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German, Middle High (ca.1050-1500)
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Das Standebuch

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German, Middle High (ca.1050-1500)

Description

The Book of Trades was first published in Frankfurt in 1568 as the result of cooperation between the poet and cobbler Hans Sachs, the artist Jost Amman and one of their most influential contemporary German publishers, Sigmund Feyerabend. The book contains 114 texts, each illustrated with a woodcut, that describe the spiritual and secular hierarchy of the time as well as numerous trades and professions. This current edition is in two volumes. The original print from 1568 is reproduced in facsimile based on the copy in the Royal Danish Library. The facsimile is accompanied by a transcription of the printed text as well as, for the first time ever, a parallel transcription of Hans Sachs' handwritten text of 1565. The second volume contains various materials related to the texts: a comprehensive commentary with explanations of both words and subjects, a word index, a rhyme register, a list of discrepancies in the second edition of The Book of Trades of 1574, and various concordances that also include Hartmann Schopper's Latin edition of 1568. With its description of 16th century trades and professions, this edition is not only intended for philologists but also for a broad readership with an interest in the history of civilization.

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Informations

Publié par
Date de parution 11 septembre 2009
Nombre de lectures 0
EAN13 9788779347427
Langue German, Middle High (ca.1050-1500)
Poids de l'ouvrage 31 Mo

Informations légales : prix de location à la page 0,005€. Cette information est donnée uniquement à titre indicatif conformément à la législation en vigueur.

Exrait


Das Ständebuch

Hans Sachs und Jost Amman

DAS STÄNDEBUCH
Band I∙ Text

h e r au s g e g e b e nvo n
Hans Blosen, Per Bærentzen und Harald Pors

a a r h u su n i v e r s i t yp r e s s
|a

Hans Sachs und Jost Amman

Das Ständebuch

Band I ∙Text
© Aarhus Universitetsforlag und die Herausgeber 2009
Grafische Gestaltung, Satz und Einband: Jørgen Sparre
Vorderdeckel:Titelblatt des Drucks von 1568
Hinterdeckel: Holzschnitt Nr. 50
Schrift: Minion

eISBN 978 87 7934 742 7

Aarhus Universitetsforlag

Langelandsgade 177

DK-8200 Aarhus N

www.unipress.dk

Druckkostenzuschüsse gewährten:

Augustinus Fonden

Velux Fonden

Aarhus Universitets Forskningsfond

Inhaltsverzeichnis

1

2

3

4

Vorwort

Einleitung

Editionsprinzipien

Transkriptionsprinzipien
für die Wiedergabe des Drucks von 1568

Transkriptionsprinzipien
für die Wiedergabe der Handschrift

Prinzipien für die Aufnahme von Unterschieden
zwischen der Ausgabe von Keller/Goetze und
unserer Transkription der Handschrift (KG-Apparat)

Faksimile und Transkriptionen

7

9

45

45

46

51

53

Vorwort

1

Diese Ausgabe war lange unterwegs. Die Vorarbeiten gehen in die Zeit um1990
zurück; angekündigt wurde sie in “Sprachwissenschaft” Band18von1993, aber
erst die letzten anderthalb Jahre gaben Zeit für zusammenhängende
konzentrierte Arbeit.
Anstelle des umständlichen Titels, den der Verleger Sigmund Feyerabend
1568wählte, behalten wir den Titel “Ständebuch” bei, der sich in
VorgängerAusgaben als praktisch erwiesen hat. Aber wir legen uns mit diesem Titel nicht
auf eine bestimmte Interpretation des Begriffs“Stand” fest, sondern
überlassen diese Diskussion der weiteren Forschung.
Die Ausgabe eines frühneuhochdeutschen Textes wendet sich
selbstverständlich an Philologen, jedoch hat gerade das “Ständebuch” mit seinem
alltagsnahen Stoff und den Holzschnitten des Drucks im Laufe der Zeit
mindestens ebenso starken Anklang bei allgemein kulturhistorisch interessierten
Lesern gefunden. Unsere Ausgabe möchte weiterhin Philologen und
NichtPhilologen ansprechen. Sie verzichtet bewusst, um Einseitigkeit zu vermeiden,
auf speziell sprachhistorische Erörterungen, gibt den Text durch behutsame
Normalisierungen in einer leichter lesbaren Transkription wieder und
versucht, durch den Kommentar auch einem breiteren Lesepublikum
entgegenzukommen.
Bei der Arbeit haben wir häufig Rat und Hilfe suchen müssen und sind
deshalb vielen zu Dank verpflichtet.
Vorab gilt unser Dank den Bibliotheken, die uns ihre Bücherschätze
benutzen ließen: Det Kongelige Bibliotek in Kopenhagen, die ihr Exemplar des
Drucks von1568für die Faksimilierung zur Verfügung stellte, sowie der
Bibliothek Otto Schäfer in Schweinfurt, mit deren Exemplar die Arbeit begann und
die ebenfalls bereit war, ihr Exemplar für eine Faksimilierung bereitzustellen.
Dem Stadtarchiv Zwickau danken wir dafür, dass man uns Hans Sachs’
Handschrift zugänglich machte und uns mit Photokopien und digitalen
Aufnahmen versorgte. Der Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel verdanken wir,
dass wir die2. Auflage von1574einbeziehen konnten, und der Bayerischen
Staatsbibliothek in München haben wir für einen Mikrofilm von Hartmann
Schoppers lateinischer Fassung zu danken.

v o r w o r t

7

Bei der Ausarbeitung des Kommentars haben wir dankbar Hilfe von
verschiedenen Museen erhalten: dem Deutschen Drahtmuseum in Altena, dem
Deutschen Textilmuseum in Krefeld, dem Gutenberg-Museum in Mainz, dem
Deutschen Jagd- und Fischereimuseum in München, dem Germanischen
Nationalmuseum in Nürnberg, dem Deutschen Ledermuseum in Offenbach/
Main und dem Deutschen Klingenmuseum in Solingen.
Wir danken dem Insel Verlag in Frankfurt/Main und Leipzig, dem
Anaconda Verlag in Köln und der Edition Leipzig für freundlich gewährte Auskünfte.
Dank gilt darüber hinaus mag. art. Leif V. S. Balthzersen, Århus, Prof. Dr.
Christoph Gerhardt, Universität Trier, Museumsinspekteurin Tove Engelhardt
Mathiassen, Den Gamle By, Århus, Abteilungsleiter Wolfgang Runschke von
der Forschungsbibliothek Schloss Friedenstein in Gotha, Dozent dr. phil. Ole
Thomsen, Aarhus Universitet, sowie Edith und Manfred Wildbrett, den
Inhabern der Firma Carl Wildbrett in Bobingen, die uns in freundlichster Weise
in die Fabrikation von Pergament einführten, und allen anderen, die uns auf
verschiedene Weise bei der Arbeit behilflich waren.
Für großzügige finanzielle Unterstützung, ohne die unsere Ausgabe nicht
zustande gekommen wäre, danken wir Augustinus Fonden, Velux Fonden und
vor allem Aarhus Universitets Forskningsfond.

Århus, im Juni2008
Hans Blosen, Per Bærentzen, Harald Pors

8

d a ss t ä n d e b u c h∙ ba n di

Einleitung

1

Warum eine neue Ausgabe?

2

Warum eine neue Ausgabe von Hans Sachs’ “Ständebuch”, noch dazu eine so
aufwendige, wo doch an wohlfeilen Ausgaben dieses populären Buchs auf dem
Markt zur Zeit kein Mangel herrscht? Durch mehr als fünf Jahrzehnte hat der
Insel Verlag mit der Nr.133seiner bekannten Insel-Bücherei in immer neuen
1
Auflagen für die Bekanntheit des Werks in breiten Leserkreisen gesorgt.2005
erschien eine preisgünstige unkommentierte Faksimile-Ausgabe im Verlag
Edition Leipzig, ein Jahr danach eine vereinfachte Faksimile-Ausgabe mit
neuhochdeutscher Übersetzung des Textes, herausgegeben von Ursula Schulze, im
Kölner Anaconda-Verlag, und2007wurde das Werk als Faksimile mit
Transkription ins Internet gestellt. Wozu also eine neue Ausgabe?
Die angeführten Editionen geben wie wir den durch Holzschnitte von Jost
Amman attraktiv gestalteten Frankfurter Druck des Verlegers Sigmund
Feyerabend aus dem Jahr1568wieder. Die Herausgeber stellten sich jedoch nicht die
Frage, ob dies der einzige Überlieferungsträger des “Ständebuchs” sei oder ob
es vielleicht eine breitere Überlieferung gebe. Dabei enthält schon die
vielbändige Hans-Sachs-Ausgabe von Keller/Goetze im1895erschienenen23. Band
einen Abdruck von Hans Sachs’ handschriftlicher Version des Textes, die der
Autor auf1565datiert hatte und die sich nicht unerheblich
vom1568gedruckten Text unterscheidet. Aber abgesehen davon, dass diese umfassende Ausgabe
heute wohl nur noch in Spezialbibliotheken vorhanden ist, scheint die
Wiedergabe der handschriftlichen Fassung im23. Band inzwischen selbst Spezialisten
aus dem Blick geraten zu sein.
Es dürfte deshalb an der Zeit sein, das “Ständebuch” in einer Ausgabe
vorzulegen, die Druck und Handschrift in paralleler Anordnung bietet und
darüber hinaus die zweite Druckauflage von1574berücksichtigt und Hartmann
Schoppers lateinische Fassung wenigstens in Form von Konkordanzen mit
einbezieht.

1

Vgl. zu den hier genannten Ausgaben unten S. 33-38.

2 ∙ ei n l e i t u n g

9

Es war nicht vorauszusehen, dass auch dadurch Platz für eine Neuausgabe
geschaffen wurde, dass – wie der Insel Verlag mitteilt – das verdienstvolle
Bändchen der Insel-Bücherei nicht mehr aufgelegt werden soll.

2

Die Sonderstellung des “Ständebuchs” in Hans Sachs’ Werk

Als Hans Sachs am30. Oktober1565die Eintragung des “Ständebuch”-Textes
im18. Spruchgedichtbuch abschloss, stand er wenige Tage vor der Vollendung
seines71. Lebensjahrs. Somit ist das “Ständebuch” ein ausgesprochenes
Alterswerk, zudem mit seinen fast950Versen, wenn man Vorrede und Beschluss
mitrechnet, ein Alterswerk von ungewöhnlichem Umfang. Es folgten bis zu
2
seinem Tod am19. Januar1576nur noch gut100letzteWerknummern. Die
Dichtung mit der Werknummer6169ist auf den15. Mai1573datiert.
Nicht nur als umfangreiches Alterswerk nimmt das “Ständebuch” eine
Sonderstellung im Gesamtwerk ein. Auch nach Art und Gattung steht es
einigermaßen isoliert und lässt sich nur schwer in Hans Sachs’ Gattungssystem
einordnen.
Die Aufreihung der einzelnen Ständerepräsentanten, von denen weit die
meisten sich in Ich- oder Wir-Form vorstellen, lässt an strukturell verwandte
Reihenspiele denken. Aber es handelt sich nicht um ein dramatisches Werk,
ganz abgesehen vom Umfang und von der Tatsache, dass nicht alle
Repräsentanten in der Form der ersten Person auftreten (etwa Nr.7,8und9). Sie
beziehen sich auch nicht auf ein gemeinsames Thema und auf eine Zentralperson,
wie man dies aus Reihenspielen kennt.
Es ist deshalb sicher keine Verlegenheitslösung, wenn R. A. Crockett das
3
“Ständebuch” in seinem Registerband zur Ausgabe von Keller/Goetzeunter
der Spruchdichtung aufführt. Auch unter den Spruchgedichten finden sich
Texte mit Revuestruktur, z.B. “Historia. All römisch kayser […], von dem
ersten an biß auff den yetzigen großmechtigsten kayser Carolum5.” (KG
2,353), “Die12frawen des alten testament, fon den die mender sind gedeuscht
und petrogen worden” (KG23,453) oder “Neun stuck bringen in armut” (KG
20,499), wo die Einzelabschnitte abgesetzt und mit Überschriften versehen
sind, gegenüber dem inhaltlich verwandten Text “Neun stüeck die pringen
entlich die armuet” (KG22,446) mit fortlaufendem epischem Text. Aber keiner
dieser Texte erreicht annähernd den Umfang und die thematische Spannweite
des “Ständebuchs”.

10

d a ss t ä n d e b u c h∙ ba n di

Sieht man sich außerhalb von Hans Sachs’ Werk nach vergleichbaren
revuehaften Texten um, so scheiden die Ständerevuen geistlicher Spiele, etwa
in den Höllenszenen des “Innsbrucker” oder des “Redentiner Osterspiels”, aus,
teils weil sie als dramatische Dialoge geformt sind, teils weil sie ein sehr
begrenztes Personal umfassen und die Personen sich kontextbedingt darauf
beschränken, ihre Berufsvergehen zu bekennen, und nicht objektiv ihre
Berufstätigkeit beschreiben. Von der Breite des Personals her wären allenfalls die
Totentänze vergleichbar, deren Personengalerie von Papst und Kaiser bis zum
kleinen Kind reicht. Aber dort sind die Repräsentanten einerseits in Dialoge
mit dem Tod eingebunden und stehen anderseits unter dem zentralen
religiösen Thema des Memento Mori.
Im “Ständebuch” geben die Einzelpersonen dagegen eine sozusagen
‘objektive’ Beschreibung ihrer Tätigkeit, die nicht unter einem durchgehenden
religiösen Gesichtspunkt steht, wenn man davon absieht, dass der dargestellte
soziale Kosmos als ganzer – wie zu erwarten – als von Gott geschaffen
betrachtet wird und die Erfüllung der mit Stand und Erwerb verbundenen Pflichten
als sittliches Gebot gilt.
Seiner Gattung nach ist das “Ständebuch” wohl am ehesten als
enzyklopädisches Sachbuch zu definieren; M. Lemmer charakterisiert im Nachwort
4
seiner Ausgabe Bücher dieser Art zutreffend als “Realienwerke”.Der Verdacht
liegt nahe, ob wir mit Hans Sachs’ Text vielleicht nur einen Aspekt eines
solchen Sachbuchs greifen und der Text notwendig durch Illustrationen ergänzt
werden sollte. In dieser Form, als bebildertes enzyklopädisches Werk, bietet
sich das “Ständebuch” im Druck von1568dar, das heißt zugleich als
Gemeinschaftsprojekt des Autors Hans Sachs, des Bildkünstlers Jost Amman und
des Verlegers Sigmund Feyerabend.

2
3
4

Keller/Goetze, Bd.25, S.631-652.
Crockett, S.140.
Lemmer, S.141.

2 ∙ ei n l e i t u n g

11

3

Das “Ständebuch” als Zeugnis der Zusammenarbeit
mit Jost Amman und Sigmund Feyerabend

Es ist zu vermuten, dass die Initiative zur Druckausgabe vom Verleger
Sigmund Feyerabend ausging. Illustrierte enzyklopädische Werke sind geradezu
kennzeichnend für sein Verlagsprogramm, das durch die Zusammenarbeit mit
dem aus Zürich stammenden und wohl1561nach Nürnberg zugewanderten
Jost Amman als Buchillustrator geprägt wurde. Ihn konnte Sigmund
Feyerabend nach dem Tod von Virgil Solis1562als dessen Nachfolger für die
Illustration seiner Druckausgaben gewinnen. Bücher wie Plinius’
“Naturge5
schichte” von1565(Andresen239) ,Georg Schallers “Neues Tierbuch” von1569
6
(Andresen238) ,Leonhard Fronspergers “Kriegsbuch” in3Teilen von1573
(Andresen226) mit Vorläufern, “Das Trachtenbuch der katholischen
Geistlichkeit” von1585(Andresen232) und “Das Frauentrachtenbuch” von1586
(Andresen233) mögen als Beispiele für diese Zusammenarbeit von Verleger
7
und Bildkünstler stehen.
Da der Druck des “Ständebuchs” als illustrierte Enzyklopädie sich
natürlich in das Verlagsprogramm Sigmund Feyerabends und seine
Zusammenarbeit mit Jost Amman einfügt, während der Text als solcher isoliert in Hans
Sachs’ Werk steht, darfman wohl davon ausgehen, dass die Zusammenarbeit,
die zu dieser Gemeinschaftspublikation führte, auf einer Anregung des
Verlegers beruhte. Demnach müsste eine solche Anregung spätestens in den
Herbst1565datiert werden, als Hans Sachs den fertigen Text ins18.
Spruchgedichtbuch eintrug.
Für einen früheren Zeitpunkt oder für andere Zusammenarbeit zwischen
Sachs, Amman und Feyerabend fehlen Belege. Sie fehlten jedenfalls, bis ein
Zufall uns einen solchen Beleg zuspielte. In der fast vergessenen
Hans-Sachs-Biographie von Rudolph Genée findet sich ein Hinweis darauf, dass Hans Sachs zu
einer Auswahl von knapp50Holzschnitten, die Jost Amman für Fronspergers
8
“Kriegsbuch” geschaffen hatte, die zugehörigen Texte verfasst habe.Ein
einziges defektes Exemplar dieser Publikation existierte noch zu Genées Zeit in
9
Dresden. Glücklicherweisedruckte Genée auf S.377den letzten Holzschnitt
mit dem zugehörigen abschließenden Text ab, der mit dem charakteristischen
Vers endet: “Ein steten Fried wünscht uns Hans Sachs”, womit die Autorschaft
bezeugt ist (vgl. Abbildung S.14). Es herrscht Unsicherheit darüber, ob diese
Auswahlausgabe1565erschien, aber der Sachssche Text ist aller
Wahrscheinlichkeit nach identisch mit jenem, den Goetze in Bd.25der großen Ausgabe

12

d a ss t ä n d e b u c h∙ ba n di

10
unter der Nr.5887anführt und auf1564Text stand in dem heutedatiert. Der
11
verlorenen17Genées Abdruck der letzten. Spruchgedichtbuch.12Verse mit
Jost Ammans Holzschnitt repräsentiert also eine zweite bebilderte
(militärische) Enzyklopädie, immerhin vom halben Umfang des “Ständebuchs” und
ein weiteres Beispiel für das Zusammenwirken von Feyerabend, Sachs und
Amman, und zwar zeitlich vor dem “Ständebuch”. Wir bezeichnen dieses Werk
im Folgenden als Hans Sachs’ “Kriegsämter-Buch”.
Wie die Zusammenarbeit für das “Ständebuch” im einzelnen organisiert
war, wissen wir nicht. Diskrepanzen zwischen Hans Sachs’ Text und Jost
Ammans Holzschnitten, z.B. beim Uhrmacher (Nr.67), bei Harfen und Lauten
(Nr.102) oder bei den drei Pfeifern (Nr.108) und der Heertrommel (Nr.109),
lassen es zweifelhaft erscheinen, ob der Textautor die Holzschnitte kannte oder
der Illustrator die Texte, obwohl Sachs und Amman am selben Ort wohnten.
Anderseits ist strenge Textgenauigkeit bei Illustrationen auch keineswegs eine
feste Regel, und Wiederverwendung von Holzschnitten in anderem
Zusammenhang eine vielfach geübte Praxis.
Was die Textform betrifft, so überraschen die starken Unterschiede
zwi12
schen Hans Sachs’ Handschrift und dem Druck.Wir haben zwar keine
Gewähr dafür, dass die Druckvorlage, die der Autor an den Verleger sandte, völlig
mit der handschriftlichen Form im18. Spruchgedichtbuch übereinstimmte.
Das Spruchgedichtbuch selbst, das Hans Sachs als Teil eines Privatarchivs
an

5Titel und Nummern hier nach Andresens Beschreibendem Katalog zu Jost Amman; Auswahl aus
dem Kapitel “Bücher mit Holzschnitten”, S.289-431.
6Im hier faksimilierten Kopenhagener Exemplar des “Ständebuchs” diesem beigebunden.
7Ausführlich hierzu Andresen und O’Dell.
8 2. Aufl., S.376-378u.514.
9Bisher nicht ausfindig gemacht.
10“Kriegsemter aller pefelchslewt zw ainem grosen feltzug,452verse, begannen SG17, bl.137.
Vielleicht sind dies die verse, die Sigmund Feyerabent […] unter die Ammanschen holzschnitte
seines buches: Von Keyserlichen Kriegßrechten … Franckfurt1565.4. setzte.”
11Eine Übersicht über die16Meistergesang- und die18Spruchgedichtbücher, die Hans Sachs
anlegte, mit Orientierung über den gegenwärtigen Zustand (Bewahrung und Verlust) gibt Barbara
Könneker: Hans Sachs, S.11f.
12Vgl. hierzu Blosen1993, S.193-205.

2 ∙ ei n l e i t u n g

13

Aus R. Genées Hans-Sachs-Biographie, S. 377

13
legte, diente sicher nicht als Druckvorlage,aber wir haben guten Grund,
davon auszugehen, dass die in der Handschrift festgehaltene Textform –
gerade wegen der erheblichen Unterschiede – im wesentlichen mit der
Druckvorlage übereinstimmte; denn Sigmund Feyerabend sah sich gezwungen, den Text
für den Druck umzuarbeiten. Auf eine solche, offenbar tiefgreifende
Bearbeitung, die der Verleger vornahm oder vornehmen ließ, bezieht sich wohl eine
Bemerkung in Sigmund Feyerabends Vorrede an Wenzel Jamnitzer
(Zeile150154), in der er sich über erhebliche Kosten für eine Bearbeitung äußert, die eine
“verstendtliche und richtige ordnung” herstellen sollte.

14

d a ss t ä n d e b u c h∙ ba n di

Da der Verleger in diesem Stoßseufzer nur die “Ordnung” anführt, kann
man davon ausgehen, dass die beim Vergleich auf den ersten Blick eigentlich
am deutlichsten ins Auge fallenden Unterschiede der Graphie, teilweise der
Lautform und Flexion, nicht gemeint sind. Hans Sachs verwendet in seiner
Handschrift eine regional, teils dialektal gebundene ostoberdeutsche
(Nürnberger) Schreibsprache mit stark individueller und ungeregelt wirkender
Graphie, an deren Stelle im Frankfurter Druck eine weitgehend überregionale,
14
geregelter wirkende Druckersprache tritt.An die Notwendigkeit, solche
Änderungen vorzunehmen, waren Verleger und Drucker vermutlich gewöhnt,
und darauf zielt Feyerabends Bemerkung folglich nicht.
Es geht wesentlich um die Umordnung der Einzeltexte, die am deutlichsten
aus den Konkordanzen1und2erhellt und die gleich zu Anfang die
Reihenfolge der geistlichen und der weltlichen Hierarchie betrifft, wo der Verleger
gegen seinen Autor die Geistlichkeit voranstellt. In diesen Zusammenhang fällt
auch die Aufwertung der Mönche und Jakobs-Brüder (Nr.5und6), die aus
dem Umkreis sozial niedriger Stände wie Bauern, Zahnbrecher und Juden
nach oben gerückt und an die geistliche Hierarchie angeschlossen werden. Bei
anderen Umstellungen sind die Gründe nicht immer erkennbar.
Auch der Wortlaut wird an zahlreichen Stellen geändert: Teils wird
protestantische Parteilichkeit gemildert; teils wird veraltet wirkender oder
regionaler Wortschatz ersetzt, z.B. Fleischhacker durch Metzger, Säckler durch
Beutler; teils werden Wörter der Handschrift durch Synonyme ersetzt, ohne dass
sich der Grund immer erkennen ließe; gelegentlich wird auch
verschlimmbes15
sert.
Der Druck von1568repräsentiert also, genau genommen, das
“Ständebuch” des Hans Sachs in einer von Sigmund Feyerabend redigierten Fassung.
Ob eine solche Redigierung abgesprochen war, ob Hans Sachs sie billigte,
entzieht sich unserer Kenntnis.
Über spätere Zusammenarbeit zwischen Hans Sachs und Sigmund
Feyerabend ist nichts bekannt. Indirekte Verbindung bezeugt indessen ein kleiner

13Das wird schon durch eine Textlücke beim Büttner (Nr.90) ausgeschlossen, wo der Druck den
vollständigen Text hat.
14Für detaillierte Ausführungen darüber ist hier nicht der Ort; sie müssen Spezialuntersuchungen
vorbehalten bleiben.
15Einzelheiten bei Blosen1993.

2 ∙ ei n l e i t u n g

15

Text ebenfalls von1568, den Hans Sachs wohl für eine Inskription auf einem
Becher entworfen hat, den Sigmund Feyerabend dem Rat der Stadt Nürnberg
16
geschenkt hatte:

In den geschenckten pecher Sigmund Feyerabent,
So er aim erbern rat alhie schenckt.

Sigmund Feyerabent mich vereret hat
Hie einem erbern, weissen rat.

Anno salutis1568, am23tag Juni.

Kurzbiographien zu Hans Sachs,
Jost Amman und Sigmund Feyerabend

Hans Sachs

In einem auf den1. Januar1567datierten Spruchgedicht mit dem Titel
“Summa all meiner gedicht vom MDXIIII jar an biß ins1567jar” hat Hans Sachs in
254Reimpaarversen Rechenschaft über sein damaliges Werk und wichtige
Begebenheiten aus72Jahren seines Lebens abgelegt. Er starb1576im Alter von
81Jahren. Durch sein Gedicht und durch zahlreiche archivalische Auskünfte
sind wir über sein Leben und Werk gut unterrichtet.
Er wurde1494in Nürnberg als Sohn eines aus Sachsen zugewanderten
Schneiders geboren. Von1501bis1509besuchte er eine Lateinschule und
begann dann mit15Jahren eine Schuhmacherlehre. Nach Abschluss der
zweijährigen Lehrzeit ging er auf Wanderschaft, die ihn durch Süddeutschland und
Österreich, an den Rhein und bis Aachen führte. In seiner Heimatstadt wurde
ihm1520das Meisterrecht als Schuhmacher verliehen. Der Handwerksbetrieb,
ein beträchtliches Erbe und eine Mitgift ermöglichten es ihm, sich in
zunehmendem Maße einer intensiven literarischen Tätigkeit zu widmen. Einen
hohen Vermögenswert muss auch seine für einen Handwerker ungewöhnlich
umfassende Bibliothek ausgemacht haben, die eine Hauptquelle für die Stoffe
seiner Dichtung war.
Seine Liebe zur Dichtkunst wurde während seiner Lehrzeit durch den
Nürnberger Leinenweber und Meistersinger Lienhard Nunnenbeck geweckt.
Die Reformation bedeutete ein prägendes geistiges Erlebnis für ihn, und schon

16

d a ss t ä n d e b u c h∙ ba n di

Anfang der zwanziger Jahre schloss er sich der Lutherschen Lehre an. Das
Spruchgedicht “Die Wittenbergisch Nachtigall”, mit dem er1523für Luther
Partei ergriff, und vier Reformationsdialoge, Texte, die alle mehrfach
nachgedruckt wurden, machten seinen Namen weit über Nürnbergs Grenzen hinaus
bekannt. Eine antipäpstliche Streitschrift brachte ihn allerdings auch in
Gegensatz zur Stadtobrigkeit und trug ihm zeitweilig ein Publikationsverbot ein.
Hans Sachs steht wie sein Vorgänger Hans Folz ganz in der Tradition der
Nürnberger Handwerkerdichtung. Dazu gehört schon der Meistergesang, der
wohl seine bevorzugte literarische Ausdrucksform bleibt, abgesehen von den
beiden letzten Jahrzehnten seines Lebens. Die fast4300Meisterlieder von
seiner Hand sind in ungefähr300verschiedenen Tönen (metrisch-musikalischen
Formen) geschrieben, von denen er13Töne selbst erfand. Neben das
Meisterlied tritt seit etwa1515die zweite Hauptgattung der Handwerkerliteratur, das
Spruchgedicht, d.h. die nicht-dramatische Reimpaardichtung. Auch die dritte
Gattung der handwerkerlichen Dichtungstradition, das Fastnachtspiel, setzt
1517früh ein, erlebt ihre Kulmination aber erst spät. Von
den85Fastnachtspielen fallen mehr als60in die Jahre zwischen1550und1560.
Außerhalb dieser Dichtungstradition stehen die mehr als120Komödien
und Tragödien, die vorzugsweise biblische und antike Stoffe behandeln. Sie
entstehen zunächst unter dem Einfluss des Humanistendramas, später auch
des protestantischen Schuldramas. Den Höhepunkt erleben auch diese
Gattungen wie das Fastnachtspiel im Zeitraum von1550bis1560. Es ist die
Blütezeit des Nürnberger Meistersingertheaters.
Hans Sachs hat sich selbst um die Bewahrung seines literarischen Werks
bemüht: Er trug die Dichtungen kontinuierlich in große Sammelbände ein, in
Band1sowohl Meisterlieder als auch Spruchgedichte, danach Meisterlieder
und Spruchgedichte (hierunter Fastnachtspiele, Komödien und Tragödien)
getrennt in Meistergesangbücher und Spruchgedichtbücher. Von
den33Bänden, die diese Sammlung bei seinem Tod umfasste, sind heute
noch21erhalten. Ab1558erschienen zu Hans Sachs’ Lebenszeit drei Bände der gedruckten
Nürnberger Folioausgabe, die1579mit dem5. Band abgeschlossen wurde.

Literatur: Erika Kartschoke, Barbara Könneker, Rettelbach

16Abgedruckt bei Keller/Goetze, Bd.23,1895, S.317.

2 ∙ ei n l e i t u n g

17

Hans Sachs. Radierung von Jost Amman nach einem Gemälde von Andreas
Herneysen. In der Kartusche ein dreistrophiger Text:

18

d a ss t ä n d e b u c h∙ ba n di

Zwai monat ein vnd achzg Jar alt
War ich Hans Sachs in der gestalt
Von Endres Herrneysen abgmalt

Ein kind war ich auff dwelt geborren
Zum Kind bin ich auch wider worren
Den all mein Krefft hab ich verlorre[n]

Gott Bscher mir nun ein Seligs ennd
Vnd nem mein seel in seine Hennd
Geb mir auch ein Frölich Vrstennd

Darunter: ANNO DOMINI: M.D.LXXVI
Darunter das Monogramm des Künstlers: I A

Jost Amman

Jost Amman, einer der produktivsten Graphiker und Buchillustratoren des16.
Jahrhunderts, wurde1539in Zürich geboren als Sohn eines Chorherrn und
Professors für alte Sprachen an der Zürcher Gelehrtenschule, dem Collegium
Carolinum, und erwarb dort eine gute Bildung. In Zürich kam er in die Lehre
eines Glasmalers und war dort, in Schaffhausen und Basel als Visierer
(Zeichner von Scheibenrissen für Glasmaler) tätig, bevor er1561nach Nürnberg kam
und sich bei Virgil Solis in Holzschnitt und Radierung ausbildete. Nach Virgil
Solis’ Tod1562übernahm er dessen Werkstatt und trat auch als Buchillustrator
in die Nachfolge von dessen Zusammenarbeit mit dem geschäftstüchtigen
Frankfurter Verleger Sigmund Feyerabend ein. Er fertigte auch weiterhin
Scheibenrisse für heraldische Standesscheiben im Auftrag von deutschen und
schweizerischen Familien an. Der Schwerpunkt seiner Tätigkeit lag jedoch im
Bereich der Graphik, sowohl als Einzelblatt als auch – vor allem – in der
Buchillustration, für die er im Auftrag von Feyerabend und anderen Verlegern
mit mehreren Holzschneidern in seiner großen Werkstatt arbeitete.
Zur Produktion für die mit Holzschnitten illustrierten Bücher zählen
außer der Bibel und Klassikern wie Plutarch und Livius Werke wie Leonhard
Fronspergers “Kriegsbuch” in mehreren Teilen und Ausgaben (u.a.1573), ein
“Turnierbuch” (1566), Schallers “Tierbuch” (1569), Hartmann Schoppers
“Spe

2 ∙ ei n l e i t u n g

19

Der Reißer, “Ständebuch” Nr. 16

culum vitae aulicae” (1574), Weigels “Trachtenbuch” (1577), eine “Türkische
Chronik” (1577), die eine Widmung an den Graphiker-Kollegen Melchior
Lorch enthält, das “Trachtenbuch der katholischen Geistlichkeit” (1585), das
kostümgeschichtlich wichtige “Frauentrachtenbuch” (1586) und als
bekanntestes Werk das “Ständebuch” (1568). Für den Nürnberger Goldschmied Wenzel

20

d a ss t ä n d e b u c h∙ ba n di

Jamnitzer arbeitete er dessen Zeichnungen zu Radierungen für die
“Perspectiva corporum regularium” (1568) um.1577wurde ihm das Nürnberger
Stadtrecht angetragen. Er starb1591.
Da kein Porträt von Jost Amman überliefert ist, wählen wir als Ersatz den
Holzschnitt zum “Reißer” aus dem “Ständebuch” (Nr.16), in dem der Künstler
markant in Szene gesetzt ist und der verschiedentlich für ein Selbstbildnis
gehalten wird, so schon1641von Matthäus Merian. Als “Reißer” bezeichnete
Jost Amman sich auch selbst in Unterschriften seiner Briefe.

Literatur: Andresen, Meißner, Ilse O’Dell, Pilz.

Sigmund Feyerabend

Sigmund Feyerabend, einer der bedeutendsten deutschen Verleger des16.
Jahrhunderts, wurde1528in Heidelberg geboren. Nach seiner Kindheit in
Augsburg erlernte er den Beruf des Reißers und Formschneiders und trug mit
Illustrationen zu mehreren Werken bei. Sein erstes größeres verlegerisches
Projekt war die Herausgabe der Lutherschen Bibel mit Holzschnitten des
Nürnberger Formschneiders Virgil Solis, die er1560in Frankfurt am Main in
Zusammenarbeit mit dem Drucker David Zöpfel und dem Schriftgießer
Johann Rasch auf den Markt brachte und die schon im folgenden Jahr eine
zweite Auflage erlebte. In Frankfurt ging Feyerabend mit den Druckern
Weigand Han und Georg Rab eine unter dem Namen “Companei” bekannte
Geschäftsverbindung ein, die bis1569bestand und für eine Reihe
Publikationen, darunter eine neue Ausgabe der Lutherschen Bibel mit Illustrationen
von Jost Amman sowie das “Ständebuch”, verantwortlich war. Eine weitere
fruchtbare Zusammenarbeit hatte Feyerabend mit dem aus Zwickau
stammenden Frankfurter Buchdrucker Simon Hüter, mit dem er unter anderem
die1565erschienene deutsche Ausgabe der “Naturgeschichte” des Plinius in der
Neuübersetzung von Johann Heyden herausgab. Seine zahlreichen Ausgaben
klassischer und deutscher Werke erweisen ihn als einen außerordentlich
geschäftstüchtigen Verleger, der jedoch auch wegen seiner Geschäftspraxis in
mehrere Rechtsstreitigkeiten verwickelt wurde, was dazu führte, dass er nach
1568etliche Werke unter dem Namen seines unmündigen,1563geborenen
Sohns Hieronymus Feyerabend verlegte. Sein verlegerischer Erfolg beruhte auf
seinem Gespür für den Buchmarkt und wohl nicht zuletzt darauf, dass er als

2 ∙ ei n l e i t u n g

21

Sigmund Feyerabend. Radierung von Jost Amman, 1569

Illustratoren seiner Ausgaben eine Reihe hervorragender Künstler wie Virgil
Solis und nach dessen Tod im Jahre1562Jost Amman, Tobias Stimmer und
andere gewinnen konnte. Sigmund Feyerabend starb1590.

Literatur: Benzing, Pallmann, Schmidt.

22

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4

Hartmann Schoppers lateinische Fassung

1568, im selben Jahr, als Hans Sachs’ “Ständebuch” gedruckt wurde, erschien
bei Sigmund Feyerabend auch eine für ein gelehrtes Publikum berechnete
parallele lateinische Ausgabe mit Texten von Hartmann Schopper und mit Jost
Ammans Holzschnitten unter dem Titel “PANOPLIA. Omnium illiberalium
mechanicarum aut sedentariarum artium genera continens […] per
Hartman. Schopperum, Novoforens. Noricum.” Frankfurt/Main1568mit dem
Kolophon “Impressum Francofurti ad Moenum, apud Georgium Coruinum,
impensis Sigismundi Feyerabent. M.D.LXVIII”. Der Autor, Hartmann
Schopper, war1542in Neumarkt/Oberpfalz geboren, hatte neulateinische und
deutsche Gedichte verfasst und unterhielt freundschaftliche Beziehungen zu
anderen Neulateinern wie Petrus Lotichius Secundus und Paulus Melissus
Schede. Er war um1563nach Frankfurt gekommen und dort mit Sigmund
Feyerabend in Verbindung getreten. Im Frühjahr1566nahm er am
Türkenkrieg in Ungarn teil und kehrte im Herbst desselben Jahres schwer erkrankt
nach Frankfurt zurück.1574verlegte Feyerabend Schoppers Hauptwerk
“Speculum vitae aulicae. De admirabili fallacia et astutia vulpeculae Reinikes libri
quatuor, nunc primum ex idiomate Germanico latinitate donati – Auctore
17
Hartmanno Schoppero Novoforense Norico.” Franfurt/Main1574, eine
lateinische Bearbeitung von “Reynke de vos”, die mehrfach neu aufgelegt wurde,
um1650in einer deutschen Fassung. Schopper starb nach1595.
In der lateinischen Fassung des “Ständebuchs” richtet Sigmund
Feyerabend seine ebenfalls lateinische Widmungsvorrede vom Januar1568an
Oswald von Eck und Wolfeck, den Erbmarschall der Diözese Regensburg und
Sohn des bekannten bayerischen herzoglichen Kanzlers Leonhard von Eck.
Nach dem Tod seines Vaters war Oswald von Eck und Wolfeck wegen seiner
reformatorischen Einstellung in Gegensatz zu seinem Landesherrn geraten.
Feyerabend wendet sich an ihn als einen treuen Anhänger der Reformation
und humanistisch gebildeten Adligen; er tut das nicht nur auf Latein, sondern
18
am Ende auch mit einem griechischen Gedicht.

17Nach Becker: Jobst Amman, Nr.5, Andresen Nr.221.
18Zu Oswald von Eck und einem anderen in der Vorrede genannten Adligen, der wegen seines
Eintretens für die Reformation verfolgt wurde, dem damals bereits verstorbenen Freiherrn Hans
Ungnad, vgl. Jessewitsch, S.37-40u.98f.

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23

Schoppers “Panoplia” bietet die Stände teilweise in einer vom deutschen
Druck abweichenden Reihenfolge, und es fehlen der Organist und die
Heer19
trommel (Hans Sachs Nr.105u.109). Dagegenerweitert Schopper das
Pro20
gramm durch Einbeziehung des militärischen Bereichs.Für die
Illustrationen hierzu gilt, dass einerseits ein neuer Holzschnitt unmittelbar
hintereinander zweimal verwendet wird (Nr.122Deß Obersten Zeugmeisters
Leutenant, Nr.123Der Feldtweybel), dass anderseits5Holzschnitte aus dem
“Ständebuch” im neuen militärischen Kontext Wiederverwendung finden (Nr.
5Der Keiser – Nr.117wiederum als Der Keiser; Nr.6Der König – Nr.118Der
öberst General; Nr.95Der Scherer – Nr.129Feldscherer; Nr.4Die Priester –
Nr.130Caplan; Nr.30Der Müntzmeister – Nr.132Pfenningmeister) und dass
schließlich für die Texte136-161die Illustrationen überhaupt fehlen. Ob der
fünffache Wiedergebrauch und das Fehlen von26Illustrationen darauf
zurückzuführen sind, dass Jost Amman sie aus Zeitnot nicht liefern konnte,
wissen wir nicht.
Wir wissen auch nicht, ob der Vorschlag, eine Darstellung der militärischen
Welt anzuschließen, auf Schopper zurückgeht, wie Lemmer vermutet mit der
Begründung, dass Schopper Anfang der sechziger Jahre Soldat gewesen sei und
21
dass er an den Kämpfen gegen die Türken teilgenommen habe.– Es deutet
sich jedoch auch eine andere Möglichkeit an: Die Darstellung des
militärischen Bereichs lenkt den Gedanken auf jenes heute wohl verschollene
“Kriegsämter-Buch” zurück, für das Hans Sachs die Texte zu Jost Ammans
Holzschnitten verfasst hatte und das in Sigmund Feyerabends Verlag erschienen
22
war.
Dieses um1900offenbar nur noch in einem fragmentarischen Exemplar
erhaltene “Kriegsämter-Buch” hat C. Becker1854ausführlich beschrieben und
folgendermaßen vorgestellt: “Ein Theil der im Fronspergerschen Kriegsbuch
befindlichen Holzschnitte ist in4to., mit zehnzeiligen Gedichten von Hans
Sachs begleitet, in Frankfurt a.M. im Verlage von Sigmund Feyerabend und
23
Simon Hüter erschienen.”Den Anfang bildete ein Porträt Kaiser Karls V. mit
einem zugehörigen Gedicht mit der Überschrift “Von Gott der Adler Keyser
Carl geben”. Das erinnert unmittelbar an Schoppers Nr.116. Die
nachfolgenden Überschriften der Einzeltexte2-47, wenn man den Beschluss mitrechnet,
die Becker auf S.41f. nennt, stimmen fast genau mit den deutschen
Bezeichnungen von Schoppers Nr.117-162überein. Lediglich zwei Überschriften bei
Schopper (Nr.120und143) haben keine Entsprechung bei Becker, und
umgekehrt hat Beckers Nr.9keine Entsprechung bei Schopper. Eine solche, fast
voll

24

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ständige Übereinstimmung kann kein Zufall sein. Sie deutet vielleicht darauf
hin, dass die Darstellung der militärischen Welt als Plan zwischen dem
Verleger und Schopper in der Weise abgesprochen war, dass Schopper diesen Teil
nach dem Vorbild des “Kriegsämter-Buchs” behandeln sollte.
Die Erwägung, ob vielleicht auch Hans Sachs’ “Ständebuch” um den
militärischen Bereich erweitert werden sollte – mit Benutzung der früheren, für
das “Kriegsämter-Buch” verfassten Texte, bleibt reine Spekulation.

5

Überlieferung und benutzte Ausgaben

5.1 Handschrift

Die Handschrift, das18. Spruchgedichtbuch (auch Spruchbuch), befindet sich
24
im Stadtarchiv Zwickau (Sachsen).

Einband: Die Handschrift ist in Holzdeckel gebunden, Höhe32cm, Breite20,5
cm.
Rücken mit gepresstem weißem Leder, das etwa8cm weit auf die Deckel
gezogen ist. Der Rest der Holzdeckel liegt frei.
Das Leder auf Vorder- und Hinterdeckel ist mit Streicheisen und
Plattenstempeln ornamentiert. Von drei senkrechten Säulen, die oben und unten mit
einem querliegenden rechteckigen Feld abschließen, enthalten die linke und
rechte äußere Säule Ornamente mit Halbfiguren der
TugendenSPES,CHARI[TAS]undFIDES, die mittlere Säule Medaillons mit antiken Köpfen und
Umschriften:VIRGILIVS,CESO[!]IVLIVS,CICERO,OVIDIVS NASO, über
und zwischen den Medaillons Ornamente mit eingefügten Wappen.
Zwei Metallschließen sind vorhanden, die Schließhaken aber abgebrochen.

19Vgl. Konkordanz4.
20Vgl. Konkordanz5; vgl. auch unten S.34-36die Beschreibung von Lemmers Ausgabe.
21Lemmer, S.150.
22Vgl. hierzu oben Punkt3, S.12f.
23Becker: Jobst Amman, S.40.
24Wir danken dem Stadtarchiv Zwickau für die Herstellung von Photokopien des
“Ständebuch”Textes und für die hier wiedergegebenen Aufnahmen von Bl.39v und55v.

2 ∙ ei n l e i t u n g

25

Buchblock: Blattgröße Höhe30,2cm, Breite19,5cm.
Auf ungezähltem erstem Blatt (recto):
Das18puch der spruch hab ich angefangen
zu dichtenanno1565
an dem29. tag septembrismeins alters
im71Jar
Auf ungezähltem zweitem Blatt (recto):
[Platz für Initiale A] nno salutis1565am29tag septem
bris / hab ich hans sachs dis18puch
Der sprúch mit gottes hilff angefangen
meines alters im ain vnd sibenzigesten Iar

unten ovaler Stempel mit Umschrift:
STADTRATH Z. ZWICKAU, in der Mitte Stadtwappen.

Das “Ständebuch” steht aufBl.39v-55v mit der Abschlussdatierung und
Angabe des Umfangs auf Bl.56r. – Auf Bl.46r beim Büttner (Druck Nr.90) fehlen
unten auf der Seite die letzten drei Verse. Hans Sachs hat offenbar beim
Seitenwechsel zu Bl.46v vergessen, sie zu notieren.

Im Inhaltsverzeichnis auf ungezähltem fünftem Blatt (recto) steht unter der
Abteilung “Historj vnd poetrey” als vierte Nummer:
Die hundert vnd virzehn amptleut vnd werckleút …39

Beginn des “Ständebuch”-Textes im 18. Spruchgedichtbuch,
Stadtarchiv Zwickau, SG 18, Bl. 39v (die beiden obersten Zeilen
gehören zum vorhergehenden Text).
Abbildung mit freundlicher Erlaubnis des Stadtarchivs Zwickau.

26

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>

27

28

<

Abschluss des “Ständebuch”-Textes im 18. Spruchgedichtbuch,
Stadtarchiv Zwickau, SG 18, Bl. 55v (die Datierung steht auf Bl. 56r).
Abbildung mit freundlicher Erlaubnis des Stadtarchivs Zwickau.

5.2 Druck von 1568

[Hans Sachs: “Ständebuch”, VD16S244]
Eygentliche Beschreibung Aller Stände auff Erden […]. Durch den
weitberümpten Hans Sachsen Gantz fleissig beschrieben vnd in Teutsche Reimen
gefasset […]. Gedruckt zu Franckfurt am Mayn. M.D.LXVIII. – [Kolophon:]
Gedruckt zu Franckfurt am Meyn bey Georg Raben in verlegung Sigmund
Feyerabents. M.D.LXVIII.

Das hier faksimilierte Exemplar:
Kopenhagen: Det Kongelige Bibliotek
Standort: Boghistorisk Samling48,159. Quarto.

Einband: Zeitgenössischer dunkelbrauner Ledereinband, Deckelhöhe20,5cm,
Breite13,5cm. Ohne Schließen.4Bünde und bundähnlicher Abschluss oben
und unten. Auf Vorder- und Hinterdeckel zweifacher rechteckiger Rahmen
mit Streicheisenlinien, außerdem Ausschmückung mit Plattenstempel.

Vorderdeckel: in oberem waagerechtem Feld die Initialen V I M, durch
Stempel voneinander getrennt; in unterem waagerechtem Feld ANNO (vgl.
Abbildung S.30).

Hinterdeckel: in oberem waagerechtem Feld die Initialen O M S, durch
Stempel voneinander getrennt; in unterem waagerechtem Feld die Jahreszahl
25
1573(vgl. Abbildung S.31).

25Die Provenienz und Vorbesitzer sind unbekannt; die Initialen sind bisher nicht gedeutet.

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29

30

Vorderer Einbanddeckel

Hinterer Einbanddeckel

31

Buchblock: Blattgröße (Titelblatt)19,5x13,2cm.
Lagen und Bogenbezeichnung: )(4, B-Z4, a-g4.
)( Iv leer, )( IVv leer, B I – Z IV und a I – g II Verso-Seiten leer, g IV leer.

Beigebunden ist
[Georg Schaller: Neues Tierbuch, VD16S2259]
Ein neuw Thierbuch. Eigentliche vnd auch gründliche beschreibung allerley
vier vnd zweyfüssigen Thieren […]. Erstlich Durch den weitberhümbten
Hansen Bocksperger den jüngern von Saltzburg in visirung gestellt Folgendts
gerissen durch den Kunstreichen Joß Amman von Zürich: Nun jetzt durch
Georgium Schallerum von München Gantz fleissig beschrieben vnd in
Teutsche Reimen gefasset […]. Gedruckt zu Franckfurt am Mayn Anno etc.
M.D.L.XIX. – [Kolophon:] Gedruckt zu Franckfurt am Mayn bey Martin
Lechler in verlegung Hieronymi Feirabends im Jar nach Christi vnsers
Seligmachers geburt1569.

Bei der vorbereitenden Arbeit für die Edition wurde folgendes Exemplar
benutzt:
Schweinfurt: Bibliothek Otto Schäfer
Sachs, Hans: Eigentliche Beschreibung aller Stände auf Erden. Frankfurt,
Main: Georg Rab für Sigmund Feyerabend,1568.
Signatur: I /052

5.3 Zweite Auflage von1574

[Hans Sachs: “Ständebuch”, VD16S245]
Eygentliche Beschreibung Aller Stände auff Erden […]. Gedruckt zu
Franckfurt am Mayn M. D. LXXIIII. – [Kolophon:] Gedruckt zu Franckfurt am Mayn
26
durch Paulum Reffelern in verlegung Sigmund Feyerabends. M.D.LXXIIII.

Benutzt nach Mikrofiche des Exemplars:
Wolfenbüttel: Herzog August Bibliothek
Signatur: Lo6598

Zu Abweichungen von der1. Auflage von1568vgl. Apparat mit den
Abweichungen der2. Auflage von1574und Konkordanz3in Band II.

32

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5.4 Hartmann Schoppers lateinische Fassung

Erste Auflage von1568[VD16S3897]:
∏ανοπλια. Omnivm illiberalivm mechanicarvm avt sedentariarum artium
genera continens […] per Hartman. Schoppervm, Novoforens. Noricum.
Francofvrti ad Moenvm […] M.D.LXVIII. – [Kolophon:] Impressvm
Francofvrti ad Moenum, apud Georgium Coruinum, impensis Sigismundi
Feyerabent. M.D.LXVIII.

Benutzt nach Mikrofilm des Exemplars:
München: Bayerische Staatsbibliothek
Signatur: Res/L.eleg.m.715
Vgl. Konkordanz4und5in Band II.

Zweite Auflage von1574[VD16S3898]:
De omnibvs illiberalibvs sive mechanicis artibvs […] Avctore Hartmanno
Schoppero, Novoforensi, Norico […]. Francofvrti ad Moenvm […]
M.D.LXXIIII. – [Kolophon:] Impressvm Francofvrti ad Moenum, apud Georgium
Coruinum, impensis Sigismundi Caroli Feyerabent. M.D.LXXIIII.

Benutzt nach Xerokopie des Exemplars:
Kopenhagen: Det Kongelige Bibliotek

5.5 BenutzteAusgaben

Man muss nicht viele faksimilierte Ausgaben des Drucks von1568zur Hand
genommen haben, um eine überraschend breite Varianz festzustellen. Das gilt
für einzelne Buchstaben und Zeichen, aber auch für die Reihenfolge von
Ständen oder für die Kombination von Bild und Text. Dabei muss ein Teil der
Unterschiede schon auf Varianz im Originaldruck zurückgeführt werden, d.h.
auf Änderungen oder Korrekturen, die während des Druckprozesses der
ersten Auflage entstanden. Um diesen Problemen nachgehen zu können,
müsste man die den verschiedenen Ausgaben zugrundeliegenden
Originaldrucke heranziehen. Das ist allerdings bereits aus dem Grund unmöglich, dass

26Zum Drucker Paul Reffeler vgl. Benzing: Die Buchdrucker des16. u.17. Jh.s, S.117.

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33

die Verlage nicht mitteilen, welches Original benutzt wurde. Unter den
Ausgaben, die wir heranziehen konnten, gibt es nur eine Ausnahme, die
englischamerikanische Ausgabe von B. A. Rifkin (1973), die das Original, ein in
Privatbesitz befindliches Exemplar, nennt. In den übrigen Fällen konnten auch
Anfragen bei den Verlagen keine Klarheit schaffen, abgesehen vom Kölner
Anaconda Verlag, der freundlicherweise mitteilte, dass als Vorlage für die Edition
von2006kein Originalexemplar, sondern die Leipziger Ausgabe des
Bänd27
chens aus der Insel-Bücherei von1989gedient habe.
Wir beginnen mit der wohl am weitesten verbreiteten Ausgabe in der
InselBücherei, die erstmals1934erschien und bis1989immer neu aufgelegt wurde.
Wir benutzten folgende Ausgaben:

1. DasStändebuch.114Holzschnitte von Jost Amman mit Reimen von Hans
Sachs [Hrsg. v. Richard Graul] (Insel-Bücherei133), Leizig o.J. [1934].
2. DasStändebuch.114Holzschnitte von Jost Amman mit Reimen von Hans
Sachs [Hrsg. v. Richard Graul.61. bis80. Tausend] (Insel-Bücherei133),
[Leipzig]1960.
3. JostAmman. Das Ständebuch.133Holzschnitte mit Versen von Hans Sachs
und Hartmann Schopper. Hrsg. v. Manfred Lemmer. [4. bis7. Tausend
(1976) der erweiterten Aufl. v.1975] (Insel-Bücherei133), [Frankfurt/Main
1976].
4– Jost Amman. Das Ständebuch.. (Lemmer)133Holzschnitte mit Versen
von Hans Sachs und Hartmann Schopper. Hrsg v. Manfred Lemmer. [10.
Aufl.,10.-11. Tausend der erweiterten Aufl. v.1975] (Insel-Bücherei133),
[Frankfurt/Main1988].

Von den älteren, von Richard Graul betreuten Leipziger Ausgaben konnten wir
die erste von1934und die von1960(61.-80. Tausend) benutzen, von den
neueren, stark erweiterten und von Manfred Lemmer in Leipzig und Frankfurt
herausgegebenen, die Frankfurter von1976und die von1988. Die älteren
Ausgaben schreiben das “Ständebuch” auf dem Titelblatt Jost Amman und Hans
Sachs zu gleichen Teilen zu, aber mit Jost Amman, der im Originaldruck auf
dem Titelblatt überhaupt nicht erscheint, an erster Stelle:114Holzschnitte von
Jost Amman mit Reimen von Hans Sachs. Man ahnte wohl das gewandelte
Benutzerinteresse und folgte ihm jedenfalls später. Lemmer hält sich dann
nicht mehr zurück und lässt das Werk gleich unter Jost Amman erscheinen:
Jost Amman. Das Ständebuch.133Holzschnitte mit Versen von […]. Daraus

34

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soll den Herausgebern kein Vorwurf gemacht werden; denn durch diese
Umorientierung von Hans Sachs auf Jost Amman hat sich vermutlich das
Benutzerinteresse lebendig erhalten.
Das “als Arbeitsmaterial gedruckte” Verzeichnis der
Insel-Bücherei19121987erläutert zu den älteren, von Graul betreuten Ausgaben: “1936:40. Tsd.
[Seitdem Bildreihenfolge verändert, dabei Texte zu ‘Der Nadler’ und ‘Der
Hefftelmacher’ irrtümlich vertauscht.] – […]1960(L + W):61.-80. Tsd.
[Holzschnitte wieder in ursprünglicher Reihenfolge; Irrtum nicht korrigiert]”. Da
wir die Ausgabe von1936nicht kennen und die Veränderung in der uns
vorliegenden Ausgabe von1960wieder rückgängig gemacht worden ist, können wir
uns zu dieser “Veränderung der Bildreihenfolge” nicht äußern. Dagegen trifft
es nicht zu, dass der Text zum Nadler und der Text zum Hefftelmacher
vertauscht worden sind. Die Texte stehen am richtigen Platz; vertauscht wurden
dagegen nach der Auflage von1934und spätestens in der Ausgabe von1960die
28
Holzschnitte und blieben es jedenfalls bis1988.
Überraschenderweise lässt das Verzeichnis eine andere Umstellung
unerwähnt, die zwei verschiedene Stellen betrifft. In der1. Auflage
von1934stehen Astronomus (Nr.13) und Bildhauwer (Nr.28) sowie Schalcksnarr (Nr.113)
und Stocknarr (Nr.114) vertauscht. Dass es sich hier um einen Fehler handelt,
wird deutlich, wenn man Faksimile-Ausgaben mit Bogensignaturen und
Wortreklamanten vergleichend heranzieht, die in den vereinfachten Ausgaben
der Insel-Bücherei ausgelassen sind. In den unten angeführten Editionen5
und6sind diese Umstellungen eindeutig als Fehler zu identifizieren. Sie
müssen auf früh gedruckte Exemplare des Originaldrucks zurückgehen, die als
fehlerhaft erkannt und während des Druckprozesses korrigiert wurden, so
dass in später gedruckten Exemplaren wie z.B. dem hier verwendeten
Kopenhagener keine Fehler an diesen Stellen auftreten. Es ließ sich, da die Vorlagen
wie gesagt nicht mitgeteilt werden, bisher nicht ermitteln, in welcher
Bibliothek oder welchen Bibliotheken ein solcher fehlerhafter Druck vorhanden ist.
In der Insel-Bücherei, wo man den Fehler wegen der fehlenden
Bogensignaturen und Wortreklamanten ohne Vergleich nicht als solchen erkennen kann,

27Diese Ausgabe war uns nicht zugänglich.
28In der uns nicht zugänglichen Leipziger Ausgabe von1989scheint dieser Irrtum beseitigt worden
zu sein; denn die auf dieser Ausgabe beruhende Edition von2006im Anaconda Verlag zeigt die
richtige Bild-Text-Kombination.

2 ∙ ei n l e i t u n g

35

blieb er in allen älteren Ausgaben beibehalten. Erst die von Lemmer
verantworteten neueren Ausgaben beseitigten ihn.
Auch ein anderer Mangel der frühen Ausgaben ist in den neueren behoben:
Die für das Verständnis des “Ständebuchs” insgesamt wichtige Vorrede des
Verlegers sowie Hans Sachs’ eigener ‘Beschluß’ wurden
seit1976aufgenommen. Darüber hinaus ist Lemmer eine andere wesentliche Erweiterung zu
verdanken, nämlich die Aufnahme der mit Jost Ammans Holzschnitten
versehenen Seiten aus Hartmann Schoppers lateinischer Fassung von1568. Die auf
dem Titelblatt genannten133Holzschnitte ergeben sich aus einer Addition der
114Holzschnitte des “Ständebuchs” und der19Holzschnitte zu Schoppers
Erweiterung um den militärischen Bereich. Lemmer schränkt selbst
differenzierend ein, dass einerseits1neuer Holzschnitt zweimal verwendet wird (Nr.
124u.125), sogar unmittelbar hintereinander, und dass anderseits mehrere
Holzschnitte aus dem “Ständebuch” in neuem Zusammenhang
Wiederverwendung finden, insgesamt5(nicht drei): der Kaiser (Nr.7als Nr.119), der
König als “öberst General” (Nr.8als Nr.120), der Balbierer als “Feldscherer”
(Nr.51als Nr.131), die Pfaffen als “Caplan” (Nr.4als Nr.132) und der
Müntzmeister als “Pfenningmeister” (Nr.31als Nr.134). Nur13– mit doppelt
gezählter Dublette14– sind also völlig neu. Da Lemmer nur Seiten mit Holzschnitten
wiedergibt, fehlt bei12der zehnzeiligen lateinischen Gedichte der auf der
Verso-Seite stehende Teil des Textes. Das ist schon an den Wortreklamanten
abzulesen: Nr.119-125,128-130,136und137– im Gegensatz zu Nr.126,127und
131-135, wo der Wortreklamant jeweils auf die folgende Überschrift verweist.
Eine vollständige Ausgabe von Schoppers lateinischer Fassung von1568mit
Übersetzung wäre dringend erwünscht.
Leider wurde der Hinweis auf den Abdruck des handschriftlichen Textes
des “Ständebuchs” im18. Spruchgedichtbuch, den die älteren Ausgaben
ent29
hielten, inden neueren weggelassen, was dazu beitrug, dass die
handschriftliche Version in Vergessenheit geriet.

Von den übrigen Ausgaben gehören die beiden folgenden (5und6) insofern
zusammen, als in ihnen – wie in den frühen Ausgaben der Insel-Bücherei –
Astronomus (Nr.13) und Bildhauwer (Nr.28) sowie Schalcksnarr (Nr.113) und
Stocknarr (Nr.114) vertauscht stehen:

5.

36

Eygentliche Beschreibung Aller Stände auff Erden […]. [Reprint nach der
1. Aufl. aus dem Jahre1568. Wieder aufgelegt im Jahre1984, Hannover1984].

d a ss t ä n d e b u c h∙ ba n di

6. Wikisource,Online-Ausgabe des “Ständebuchs”: http://de.wikisource. org/
wiki/Eygentliche_Beschreibung_Aller_ST%C3%A4nde_auff_Erden (4.
Juni2008).

Durch die Bogensignaturen und Blattzählungen lässt sich in diesen Fällen klar
entscheiden, dass es sich um fehlerhafte Platzierungen handelt, die auf eine
frühe Druckphase des Originals zurückgehen müssen und die noch während
des Druckprozesses berichtigt wurden. Der Astronomus steht mit einer
ESignatur (E [I]) zwischen H III und I [I], der Bildhauwer mit zu erschließender
[H IV]-Signatur zwischen [D IV] und E II. Der Schalcksnarr steht mit g
[I]30
Signatur zwischen g II und g III, der Stocknarr steht mit g II-Signatur
zwischen zu erschließender [f IV]-Signatur und g [I].

Die beiden Ausgaben7und8sind eigentlich zwei Auflagen derselben Ausgabe
und repräsentieren reine Faksimileausgaben:

7Beschreibung Aller Stände auff Erden […]. [Faksimilerepro-. Eygentliche
duktion der Originalausgabe aus dem Jahre MDLXVIII, Leipzig
MCMLXVI].
8. EygentlicheBeschreibung Aller Stände auff Erden […]. [Unveränderter
Nachdruck der Originalsausgabe aus dem Jahre MDLXVIII, erschienen
Frankfurt am Main. Leipzig2005].

Die englisch-amerikanische Ausgabe9ist wegen der sehr sorgfältigen
Wiedergabe des Drucks mit Bogensignaturen und Wortreklamanten und wegen ihres
sehr breit und gründlich orientierenden Vorworts wertvoll:

9Amman & Hans Sachs: The Book of Trades (Ständebuch) with a new. Jost
Introduction by Benjamin A. Rifkin, New York [1973].

Die Ausgabe10im Anaconda Verlag bedeutet insofern einen Rückschritt
gegenüber den späteren Ausgaben der Insel-Bücherei (oben3und4), als auf das
wichtige Vorwort des Verlegers verzichtet wird. Der Gewinn, der in der
neu

29z.B.1934und1960: S.116.
30Er hat aber den richtigen Wortreklamanten: Beschluß.

2 ∙ ei n l e i t u n g

37

hochdeutschen Übersetzung liegen sollte, wird leider durch zahlreiche Fehler
31
beeinträchtigt:

10. Jost Amman. Das Ständebuch. Herrscher, Handwerker und Künstler des
ausgehenden Mittelalters.114Holzschnitte mit Versen von Hans Sachs.
Hrsg. u. übersetzt v. Ursula Schulze, [Köln2006].
11digitale Ausgabe des Exemplars der Sächsischen Landesbibliothek –. Eine
Staats- und Universitätsbibliothek Dresden findet sich unter: http://digital.
slub-dresden.de/ppn26612970

Die große Keller/Goetzesche Hans-Sachs-Ausgabe gehört in diesen
Zusammenhang, weil sie in Band23von1895den Wortlaut der handschriftlichen
Version des “Ständebuchs” zugänglich macht. Sie bildet trotz ihres Alters nach
wie vor die Grundlage für jede intensive Beschäftigung mit Hans Sachs’ Werk.
Eine nützliche Orientierung über die Anlage dieser Ausgabe gibt Barbara
32
Könneker.

6

Das “Ständebuch” in der Forschung

Um die “Ständebuch”-Forschung ist es ausgesprochen schlecht bestellt.
Barbara Könnekers Metzler-Bändchen über Hans Sachs war lange Zeit die einzige
Darstellung, die das “Ständebuch” überhaupt erwähnte, und zwar in der
33
bibliographischen Übersicht über die Ausgaben.Um so erfreulicher, dass in
dem für ein breiteres Publikum geschriebenen Hans-Sachs-Buch von Wilhelm
Richard Berger: Hans Sachs. Schuhmacher und Poet, von1994dem
“Stände34
buch” ein ganzes Kapitel gewidmet wird.Eine Anmerkung gibt allerdings die
ernüchternde Auskunft: “Das Folgende ist dem Nachwort dieser Ausgabe [d.h.
Lemmers Ausgabe von1988] verpflichtet.” Dabei hat Lemmers sachlich
informierendes Nachwort in der geschwätzigen Umschreibung nicht gewonnen.
Lemmers Nachwort und B. A. Rifkins Vorwort zur englisch-amerikanischen
Ausgabe sind – trotz des notwendigerweise populären Zuschnitts – solide
Beiträge zur “Ständebuch”-Forschung.
Wenn schon die Hans-Sachs-Philologie nicht mehr zum “Ständebuch”
beizutragen hat, kann man vielleicht eingehendere Behandlung im Rahmen der
Forschung zur spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Fachliteratur
erwarten. Gerhard Eis nennt es immerhin in seiner knappen, nicht einmal100

38

d a ss t ä n d e b u c h∙ ba n di

Seiten umfassenden Darstellung zur mittelalterlichen Fachliteratur am
rech35
ten Platz in der Einleitung zum Kapitel über die Eigenkünste.Dagegen wird
das “Ständebuch” aufden fast500Seiten der jüngsten Darstellung von B. D.
36
Haage und W. Wegnernicht einmal erwähnt, obwohl das im Titel genannte
Programm die frühe Neuzeit einschließt. Vielleicht sollte die Zeitgrenze von
1500streng eingehalten werden. Allerdings kann man über das Register auf S.
344Hans Sachs ermitteln mit einem Hinweis auf S.264. Dort kommen die
Verfasser aber nur auf Hans Sachs’ Hausratgedicht von1544zu sprechen, weil
darin “Schach / karten / würffel vnd ein pretspil” erwähnt werden.
Die gründlichste Behandlung des “Ständebuchs” stammt von einem
Kunsthistoriker, Rolf Dieter Jessewitsch; sie hat aber nicht nur Jost Ammans
Holzschnitte zum Gegenstand, sondern beschäftigt sich zugleich mit den
Texten, und zwar der deutschen Ausgabe von Hans Sachs wie der lateinischen
Ausgabe von Hartmann Schopper. Diese thematische Breite geht nicht aus
dem bescheidenen Titel hervor “Das “Ständebuch” des Jost Amman (1568)”, sie
wird nicht einmal ersichtlich aus einer lakonischen Erweiterung auf der
Rückseite des Titelblatts “zur ständepolit. Ikonographie d. Reichsstadt Nürnberg in
d. dt. Druckgraphik d. XVI. Jh.”. Diese Publikation von1987ist – soweit wir
sehen – in den späteren Ausgaben des “Ständebuchs” nicht berücksichtigt – zu
deren Nachteil. Denn obwohl die äußere Gestalt des schmalen Büchleins nicht
unmittelbar zur Beschäftigung damit einlädt und die springende Darstellung
und die gelegentlich unabgeschlossen wirkende Argumentation die Lektüre
bis zum Hauptteil erschweren, entschädigt die weitere Beschäftigung vollauf.
In unserem Zusammenhang verdient einerseits die weitgehende Einbeziehung

31z.B. Nr.18,2Dran treibt mirs Rad deß wassers viel: “Dorthin [d.h. zur Papiermühle] treibt mir das
Rad viel Wasser” statt: Daran [d.h. an der Papiermühle] treibt mir viel Wasser das Räderwerk. Nr.
61,5Kuchentryfus: “Gefäße zum Kuchenbacken” statt: Dreifuß für die Küche.
Nr.87,7Blochheusser zu der gegenwehr: “Blockhäuser zum Schutz gegen schlechtes Wetter” statt: Blockhäuser
(oder Bollwerke) zur Verteidigung.
32Barbara Könneker: Hans Sachs, S.13f.
33S. X.
34S.133-138.
35Eis: Mittelalterliche Fachliteratur, S.14.
36Deutsche Fachliteratur der Artes in Mittelalter und Früher Neuzeit,2007.

2 ∙ ei n l e i t u n g

39

von Hartmann Schoppers “Panoplia” hervorgehoben zu werden, anderseits
die gründliche Analyse der Vorreden des Verlegers, wo auch zum ersten Mal
verdeutlicht wird, welches Gewicht in der deutschen Vorrede dem Hinweis auf
die “Naturalis Historia” von Plinius d.Ä. zukommt als Schlüssel für das
Verständnis der oft kryptischen Äußerungen, mit denen Hans Sachs die Herkunft
oder Erfindung der Berufe beschreibt, wo die Herausgeber bis heute im
37
Dunkel tappen.Die Abschnitte V “Die Ikonographie der
Ständedarstellungen und ihre Bezüge zur Reichsstadt Nürnberg” und V.I “Gesellschaft im
Spiegel: Eine Ständeallegorie” sind eine willkommene Ergänzung für jeden
Kommentar zum “Ständebuch”, auch wenn man nicht allen Interpretationen
folgen mag.

Exkurs
In26Einzeltexten des “Ständebuchs” wird erwähnt, wer der Urheber oder
Erfinder des betreffenden Berufs oder der betreffenden Tätigkeit ist. Mit diesen
Urheberangaben greift Sachs die bis ins klassische Altertum zurückreichende
38
Tradition der Erfinderkataloge und des “Erfindertopos” auf.
Dabei weichen Handschrift und Druck in ihren Urheberangaben
geringfügig voneinander ab. Esau als Jäger (Nr.38) und Danaus als Schiffbauer (Nr.
96) kommen nur in der Handschrift vor, Noah als erster Weinbauer (Nr.99)
nur im Druck. Beim Steinmetz (Nr.85) gibt die Handschrift Hiberbius, der
Druck Cadmus als Erfinder an. Im Übrigen stimmen Handschrift und Druck
überein.
In drei Fällen (Esau, Noah und Paulus) werden Gestalten des Alten und
Neuen Testaments als Urheber erwähnt, in zwei Fällen (Julius Caesar,
Romulus) Gestalten der römischen Geschichte; außerdem wird Mainz als
Erfindungsort des Buchdrucks genannt. Abgesehen hiervon verweist Sachs
durchgehend auf Gestalten der antiken Mythologie.
Es stellt sich nun die Frage, auf welche Quelle(n) Sachs sich bei seinen
Urheberangaben stützte und ob Feyerabend, wo er bei seiner Arbeit an der
Herausgabe des “Ständebuchs” in diesem Zusammenhang Änderungen vornahm,
andere Quellen zu Rate zog. Dass Lemmer und Ursula Schulze die Quellen
nicht gekannt haben, zeigen zum Beispiel fehlerhafte Erläuterungen zu
Milesius (Nr.13), Lydus (Nr.54) und Syrus (Nr.78) sowie die fehlenden Angaben zu
39
Liber pater (Nr.33), Corebus (Nr.82) und Friges (Nr.89). Dagegenist
Jessewitsch durch seine eingehendere Beschäftigung mit Feyerabends Vorrede zum
“Ständebuch” aufdie “Naturgeschichte” des Plinius d.Ä. als Quellengrundlage

40

d a ss t ä n d e b u c h∙ ba n di

aufmerksam geworden, meint allerdings wohl, dass Sachs die lateinische
Aus40
gabe dieses Werks benutzte.
Sachs verwendete in der Tat die “Naturgeschichte” des Plinius, nicht aber
die lateinische Ausgabe, sondern die erste deutsche Übersetzung, die1543in
Straßburg in einer fünfbändigen Ausgabe erschienen war. Diese Ausgabe
besaß er selbst, wie aus einem Inventar seiner Bücher, das er am28. Januar1562
anfertigte, hervorgeht. Darin registrierte Sachs unter dem Buchstaben ‘P’
“Pli41
nius von der Natur, Menschen, Thier vnd Fisch,5Pücher”. Diehiermit
gemeinte Straßburger Ausgabe enthält die Bücher7-11der “Naturgeschichte”. In
dem abschließenden, nur gute5Seiten umfassenden Kapitel des7. Buchs mit
der Überschrift “Viler ding erste erfinder” (in der Ausgabe von1543das43.
Kapitel), sind, abgesehen von Minerva (Nr.98), sämtliche Urheber, die im
“Ständebuch” aus dem klassischen Altertum angeführt werden, behandelt. Ein
weiterer Beweis dafür, dass Sachs gerade die deutsche Übersetzung der
“Naturgeschichte” von1543benutzte, besteht darin, dass er eindeutige
Übersetzungs42
fehler aus dieser Übersetzung übernahm.
Feyerabend konnte bei der Vorbereitung des “Ständebuchs” für den Druck
die neue und bessere Übersetzung der “Naturgeschichte” des Plinius von
Johann Heyden benutzen, die er selber1565auf den Markt gebracht hatte, für die
er in seiner Vorrede zum “Ständebuch” Werbung betreibt (Zeile74-78) und die
er für seinen Angriff auf die Atheisten benutzt (Zeile19-36). Außerdem kannte
und benutzte er Polydor Vergils “De rerum inventoribus” in der deutschen
Übersetzung, die1560bei seinem Geschäftspartner Weigand Han erschienen
war. Auch darauf verweist er in der Vorrede, indem er anführt, “[daß] fast in
allen stücken dise ordnung gehalten [wirt] / daß benennt werde / wer ein
jegliche Kunst und Handwerck erfunden / auch wo es erfunden / wie denn dises
mein Büchlin [das “Ständebuch”] / so bey nahe eben desselbigen Innhalts mit
deß Polydori Vergilii fein artiglich beschreibet / ” (Zeile148-152). Die wenigen

37Vgl. hierzu den folgenden Exkurs.
38Siehe hierzu E.R. Curtius, S.531.
39Lemmer, S.154-156u. Ursula Schulze, S.250-254.
40Vgl. Jessewitsch, S.46f.
41Siehe W. Milde, Das Bücherverzeichnis von Hans Sachs. In:500Jahre Hans Sachs. Handwerker,
Dichter, Stadtbürger, S.38-55; speziell S.52f.
42Siehe hierzu unsere Kommentare zu den einzelnen Urhebern in Band II.

2 ∙ ei n l e i t u n g

41

Divergenzen zwischen der Handschrift und dem Druck in Bezug auf die
Urheberangaben (beim Steinmetz (Nr.85) und beim Wagner (Nr.89), wo
“Friges” in der Handschrift als Singular, im Druck als Plural aufgefasst wird),
beruhen vermutlich darauf, dass Sachs und Feyerabend unterschiedliche Quellen
43
benutzten. Hauptsächlichstimmen die Angaben in Handschrift und Druck
jedoch überein.
Dass Sachs und Feyerabend gerade die “Naturgeschichte” des Plinius
benutzten, Feyerabend außerdem Polydor Vergils Buch von den Erfindern
benutzte, sollte eigentlich nicht überraschen. Beide Werke waren in der zweiten
44
Hälfte des16. Jahrhunderts außerordentlich populär und verbreitet.Es ist,
wie erwähnt, Jessewitschs Verdienst, auf den Zusammenhang zwischen dem
“Ständebuch” und der “Naturgeschichte” des Plinius hingewiesen und somit
dazu beigetragen zu haben, dass einige interpretatorische Probleme gelöst
werden konnten, die bislang ungelöst blieben oder falsch gelöst wurden.

7

Zur Anlage dieser Ausgabe

Die Texte und die Materialien zur Ausgabe sind auf zwei Bände verteilt, so dass
die Texte und die zur Bearbeitung notwendigen Materialien, nebeneinander
liegend, gleichzeitig benutzt werden können.

Band I:
Band I enthält den Text des Drucks von1568als Faksimile und in
Transkription, den Text von Hans Sachs’ Handschrift nur in Transkription mit Angabe
der Unterschiede zwischen der Ausgabe von Keller/Goetze und unserer
Transkription.
Die mit Holzschnitten illustrierten Einzeltexte1-114stehen im Faksimile
wie im Originaldruck jeweils auf der rechten Seite, während die
Transkriptionen auf der gegenüberliegenden Seite, die im Original unbedruckt ist,
stehen. Dabei ist die Transkription des Drucks oben, die des entsprechenden
Textes der Handschrift unten angebracht. Die Anordnung der Texte entspricht der
Reihenfolge im Druck.
Bei der doppelseitig gedruckten Vorrede des Verlegers steht die
Transkription ebenfalls dem Faksimile gegenüber, jedoch in der Weise, dass der
Text des Faksimiles jeweils auf der Recto- oder Verso-Seite steht, wie es dem
Original entspricht.

42

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Die kurze Vorrede des Hans Sachs, die nur in der Handschrift steht, ist vor
das Faksimile des Drucks auf S.54f. gestellt.

Bd. II:
Band II enthält einen Kommentar zu den Einzeltexten, ein
Wortformenregister, ein Reimregister, einen Apparat mit den Abweichungen der2. Auflage
von1574und Konkordanzen der Stände sowie ein Literaturverzeichnis.
Das Wortformenregister umfasst sämtliche Wortformen des Drucks mit
Angabe der Belegstellen, mit Markierung der Wörter, die im Kommentar
behandelt sind, und mit Kennzeichnung der Wortformen, die in Reimposition
auftreten. Außerdem sind Wörter, die ausschließlich in der Handschrift
vorkommen, in das Register integriert. Das Wortformenregister ist kein
Wörterbuch und teilt deshalb keine Bedeutungen mit.
Das Reimregister verzeichnet die Reimpaare des Drucks, geordnet nach
dem Reimvokal auf der Grundlage des normalmittelhochdeutschen
Vokalismus.
Die Konkordanzen1und2stellen in Übersichtsform den Druck von1568
und die Handschrift einander vergleichend gegenüber. Dabei zeigt
Konkordanz2, in welcher Weise der Text in der Handschrift organisiert ist, was aus
der Transkription, die der Reihenfolge des Drucks folgt, nicht unmittelbar
hervorgeht. Konkordanz3zeigt die wenigen Fälle, wo in der2. Auflage die
Reihenfolge der Stände, verglichen mit der1. Auflage, geändert wurde, und erläutert
diese Fälle in einem anschließenden Kommentar. Die Konkordanzen4und5
stellen in Übersichtsform den deutschen Druck und den Druck der
lateinischen Fassung einander vergleichend gegenüber.

Korrekturnotiz
1. NachAbschluss des Manuskripts wurde uns auch die9. Auflage der von M.
Lemmer herausgegebenen “Ständebuch”-Ausgabe aus der Insel-Bücherei,
Leipzig1989, zugänglich. Sie bestätigt, wie wir oben in Anm.28vermuten,
dass in dieser9. Auflage die Illustrationen zumNadler(Nr.76) und zum
Hefftelmacher(Nr.102) richtig angebracht sind.

43Vgl. die Kommentare zu Nr.85und89.
44Vgl. die Kommentare zu Gaius Plinius Secundus und Polydor Vergil (Vorrede Zeile76und129).

2 ∙ ei n l e i t u n g

43

2. HerrnAbteilungsleiter Frank Aurich von der Sächsischen
Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden verdanken wir die
Mitteilung, dass Hans Sachs’ “Kriegsämter-Buch” (vgl. oben S.12f.) sich nicht
mehr unter den Beständen der Bibliothek befindet. Ein Vermerk auf dem
handschriftlichen Katalogzettel charakterisiert es als Kriegsverlust.
Allerdings ist die Art des Verlustes, etwa durch Brand, Verlagerung oder
Diebstahl, nicht zu ermitteln. Es besteht zumindest die Möglichkeit, dass dieses
Exemplar erhalten ist und sich vielleicht in Moskau befindet. Wir werden
diese Spur weiter verfolgen.

44

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Editionsprinzipien

Transkriptionsprinzipien
für die Wiedergabe des Drucks von 1568

1

3

Roter Druck auf dem Titelblatt ist nicht markiert, da er aus dem Faksimile
ersichtlich ist.

2Die Einzeltexte werden rechts neben der Überschrift
von1bis115durchgezählt.
Eine Verszählung innerhalb der Einzeltexte steht links vor dem Text. Die
Überschrift wird als0gezählt.

3Bogen- und Blattzählung, im Druck jeweils unten auf Bl.1,2und3der Lage
(in der1. Lage nur auf Bl.2und3), und die Wortreklamanten rechts unten
auf der Seite sind in der Transkription nicht wiedergegeben, da sie aus dem
Faksimile ersichtlich sind.

4Geschäftetes und rundesswerden ohne Unterschied alsswiedergegeben.

5v/Vfür Vokal wird alsu/Uwiedergegeben.

6j/Jfür Vokal wird alsi/Iwiedergegeben.

7ufür Konsonant wird alsvwiedergegeben.

8ifür Konsonant wird alsjwiedergegeben.

9Nasalstrich wird aufgelöst, und der betreffende Nasal wird kursiviert.

10vnmit darüber gesetztem waagerechtem Strich wird als ‘und’
wiedergegeben.

3 ∙ ed i t i o n s p r i n z i p i e n

45

11Übergesetzteseals diakritisches Zeichen wird durchgehend als Trema
wiedergegeben.

12Hinzufügungen in der Transkription, z.B. Ergänzung fehlender
Buchstaben, stehen in [ ].

Transkriptionsprinzipien
für die Wiedergabe der Handschrift

1

Editionspraktische Regulierungen

1.1 Nummerierungund Platzierung
1.1.1Die Einzeltexte der Hs. sind entsprechend der Reihenfolge im Druck
umgeordnet, damit beide Textversionen unmittelbar verglichen werden
können. Die Stelle des Einzeltextes in der Abfolge der Hs. ist mit der
schwarz gedruckten Nummer rechts neben der Überschrift angegeben.
1.1.2Links von der Nummer des Einzeltextes ist die Blattangabe in der Hs.
notiert. Wo der betreffende Einzeltext nicht an der Spitze einer Hs.-Seite
steht, ist die Blattangabe in [ ] gesetzt.
1.1.3Seiten- und Blattwechsel innerhalb eines Einzeltextes ist rechts von der
obersten Zeile der neuen Hs.-Seite notiert.

1.2 Stellungnahmenzu defektivem Text der Hs.

Eingriffe in den hsl. Text werden vermieden. Fehlerhafter Wortlaut wird in
gravierenderen Fällen im Kommentar zur Stelle erläutert. In leichteren Fällen,
etwa wo das Fehlen eines Buchstabens auf Schreibversehen zu beruhen
1
scheint (z.B.10,0‘docto’ statt ‘doctor’ [D11];10,6‘sener’ statt ‘seiner’), wird in
einer Anmerkung auf den Fehler aufmerksam gemacht. Nur an einer Stelle,
nämlich in Nr.1[D7], wo Hans Sachs Platz für die InitialeRausgespart hat,
fügen wir die nicht ausgeführte Initiale in [ ] hinzu.

2

Probleme der Transkription

2.1 Allgemeines
Die teilweise sehr flüchtige Schrift des Hans Sachs bietet Schwierigkeiten
verschiedener Art, die sich bei der Transkription nicht alle befriedigend lösen
las

46

d a ss t ä n d e b u c h∙ ba n di

sen. Die zahlreichen überzähligen oder fehlenden Grundstriche, die wir in den
Anmerkungen mit beckmesserischer Unnachsichtigkeit registrieren, erklären
sich ganz natürlich durch schnelles Schreiben und führen in der Regel, soweit
sie keine Unsicherheit in der Deutung von Flexiven verursachen, nicht zu
Verständnisschwierigkeiten. Sie treten oft im Zusammenhang mit Buchstaben wie
n,m,c,r, auche,o,uauf, d.h. bei Buchstaben, die selbst die Höhe eines
Grundstrichs nicht überschreiten. Bei nicht ganz selten auftretendem
überzähligem Grundstrich vorfund vor geschäftetemsist zu erwägen, ob es sich
vielleicht um einen speziellen Ansatz zu diesen Buchstaben handelt und somit
eher um eine graphische Eigentümlichkeit als um ein Schreibversehen. Für die
Behandlung tiefergreifender Probleme gelten folgende Regelungen:

2.2 Wiedergabe einzelner Buchstaben
2.2.1Majuskel und Minuskel sind oft nicht eindeutig gegeneinander
abzugrenzen. Die Entscheidung – vor allem beig, h, m,wundz– ist mitunter
schwer zu treffen. Am Versanfang steht überwiegend Majuskel, nicht
selten aber auch Minuskel. Im Abdruck setzen wir – von wenigen
begründeten Ausnahmen abgesehen – am Versanfang durchgehend Majuskel.
2.2.2MitFundfgeben wir im Abdruck zwei verschiedene Schreibformen
dieses Konsonanten in der Hs. wieder, die im großen und ganzen mit
Majuskel und Minuskel zusammenfallen.fsetzen wir für die Form, die
einem geschäftetensgleicht,Ffür eine ausladende, geschwungene
Buchstabenform. Das Vorkommen beider Formen innerhalb eines
Einzeltextes veranschaulicht z.B. Nr.3[D9]: ‘fuerst’3,0und
‘fúerst’3,1gegenüber ‘Fuerst’ und ‘Fuerstlich’3,8.
2.2.3Für die Wiedergabe verschiedeners-Formen musste eine besondere
Regelung getroffen werden. Im Inlaut und im absoluten Auslaut folgt Hans
Sachs der normalen Regel, d.h. er schreibt im Inlaut geschäftetess, im
absoluten Auslaut rundess. Deshalb können beide im Abdruck
ununterschieden alsswiedergegeben werden. Die wenigen vorkommenden
Abweichungen von der Regel werden in den Anmerkungen erläutert.
Dage

1

Beispiele werden hier und im Folgenden, da es sich um die Hs. handelt, mit der Nummer des
Einzeltextes in der Hs. (und mit Verszahl) angegeben. Zum leichteren Auffinden in der nach dem
Druck organisierten Ausgabe wird die entsprechende Nummer im Druck mit dem Hinweis [D +

Nummer] hinzugefügt.

3 ∙ ed i t i o n s p r i n z i p i e n

47

gen verwendet Hans Sachs im absoluten Anlaut ohne feste Regel ein stark
geschwungenes, verhältnismäßig großes rundessoder geschäftetess. Da
somit im Anlaut eine Konkurrenz zwischen diesen beiden Formen
vorliegt, unterscheiden wir sie in diesem Fall, indem wir geschwungenes
rundessrecte, geschäftetesskursiv wiedergeben.
2.2.4Einige Vokalbuchstaben lassen sich gelegentlich kaum voneinander
unterscheiden. Das gilt vor allem fürounde, manchmal auch fürounda.
2.2.5Beim Wort ‘das’ (nhd. Pronomen ‘das’ und Subjunktion ‘dass’) ist der
Vokalbuchstabeaoft stark reduziert und kaum zu erkennen. In diesen
Fällen geben wir ihn kursiv wieder.
2.2.6Ein spezielles Problem stellt die Schreibung des Vokals im Wort bzw.
Wortteil ‘zu’ (Präposition, erstes Zusammensetzungsglied, beim
Infinitiv) dar. Der Vokalbuchstabe ähnelt am ehesten einemv, lässt sich aber
vielleicht auch alseoderolesen. Wir geben ihn in diesen Fällen
durchgehend alsvwieder. Unterstützt wird diese Entscheidung zugunsten vonv
wohl auch durch die seltenere, deutlich lesbare alternative Schreibung
‘zw’, die wir unverändert beibehalten.

2.3 Vereinfachende Schreibungen und Kürzel in der Hs.
2.3.1In Auslautposition verwendet Hans Sachs mehrfach vereinfachende
Schreibungen. So schreibt erhim Auslaut häufig in einer vereinfachten,
abgekürzten Form, die einem nach rechts, seltener nach links
schwingenden Abbrechungsstrich ähnelt. Da man in diesen Fällen immer deutlich
erkennen kann, dass der Buchstabehgemeint ist, wird diese Sonderform
nicht eigens markiert.
2.3.2Ein besonderes Problem stellen die oft stark vereinfacht geschriebenen
und abgekürzten Formen von -enim Auslaut dar. Bei auslautendem -en
wird dasn, wenn es wegen Verkürzung nicht sicher zu lesen ist,
kursiviert, z.B. ‘thirannen’2,5[D8]; ‘weisen’6,3[D2]; ‘Bebstlichen’6,8[D2];
‘armen’7,6[D3]; ‘wúnden’12,3[D51]; ‘hailen’12,3[D51]; ‘staren’12,5
[D51]. Die Buchstabeneundnkönnen derart zu einer Einheit
verschmelzen, dass beide Buchstaben nicht mehr klar gegeneinander
abzugrenzen sind; in diesen Fällen werden beide Buchstaben kursiviert,
z.B. ‘súnden’8,5[D4]; ‘Appodecken’11,1[D12]; ‘schmecken’11,2[D12];
‘stechen’12,5[D51]; ‘leschen’12,6[D51]. Die Lesungen sind durchaus
diskutabel.

48

d a ss t ä n d e b u c h∙ ba n di

2.3.3Eigentliche Kürzel verwendet Hans Sachs nur in ganz seltenen Fällen. Sie
werden hier aufgelöst, und die betreffenden Buchstaben werden
kursiviert und in einer Anmerkung notiert.

2.4 Zusammen- und Getrenntschreibung
Bei der Entscheidung über Zusammen- und Getrenntschreibung folgen wir
nach bestem Vermögen der Hs., wobei Einzelfälle durchaus strittig sein
können. Unsere Entscheidung, die auf der Beurteilung der Lücke beruht, steht
vielleicht gelegentlich im Widerspruch zu Hans Sachs’ eigener Auffassung. So
kann z.B. das Vorkommen von geschäftetemsim Auslaut des ersten Elements
von ‘las kopff ’79,8[D68], in ‘das art’80,2[D62] und ‘Peis zangen’80,3[D62] –
alle kurz hintereinander auf Bl.50v – dafür sprechen, dass Hans Sachs in
diesen Fällen trotz der Lücke nicht an Getrenntschreibung dachte. Hätte er ‘las’,
‘das’ und ‘Peis’ als selbständige Elemente aufgefasst, wäre nach seiner
Schreibregel im Auslaut rundesszu erwarten.

2.5 Superskripte
Es lassen sich mit einiger Sicherheit drei Formen von Superskripten erkennen:
bogenförmiges Zeichen, das aber kaum zu einem Kreis geschlossen ist;
akutartiger Schrägstrich; tremaartige Pünktchen oder Striche. Da der Übergang
zwischen den beiden ersten Formen fließend und kein funktionaler Unterschied
festzustellen ist, verzichten wir in der Transkription auf eine Unterscheidung
und geben beide Formen mit Akut wieder. Die dritte Form wird mit Trema
wiedergegeben.

Die Superskripte stehen gelegentlich übero, häufig überu(selten überw,
ausnahmsweise überv,wo diese fürustehen). Sie haben in allen drei
beschriebenen Formen zwei verschiedene Funktionen und sind entweder
Umlautmar2
kierung oder Vokalindex.

2

Vgl. zur kontrovers geführten Diskussion über die Superskripte bei Hans Sachs Drescher1898, S.
VII, Michels1892, S.355f. und Michels1901, S.48f. Michels erkennt Superskript überuprinzipiell
nicht als Umlautmarkierung an. Goetze interpretiert dagegen Superskript überuin weitem
Umfang – und vielleicht zu unkritisch – als Umlautmarkierung und gibt es in seinem Abdruck der
Hs. als umlautmarkierendes Trema wieder, sobald Superskript überhaupt Umlaut markieren
kann; vgl. hierzu auch Goetze in Keller/Goetze Bd.26,1908, S.33-35.

3 ∙ ed i t i o n s p r i n z i p i e n

49

2.5.1Überosind die Superskripte immer als Umlautmarkierung zu deuten
und zwar
1mhd. kurzes. fürö, z.B. ‘wöll’115,19[D115]; ‘sóll’115,20[D115],
2mhd. langes. fürö(oe), z.B. ‘[R]ómisch’1,1[D7]; ‘dróstn’7,4[D3]; ‘schón’
19,8[D106]; ‘frólikeit’20,8[D105]; ‘pósen’115,23[D115].
Daneben stehen Fälle mit unmarkiertem Umlaut:
1mhd. kurzes. fürö, z.B. ‘kostlich’20,4[D105] und36,3[D26]; ‘Dolpischer’
112,6[D114],
2. fürmhd. langesö(oe), z.B. ‘romisch’1,4[D7] und2,0[D8]; ‘frolich’113,6
[D113].

2.5.2Überu(auch in der Verbindungue) lassen sich die Superskripte teilweise
als Umlautmarkierung deuten, sind aber vermutlich in vielen Fällen als
gewohnheitsmäßig geschriebener Vokalindex aufzufassen.

Mögliche Umlautmarkierung:
1mhd. kurzes. fürü, z.B. ‘Kúnstner’0,3; ‘kúng’2,0[D8]; ‘kúnglich’2,1[D8];
‘fúerst’3,1[D9] im Reim auf ‘dúerst’3,2; ‘fúergestelt’8,2[D4]; ‘kúnsten’
3
115,3[D115]; ‘kúnstner’115,9[D115],
2mhd.. fürüe, z.B. ‘Múesen’14,6[D38]; ‘schwermútikeit’18,2[D107]; ‘gmúet’
18,7[D107]; ‘grúne’114,4[D70]; ‘múe’115,18[D115]; ‘penúegen’115,20[D115].

Oft ist dieser Umlaut jedoch nicht mit Superskript markiert:
1mhd. kurzes. fürü, z.B. ‘fuersten’1,2[D7]; ‘fuerst’3,0[D9] und3,8;
‘vursichting’6,3[D2]; ‘fuerpild’115,5[D115],
2. fürmhd.üe, z.B. ‘vber sues’16,6[D100]; ‘suesem’20,1[D105]; ‘sues’46,2
[D43]; ‘gruen’53,2[D60]; ‘mussig’115,15[D115].

Superskript, das sich nur als Vokalindex, nicht als Umlautmarkierung deuten
lässt:
1. überufür mhd. kurzesu, oft zur Leseerleichterung in Verbindung mit
Nasalbuchstaben, z.B. ‘finsternús’9,2[D13] im Reim auf ‘astronj mús’9,1; ‘sún’
9,3[D13]; ‘gesünd’10,7[D11] im Reim auf ‘erfúnd’10,8; ‘húndert’115,2
[D115]; ‘darúmb’115,21[D115], aber auffallend häufig auch in der
lateinischen Endung -us, z.B. ‘Jüliús’1,7[D7]; ‘Romúlús’2,8[D8]; ‘pawlús’8,8
[D4]; ‘Astronimús’9,0[D13]; ‘Milesiús’9,8[D13]; ‘Danaús’15,8[D96],

50

d a ss t ä n d e b u c h∙ ba n di

2. überuim mhd. Diphthonguo, z.B. ‘rúmb’1,6[D7]; ‘gúet’2,1[D8] im Reim
auf ‘thúet’2,2; ‘plúetfannen’2,6[D8]; ‘yrrtúmb’5,3[D1]; ‘pistúm’7,1[D3];
‘reichtúmb’110,3[D111]; ‘wúecher’110,6[D111]; ‘gúet’115,6[D115];
‘reichtúm’115,25[D115],
3. überuals druckschwachem Teil eines Diphthongs, z.B. ‘raúber’3,6[D9];
‘aüsprechen’12,6[D51]; ‘aüf’13,4[D44]; ‘geneús’13,8[D44]; ‘zaún’113,3
[D113],
4. überwfüruals druckschwacher Teil in den nhd. Diphthongeneuundau,
z.B. ‘stew´ er64,8[D82]; ‘schlew´ fstain’82,1[D84]; ‘rew´ sisch’88,4[D34] und
‘law¨g’83,3[D53]; ‘saw´ r’105,2[D42],
5. übervfüruim mhd. Diphthonguo‘.B.e´vhff,zschmid’68,1[D72].

Prinzipien für die Aufnahme von Unterschieden zwischen
der Ausgabe von Keller/Goetze und unserer Transkription
der Handschrift (KG-Apparat)

Der mit KG bezeichnete Apparat unter der Transkription der Hs. bezieht sich
auf den von E. Goetze verantworteten Abdruck der Hs. des“Ständebuchs” in
Bd.23der Hans-Sachs-Ausgabe von Keller/Goetze. Der Apparat verzeichnet
nach der Angabe der Position des betreffenden Einzeltextes in Goetzes
Ausgabe alle Stellen, an denen sich der Text in seiner Ausgabe von unserer
Transkription unterscheidet. Allerdings sind folgende Unterschiede, die auf
Goetzes Normalisierung und auf seiner editorischen Regulierung beruhen, nicht
aufgenommen:

1. GoetzesNormalisierung vonv/Vzuu/Uund vonjzuifür Vokal und
umgekehrt vonuzuvfür Konsonant.
2. GoetzesRegulierung von Groß- und Kleinschreibung: Großschreibung
am Anfang der Überschriften, am Versanfang und bei Eigennamen, sonst
Kleinschreibung.
3Interpunktion.. Goetzes

3

Übervfür mhd.üz.B. in ‘Kv´nstlich’97,4[D91].

3 ∙ ed i t i o n s p r i n z i p i e n

51

Berücksichtigung von Goetzes Trema

Mit Trema kennzeichnet Goetze die Fälle, wo er Superskript der Hs. als
Umlautmarkierung interpretiert. Bei Superskript überubemüht Goetze sich
darum, umlautmarkierendes Superskript gegen Superskript als Vokalindex
abzugrenzen, und gibt nur umlautmarkierendes Superskript wieder, und zwar
als Trema. Da Goetzes Formen mit Trema somit nur eine Auswahl aus den hsl.
Formen mit Superskript repräsentieren, notieren wir im Apparat alle Fälle, wo
Goetze das Superskript als Umlautmarkierung interpretiert.
Gelegentlich druckt Goetze auch Trema, wo es nicht in einem Superskript
4
der Hs. begründet ist.Auch diese Fälle sind in unserem Apparat notiert.
Dagegen sehen wir von den Fällen ab, wo das von Goetze gesetzte Trema
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nicht dem von ihm selbst gewählten Prinzip entspricht.

Berücksichtigung von Goetzes Emendationen und Konjekturen

Goetzes Emendationen und Konjekturen sind in seiner Ausgabe nicht im Text
selbst als solche kenntlich gemacht, sondern müssen aus den Angaben in
seinem Apparat erschlossen werden.

Zwei Typen sind zu unterscheiden:
1. Emendationenund Konjekturen, die allein auf seiner Beurteilung des hsl.
Wortlauts ohne Einbeziehung des Drucks von1568beruhen. In diesem Fall
teilt er die als fehlerhaft beurteilte Lesart der Hs. im Apparat mit dem
Hinweis S (= Spruchgedichtbuch) mit. Wir kommentieren Emendationen
und Konjekturen dieses ersten Typs mit “Emendation” und “Konjektur”.
2. Emendationenund Konjekturen, die auf Goetzes Vergleich der Hs. mit
dem Wortlaut des Drucks von1568beruhen. In diesem Fall teilt er die
bevorzugte Lesart des Drucks im Apparat mit dem Hinweis E (= Einzeldruck)
mit und gibt anschließend die verworfene Lesart der Hs. wieder. Wir
kommentieren Emendationen und Konjekturen dieses zweiten Typs mit
“Emendation nach E” und “Konjektur nach E”.

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z.B. ‘Römisch’2,1[D8]; ‘köstlich’12,2[D51]; mehrfach beim Ölmacher in Nr.48[D98]: ‘öll’48,1;
‘paumöl, nuesöl’48,3; ‘Leinöll, hanfföl, loröl’48,4; ‘öll’48,7; ‘müssig’115,15[D115].
z.B. ‘aüszueg’24,4[D14]; ‘Aüsport’74,4[D66]; ‘gheüs’96,5[D57]; ‘faül’107,8[D6].

d a ss t ä n d e b u c h∙ ba n di

Faksimile und
Transkriptionen

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[Vorrede des Hans Sachs]

Hie nach werden gezaiget an
Oberste vnd auch vnterthan
Kúnstner vnd auch der hantwercks mon
2
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kg(271,1) 3 Künstner. hantwercksmon. 4 zu.

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Diese Vorrede steht nur in der Hs., nicht im Druck.
Wvielleicht durch Korrektur hergestellt.

d a ss t ä n d e b u c h∙ ba n di

[39v]

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