Fra Angelico

-

German, Middle High (ca.1050-1500)
256 pages
Lire un extrait
Obtenez un accès à la bibliothèque pour le consulter en ligne
En savoir plus

Description

Der Maler Fra Angelico hat als einer der ersten die von dem italienischen Künstler, Gelehrten und Humanisten Leon Battista Alberti propagierte Technik der Perspektive angewandt. Seine Methode der Darstellung der Bewegung und sein Einsatz von Farbe und Gesichtsausdruck, um Anmut und Gefühl zu betonen, ordnen ihn in die Reihe der wichtigsten Maler der Frührenaissance ein. Mit Hilfe einer Reihe großartiger Illustrationen und einer künstlerischen und biographischen Untersuchung enthüllt Stephan Beissel das Talent dieses außergewöhnlichen Künstlers, der als Einziger wusste, wie man ,,die christliche Seele“ malt. Vom französischen Schriftsteller und Politiker André Malraux wurde er als einziger Künstler angesehen, der die Grenze zwischen der sakralen Kunst des Mittelalters und der neuen Kunst der Renaissance markiert.

Sujets

Informations

Publié par
Date de parution 08 mai 2012
Nombre de lectures 0
EAN13 9781781603970
Langue German, Middle High (ca.1050-1500)
Poids de l'ouvrage 87 Mo

Informations légales : prix de location à la page 0,0025€. Cette information est donnée uniquement à titre indicatif conformément à la législation en vigueur.

Signaler un problème
FRA ANGELICO
Etienne Beissel
Autor: Stephan Beissel
Layout: Baseline Co Ltd 127129A Nguyen Hue rd Fiditourist 3 Floor District 1, Ho Chi Minh City Vietnam
© Parkstone Press International, New York, USA © Confidential Concepts, Worldwide, USA
Weltweit alle Rechte vorbehalten. Soweit nicht anders vermerkt, gehört das Copyright der Arbeiten den jeweiligen Fotografen. Trotz intensiver Nachforschungen war es aber nicht in jedem Fall möglich, die Eigentumsrechte festzustellen. Gegebenenfalls bitten wir um Benachrichtigung.
ISBN: 9781781603970
Anmerkung des Herausgebers Aus Respekt vor der einzigartigen Arbeit des Autors wurde der Text nicht aktualisiert, was die Änderungen bezüglich der Zuschreibungen und Datierungen der Werke betrifft, die bisher unsicher waren und es in manchen Fällen immer noch sind.
Fra Angelico
Inhaltsverzeichnis
Vorbildung und erste Werke für Cortona und Perugia 6 Aufenthalt und Wirken in Fiesole 32 Aufenthalt in Florenz – Wandmalereien in San Marco 70 Äußere Einflüsse 126 Die Bilder des Gerichts und ihr Verhältnis zu Dantes Dichtungen 144 Die Marienbilder des Fra Angelico 166 Arbeiten in Rom und Orvieto 208 Letzte Lebensjahre und Tod 238 Bibliographie 248 Anmerkungen 250 Liste der Künstler 253 Liste der Abbildungen 254
Vorbildung und erste Werke für Cortona und Perugia
u Beginn des 15. Jahrhunderts herrschte im Dominikanerkloster des toskanischen Fiesole ein überaus reges geistiges Leben. Giovanni di Z Dominikus Bacchini (bis 1419), der später Erzbischof von Hagusa und auch Kardinal war, hatte es 1406 gegründet, um die frühere, vom hl. Dominikus im Orden eingeführte Strenge wieder herzustellen. Die Mitglieder seiner reformierten Häuser sollten sowohl durch Predigt und Wissenschaft als auch durch die Kunst das Seelenheil ihrer Mitbrüder fördern. Aus Venedig verbannt, kam er 1399 nach Città di Castello bei Arezzo. Von dort aus wurde er nach Florenz berufen, um während des Advents und während der Fastenzeit im Dom zu predigen. Ser Lapo Mazzei berichtete über eine der ersten dieser Predigten an einen seiner Freunde:
„Ich war in Santa Liparata (dem Dom), in dem ein Bruder über das arme Leben des hl. Dominikus predigen sollte und auch wirklich predigte. Und ich sage Euch, weder solch eine Rede habe ich bisher gehört, noch solch einen Vortrag. Alle weinten oder standen stumm vor Staunen beim Anhören der klaren Wahrheit. Er spricht von der heiligen Menschwerdung Gottes in einer Weise, dass er die Seelen 1 aus dem lebendigen Leibe herauszieht und alle Welt ihm nachläuft.“
Die Sitten in der Stadt besserten sich allmählich, und Dominikus’ Einfluss stieg von Tag zu Tag. Der Bischof von Fiesole schenkte ihm 1405 einen Bauplatz für ein Kloster und eine Kirche, so dass mit den Bauarbeiten umgehend begonnen werden konnte. Bereits ein Jahr später bezog der eifrige Ordensmann mit dreizehn Gleichgesinnten den neuen Konvent und zahlreiche weitere junge, talentierte Leute meldeten sich zur Aufnahme. Bereits im Jahre 1405 hatte sich der damals erst 16Jährige Antonin, der spätere Bischof von Florenz (bis 1459), bei Dominikus vorgestellt. Auf die Frage, was er studiere, hatte der Jüngling sich als Freund des Kirchenrechts bekannt. Er erhielt zur Antwort: „Wir nehmen nur solche Schüler des Kirchenrechts in unseren Orden auf, die das ganze Dekretum auswendig können. Geh also, mein Sohn, und erlerne es. Dann kannst du getrost zu uns 2 kommen.“ Er ging, kehrte zurück und bestand die Prüfung. Dominikus gab ihm das Ordenskleid und sandte ihn nach Cortona, wo der selige Lorenzo von Ripafratta seit etwa 3 1403 das Noviziat des reformierten Zweiges des Ordens leitete.
An die Pforte des Klosters von Fiesole klopften im Jahr 1408 zwei Brüder und baten um Aufnahme. Der ältere, Guido (Guidolino), zählte 21, der jüngere erst 18 Jahre, ihr Vater Pietro lebte in einer kleinen Ortschaft beim Schloss Vicchio, zwischen Dicomano und Borgo San Lorenzo in der toskanischen Provinz Mugello, unweit des Geburtsortes des
1.Engel der Verkündigung, 1450-1455.
Tempera und Gold auf Holztafel, 33 x 27 cm. The Detroit Institute of Arts, Detroit.
2.Die Verkündigung(dargestellt in einer
historischen Initiale „R”, Detail aus einem
Messbuch), um 1423.
Biblioteca del convento di San Marco, Florenz.
7
8
Vorbildung und erste Werke für Cortona und Perugia
3.SimoneMartini,Maestà(Detail), 1317. Fresko. Sala del Mappamondo, Palazzo Pubblico, Siena.
4.DucciodiBuoninsegna,Maestà(Detail). Tempera auf Holztafel, 370 x 450 cm. Museo dell’Opera del Duomo, Siena.
Malers und Architekten Giotto di Bondone (um 1266 bis 1337) gelegen. Auch an sie wird die Frage ergangen sein, was sie gelernt hätten, auch sie wird man für ein Kloster der reformierten Dominikaner erst als tauglich erachtet haben, nachdem sie ihr Talent bewiesen hatten. Der ältere erwies sich als ein tüchtiger Maler, der jüngere als begabter Schreiber. Dominikus befand sich damals nicht mehr in Fiesole, weil er 1406 im Auftrag der Republik Florenz eine Sendung nach Rom übernommen hatte. In der Ewigen Stadt schloss er sich enger an Papst Gregor XII. an, von dem er am 12. Mai 1409 zum Kardinal ernannt wurde. Sein Stellvertreter in Fiesole nahm die beiden Bittsteller freundlich auf, gab ihnen das Ordenskleid und nannte den älteren Fra Giovanni, (Giovanni del Mugello) den jüngeren Bruder aber Fra Benedetto (Benedetto del Mugello). Dann sandte er sie ins Noviziat von Cortona, wo sie sich ein Jahr lang vor allem im Gebet und in strenger Buße üben sollten. Für dieses Noviziat und die ganze Geistesrichtung des Fra Giovanni (Angelico) ist ein Ausspruch Dominikus’ bezeichnend:
„Den möchte ich (noch) nicht einen guten Novizen nennen, welcher stets mit niedergeschlagenen Augen einhergeht, eine lange Reihe von Psalmen hersagt, nie beim Gesang im Chor fehlt, das Stillschweigen beobachtet, den Frieden (mit den Mitbrüdern) liebt, gern in der Zelle bleibt, die Geißelung öfter vornimmt, häufiges Fasten übt, den Verkehr mit den Weltleuten gänzlich meidet und allen übrigen Übungen der Askese obliegt, die von den Anfängern für die Heiligkeit selbst gehalten werden. Nein, sondern dem allein gebe ich das Zeugnis eines guten Novizen, der vollkommen den rechtmäßigen Willen seiner Vorgesetzten nach Kräften erfüllt.“
Rösler bemerkt hierzu:
„Gänzliche Losschälung von der Welt und von sich selbst bis zur tiefsten Demut, genaue Erfüllung der Regelvorschriften, tatkräftige Liebe zu Gott und zum Nächsten unter beständigem Hinblick auf das Vorbild Jesu, lebhaftes Verlangen nach der Vereinigung mit Christus, das sind die Grundpfeiler des 4 vollkommenen Lebens nach Dominikus.“
Diesen Grundsätzen entsprechend wurden Fra Giovanni del Mugello und sein Bruder angehalten, in Selbstbeherrschung und aus Liebe zu Christus nach höheren Idealen zu streben. Dass alles das, was er im Noviziat lernte, ihm für sein ganzes Leben Richtschnur blieb, dass er also diese erste Schule klösterlicher Erziehung mit Erfolg absolvierte, beweist sein ganzes späteres Wirken. Wie selbst den ehrwürdigen Greis noch die kindliche Einfalt eines Novizen zierte, erhellt eine hübsche, uns von Giorgio Vasari (1511 bis 1574), dem Maler, Baumeister und Kunstschriftsteller, belegte Anekdote:
Papst Nikolaus V. (1397 bis 1455) schätzte den Fra Giovanni sehr. Einst fand er ihn bei der Arbeit erschöpft und bot ihm darum zur Stärkung eine Fleischspeise an. Das geschah
9
10
5.Die Krönung der Jungfrau, um 1420.
Tempera auf Holztafel, 28,3 x 38,4 cm.
The Cleveland Museum of Art, Cleveland.