Die Powerfrauen der Pharma- zeutischen Wissenschaften

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10.04.2008 | Nr. 15 Feuilleton Die Powerfrauen der Pharma- zeutischen Wissenschaften Eine Chronologie und Bestandsaufnahme, nicht ganz frei von eigenen Erlebnissen Von Hermann J. Roth 56 | 1546 | Deutsche Apotheker Zeitung | 148. Jahrgang
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F e u i l l e t o n
Die Powerfrauen der Pharma-
zeutischen Wissenschaften
Eine Chronologie und Bestandsaufnahme,
nicht ganz frei von eigenen Erlebnissen
Von Hermann J. Roth
| | | |56 1546 Deutsche Apotheker Zeitung 148. Jahrgang 10.04.2008 Nr. 15 F e u i l l e t o n
Ehret die Frauen! Sie fechten und weben des Lehrstuhls für Pharmazeutische Technologie
himmlische Rosen ins irdische Leben, am vorgenannten Institut beauftragt. Warum nur
meint Friedrich von Schiller in seinem Gedicht beauftragt?
„Würde der Frauen“. Als ich im Herbst 1965 auf einen Lehrstuhl für
Schön und gut, doch das ist bei Weitem nicht al­ Pharmazie an die Rheinische Friedrich­Wilhelms­
les, was sie können! Universität zu Bonn berufen wurde, war kurz ­zu
In seinen Dramen hat er Frauen beschrieben, die vor Frau Professor Dr. Melanie Rink im Alter von
weder auf Rosen gebettet waren, noch solche ins 51 Jahren verstorben. Sie habilitierte sich 1954
Leben gefochten haben und die man heute als als erste Frau in Deutschland für Pharmazeuti-
Powerfrauen bezeichnen würde: Maria Stuart, sche Chemie, wurde 1960 zur außerplanmäßigen
Johanna von Orleans, Gertrud, Tells Gattin, um Professorin ernannt und leitete von 1963 an bis zu
nur drei zu nennen. ihrem frühen Tod 1965 die Abteilung für Arznei­
mittelprüfung am Pharmazeutischen Institut.
Sie war die sogenannte rechte Hand des ordent ­Der Anlass
lichen Professors und Institutsdirektors Dr. Karl
Bei der letzten Jahrestagung der Deutschen Phar­ Winterfeld, der nach seiner Emeritierung in Amt
mazeutischen Gesellschaft, vom 10. bis 13. Okto ­ und Würden durch Professor Dr. Felix Zymalk­ow
ber 2007 in Erlangen, fel mir als aufmerksamem ski abgelöst wurde. Unter Zymalkowski wuchs
und interessiertem Hörer auf, dass die Anzahl der ihre Selbstständigkeit, die sie leider nur wenige
vortragenden Frauen und die der Männer in etwa Jahre genießen konnte. In diesem Fall hat die Ma­
gleich war. Außerdem war von der früher gelegent­ thematisch­Naturwissenschaftliche Fakultät der
lich zu beobachtenden Schüchternheit oder gar Universität Bonn versäumt, sie verdientermaßen
Unsicherheit der weiblichen Redner nichts mehr zur ordentlichen Professorin zu ernennen.
zu spüren. Welch erfreuliche Entwicklung! Aber warum erzähle ich das? Sie war damals eine
von nur drei Pharmazieprofessorinnen in deut­
schen Landen! Dieser Befund stand in krassem Die guten alten Zeiten
Gegensatz zu der bekannten Tatsache der zahlen ­
Doch das war nicht immer so. mäßigen Überlegenheit weiblicher Pharmaziestu ­
Die erste Frau, die auf einer zentralen Veranstal ­ dierender gegenüber ihren männlichen Leidensge ­
tung der Deutschen Pharmazeutischen Gesell ­ nossen.
schaft 1936 in Dresden vortragen durfte, war die Doch die „guten alten Zeiten“ haben sich gebes ­
damalige Dozentin Dr. Ilse Esdorn (1897–1985). sert und zwar drastisch. Heute sind es – Sie sollten
Sie studierte Pharmazie in Rostock, war Assisten ­ die folgende Zeile verdecken und raten – genau 35
tin am Botanischen Institut der TH Braunschweig, Professorinnen pharmazeutischer Disziplinen. ­Da
promovierte 1924 an der Universität Kiel mit einer
Dissertation über die Einwirkung von Röntgen ­
strahlen auf Pfanzen und habilitierte sich 1930 an
Anzahl der Professorinnen und Privatdozentinnen
der Universität Hamburg mit einer Arbeit über die
seit 1990 (Quelle: Pharmazeuten Kalender)
Hartschaligkeit der Lupine. 1932 erhielt sie einen
Semester Prof. Priv.-Doz.Lehrauftrag für Pharmakognosie, 1941 erfolgte
ihre Ernennung zur außerplanmäßigen Professorin. WS 1990/91 3 2
Ihre wichtigste Publikation ist das 1961 erschie ­
WS 1991/92 2 2
nene Buch „Die Nutzpfanzen der Tropen und
WS 1992/93 3 6Subtropen in der Weltwirtschaft“. Wahrlich, für
damalige Verhältnisse ein dynamisches, agiles und WS 1993/94 5 6
fexibles Leben einer botanisch­pharmazeutischen
WS 1994/95 5 7Wissenschaftlerin. Doch konnte man („Mann“)
sich in Hamburg nicht dazu durchringen, sie mit WS 1995/96 9 2
einem Lehrstuhl oder durch die Ernennung zur ­ or WS 1996/97 8 1
dentlichen Professorin zu entlohnen.
WS 1997/98 17 1Die erste Frau, die sich 1953 in der Bundesre­
publik für das FachP harmazeutische Techno- WS 1998/99 21 0
logie mit einer Arbeit über „Pfanzliche Lip­a
WS 1999/2000 22 1sen“ habilitierte, war Elsa Ullmann (geb. 1911
WS 2000/01 22 2in Potsdam). Sie promovierte 1941 an der Un­i
versität Tübingen mit einer Dissertation zum WS 2001/02 22 3
Thema „Untersuchungen über die Lipasen h­ ö
WS 2002/03 25 3herer Pfanzen“. Am Institut für Pharmazie und
Lebensmittelchemie in München baute sie die WS 2003/04 25 4
Abteilung für Pharmazeutische Technologie auf
WS 2004/05 23 4
und wurde 1956 Vorstand dieser Einrichtung,
WS 2005/06 25 61961 erfolgte die Ernennung zur außerplan­mä
ßigen Professorin, 1964 erhielt sie die Rechte WS 2006/07 32 6
einer außerordentlichen Professorin und 1977
WS 2007/08 35 5wurde sie mit der Wahrnehmung der Pfichten
| | | |Nr. 15 10.04.2008 148. Jahrgang Deutsche Apotheker Zeitung 1547 57 F e u i l l e t o n
zu kommen noch fünf Privatdozentinnen und ein ler oder eine Lücke entdecken, so bitte ich um
paar Juniorprofessorinnen mit Aussichten, „Profs“ Nachsicht und Nachricht.
zu werden. Hier eine Bestandsaufnahme, die nach Die Universitäten Erlangen, Jena und Regensburg
bestem Wissen und Gewissen erarbeitet wurde. können im Bereich Pharmazie bis heute noch nicht
Sollte eine Leserin dieser Abhandlung einen Feh­ mit Frauen glänzen.
Powerfrauen an deutschen Universitäten – Bestandsaufnahme (Stand WS 2007/2008)
Professorinnen der Pharmazie
Berlin, FU Pharmakologie Monika Schäfer-Korting
Institut für Klinische Pharmakologie Marion Schäfer
Bonn Pharmazeutische Chemie Christa E. Müller
Pharmazeutische Biologie Gabriele König
Evi Kostenis
Braunschweig Pharmazeutische Technologie Christel Müller-Goymann
Heike Bunjes
Pharmazeutische Biologie Ute Wittstock
Geschichte der Pharmazie Bettina Wahrig
Düsseldorf Klinische Pharmazie Stephanie Läer
Pharmakologie Regine Kahl
Frankfurt Pharmazeutische Technologie Jennifer Dressman
Freiburg Pharmazeutische Tec Regine Peschka-Süss
Pharmazeutische Biologie Irmgard Merfort
Greifswald Pharmazeutisc Ulrike Lindequist
Halle Pharmazeutische Chemie Andrea Sinz
Klinische Pharmazie Charlotte Kloft
Pharmazeutische Biologie Beate Diettrich
Birgit Dräger
Hamburg Pharmazeutische Biologie Elisabeth Stahl-Biskup
Pharmazeutische Technologie Claudia Leopold
Heidelberg Bioinformatik Ulrike Müller
Kiel Pharmazeutische Biologie Susanne Alban
Leipzig Pharmakologie Karen Nieber
Pharmazeutische Technologie Michaela Schulz-Siegmund
Mainz Klinische Pharmazie Irene Krämer
Marburg Pharmazeutische Chemie Barbara Sickmüller
Pharmazeutische Biologie Maike Petersen
München Pharmazeutische Biologie Angelika Vollmar
Münster Pharmazeutische Chemie Susanne Klumpp
Saarbrücken Pharmazeutische Biologie Alexandra Kiemer
Tübingen Pharmakologie Gisela Drews
Würzburg Pharmazeutische Chemie Ulrike Holzgrabe
Petra Högger
Tanja Schirmeister
Privatdozentinnen der Pharmazie
Bonn Pharmazeutische Chemie Daniela Gündisch
Greifswald Pharmazeutische Biotechnologie Sabine Mundt
Halle Pharmazeutische Technologie Katharina Picker-Freyer
Pharmakologie Eva Krause
Kiel Pharmazeutische Biologie Birgit Classen
| | | |58 1548 Deutsche Apotheker Zeitung 148. Jahrgang 10.04.2008 Nr. 15 F e u i l l e t o n
Wenn nun die Leserinnen und Leser dieser Abha­ndStatistik
lung von mir, dem in diesem Fall etwas leichtf­er
Zählt man die Professorinnen und Privatdozen ­ tigen Autor verlangen würden, er solle entscheiden,
tinnen zusammen, so ergibt sich die folgende F­ ä wer von den „aufgeführten“ Pharmazeutinnen die
cher ­Statistik: powervollste sei oder welche das beste verbale
. Pharmazeutische Biologie 13 Selbstportrait geliefert hat, dann stünde ich vor­ ei
. Chemie 10 nem großen Problem. Ich würde es lösen nach dem
. Technologie 7 spanischen Grundsatzn o es mejor, no es peior, es
. Pharmakologie 5 diferente und erwidern: Keine ist besser, keine ist
. Klinische Pharmazie 2 schlechter, sie sind nur verschieden.
. Sonstige 4
In der folgenden Abbildung ist das Anwachsen der Blick über die Grenzen
Stellen für Professorinnen und Privatdozentinnen
in den letzten 18 Jahren an deutschen Hochschu ­ Ähnliche Entwicklungen dürften in Österreich und
len grafsch dargestellt. in der Schweiz zu beobachten sein. Vielleicht fn­
det sich ein Pharmaziehistoriker,
der sich um einen zusammenfas­
senden Überblick bemüht, das w­ä
re doch interessanter, als über das
100. Apothekenjubiläum oder das
1000. antike Standgefäß zu be ­
richten.
Sicher wäre es auch reizvoll, mit
der Frauensituation an Pharma ­
zeutischen Instituten anderer euro ­
päischer Länder zu vergleichen.
Auch das wäre ein Thema für den
Historiker.
In außereuropäischen Ländern
sind die Verhältnisse sehr unter ­
schiedlich und abhängig von poli ­
tischen, fnanziellen oder rassisti ­
schen Gegebenheiten. Es macht
also wenig Sinn, mit deutschen
Verhältnissen zu vergleichen.
Doch eine Ausnahme zu nennen,
sei mir gestattet. Im Oktober 1995
Anzahl Privatdozentinnen (blau) und Professorinnen (orange) vom WS
war ich eingeladen, einen Festvor­
1990/91 bis WS 2007/08.
trag anlässlich des 50­jährigen
Bestehens der Pharmazeutischen
Fakultät an der EHWA­Frauenuniversität in Seoul Kurze, verbale Porträts mit Bild
zu halten.
Hier werden (in alphabetischer Reihenfolge) kurze Es war zugleich die 100­Jahrfeier dieser Elite­­Uni
Lebensläufe der Powerfrauen publiziert. Meinem versität, die 1895 von einer vermögenden Unter ­
Wunsch, den Umfang auf eine halbe Schreibma ­ nehmerwitwe mit der Maßgabe gestiftet wurde, an
schinenseite zu beschränken, konnte aufgrund der dieser Alma Mater nur Frauen studieren zu lassen.
Datenfülle nur in wenigen Fällen entsprochen wer­ Sie hatte sich darüber geärgert, dass an den korea­
den. Ich habe mir erlaubt, hie und da etwas zu nischen Universitäten damals Frauen nur aus­
kürzen und zu vereinheitlichen, gleichzeitig jedoch nahmsweise zum Studium zugelassen wurden.
von der Langeweile stereotyper Aussagen etwas Heute zählt alleine die Pharmazeutische Fakultät
Abstand zu gewinnen. Auch besteht keine Äquiv­a der EHWA rund 3000 (in Worten dreitausend) Stu­
lenz zwischen der Länge eines Beitrags und des­ dentinnen. Wie schon erwähnt, mit deutschen V­er
sen Inhalt. hältnissen nicht vergleichbar.
Notabene. Erst vor 100 Jahren (1908) wurde in
Deutschland – zunächst in Preußen – die Mäd ­Das Urteil des Paris
chenschulreform durchgeführt, die den Frauen das
Paris, ein Hirte auf dem Berge Ida, hatte ein Recht zu einem akademischen Studium gab. Etwas
kleines Problem. Er wurde zum Schiedsrichter ­ er spät, wenn man mit koreanischen Verhältnissen
koren und sollte den Streit zwischen den Göt­ vergleicht!
tinnen Hera, Athene und Aphrodite schlichten,
welche von ihnen die Schönste sei. Er entschied Frauen in der Deutschen
sich für Aphrodite, was ihm letzten Endes nicht Pharmazeutischen Gesellschaft
gut bekommen ist. Hätte er sich für eine andere
Göttin entschieden – auch das hätte ihm nachträg ­ 1905 wurde auf einer Hauptversammlung der
lich Schwierigkeiten bereitet. DPhG heftig und kontrovers darüber diskutiert, ob
| | | |60 1550 Deutsche Apotheker Zeitung 148. Jahrgang 10.04.2008 Nr. 15 F e u i l l e t o n
auch Frauen Mitglieder der Gesellschaft werden Symposien und Kongressen, Mitglieder in Hera­us
könnten. gebergremien wissenschaftlicher Bücher und ­Zeit
Man kam zu der Auffassung … „so kann auch Da­ schriften, ein Mitglied in der Arzneibuchkomm­ is
men, welche diese Bedingungen erfüllen, der Ein­ sion und Frauen in weiteren verantwortungsvollen
tritt in die Gesellschaft nicht verwehrt werden“. Es hochkarätigen i­n und ausländischen Positionen.
dauerte dann aber noch 15 Jahre, bis 1920 die ers­
te Frau Aufnahme in die DPhG fand. Bis zu die­ Auch in anderen Bereichen, wie Apothekerkam ­
sem Zeitpunkt bestand die Deutsche Pharmazeuti ­ mern und Verbänden oder der Organisation von
sche Gesellschaft nur aus männlichen Mitgliedern. Fortbildungsveranstaltungen, „stehen Frauen ihren
Mann“. Darüber zu refektieren sei Anderen vorbe­
halten. Ich will mich auf den wissenschaftlichen Stand vom Mitglieder davon %
Umkreis beschränken. Doch wenn von Umkreis insgesamt Frauen
die Rede ist, sollte man auch die PTA­Schulen
04.12.2004 7 761 3 926 50,6 nicht vergessen, wo zwar im Allgemeinen keine
04.12.2005 8 171 4 189 51,3 Forschung betrieben, aber hochwertige Lehre ­ ge
boten wird. Nennen möchte ich hier, stellvertre­04.12.2006 8 577 4 529 52,8
tend für alle anderen Powerfrauen dieses ­Be
04.12.2007 8 906 4 820 54,1 reiches, Frau Dr. Gisela Wurm. Als ehemalige Lei­
terin der PTA­Schule in Gelsenkirchen hat sie eine
Oder sollte man besser sagen „aus nur männlichen musterhafte Lehranstalt aufgebaut. Als Fortbil­
Mitgliedern“? Umso erfreulicher ist die Entwick ­ dungsbeauftragte der Kammer scheute sie sich nie,
lung der letzten Jahre: die besten und prominentesten Redner zu v­er
1972 wollte der Deutsche Akademikerinnenv­er pfichten, bis hin zu einem Nobelpreisträger wie
band wissen, ob Frauen Mitglieder des Vorstandes Manfred Eigen.
der DPhG seien. Die Frage musste verneint wer­
den. Lediglich in den Vorständen einiger Landes ­ „Powerfrauen“
gruppen gab es auch Frauen. 1978 wurde endlich
eine Frau Vorsitzende einer Landesgruppe. Es war Einige Bemerkungen zur Resonanz auf meine Bit­
in Bayern – wo die Uhren offensichtlich etwas te an die verehrten Kolleginnen, eine kurze Selbst­
schneller ticken – und es war Frau Prof. Dr. Elsa darstellung mit Bild zu liefern, scheinen mir eben­
Ullmann. so interessant zu sein, wie der Versuch den Begriff
Mit etwas Stolz darf ich erwähnen, dass zu Beginn „Powerfrauen“ zu defnieren.
meiner Funktion als Präsident der DPhG (1978 bis Die Resonanz war powervoll. Die Idee, die Initia ­
1981) als erste Frau Dr. Susanne Boy aus Mann ­ tive, der Plan, das Projekt seien begrüßenswert,
heim zur Schatzmeisterin gewählt wurde. sehr gut, toll, ganz toll bis großartig.
Und wie ist es heute bestellt um die Position der „Es schmeichelt mir, als Powerfrau (P) dargestellt
Frauen im Vorstand des Dachverbandes? Erfreu ­ zu werden.“
lich, sogar sehr erfreulich. Im Vierjahresturnus „Besten Dank, dass Sie auch mich zu den P. zäh-
2004–2007 war Frau Prof. Dr. Ulrike Holzgrabe len.“
die erste Präsidentin. Ab 1. Januar 2008 ist zwar „Die Bezeichnung als P. ehrt mich sehr.“
die Präsidentin wieder durch einen Präsidenten ­ er „Ich habe mich sehr darüber gefreut.“
setzt, jedoch kann sich die DPhG erstmals über die „Ich fnde es wunderbar, dass Sie über Pharma-
Wahl von gleich drei Vizepräsidentinnen freuen: zeutische P. schreiben.“
. für den Bereich Offzinpharmazie Frau Dr. Anke „Herzlichen Dank, dass Sie sich die Mühe ma-
Ritter, Arnstadt, chen, die Damen der Pharmazie vorzustellen“
. für den Bereich Hochschule Frau Prof. Dr. Su­ „Auch wenn ich mich nicht als P. betrachte, möch-
sanne Alban, Kiel, te ich Ihr Projekt gerne unterstützen.“
. für den Bereich Industriepharmazie Frau Dr ­. Pe„Ihr Wunsch ist mir Befehl.“
tra Schoettler, München. Aber auch eine kritische Bemerkung ging ein:
„Ihre Initiative fnde ich sehr gut, nur denke ich
manchmal, dass das Powerfrauendasein auch sei-Besondere Positionen von Pharmazeutin-
ne Schattenseiten hat. Erschreckend fnde ich, wie nen in wissenschaftlichen Gremien
viele dieser P. Singles, getrennt oder geschieden
In den letzten Jahren hat man erkannt, dass Frauen sind, d. h. das P-Dasein hat defnitiv seinen Preis“.
bestens geeignet sind, nicht nur für Führun­ gusnd Nun aber zum Begriff Powerfrau.
Verwaltungspositionen an den Universitäten so­n Wenn der brave Mann auf der Straße nach Power­
dern darüber hinaus ebenso, um verantwortun­gs frauen gefragt wird, so nennt er vielleicht die ­Box
volle Positionen in wissenschaftlichen Gremien zu weltmeisterin Regina Halmich, oder die erfolg ­
übernehmen. Wer die kurzen Lebensläufe unserer reichste deutsche Olympionikin aller Zeiten, die
Powerfrauen aufmerksam liest, fndet dort Instit­uts Kanutin Birgit Fischer, die bei sechs Olympia­
Direktorinnen, Prorektorinnen, eine Vizepräsid­ en Starts acht Goldmedaillen gewann, oder die Biath ­
tin, Dekaninnen, Vorsitzende Wissenschaftlicher letin Magdalena Neuner als weiblichen Shooting­
Beiräte von Bundesbehörden, ein Mitglied im S­e Star, die Supersängerinnen Anna Netrebko und
nat der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Fa­ch Elina Garanca oder die Politikerinnen Angela
gutachterinnen der DFG, Organisatorinnen von Merkel und Hillary Clinton.
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Doch mit Sportlerinnen, Sängerinnen und Politik ­e nigen männlichen Kollegen immer noch wahr­zu
rinnen ist weder der Begriff Powerfrauen defniert, nehmen ist. Vielleicht kommt eine unterbewusste
noch sind alle Bereiche umrissen, in welchen sie und verspätete Revanche an einem früh­ge
aktiv sind. Das würde sich auch nicht ändern, schichtlichen Matriarchat zur Geltung.
wenn wir Superwissenschaftlerinnen wie Marie In Deutschland sind nur 18 Prozent aller Prof­es
Curie oder Lise Meitner hinzufügten. soren weiblich und nur 8 Prozent der Lehrstühle
Um endlich zu erfahren, was Powerfrauen sind, (heute müsste man C4­Stellen sagen) mit Frauen
lesen wir die Defnitionen von zwei Frauen, die besetzt (Stand 2006).
selbst in der Öffentlichkeit als solche dargestellt Und wie sieht es zum Vergleich im Bereich der
werden. wissenschaftlichen Pharmazie aus?
Nelly Kostadinova (Inhaberin und Geschäftsführe ­ „Schaun wir mal“ (würde Beckenbauer sagen)
rin der Lingua World GmbH): Powerfrau? Das ist uns die Verhältnisse an den Deutschen Univer­si
jede Frau, die sich etwas traut. täten an.
Monika Piel (WDR­Intendantin): Jede Frau, die Kommentar: Die oft von den Mammutfächern
sich Herausforderungen stellt und Verantwortung Chemie, Physik und Biologie etwas belächelten
übernimmt, ist auf ihre Art eine P. und zur Seite gedrängten Pharmazeuten nehmen,
Dazu passt die Bemerkung einer der angeschriebe­ was die Umsetzung der weltweiten Forderung
nen Kolleginnen: P. sind solche, weil sie vielfältige „Mehr Frauen in die oberen Etagen!“ anbelangt,
Aufgaben wahrnehmen. d. h. hier mehr Professorinnen, eine hervorragen­
de und beispielhafte Position ein. Im Schnitt
sind 26,6 Prozent der Pharmazeutischen Prof­ esZum Thema Frauenquote
sorenschaft Frauen (gegenüber 18%) und der
Einige der Powerfrauen würde es interessieren, wo Prozentsatz an C4­Professorinnen liegt bei
ich die wichtigsten Gründe für die gleichbleibend 31,4%, bezogen auf die Gesamtzahl an Profes­so
schlechte Frauenquote bei der Vergabe von Profes­ rinnen. Das ist ebenso erstaunlich wie die Vi­el
suren sehe und mit welcher Rezeptur man zur
Überwindung dieses Missstandes beitragen könn­
te. Dazu muss zunächst festgestellt werden, dass Verhältnis Professoren zu Professorinnen in den Pharma-
bei Berufungsverfahren an deutschen Hochschulen zeutischen Fächern an deutschen Hochschulen*
gar keine Frauenquote existiert. Lediglich im
Universität % + Gleichstellungsgesetz für den öffentlichen Dienst
ist eine relative Quotenregelung enthalten. Berlin 10 2 20
Man ist der Meinung, dass Frauen, die über eine
Bonn 8 3 37,5Quote berufen sind, nicht ernst genommen wer­
Braunschweig 7 4 57,1den, dass ihnen ein „Gerüchle“ anhaften würde,
auch wenn sie selbst hochqualifziert sind. In der Düsseldorf 11 2 18,2
Politik hat die Quotenregelung allerdings gefruch ­
Erlangen 6 0 0tet. Die Grünen beschlossen einmal, dass mindes ­
tens die Hälfte aller Ämter weiblich zu besetzen Frankfurt 9 1 11,1
sind und hatten in ihren eigenen Reihen damit gro­
Freiburg 5 2 40
ßen Erfolg.
Greifswald 4 1 25Nachdem die Frauen sich mit großer Anstr­en
gung das Recht erkämpft hatten, überhaupt an Halle 8 4 50
einer Universität studieren zu dürfen, ist leider
Hamburg 3 2 66,7auch davon auszugehen, dass es vergleichsweise
lange dauern wird, bis die Gleichberechtigun g Heidelberg 7 1 14,3
in Lehre und Forschung vollzogen ist. Warum Jena 5 0 0
bleiben bis heute nur wenige Frauen nach ihrem
Kiel 8 1 12,5Examen an den Hochschulen in der Wisse­n
schaft und wie kann man Abhilfe schaffen? Mehr Leipzig 3 2 66,7
und bessere ganztägige Kinderbetreuung ist die
Mainz 8 1 12,5beste Frauenförderung. Ein gewisser Beitrag zur
Marburg 14 2 14,3Besserung wird auch durch den Exzellentwett­
bewerb geleistet, wobei die Hochschulen g­ e München 7 1 14,3
zwungen werden, Selbstverpfichtungen zur
Münster 7 1 14,3Frauenförderung zu vereinbaren, „sonst gebe es
kein Geld“. Regensburg 11 0 0
Bisher mangelt es auch am Willen und der Z­ü
Saarbrücken 4 1 25
gigkeit bei der Umsetzung der Frauenquote.
Tübingen 6 1 16,7Doch das ist nicht hochschulspezifsch. Warum
werden in der Wirtschaft und Verwaltung Frauen Würzburg 8 3 37,5
für die gleiche Leistung heute immer noch
* Emer itierte Professoren und Professoren im Ruhestand sowie schlechter bezahlt als ihre männlichen Kollegen?
Professoren aus Medizinischen Fakultäten, die Dienstleistun-Die Antwort „Frauenpower macht Männer sauer“
gen erbringen, wurden nicht mitgezähltwäre zu simpel, obwohl diese Einstellung bei e­i
| | | |64 1554 Deutsche Apotheker Zeitung 148. Jahrgang 10.04.2008 Nr. 15 F e u i l l e t o n
zu neuen potentiellen Arzneistoffen“. Seit 2002 Verfasser
ist sie C3­Professorin für Pharmazeutische Bio­
logie in Kiel. (ehemals Frauenbeauftrag-
In ihrer interdisziplinären Forschung sind „Zu­ter der Fakultät für Chemie
cker“ das verbindende Element. In den verschiede ­und Pharmazie der Universi-
nen Projekten geht es einerseits um Themen der tät Tübingen)
Grundlagenforschung (Wirkstoffentwicklung, ­me
Prof. Dr. rer. nat. chanistisches Netzwerk „Infammation – Hämo­
Dr. h. c. Hermann J. Roth stase – Tumormetastasierung“), andererseits um
Friedrich-Naumann-Str. 33, Praxis­orientierte pharmazeutische und medizi ­
76187 Karlsruhe nisch­hämostaseologische Fragestellungen.
www.h-roth-kunst.com Das Engagement in zahlreichen staatlichen, wis­
info@h-roth-kunst.com senschaftlichen und auch medizinischen Gremien
und die Mitgliedschaft im Herausgeberbeirat meh­
rerer Journale sowie die Organisation von Sympo ­
seitigkeit der Forschungsthemen, mit denen die sien und Kongressen betrachtet sie als interessante
Pharmazeutischen Wissenschaftlerinnen Beiträge Erfahrungen, aber auch als einen beachtlichen
zur besseren Kenntnis des Arzneimittelschicksals „Zeitfresser“.
und damit zu einem Fortschritt in der medik­a Sofern es die Zeit erlaubt, wird täglich eine Runde
mentösen Therapie leisten. Sport angestrebt. Freude bereiten ihr das Lesen ­ ei
nes guten Buches, der Besuch einer Kunstausstel ­
lung oder das Erlebnis eines Konzerts.Auch musisch begabt
Zum Abschluss soll auch die musische Seite u­n Heike Bunjes, als Hanseatin 1967
serer P. Erwähnung fnden. Es darf festgehalten in Bremen geboren, promovierte
werden, dass von den gepriesenen Kolleginnen 1998 in Jena über die „Einfussnah ­
über 20% ein Musikinstrument spielen oder als me unterschiedlicher Faktoren auf
Chorsängerinnen aktiv sind. Wenn ihre Anzahl Struktur und Eigenschaften von
auch nicht reicht, um einen respektablen Chor Nanopartik eln aus festen Triglyce­
zusammenzustellen, so wäre es den Pharmaze­u riden“ (Betreuung K. Westesen).
tischen Instrumentalistinnen in der Tat möglich, Juniorprofessorin wurde sie 2005
praktisch alle Triosonaten (von Bach, Bachs Söh­ am Jenaer Institut für Pharmazie,
nen, Telemann, den Hofmusikern Friedrichs II., seit Wintersemester 2006/2007 ist
Quantz, Graun und Benda) des 18. Jahrhunderts sie Professorin für Pharmazeutische
„zur Belustigung großer Fürsten und Herrn, zur Technologie an der TU Braunschweig.
Unterhaltung vornehmer Gäste, bey herrlichen Ihr Forschungsschwerpunkt liegt im Bereich nano­
Mahlzeiten“ zu spielen. Sogar das Quartett für partikulärer und nanostrukturierter Arzneistoff­
Klavier, Querföte, Violine und Cello von Johann trägersysteme auf Lipidbasis, insbesondere im
Nepomuk Hummel könnte von ihnen aufgeführt Hinblick auf deren Nutzung für die Applikation
werden, nicht zu schweigen von verschiedenen schwer wasserlöslicher Wirkstoffe.
Musikstücken zu vier Händen oder für zwei Durch physikalisch­chemische Charakterisierung,
K laviere. Wirkstofffreisetzungsuntersuchungen und das ­Stu
dium der Wechselwirkungen von Partikeln mit
physiologischen Flüssigkeiten und Zellkulturmo ­
Porträts der Powerfrauen dellen kommt sie Struktur ­Funktionsbeziehungen
in ihren Systemen auf die Spur.
Susanne Alban. Von Saarlouis aus, In ihrer Freizeit ist sie gerne in der Natur unter­
einer Stadt, die im Zweiten Wel­t wegs und musiziert zudem ein wenig.
krieg weitgehend zerstört wurde,
aber 1964, als sie dort geboren Beate Diettrich, neben zahlreichen dienstlichen
wurde, schon wieder aufgebaut war, und außerdienstlichen Aufgaben auch Essa­Ay u­
hat sie das berufiche Schicksal torin im online­Lexikon der Arzneipfanzen und
nach Kiel verschlagen, wo sie de­r Drogen, wurde 1954 in Lichtenstein/Sachsen g­ e
zeit Direktorin des Pharmazeu­ti boren, promovierte 1979 an der Universität H­al
schen Instituts der Universität ist. le­Wittenberg mit einer Arbeit zum
Dazwischen liegen 1993 die Pr­o Thema „Protoplasten von Digitalis
motion in Regensburg mit der Di­s purpurea – Herstellung, Charakte­ri
sertation „Synthese und physiologische Testung sierung, Verklonung“ (Leitung M.
neuartiger Heparinoide“ (Leitung G. Franz), der Luckner). Sie habilitierte sich 1986
„Kulturpreis Ostbayern“ (1994), Pos­tdoc­Auf­ an derselben Universität mit der A­ r
enthalte 1994 und 1996 an der Loyola University beit „Kardenolidbildung und Mo­r
Medical Center in Chicago, der „Bayerische H­ a phogenese in Gewebekulturen von
bilitations­Förderpreis 1996“ und die Habilitation Digitalis lanata“. 1987 wurde ihr
1999 für das Fach „Pharmazeutische Biologie“ die „Facultas docendi“ verliehen;
mit der Arbeit „Von sulfatierten Polysacchariden 1988 erfolgte die Ernennung zur
| | | |66 1556 Deutsche Apotheker Zeitung 148. Jahrgang 10.04.2008 Nr. 15 F e u i l l e t o n
Dozentin für das Fach Pharmazeutische Biologie. Gisela Drews. Die wissenschaftliche
Das Jahr 1989 begann mit einem Studienaufe­nt Arbeit begann mit Studien zum Salz ­
halt am Institut für Pfanzenphysiologie der U­ni transport an Epithelien und wurde wei­
versität Zürich in der Arbeitsgruppe P. Matile. tergeführt mit Arbeiten zur Regulation
1991 arbeitete sie im Arbeitskreis von E C.. Co­ der Nervenerregung. 1986 hat die Dia­
cking an der Uni in Nottingham. 1993 wurde sie betologie Frau Drews in ihren Bann ge­
als Professorin für „Zellkulturtechnik“ an die zogen, und seitdem ist die Faszination
Universität Halle­Wittenberg berufen. an der Funktion der Insulin­sezernie ­
Zu ihren Hobbys gehören Literatur und Reisen. renden Zellen erhalten geblieben.
Geboren ist sie 1956 in Ebern, promo ­
Birgit Dräger. Wesentliche Statio­ viert wurde sie 1985 in Berlin mit „Un ­
nen ihrer Vita sind Hopsten, Kreis tersuchungen zur osmoregulatorischen Fähigkeit
Steinfurt, wo sie geboren wurde, und zur Salzaufnahme über das Kiemenepithel
die Uni Münster, wo 1986 im Fach­ von Uca tangeri“ am Institut für Tierphysiologie
bereich Biologie unter Leitung von (Leitung K. Graszynski). Die Habilitation erfolgte
W. Barz die Promotion mit einer 1992 in Homburg (Med. Fakultät der Universität
Arbeit über photoautotrophe und des Saarlandes) in Humanphysiologie mit der Ar­
photoheterotrophe Zellkulturen­ er beit „Zur Kontrolle der Funktion der B­Zellen des
folgte, und das Institute of Cell and Mäusepankreas durch Hormone und Neuropepti ­
Tissue Culture, Universität Kyoto, de“. Seit 1995 ist sie Professorin für Pharmak­olo
wo sie bis 1989 als Postdoc bei gie am Pharmazeutischen Institut in Tübingen.
Yasuyuki Yamada arbeitete. Die Habilitation für Die wissenschaftliche Arbeit wurde und wird
Pharmazeutische Biologie über Enzyme und P­ro durch zahlreiche Drittmittelförderungen durch
dukte der Tropinonreduktion fand 1996 in Mün­ s die Deutsche Forschungsgemeinschaft (SFB und
ter statt. Seitdem ist sie am Institut für Pharmazie Einzelanträge, Auslandsstipendium und Heisen­
der Uni Halle Professorin für Biogene Arz­nei berg ­Stipendium), die Deutsche Diabetesgese­ll
stoffe. Themen ihrer Forschung sind Calystegine, schaft und die Deutsche Diabete­sStiftung unte­r
weit verbreitete Tropanalkaloide, Wirkstoffe aus stützt.
Pfanzen wie Antioxidantien und Phytoestrogene. Außeruniversitär liest und wandert sie gerne und
Die dazu notwendigen Methoden sind vielseitig: schätzt die Kultur und Küche Frankreichs.
DNA­ und RNA­Isolierung, PCR, cDNA ­Klonie­
rung, Proteinexpression, Proteinreinigung, ­En Petra Högger. Geboren 1964 in Lipp ­
zymkinetik, Protein­Immunomarkierung, Ga­s stadt, wurde sie 1992 an der Universität
chromatographie, HPLC, Massenspektrometrie. Münster mit der Dissertation „Überprü ­
Als Kontrastprogramm wären Lyrik und Prosa, fung biochemischer Streßparameter als
Theater, Kabarett und Kino zu nennen. Indikatoren für die experimentelle ­Al
gesimetrie“ unter Leitung von P. Roh ­
Jennifer B. Dressman. Sie stammt aus Australien, dewald promoviert. Ein DFG­Stipendi ­
wurde in Horsham geboren, studierte Pharmazie um ermöglichte ihr einen 18­monatigen
am Victorian College of Pharmacy und promo ­ Forschungsaufenthalt an der University
vierte an der Universität Kansas unter der Leitung of California, San Francisco, in der Ar­
von Takeru Higuchi, bevor sie von 1980 bis 1983 beitsgruppe von W. Sadée, wo sie sich
bei Burroughs Wellcome mit molekularbiologischen Untersuchungen am
und Merck & Co. als Seni ­ Muskarinrezeptor befasste. Die Habilitation ­er
or Scientist tätig war. 1983 folgte 2000 in Münster mit der Arbeit „Molekulare
erfolgte ein Ruf als Assis ­ und klinische Aspekte der Glucocorticoidwir ­
tent Professor an die Uni ­ kung“. Im gleichen Jahr nahm sie einen Ruf auf
versität Michigan, wo sie eine C3­Professur für Pharmazeutische Chemie an
von 1989 bis 1994 als As­ der Universität Würzburg an. Seitdem vertritt sie
sociate Professor tätig war. dort neben der Klinischen Chemie schwerpunkt ­
Seit 1994 ist sie C 3­Pro ­ mäßig die Klinische Pharmazie in der Lehre.
fessor für Pharmazeutische Ihr Forschungsgebiet ist die Pharmakokinetik und
Technologie an der Univer­ Pharmakodynamik inhalativ verabreichter Arznei ­
sität Frankfurt. Der Ar­ stoffe und aktiver Komponenten in antiinfamma ­
beitskreis Dressman beschäftigt sich mit der Ent­ torisch wirksamen Pfanzenextrakten.
wicklung aussagekräftiger Testmodelle, um die
Resorption peroral applizierter Arzneistoffe im Ulrike Holzgrabe hat als erste Präsidentin der
Gastrointestinaltrakt,basierend auf physiologi ­ Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft eine
schen und arzneiformbezogenen Gegebenheiten, bisherige Männerbastion erobert und „deutlich ­ge
vorauszusagen. macht“ – wie unsere Politiker so gerne sagen –,
Ihre Freizeit verbringt sie sehr gerne mit ihrer ­ Fadass auch Frauen „ihren Mann stehen können“,
milie (Tochter Anna­Lena ist mittlerweile neun wenn es um die Führung einer wissenschaftlichen
Jahre alt), liest gerne Bücher und besucht die Oper Gesellschaft geht.
und klassische Konzerte. Geboren wurde sie 1956 in Wuppertal. Als Di­
plom­Chemikerin und Apothekerin promovierte
| | | |68 1558 Deutsche Apotheker Zeitung 148. Jahrgang 10.04.2008 Nr. 15 F e u i l l e t o n
sie 1983 in Kiel unter Leitung von 2000 bis 2002 arbeitete sie als Stipendiatin des
R. Haller mit der Dissertation „Un ­ Bayerischen Habilitationsförderpreises a. u.in To­
tersuchungen zur Konformation und kio, an den Universitäten von Florenz und Sydney
Konfguration heterocyclischer und am Department of Immunology des Scripps
Bicyclo[3.3.1]nonanone und ihrer Research Institute (La Jolla, USA). 2003 habili ­
Reduktionsprodukte“. Habilitiert hat tierte sie sich in den Fächern Pharmazeutische
sie sich 1989 in Kiel mit der Arbeit Biologie und Pharmakologie an der Universität
„Oxidative Cyclisierung von β­Ami ­ München mit dem Thema „Zytoprotektion durch
noketonen mit Cer(IV)sulfat zu biogene Substanzen“ und wechselte dann nach La
1,2,3,4­Tetrahydroisochinolinen“. Jolla, (s. o.). Ab 2004 war sie parallel dazu auch an
1990 folgte sie einem Ruf als C ­3Pro­ der University of California in San Diego (UCSD)
fessorin für Pharmazeutische Chemie nach Bonn, tätig. Seit 2005 ist sie Professorin für Pharmazeu ­
wo sie außerdem von 1997 bis 1999 Prorektorin tische Biologie an der Universität des Saarlandes.
war. Seit 1999 ist sie Lehrstuhlinhaberin an der U­ ni Die Forschungsschwerpunkte betreffen molekulare
versität Würzburg. Aufenthaltsstationen als Postdoc Mechanismen von Entzündungsprozessen.
und Gastprofessorin waren die School of Pharmacy Ihre Freizeitbeschäftigungen sind Musizieren
der Universität Bath, UK, und das College of Ph­ar (Gesang, Klavier), Lesen und Sport.
macy der University of Illinois, Chicago.
Es konnte nicht ausbleiben, dass die heutige „Alt ­ Charlotte Kloft. Ihr Motto lautet:
präsidentin“ der DPhG schon in ihrer „Jugend“ Wege entstehen, wenn wir sie gehen.
Mitglied zahlreicher deutscher und europäischer Und so entschied sich die 1967 ge ­
Kommissionen und wissenschaftlicher Beiräte borene Frankfurterin für das neue
wurde. Fach Klinische Pharmazie, als es
In der wenigen Freizeit, die aufgrund der vielf ­ äl noch in den Geburtswehen lag. Nach
tigen Aktivitäten übrig bleibt, unternimmt sie ger­ ihrer Promotion (Betreuung U. Jaeh­
ne längere Wanderungen in heimischen und aus­ de und W. Schunack , FU Berlin) ar­
ländischen Geflden, reist in ferne Kontinente und beitete sie zunächst in der Arznei ­
besucht Kunstausstellungen. mittelforschung und ­entwicklung in
der pharmazeutischen Industrie.
Regine Kahl studierte Me ­ Doch die Hochschullaufbahn reizte sie mehr. Meh­
dizin in Berlin und Ham­ rere Forschungsaufenthalte 1999, 2002 und 2004
burg und schloss ihre Aus ­ bei H. Derendorf, University of Florida, und M. O.
bildung 1969 mit der Pro ­ Karlsson, Uppsala University, bestärkten sie in ih­
motion an der Universität rem Weg. Als erste Deutsche habilitierte sie sich
Hamburg ab. In den Jahren 2003 für das Fach Klinische Pharmazie an der FU
1976 bis 1982 war sie wis­ Berlin. Seit 2005 ist sie Universitätsprofessorin für
senschaftliche Angestellte dieses Fach am Institut für der Univ­er
in der Abteilung Toxikolo ­ sität Halle­Wittenberg. Ihre Forschung ist mehr­
gie der Universität Mainz. fach ausgezeichnet worden.
Die Anerkennung als Fach ­ In der knappen Freizeit geht sie gerne ins Theater
pharmakologin DGPT erfolgte 1981. Im Jahr 1982 und erfreut sich am Ballett.
habilitierte sie sich für Pharmakologie und Toxik ­ o
logie an der Universität Mainz. Sie erhielt ein Hei­ Susanne Klumpp. Wer sie
senberg­Stipendium der Deutschen Forschungs­ kennt, schätzt ihre zupa ­
gemeinschaft und war bis 1988 wissenschaftlich ckende und direkte Art so­
tätig am Max­von­Pettenkofer ­Institut des Bundes­ wie die stete Hilfsbereit ­
gesundheitsamtes in Berlin. Nach einer C2­Profes ­ schaft der 1956 in Ulm ge­
sur in Göttingen und einer C3­Professur in Ham­ borenen Kollegin. Sie wur ­
burg ist sie seit 1993 Inhaberin einer C4­Professur de 1982 von der Fakultät
und Direktorin des Instituts für Toxikologie der für Chemie und Pharmazie
Universität Düsseldorf. der Universität Tübingen
Es liegt ein umfangreiches Publikationsverzeichnis mit der Note „summa cum
vor. Außerdem ist sie Mitherausgeberin der F­ach laude“ zum Dr. rer. nat.
zeitschrift „Toxicology“. promoviert und habilitierte sich dort 1989 für das
Fach Pharmazeutische Chemie. Mit einem Heisen ­
Alexandra K. Kiemer, mit derzeit berg­Stipendium forschte sie 1992 bis 1995 an der
37 Lenzen die Jüngste im Reigen KFA in Jülich und am Caltech in Pasadena. Da ­
meiner powervollen Kolleginnen, nach nahm sie den Ruf auf eine C3­Professur in
promovierte 1997 am Institut für Marburg an und folgte 2002 einem Ruf auf die
Pharmakologie, Toxikologie und C4­Professur für Pharmazeutische und Medizini ­
Pharmazie der Tierärztlichen Fakul­ sche Chemie an der Universität Münster.
tät der Uni München über das The ­ Der wissenschaftliche Schwerpunkt von Susanne
ma „Das Atriale Natriuretische Pep­ Klumpp liegt auf dem Gebiet der reversiblen Pro­
tid als autokriner Regulator der ­in teinphosphorylierung, insbesondere den Protein ­
duzierbaren NO­Synthase“. Von phosphatasen. Die Proteinhistidinphosphatase ist
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ihre Entdeckung. Sie hat mehr als hundert wissen ­ versität Bonn. Dort ist sie seitdem als Leiterin der
schaftliche Arbeiten publiziert und genießt auf ­ ih neugegründeten Abteilung „Molekular ­, Zell­ und
rem Forschungsgebiet weltweites Ansehen. Was Pharmakobiologie“ tätig. Ihre Arbeitsgruppe ­be
nicht ausbleiben konnte: Sie war in zahlreichen schäftigt sich mit der molekularen Funktionsweise
Kommissionen an der Universität Tübingen, Mar ­ G­Protein­gekoppelter Rezeptoren, der derzeit ­ be
burg und Münster tätig und übernahm in Marburg deutendsten Proteinfamilie auf dem Arzneimittel ­
zweimal das Amt des Dekans. markt.
In ihrer Freizeit favorisiert sie Schwimmen, ­Ski
fahren, Wandern und Reisen. Irene Krämer schloss 1988 bundes­
weit als erste Absolventin die Weite­r
Gabriele Maria König erlebt man bildung zur Fachapothekerin für Kl­ini
fast immer aktiv und dynamisch. sche Pharmazie ab. Geboren ist sie
Geboren ist sie 1957 in Schwäbisch 1957 in der Stadt mit der Porta Nigra,
Gmünd, promoviert wurde sie 1985 promoviert wurde sie 1986 in der
in Freiburg mit der Dissertation „Iri­ Stadt Gutenbergs mit der Dissertation
doidglykoside in Avicennia marina „Das Oxadiazolsystem als Harnstoff­
und A. offcinalis“ (Leitung H. Rimp­ äquivalent in neuen Histamin­H ­Ant­2
ler), und habilitiert hat sie sich 1993 agonisten“ (Leitung W. Schunack).
an der ETH Zürich, Departement Die Habilitation erfolgte 1999 im
Pharmazie, mit der Arbeit „Chemi ­ Fach Pharmazeutische Technologie in Mainz.
cal and Biological Investigations of 2006 wurde sie zur apl. Professorin für Klinische
Natural Products derived from Marine and Terres­ Pharmazie am Fachbereich Chemie, Pharmazie
trial Sources” (Leitung O. Sticher). Von 1994 bis und Geowissenschaften der Universität Mainz ­er
1999 schloss sich eine Tätigkeit als C3­Professorin nannt. Seit September 1991 leitet sie als Direkt­o
am Institut für Pharmazeutische Biologie der TU rin die Apotheke des Klinikums der Uni Mainz.
Braunschweig an, 1999 erfolgte die Berufung auf Schwerpunkte ihrer wissenschaftlichen Arbeit
den Lehrstuhl am Institut für Pharmazeutische sind die zentrale Zytostatikazubereitung, der o­n
Biologie der Universität Bonn. kologische Patient, die klinisch pharmazeutische
Die Forschungsschwerpunkte umfassen die Identi ­ Betreuung ausgewählter Patientenkollektive, S ­ta
fzierung von pharmakologisch aktiven Naturstof ­ bilität applikationsfertiger Parenteralia, Protein­
fen als Leitstrukturen für die Wirkstoffentwick ­ arzneimittel und Biosimilars. Zu nennen sind
lung, wobei insbesondere marine Naturstoffe aus auch zahlreiche Buchbeiträge, das Engagement
Schwämmen, Korallen, Bryozoen und Mikroor­ga im Bundesverband Deutscher Krankenhausap­ o
nismen im Fokus stehen. Molekularbiologische theker (u .a. als dessen Präsidentin) und die Mi­t
Arbeiten zur Biosynthese von Naturstoffen k­on gliedschaft in verschiedenen wissenschaftlichen
zentrieren sich auf Polyketidsynthasen und nicht­ Kommissionen.
ribosomale Peptidsynthetasen in gleitenden Bakte ­ Neben ihrer Arbeit liebt sie alle schönen Dinge
rien und Cyanobakterien. des Lebens, insbesondere gutes Essen und guten
Die Freizeit ist durch sportliche Aktivitäten wie Wein, und ist eine leidenschaftliche Köchin.
Kanufahren und Wandern ausgefüllt. Auch der
große Garten erfordert viel Einsatz. Stephanie Läer erfüllt op­
timale Voraussetzungen für
Evi Kostenis. Außerdienstlich gilt ihre ganze Auf­ die Lehr­ und Forscher­
merksamkeit der fünfköpfgen Familie. Hut ab vor tätigkeit im pharmazeut­i
einer Frau, die drei kleine Kinder zu betreuen hat schen Bereich, nämlich die
und daneben in Forschung und Lehre Beachtliches Approbation als Apotheke ­
leistet. Sie wurde 1966 in München geboren. Die rin (1988) und die als Ärz­
Dissertation über „Allosterische Modulation mus­ tin (1994). Im gleichen
karinischer Acetylcholinrezeptoren“ erarbeitete sie Jahr promovierte sie an
von 1992 bis 1995 unter der Leitung von K. Mohr der Universität Göttingen
an der Universität Bonn. mit dem Thema „Pharm­a
An die Promotion schloss sich ein dreieinhalb­ kologische Beeinfussung des Dopaminstoff­
jähriger Aufenthalt an den National Institutes of wechsels im Striatum der Ratte unter den Bed­in
Health in Bethesda, USA, an, der neue Einblicke gungen zerebraler Oligämie“. Ihre Arbeit wurde
in die Molekular ­ und Zellbiologie durch ein Stipendium der Ma­xPlanck­Gesell­
erlaubte. 1999 kehrte sie zurück und schaft unterstützt. Als wissenschaftliche M­ it
leitete ein Molekularbiologisches arbeiterin im Universitätsklinikum Hambur­g
Labor der Herz­Kreislauf­Forschung E ppendorf erwarb sie 2000 den Facharzt für­ Ex
in der pharmazeutischen Industrie. perimentelle Pharmakologie und Toxikologie und
Ende 2002 nahm sie eine Position 2002 den Facharzt für Klinische Pharmakologie.
als Abteilungsleiterin in einem Bio ­ Im Jahr 2001 erfolgte die Habilitation mit dem
technologie­Unternehmen in Kopen ­ Thema „Untersuchungen zur Therapie von He­rz
hagen an. 2006 erhielt sie den Ruf rhythmusstörungen und Herzinsuffzienz mit Beta­
auf eine W3­Professur im Fach rezeptorblockern bei Kindern“. Nach einem A ­us
Pharmazeutische Biologie der Uni­ landsaufenthalt im Rahmen ihres Heisenbe­rg
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