O'Keeffe

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Am Zeitraum zwischen Geburt und Tod der Georgia O’Keeffe (1887-1986) streift die gesamte moderne Geschichte der Vereinigten Staaten vorbei wie ein Hollywood-Film. Aus einer kleinen Stadt stammend, schafft sich Georgia O’Keeffe erst in New York einen Namen; jenes New York, das Mitte des 20. Jahrhunderts Paris als Welthauptstadt der Kunst ablöst. Sie wurde vor allem durch ihre komplexen Naturbeschreibungen wie beispielsweise der Zartheit eines Herbstblattes, den subtilen Nuancen einer Blüte oder der Symmetrie eines Tierschädels bekannt. Heute assoziiert man Georgia O’Keeffe mit kraftvollen Farben und der wilden Schönheit der Wüste Neu Mexikos, wo sie bis zu ihrem Tod im Jahr 1986 gelebt hat.
Das vorliegende Ebook zeichnet den Lebensweg der modernen Frau Georgia O’Keeffe sowie ihre Art und Weise, Kunst zu schaffen, nach und betrachtet nicht zuletzt ihr Erbe für die Nachwelt. Es hebt auch die Aspekte der Weiblichkeit und des Schaffens hervor.

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Date de parution 15 septembre 2015
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EAN13 9781783106424
Langue German, Middle High (ca.1050-1500)

Informations légales : prix de location à la page 0,0025 €. Cette information est donnée uniquement à titre indicatif conformément à la législation en vigueur.

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Umschlagillustration (vorne)
Belladonna – Häna, 1939.
Öl auf Leinwand, 92 x 76,2 cm, Privatsammlung.

Autor: Janet Souter
Übersetzung: Karin Py

Design: Baseline Co. Ltd,
61A-63A Vo Van Tan St.
4. Etage
Distrikt 3, Ho Chi Minh City, Vietnam

© Confidential concepts, Worldwide, USA
© Parkstone Press USA, New York
© O’Keeffe Estate / Artists Rights Society, New York, USA
© Alfred Stieglitz Estate / Artists Rights Society, New York, USA

ISBN: 978-1-78310-642-4

Weltweit alle Rechte vorbehalten
Soweit nicht anders vermerkt, gehört das Copyright der Arbeiten den jeweiligen Fotografen. Trotz
intensiver Nachforschungen war es aber nicht in jedem Fall möglich, die Eigentumsrechte
festzustellen. Gegebenenfalls bitten wir um Benachrichtigung.Janet Souter



Georgia O’Keeffe





I N H A L T S V E R Z E I C H N I S


EINLEITUNG
1887-1907
Frühe Jahre: Die Persönlichkeit der Georgia O’keeffe
1907-1916
Der Kampf um ihre Vision in der Welt der Modernen Kunst
1916-1924
Ich Habe der Welt eine Frau Gegeben“
1925-1937
Die Stieglitz-Jahre: Galerien, Ausstellungen, Aufträge
1938-1949
Georgia erlangt Anerkennung als eigenständige Künstlerin
1949-1973
Die Jahre in New Mexico
1973-1986
Die große alte Dame der Kunst
Biographie
Bibliographie
Index
AnmerkungenPorträt Georgia O’Keeffes.



E I N L E I T U N G


Georgia O’Keeffe spricht uns mit ihrer Begabung an, das kleinste Detail einer Blume oder die
Unendlichkeit der Landschaft im Südwesten der Vereinigten Staaten zu sehen und zu bewundern. Je
mehr sie ihre Isolation kultivierte, desto mehr zog sie den Rest der Welt an. Was verleiht ihrem
Vermächtnis auch heute noch diese Kraft? Die Menschen erkennen Blumen, Knochen, Gebäude. Aber
was in ihren Bildern lehrt uns überhaupt das Sehen? Wir spazieren über den Strand oder wandern auf
einem Fußpfad und bemerken kaum eine zarte Muschel oder die feinen Farben eines glatt gespülten
Kieselsteins und treten ihn achtlos beiseite. Auf unserem Weg durch die Wüste schützen wir unsere
Augen vor den Sonnenstrahlen, zwinkern und übersehen den einsamen Totenschädel, der uns an ein
lange vergangenes Leben erinnert. Georgia interessierte sich für all diese Dinge und, mehr noch, sie
lenkte unser Augenmerk darauf und zwang uns, sie kennen zu lernen. Sie platzierte sie in einen
Kontext, der unsere Vorstellungskraft stimulierte. Die über dem Wüstenhorizont schwebenden
Überreste eines Elchschädels oder der auf die harten Umrisse eines New Yorker Wolkenkratzers
herabblickende Mond entführen uns für eine kurze Zeit in eine andere Welt.
Ihre Abstraktionen sagen uns, dass das Widerspiel von horizontalen und vertikalen Formen,
konzentrischen Kreisen, geschwungenen und diagonalen Linien, also Bildern, die im Geist existieren,
auch im Leben vorkommt und wahrgenommen werden sollte. Georgia O’Keeffe spürte dies bereits zu
Beginn dieses Jahrhunderts als Kunststudentin, als sie die Bilder anderer Menschen oder Gipstorsos
kopierte.
Mit ihrem eigenen Lebensentwurf zeigte sie den Frauen, dass es möglich war, das Beste in sich zu
suchen und zu finden, etwas, das heute wesentlich leichter ist als zur Zeit ihrer Jugend. Ihre späteren
Jahre können jenen von uns als Rollenmodell dienen, die der Meinung sind, dass das Leben nach
sechzig ein einziger Abstieg sei. Bis in ihr zehntes Lebensjahrzehnt hinein fand sie trotz ihrer
nachlassenden Sehkraft immer noch Möglichkeiten, auszudrücken, was sie sah und was sie
begeisterte.
Wir sehen uns ihre Arbeiten an und sprechen über sie, aber selbst Georgia hatte Schwierigkeiten,
ihre Gedanken in Worte zu fassen. Ihre Ideen sind auf der Leinwand zu sehen. Was wir in diesem
Buch tun können, ist, ihre Entwicklung, ihre Einflüsse und ihr Streben nach immer neuen
Erfahrungen nachzuzeichnen.
Wir können diese Entdeckungen nicht mit Georgia O’Keeffe besprechen. Diese Zeiten sind
vorüber. Aber wenn wir uns umsehen, können wir erfahren, dass sie immer noch mit uns spricht.
Ihre Werke sind heute noch so hell, frisch und ergreifend wie vor fast einhundert Jahren. Warum?
Weil die in ihrer Ausführung einfachen Bilder ein Gefühl der Ordnung vermitteln, ein Gefühl, dass
sie gut geplant sind, trotz ihrer Stabilität aber gleichzeitig ein Vehikel sind, uns dabei zu helfen, die
Zerbrechlichkeit einer Blume, die Nacktheit eines ausgeblichenen Schädels und die Elektrizität eines
Sonnenuntergangs im Westen zu sehen und zu erforschen.Trauben auf weißem Tisch – dunkler Rahmen, 1920.
Öl auf Leinwand, 22,9 x 25,4 cm,
Sammlung Mrs. und Mr. J. Carrington Wolley, Santa Fe.



1887-1907
FRÜHE JAHRE: DIE PERSÖNLICHKEIT DER GEORGIA
O’KEEFFE


Georgia Totto O’Keeffe wurde am 15. November 1887 auf einer Farm in der Nähe des Dorfes Sun
Prairie, Wisconsin, als erste Tochter und zweites Kind von Francis und Ida Totto O’Keeffe geboren.
Ihr Bruder, Francis jr., war etwa eineinhalb Jahre älter. Schon als Kleinstkind verfügte Georgia über
eine Wahrnehmung des Lichts, der Dunkelheit und der Helligkeit sowie das Auge des Künstlers für
Details. Ihre erste Erinnerung stammt aus ihrer frühesten Kindheit: Sie erinnert sich, dass sie auf dem
Rasen vor dem Haus der Familie auf einer Decke und ihre Mutter auf einer langen Bank an einem
Tisch saß, und am Tischende stand eine Freundin der Familie, Tante Winnie genannt. Georgia erinnert
sich an Winnies goldenes Haar und ihr aus einem dünnen weißen Stoff bestehendes Kleid. Jahre
später, als sie ihrer Mutter von dieser Erinnerung erzählte, sagte diese, dass Georgia zu dieser Zeit
etwa neun Monate alt war.
Georgias erste Jahre verliefen ungewöhnlich ereignislos. Sie verbrachte ihre Kindheit und Jugend
auf der großen Farm der Familie in der Nähe von Sun Prairie, einem hügeligen Gebiet mit vielen
Farmen. Im Frühjahr wuchsen an beiden Seiten der staubigen Straßen Wildblumen; an warmen
Sommerabenden war das laute Singen der Zikaden zu hören; im Herbst ernteten die Frauen unter
einem Baldachin aus Blättern in den Gärten das Gemüse und im Winter erfreuten sich die Kinder an
Schlittenfahrten über die schneebedeckten Felder.
Auf Georgia folgten in rascher Reihenfolge fünf weitere Kinder: Ida, Anita, Alexius, Catherine
und Claudia. Abends und an regnerischen Tagen las Ida O’Keeffe, die von der Bedeutung der Bildung
überzeugt war, ihren Kindern aus Büchern wie James Fenimore Coopers oder Geschichten aus dem
Westen vor. Georgias Mutter selbst hatte den größten Teil ihrer Kindheit auf einer Farm neben demO’Keeffe-Anwesen verbracht. Als ihr Vater George die Familie verließ, um in seine Heimat Ungarn
zurückzukehren, ging Idas Mutter Isabel mit den Kindern nach Madison, Wisconsin, um ihren
Kindern den Besuch einer regelmäßigen Schule zu ermöglichen. Ida hatte vielfältige intellektuelle
Interessen und wollte als junges Mädchen Ärztin werden. Als sie auf die zwanzig zuging, besuchte sie
in Madison jedoch regelmäßig Francis O’Keeffe, der sich an das hübsche Mädchen von der
benachbarten Farm erinnerte und schließlich um ihre Hand anhielt. Isabel überzeugte Ida, dass Francis
O’Keeffe ehrgeizig und zuverlässig sei, zwei für einen Ehemann ungemein wichtige Eigenschaften.
Ida mochte Francis, obwohl es in seiner Familie zahlreiche Fälle von Tuberkulose gegeben hatte und
viele Leute andere Menschen mieden, wenn in deren Familien viele Angehörige an dieser Krankheit
gestorben waren. Ida war auch wenig begeistert von einer Rückkehr nach Sun Prairie mit seinem
kaum vorhandenen kulturellen Leben. Sie hörte aber auf ihre Mutter, begrub ihre Ambitionen und
wurde am 19. Februar 1884 Mrs. Francis O’Keeffe. In den folgenden Jahren gab es kaum eine Zeit, in
der Ida nicht schwanger war oder Kinder stillte. Ihr Ehemann arbeitete zwar hart und sie hatten ein
großes Haus, aber sie war dennoch nur eine Farmersfrau mit einer frühzeitig abgebrochenen
Ausbildung. Für ihre Kinder erstrebte sie mehr und klammerte sich während der nächsten Jahre an
ihre Überzeugung, dass ihre Kinder die gesellschaftliche Leiter nicht noch weiter hinunterfallen
würden, wenn sie kulturelles Leben und eine ausgewogene Ausbildung erhalten könnten. Sie hielt es
auch für äußerst wichtig, dass ihre Töchter sich die erforderlichen Fähigkeiten aneigneten, um sich
notfalls ihren eigenen Lebensunterhalt verdienen zu können.
Ida hatte bei der Erziehung ihrer Kinder Hilfe, da ihre verwitwete Tante Jennie seit der Geburt des
ersten Kindes bei der Familie lebte. Dies ermöglichte es Ida, sich um ihre eigene Bildung zu
kümmern, ihre Familie in Madison zu besuchen und gelegentlich in die Oper in Milwaukee zu gehen.
Georgia spürte schon seit früher Kindheit, dass ihre Mutter den Bruder Francis Jr. und ihre mehr
aus sich herausgehende Schwester Ida bevorzugte. Dies könnte der Grund dafür gewesen sein, dass
Georgia ihrem als attraktiv empfundenen Vater näher stand. Er hatte immer eine große Tüte
Süßigkeiten für seine Kinder bei sich und liebte es, auf seiner Fiedel irische Lieder zu spielen. Wenn
es ein Problem gab, ließ er sich nicht aus der Ruhe bringen, und wie die meisten Kinder fühlte
Georgia sich zu dem Elternteil hingezogen, das wegen kleiner Missgeschicke kein großes Aufhebens
machte. Ida, stets auf Ordnung und Status bedacht, überwachte das Leben ihrer Kinder streng und
erlaubte ihnen nur selten, bei anderen Kindern zu spielen, da sie fürchtete, sie könnten sich
unerwünschte Verhaltensweisen aneignen oder sich mit den in der Gegend grassierenden Krankheiten
anstecken.
Georgia ging neun Jahre lang in die in der Nähe gelegene, im Rathaus untergebrachte Schule mit
ihrem einzigen Klassenraum. Die dünne, dunkelhaarige Georgia mit den wachen braunen Augen war
— wahrscheinlich wegen der Bedeutung, die ihre Mutter der Bildung beimaß — bei Lehrern und
Nachbarn als ein kluges, wissbegieriges Mädchen bekannt. Mit einem für Kinder typischen Interesse
an Katastrophen fragte sie einmal einen Lehrer: „Wenn der Lake Montana ansteigen und über seine
Ufer treten würde, wie viele Menschen würden ertrinken?“
Als älteste Tochter einer Familie mit sieben Kindern ging Georgia in der Unruhe eines großen
Haushalts ein wenig unter. Dies verschaffte ihr den Freiraum für einsame, unbeobachtete Spiele, in
denen sie mit ihren Puppen „Familien“ bildete. Einmal stellte sie dafür einen ‘Vater’ her, indem sie
für eine ihrer weiblichen Puppen Hosen nähte. Sie war jedoch mit dem Ergebnis, weil sie auch die
langen blonden Locken nicht abschneiden konnte und ihre Flickarbeiten zu sehen sein würden, höchst
unzufrieden. Außerdem war die männliche Puppe immer noch dick und entsprach nicht dem Ideal
eines attraktiven, großen und schlanken Mannes.
Das erste von Georgia gemalte Bild, an das sie sich erinnern kann, war eine Zeichnung von einem
liegenden Mann mit seinen Füßen in der Luft. „Er war etwa fünf Zentimeter groß“, berichtet sie in
ihrer Autobiographie, „sorgfältig mit schwarzem Bleistift umrissen — eine dadurch sehr dunkel
gemachte Linie, so dass ich den Bleistift mit meinem Mund anfeuchtete und sehr fest auf eine
hellbraune Papiertüte drückte.“
Man kann sich das kleine, über seine Arbeit gebeugte Mädchen gut vorstellen, bemüht, den sich
hinüberbeugenden Mann zu zeichnen, wie es dabei mit dem Kopf und den Körperteilen des Mannes
ringt und sich dabei fragt, warum Hüfte und Knie sich nicht an der richtigen Stelle beugen. Georgia
schrieb, dass sie, nachdem sie diesen Mann gemalt hatte, das Bild herumdrehte und voller Freude
feststellte, dass es nun eine gelungene Darstellung eines auf dem Rücken liegenden Mannes mit
seinen Füßen über seinem Kopf war. Sie war immer der Meinung, niemals zuvor oder danach wiederso hart gearbeitet zu haben.
Auf Grund ihres Bestrebens, ihren Kindern so viele Bildungsmöglichkeiten wie möglich zu
verschaffen, schrieb Ida ihre Töchter während deren Grundschulzeit in Zeichen- und Malkurse in Sun
Prairie ein. Zuerst malten sie Bilder von Würfeln und Kugeln, um sich die Grundlagen der
Perspektive anzueignen. Im darauf folgenden Jahr belegten sie Malkurse an Samstagen, in denen sie
sich ein Bild aussuchen durften, das sie kopieren wollten. Georgia erinnert sich nur an zwei — eines
von Pharaos Pferden und eines von großen roten Rosen. „Es war der Beginn mit Wasserfarbe“,
schrieb sie später. Georgia besuchte die Schule mit ihrem einzigen Klassenraum bis zur achten
Klasse. Als 13-jährige unterhielt sie sich mit der Tochter einer Wäscherin darüber, was sie werden
wollten, wenn sie erwachsen sein würden. Georgia erinnert sich, dass sie, fast ohne nachzudenken,
gesagt habe: „Ich werde eine Künstlerin sein.“ Zu dieser Zeit war dies für Georgia gleich bedeutend
mit Porträtmalerei, da sie kaum Kontakt mit anderen Kunstgattungen gehabt hatte. Im späten 19. und
frühen 20. Jahrhundert gab es für Frauen, die nach einem Beruf suchten, nur wenige Alternativen.
Georgia wusste, dass sie als Lehrerin, Krankenschwester, Näherin, Gouvernante, Köchin oder
Hausmädchen arbeiten konnte. Wenn sie ehrgeizig war oder aus einer Oberklassenfamilie stammte
und die Ausbildung bezahlen konnte, eröffnete sich vielleicht auch die Option, Ärztin oder Juristin zu
werden. Angesichts des technologischen Fortschritts konnte sie sich auch zur Schreibkraft oder
Telefonistin ausbilden lassen. In der Kunstwelt befassten sich Frauen, die eine öffentliche
Kunstschule besucht hatten, mit Tapeten, Lehrtätigkeiten oder der angewandten Kunst. Für die
meisten Frauen jedoch stellte das Kunststudium lediglich eine Notlösung auf dem Weg zum
eigentlich Ziel — der Heirat — dar.
Georgia begann ihre High School-Jahre an der Sacred Heart Academy, einem
Dominikanerinnenkonvent in der Nähe von Madison. Für ihr zweites Jahr wurden sie und Francis jr.
zur Madison High School geschickt und lebten bei ihrer Tante in der Stadt. Die Kunstlehrerin der
Schule, eine zierliche, eine Haube mit künstlichen Veilchen tragende Frau, verschaffte Georgia ihre
ersten Einsichten in die Geheimnisse und Details der Arazeen. O’Keeffe schreibt in ihrer
Autobiographie:

Ich hatte schon viele Arazeen gesehen, aber dies ist das erste Mal, dass ich mich daran
erinnern kann, eine Blume untersucht zu haben … Ich ärgerte mich ein wenig darüber,
dass mich das interessierte, weil ich die Lehrerin nicht mochte … Aber vielleicht hat sie
als erste dafür gesorgt, dass ich mir die Dinge ansehe – und sorgfältig auf Details
achte.[1]

Im Jahr 1902 zog Francis O’Keeffe mit seiner Familie nach Williamsburg, Virginia, da er hoffte,
dass das dortige wärmere Klima seinen angeschlagenen Gesundheitszustand wieder herstellen würde.
Im Laufe der Jahre waren sowohl seine Brüder als auch sein Vater an Tuberkulose gestorben, und
Francis hoffte, diesem Schicksal in einer Gegend mit weniger strengen Wintern entgehen zu können.
Angezogen von Broschüren, die mildes Wetter und annehmbare Bodenpreise versprachen, ging er
also nach Osten. Für Georgia bedeutete dies einen weiteren Schulwechsel. Während der nächsten
zwei Jahre besuchte sie das Chatham Episcopal Institute, ein etwa dreihundert Kilometer entfernt
gelegenes Internat. Im Gegensatz zu anderen Kindern, die eine solche Veränderung als traumatisch
empfunden haben würden, schien Georgia nicht unter den Regeln der Schule und ihrem strikten
Zeitplan zu leiden. Sie war in ihrer großen Familie das ruhige Kind, das leicht übersehen wurde und
die Fähigkeit besaß, sich selbst zu beschäftigen. In Chatham genoss sie lange Waldspaziergänge, auf
denen sie ihre Liebe zur Natur weiter entwickelte, die feinen Details der Pflanzen studierte und ihren
Blick über die Blue Ridge Mountains in der Ferne schweifen ließ.
Wenn es in Georgias Jugend eine Lehrerin mit großem Einfluss auf ihr Leben gegeben hat, dann
war dies Elizabeth May Willis, Chathams Direktorin und Kunstlehrerin. Sie akzeptierte Georgias
unregelmäßigen Arbeitsrhythmus und ließ sie selbst das Tempo bestimmen. Georgia gab Jahre später
zu, dass Willis manchmal von ihr enttäuscht gewesen sein muss, da sie sich als Teenager zuweilen
weigerte, zu arbeiten und häufig den Unterricht störte. Wenn Georgia sich jedoch in schöpferischer
Stimmung befand, konnte sie stundenlang vor der Staffelei stehen, um ein Bild zu vollenden, wobei
sie die anderen Schülerinnen beeindruckende Purpur-, Rot- und Grüntöne schuf. Wenn sich die
anderen Mädchen beschwerten, dass Georgia wegen ihres Verhaltens nie bestraft würde, antwortete
Willis, dass Georgia, wenn sie einmal arbeitete, an einem Tag mehr bewerkstelligte als die anderenSchülerinnen in einer ganzen Woche.[2] Eines der erhaltenen Bilder aus dieser Zeit ist ein Stillleben
mit dem einfachen Titel Ein Aquarell in recht dunklen grünen und ockerfarbigen Erdtönen. Der
Stil erinnert an den Impressionismus und dokumentiert Georgias gereifte zeichnerische Fähigkeiten
und ihren gelungenen Umgang mit Farbe, Licht und Schatten.
Hinsichtlich ihres Verhältnisses zu ihren Mitschülerinnen war Georgia sich bewusst, dass sie auf
die anderen, deren rüschenbesetzte Kleider und Koketterie sie ignorierte, ein wenig seltsam wirken
musste. Vielleicht trug sie die schwarze Kleidung, um gegen ihre Mutter, die ihre Tochter zu einer
feinen jungen Dame machen wollte, zu rebellieren. Da aber die Finanzsituation der Familie sich
verschlechtert hatte, ist es auch möglich, dass Ida schlicht nicht in der Lage war, ihre Tochter so wie
die anderen Mädchen zu kleiden. Georgias Mitschülerinnen mochten sie aber nichtsdestotrotz und
waren von ihrer künstlerischen Begabung beeindruckt. Obwohl sie ruhig und reserviert war, beteiligte
sie sich an schulischen Aktivitäten wie Basketball, Tennis, dem Deutschen Club sowie der
Studentinnenvereinigung Kappa Delta. Wenn sie sich öffnete, hatte sie große Freude an Streichen. So
befestigte sie einmal hinten an dem Kleid einer Lehrerin eine Schleife und zeichnete für das Jahrbuch
der Schule wenig schmeichelhafte Karikaturen der Lehrerinnen. Nachdem sie einigen der Mädchen
Poker beigebracht hatte, spielte sie dieses Spiel über mehrere Wochen hinweg. Auf Grund ihrer
Gleichgültigkeit gegenüber dem Lernen litten ihre schulischen Leistungen, und deswegen erlangte sie
im Juni 1905 nur knapp ihren Abschluss.
Der Süden der USA wies zu dieser Zeit noch Reste der Gesellschaftsordnung der Zeit vor dem
Bürgerkrieg auf. Die O’Keeffes galten als ein wenig ungewöhnlich, da sie keine farbigen
Bediensteten hatten, obwohl die Familie in einem großen Haus wohnte, das Francis nach dem
Verkauf der Farm in Sun Prairie voller Optimismus gekauft hatte. Obschon sein Lebensmittelgeschäft
wenig abwarf, gelang es Ida aber, den Schein zu wahren und mit ihrem feinen Benehmen Eingang in
die Gemeinschaft der Frauen zu finden. Sie bemühte sich allerdings ohne Erfolg, Georgia dazu zu
bewegen, sich mehr wie eine Dame aus den Südstaaten zu benehmen. Georgias schlichte Kleidung
und ihre langen, einsamen Spaziergänge zu früher Morgenstunde über die ländlichen Wege
entsprachen nicht den Vorbildern für eine aufblühende südstaatliche Schönheit. Georgia war auch
gleichgültig, was andere Menschen dachten, aber sie gehorchte ihrer Mutter um des lieben Friedens
willen überall da, wo es ihr möglich war und hielt sich ansonsten abseits.
Nach ihrem Abschluss in Chatham und ermutigt von ihrer Mutter und Elizabeth Willis, widmete
Georgia sich nun ernsthaft der Kunst und kehrte im Jahr 1905 in den Mittleren Westen zurück, um an
der Schule des Art Institute of Chicago zu studieren. Zu dieser Zeit war es für Mädchen noch recht
ungewöhnlich, eine Kunstschule zu besuchen. Die meisten Amerikaner waren noch puritanisch
geprägt und hielten es für eine Gefährdung der Moral der Frauen, sie auf eine Einrichtung zu
schicken, die nackte Modelle beschäftigte. Aber Georgia hatte Verwandte in Chicago, so dass sie in
gewisser Weise nicht unbeaufsichtigt war. Zwei ihrer Tanten und ein Onkel besaßen unweit der
Schule ein Haus, so dass sie zu Fuß zum Unterricht gehen konnte. Eines der wenigen erhaltenen
Bilder aus dieser Zeit trägt den Titel Meine Tante und zeigt eine andere Tante, Jennie Varnie, die bei
den O’Keeffes lebte und bei der Betreuung der Kinder half. Man kann sehen, dass Georgia schon zu
diesem frühen Zeitpunkt Zutrauen zu ihrer Fähigkeit hatte, das Wesen eines Menschen zu erfassen.
Schatten und Textur geben die müden Augen, den starken Mund und die Neigung des Kopfes wieder.
Die für junge Kunstschüler sonst typischen Hemmungen und Mühen beim Zeichnen der perfekten
Linie sieht man hier nicht.
Das Art Institute und seine Umgebung unterschieden sich sehr von der gewohnten grünen
hügeligen Landschaft und der frischen Landluft. Denn nun ging Georgia auf ihrem Weg von der
Wohnung ihrer Verwandten zu dem imposanten und von den berühmten Bronzelöwen flankierten
Eingang des Art Institute über belebte Straßen und atmete eine Luft voller Ruß und Rauch. Während
der ersten Monate fanden ihre Kurse, in denen sie Abgüsse von Händen und Torsos zeichnete, in der
großen Galerie statt, später skizzierte sie in ihren Anatomiekursen in tristen, olivgrünen Räumen im
Keller des Gebäudes. Sie wurde nun gewissermaßen dem menschlichen Körper ausgesetzt. Die
Geschichte, dass sie angesichts eines männlichen, nur mit einem kleinen Lendenschurz bekleideten
und hinter dem Vorhang des Umkleideraums hervortretenden Modells peinlich berührt war, ist häufig
erzählt worden.
Obwohl Georgia sich zu keiner Zeit dafür interessierte, den menschlichen Körper zu zeichnen oder
zu malen, hatte sie großen Respekt vor ihrem Anatomielehrer John Vanderpoel, einem klein
gewachsenen, buckligen Mann, der indes einer der wenigen Lehrer war, dessen zeichnerischeFähigkeiten großen Einfluss auf sie ausübten. Sie sah während seiner Vorlesungen fasziniert zu, wie
seine Hände sich geschickt über große Bögen hellbraunen Papiers bewegten, wobei er sich so hoch
streckte wie er nur konnte. Sein Buch The Human Figure (Die menschliche Gestalt) hielt sie
während ihrer gesamten Karriere in Ehren. Am Ende des Jahres verlieh er Georgias Zeichnungen
seinen Preis für den ersten Platz, und ihr Gesamtabschneiden wurde als „außergewöhnlich hoch“
eingestuft.
Georgia verbrachte den Sommer des Jahres 1906 im ländlichen Virginia, wo sie sich so heimisch
fühlte. Zur Enttäuschung ihres Vaters sorgte das feuchte, heiße Klima des Südstaaten-Sommers
jedoch für noch mehr gesundheitliche Probleme als die strengen Winter des Mittleren Westens.
Georgia infizierte sich mit Typhusfieber, unter dem sie die meiste Zeit dieses und einen Teil des
folgenden Jahres litt und das sie bleich, schwach und unter Haarausfall leidend zurückließ. Die
Kinder aus ihrer Familie und der Nachbarschaft leisteten ihr während ihrer Rekonvaleszenz
Gesellschaft, und sie revanchierte sich, indem sie nachmittägliche Spaziergänge veranstaltete, bei
denen ihr eine Parade junger Leute hüpfend über die Straße folgte. Nach einem Jahr in der Stadt und
ihrer Erfahrung eines kosmopolitischen Lebensstils verband sie noch weniger als vorher mit den
anderen jungen Frauen in ihrer Heimat.
Mittlerweile war Francis O’Keeffes Geschäft für Nahrungs- und Futtermittel so wenig rentabel
geworden, dass Ida keine andere Wahl hatte, als Untermieter aufzunehmen. Unterstützt von Georgias
jüngeren Schwestern und Tante Jennie, kochte sie nun einfache, aber reichliche Mahlzeiten für die
jungen College-Studenten, die einst Freunde von Georgias Bruder Francis Jr. gewesen waren und nun
als zahlende Gäste bei ihr logierten. Man kann sich vorstellen, wie schwierig dies für Georgias
Mutter, die verzweifelt den Schein zu wahren trachtete, gewesen sein muss. Nach ihrer langen
Krankheit schmiedete Georgia Pläne, in New York zu leben und die dortige Art Students League
School zu besuchen. Die Atmosphäre dieser hektischen Stadt unterschied sich extrem von dem von
ihr so geliebten ländlichen Raum, aber ihre Lebhaftigkeit spornte ihre Kreativität an und sie fand sich
unter Menschen wieder, mit denen sie lebenslange Freundschaften aufbauen konnte. Für eine junge
Frau wie Georgia, die bislang kaum jemals recht in ihr Umfeld gepasst hatte, muss dies eine
Offenbarung gewesen sein. Die Menschen interessierten sich für sie, und das erste Mal in ihrem Leben
wurde sie auch von Männern bemerkt, die ihre leuchtenden dunklen Augen und die Grübchen in ihren
Wangen attraktiv fanden. Die Studenten gaben ihr in Anspielung auf den Humor und die Fröhlichkeit,
die sie mit irischen Vornamen assoziierten, den Kosenamen „Pat“ oder „Patsy“. Georgia hatte großen
Gefallen an den Streichen, den Partys und New York mit seinen belebten Straßen, der sich aggressiv
wandelnden Frauenmode (die Rocksäume nun circa 15 cm über dem Boden und die Knöchel
enthüllend!) und den an die Stelle der von Pferden gezogenen Omnibusse tretenden elektrischen
Straßenbahnen.
Georgia genoss ihre Stillleben-Kurse mit dem gepflegten William Merritt Chase, einem der vielen
Lehrer, die sie während dieser Phase beeinflussten. Es wurde von den Studenten erwartet, dass sie
jeden Tag ein Stillleben malten, und einmal in der Woche versammelten sie sich in Chases Büro, um
ihre Arbeiten zu diskutieren. Obwohl Chase einen hohen Seidenhut, Anzug, Handschuhe und
Halbgamaschen sowie eine Brille an einer Kordel trug, mochte Georgia ihn und seine Energie. Er gab
seine Faszination an seine Studenten weiter, und Georgia liebte es, die als Vorlagen dienenden
Messing- und Kupfertöpfe, glänzenden Paprikaschoten und gemaserten Zwiebeln zu malen.
Wie schon am Art Institute mochte Georgia ihre Anatomiekurse nicht, die hier von Kenyon Cox
geleitet wurden, und fand seine Kritik beängstigend. Sie erinnerte sich jedoch an ihren Kommilitonen
Eugene Speicher, der sie anflehte, für ihn Modell zu stehen und sie einmal auf der Treppe anhielt und
sie am Weitergehen hinderte. Als sie sagte, dass sie nur in ihren Kurs wollte, machte er eine
Vorhersage, die er später häufig bereut haben muss. Georgia zufolge sagte er:

„… es kommt nicht darauf an, was du tust … Ich werde ein großer Maler werden, und du
wirst wahrscheinlich als Zeichenlehrerin in irgendeiner Mädchenschule enden.“

Obwohl Speicher sie gehen ließ, durfte er sie schließlich porträtieren. In ihren eigenen Worten:

„Ich ging die dunkle Halle hinunter in den Lebend-Kurs. Das Modell war zufällig ein sehr
abstoßender Mann, bei dem ich eine Gänsehaut bekam, also gab ich auf und ging zurück
zu Speicher.“ [3]
Sie stand ihm am folgenden Tag Modell und schon bald gesellten sich andere Studenten hinzu.
Kurz darauf kam ein Student herein und schlug vor, sich das Rodin-Bild in der Galerie 291
anzusehen, die dem bekannten Photographen und Unterstützer avantgardistischer Künstler Alfred
Stieglitz gehörte.Toter Kaninchen mit Kupferkessel, 1908.
Öl auf Leinwand, 48,2 x 56,7 cm,
The Art Students League, New York.



1907-1916
DER KAMPF UM IHRE VISION IN DER WELT DER
MODERNEN KUNST


Wegen ihrer Adresse an der Fifth Avenue wurde Stieglitz’ Galerie gemeinhin Galerie 291 genannt,
obwohl ihr richtiger Name Little Galleries of the Photo-Secession lautete. Stieglitz, ein Pionier der
künstlerischen Fotografie, war der erste, der erfolgreich mit Photographien unter widrigen
Bedingungen wie Regen, Schnee und Nachtdunkel experimentiert hatte. In den 1880er Jahren hatte er
in Berlin die Fotografie erlernt und sich dann nach einem kurzen Abstecher in die Photostichbranche
in den USA seinem Projekt zugewandt, die Fotografie als Kunstform zu etablieren. DerC amera
Club of New York, eine halbherzige Vereinigung traditionsverhafteter Photographen, hatte ihn, den
ehemaligen Gründer, ausgeschlossen; kurz darauf hatte er die Galerie 291 eröffnet. Seine
Ausstellung der Rodin-Zeichnungen war der Beginn einer neuen Orientierung in Richtung
avantgardistischer Zeichnungen und Gemälde. Die Horde Studenten, die an jenem verschneiten
Nachmittag in die 291 einfiel, unterschied sich nicht von den meisten anderen Studenten, die Spaß
daran hatten, andere Menschen wegen ihrer leidenschaftlichen Überzeugungen aufzuziehen. Sie waren
gekommen, um Stieglitz bezüglich der die Konventionen der Kunst durchbrechenden Europäer
herauszufordern: Cézanne, Matisse, Picasso, Rodin und andere. Sie fanden es amüsant, den
Galeriebesitzer zu ärgern, was ihnen auch gelang. Während der Wortwechsel zwischen Stieglitz und
den Studenten aufgeregter wurde und eine echte Auseinandersetzung drohte, stand Georgia in einer
Ecke und wartete, bis der Sturm vorüberging. Rodins Aquarelle mit ihren „gebogenen Linien und
Kratzern“, wie sie es damals nannte, beeindruckten sie zu diesem Zeitpunkt wenig. Als sie Jahre
später durch Stieglitz’ Nachlass ging, waren dies jedoch die Zeichnungen, die sie am meisten schätzte.
Georgia beendete ihr erstes Jahr in der League mit dem mit einhundert Dollar dotierten Preis für
das beste Stillleben, ihr Ölgemälde Totes Kaninchen mit Kupferkessel. Diese Auszeichnung führte zu
einer Einladung in die Sommerschule der League am Lake George im Staat New York. In diesemSommer malte Georgia, besuchte Tanzveranstaltungen und Partys und erregte die Aufmerksamkeit
von zwei jungen Männern aus ihrem Kurs. Es war die Art Sommer, an die man sich noch im hohen
Alter erinnert. Zwei junge Männer hatten um sie geworben, aber sie verbrachte ihre Zeit mit
demjenigen, der ihre Liebe zur Malerei und zur Natur teilte. Die beiden unterhielten zwar während
der nächsten Jahre eine Fernbeziehung — er sandte ihr Briefe aus dem Fernen Osten und aus Europa
—, aber sie sah ihn nie wieder. Als Georgia am Ende des Sommers nach Williamsburg zurückkehrte,
wurde ihr klar, dass Francis O’Keeffe sich in Schwierigkeiten befand. Fehlgeschlagene Investitionen
in Baumaterial und Immobilienspekulationen sowie eine hochtrabende, nie realisierte Geschäftsidee
zehrten die Finanzen der Familie auf. Sie sah, dass kein Geld mehr vorhanden war, um ihr die
Rückkehr an die Kunstschule zu ermöglichen. Ihre Schwestern mussten, um die Ausgaben zu senken,
aus ihren Internaten zurückkehren, damit ihr Bruder Alexius sein Studium an der Akademie des
William and Mary College fortsetzen konnte.Paul Cezanne, Äpfel und Orangen, 1898-1899.
Öl auf Leinwand, 74 x 93 cm,
Musée d’Orsay, Paris.P f l a u m e n, 1920.
Öl auf Leinwand, 22,9 x 30,5 cm,
Sammlung von Paul und Tina Schmind, Boston.Schlange und Eva.
Beistift, Aquarell und Gouachefarbe auf Papier, Musée Rodin, Paris.