Das Geheimnis des versunkenen Tals

-

Livres
47 pages
Lire un extrait
Obtenez un accès à la bibliothèque pour le consulter en ligne
En savoir plus

Description


Frei nach dem keltischen Mythos über die versunkene Stadt Ys erlebt das Ermittlerpaar Gwenn und Soazic Rosmadec ein neues Abenteuer im Herzen der Bretagne.


Der reiche Texaner Tom O’Hara will zu Ehren seiner keltischen Wurzeln KerGradlon erbauen. Es ist die Rekonstruktion einer Stadt aus dem fünften Jahrhundert an den Ufern des Saint-Michel-Sees im Gebirgsmassiv Monts d‘Arrée. Die Gegend des mystischen Todesboten Ankou ist eingebettet in eine Landschaft aus wildem Hochmoor und rauen Felskämmen. Sie wird des Nachts heimgesucht von den Geistern der Verdammten.


Dieses Projekt pharaonischen Ausmaßes verbirgt einige dunkle Absichten, aber mithilfe seines Onkels Klaod steckt Gwenn seine Nase in die Angelegenheiten des Texaners und seiner atemberaubenden, aber gefährlichen Tochter Vivianne.


Unser Lieblingsbretone wird dem Gesang der Sirenen widerstehen müssen, um das Tal vor den Machenschaften des skrupellosen Geschäftsmannes zu beschützen.



Der bretonische Autor Alex Nicol war langjähriger Leiter französischer Schulen auf der ganzen Welt und ist ein unermüdlich Reisender. Sein urbretonisches und sympathisches Ermittlerpaar nimmt die Leser mit auf spannende Reisen, führt sie in die entlegensten Winkel der Erde, und lässt sie dort verrückte Abenteuer erleben. Die Reihe Bretonische Ermittlungen zählt bereits mehr als 50.000 Leser in der französischen Originalfassung.



Sujets

Informations

Publié par
Nombre de visites sur la page 3
EAN13 9782374536651
Langue German, Middle High (ca.1050-1500)

Informations légales : prix de location à la page 0,0030 €. Cette information est donnée uniquement à titre indicatif conformément à la législation en vigueur.

Signaler un problème
BRETONISCHE ERMITTLUNGEN
Das Geheimnis des versunkenen Tals
ALEX NICOL
Kriminalroman
Aus dem Französischen von Julia Wetter und Sylvie Kaufhold
LES ÉDITIONS DU 38
Für Klaod, Yvonne, Michel und Marie, mit denen ich wunderbare Momente der Freundschaft und der Musik geteilt habe.
Gerne würde ich Euch die kahlen Berge von L’Arrée zeigen, die weißen Wege, die zu den verlassenen Gemäuern führen, die Wege, die die blauen Dörfer umschlingen. Es ist ein Land aus rauen Winden und Nebel, wo die Namen der Orte so fließend sind wie Regenschauer, so klangvoll wie ein Glockenschlag. Xavier Grall,Die Winde haben es mir erzählt
Diese Berge, die sich nicht erinnern, Berge gewesen zu sein. Bis hin zu ihrer nunmehrigen Bedeutungslosigkeit bewahren sie sich ein gewisses Etwas aus Stolz, etwas Wunderbares, das es nicht zulässt, sie in den Rang von einfachen Hügeln herabzustufen. Ihr seid hier, auf dem Balkon des Abendlandes. Anatole Le Braz,Die Legende des Todes bei den Armorikanischen Bretonen
1
Tom O’Hara betrat den geräumigen Salon des Schlosse s, welches er am Ufer d e sOdetum schweifen. Allehatte und ließ den Blick über sein Publik  erworben waren gekommen: Die Journalisten der nationalen und regionalen Presse, Vertreter politischer Blätter und von Wirtschaftszeitungen, v on Internetausgaben, Funk und Fernsehen und sogar einige Auslandskorrespondenten waren dabei. Majestätisch näherte er sich dem Tisch, der mit ein em Tuch aus Samt bedeckt war, schob die Daumen unter das Revers seiner Flane llweste, warf sich in die Brust und wandte sich an sein Auditorium: »Mesdames, Messieurs, heute beginnt eine neue Zeitrechnung für die Bret agne! Das große Projekt, an dem mein Team ohne Unterlass arbeitet, ist so gut wie erfolgreich zu Ende gebracht, und sie werden die Er sten sein, die die Ehre haben, es kennenzulernen.« Das Publikum hielt den Atem an. Dazu muss man wisse n, Tom O’Hara war nicht irgendjemand. Der Erdölmagnat aus Texas, irischer A bstammung väterlicherseits und bretonischer mütterlicherseits, hegte einen gew issen Stolz, beiden Seiten der keltischen Welt anzugehören. Sein Vater hatte mit e iner Ölbohrung im Herzen von Texas ein Vermögen gemacht, das der junge Tom mühsa m in ein Imperium zu verwandeln versuchte. Der Chef von Keltoil war groß und kräftig, mit strohblonder Mähne und dem Kiefer einer Bulldogge. Er führte ste ts das große Wort und zögerte nicht, diejenigen, die ihm die Stirn zu bieten wagt en, auszulöschen wie einen Zigarettenstummel. Seine Management-Methoden hatten schon so manchen zur Strecke gebracht. In seinem Größenwahn engagierte er einmal einen Küc henchef, niemand Geringeren als den besten seiner Zunft in Frankreic h. Nicht etwa weil er die Küche seiner Vorfahren besonders schätzte, sondern weil s ein Personal dem Rang entsprechen sollte, den er sich selbst gegeben hatt e. Jähzornig und unberechenbar wie er war, hatte er den Koch knallhart gefeuert, n achdem ein Gast im Verlauf eines Abendessens die Konsistenz des Camemberts bemängelt hatte. Dennoch hatte sein Ruf, unausstehlich zu sein, noch nicht die Ufer des alten Kontinents erreicht, weshalb die anwesenden Journal isten mit einer gewissen Neugierde darauf warteten, mehr über ihn und das Projekt zu erfahren. Mit einer theatralischen Geste zog Tom die Samtdeck e weg wie ein Stierkämpfer seine Capa. Während sich die Lichter im Saal automatisch verdun kelten, wurde ein Architekturmodell auf dem Tisch von Strahlern beleu chtet. Unter den Augen des Publikums erschien eine Stadt rundherum um einen Se e, auf dem ein Wikingerschiff segelte. Die Ufer waren gesäumt von Dörfern, besteh end aus strohgedeckten Hütten und fremdartigen Statuen, die an skandinavis che Götter erinnerten: Odin, Frigg, Thor - alle waren da. »Mesdames, Messieurs, sehen sie hier KerGradlon! Die Stadt des Königs v on QuimperEin Blitzlichtgewitter entlud sich, Kameras surrten , während die Mikrofone
hingehalten wurden, um vom Hausherrn die erwarteten Details zu erfahren. Wie ein Eroberer legte Tom mit seinen Erklärungen los: »Die Menschen müssen ihre Wurzeln kennen, um aus ih rer Kultur zu schöpfen. Hier, im Herzen der Bretagne, habe ich beschlossen, allen die Heimkehr in ihre Vergangenheit zu ermöglichen. Wir werden ein Dorf aus dem fünften Jahrhundert entstehen lassen, originalgetreu, in dem die Breton en ihre Seele wiederfinden werden! Es ist ein Millionenprojekt, in das ich ein en wesentlichen Teil meines Dollarvermögens investiert habe. Und ich habe es ge tan zu Ehren meiner Mutter! Es werden sich alle Bestandteile eines Dorfes dieser E poche wiederfinden. Historiker in traditionellen Gewändern werden Führungen anbieten und Vorträge halten über das Leben, die Architektur, die Essgewohnheiten und den Glauben der Menschen dieses Zeitalters. KerGradlon wird Forschungsstätte , Theater, Kino und Bibliothek unter einem Dach sein, spezialisiert auf diese gesc hichtliche Etappe. Forscher aus der ganzen Welt werden zu Seminaren empfangen werde n. Von Schiffsbauern werden Wikingerschiffe gebaut, die auf dem See seg eln. Auch an die Kinder ist gedacht: Es wird eine Schule geben, für diejenigen, die ihre Schulzeit dazu nutzen wollen, diese Kultur zu durchdringen, um auf den Sp uren ihrer Vorfahren zu wandeln. Schlussendlich wird KerGradlon auch ein gi gantischer Freizeitpark sein, rund um das Thema Wikinger.« Tom legte eine Pause ein. Alle Anwesenden blickten ihn gespannt an. Ob der Zeremonienmeister einen neuen Hasen aus dem Hut zau bern würde? Er schnippte mit den Fingern und ein schwerer Vorhang hob sich i m hinteren Teil des Zimmers, während ein Scheinwerfer eine strahlend schöne Gest alt in einen Lichtkreis hüllte. Sie trug ein hautenges, seitlich geschlitztes Etuik leid und High Heels mit Metallabsätzen. Ihr dezent geschminktes Gesicht, um rahmt von dichtem, schwarzem Haar, das ein Band mit keltischen Motiven bändigte, verriet Intelligenz und Hochmut. Tom drehte sich ihr mit ausgestrecktem Arm zu: »Darf ich ihnen vorstellen: meine Tochter Vivianne, Generaldirektorin des Projekts, die sowohl mit der Durchführung, als auch mit der Verwaltung beauftragt ist.« Vivianne ging auf ihren Vater zu und musterte die J ournalisten wie Kleopatra das Heer ihrer Sklaven. Tom O’Hara fuhr fort: »Voilà, Mesdames, Messieurs, falls sie Fragen haben, stehe ich zu ihrer Verfügung.« Ein gewaltiges Raunen ging durch die Zuhörerschaft. Um die Ruhe wiederherzustellen, zeigte Tom auf eine Dame in der ersten Reihe. »Madame, ich bin ganz Ohr!« »Lydia Le Roux, vomCourrier Breton. Monsieur O’Hara, warum haben sie ihrem Projekt diesen Namen gegeben, KerGradlon?« Tom schob seine Daumen tiefer in seine Flanellweste . »König Gradlon erbaute die mythische Stadt Ys, auch Ker Ys genannt. Zu Ehren dieses Königs und Erbauers, dessen Statue auf der S pitze der Kathedrale in Quimpersteht, trägt das Projekt seinen Namen. Ja?« sagte er und deutete mit dem Zeigefinger auf einen weiteren Fragesteller. »Alain Le Dortz, vom RadiosenderPenArBed. Monsieur O’Hara, können sie uns verraten wo genau dieses Projekt gebaut werden soll
Tom seufzte gefällig. Das war der entscheidende Pun kt des Abends, die Spitze des Schwertes, mit dem er den Todesstoß versetzen w ürde und damit den Respekt der Bretonen gewänne. »Im Herzen vonYeoun ElezÜberraschung machte sich unter den Journalisten bre it, während einige unter ihnen die Augen weit aufrissen. Alain Le Dortz ford erte weitere Erklärungen: »Yeoun Elezist das Tor zur Hölle. Könnten sie etwas präziser werden?« Tom nickte zufrieden. »DieMonts d’Arrée, die Berge vonArréeim Zentrum der Bretagne. Das Land des Todesboten und FriedhofswächtersAnkou, inmitten von wilden Mooren, übersät mit rauen Felsen, die in der Nacht von den Geistern der Verdammten heimgesucht werden! Der einzig würdige Ort für ein Vorhaben die ses epochalen Ausmaßes.« »Gestatten sie mir, dass ich insistiere, Monsieur O ’Hara, aber wo genau liegt ihr Dorf ?« Der Ölmillionär presste die Lippen aufeinander. Er konnte es nicht ausstehen, wenn ihm Vorhaltungen gemacht wurden, wenn auch in höflicher Form. Er ballte die Fäuste bevor er antwortete: »Sagt ihnen der See vonSaint Michelin der Nähe vonBraspart etwas? Dieser See wird sich verfünffachen. Ich habe es gesagt, di e Bauarbeiten werden gigantisch.« Ein Mann hob die Hand und bat darum, ihm das Wort z u erteilen. Mürrisch nickte Tom O’Hara in seine Richtung:  »Serge Bardy vonTéléfax Brestois. Monsieur O’Hara, wenn ich dem Modell und ihren Erklärungen Glauben schenke, wird sich dieser See sich vonle Huelgoatbis zum Fuße desMont Trédudont erstrecken. Das ist in der Tat gigantisch und lieg mitten im Herzen des regionalen NaturparksArmorique. Eine Reihe bestehender Dörfer wird von ihrem Projekt unter Wasser gesetzt. Was ist mit den Bewohnern? Haben sie sie nach ihrer Meinung gefragt?« Das Gesicht des Amerikaners war angespannt vor Nerv osität: »Monsieur Bardy, ich rate ihnen, etwas klügere Frag en zu stellen, wenn sie an meinen Pressekonferenzen teilnehmen wollen!« »Aber...« »Das genügt, ich will sie nicht mehr sehen! Nächste Frage!« Das war keine Bitte, sondern ein Befehl. Die überra schende Reaktion des Hausherrn ließ das ursprüngliche Interesse abkühlen und etliche Journalisten sagten sich, es sei besser zu schweigen, als das Ri siko einzugehen, aus dem Kreis ausgeschlossen zu werden. Eine junge Frau erhob sic h dennoch: »Emannuella Rulli Korrespondentin vomMatin de Milan. Monsieur O’Hara, ihr Projekt dreht sich um die Welt der Wikinger...« Tom nickte zustimmend. Endlich kehrte man zu ernsth aften Themen zurück. »Ja, vollkommen richtig, fahren sie fort.« »Außerdem haben sie gesagt, ich zitiere: ‚Die Mensc hen müssen ihre Wurzeln kennen, um aus ihrer Kultur zu schöpfen.’« »Ganz genau!« Endlich jemand, der ihm zuhörte. Und noch dazu ganz hübsch, diese Italienerin. Tom zog in Erwägung, sie zu einem privaten Intervie w einzuladen. Seine Mittel und
seine Ausstrahlung verhalfen ihm für gewöhnlich zu bekommen, was er wollte. Emmanuella Rulli indessen schien immun zu sein gege n seinen Charme und fuhr fort: »Die Wikinger waren die Feinde der Bretonen. Sie ka men flussaufwärts, plünderten ihre Dörfer, töteten ihre Bewohner und v ersklavten ihre Frauen. Glauben sie wirklich, dass sich die Bretonen in dieser Kultur wiedererkennen werden?« Eisige Kälte hüllte das Publikum in Schweigen. Die erotischen Phantasien, die sich in Tom gerade noch geregt hatten, entschwanden augenblicklich und macht der Wut Platz. Wer war dieses Weibsbild, das sich e rlaubte, sein Lebenswerk infrage zu stellen? Er warf ihr einen bösen Blick z u: »Raus! Verlassen sie sofort mein Haus, Madame, das sie mit ihrer Anwesenheit in den Schmutz ziehen!« Ein erster Moment der Sprachlosigkeit im Publikum w andte sich in Protest. Tom erhob die Arme und schnalzte mit den Fingern. Zwei Handlanger traten aus dem Schatten im hinteren Teil des Zimmers, ergriffen Em manuelle bei den Armen, um sie höchst unsanft hinauszuwerfen. Tom beruhigte di e Zuhörer mit erhobenen Armen...