Zur Religionssoziologie in der Bundesrepublik Deutschland - article ; n°1 ; vol.8, pg 53-70

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Archives des sciences sociales des religions - Année 1959 - Volume 8 - Numéro 1 - Pages 53-70
18 pages
Source : Persée ; Ministère de la jeunesse, de l’éducation nationale et de la recherche, Direction de l’enseignement supérieur, Sous-direction des bibliothèques et de la documentation.
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Publié le

01 janvier 1959

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20

Langue

Français

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1 Mo

Dietrich Goldschmidt
Zur Religionssoziologie in der Bundesrepublik Deutschland
In: Archives des sciences sociales des religions. N. 8, 1959. pp. 53-70.
Citer ce document / Cite this document :
Goldschmidt Dietrich. Zur Religionssoziologie in der Bundesrepublik Deutschland. In: Archives des sciences sociales des
religions. N. 8, 1959. pp. 53-70.
doi : 10.3406/assr.1959.2054
http://www.persee.fr/web/revues/home/prescript/article/assr_0003-9659_1959_num_8_1_2054DIE RELIGIONSSOZIOLOGIE
IN DER
BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND
ländischen SEIT ihren und speziell ihrer Arbeiten soziologie durch etwa Vertreter säkularisierten ganz die in Jahren bestimmt wesentlich Interessen der Bundesrepublik Gesellschaft kann durch der Ohne man grossen die in eine und Situation Deutschland irgendeiner jüdisch-christlichen in Wiederbelebung vielen unserer Richtung verzeichnen praktischen sogenannten der die Konfessionen Verschrän- Sie Religions Vorhaben abend ist
ein veröffentlicht Dieses ähnliches ist Unter in Beferat dem Titel Verhandlungsbericht auf dem Standort 14 Deutschen und Methoden Soziologie Soziologentag der und Beligionssoziologie moderne Berlin 20 Gesellschaft 24 Mai hat Stuttgart 1959 der Verfasser gehalten 1959
Die auf ni Gebiet der Beligionssoziologie tätigen Wissenschaftler finden sich seit
November 1957 in regelnlässigen Tagungen der damals begründeten Arbeitsgemeinschaft für
Religionssoziologie im Rahmen der Deutschen Gesellschaft für Soziologie zusammen Die
meisten von ihnen empfinden sich persönlich als an eine der beiden grossen christlichen Konfes
eionen gebunden zum Teil stehen sie beruflich unmittelbar in deren Dienst Da sie grossenteils
von der Theologie kommen sind viele zunächst daran interessiert ihre Erfahrungen in empi
rischer kirchensoziologischer Arbeit beispielsweise über die Struktur der Pfarrgemeinde
auszutauschen die Fragestellungen zu präzisieren und womöglich zukunftige derartige Arbeiten
etwas zu koordinieren Umgekehrt gewinnen die leider wohl zu wenig zahlreich teilnehmenden
Soziologen aus dem Gespräch mit den Theologen genauere Einsichten in die ohnedies immer zu
fixierenden theoretischen Grundpositionen der Fragestellung wie der Deutung jeder sinnvoll
angelegten Erhebung Grundsätzlich hat jedoch niemand die Absicht etwa an der Begrenzung
auf empirische Kirchensoziologie festzuhalten Und niemand hat die Idee etwa als Arbeits
gemeinschaft so etwas wie eine besondere religiöse oder christliche Soziologie pflegen oder
entwickeln zu wollen Die Arbeitsgemeinschaft sieht nicht Sozialtheologie oder normative
Gesellschaftslehre als ihren Gegenstand sondern vielmehr die möglichst unvoreingenommene
empirische Erhebung und phänomenologische Interpretation religiösen Lebens
Bei grundsätzlichen Erörterungen von Fragestellungen wie Deutungen werden allerdinge
Immer die unterschiedliche persönliche Einstellung der Einzelnen zu religiösen Problemen und
die verschiedenen Möglichkeiten zu philosophischer oder theologischer Bewältigung aufgewiesener
Befunde in den einzelnen Konfessionen zu tolerieren sein Insofern scheint mir zum Beispiel dae
Gespräch zwischen Soziologie und protestantischer Theologie das an mehreren Stellen innerhalb
Deutschlands im Gange ist und das wir auch hier in Strass bürg pflegen schwieriger und in
seinen theologischen Konsequenzen weiter greifend zu sein als etwa das zwischen Soziologie
und katholischer Theologie für die dank des anderen Kirchenbegriffs und der vorhandenen
scharf eren normativen Fixierung die soziologische Erhebung und Aussage praktisch im wesentli
chen nur Aufgabe beziehungsweise Hilfsmittel der Pastoraltheologie darstellen
58 DB SOCIOLOGIE DES RELIGIONS ARCHIVES
kung der kulturellen Anthropologie sogenannter primitiver Völker mit der
Soziologie der modernen Gesellschaft und ohne speziell die Bedeutung von
Arbeiten über die Religionen frühgeschichtlicher primitiver oder der afroasiati
schen Völker für die Soziologie der Religionen moderner westlicher Gesellschaft
leugnen oder auch nur mindern zu wollen möchte ich mich daher auf den letzt
genannten Zweig der Religionssoziologie eben auf die Soziologie der Religion
unserer Gesellschaft beschränken finde sie ihr Feld innerhalb oder
ausserhalb der Kirchen und handle es sich dabei um Glaubensinhalte
institutionelle Strukturen Es wird speziell darauf ankommen den heutigen
Standort der deutschen gegen den bis 1933 den Beginn der
nationalsozialistischen Zeit erreichten Stand abzuheben und ihn zugleich im Feld
der derzeitigen internationalen Arbeit zu bestimmen 8)
II
Max Weber Ernst Troeltsch und der nach den Vereinigten Staaten ausge
wanderte Joachim Wach haben der deutschen Religionssoziologie vor 1933 ihr
Gesicht gegeben Ihr Wirken hat darüber hinaus in der internationalen reli
gionssoziologischen Forschung tiefe Spuren hinterlassen Nach üeberwindung der
evolutionistischen Abwertung der Religion durch Comte und Marx und der
psychologisierenden Erklärungsversuche von Tylor bis Freud begnügen sie sich
zwar mit einer Beschreibung des Phänomens aber gerade im Verfolg der Weber-
schen Zielsetzung der Soziologie die Kausalketten des Handelns aufzudecken
haben sie ähnlich Durkheim Radcliffe-Brown und Malinowski die Religion
als ein integrierendes und offenbar in keiner Gesellschaft entbehrtes Element
sozialen Lebens entdeckt Ohne prinzipiell eine idealistische Gegenposition zu
Marx einzunehmen stellten sie damit doch klar dass Religion nicht etwa nur
ein Epiphänomen gesellschaftlichen Lebens sei Waren Weber und Troeltsch
daran interessiert die Zusammenhänge zwischen religiöser Einwirkung und gesamt
gesellschaftlicher Entwicklung aufzuweisen der eine vor allem dem Aspekt
Wirtschaft und Religion zugewandt der andere ganz auf die jüdisch-christliche
Entwicklung beschränkt so bemühte sich Wach von Weber ausgehend
um eine umfassende typologische Systematik der Religionssoziologie Seiner
programmatischen Einfuhrung vom Jahre 1931 liess er 1949 in den USA das
vollendete Werk folgen 5)
Erst nach diesem Vortrag erschienen anlässlich der katholischen 6e Conférence Inter
nationale de Sociologie Religieuse vom bis September 1959 in Bologna in Social Compass
Vol VI Nr 4-5 Berichte uber den Stand der europäischen Beligionssoziologie darunter
MENOBS Entwicklung und Stand der religionssoziologischen Forschung in Deutschland
pp 122-134) BODZBNTA Forschungen in Oesterreich pp 142-154 Die Aufsätze ergänzen
die hier geniachten Ausführungen vor allem nach der praktischen Seite
Vgl hierzu etwa TB LTSCH Die Soziallehren der christlichen Kirchen und Gruppen
Tubingen 1912 975-977
Die Einführung in die Religionssosiologie Tübingen 1931 ist dies sei hier gern
vermerkt zur Anregung für Gustav Mensching geworden seinerseits 1947 die seither einzige
in Deutschland geschriebene systematische Religionssoziologie zu publizieren Das Verdienst
Menschings wird nicht gemindert wenn man feststellt dass er sich von der vergleichenden
Religionswissenschaft kommend nur auf das bis zu den 30er Jahren vorliegende Material
atützen konnte und dass sein Werk daher eigentlich noch jener älteren Periode deutscher Religions
soziologie zugerechnet werden muss Entsprechend MENSCHING Religion in
VSS Hrsg.) Handbuch der Soziologie Stuttgart 1956 841-874 Ein neues Buch von
MBNSCHING Die Religion Erscheinungsformen Strukturtypen und Lebensgeeetse soll Ende
1959 in Stuttgart erscheinen
54 RELIGIONSSOZIOLOGIB IN DER BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND
Für Weber wie Wach stellt Religion den Umgang mit übersinnlichen Gewalten
beziehungsweise mit dem Heiligen dar Sie hat ihrem Wesen nach so Wach
kein anderes Ziel und keinen anderen Zweck als die Gottesverehrung
Zugleich ist Wach überzeugt dass die vollkommene Integration einer Gesell
schaft ohne eine religiöse Basis niemals erreicht worden ist noch erreicht werden
kann Daher muss Wach sich beispielsweise gegen Kulturanthropologie
wenden wie Ruth Benedict sie vertritt die ein Verstehen der Religion von
objektiv erforschten Voraussetzungen aus möglich machen möchte
Wir können dieser und ähnlichen Kundgebungen vom Ende der Religion
die vorwiegend auf einer falschen Identifizierung von religiösem Erlebnis mit der
einen oder anderen seiner historischen Ausdrucksfonnen beruhen nicht zustim
men. Das Problem ist die Bedeutung der Phänomene die bewertet werden sollen
korrekt zu interpretieren. Wenn unsere Methode hier zum grössten Teil des
kriptiv ist werden unsere Resultate doch keine Gemeinplätze sein. Der unpar
teiische Beobachter wird durch die stark integrierende Macht der Religion
beeindruckt sein Jacob Burckhardt. erinnert uns an monumentalen
Ausspruch Religio praecipuum humanae societatis vinculum Mit Hinblick auf
das Elend das unsere gegenwärtige Kultur befallen hat ist ein grundsätzliches
Verständnis der Rolle der Religion in Vergangenheit und Gegenwart von
äusserster Wichtigkeit. Das Gefühl der Ueberlegenheit das so viele positivistische
Kommentatoren dazu trieb über die rohen und bizarren Aeusserungsformen

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