Weltbürgerin
288 pages
Deutsch
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Description

Nach ihrer Geburt in Sao Paulo verbringt sie ihre Kindheit in Amazonien. Erzogen wird sie von ihrem Vater, einem dem Bohème-Leben zugetanen Menschen und notorischen Schwerenöter. Weit und breit ist er der einzige Arzt. Denise wächst mit ihrem älteren Bruder und den eingeborenen Kindern in der Traumwelt von Maués auf, zwischen Fluss, Stadt und Urwald, zwischen Legenden und Aberglaube. Ein paradiesisches Leben, das ihr über die Misshandlungen durch ihre Stiefmutter hinweghilft. Als ihre leibliche Mutter sie wieder aufspürt, flammt der Rosenkrieg der Eltern wieder auf, was Denise nicht davon abhalten wird, mit 19 ihre erste Ehe einzugehen. Lange verbleibt sie im Bann der Männer – Vater, Bruder, Liebhaber – bis sie letztendlich ihre Selbständigkeit durch unerbittlichen Arbeitseifer erlangt und ihren inneren Frieden findet, indem sie sich auf Reisen begibt und Europa entdeckt. Denise Loureiro erteilt uns wahrlich eine Lektion in Sachen Lebensmut: Trotz widrigster Umstände lässt sie sich nicht unterkriegen, denn für sie ist „morgen immer ein anderer Tag“. Weltbürgerin ist zugleich eine Familiensaga und eine interessante Skizze der brasilianischen Gesellschaft. Eine Initiationsgeschichte, voller Sehnsucht und Gefühle, als Beweis dafür, dass nichts festgeschrieben steht, sondern alles erlebt werden muss.

Sujets

Informations

Publié par
Date de parution 10 octobre 2013
Nombre de lectures 10
EAN13 9782342012804
Langue Deutsch
Poids de l'ouvrage 7 Mo

Informations légales : prix de location à la page 0,0082€. Cette information est donnée uniquement à titre indicatif conformément à la législation en vigueur.

Exrait

Weltbürgerin
Denise Loureiro Weltbürgerin Aus dem Französischen übersetzt von Agnès Beaujon-Machalke
Publibook
Unseren Katalog finden Sie auf der Webseite des Publibook-Verlages: http://www.publibook.com Dieser vom Publibook-Verlag veröffentlichte Text ist durch interna-tional geltende Gesetze und Verträge urheberrechtlich geschützt. Die Druckausgabe ist ausschließlich dem Käufer vorbehalten und bes-chränkt sich auf seinen persönlichen Gebrauch. Jedwede anderweitige Vervielfältigung bzw. Kopie - gleich welcher Art - würde den Tatbes-tand der Fälschung erfüllen und somit gemäß den vorgenannten Vor-schriften, namentlich der in Frankreich geltenden Gesetzgebung zum geistigen Eigentum sowie der international geltenden Vereinbarungen bezüglich der Autorenrechte, strafrechtlich verfolgt werden. Éditions Publibook 14, rue des Volontaires 75015 PARIS – France Tél.: +33 (0)1 53 69 65 55 IDDN.FR.010.0118575.000.R.P.2013.030.31500 Erstveröffentlichung dieses Werkes beim Publibook-Verlag 2011
Für meine beiden Söhne, Adriano und Christhiano, und besonders für meinen Mann, Edouard Della Santa.
Kapitel I Meine Wurzeln Neulich erst ist mir klar geworden, wie vergeblich der Ver-such ist, die Vergangenheit wieder aufleben zu lassen. Was gewesen ist, ist nicht mehr… und doch muss es immer weiter-gehen. Wie wunderbar wäre es doch, wenn man den Rück-wärtsgang einlegen, das Zerstörte wieder aufbauen, alte Zeiten wieder lebendig machen könnte. Eine verwelkte Blume jedoch kann man unmöglich wieder zum Blühen bringen… Man kann sie höchstens zwischen zwei Buchseiten pressen… sie bröckelt aber ab und verfärbt sich, das Leben entweicht! Die Vergan-genheit ist ein abgeschlossener Zeitraum… Deshalb ist es wichtig, die Gegenwart intensiv zu erleben… Gott allein hat die Zukunft in der Hand! Dieses Buch enthält alle „Trockenblumen“ aus meiner Kindheits- und Jugendzeiten… und aus meinem weiteren Le-ben, denen ich versucht habe, etwas Farbe zu geben und ihnen somit ein wenig Leben einzuhauchen! Übrigens: „Sich erinnern bedeutet, ein zweites Mal zu leben“… Unbestreitbar hat mein Vater die Hauptrolle in meinem Leben gespielt. Er war auch… die einzige Mutter, die ich gekannt habe. Für mich ist er nie ein Vorbild gewesen, sondern ich habe immer versucht, ihn in mein Alltagsleben einzubeziehen. Bewundert habe ich stets seinen Optimismus und seine Lebensfreude. Er war der Liebe und dem Bohème-Leben sehr zugetan. An-standsregeln bedeuteten ihm nichts, er lebte wie es ihm passte. Er war der Sohn einer Indiomischling (einecabocla) und ei-nes Abkömmlings aus einer italienischen, nach Brasilien aus-gewanderten Familie. Einer von ihnen, (Francisco Scardini, damals 17 Jahre), mein zukünftiger Urgroßvater, hatte im Ge-päck nichts weiter als eine Drehorgel und ein Äffchen, „La Ur-sula“ genannt. Als unehelicher Sohn eines italienischen Adli-
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gen hatte er das Land verlassen müssen, um seine Haut zu ret-ten. Als Besitzer zweier Damenoberbekleidungsfabriken war mein Großvater mütterlicherseits wohlhabend. Der Firmensitz befand sich in einer belebten Straße von Salvador, der Haupt-stadt des Bundesstaates Bahia in Brasilien. Mein Vater war ein impulsiver Mensch. Nach wiederholten Auseinandersetzungen mit seinem Vater verließ er das Elternhaus im Alter von 18, um mit einer zehn Jahre älteren Frau, die er leidenschaftlich liebte, zusammenzuleben. Sie war ein germanischer Typ, ein blondes Prachtweib von stattlicher Größe. Mein Vater war wohl mittel-groß, jedoch von ansprechendem Äußeren und sehr sinnlich. Er beendete sein Medizinstudium in den Armen dieser Frau, die ihm seine erste Tochter gebar. Diese hatte Ähnlichkeit mit ihrer Mutter: blondes Haar und grüne Augen. Die Beziehung war jedoch nicht von Dauer. Die von ihrem ersten Mann getrennt lebende Frau hatte aus erster Ehe bereits zwei Kinder. Die aus der neuen Verbindung hervorgegangene Tochter wurde als kleines Kind der Mutter des jungen Arztes zur Erziehung anvertraut. Sie sollte später meine Großmutter väterlicherseits werden. Als Arzt war mein Vater während des Zweiten Weltkriegs Leutnant der Reserve. Damals war er eher als „Verführerleut-nant“ berühmt-berüchtigt: In Salvador seufzten ihm zahlreiche Mädchen hinterher. Auch verheiratete Frauen zählten dazu, z.B. Dolores, mit der er ein Kind zeugte und deren Ehemann, To-mix, (zum Glück nichts ahnend), ein Angestellter bei der Prä-fektur, in der bekannten Straße Ramos de Queiros wohnte. Schließlich genoss er den Ruf des besten Tango- und Bolero-tänzers im Varieté-Theater Tabaris! Nachdem er in verschiedenen Städtchen des Bundesstaates Bahia gelebt hatte, wurde mein Vater vom Gesundheitsministe-rium als Leitender Arzt nach Amazonien geschickt, d.h. als „Buschdoktor“! In Rio Branco, der Hauptstadt des Bundesstaates Acre, im Nordwesten Brasiliens, an der Grenze zu Peru und Bolivien, lernte er Léonie, meine künftige Mutter, kennen und lieben. Sie war die Tochter eines wohlhabenden Portugiesen und einer schönen brasilianischen Mulattin. Zu diesem Zeitpunkt ist Léonie Internatsschülerin im Klos-ter.
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