter in Paris.
1903 :   Blaue Periode in Barcelona.
1904 :   Bis April in Barcelona, dann endgültige Übersiedlung nach Paris, übernimmt Atelier im „Bateau-Lavoir“ auf dem Montmartre, Rue Ravignan 13. Ende der Blauen Periode. Erste Radierungen und Stiche. Freundschaft mit Apollinaire und Salmon. Lernt Fernande Olivier kennen.
1905 :   Stellt im Februar in der Galerie Serrurier die ersten Bilder zu Sujets aus der Zirkuswelt aus. Erste Artikel Apollinaires über Picasso ( La Revue immoraliste , April, und La Plume , am 15. Mai). Im Sommer Reise nach Holland. Mit der Vollendung des großen Gemäldes Gauklerfamilie (La famille de saltimbanques) findet die Zirkusperiode ihr Ende. Bekanntschaft mit Leo und Gertrude Stein.
1906 :   Rosa Periode. Gertrude Stein macht Picasso mit Matisse bekannt, der ihm begeistert eine afrikanische Statuette vorführt. Freundschaft mit Derain. Verbringt den Sommer in Gosol (in den östlichen Pyrenäen). Setzt im Herbst in Paris die Arbeit an dem im Winter begonnenen Porträt Gertrude Stein fort und malt ein Selbstbildnis im Geiste des iberischen Archaismus.
1907 :   Les Demoiselles d’Avignon . Entdeckt im Sommer in der ethnographischen Abteilung des Palastes Trocadero die afronegroide Kunst. Bekanntschaft mit Daniel-Henry Kahnweiler und Georges Braque. Cézannes Retrospektive im Salon d’Automne. Alfred Jarrys Tod (1. November). Schnitzt die erste Holzskulptur.
1908 :   Protokubismus. Verbringt den August in La Rue-des-Bois bei Paris. In November stellt Braque in der Galerie Kahnweiler Landschaften von Estaques aus, die für den Herbstsalon nicht angenommen wurden. Im Zusammenhang mit diesen Bildern entstand der Fachausdruck „Kubismus“. Bankett in Picassos Atelier zu Ehren Henri Rousseaus.
1909 :   Arbeitet von Mai bis September in Horta de Ebro. Beginn des analytischen Kubismus. Im Herbst Übersiedlung aus dem „Bateau-Lavoir“ auf den Boulevard de Clichy 11. Modelliert Kopf Fernandes . S. I. Stschukin beginnt sich für Picasso zu interessieren.
1910 :   Sommer in Cadaques mit Derain. Esoterische Phase des analytischen Kubismus. Neun Arbeiten auf der Ausstellung „Manet und die Postimpressionisten“ in London.
1911 :   Sommer in Céret (Pyrenäen) mit Braque und Jacob. Apollinaires Verhaftung (7.-12. September) wegen der Affäre um den Diebstahl der Mona Lisa . Saal der Kubisten im Herbstsalon; dort gab es keine Arbeiten Picassos, die ausländische Presse aber schrieb ihm den Skandal um die Ausstellung zu. Im Herbst Bekanntschaft mit Eva Gouel (richtiger Name: Marcelle Humbert, geb. 1885).


Pablo Picasso. Fotografie von 1885.


Pablo Picasso und seine Schwester Lola. Fotografie von 1888.


Maria Picasso Lopez, die Mutter von Pablo Picasso.


José Ruiz Blasco, der Vater von Pablo Picasso.


Pablo Picasso. Fotografie von 1922.
1912 :   Schafft im Winter die Collage Stillleben mit Flechtstuhl . Wohnt mit Eva in Céret, fährt dann nach Avignon und Sorgues (Mai-Oktober). Übergang des Kubismus in die synthetische Phase. Ab September neues Atelier auf dem Boulevard Raspail 242. Die ersten papiers collés und Konstruktionen.
1913 :   Malerei unter dem Einfluss von eigenen dreidimensionalen Konstruktionen und Collagen. Fährt im März mit Eva nach Céret. Picassos Vater stirbt in Barcelona (2. Mai). Im August Übersiedlung ins Atelier in die Rue Schoelcher 5.
1914 :   Neue Serien von Collagen und farbigen Reliefkonstruktionen. Sommer in Avignon mit Eva (Juni-November). „Rokoko-Kubismus“ und Kombination von kubischen Konstruktionen mit greifbaren Fragmenten der Realität, was die Kunstgriffe des Surrealismus vorwegnimmt. Kriegserklärung (2. August). Braque, Derain, Apollinaire werden zum Militär eingezogen.
1915 :   „Ingressche“ Porträts. Kristall-Kubismus. Eva Gouels Tod (14. Dezember).
1916 :   Picasso wird von Jean Cocteau besucht, der ihn mit Djagilew und Erik Satie bekannt macht. Fährt im Sommer nach Montrouge.
1917 :   Fährt im Frühjahr mit Djagilews Ballett nach Rom, entwirft Kostüme, Vorhang, Szene zu Parade (Cocteau/Satie). Besucht Neapel, Pompeji. Skandalöse Uraufführung von Parade im Théâtre du Châtelet in Paris (18. Mai). Reise mit dem russischen Ballett nach Barcelona und Madrid. Bekanntschaft mit der Tänzerin Olga Chochlowa (geb. in Neshino 1891). Kubismus, Ingreismus, Pointillismus, Klassizismus.
1918 :   Picasso heiratet Olga Chochlowa (12. Juli). Sommer in Biarritz. Apollinaires Tod (9. November). Eine neue Wohnung und ein neues Atelier in der Rue La Boétie 23.
1919 :   Von Mai bis August mit Djagilews Ballett in London. Ausstattung von M. de Fallas’ Ballett Dreispit z . Herbst in Saint-Raphael (Riviera). Ingreismus, Klassizismus, Kubismus; Ballettthemen, Commedia dell’arte, Stillleben.
1920 :   Ausstattung des Balletts Pulcinella von Stravinski, Sommer in Juan-les-Pins. Linearer Klassizismus in den antiken Sujets. Kristall-Kubismus in den Stillleben und Sujets der Commedia dell’arte.
1921 :   Geburt seines Sohns Paul (4. Februar). Sommer in einer Villa in Fontainebleau. Setzt die Arbeit für Djagilews Theater ( Guardo Flamenco ) fort. Klassizismus (Sujets: Mutter und Kind), Kristall-Kubismus und Neoklassizismus der „gigantischen“ Order.
1922 :   Sommer in Dinard (Bretagne) mit Frau und Sohn. Neoklassische Mutterschaften.
1923 :   Sommer mit der Familie in Cap d’Antibes. Bekanntschaft mit André Breton.
1924 :   Sommer in Juan-les-Pins. Vorhang für das Ballett Der blaue Zug (Cocteau/Milhaud), Kostüme und Bühnenbild für Merkur von Satie. Manifeste du surréalisme von Breton.
1925 :   Mit dem russischen Ballett in Monte Carlo. Lineare Szenenzeichnungen des Balletts und die zweimetergroße surrealistische Leinwand Tanz . Sommer in Juan-les-Pins. Surrealisten zeigen Picassos Arbeiten in ihrer ersten Ausstellung in Paris.
1926 :   Sommer in Juan-les-Pins. Oktober in Barcelona. Großes Gemälde Atelier der Modistin . Christian Zervos beginnt „Cahiers d’Art“ herauszugeben.
1927 :   Trifft im Januar die siebzehnjährige Marie-Thérèse Walter. Juan Gris’ Tod (11. Mai). Verbringt den ganzen Sommer in Cannes. Sujets mit biomorphen Figuren der Badenden. Erste Stiche zur Illustration von Balzacs Chef-d’œuvre inconnu .
1928 :   Eine große Collage Minotaurus (140 x 230 cm) — Vorzeichen dieser Gestalt im Schaffen Picassos der dreißiger Jahre. Hauptmotiv in der Malerei: Das Atelier des Malers. Durchbrochene, geschweißte Konstruktionen mit Hilfe von Julio Gonzalez. Sommer in Dinard.
1929 :   Fortsetzung der Zusammenarbeit mit Gonzalez an plastischen Konstruktionen. Schafft in der Malerei Kompositionen mit biomorphen, aggressiven Akten. Sommer in Dinard.
1930 :   Studium der Kreuzigung von Grünewald, arbeitet im Atelier Gonzalez. Kauft Château de Boisgeloup bei Gisors. Sommer in Juan-les-Pins. Serie linearer Radierungen zu Metamorphosen von Ovid.
1931 :   Befasst sich mit Plastik bei Gonzalez, danach im Château de Boisgeloup. Sommer in Juan-les-Pins. Radierungen der „Suite Vollard“. In Malerei, Graphik und Plastik entstehen Gestalten mit Zügen Marie-Thérèse Walters.
1932 :   Große Retrospektivschau in Paris und Zürich (236 Arbeiten). Wohnt, malt und modelliert in Boisgeloup: Das Thema der Frau (Marie-Thérèse) wird angereichert mit Motiven aus dem Pflanzenreich und des Schlafs. Biomorpher, „metamorphischer“ Stil. Wieder das Thema der Kreuzigung nach Grünewald in Zeichnungen. Es erscheint der erste Band des fundamentalen Katalogs von Zervos.
1933 :   Das Atelier des Bildhauers in Radierungen der „Suite Vollard“. Zeichnungsserie Anatomie. Das erste Heft der Surrealistenzeitschrift Minotaure mit Umschlag und Reproduktionen Picassos. Wohnt und arbeitet in Paris und Boisgeloup. Sommer in Cannes, Reise nach Barcelona, wo er alte Freunde trifft. In der Malerei erscheint das Corrida-Thema und das Thema einer Frau als Torero. Veröffentlichung der Erinnerungen Fernande Oliviers Picasso und seine Freunde und des Sammelkatalog, der Druckgraphik Picassos, der von Bernhard Geiser zusammengestellt wurde.
1934 :   Gemälde, Zeichnungen, Radierungen zur Corrida. Sechs Radierungen zu Aristophanes’ Lysistrata . Eine Reise mit Frau und Sohn nach Spanien. Radierungen zum Thema des blinden Minotaurus — ein Teil der „Suite Vollard“.
1935 :   Graviert die Radierung Minotauromac hie. Gibt im Sommer die Malerei auf, wendet sich völlig dem literarischen Schaffen zu. Geburt der Tochter von Picasso und Marie-Thérèse Walter, Maya (5. Oktober). Sabartés wird sein Kompagnon und Sekretär.
1936 :   Freundschaft mit Paul Eluard. Mit Unterstützung der Volksfront in Barcelona wird eine Ausstellung Picassos organisiert, über sein Schaffen wird eine Reihe von Vorlesungen gehalten. Kehrt im Frühjahr in Juan-les-Pins allmählich zur Malerei zurück; Zeichnungen, Aquarelle und Gouachen mit Minotaurus. Radierungen für L’histoire naturelle von Buffon. Beginn des Bürgerkrieges in Spanien (18. Juli); die republikanische spanische Regierung ernennt Picasso zum Direktor des Prado. Sommerende in Mougins. Bekanntschaft und Freundschaft mit Dora Maar (geborene Markovic), gemeinsam entdecken sie eine Töpferwerkstatt in Vallauris. Arbeitet im Haus Vollards in La Tremblay-sur-Maudre. Experimentiert gemeinsam mit Dora Maar (einer Berufsfotografin) mit verschiedenen Fototechniken.
1937 :   Picasso radiert und dichtet Trau m und Lüge Francos . Die republikanische Regierung bestellt bei Picasso ein Panneau für den Spanien-Pavillon auf der Weltausstellung des Jahres 1937 in Paris. Atelier in Rue des Grands-Augustins 7, wo er im Mai Guernica malt. Sommer in Mougins mit Dora und dem Ehepaar Eluard. Doras Porträts und Motive von Guernica in der Malerei. Fährt im Oktober in die Schweiz, wo er den kranken Klee besucht. Wendet sich mit einem Appell an die Tagung der amerikanischen Maler anlässlich der francistischen Propaganda über das Schicksal der Kunstschätze Spaniens: „Artists who live and work Parade spiritual values cannot and should not remain indifferent to a conflict in which the highest values of humanity and civilisation are at stake.“


S. I.Stschukin. Fotografie von 1900.


M. A. Morosow im Kreise seiner Familie (zweite Reihe in der Mitte). Fotografie der 1910er Jahre.


Pablo Picasso. Fotografie von 1960.


Paul Éluard und Pablo Picasso im Maleratelier, rue des Grands-Augustins. Fotografie von 1938.


Guillaume Apollinaire. Fotografie von 1910/1911.
1938 :   Riesengroße Collage Frauen beim Ankleiden (3 x 4,5 m). Porträtserien: Frauen (Dora) und Kinder (Maya). Sommer in Mougins mit Dora und dem Ehepaar Eluard. Guernica und Skizzen zu diesem Gemälde werden in England ausgestellt.
1939 :   Die Mutter stirbt in Barcelona (13. Januar). Der Fall von Barcelona und Madrid. Guernica in Amerika. Vollards Tod (22. Juni). Sommer in Antibes, Monte Carlo, Nizza, Mougins. Großes Gemälde Näch tlicher Fischfang in Antibes . Der Zweite Weltkrieg erreicht ihn in Paris. Fährt nach Royan bei Bordeaux, wo er mit Unterbrechungen bis Dezember bleibt. Ausstellung Picassos in New York: vierzig Jahre seines Schaffens.
1940 :   Arbeitet in Royan und Paris. Kehrt in das besetzte Paris zurück, verzichtet sowohl auf die Hilfe der Besatzer als auch auf die Übersiedlung nach Amerika.
1941 :   Arbeitet in Paris: Literatur, Malerei, Plastik; macht heimlich Bronzeabgüsse von seinen Skulpturen.
1942 :   Julio Gonzalez’ Tod (27. März). Angriffe auf Picasso in der Presse. Hält die Verbindungen mit der Widerstandsbewegung aufrecht. Erste Zeichnungen zum Thema des gutherzigen Priesters.
1943 :   Fortsetzung des Themas Mann mit dem Lamm: Zeichnungen und Plastik. Interieurs, Stillleben, Frauenporträt in der Malerei. Lernt Françoise Gilot kennen, eine junge Malerin.
1944 :   Verhaftung und Tod (5. März) Max Jacobs im Konzentrationslager Drancy. Pariser Landschaften und Kriegsstillleben. Gouache Bacchanal (nach Nicolas Poussin). Trifft sich mit Freunden aus der Widerstandsbewegung (Résistance). Stellt im Salon de la Libération („Salon der Befreiung“) 74 Bilder und 5 Plastiken der letzten Jahre aus. Tritt im Oktober der Kommunistischen Partei Frankreichs bei, indem er erklärt, dass sein Beitritt zur Kommunistischen Partei die logische Folge seines ganzes Lebens und Schaffens sei. Er sei immer ein Exilierter gewesen, und in der französischen Kommunistischen Partei habe er alle jene getroffen, die er am meisten schätze, die größten Wissenschaftler, die größten Dichter und all die schönen Gesichter der Pariser Widerstandskämpfer, die er während der Augusttage gesehen habe. Von neuem sei er unter Brüdern.
1945 :   Malt das Antikriegsbild Das Leichenfeld . Fährt im Sommer nach Antibes. Beginnt in der Werkstatt von Fernand Mourlot mit einer etwa 200 Blatt umfassenden Serie von Lithographien. Erste Lithographie Porträt Françoise Gilot , Lithographien zum Thema Stier.
1946 :   Das Gemälde Den Spaniern, die für Frankreich gefallen sind . Im Frühjahr mit Françoise in Golf-Juan. Besucht Matisse in Nizza. Françoise Gilot wird seine Gefährtin, ihre Gestalt erscheint auf Gemälden und Graphiken. Gertrude Steins Tod (27. Juli). Arbeitet im Herbst in Antibes für das Palais Grimaldi, das bald in das Picasso-Museum umgewandelt wird. Motive: Faune, Najaden, Zentauren.
1947 :   Lithographien David und Bathseba nach Cranach. Schenkt dem Musée National d’Art Moderne in Paris zehn Bilder. Geburt des Sohnes von Picasso und Françoise Gilot, Claude (15. Mai). Fährt mit Sohn und Françoise nach Golf-Juan, später Vallauris, arbeitet fast ein Jahr an Keramiken.
1948 :   Livres d’art: Pierre Reverdy Totengesang , Luis Gongora Zwanzig Gedichte . Wird in Vallauris ansässig. Nimmt zusammen mit Eluard am Weltfriedenskongress in Breslau teil, besucht Auschwitz, Warschau und Krakau. Ihm wird das Croix de commandeur avec étoile de l’Ordre de la renaissance der Polnischen Republik verliehen. Stellt im November in Paris 149 keramische Werke aus.
1949 :   Geburt der Tochter von Picasso und Françoise, Paloma (19. April). Das Plakat für den Weltfriedenskongress in Paris macht seine Taube weltberühmt. Wieder Plastiken in Vallauris.
1950 :   Wohnt und arbeitet in Vallauris. Nimmt am Weltfriedenskongress in Sheffield (England) teil. Picasso wird der Friedenspreis zuerkannt.
1951 :   Das Gemälde Massaker in Korea wird erstmals im Maisalon gezeigt. Wohnt meistens im Süden, arbeitet in Vallauris, besucht Matisse in Nizza.
1952 :   Malt die Wandbilder Krieg und Frieden für eine Kapelle (Temple de la Paix) in Vallauris. Bilder, Lithographien, Plastiken, Literatur. Paul Eluards Tod (18. November).
1953 :   Große Retrospektivschau in Rom, Mailand, Lyon, Sao Paulo. Arbeitet in Vallauris und Paris. Reise nach Perpignan. Trennung von Françoise.
1954 :   Zeichnungsserie Der Künstler und sein Modell . Porträt von Jaqueline Roque, die er vor einem Jahr kennen lernte und die seine Gefährtin wird. Tod von Derain und Matisse (3. November). Beginnt die Serie Frauen von Algier, 15 Variationen nach Delacroix.
1955 :   In Cannes stirbt Olga Chochlowa-Picasso (11. Februar). Retrospektivschau (150 Arbeiten) im Musée des Arts Décoratifs, Paris. H.-G. Clouzots Film Le Mystère Picasso . Wird mit Jaqueline in der Villa la Californie in Cannes ansässig.
1956 :   Malerei und Plastiken in Cannes: Porträts, Atelierthemen, die Badenden. Große Ausstellungen in Moskau und Leningrad zum 75. Geburtstag Picassos mit dem Künstler gehörenden Arbeiten.
1957 :   Gemäldefolge Las Meninas nach Velazquez (45 Bilder).
1958 :   Wandbild Der Sturz des Ikarus für das Unesco-Gebäude in Paris.
1959 :   Übersiedlung nach Vauvenargues in ein Schloss bei Sainte-Victoire in der Nähe von Aix. Beginnt eine lange Serie in verschiedenen Techniken zum Frühstück im Freien nach Edouard Manet. Macht Linoldrucke.
1960 :   Retrospektivschau in London. Malerei, Entwürfe zu Wandgraffitis und Monumentalplastik.
1961 :   Eheschließung mit Jaqueline Roque (12. März). Wohnt in Mougins bei Cannes, in Notre-Dame-de-Vie. Entwirft farbige Raumkonstruktionen aus Blech.
1962 :   Verleihung des Leninfriedenspreises an Picasso.
1963 :   Eröffnung des Picasso-Museums in Barcelona. Braques (31. August) und Cocteaus Tod (11. Oktober). Radiert in Mougins.
1964 :   Entwirft eine gigantische Skulptur Frauenkopf für Chicago. Ausstellungen in Kanada, Paris und Japan.
1965 :   Letzte Reise nach Paris; Operation in der Klinik in Neuilly. Fernande Oliviers Tod. Selbstbildnis mit Pinsel vor der Leinwand.
1966 :   Große Retrospektivschau in Paris zum 85. Geburtstag Picassos.
1967 :   Malerei und Graphik in Mougins: Akte, Porträts, bukolische und Zirkusszenen, Atelier eines Künstlers. Skulpturausstellung in London.
19 68 :   Sabartés’ Tod (13. Februar), zu seinem Andenken schenkt Picasso dem Barcelonaer Museum die Serie Las Meninas . Malerei und Graphik in Mougins. Serie 347 Graphiken (März-Oktober).
1969 :   Arbeitet in Mougins: Gemälde, Zeichnungen, Radierungen, Bühnenstück Beisetzung des Grafen Orgaz ( El Entierro del Conde de Orgaz ).
1970 :   Die Barcelonaer Verwandten Picassos übergeben dem Picasso-Museum alle Arbeiten, die sie von ihm besitzen. 45 Zeichnungen und 167 Gemälde von 1969 werden im Palais des Papes, Avignon, ausgestellt. Am 12. Mai geht das „Bateau-Lavoir“, rue Ravignan 13, in Flammen auf. Zervos’ Tod (12. September).
1971 :   Ausstellung in der Großen Galerie des Louvre zum 90. Geburtstag Picassos.
1972 :   Arbeitet in Mougins an Radierungen, Zeichnungen, Malerei. Bereitet eine Ausstellung seiner letzten Arbeiten für das Palais des Papes, Avignon, vor.
1973 :   Ausstellung „156 Radierungen“ in der Galerie Louise Leiris, Paris. Picasso stirbt am 8. April in Notre-Dame-de-Vie in Mougins. Wird am 10. April in der Nähe des Eingangs zum Schloss von Vauvenargues beigesetzt.


Olga Chochlova, Pablo Picasso und Jean Cocteau in Rom. Fotografie von 1917.


Pablo Picasso im Maleratelier seiner Villa „La Californie“. Zwischen 1955 und 1958.


Pablo Picasso im Maleratelier in der Rue des Grands-Augustins. Fotografie von 1938.


Das große Kaffeezimmer „Els Quatre Gats“. Fotografie von 1899.


Zimmer Picasso in der Malergalerie von S. I. Stschukin.
Leben und Werk
So ging Raffael vor…, seine große Überlegenheit ist die Folge eines tiefen inneren Drangs, die Form zerbrechen zu wollen. Die Form in seinen Werken ist, was sie auch bei uns ist, sie dient der Vermittlung von Ideen, Empfindungen: eine weitreichende Poesie. Balzac. Das unbekannte Meisterwerk. Obwohl Picasso von Kindheit an das Leben eines Malers führte, wie er selbst es nannte, und obwohl er sich im Laufe von achtzig Jahren ununterbrochen in den Bildenden Künsten ausdrückte, unterscheidet er sich dem Wesen seines schöpferischen Genies nach von dem, was man gewöhnlich unter einem Künstler-Maler versteht. Es wäre vielleicht am richtigsten, ihn als Maler-Dichter zu betrachten, weil die lyrische Stimmung, das von der Alltäglichkeit befreite Bewusstsein und die Gabe der metaphorischen Verwandlung der Realität seinem plastischen Sehen durchaus nicht weniger eigen sind als dem bildhaften Denken des Dichters. Picasso, nach dem Zeugnis von Pierre Daix, „empfand sich selbst als Poeten, der dazu neigte, sich in Zeichnungen, Gemälden und Skulpturen zu äußern“. [1] Empfand er sich immer so? Hier ist eine Präzisierung nötig. Ganz bestimmt in den dreißiger Jahren, als er sich dem Verfassen von Versen zuwandte und dann in den vierziger und fünfziger Jahren sogar Bühnenstücke schrieb. Es besteht kein Zweifel, dass Picasso immer, von Anfang an, „Maler unter Dichtern, Dichter unter Malern war“. [2]
Picasso empfand einen starken Hang zur Poesie und war so auch selbst für die Dichter anziehend. Guillaume Apollinaire war bei ihrer Bekanntschaft erstaunt, wie genau der junge Spanier die Qualität rezitierter Gedichte „über die lexikalische Barriere“ hinaus erfühlte. Ohne Übertreibung kann man sagen, dass die Nähe zu Dichtern wie Max Jacob, Guillaume Apollinaire, André Salmon, Jean Cocteau, Paul Eluard ihre Spuren in jeder wesentlichen Periode seines Schaffens hinterließ, und das Schaffen Picassos selbst stellte sich wiederum als eine einflussreiche Kraft in der französischen und nicht nur der französischen Dichtung des 20. Jahrhunderts dar.
Die Kunst Picassos, die visuell so unverkennbar und manchmal verwirrend dunkel und rätselhaft ist, auch als dichterische Schöpfung zu begreifen, dazu fordert die Einstellung des Künstlers selber auf. Er sagte: „Diese Künste sind schließlich dasselbe; du kannst ein Bild mit Worten genauso schreiben, wie du deine Empfindungen im Gedicht malen kannst.“ [3] Er hatte sogar solch einen Gedanken: „Wäre ich als Chinese zur Welt gekommen, so wäre ich nicht Maler, sondern Schriftsteller geworden. Ich hätte meine Bilder in Worten gemalt.“ [4]
Picasso aber kam als Spanier zur Welt und begann, wie man sagt, früher zu malen als zu sprechen. Bereits als kleines Kind empfand er einen unbewussten Trieb zu den Utensilien der Maler. Stundenlang konnte er in glücklicher Versunkenheit auf dem Papier nur ihm verständliche, aber ganz und gar nicht sinnlose Spirallinien ausführen, oder er zeichnete, fern von den spielenden Gleichaltrigen, seine ersten Bilder in den Sand. Eine so frühe Bekundung ließ eine erstaunliche Gabe vorausahnen.
Die allererste, noch wortlose, unbewusste Lebensphase strömt ohne Daten, ohne Fakten dahin, wie im Halbschlaf, körperlichen und sinnlichen Rhythmen gehorchend, die dem menschlichen Organismus eigen sind oder von außen auf ihn einwirken.
Das Pulsieren des Blutes, das Atmen, das Streicheln warmer Hände, das Schaukeln der Wiege, die Intonation der Stimmen bilden ihren Inhalt. Dann erwacht das Gedächtnis, und zwei schwarze Augen folgen den sich bewegenden Gegenständen im Raum, umfangen die gewünschten Dinge, drücken emotionelle Reaktionen aus. Die größere visuelle Wahrnehmungsfähigkeit determiniert bereits die Objekte, nimmt immer neue Formen auf, erfasst immer neue Horizonte. Millionen von visuellen Bildern, die zwar vom Auge wahrgenommen, aber noch nicht verstanden werden, finden Eingang in die innere Weltsicht des Säuglings, um sich mit den immanenten Kräften der Intuition zu berühren, mit den angeborenen Reaktionen der Instinkte und den tief verborgenen Stimmen der Vorahnen.
Der Schock der rein sinnlichen Empfindungen ist besonders im Süden stark, wo die große Kraft des Lichtes bald blendet, bald jede Form mit äußerster Schärfe umreißt. Und die wortlose, noch unerfahrene Empfindung des Kindes, das in dieser Gegend zur Welt kam, reagiert auf diesen Schock mit einer unerklärlichen Melancholie, wie einer Art von irrationaler Sehnsucht nach der Form. So ist die lyrische Stimmung der iberischen Mittelmeerküste, des Landes der nackten Natur, das dramatische „Suchen des Lebens um des Lebens willen“, wie der Kenner dieser Empfindungen, Federico Garcia Lorca, schrieb. [5] Vom Romantismus fehlt hier jede Spur: Unter den klaren, exakten Umrissen gibt es keinen Platz für die Sentimentalität, gibt es nur eine Welt, die ein körperliches Gepräge hat. „Wie alle spanischen Maler bin ich Realist“, wird Picasso später sagen.
Später kommen die Worte zum Kinde, diese Bruchstücke von Rede, Bausteine der Sprache. Worte sind abstrakte Dinge. Sie werden vom Bewusstsein produziert, um die äußere und die innere Welt widerzuspiegeln. Die Worte sind der Phantasie untergeordnet, die ihnen Bilder, Sinn, Bedeutungen anbietet, und das verleiht ihnen gleichsam die Dimensionen der Unendlichkeit. Worte sind Instrument der Erkenntnis und Instrument der Poesie. Aus ihnen wird die zweite, ausgesprochen menschliche Realität der abstrakten Dinge der denkbaren Welt geschaffen. Später, als Picasso mit Dichtern in freundschaftlicher Verbindung steht, entdeckt er, dass für die schöpferische Vorstellungskraft visuelle und sprachliche Ausdrucksmittel einander gleichwertig sind. Er überträgt in seine Arbeit Elemente der poetischen Technik: Vieldeutigkeit der Formen, plastische und Farbenmetaphern, Zitate, Reime, „Wortspielereien“, Paradoxien und andere Tropen, die die vorstellbare Welt eines Menschen transparent werden lassen. Absolute Fülle und vollkommene Freiheit der Gestaltung wird die visuelle Poetik Picassos Mitte der dreißiger Jahre erreichen in den Folgen der Bilder mit Frauenaktmodellen, Porträts und Interieurs, die mit „singenden“ und „duftenden“ Farben gemalt sind, und besonders in einer Vielzahl von Tuschzeichnungen, die gleichsam mit einem Hauch auf das Papier gebracht sind.
„Wir sind keine einfachen Ausführer; wir durchleben unsere Arbeit.“ [6] Diese Worte Picassos drücken die enge Abhängigkeit seines Schaffens von seinem Leben aus; hinsichtlich seiner Arbeit gebrauchte er auch das Wort „Tagebuch“. Daniel-Henry Kahnweiler, der Picasso mehr als 65 Jahre kannte, schrieb: „Es ist wahr, dass ich sein Schaffen als fanatisch autobiographisch bezeichnet habe. Das ist dasselbe, wie wenn man sagt, dass er nur von sich selbst abhängig war, von seinem eigenen Erlebnis. Er war immer in der Freiheit, niemandem verpflichtet als sich selbst.“ [7] Auf die volle Unabhängigkeit Picassos von den äußeren Bedingungen und Umständen beharrte auch Jaime Sabartés, der ihn das ganze Leben kannte.
In der Tat weist alles darauf hin, dass, wenn Picasso in seiner Kunst von etwas abhängig war, so nur von seinem unabänderlichen Bedürfnis, sich mit der ganzen Fülle seines Geistes auszudrücken. Man kann, wie Sabartés, die schöpferische Arbeit Picassos mit einer Therapie vergleichen, man kann, wie Kahnweiler, Picasso als einen Maler der romantischen Schule betrachten, aber gerade das Bedürfnis der Selbstentfaltung durch das Schaffen — als Gewähr für Selbsterkenntnis — verlieh seiner Kunst die Universalität, über die allein solche menschliche Dokumente verfügen, wie etwa Les Confessions von Rousseau, die Leiden des jungen Werther von Goethe oder Une Saison en enfer von Rimbaud. Es ist bemerkenswert, dass Picasso selbst, wenn er seine Kunst von dieser Seite aus betrachtete, den Gedanken äußerte, dass seine Werke, die er sorgfältig datierte, und bei deren Katalogisierung er behilflich war, als dokumentarische Materialien dienen könnten für eine künftige Wissenschaft vom Menschen, wie er sie sich vorstellte. „Sie wird“, sagte Picasso, „danach streben, das Wesen des Menschen an sich durch das Studium des schöpferischen Menschen zu erforschen.“ [8] Übrigens bildete sich in Bezug auf das Schaffen Picassos seit langem eine Art wissenschaftliche Auffassung heraus: Man periodisierte ihn, man strebte danach, ihn durch die schöpferischen Kontakte (so genannte Einflüsse, mitunter rein hypothetische) zu erklären, aber auch durch die Widerspiegelung biographischer Ereignisse (vor einiger Zeit erschien ein Buch mit dem Titel Picasso: Kunst als Autobiographie [9] ). Wenn für uns das Schaffen Picassos die allgemeine Bedeutung einer universellen menschlichen Erfahrung hat, so deswegen, weil es die innere Welt einer Persönlichkeit in ihrer Entwicklung mit einer seltenen Adäquatheit und mit erschöpfender Fülle gestaltet hat. Nur wenn man sein Schaffen von dieser Position her betrachtet, kann man hoffen, seine Gesetzmäßigkeiten, die Logik seiner Entwicklung, den Wechsel der so genannten Perioden zu verstehen.


Pablo Picasso . Fotografie, 1904. Suzanne und Henri Bloch gewidmet.


Porträt des Vaters des Künstlers , 1896. Öl auf Leinwand und Karton, 42,3 x 30,8 cm. Museo Picasso, Barcelona.


Akademische Studie , um 1895-1897.Öl auf Leinwand, 82 x 61 cm. Museo Picasso, Barcelona.


Studie vom Rücken einer Nackten , 1895. Öl auf Holz, 22,3 x 13,7 cm. Museo Picasso, Barcelona.


Porträt der Mutter des Künstlers , 1896. Wasserfarbe auf Papier, 19,5 x 12 cm. Museo Picasso, Barcelona.
Die in diesem Album vorgelegten Werke Picassos aus den russischen Museen — die Sammlung wird vollständig veröffentlicht — umfassen die frühen Perioden seines Schaffens, die nach ihren stilistischen (seltener nach thematischen) Erwägungen als Perioden klassifiziert werden: Steinlener (oder Lautrecer), Vitragen, Blaue, Zirkus-, Rosa, klassische, Negro-, protokubistische, kubistische (analytische und synthetische). Die Definition könnte noch mehr detailliert werden. Vom Standpunkt der „Wissenschaft vom Menschen“ aus jedoch war die Zeit, in die alle diese Perioden fallen — zwischen 1900 und 1914, Picasso war im Alter zwischen 19 und 33 —, die Zeit der Entwicklung seiner außergewöhnlichen Persönlichkeit und ihrer vollen Blüte. Die absolute Bedeutung dieser Etappe des geistig-psychologischen Wachsens einer Persönlichkeit unterliegt keinem Zweifel, denn, wie Goethe sagte, um etwas zu schaffen, muss man etwas sein. Die außerordentliche Vollständigkeit und die chronologische Einheit der sowjetischen Sammlung erlaubt es, die vielleicht am schwersten zugängliche Phase im Schaffen Picassos von der Position der Logik dieses inneren Prozesses in gebührendem Maße zu beleuchten.
Etwa um 1900, zur Entstehungszeit des frühesten unter den Bildern der Sammlung, lagen für Picasso seine spanische Kindheit und die Lehrjahre bereits weit zurück. Dennoch lohnt es sich, einige Schlüsselerlebnisse in seiner Kindheit näher zu betrachten. Zuallererst muss Malaga erwähnt werden, hier hat der am 25. Oktober 1881 geborene Pablo Ruiz, der künftige Picasso, die ersten zehn Jahre seines Lebens verbracht. Obwohl er diese Stadt an der andalusischen Küste des Mittelmeeres nie dargestellt hat, war gerade Malaga die Wiege seines Geistes, die Landschaft seiner Kindheit, in der viele Themen und Bilder seines reifen Schaffens wurzeln. Im Stadtmuseum von Malaga sah er zum ersten Mal den antiken Herkules und auf der Placa de Toros Stierkämpfe, und zuhause die gurrenden Tauben, die seinem Vater, dem „Maler von Bildern für Esszimmer“, wie er ihn später selbst nannte, als Modell dienten. Picasso zeichnet das alles, und mit etwa acht Jahren nimmt er bereits Pinsel und Ölfarben in die Hand, um eine Corrida darzustellen. Der Vater erlaubt ihm, auf seinen Taubenbildern die Vogelfüße zu zeichnen, denn Pablo macht das gut und kennerhaft. Und als die Zeit gekommen war, die Schule zu besuchen, wollte er sich auf keinen Fall von seiner Lieblingstaube trennen: Er kam in die Klasse und stellte den Käfig mit dem Vogel auf die Bank… Die Schule als den Ort, wo man sich unterzuordnen hatte, hasste Pablo vom ersten Tag an und widersetzte sich ihr. Auch in Zukunft wird er gegen alles Einspruch erheben, was nach Schule riecht, was sich an der Eigenart und der individuellen Freiheit vergreift, allgemeine Regeln vorschreibt, Normen bestimmt und Auffassungen aufdrängt. Er wird sich nie vorgegebenen Bedingungen anpassen, seinen Überzeugungen abtrünnig werden oder, um es in psychologischen Begriffen auszudrücken, das Lustprinzip dem Realitätsprinzip unterordnen.
Gut ging es der Familie Ruiz-Picasso nie, und unter dem Druck der finanziellen Umstände übersiedelte sie nach Coruña, wo der Vater Picassos die Stelle eines Mal- und Zeichenlehrers im Stadtgymnasium erhielt. Malaga mit seinem milden Klima und seiner üppigen Natur, „lichter Stern im Himmel des mauretanischen Andalusiens, Osten ohne Gift, Westen ohne Tätigkeit“ (wie es bei Lorca heißt), und Coruña, am anderen, nördlichen Ende der Iberischen Halbinsel, mit dem stürmischen Atlantik, dem Regen und den Nebelschwaden… Diese zwei Städte sind nicht nur geographische, sondern auch psychologische Pole Spaniens. Für Picasso waren sie Lebensstationen: Malaga — die Wiege, Coruña — der Abfahrtshafen.
Im Jahre 1891, als die Familie Ruiz-Picasso mit dem zehnjährigen Pablo nach Coruña übersiedelte, herrschte dort noch eine Atmosphäre tiefer Provinz, nicht vergleichbar mit Malaga, wo es einen Kreis von ortsansässigen Malern gab, zu dem auch Picassos Vater gehörte. Dennoch gab es in Coruña eine Schule der freien Künste, wo der junge Pablo Ruiz, als er sich systematisch mit Zeichnen zu befassen begann, unwahrscheinlich schnell (mit 13 Jahren) das akademische Programm des Zeichnens nach dem Gips und der lebendigen Natur durchlief. In diesen Studien setzt nicht nur die in diesem nachahmenden Studium notwendige und phänomenale Exaktheit und Genauigkeit der Ausführung in Erstaunen, sondern auch die von dem jungen Maler in diese trockene Materie hereingebrachte Lebendigkeit des Helldunkels, die die Gipstorsos, Hände und Füße in lebendige und geheimnisvolle poetische Bilder verwandelt.
Aber er zeichnet nicht nur in der Klasse, sondern auch zu Hause, zeichnet die ganze Zeit, egal worauf. Das sind Bildnisse von der Familie, Alltagsszenen, romantische Sujets, Tiere.
In Nachahmung der periodischen Druckschriften jener Zeit gibt er seine eigenen Zeitschriften heraus — Coruña und Azul y Blanco — mit handschriftlichem Text und humoristischen Illustrationen. Angemerkt sei hier, dass die Zeichnungen des kleinen Picasso erzählerischen Charakter und eine „Dramaturgie“ besitzen, dass das Bild und das Wort für ihn beinah gleichwertig sind; diese beiden Momente sind bedeutsam in der Perspektive der künftigen Entwicklung der Kunst Picassos.
Zuhause unter der Leitung des Vaters — der Vater war so von den Erfolgen des Sohnes beeindruckt, dass er ihm seine Palette mit den Pinseln und Farben übergeben hatte — begann Pablo im letzten Jahr seines Verbleibens in Coruña nach lebenden Modellen in Öl zu malen ( Ein Armer , Mann mit Mütze ). Diese ohne jeden Akademismus gemalten Bildnisse und Figuren offenbaren nicht nur die frühe Reife des dreizehn-, vierzehnjährigen Malers, sondern auch die zutiefst spanische Herkunft seines Talents: Sein ganzes Interesse konzentriert sich auf den Menschen; das Modell ist mit einem tiefen Ernst und rauem Realismus behandelt, wodurch die Bedeutsamkeit, Einheitlichkeit, das „Kubistische“ dieser Gestalten zutage tritt. Sie sind nicht in dem Maße Lehrarbeiten, sondern eher psychologische Porträts, und wiederum weniger Porträts als allgemein menschliche Charaktere, wie etwa die biblischen Figuren Zurbarans und Riberas.
Nach dem Zeugnis von Kahnweiler äußerte sich Picasso in den späteren Jahren über diese seine malerischen Debüts beifälliger als über die Bilder, die er in Barcelona gemalt hatte, wohin die Familie Ruiz-Picasso im Herbst 1895 übersiedelte und wo Pablo sofort Student der Malereiklasse der Schule der schönen Künste La Lonja wurde. In der Tat konnte der Besuch der akademischen Klassen in Barcelona nach den ersten Meisterwerken von Coruña nichts mehr zur Entfaltung der originellen Gabe des jungen Picasso beitragen, der die Handgriffe des malerischen Gewerbes selbständig vervollkommnen konnte.
Aber der offizielle Weg, Maler zu werden, schien damals der einzige zu sein, und um den Vater nicht zu betrüben, blieb er noch zwei ganze Jahre Student von La Lonja und konnte natürlich nicht vermeiden, für eine Zeit unter den nivellierenden Einfluss des Akademismus zu geraten, der von der offiziellen Schule zusammen mit den Berufsfertigkeiten eingeimpft wurde. „…Meine Studienzeit in Barcelona — welch Abscheu empfinde ich gegen sie!“ gestand Picasso Kahnweiler. [10]
Und doch brachte die für ihn vom Vater gemietete Werkstatt (mit 14 Jahren!), die ihm eine verhältnismäßige Emanzipation sowohl von der Schule als auch von dem engen Kreis der Familie erlaubte, eine reelle Unterstützung seiner Selbständigkeit. „Ein Studio ist für einen jungen Mann, der mit überschäumendem Ungestüm seine Berufung fühlt“, schreibt Josep Palau i Fabre, „fast wie eine erste Liebe: Alle Illusionen zentrieren und kristallisieren sich dort.“ [11] Und hier zog Picasso die Bilanz seiner Schuljahre, indem er die ersten großen Gemälde malte: Die erste hl. Kommunion (Winter 1895-1896) — eine Komposition im Interieur mit Figuren, Drapierungen und Stillleben, mit schönen Lichteffekten — und Ciencia y Caridad (Anfang 1897) — ein riesengroßes Gemälde mit Figuren größer als das Modell, eine Art reale Allegorie. Das letzte erhielt eine Ehrenurkunde auf der nationalen künstlerischen Ausstellung in Madrid und eine Goldmedaille auf der Ausstellung in Malaga.
Betrachtet man die schöpferische Biographie des frühen Picasso in den Begriffen der Erziehungsromane, so eröffnet seine Abreise von Zuhause nach Madrid im Herbst 1897 — offiziell für die Fortsetzung des Studiums an der Königlichen Akademie der Schönen Künste (Academia de San Fernando) — tatsächlich die nach den Lehrjahren nächste Lebensetappe, die der Wanderjahre. Umsiedlungen von Ort zu Ort, ein ständiges Umherirren entsprechen in dieser Periode dem Zustand der inneren Unbestimmtheit, des Bedürfnisses der Selbstbehauptung und des Strebens nach der Unabhängigkeit, mit dem bei dem Jüngling das Werden seiner Persönlichkeit beginnt.


Erste hl. Kommunion , 1896. Öl auf Leinwand, 166 x 118 cm. Museo Picasso, Barcelona.


Horta de Ebro , Fotografie.


Selbstbildnis , 1896. Öl auf Leinwand, 32,7 x 23,6 cm. Museo Picasso, Barcelona.


Rendez-vous (Die Umarmung) , 1900. Öl auf Karton, 52 x 56 cm. Puschkin-Museum der bildenden Künste, Moskau.
Die Wanderjahre Pablo Picassos sind die aus mehreren sich abwechselnden Phasen gebildete siebenjährige Periode seines Lebens zwischen 16 und 23, zwischen der ersten selbständigen Abreise nach Madrid — der künstlerischen Metropole seines Landes — im Jahre 1897 und der endgültigen Niederlassung in Paris — der künstlerischen Metropole der Welt — im Frühjahr 1904.
Wie auch während seines ersten Besuchs im Jahr 1895 auf dem Weg nach Barcelona, bedeutete Madrid für Picasso vor allem das Museum Prado, wo er öfter erschien als in der Academia de San Fernando, um die alten Meister zu kopieren (vor allem zog ihn Velazquez an). Aber, nach der Bemerkung von Sabartés, „die Entwicklung seines Geistes wird von Madrid sehr geringfügig beeinflusst“, [12] und man darf behaupten, dass für Picasso der erlebte schwere Winter 1897/98 und die darauf folgende langwierige Krankheit, die symbolisch das Ende seiner „akademischen Karriere“ bezeichnet, die wichtigsten Ereignisse in der Hauptstadt waren.
Demgegenüber bedeutete Picasso der Aufenthalt in Horta de Ebro in der Nähe einer Siedlung im Hochgebirge Kataloniens, wohin er zur Kur kam und wo er für ganze acht Monate blieb (bis zum Frühjahr 1899), so viel, dass er auch Jahrzehnte später unverändert sagte: „Alles, was ich kann, habe ich in Horta de Ebro gelernt.“ [13] Zusammen mit Manuel Pallares, dem ersten Barcelonaer Freund, der ihn auch einlud, bei sich im Elternhaus in Horta zu verweilen, durchstreifte Pablo mit dem Malgerät und dem Skizzenblock alle Gebirgspfade in der Umgebung dieser Kleinstadt, die einen rauen mittelalterlichen Charakter bewahrt hatte. Zusammen mit dem Freund bestieg Picasso die umliegenden Felsen, schlief auf einem Lager aus Lavendel in einer Höhle, wusch sich mit Quellwasser, durchstreifte Bergschluchten unter der Gefahr, in die reißende Strömung eines Bergflusses zu stürzen… Er wollte sich mit der Kraft der Naturgewalten messen und die ewigen Werte des einfachen Lebens mit seinen Mühen und seinen Freuden kennen lernen.
Tatsächlich sind die in Horta verlebten Monate nicht eigentlich durch ihre künstlerische Produktion (erhalten geblieben sind nur ein

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