Tizian

-

German, Middle High (ca.1050-1500)
288 pages
Lire un extrait
Obtenez un accès à la bibliothèque pour le consulter en ligne
En savoir plus

Description

Dieses Buch bietet nicht nur eine kenntnis- und aufschlussreiche Einführung in das Werk eines der größten Maler der Menschheitsgeschichte. Es lädt uns vielmehr zur Entdeckung des faszinierenden Mikrokosmos der venezianischen Kunstwelt ein, in der Tizian lebte und arbeitete. Von seinen frühen Jahren in der Künstlerwerkstatt des Giovanni Bellini über sein Treffen mit Michelangelo bis hin zu seiner Rivalität mit Pordenone – die Geschichte von Tizians Werdegang erzählt auch die Geschichte der einflussreichsten geistigen und künstlerischen Strömung, die Italien je erfasst hat: der Renaissance.

Sujets

Informations

Publié par
Date de parution 24 octobre 2016
Nombre de lectures 0
EAN13 9781780428215
Langue German, Middle High (ca.1050-1500)
Poids de l'ouvrage 88 Mo

Informations légales : prix de location à la page 0,0025€. Cette information est donnée uniquement à titre indicatif conformément à la législation en vigueur.

Signaler un problème
TIZIAN
Sir Claude Phillips
Autor: Sir Claude Phillips Übersetzung: Dr. Martin Goch und Isabelle Weiss Redaktion der deutschen Ausgabe: Klaus H. Carl
Layout: BASELINE CO LTD 33 Ter  33 Bis Mac Dinh Chi St., Star Building; 6th floor District 1, Ho Chi Minh City Vietnam
© Sirrocco, London, UK (Englische Fassung) © Confidential Concepts, Worldwide, USA
Das vorliegende Werk darf nicht, auch nicht in Auszügen, ohne die Genehmigung des Inhabers der weltweiten Rechte reproduziert werden. Soweit nicht anders vermerkt, gehört das Copyright der Arbeiten den jeweiligen Fotografen. Trotz intensiver Nachforschungen war es aber nicht in jedem Fall möglich, die Eigentumsrechte festzustellen. Gegebenenfalls bitten wir um Benachrichtigung.
ISBN: 9781780428215
Sir Claude Phillips
TIZIAN
INHALT
Einleitung
Die frühen Werke Tizians
Die späteren Werke Tizians
Anmerkungen
Verzeichnis der Abbildungen
7
21
125
280
285
EINLEITUNG
izian, der eigentlich Tiziano Vecellio da Cadore hieß, ist ganz ohne Zweifel NaTmen wie Leonardo da Vinci und Michelangelo Buonarroti uns heute auch einer der größten und einflussreichsten Maler der italienischen Kunst. Zwar mag es sein, dass die seit Jahrhunderten mit Ehrfurcht ausgesprochenen geläufiger sind als der Tizians und dass Raffael ihn an ätherischer Schönheit und an Ausgewogenheit zwischen Vergeistigung und handwerklichem Können übertrifft. Doch Tizian spricht vor allem durch die Fülle und die Variationsbreite seines Werks zu uns, durch seine tiefe Menschlichkeit und durch die unvergleichliche Ausdruckskraft seiner Farben. Mit seiner Maltechnik und seiner fast alchimistisch anmutenden Fähigkeit im Umgang mit Farben war er richtungweisend für die gesamte abendländische Malerei bis hinein in die Moderne. Allein schon seine Grablegung Christiim Louvre, dieAssunta (Himmelfahrt Mariens), dieMadonna der Familie Pesaround das, was vomTod des Heiligen Petrus Märtyrererhalten geblieben ist, reichen aus, seine überragende Position in der Kunstgeschichte unumstößlich zu verankern. Selten nur gelingt es einem Künstler, die Pracht und Fülle seiner bekanntesten Werke auf so sichere und souveräne Weise mit einer Würde und Schlichtheit zu kombinieren, die so verinnerlicht, ja naturhaft gewachsen scheint. Nur ganz wenige Maler des 16. Jahrhunderts haben in gleichem Ausmaß den Lauf der Kunstgeschichte und den Stil ihrer Zeit geprägt wie Tizian, aus dessen großen zeremoniellen Altartafeln eine Leidenschaftlichkeit spricht, deren Übertreibungen allein von dem Streben nach dem vollendeten Ausdruck der Wahrheit beseelt sind.
Zumindest in der Geschichte der italienischen Kunst muss Tizian als einer der besten und vermutlich sogar alsderbedeutendste Maler männlicher und weiblicher Porträts eingestuft werden – und dies, obwohl er sich bei diesem Genre in illustrer Gesellschaft befindet: Leonardo übt auf den Betrachter eine fast unheimlich anmutende, geheimnisvolle Faszination aus und Raffael, Michelangelo, Giorgione und Sebastiano del Piombo sind ebenfalls vortreffliche Porträtisten. Auch Giorgione (eigentlich Giorgio Barbarelli da Castelfranco, weshalb er gelegentlich auch als Barbarelli oder Meister von Castelfranco bezeichnet wird) muss in diesem Zusammenhang unbedingt genannt werden. Was bei ihm vor allem auffällt, ist der poetische Zauber, den seine Modelle ausstrahlen: Trotz seiner sehr realistischen Malweise versteht er es, ihnen eine ausgereifte Schönheit und würdige Erhabenheit zu verleihen. Auch von Lorenzo Lotto sind uns vorbildliche Porträts überliefert, aus denen echte Zartheit spricht, eine gelungene Kombination seiner subjektiven Gefühle mit einer universellen Objektivität, deren Ergebnis äußerst poesievoll wirkt. Doch selbst wenn wir auch anderen Künstlern unsere Bewunderung zollen, so müssen wir doch, wenn wir beim Studium der Kunstgeschichte Gerechtigkeit walten lassen wollen, Tizians Stil in der Porträtmalerei als den kraftvollsten, ausgereiftesten und den herausragendsten anerkennen, allein schon im Hinblick auf die Zahl der Künstler, die ihre Inspiration von ihm bezogen.
Wenn wir von der Porträt zur Landschaftsmalerei wechseln, können wir nicht umhin, auch hier wiederum Tizian eine Vorrangstellung einzuräumen. In diesem
Tizian (Tiziano Vecellio), Selbstportrait, 15651570. Öl auf Leinwand, 86 x 65 cm. Museo Nacional del Prado, Madrid.
Tizian (Tiziano Vecellio), Papst Paul III. mit Kamauro, um 15451546. Öl auf Leinwand, 105 x 80,8 cm. Museo Nazionale di Capodimonte, Neapel.
7
Tizian
Tizian (Tiziano Vecellio), Portrait des Papstes Paul III. Farnese (ohne Kopfbedeckung), 1543. Öl auf Leinwand, 106 x 85 cm. Museo Nazionale di Capodimonte, Neapel.
8
Genre konnte er sich auf viele renommierte Vorläufer und Lehrer stützen, deren Erkenntnisse und Anregungen er zu einem revolutionären Ansatz synthetisierte. Bis zu Claude Lorrain (1600 bis 1682), der einem viel späteren Zeitalter angehört, gelang es keinem Maler, es Tizian gleichzutun, wenn es darum geht, die Schönheit der Natur in vollkommener Weise wiederzugeben, ohne sich durch eine exakt kopierende Realitätsnähe in Fesseln legen zu lassen. Giovanni Bellini (auch Giambellino genannt, um 1430 bis 1516) bewies bereits mit seinen frühesten, noch in Padua angefertigten Werken – ganz anders als sein berühmter Schwager Andrea Mantegna (1431 bis 1506) – sein großes Talent als Landschaftsmaler. Die atmosphärischen Bedingungen bildeten in Bellinis Kompositionen stets ein wichtiges Element.
Eine Besprechung von Giorgiones Landschaften führt unweigerlich zum schwierigen, wenn auch faszinierenden Thema seiner zahlreichen verschiedenen Techniken, die auch bei den bekanntesten seiner Werke zur Anwendung kommen und die auf so bewundernswerte Weise die komplexen Stimmungen und Wesenszüge seiner Figuren zum Ausdruck bringen. Doch selbst, wenn wir uns auf die Meisterwerke seiner reifen Jahre konzentrieren, etwa auf sein wunderbares Altarbild von Castelfranco,Die kleine Landschaft mit dem Gewitter, der Zigeunerin und 1 dem Soldaten (Das Gewitter,um 1507/1508)in der Galleria dell’Accademia in Venedig und dieDrei Philosophen in einer Gebirgslandschaft(um 1507/1508) im Kunsthistorischen Museum in Wien, so haftet Giorgiones Landschaften noch immer ein kaum merklicher aber nicht zu verleugnender Beigeschmack der spätmittelalterlichen, also der gotischen, Kunstauffassung an.
Es war Tizian, der in seiner frühen Schaffensperiode die Landschaftsmalerei in der Manier Giorgiones zu ihrer vollen Entfaltung brachte. Man denke an dieAllegorie der Lebensalter des Menschen(um 1512),Himmlische und irdische Liebe(1515) und Ländliches Konzert(1500/1510). Nachdem er das Glück gehabt hatte, seine Lehre bei den besten Meistern zu absolvieren, machte er sich daran, diese mit seinen wunderbaren Darstellungen von Erde und Himmel zu übertrumpfen, wie wir dies etwa in diesen Gemälden sehen:Venusfest(1518),Das Bacchanal der Andrier (1518/1520) undBacchus und Ariadne(1520/1523). Die prunkvollen Kulissen dieser mythologischen Szenen sind durchaus jenen vergleichbar, die den Rahmen für seine trefflichsten Darstellungen der heiligen Familie und der Szenerien mit Maria und Heiligen (sacre conversazioni, also Heilige Gespräche) bilden. Mehr noch als die dramatische Intensität und die akademische Fülle seiner Figuren war es die unheilschwangere Grandiosität der Landschaft, die weit mehr als nur Kulisse ist, die demTod des Heiligen Petrus Märtyrer(1528/1530) seinen universellen Ruf einbrachte. Dieselbe intime Beziehung zwischen Landschaft und Figuren spricht auch aus seinem späteren BildJupiter und Antiope (PardoVenus;1535/1540)im Louvre; es markiert eine Art Rückkehr zur beschaulichen Ruhe und zum Einssein mit der Natur, die so charakteristisch für den Giorgionismus (ital. Giorgionismo, also Malerei in der Art des Giorgione) ist.
Auch wenn Tizian weder mit den Talenten des Universalgenies Leonardo da Vinci, der ja keineswegs nur Künstler, sondern daneben auch Anatom, Erfinder, Ingenieur, Mathematiker und Naturwissenschaftler war, noch mit Michelangelo, der außerhalb der Malerei auch als Bildhauer und Architekt Großartiges leistete und mit den
10