245 pages
German, Middle High (ca.1050-1500)

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Pollock

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„Am Anfang die weiße Leinwand, leer, dann ein vorsichtiger Beginn, die Farbe ergießt sich aus dem Topf auf die weiße Fläche...“ Hans Namuth. Jackson Pollock wird 1912 in einem kleinen Dorf in Wyoming geboren. Er verkörpert alle sich um das entstehende Amerika rankenden Mythen, das sich mit der Realität des ausgehenden 19. und des beginnenden 20. Jahrhunderts, dessen Modernität alle Bezugspunkte zerstört, auseinandersetzt. Wie in einem Roman erobert Pollock New York und hat, dank des Federal Art Projekt, schnell Erfolg und einen guten Ruf. Nach dem Zweiten Weltkrieg wird er zum ersten großen Star der amerikanischen Malerei. Hofiert und umschmeichelt, wird Pollock, wie es De Kooning ausgedrückt hat, zum Symbol des „Eisbrechers“. Für Max Ernst und Masson war er ein Weggefährte der europäischen Surrealisten, für Motherwell ein Thronanwärter für den Meister der Amerikanischen Schule. Aber in der stürmischen Zeit des New York der 1950er und 60er Jahre verliert Pollock alle seine Bezugspunkte. Durch seinen zu schnellen Erfolg verfällt er dem Alkoholismus und zerstört seine Ehe mit Lee Krasner. Um seinen Mythos vollkommen zu machen, musste er, wie der andere Star dieser Epoche, James Dean, nach einem Saufgelage mit seinem Oldtimer tödlich verunglücken. Das vorliegende Ebook betrachtet Pollocks Persönlichkeit unter einem neuen Licht, dem seines Werkes, das ihn unbestritten zu einem Meister des abstrakten amerikanischen Expressionismus macht.

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Informations

Publié par
Date de parution 15 septembre 2015
Nombre de lectures 0
EAN13 9781783106431
Langue German, Middle High (ca.1050-1500)
Poids de l'ouvrage 4 Mo

Informations légales : prix de location à la page 0,0025€. Cette information est donnée uniquement à titre indicatif conformément à la législation en vigueur.

Text: Donald Wigal
Übersetzung: Dr. Martin Goch

Layout: Baseline Co. Ltd,
61A-63A Vo Van Tan St.
4. Etage
Distrikt 3, Ho Chi Minh City
Vietnam

© Parkstone Press USA, New York.
© Confidential Concepts, worldwide, USA.
© Pollock Estate / Artists Rights Society, New York, USA
© Daros Collection, Switzerland / Artists Rights Society, New York, USA, p. 196
© Barnett Newman / Artists Rights Society, New York, USA, p. 132
© Mark Rothko / Artists Rights Society, New York, USA, p. 235
© Ruth Kligman, p. 246
© Willem de Kooning Estate / Artists Right Society, New York, USA p. 235
© Adolph Gottlieg, Estate / Artists Rights Society, New York / ADAGP, Paris, p. 220
© Robert Motherwell Estate / Artists Rights Society, New York / ADAGP, Paris, p. 135
© Rudolph Burckard / Artists Rights Society, New York . ADAGP, Paris, pp. 242-244

Weltweit alle Rechte vorbehalten.
Soweit nicht anderes gesagt ist, liegt das Copyright der wiedergegebenen Arbeiten bei den jeweiligen
Photographen. Trotz intensiver Nachforschungen ist es aber nicht in jedem Fall möglich gewesen, die
Eigentumsrechte festzustellen. Wo dies der Fall ist, würden wir eine entsprechende Information
begrüßen.

ISBN : 978-1-78310-643-1
Donald Wigal



Jackson Pollock
Verschleierungen





D A N K S A G U N G E N


Der Autor dankt Ruth Kligman; Athos Zacharius; der Kunstabteilung der Smithsonian Institution;
Jerry Saltz, Kunstkritiker der Village Voice; dem Photographen Robin Holland; den Künstlern James
Cullina von ArtSleuth, Bob Stanley, Kathy Segall und Bill Rabinovitch; den Autoren Carmel
Reingold, James Robert Parish, George Sullivan, Susan Waggoner und William Kuhns; den Agenten
Stephany Evans, Elaina Zucker, Robert Markel; Barlow Hartman und Mercedes Ruehl; James Yohe
von Ameringer/Yohe/Fine Art; Tina Dickey, Herausgeberin des Catalogue Raisonné zu Hans
Hofmann; Maggie Seildon von der Jason McCoy Gallery; Cheryl Orlick von der Albright-Knox Art
Gallery; Bradley D. Cook vom Archiv der Indiana University; Jennifer Ickes vom New Orleans
Museum of Art; Isabella Dervaux, Kuratorin für moderne und zeitgenössische Kunst, National
Academy Museum; Verity Hawson, Lillian Kiesler, Cornelia Sontag, und Elaine de Sérésin von
Parkstone Press; für Unterstützung bei der Recherche Frank O’Donnell, Edie LaGuardia Hansen, Dr.
Mark Cooper und Gene Carney; Vera Haldy für die deutsche Übersetzung; Herbert Verbesey und
Gerard Sullivan für die lateinische Widmung; Antonio Bautista, Michael Morris; Cheryl Murray von
Entertainment Law Digest; ebenso Alternative Research für Online-Recherchen; Richard Taylor und
seinem Jackson Pollock-Zentrum an der University of Oregon.
Vielen Dank an Catherine O’Reilly für ihr Engagement, ihre Großzügigkeit und ihre gewissenhafte
und kenntnisreiche redaktionelle Tätigkeit an diesem und einem Dutzend weiterer Bücher während
der vergangenen 25 Jahre.
W I D M U N G
Ich widme dieses Buch jenen Kollegen, mit denen mich eine große Gemeinsamkeit verbindet. Sie
ermöglichten meine Arbeit während des vergangenen Jahres: Tom Brenn, Paul Cibrowski, Joe Clark,
Richard Csarny, Jim Cullina, Gene Carney, Jim DeVito, Joe Fagan, Bill Gannon, Brian Griffin, Bob
Higdon, John Kane, Mel Kubander, Joe LaSala, Joe Manzo, Joe Maurer, Charlie Miller, Bob
Moriarty, SM, Frank O’Donnell, SM, Andy Oravets, Frank Poliafico, Bob Schult, Bruce Segall, Rhett
Segall, John Spellman, Brian Trick, Herb Verbesey, Joe Wessling, Ken White, Jim Wolf. Gestas cum
sociis res meminisse juvat. (Es erfreut mich, mich an all die Dinge zu erinnern, die wir teilten).
Donald Wigal
Manhattan, 2005E I N F Ü H R U N G


Vorwort
Einleitung
Der Mythos des Künstler-Cowboys
Die Kämpfe der frühen Jahre: Energie sichtbar machen
Glänzende Jahre auf dem Gipfel: Kunst als Selbstentdeckung
Das Genie seiner Gesten: Einbeziehung der Kunst und anderer Menschen in die Selbstzerstörung
Anhänge
Bibliographie
Ausgewählte Literatur
Anmerkungen
IndexDer Autor hat sich bemüht, genau zu sein und Quellen anzugeben. Wie in anderen Büchern über
Pollock sind aber wahrscheinlich immer noch Fehler enthalten, besonders in der Chronologie sowie
den Titeln und der Datierung von Kunstwerken. Während der ersten etwa zwei Jahre nach Erscheinen
des Buches können Korrekturen in englischer Sprache bei donwigal@ix.netcom.com angefordert
werden.
A b k ü r z u n g e n
AOTC Art of This Century, Manhattan
AbEx Abstrakter Expressionosmus
Benton Thomas Hart Benton
Guggenheim Peggy Guggenheim
Krasner Lee Krasner
MoMA Museum of Modern Art, Manhattan
Pollock Jackson PollockV o r w o r t


Jeder der fünf Abschnitte dieses Buches ist einer Zeitspanne von mindestens zehn Jahren gewidmet.
Jeder der Unterabschnitte nennt zu Beginn einige historische Ereignisse, die zumindest indirekt
relevant für Pollock waren oder als Hintergrundinformation von Bedeutung sind. Die für das
jeweilige Jahr genannten Ereignisse werden nicht unbedingt in chronologischer Reihenfolge genannt,
so dass dieses Buch nicht als eine strikt chronologische Darstellung zu verstehen ist.
Obwohl bei der Abfassung dieses Buches mehr als 20 Pollock-Biographien gesichtet wurden, ist
das umfassende Werk von Naifeh und Smith gemeint, wenn von "Pollocks Biographen" die Rede ist.
Ebenso sind mit "de Koonings Biographen" stets Stevens und Swan und mit "Peggy Guggenheims
Biographin" immer Mary V. Dearborn gemeint.Untitled (Self-portrait) (Ohne Titel (Selbstporträt)), 1931-1935.
Öl auf Gips und Leinwand, auf Holzfaserplatte geklebt,
18,4 x 133 cm, The Pollock-Krasner Foundation, New York.

"Es ist für mich jetzt nur noch eine Frage der Zeit und der Arbeit, bis dieses Wissen ein Teil von mir
ist. Noch gut 70 Jahre und ich werde ein guter Künstler sein." (403)
– Im Alter von 20 Jahren


Einleitung


Vor etwa 50 Jahren starb der Künstler Jackson Pollock, doch lebt er in seinen Biographien und vor
allem in seinen Werken fort. Ein Großteil seines Genies kam darin zum Ausdruck, wie er das
Sichtbare verhüllte, während er das Unsichtbare enthüllte.
Ein Überblick über die wesentlichen Ereignisse in Pollocks Leben kann seine gepeinigte Seele
sowie sein außerordentliches Werk entfalten und gleichzeitig illustrieren, in welch turbulenten Zeiten
er lebte. Dieser Abriss bietet aber keine endgültige Erklärung seines Verhaltens oder seines Genies,
sondern soll mit dem Rest der Welt vor diesem Mann und seinem Werk stehen und von dem
Negativen verwirrt, von dem Positiven beeindruckt und der Ambiguitäten bewusst sein. Dabei wird
deutlich werden, dass Pollock, indem er sich und seine Kunst auf so einzigartige Weise verhüllte, in
paradoxer Weise viel von seinem inneren Leben preisgab, so dass wir in der Lage sind, seine
spirituelle Reise – wenn nicht gar einen Teil der universellen menschlichen Reise – besser zu
verstehen. Vieles in Pollocks Leben und ein großer Teil seiner radikal neuen Kunst erweisen sich als
mystisch und gleichzeitig profan, als hässlich und zugleich beeindruckend. Pollock scheint, wie seine
Kunst, zuweilen unschuldig und einfühlsam. Gleichzeitig jedoch wirken sein Leben und seine Kunst
rau, aggressiv und machohaft. Die Biographin Andrea Gabor nennt ihn “...brilliant und naiv, sanft und
agressiv, verletzlich und zerstörerisch” und kommentiert: “…nur wenige Künstler… schienen den
maskulinen Exzess dieser Zeit stärker zu personifizieren als Jackson Pollock, der zu einem Archetyp
der ungezügelten künstlerischen Vitalität wurde.” (427)
Die Phasen in Pollocks Leben und Kunst überlappen sich und bilden häufig Gegensatzpaare wie
Kind – Mann, Engel – Ungeheuer und Schöpfer – Zerstörer. Viele Menschen werden von dem, was in
seiner Kunst hässlich ist, auf Distanz gehalten, während sie gleichzeitig von dem, was in Pollocks
wilder Präsenz und seiner brillanten Leistung schön ist, angezogen werden. Gleichzeitig trieben
Pollock – oder trieb Pollock – seine selbstzerstörerischen Neigungen und seine Isolation vor 50
Jahren ironischerweise in seinen sehr öffentlichen Tod.
Mehrere interessante Aspekte von Pollocks Leben finden hier keine Beachtung, unter anderem
seine Beziehungen mit den Familien seiner Brüder, seine Vorliebe für Hunde, seine Begeisterung für
alte Autos etc. Das Ziel dieses Buches ist es, sein Werk in seinen historischen Kontext einzuordnen.
Was Pollock über The She-Wolf (Die Wölfin) sagte, gilt für sein gesamtes Werk: “…jeder Versuch
von mir, etwas über es zu sagen, eine Erklärung des Unerklärlichen zu versuchen, könnte es nur
zerstören.” Aber einige Menschen benötigen sicherlich eine gewisse Hilfe, um den Punkt zu
erreichen, an dem man die Kunst nur noch als Kunst erfährt.
Einige Anhänger von Pollocks Kunst mögen es vorziehen, nichts über sein turbulentes Leben zu
wissen. Der folgende biographische Abriss ist daher für jene gedacht, deren Kunstgenuss von solchem
Wissen profitiert. Es gibt ferner Kunstliebhaber, die eine wissenschaftliche Analyse von Kunstwerken
sinnvoll finden, während andere dies nicht tun. Für die Erstgenannten könnte Richard Taylor, ein
Physikprofessor an der University of Oregon, interessant sein. Seine faszinierenden Studien
beschäftigen sich mit dem “fraktalen Expressionismus” und den so genannten “chaotischen
Prozessen“ in der Kunst Pollocks. (107)
Abbildungen
Für viele Leser sind Reproduktionen nicht viel mehr als Postkarten, die sie an die Kunstwerke selbst
erinnern, für die es in der Tat keinen Ersatz gibt. Jemand hat vorgeschlagen, die ersten beidenAbbildungen in Originalgröße abzubilden, da diese Werke klein sind.
Es muss jedoch deutlich gemacht werden, dass die Abbildungen häufig nicht in einem
einheitlichen Maßstab zur Größe der Originalbilder wiedergegeben sind, so dass kleine und große
Werke hier etwa gleich groß erscheinen können. In einer Pollock-Biographie z.B. ist eine
Reproduktion von Guernica etwa ein Drittel so hoch wie Pollocks auf der gegenüberliegenden Seite
abgebildetes Birth (Geburt). Tatsächlich ist Picassos Bild aber drei Mal so hoch wie Birth.
Die Chronologie der hier wiedergegebenen Ereignisse entspricht der in Dutzenden vorliegender
Biographien, obwohl andere Fakten und vor allem die Reihenfolge, in der Pollocks Werke vollendet
wurden, sich unterscheiden mögen. Die Chronologie wird in diesem Buch generell gegenüber der
Entwicklung von Themen zurückgestellt.
Gemäldetitel
Nach den Titeln von Pollocks Gemälden gefragt, äußerte Lee Krasner, Pollock habe gewollt, dass die
Menschen “reine Gemälde” ansehen und nicht von Titeln abgelenkt werden. In einem Interview im
New Yorker vom August 1950 erklärte Pollock: “Ich habe mich entschlossen, nicht weiter zu der
Verwirrung [durch verbale Titel] beizutragen.” In der Folgezeit erhielten manche Werke nur
Nummern, andere aber durchaus verbale Titel und manche wiederum beides. Ein und dasselbe Werk
konnte in unterschiedlichen Ausstellungen mit unterschiedlichen Titeln erscheinen. Die alphabetische
Liste am Ende dieses Buches bezieht sich primär auf die Titel in den Ausstellungen. Vollständige
Informationen zu diesem Themenkomplex finden sich im vierbändigen Catalogue Raisonné of
Patintings, Drawings and Other Works, herausgegeben von Francis V. O’Connor und Eugene V.
Thaw und 1978 publiziert von der Yale University Press. Ein Supplement wurde 1995 von der
Pollock-Krasner Foundation herausgegeben.
Die Worte in den Titeln von Pollocks Werken haben häufig, wenn überhaupt, nur wenig mit den
Bildern zu tun. (Siehe weiter unten im Abschnitt über das Jahr 1943 die Bemerkungen zu Moby
Dick). Die Galeristin Betty Parsons fügte zu manchen Titeln den Buchstaben ‘A’ hinzu, was
vermutlich bedeuten soll, dass sie im genannten Jahr ausgestellt, aber nicht verkauft wurden. Sie
könnten jedoch nicht einmal in dem im Titel genannten Jahr gemalt worden sein. Spätere Titel sollten
Zahlen, Wörter und Kombinationen aus beiden enthalten, wobei Titel auch Daten enthielten und
manche wiederum nicht. Zudem implizieren weder die Zahlen noch die Daten eine chronologische
Reihenfolge. Der Anhang bietet jedoch eine Liste der in diesem Buch reproduzierten Bilder. Die Titel
sind chronologisch nach – wenn dieses bekannt ist – ihrem Entstehungsjahr oder dem im Titel
genannten Jahr angeordnet.
Ebenfalls unter den hier genannten Titeln zu finden sind die beiden Serien Sounds in the Grass
(Töne im Gras) und Accabonac Creek. Mehr als 50 Werke Pollocks tragen überhaupt keinen Namen,
aber einige von ihnen weisen in ihrem Titel eine Jahreszahl auf, während die anderen ein Jahr
zugewiesen bekommen.
Biographien
Im Gegensatz zu anderen Biographien verweist das vorliegende Buch gelegentlich auf fiktionale oder
poetische Werke über Pollocks reales Leben. Diese fiktionalen Texte sind weniger verlässlich als die
eigentlichen Biographien und zuweilen geradezu unerhört. Die einfallsreichsten dieser Werke, wie
etwa das Gedicht Jackson Pollock von Frank O’Hara oder der Film aus dem Jahr 2005
PollockSquared (PollockEingefangen) von Bill Rabinovitch, können jedoch Wahrheiten zum
Ausdruck bringen, wie es die reinen Tatsachen nur schwer können.
Derartige Fiktionen können auch hilfreiche Verbindungen zwischen bekannten Fakten herstellen.
Dieses Buch bemüht sich, anerkannte Tatsachen von Fiktionen zu unterscheiden. In der Bibliographie
sind die benutzten echten Biographien zu finden.
Historischer Kontext
Einige der hier wiedergegebenen Kommentare von Zeitgenossen Pollocks wirken heute nicht
besonders bemerkenswert. Man sollte sich jedoch vor Augen halten, dass sie Jahre bevor Pollocks
Leistung anerkannt war, geäußert wurden.Der Boden von Jackson Pollocks Atelier. Der Frühling, East Hampton, Long Island, 1998.

"Ich komme erst jetzt wieder in die Malerei hinein und das Zeug beginnt wirklich zu fließen.
Großartiges Gefühl, wenn es passiert." (426)
– Im Alter von 36 JahrenThe She-Wolf (Die Wölfin), 1943.
Öl, Gouache und Gips auf Leinwand, 106,4 x 170,2 cm,
The Museum of Modern Art, New York.B i r t h ( G e b u r t), 1938-1941.
Öl auf Leinwand, 116,4 x 55,1 cm, Tate Gallery, London.Untitled, (Scent) (Ohne Titel (Duft)), 1953-1955.
Öl auf Leinwand, 99 x 146 cm. Sammlung David Greffen, Los Angeles.


Einige dieser Aussagen waren geradezu prophetisch, da sie aus einer Zeit stammen, in der nur ihn
unterstützende Verwandte und ein kleiner Freundeskreis Pollocks Arbeiten kannten. Einige seiner
Zeitgenossen erkannten nicht nur sein Potenzial, sondern riskierten, indem sie ihn unterstützen, auch
ihre Reputation. Dies galt besonders für seine ebenfalls künstlerisch tätigen Brüder oder auch
Thomas Hart Benton, Lee Krasner, Howard Putzel, Peggy Guggenheim, Clement Greenberg und
James Johnson Sweeney. Die folgenden Seiten bieten ein kurzes Profil von jedem dieser
einflussreichen und für Pollock wichtigen Menschen.
Pollocks politische Philosophie
Dieser Überblick weist wie frühere Biographien, Filme, Theaterstücke und Kommentare über
Pollocks Leben und Werk wahrscheinlich dasselbe Muster auf, das der politische Kommentator
David Walsh im Drehbuch von Ed Harris’ Film Jackson Pollock identifiziert hat. Walsh bemerkt,
dass der Film “…eine Reihe biographischer Details ansammelt, ohne ihnen jemals einen tiefen Sinn
zu verleihen.” (297) Wie die vorliegende und andere Biographien kann der genannte Film die
Beurteilung jedoch dem Leser bzw. Betrachter überlassen.
Die meisten Biographen Pollocks bemühen sich in vorhersehbarer Weise, die persönlichen
psychologischen Ursachen für sein zerrüttetes Leben zu ergründen. Auch dieser Überblick befasst sich
mit Pollocks Alkoholismus, bezieht die Erkenntnisse von Psychiatern ein und präsentiert die
Ergebnisse von Studien wie jener des wegweisenden Pollockforschers Francis V. O’Connor. Auch
Walshs folgender Kommentar findet Berücksichtigung: “Ein verzweifeltes Verlangen nach
Anerkennung zwingt einen gewöhnlich dazu, etwas zu tun, das auffällt… Pollocks Verlangen nach
Anerkennung grenzte an das Psychopathische.“
Walsh betont jedoch, dass Pollocks Probleme und die des Abstrakten Expressionismus und der
amerikanischen Nachkriegsmalerei insgesamt zu einem großen Teil mit der dramatischen politischen
Situation um die Mitte des 20. Jahrhunderts zusammenhingen. Er verweist besonders auf die
Entstehung des Stalinismus in der Sowjetunion und kommunistischer Parteien in der ganzen Welt,
auf Trotzkis Opposition gegenüber dem Stalinismus und das tragische Schicksal der sozialistischen
Revolution, wie auch auf den konservativen Charakter der amerikanischen Nachkriegsgesellschaft.
(296)
Porträts
Kurze Profile von Schlüsselfiguren in Pollocks Leben helfen dabei, den Hintergrund und historischen
Kontext von Pollocks Leben zu illustrieren. Knappe Biographien der oben genannten Personen sowie
Bemerkungen über Willem de Kooning, Matta, Ruth Kligman und Frank O’Hara sind infolgedessen
über das Buch verteilt.
Künstlerische Phasen
Pollocks stilistische Phasen überlappten sich. Wie bei vielen Künstlern üblich, wurden seine frühen
Werke (d.h. bis etwa in das Jahr 1947 hinein) gelobt. Anschließend werteten die Kritiker sie wieder
ab, da die folgenden Arbeiten noch besser waren. In ganz ähnlicher Weise sieht man Werke nach einer
besonders erfolgreichen Periode (in Pollocks Fall etwa nach 1950) als weniger wertvoll an. Aber
selbst die weniger erfolgreichen Werke in Pollocks Oeuvre hätten ihm einen wichtigen Platz in der
Kunstgeschichte gesichert.
Pepe Karmel bemerkt: “…was auf Beobachter in den 1940er und 50er Jahren wie eine relativ
bruchlose Entwicklung gewirkt hatte, wurde nun in drei Phasen aufgespalten: die frühen Arbeiten, die
“klassischen drip paintings und das Spätwerk.” (Der Ausdruck drip wird hier nur in Zitaten
verwendet, da Pollock oder Krasner diesen Terminus nicht mochten. Er lässt sich kaum ins Deutsche
übersetzen, da er gleichzeitig die Tätigkeiten Tropfen, Gießen, Sprengen und Spachteln von Farbe
bezeichnet). Dieses Buch unterteilt Pollocks Leben, angelehnt an die drei von Karmel oben
angefügten Zyklen, in vier Abschnitte:
Der Mythos des Künstler-Cowboys
Die Kämpfe der frühen Jahre: Energie sichtbar machenGlänzende Jahre auf dem Gipfel: Kunst als Selbstentdeckung
Die Gesten eines Genies: Der Einbezug der Kunst und anderer Menschen in die
SelbstzerstörungReflection on the Big Dipper (Widerschein des Großen Bären), 1947.
Öl auf Leinwand, 111 x 92 cm, Stedelijk Museum, Amsterdam.

"Ja, der moderne Künstler arbeitet mit Raum und Zeit und drückt seine Gefühle eher aus, als dass er
sie illustriert." (406)
– Im Alter von 38 Jahren


Der Mythos des Künstler-Cowboys


“Im Jahr 1912 sank die Titanic. Picasso war erst 22 Jahre alt, aber seine Le Moulin de la
Galette und die fast zehn Jahre älteren Die beiden Schwestern wie auch sein aktueller
Harlekin waren bereits weithin bekannt.”
Geburt
Im Geburtsjahr Jackson Pollocks wurde der Demokrat Woodrow Wilson (1856-1924) Präsident der
Vereinigten Staaten. Aber vor allem die Politik seines ebenfalls demokratischen Nachfolgers Franklin
Delano Roosevelt (1882-1945) sollte großen Einfluss auf Pollock und die Kunstwelt ausüben.
Zufälligerweise waren sowohl Pollocks Geburts- als auch sein Todesjahr durch große Katastrophen
der Schifffahrt gekennzeichnet. Die Titanic sank 1912 auf ihrer Jungfernfahrt, während im Jahr 1956
die Andrea Doria sank. Der Untergang der Titanic war die wichtigste Nachricht des Jahres 1912. In
diesem Jahr wurden Arizona und New Mexico Bundesstaaten der USA. Die Ereignisse aus diesem
Jahr, die die größten Auswirkungen auf Pollock haben sollten, waren jedoch die Veröffentlichung
von C. G. Jungs Zur Psychoanalyse und die Popularität von Werken Picassos wie die des aus diesem
Jahr stammenden Bildes Die Violine.
Cody
Jackson Pollock wurde am 28. Januar 1912 auf der Watkins Ranch in Cody, Wyoming, geboren.
Cody liegt im Nordwesten dieses Bundesstaates, etwa 80 km vom Yellowstone Nationalpark
entfernt. Wyoming ist als der “Cowboystaat“ bekannt und gehörte zum legendären Wilden Westen.
Als Jacksons Eltern dorthin zogen, lebten in Cody etwa 500 Menschen. (334) Pollocks früheste
Erfahrungen fanden in einer Atmosphäre der Mythologisierung und Romantisierung des Alten
Westens statt. Jacksons Geburtsstadt wurde nur sechs Jahre, bevor die Familie Pollock dorthin zog,
von Colonel William “Buffalo Bill” Cody (1846-1917) gegründet, vermutlich der bekanntesten
historischen Figur aus dem gesamten Bundestaat. Dutzende Orte in dieser Gegend trugen seinen
Namen. Er war ein international bekannter Büffeljäger und Showman, ein Förderer – und sogar der
Schöpfer – einiger der legendärsten Symbole der “Wildwest-Kultur“. Cody schlachtete ohne jede Not
6570 Büffel ab, in einer Zeit, in der Tier- und Umweltschutz noch keine Rolle spielten. Zurzeit von
Jacksons Geburt näherte sich Buffalo Bill bereits dem Ende seines Lebens. Pollock sollte aber auf
eine eigentümliche Weise den Pioniergeist und den Mythos des legendären amerikanischen Cowboys
weitertragen. Obwohl Pollock nur seine ersten Lebensmonate in Cody verbrachte, ließ er manche
Menschen in dem Glauben, er habe bis zu seiner Ankunft in New York in dieser Westernstadt gelebt.
Die an Pollock erinnernde Figur in John Updikes von Pollock inspiriertem RomanS ucht mein
Angesicht aus dem Jahr 2002 “…erzählte den Leuten immer, dass er ein Cowboy gewesen sei, und es
war eine Lüge, aber sein Körper sah so aus.” (429)
Willem de Koonings Biographen bemerken, dass “…Pollocks Selbstzerstörung eine Art Größe
hatte, die viele in der Kunstwelt respektierten. Pollock schien eine wirklich amerikanische Figur zu
sein, ein authentischer Visionär, Cowboy und Alleingänger.” (189)
Fiktion
Der Titel von Updikes Roman spielt auf den Vers in Psalm 27 an: “Mein Herz denkt an dein Wort
‚Sucht mein Angesicht’. Dein Angesicht, Herr, will ich suchen.“ Der Psalmendichter, Updike und
auch Biographen wollen das Bild ihres Gegenstands enthüllen, obwohl sie wissen, dass das Bildletzten Endes ein Geheimnis bleiben wird. Aber gleichzeitig verhüllt Updike seinen Gegenstand –
Jackson Pollock – auch, allerdings recht durchsichtig. Einige der Namen im Roman etwa sind
offensichtliche Anspielungen, etwa Onna de Genoog alias Willem de Kooning oder Hackmann alias
Hofmann. Seamus O’Rourke ist fast ein Anagramm von Mark Rothko. Updikes Hauptfigur trägt den
Namen Zack McCoy. Dieser Name kombiniert die leicht abgewandelte Kurzform von Pollocks
Vornamen (Jack) mit dem Nachnamen seines Vaters (McCoy).
The Real McCoy
Offensichtlich wurde er nur von seiner Familie Jack genannt. (146) Er unterzeichnete aber
mindestens einen Brief mit “Jacks.” (384) Im Jahr 1930 legte Pollock seinen ersten Namen, Paul, ab.
Jahre später nannte seine Frau Lee Krasner ihn sogar in seiner Gegenwart nur “Pollock”. McCoy war
der Geburtsname von Jacksons Vater LeRoy. Nach dem Tod seiner Eltern im Jahr 1897 nahm sich
eine Familie namens Pollock des Vaters Jackson Pollocks an, die ihn zehn Tage vor seinem 21.
Geburtstag adoptierten. Er nahm dann den Namen Pollock an. Er bat zwar einen Anwalt, dafür zu
sorgen, dass er seinen Namen wieder in McCoy ändern konnte, aber das war zu kostspielig. (383)
Seltsamer als Dichtung
Während Biographien häufig keine Fiktionen berücksichtigen, gibt es Romane, Dramen und Filme
über Pollock, die, mit den üblichen Vorbehalten, dabei helfen, einige Löcher in den Pollock
verhüllenden Schleiern zu stopfen. Der Literaturkritiker des Time Magazine hielt Updikes Roman
Sucht mein Angesicht für “schön und weise”. (63)Composition with Pouring II (Komposition mit Gießverfahren II), 1943.
Öl auf Leinwand, 64,7 x 56,2 cm. Smithsonian Institution, Washington, DC.Male and Female (Mann und Frau), 1942.
Öl auf Leinwand, 184,4 x 124,5 cm, Philadelphia Museum of Art, Philadelphia.


Updikes Porträt Pollocks illustriert in der Tat nicht nur einige Details wesentlich plastischer als
die meisten ernsthaften Biographien, sondern kombiniert auch Tatsachen mit Gerüchten aus der
Sensationspresse über Pollocks Affären, Homosexualität und uneheliche Kinder. Viele
PollockAnhänger schenken dem Roman Glauben, sie mögen die sensationellen Schlagzeilen der
Regenbogenpresse und perpetuieren unnötigerweise gewisse Mythen. Andere meinen jedoch, es gebe
in der Realität “genug“ Gewalt, Schocks und Ausschweifungen, so dass Übertreibungen nicht
notwendig seien.
Es gibt einen weiteren Roman über Pollocks Leben, Top of the World, Ma! (Sieh mich an, Ma!)
von Michael Guinzburg. Dieser Roman präsentiert viele auch in Updikes Buch zu findenden
Episoden aus Pollocks Leben. (30) Der Titel bezieht sich auf einen Ausspruch des Schauspielers
James Cagney in dem Film Maschinenpistolen aus dem Jahr 1949. Er lautet im Original “Sieh mich
an, Ma! Auf dem Gipfel der Welt.“ Dieser Ausspruch wäre für Pollock auf dem Höhepunkt seiner
Karriere gegenüber seiner Mutter zweifellos angemessen gewesen.
Die Familie Pollock
Der 1912 geborene Jackson war der jüngste von fünf Söhnen seiner Eltern LeRoy McClure
(18761933) und Stella May (1875-1958). Seine Brüder waren Charles Cecil (1902-1988), Marvin Jay
(1904-1986), Frank Leslie (1907-1994) und Sanford “Sande” LeRoy (1909-1963). Jacksons Mutter
wollte, so erzählt seine Schwester Elizabeth, dass alle ihre fünf Söhne künstlerische Berufe ergriffen.
Sie hielt sie für “potenzielle Genies“. In einem Brief an Charles schrieb Sanford jedoch, dass er
glaube, dass die emotionalen Probleme ihres Bruders Jackson “...bis in seine Kindheit zurückgehen,
bis in seine Beziehung mit der Familie und unserer Mutter.” (145)
Die Informationen über die Familie Pollock und ihre Herkunft verraten Einiges über den jüngsten
Sohn, den “Cowboy”, der die Mythologie seiner Wurzeln kultivierte. Seine Cody und der
WesternKultur länger als Jackson ausgesetzten Brüder haben sich offenbar stärker von dieser Herkunft gelöst
und ihrer jeweils neuen Umgebung angepasst. Auf Grund des rebellischen Temperaments Jacksons
und seinem Bedürfnis nach Individualität ist es durchaus möglich, dass er nicht die Rolle eines
urbanen Cowboys angenommen hätte, wenn seine Brüder in ihr verhaftet geblieben wären.
Während seines gesamten Lebens erwähnte Pollock immer wieder, dass er in Cody aufgewachsen
sei. Tatsächlich verbrachte er jedoch weniger als seine ersten zehn Lebensmonate dort, bevor die
Familie nach National City in der Nähe von San Diego in Kalifornien zog. Dies war der erste von
mehreren Umzügen in Jacksons Jugendzeit. Schon nach nur acht Monaten in San Diego zog die
Familie weiter, denn im Jahr 1913 kaufte LeRoy im Alter von 37 Jahren eine Farm in Phoenix,
Arizona. Er verkaufte sie nur vier Jahre später und zog dann in das kalifornische Chico, wo er eine
andere Farm kaufte, die er wiederum verkaufte, um anschließend in Janesville ein Hotel zu erstehen.
Während seiner ersten zehn Lebensjahre lebte Pollock auf Grund der unsteten Lebensweise seines
Vaters in sechs verschiedenen Häusern in drei verschiedenen Bundesstaaten, doch wohnte die Familie
allein in Kalifornien in acht verschiedenen Orten.
Religion
Jacksons Eltern stammten ursprünglich aus Iowa, dem unmittelbar westlich von Jacksons
Geburtsstaat Wyoming gelegenen Bundesstaat. Sie hatten schottische bzw. irische Wurzeln und waren
Presbyterianer, während ihre Vorfahren zu den Quäkern gehörten, aber sie zwangen den Kindern kein
Bekenntnis auf. Offensichtlich konnte sich keiner seiner Brüder daran erinnern, ob Jackson getauft
wurde (Updike erinnert seine Leser daran, dass es bei den Quäkern keine Taufe gibt).
In einem Brief an Charles und Frank aus dem Jahr 1929 gesteht Jackson, er habe “...die Religion
fürs Erste aufgegeben“, obwohl er im Vorjahr stark von der Theosophie beeindruckt worden war.
Biblische Motive finden sich nur in wenigen Zeichnungen Pollocks und illustrieren in erster Linie
seine Studien an klassischen Künstlern wie etwa El Greco.
Die Tatsache, dass Jackson nicht getauft worden war, sollte anlässlich seiner Heirat ein Thema
werden. Er war es jedoch, der eine Heirat wollte und nicht seine Frau Lee Krasner. Lee war imjüdischen Glauben erzogen worden.
Pollock der Cowboy
Eine wesentlich zu dem Mythos des Cowboys Pollock beitragende Fotografie von Lee Ewing aus
dem Jahr 1927 ist die einzige, die Pollock in Cowboykluft zeigt. Es gibt aber auch Photos, die zeigen,
dass er gelegentlich sogar formelle Kleidung trug und wie ein Mitglied eines europäischen
Königshauses mit einem Spazierstock in der Hand posierte. Der Übersetzer einer deutschen
PollockBiographie kommentiert mit Verweis auf diese kuriosen Photos, dass der junge Mann zu dieser Zeit
“...dandyhafte Kleidung kultivierte”. (123)
Nach dem Abschluss der Dreharbeiten zu seinem Film Pollock bedauerte der Regisseur Ed Harris
- sein Kommentar findet sich auf der DVD-Ausgabe des Films -, dass das bekannte Cowboy-Photo in
dem Film nicht deutlicher gezeigt wurde. (45) Das Photo ist nur kurz zu sehen und zudem nur am
Rande einer Szene, die Pollocks Apartment an der Eighth Street im Greenwich Village in Manhattan
zeigt.
Vermutlich auf Grund der Bewunderung der Amerikaner für die Pioniere des amerikanischen
Westens und den Mythos des amerikanischen Cowboys wurde Pollock sein seltsames Verhalten
häufig nachgesehen. Die Toleranz erstreckte sich zuweilen sogar auf sein rücksichtsloses Autofahren
unter Alkoholeinfluss. Minuten, bevor er betrunken tödlich verunglückte, sollte ein Polizist - leider
für ein letztes Mal - gnädig über seinen Zustand hinwegsehen.Easter and the Totem (Ostern und das Totem), 1953.
Öl auf Leinwand, 208,6 x 147,3 cm, The Museum of Modern Art, New York.

"Kein Chaos, verdammt!" (413)
– Im Alter von 38 JahrenThe Flame (Die Flamme), 1934-1938.
Öl auf Leinwand, geklebt auf Holzfaserplatte,
51,1 x 76,2 cm, The Museum of Modern Art, New York.

"Ich fühle mich auf einer großen Fläche einfach wohler als auf etwas im Maß 2 * 2 [d.h. 2 * 2 Fuß];
ich fühle mich auf einer großen Fläche mehr zu Hause." (406)
– Im Alter von 38 Jahren


Wie einige der rauen Figuren aus Westerngeschichten pflegte Jackson einen häufig prahlerischen
und groben Wildwestgeist, vor allem in den Bars von Manhattan, während seine Kunst die
kultivierten Betrachter in den besten Museen der ganzen Welt in ihren Bann zog (290). Die Kunstwelt
sollte für immer durch Pollocks einzigartigen, wichtigen und unauslöschlichen Beitrag verändert
werden. Noch zu seinen Lebzeiten war Pollock ein wichtiger Orientierungspunkt geworden, da man
die moderne Kunst in die Phasen “vor“, “gleichzeitig mit“ oder “nach“ Pollock einzuteilen begann.
Sogar 50 Jahre nach Pollocks Tod ist dies immer noch so. In einer Kritik der ersten Ausstellung
der frühen Werke der italienischen Malerin Carla Accardi in Manhattan im Jahr 2005 bemerkt
Roberta Smith von der New York Times, dass unter den Werken eindrucksvolle Arbeiten aus der
Mitte der 1950er Jahre zu finden sind, deren Felder aus verstreuten und sich überlappenden Kreisen
und Zeichen in Weiß, Gelb und Schwarz “...wie eine kontrollierte Antwort auf die Arbeiten von
Jackson Pollock wirken”. (389)
Aber nicht alle Bezüge auf Pollock sind durch ein Verständnis seiner Arbeitsweise charakterisiert.
Während des Präsidentschaftswahlkampfs des Jahres 2004 sprach Daniel Okrent von der New York
Times von der seiner Ansicht nach unzulänglichen Berichterstattung der Zeitung über die Kampagne.
Er verglich ihr Chaos mit einem “…von Jackson Pollock adaptierten Muster“. Der Titel seines
Artikels lautete “Wie würde Jackson Pollock über diese Kampagne berichten? (378)
Politik in der Familie Pollock
Walsh zufolge war Pollocks Vater LeRoy ein Sozialist und so wurde auch sein Sohn ein solcher. Wie
Pollocks Biographen hervorheben, war LeRoy ein Anhänger sozialistischer Arbeiterführer und “…
feierte die Nachricht, dass die russischen Arbeiter die Kontrolle über ihre Regierung übernommen
hatten“. Zwei seiner fünf Söhne sollten in der Arbeiterbewegung aktiv werden und einer der
Kommunistischen Partei beitreten. Zwei andere wurden Künstler und waren politisch weniger stark
interessiert. (300)Frühe Schleier
Die Unterscheidung zwischen dem authentischen und dem fabrizierten Pollock begann schon zu
seinen Lebzeiten. Pollock selbst pflegte den Mythos, dass er ein ungehobelter Cowboy sei.
Das Land war sehr an Cowboy-Legenden interessiert. Die Popularität dieses Symbols kam in der
Alltagskultur mit ihren zahlreichen populären Western-Filmen und -Romanen und der Country- und
Western-Musik zum Ausdruck. Die meisten Amerikaner können ihr Bild vom Wilden Westen auf
Filme zurückführen, vor allem jene von John Ford (eigentlich Sean Aloysius O’Fearna, 1895-1973).
Etwa die Hälfte seines umfangreichen Werks gehört in die Kategorie Western. Laut seinem Freund
Ted Dragon sah Pollock sich gerne die wöchentlichen Western- oder Science Fiction-Filme an. Für
den Kinobesuch zahlte ihr wohlhabender Freund Alfonso Ossorio. (318) Der Regisseur eines
Großteils dieser Western dürfte Ford gewesen sein. Diese Filme prägten Pollocks Bild vom Westen
mindestens ebenso stark wie seine frühen Lebensjahre.
Das Western-Thema begegnete ihm sogar in der klassischen Musik, u.a. in Aaron Copelands
Ballettmusik aus den 1940er Jahren. Vor allem in diesen Jahren gab es mehrere Broadway-Musicals
über Western-Themen und in den 1950er Jahren zahlreiche einschlägige Fernsehsendungen, bei denen
es sich in der Regel nicht um Dokumentationen handelte und die nur wenig von der Realität des
Westens widerspiegelten.
Die östlichen oder urbanen Versionen des Cowboys entwickelten sich zu den rebellischen jungen
Männern der 50er Jahre, die Pollocks Persönlichkeit erheblich eher glichen. Sogar Malerkollegen
verglichen Pollock mit Marlon Brandos Figur Stanley Kowalski inE ndstation Sehnsucht.
Kommentatoren hielten es sogar für möglich, dass Pollock den Dramatiker zu dieser Figur inspiriert
haben könnte. Tennessee Williams und Pollock wurden im Jahr 1944 Freunde, d.h. einige Jahre vor
der Entstehung des Dramas. Benton malte 1948 ein Bild des ursprünglichen Theaterensembles.
Einige Kommentatoren erkennen in der physischen Erscheinung der Hauptfigur in Bentons Skizze für
die Pokerparty-Szene aus dem Stück die Züge des jungen Pollock. (224)
Im Jahr 1950 verbrachte Williams viel Zeit mit Pollock. Man sah ihn häufig auf seinem Fahrrad zu
Pollocks Haus in Springs fahren. Williams’ Drama Die tätowierte Rose und sein Roman Mrs. Stone
und ihr römischer Frühling, die beide von der Kritik gefeiert wurden, erschienen in jenem Jahr.

“Im Jar 1913 erschien Freuds Totem und Tabu. In Paris feierte Strawinskys Le Sacre du
Printemps Premiere. In Manhattan schockierte die revolutionäre Armory Show mit
wegweisenden Werken des Postimpressionismus und des Kubismus die Kunstwelt.”
Die Entstehung des Abstrakten Expressionismus
Während Pollocks Kindheit schienen Kulturschocks (z.B. Freud, Dada und Strawinsky) die Welt auf
ihn vorzubereiten. Ryder und andere Vorläufer starben im Jahr 1917. Pollock sollte sie später
bewundern, während andere Künstler, die ihn faszinieren sollten (z.B. Matisse und Picasso), in ihrer
Blüte standen. Dieses Jahrzehnt sah ferner die Veröffentlichung der grundlegenden Schriften der
jungianischen Psychologie, die den künftigen Künstler stark prägen sollte.Number 1 (Nummer 1), 1949, 1949.
Lack und Metallfarben auf Leinwand, 160 x 259,1 cm.
Museum of Contemporary Art, Los Angeles.
Sammlung Rita und Taft Schreiber.White Light (Weißes Licht), 1954.
Öl, Emailfarbe und Aluminiumfarbe auf Leinwand,
122,4 x 96,9 cm, The Museum of Modern Art, New York.


In diesem Jahr fanden mit der Armory Show in Manhattan der Postimpressionismus und der
Kubismus Eingang in die Kunstwelt. Der daraus resultierende Kulturschock bereitete den Boden für
die Wahrnehmung der großartigen Ergebnisse von Pollocks Kreativität, die aber noch einige Jahre auf
sich warten lassen sollten. Seine großen, an Wandgemälde erinnernden Gemälde sollten die
Kunstwahrnehmung in vergleichbarer Weise revolutionieren. Der Schock in den Galerien sollte
vergleichbar mit der Reaktion auf Strawinskys Le Sacre du Printemps sein.
Die bildenden Künste in Europa machten die Welt für eine ähnliche Revolution in der
Alltagskultur bereit. Die Überraschung bestand darin, dass das Eis in Amerika gebrochen wurde – und
zwar ausgerechnet von einem wie ein Cowboy wirkenden Rebellen.

“Im Jahr 1914 wurde Tennessee Williams geboren. 1915 zeigte Marcel Duchamp seine ersten
dadaistischen Gemälde. 1916 stellte Matisse (1860-1954) seine Die drei Schwestern aus. Im
Jahr 1917 publizierte C. G. Jung seine Psychologie des Unbewussten. Picasso erschuf für ein
Ballett surrealistische Objekte. Albert P. Ryder (geboren 1847), der eine Technik
ausholender Farbstriche mit dem Palettenmesser entwickelt hatte, starb. 1918 stellte Joan
Miró seine ersten Bilder aus. 1919 zeigten Hans Arp und Max Ernst Collagen. Arp erkundete
den Dadaismus mittels Skulpturen und “zufälligen” Formen. Ernst bemühte sich, das
Unterbewusste auszudrücken. Im Jahr 1920 erschien C. G. Jungs Psychologische Typen. In
Köln wurden die Besucher einer dadaistischen Ausstellung ermutigt, die Gemälde zu
zerstören. 1921 stellte Oskar Kokoschka expressionistische Gemälde aus. Der Jazz
beherrschte die amerikanische Alltagskultur.”
Die frühen Einflüsse
Im Jahr 1921 zog Jacksons Bruder Charles nach Los Angeles, um eine Stelle bei derL os Angeles
Times anzutreten. Er schrieb sich auch am Otis Art Institute ein und schickte Ausgaben des
Kunstmagazins The Dial nach Hause. Über 40 Jahre später dankte Sanford ihm auf seinem Totenbett
dafür. “Er sagte, sie bedeuteten ihm und Jack viel“, erinnerte sich Charles. (327) Später schickte
Charles auch American Mercury (1924-33), das umstrittene Literaturmagazin, das von Henry Louis
Mencken (1880-1956), einem Kolumnisten der Baltimore Sun, von 1906 bis zu seinem Tod
herausgegeben wurde. Diese Magazine machten den jungen Künstler mit den Ideen der Ostküste
bekannt. Sie enthielten u.a. Abbildungen zeitgenössischer europäischer Kunstwerke. Sein
lebenslanges Interesse an – manche Biographen sprechen sogar von einer Obsession mit – Pablo
Picasso (1881-1973) könnte hier seinen Ursprung haben.

“Im Jahr 1922 erschien in Paris James Joyces Ulysses. Exemplare, die in die USA gelangten,
wurden von der Post zerstört. 1923 endete die dadaistische Bewegung. Picasso zeigte
neoklassische, surrealistische und expressionistische Arbeiten. Die Prohibition in den USA
endete. Der K.K.K. hielt in Kokomo, Indiana, eine Versammlung ab, die von Benton in einem
Wandgemälde festgehalten wurde.”
Die frühe künstlerische Ausbildung
Im Jahr 1922 zog Jacksons Familie auf eine neue Farm in Orland, Kalifornien, im darauf folgenden
Jahr auf eine Farm in der Nähe von Phoenix. Jackson ging dort in die Monroe Elementary School,
blieb aber nur wenige Wochen. Er besuchte mit seinem Bruder zum ersten Mal Indianerreservate,
machte Bekanntschaft mit der indianischen Kultur und sah, wie die Indianer verschiedene Materialien
in ihre Bilder und andere Kunstwerke integrierten. Ihre Arbeiten waren typischerweise abstrakt oder
enthielten zumindest abstrakte Muster. Zudem arbeiteten sie auf flach auf dem Boden liegenden
Untergründen.
Achtzehn Jahre später besuchte Pollock eine Ausstellung über die indianische Kunst der
Vereinigten Staaten im Museum of Modern Art (in diesem Buch künftig MoMA abgekürzt), bei der